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Vollständige Version anzeigen : Geschichte: 2. Weltkrieg


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Klaus E. Daniel
10.10.2003, 10:41
Ich werde hier einen rein historischen Geschichtsthread aufmachen, der mich viel Zeit kosten wird.

Ich bitte mich bei der Transferierung nicht zu stören, weil ich nicht weiß, wieviel Zeichen in einen Kasten passen.
Auch werde ich manche Formatierungs - Zeichen entfernen müssen, weil die hiesige Software sie nicht kennt.

Es braucht Zeit, also b i t t e nicht stören !

Gruß

Klaus E. Daniel

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 10:47
Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939



Auf Befehl Adolf Hitlers überfiel am 1.9.die deutsche Wehrmacht ohne Kriegserklärung Polen. Daraufhin erklärten Frankreich und Großbritannien Deutschland am 3.9.1939 den Krieg. Australien, Indien und Neuseeland schlossen sich der britischen Kriegserklärung am 6.9., die kanadische und südafrikanische Regierung am 19.9.an. Die USA hielten sich zunächst vom europäischen Kriegsschauplatz fern. Der amerikanische Präsident Roosevelt ließ jedoch keinen Zweifel darüber aufkommen, dass er Großbritannien und Frankreich in ihrer Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Aggressor durch Wirtschafts- und Militärhilfe unterstützen werde. Weit weniger eindeutig war das Verhältnis zwischen der Sowjetunion unter Stalin und dem Deutschen Reich zu Beginn des Krieges. In einem Vertrag, den der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop am 23.8.1939 in Moskau unterzeichnete, versicherten sich die beiden Partner, im Kriegsfall nicht die Kriegsgegner des anderen Vertragspartners zu unterstützen. Der auf zehn Jahre abgeschlossene Hitler-Stalin-Pakt beinhaltete neben der Verpflichtung, sich nicht an Bündniskonstellationen zu Lasten des anderen zu beteiligen, ein geheimes Zusatzprotokoll, in dem Polen und die baltischen Staaten in russische und deutsche Einflusszonen aufgeteilt wurden. Die außenpolitische Ausgangssituation im Jahr 1939 hatte sich entgegen Hitlers ursprünglichen Vorstellungen entwickelt. England, Hitlers Wunschpartner, war nicht gewillt, den Expansionsdrang des Deutschen Reiches durch ein Bündnis abzusichern. Die Frontstellung des britischen Empires gegen das Deutsche Reich vereitelte Hitlers Plan, durch eine globale Interessenaufteilung mit Großbritannien „freie Hand im Osten", d.h. die Möglichkeit zur Umsetzung seiner gegen die slawischen Länder gerichteten Expansionspläne zu erlangen. Hitler schätzte die britische Appeasement-Politik grundsätzlich falsch ein. Zwar erkannten die Briten Teile der deutschen Revisionsforderungen an, doch während Hitler England durch ein bilaterales Abkommen auf seine Seite ziehen wollte, planten die Briten, das Deutsche Reich durch eine entgegenkommende Politik einzubinden, um damit den Frieden in Europa zu sichern. Ziel Hitlers war es dagegen, das internationale System kollektiver Sicherheit zu beseitigen. Mit Hilfe des deutsch-sowjetischen Bündnisses versuchte Hitler, seinen Handlungsspielraum im Osten wiederzuerlangen. Die Sowjetunion betrachtete die Vereinbarung als Sicherheitsbündnis auf Zeit. Die „Vernunftehe" zwischen Hitler und Stalin bedeutete keine irreversible Festlegung auf ein neuartiges Bündnissystem. Beide Seiten trachteten danach, technologisch und wirtschaftlich voneinander zu profitieren, um die jeweiligen Expansionspläne im geeigneten Moment vorantreiben zu können.




Literatur zum Thema Zweiter Weltkrieg


Taschenlexikon Zweiter Weltkrieg. Reinhard Barth, Friedemann Bedürftig , Müchen 2000

A World at Arms : A Global History of World War II. Gerhard L. Weinberg. Taschenbuch (August 1995)

Der Zweite Weltkrieg 1939 - 1945. Kriegsziele und Strategie der großen Mächte. Andreas Hillgruber. 216 Seiten (1996)



Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, 10 Bde., Bd.1, Ursachen und Voraussetzungen der deutschen Kriegspolitik. Wilhelm Deist, Manfred Messerschmidt, Hans-Erich Volkmann Gebundene Ausgabe - 764 Seiten (1979)

Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, 10 Bde., Bd.2, Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent. Klaus A. Maier, Horst Rohde, Bernd Stegemann Preis: 439 Seiten (1979)

Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, 10 Bde., Bd.3, Der Mittelmeerraum und Südosteuropa 1940-1941. Gebundene Ausgabe (1979)

Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, 10 Bde., Bd.4, Der Angriff auf die Sowjetunion. Horst Boog, Jürgen Förster, Joachim Hoffmann. Gebundene Ausgabe (1987)

Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, 10 Bde., Bd.5/1, Organisation und Mobilisierung des deutschen Machtbereichs. Bernhard R. Kroener, Rolf-Dieter Müller, Hans Umbreit. Gebundene Ausgabe (1988)

Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, 10 Bde., Bd.5/2, Organisation und Mobilisierung des deutschen Machtbereichs. Bernhard R. Kroener, Rolf-Dieter Müller, Hans Umbreit. Gebundene Ausgabe (1999)

Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, 10 Bde., Bd.6, Der globale Krieg. Horst Boog, Werner Rahn, Reinhard Stumpf. Gebundene Ausgabe (1990)

Aufzeichnungen aus dem Führerhauptquartier 1940-1945. Marianne Feuersenger, Gebundene Ausgabe (1999)

Verbrechen der Wehrmacht. Eine Ausstellung und ihre Folgen. Gebundene Ausgabe - 322 Seiten (1999)

Deutsche Quellen zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Michael Salewski Gebundene Ausgabe - 360 Seiten (1998)

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 11:16
Vorgeschichte
1925


Vertrag von Locarno: Stresemann will Verständigung mit Frankreich. England ist bereit, die deutsch-französische Grenze zu garantieren, um den wirtschaftlichen Aufstieg zu sichern. Briand sah darin einen Vorteil für Frankreich. In Locarno erkennt das Reich unter Verzicht auf eine gewaltsame Veränderung seiner Ostgrenze die Westgrenze von 1919 an. Stresemann erhoffte von Locarno die Aufnahme in den Völkerbund, Räumung der besetzten Gebiete, Lösung der Saarfrage und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Frankreich.

1931


Japanische Besetzung der Mandschurei auf Eigenitiative der Kwantung-Armee. Japan hatte damit versucht, die von den USA auf der Konferenz von Washington 1921/22 erzwungene Aufgabe seiner im 1. WK gewonnenen führenden Stellung in China, rückgängig zu machen. Aufgrund des amerikanischen Isolationismus wurde die japanische Expansion nur mit einer Politik der Nicht-Anerkennung beantwortet. Scheitern des Völkerbundes als internationale Ordnungsmacht.

1932

März
Errichtung des Marionettenstaates Mandschuko in der Mandschurei

9.7.
Ende der Reparationen auf der Konferenz von Lausanne

11.12.
Rüstungsgleichberechtigung Deutschlands durch die Regierung Schleicher in Genf.

1933

30.1.
Regierungsantritt Hitlers. Die langfristigen Zielsetzungen einer wilhelminisch-alldeutsch geprägten und durch die Revisionskampagne der Weimarer Republik an die Schalthebel der Macht gelangten Führungseliten (Papen, Hugenberg, Neurath), deckten sich nahezu vollständig mit Hitlers Nahzielen, die er aus taktischen Gründen lediglich propagierte. Die kontinentale Hegemonie bildete die tragfähige Basis für die Nazis einerseits und die bürgerlich-monarchistisch, staatstragenden Kreise andererseits. Es bestand eine Interessenskongruenz, aber keine Abhängigkeit der politischen Führung von Vorstellungen und Plänen der Wirtschaft.

3.2.
Hitler unterbreitet der Reichswehr sein Lebensraumprogramm: Herrschaft der germanischen Rasse über ein nach Osten expandierendes Großreich.

5.3.
Reichstagswahlen: NSDAP 44%, Gleichschaltung der Länder beginnt.

24.3.
Ermächtigungsgesetz. Nach der Machtübernahme und raschen Monopolisierung der politischen Macht bestand der wichtigste Beitrag der NSDAP zur Kriegsvorbereitung darin, daß sie schon in Friedenszeiten eine Art Kriegsorganisation des politischen Systems und der Gesellschaft herbeiführten. (Burgfrieden 1914)

27.3.
Austritt Japans aus dem Völkerbund.

17.5.
Friedensrede Hitlers wird von allen Reichstragsfraktionen gebilligt.

15.7.
Paraphraphsierung des Viererpaktes.

14.10.
Deutschland verläßt die Abrüstungskonferenz und den Völkerbund als Frankreich eine allgemeine Abrüstung erst nach 4 Jahren deutscher Bewährung zugestehen will. Gründe:

Reichswehr wollte angelaufenes Rüstungsprogramm nicht stoppen.

Gefahr einer zweiten Revolution durch die SA --> Austritt hebt Prestige Hitlers

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 11:21
1934

26.1.
Nichtangriffspakt mit Polen auf Initiative Hitlers bedeutete einen demonstrativen Bruch mit der bisherigen konservativen Revisionspolitik in enger Kooperation mit Rußland. Damit wurde eine schrittweise Entmachtung des auswärtigen Amtes eingeleitet. Ziel war die Beruhigung der Ostgrenze und eine mögliche Verwendung Polens im Zuge der antisowjetischen Stoßrichtung. Die Technik dieser äußeren Abschirmung der inneren Wehrhaftmachung bewährte sich. Nach der kritischen Startphase konnte die Führung ihren Kurs der Wiederaufrüstung und Machtentfaltung beschleunigen. Die Einheitsfront der Garantiemächte von Versailles löste sich auf.

17.4.
Note Frankreichs an England wegen Bruch des Versailler Vertrages durch Deutschland.

30.6.
Röhm-Affäre: Bedrohung der Entente von 1933. SA strebt nach Ursupation des gesamten Bereichs der Landesverteidigung. Hitler erweist sich für die Militärs als treuer Bündnispartner, der das System der zwei Säulen stabilisiert. Passivität gegenüber der Morde an zwei Reichswehrgeneralen.

2.8.
Tod Hindenburgs, Hitler wird Führer und Reichskanzler, Vereidigung der Reicheswehr auf Hitler.

18.9
UdSSR tritt dem Völkerbund bei.

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 11:26
1935

13.1.
Volksabstimmung im Saargebiet

16.3.
Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht, Allgemeine Wehrpflicht, Bruch des Versailler Vertrages.

11.4.
Stresa-Konferenz, Ächtung einseitiger deutscher Vertragsaufhebung.

16.5.
Beistandspakt Frankreich-UdSSR

18.6.
Deutsch-britisches Flottanabkommen (35%) als implizite Anerkennung der deutschen Aufrüstung und Schwächung der Stresafront.

3.10.
Italien im Krieg mit Abessinien. Mit einem siegreichen Feldzug in Abessinien konnte Mussolini Italiens internationale Position als Großmacht ausbauen und sich den deutschen Avancen nach einem letztlich auch von ihm angestrebten Bündnis als gleichberechtigter Partner stellen. Zerfall der Allianz der ehemaligen Siegermächte. Entwertung des Völkerbundes

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 11:31
1936


15.1.
Scheitern der Londoner Flottenkonferenz

7.3.
Remilitarisierung des Rheinlandes im Schatten des Abessinienkonfliktes (Ausschaltung des Völkerbundes, Differenzen zwischen GB und Frankreich). Dies bedeutete nicht nur einen Bruch des Versailler, sondern auch des Locarno-Vertrages. Frankreich kann sich wegen seiner Maginomentalität nicht zu Gegenmaßnahmen entschließen. GB sieht mangels Angriff auf Frankreichs Gebiet keinen Handlungsbedarf. Wendepunkt der nationalsozialistischen Außenpolitik.

16.7.
Spanischer Bürgerkrieg bis 28.3.1939. Gründe:

Instabile Entwicklung nach dem verlorenen Krieg gegen die USA 1898

Tradition von militärbeeinflußten Regierungswechsel

Politisch-soziale Krise nach dem Sturz der Monarchie

Die unabhängige Hilfe von Italien und Deutschland bracht beide Regime näher zusammen.

9.9.
Verkündung des Vierjahresplanes. Konzentration auf Chemie.

1.11.
Mussolini erklärt Achse Rom-Berlin nachdem Hitler sich durch die Anerkennung der Abessinieneroberungen Italien genähert hatte.

25.11.
Antikominternpakt Berlin-Tokio, ein Jahr später Rom. Offiziell gegen die Komintern, inoffiziell gegen die UdSSR gerichtet. Einleitung der langjährigen Zusammenarbeit mit Japan. Hitler hoffte auf einen Beitritt GBs. Letztlich war der Pakt nur ein Propagandacoup. Konsolidierung der mitteleuropäischen Hegemonie und Werben um England nach der vorausgegangenen Wiederwerhaftmachung. Ribbentrop sah jedoch bald ein, daß England keinesfalls einlenken wollte und strebte nach einem antienglischen Umbau des Paktes (siehe Tirpitzs Alternative zum probritischen Kurs Hollwegs). --> Hitler-Stalin-Pakt à Bündnisfront Madrid bis Yokohama.

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 11:38
1937
Proklamation der Neuen Ordnung Ostasiens durch die Japaner mit der Forderung nach Vorherrschaft in diesem Raum. Unter dem Schlagwort Asien den Asiaten und dem Hinweis auf das Selbstbestimmungsrecht der ostasiatischen Völker kämpfte Japan vorgeblich gegen die Bevormundung und Ausbeutung durch die weißen europäischen Kolonialherrn. Unter der Vorstellung einer Großasiatischen Wohlstandssphäre strebte die Führung des rohstoffarmen und überbevölkerten Landes nach Expansionsmöglichkeiten für die Produkte der heim

16.2.
Göring wirbt um Polen

24.6.
Weisung für Kriegsvorbereitung der Wehrmacht.

7.7.
Beginn des japanisch-chinesischen Krieges nach einem Zwischenfall auf der Marco-Polo-Brücke in Peking. Der Eroberungszug der Japaner führte bis zum Frühjahr 1939 zur Besetzung ganz Nord- und Mittelchinas sowie der wichtigsten Hafenstädte Südchinas. Die national-chinesische Regierung unter Marschall Tschiang Kai-Shek zog sich mit ihren Truppen (und den Kommunisten) ins Innere des Landes zurück. Provisorische Hauptstadt wurde Tschunking in der Provinz Szetschwan. USA, GB und Sowjetunion unterstützten den Kampf, hielten jedoch ihre diplomatischen Beziehungen zu Japan aufrecht. Mit der Erstarrung der Fronten in China bildete sich dort ein labiles Gleichgewicht aus.

21.8.
Nichtangriffspakt UdSSR-China

5.10.
Antideutsche Quarantäne-Rede Roosevelts

6.11.
Italien tritt dem Antikominternpakt bei

5.11.
Hoßbach-Protokoll. Lebensraum unter Einsatz von Gewalt. Hitler spricht erstmals vom Haßgegner England. Er ist am Ende seiner Politik, da weder Konzessionen noch Drohungen GB aus der Politik Europas drängen konnten. Zeitpunkt des spätesten Lossschlagens (Strategisches Fenster) 1943-45. Zuvor Niederwerfung der Tschechei und Österreichs.

26.11.
Schacht tritt als Wirtschaftsminister zurück.

11.12.
Italien verläßt den Völkerbund.

13.12.
Nanking Massaker und Panay-Zwischenfall

22.12.
ischen Industrie und für den Abbau des inneren Bevölkerungsdrucks sowie nach sicheren Bezugsquellen für lebenswichtige Rohstoffe wie Öl, Kautschuk und Eisenerz.

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 11:44
1938

Anfang
Entschluß Hitlers Japan im Konflikt mit China zu unterstützen. Im Bündnis mit der stärksten Macht im Fernen Osten sollte China politisch und damit zwangsläufig auch wirtschaftlich beherrscht werden. Japans Erfolge in China sollen GB und USA binden.

5.2.
Blomberg-Fritsch-Krise. Entlassung Blombergs (Heirat mit einer Prostituierten) und Fritschs (Homosexualität), Bildung des OKW, Hitler wird Oberbefehlshaber der Wehrmacht. Ribbentrop wird Außenminister. Gleichschaltung der letzten beiden Bastionen der Konservativen. Erste Oppositionspläne zugunsten einer Rehabilitation von Fritsch.

13.3.
Anschluß Österreichs um einer Volksabstimmung von Bundeskanzler Schuschnig zuvorzukommen. Ergebnis: Zugriff auf die tschechische Südflanke + Gold- und Devisenvorräte + Rohlstoffe + Soldaten des Bundesheeres.

30.5.
Geheimbefehl Hitlers: Zerschlagung der Tschechoslowakei (Fall Grün). Ziel Rückenfreiheit für Kampf im Westen + Aufmarschgebiet für Kampf im Osten + Rohstoffe + Arbeitskräfte + Industrie (Waffen).

18.8.
Rücktritt von General Beck aus Protest gegen Hitlers Angriffspläne gegen die Tschechoslowakei.

29.9
Münchner Abkommen. Hitler wird durch Widerstände im Militär, durch die schlechte Stimmung in der Bevölkerung und die Offerten von England, Frankreich und Italien an der Zerschlagung gehindert. Er bekommt nur das Sudetenland (Minderheit/K. Henlein). Ergebnis:

Rückkehr von 3,1 Mio. Deutschen ins Reich

Tschechoslowakei war geschwächt und militärisch schutzlos

Britische Apeasement-Politik geriet innenpolitisch unter Druck.

Frankreich hatte jeden Einfluß als Großmacht, vor allem auf seine Ostverbündeten verloren.

Sowjetunion mußte ihre Isolation von den Westmächten überwinden. --> Bündnis mit Deutschland auf Kosten Polens

Japan quittiert die Niederlage der Westmächte mit der Proklamation der Neuen Ordnung Asiens und manifestiert damit seinen Hegemonialanspruch über China

Hitler war von der Schwäche der Westmächte überzeugt und ordnete bereits am 21. Oktober die Zerschlagung der Rest-Tschechei an.

Putschpläne Halders, Osters und Gisevius’ werden obsolet mit der friedlichen Regelung des Konfliktes. Geplant war eine Verhaftung Hitlers bzw. seine Tötung (Verschwörung in der Verschwörung). Britische Apeasement-Politik als ein Versuch, ein Weltreich mit unzureichenden Mitteln zusammenzuhalten und damit im Mutterland der besitzenden Oberschicht ihre Privilegien zu wahren. Ein Schuldgefühl am Ausbruch des 1. WK und der folglich ungerechten Behandlung der Deutschen in der Versailler Friedensregelung war in England weit verbreitet. In Asien waren die Westmächte nicht an einer ähnlichen Regelung interessiert, da es sich bei China um eine eindeutige militärische Aggression ohne Volkstumsgrund handelte.

3.10.
Neues Rüstungsprogramm Englands

21.10.
Führerweisung: Erledigung der Rest-Tschechei.

24.10.
Ribbentrop bietet Polen Generalbereinigung an: Danzig zum Reich, Grenzanerkennung. Das war die Aufgabe fast aller revisionistischen Forderungen. Angebot war als Basis eines Bündnisses gedacht mit evtl. Beitritt zum Antikominternpakt.

6.11.
Deutsch-Französische Nichtangriffserkärung in Paris

9.11.
Reichspogromnacht

Fazit
Die Führung des 3. Reiches überschritt 1938/39 die entscheidende Schwelle vom letzen Friedens- zum ersten Kriegsjahr eigentlich nur mit der Gewißheit in zwei Dingen: daß das Schicksal der Rest-Tschechei besiegelt war und daß bereits Polen und Danzig auf der Tagesordnung standen. Die selbstverschuldete Zuspitzung der internationalen Lage und die sich abzeichnende ökonomisch-militärische Überlegenheit der Gegner ließ den Zeitpunkt von der friedlichen Revision zur gewaltsamen Aggression näherrücken. Ein einheitlicher Kriegsplan existierte ebensowenig wie eine hinreichende Einschätzung der Haltung der Westmächte und Polens. Wehrwirtschaftlich bot sich nur die Alternative einer radikalen Abrüstung oder der Beginn eines Raubkrieges.

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 11:50
1939


30.1.
Hitler prophezeit im Reichstag die Vernichtung der jüdischen Rasse.

14.3.
Slowakei auf Veranlassung Hitlers unabhängig.

16.3.
Reichsprotektorat Böhmen und Mähren. Damit überschreitet Hitler zum ersten mal die ethnische Grenze seiner Forderungen. Vorwiegend militärische und wehrwirtschaftliche Vorteile:

Verkürzung der Militärgrenze

Erleichterung der Verkehrsverbindungen zwischen Österreich und Ostdeutschland

Waffenproduktion

Arbeitskräfte

Rohstoffe und Lebensmittel

21.3.
Hitler fordert die Rückgabe Danzigs und Bau einer exterritorialen Autobahn durch den Korridor

23.3.
Abtretung des Memelgebietes von Litauen an das Reich. Deutsch-Rumänischer Handelsvertrag.

26.3.
Polen lehnt deutsche Forderung ab. Damit waren die Bemühungen zunichte gemacht, einen Kontinentalblock unter deutscher Führung zu bilden. Ein machtpolitisches Dreieck Rom-Berlin -Warschau hätte das Reich schlagartig kriegsfähig gemacht, sei es gegen Frankreich oder die Sowjetunion.

28.3.
Spanien tritt dem Antikominternpakt bei.

31.3.
Französisch-Britische Garantieerklärung für Polen wird von Hitler nur als demonstrative Geste gesehen. Dabei hatte man ihm signalisiert, daß eine weitere Expansion auf friedlichem Wege nicht mehr möglich sei.

3.4.
Füherweisung: Angriffskrieg gegen Polen (Fall Weiß)

7.4.
Italiens Einmarsch in Albanien

27.4.
Hitler kündigt Verständigungsvertrag mit Polen und Flottenabkommen mit England.

Mai
Kämpfe im mandschurisch-mongolischen Grenzgebiet zwischen der japanischen Kwantung-Armee und der sowjetischen Fernost-Armee. Die seit 1931 in sowjetischer Sicht bestehende potentielle Zweifrontensituation des einzigen sozialistischen Landes gegen Japan und Deutschland schien im Sommer 1939 aktuell zu werden.

22.5.
Deutsch-Italienischer Stahlpakt als Propagandaaktion. Mussolini hatte zuvor verkündet, Italien werde erst 1942/43 kriegsbereit sein.

23.5.
Hitler erklärt der Generalität sein Angriffspläne. (Danzig ist nicht das Objekt ...). Kleine Ostlösung im Sinne der konservativen Eliten seit Weimar, d.h. gleichzeitige Bereinigung des Baltikumproblems. Arrondierung des Lebensraums im Osten.

23.8.
Nichtangriffspakt Deutschland-UdSSR als Resultat des Scheiterns der vordringlichen Pläne eines Dreiecks Berlin-Rom-Tokyo. Britische und französische Verhandlungen mit der UdSSR waren zuvor gescheitert an der Forderung eines Interventionsfreibriefs für Moskau. Inhalt war die wohlwollende Neutralität der Sowjetunion bei einem Krieg und die Aufteilung ganz Ostmitteleuropas in eine deutsche und sowjetische Interessenssphäre. Japan wandte sich von Deutschland wegen des Bruchs des Antikominternpaktes ab. Zweck des Paktes für Hitler war:

Neutralisierung der UdSSR beim Angriff auf Polen

Strategische Einschnürung und Isolierung Polens vom Osten her

Abschreckung der Westmächte vor einer Intervention, da das antibritische Bündnis mit Japan nicht zustandegekommen war und der Stahlpakt sich für den Sommer als nutzlos erwies.

Im Falle einer Auseinandersetzung im Westen Rückenfreiheit im Osten und wirtschaftliche Versorgung Stalin konnte mit dem Pakte den Krieg noch zwei Jahre von seinem Land fernhalten, er war ohnehin davon überzeugt, daß die imperialistischen Mächte früher oder später über das einzige sozialistische Land herfallen würden und brauchte Zeit zum Rüsten. Außerdem erhielt er eine strategische Sicherheitszone in Ost- und Südosteuropa und konnte auf die Selbstzerfleischung der kapitalistischen Staaten warten. Dabei unterstützte er den schwächeren Staat, um nach Kriegsende eine möglichst gute Position zu haben.

25.8.
Britisch-Polnischer Militärpakt. Brief Mussolinis, daß er nicht vor 1942 in einen Krieg eintreten kann, verzögert den Angriffstermin.

1.9.
Angriff auf Polen (Fall Weiß). Der Krieg sollte nicht nur einen Unsicherheitsfaktor im Rücken des Reiches ausschalten, sondern zugleich die materiellen Voraussetzungen für den Westkrieg durch die Ausbeutung der polnischen Wirtschaft verbessern. Auch hier ging es schon um die Erweiterung des Lebensraumes, die restlose Zertrümmerung Polens. Der Blitzkrieg gegen Polen verdankte seine Entstehung ebenso der Untätigkeit der Westmächte wie der Vabanque-Spieler-Mentalität Hitlers. Letztlich waren selbstverantwortete rüstungswirtschaftliche und militärpolitische Zwangslagen, eine Teilidentität der Ziele (Messerschmidt) zwischen konservativen und braunen Eliten und ein wiederbelebtes Einkreisungstrauma mit der alleinigen Möglichkeit der Flucht nach vorn für den Krieg verantwortlich.

3.9.
Kriegserklärung Englands und Frankreichs. Damit war Hitlers Versuch gescheitert, von England gegen die Zusicherung, die globalen See- und Handelsinteressen des britischen Weltreiches zu respektieren, freie Hand zur Aufrichtung der Vorherrschaft Deutschlands auf dem europäischen Kontinent zu erhalten. Bromberger Blutsonntag.

17.9.
Einmarsch der sowjetischen Armee in Ostpolen um vorgeblich ukrainische und weißrussische Minderheiten zu schützen, nachdem der polnische Staat nicht mehr existierte.

25.9.
Waffenstillstand zwischen Japan und Sowjetunion in Fernost. Japan hatte eine schwere Niederlage erlitten. Seine Entscheidung außerhalb des europäischen Krieges zu bleiben wurde weiterhin durch den Bruch des Antikominternpaktes durch das deutsch-sowjetische Abkommen legitimiert.

28.9.
Deutsch-Sowjetischer Grenzvertrag. Kapitulation von Warschau

7.10.
Himmler wird Reichskommisar für die Festigung des deutschen Volkstums

6.10.
Friedensapell Hitlers an die Westmächte im Reichstag: Ende der Expansion. Wird aber zurückgewiesen.

9.10.
Führerweisung: Angriff im Westen. Es bildet sich eine wehemente militärische Opposition wegen militärischer Probleme (Putschpläne Halders werden aber bald aufgegeben). U.a. wg. des Wetters wird der Angriff dann 29 Mal verschoben bis im Mail 1940 die Wehrmacht deutlich besser gerüstet ist.

3.11.
US-Hilfe für England Cash & Carry

5.11.
Staatsstreichplanung (Halder u.a.) wird abgeblasen, nachdem Halder sich durch eine Bemerkung Hitler ertappt fühlt.

8.11.
Attentat auf Hitler in München

30.11.
Beginn des sowjetisch-finnischen Winterkrieges. Finnland war bis 1917 Teil des russischen Reiches und war seit dem deutsch-sowjetischen Geheimabkommen Teil der sowjetischen Interessenssphäre. Westmächte erwägen eine Intervention zugunsten Finnlands, aber auch einen Luftangriff gegen die rumänischen und kaukasischen Ölfelder um Deutschland und die Sowjetunion beide zu treffen.

Ende
Nachdem die Westmächte im September 1939 die Chance, im Westen anzugreifen und die militärische Initiative zugewinnen verfehlt hatten, verpaßten sie diese Chance im Winter 1939/40 erneut, weil sie - angetreten im Namen des Völkerrechts - auf die Rechte Dritter Rücksicht nehmen mußten und das Risiko scheuten, das die Planspiele militärisch und politisch darstellten. (Bombardierung der sowjetischen Ölfelder in Baku, Hilfe für Finnland)

pavement
10.10.2003, 11:57
ausgezeichnet! das war mal nötig.

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 12:04
1939


30.1.
Hitler prophezeit im Reichstag die Vernichtung der jüdischen Rasse.

14.3.
Slowakei auf Veranlassung Hitlers unabhängig.

16.3.
Reichsprotektorat Böhmen und Mähren. Damit überschreitet Hitler zum ersten mal die ethnische Grenze seiner Forderungen. Vorwiegend militärische und wehrwirtschaftliche Vorteile:

Verkürzung der Militärgrenze

Erleichterung der Verkehrsverbindungen zwischen Österreich und Ostdeutschland

Waffenproduktion

Arbeitskräfte

Rohstoffe und Lebensmittel

21.3.
Hitler fordert die Rückgabe Danzigs und Bau einer exterritorialen Autobahn durch den Korridor

23.3.
Abtretung des Memelgebietes von Litauen an das Reich. Deutsch-Rumänischer Handelsvertrag.

26.3.
Polen lehnt deutsche Forderung ab. Damit waren die Bemühungen zunichte gemacht, einen Kontinentalblock unter deutscher Führung zu bilden. Ein machtpolitisches Dreieck Rom-Berlin -Warschau hätte das Reich schlagartig kriegsfähig gemacht, sei es gegen Frankreich oder die Sowjetunion.

28.3.
Spanien tritt dem Antikominternpakt bei.

31.3.
Französisch-Britische Garantieerklärung für Polen wird von Hitler nur als demonstrative Geste gesehen. Dabei hatte man ihm signalisiert, daß eine weitere Expansion auf friedlichem Wege nicht mehr möglich sei.

3.4.
Füherweisung: Angriffskrieg gegen Polen (Fall Weiß)

7.4.
Italiens Einmarsch in Albanien

27.4.
Hitler kündigt Verständigungsvertrag mit Polen und Flottenabkommen mit England.

Mai
Kämpfe im mandschurisch-mongolischen Grenzgebiet zwischen der japanischen Kwantung-Armee und der sowjetischen Fernost-Armee. Die seit 1931 in sowjetischer Sicht bestehende potentielle Zweifrontensituation des einzigen sozialistischen Landes gegen Japan und Deutschland schien im Sommer 1939 aktuell zu werden.

22.5.
Deutsch-Italienischer Stahlpakt als Propagandaaktion. Mussolini hatte zuvor verkündet, Italien werde erst 1942/43 kriegsbereit sein.

23.5.
Hitler erklärt der Generalität sein Angriffspläne. (Danzig ist nicht das Objekt ...). Kleine Ostlösung im Sinne der konservativen Eliten seit Weimar, d.h. gleichzeitige Bereinigung des Baltikumproblems. Arrondierung des Lebensraums im Osten.

23.8.
Nichtangriffspakt Deutschland-UdSSR als Resultat des Scheiterns der vordringlichen Pläne eines Dreiecks Berlin-Rom-Tokyo. Britische und französische Verhandlungen mit der UdSSR waren zuvor gescheitert an der Forderung eines Interventionsfreibriefs für Moskau. Inhalt war die wohlwollende Neutralität der Sowjetunion bei einem Krieg und die Aufteilung ganz Ostmitteleuropas in eine deutsche und sowjetische Interessenssphäre. Japan wandte sich von Deutschland wegen des Bruchs des Antikominternpaktes ab. Zweck des Paktes für Hitler war:

Neutralisierung der UdSSR beim Angriff auf Polen

Strategische Einschnürung und Isolierung Polens vom Osten her

Abschreckung der Westmächte vor einer Intervention, da das antibritische Bündnis mit Japan nicht zustandegekommen war und der Stahlpakt sich für den Sommer als nutzlos erwies.

Im Falle einer Auseinandersetzung im Westen Rückenfreiheit im Osten und wirtschaftliche Versorgung Stalin konnte mit dem Pakte den Krieg noch zwei Jahre von seinem Land fernhalten, er war ohnehin davon überzeugt, daß die imperialistischen Mächte früher oder später über das einzige sozialistische Land herfallen würden und brauchte Zeit zum Rüsten. Außerdem erhielt er eine strategische Sicherheitszone in Ost- und Südosteuropa und konnte auf die Selbstzerfleischung der kapitalistischen Staaten warten. Dabei unterstützte er den schwächeren Staat, um nach Kriegsende eine möglichst gute Position zu haben.

25.8.
Britisch-Polnischer Militärpakt. Brief Mussolinis, daß er nicht vor 1942 in einen Krieg eintreten kann, verzögert den Angriffstermin.

1.9.
Angriff auf Polen (Fall Weiß). Der Krieg sollte nicht nur einen Unsicherheitsfaktor im Rücken des Reiches ausschalten, sondern zugleich die materiellen Voraussetzungen für den Westkrieg durch die Ausbeutung der polnischen Wirtschaft verbessern. Auch hier ging es schon um die Erweiterung des Lebensraumes, die restlose Zertrümmerung Polens. Der Blitzkrieg gegen Polen verdankte seine Entstehung ebenso der Untätigkeit der Westmächte wie der Vabanque-Spieler-Mentalität Hitlers. Letztlich waren selbstverantwortete rüstungswirtschaftliche und militärpolitische Zwangslagen, eine Teilidentität der Ziele (Messerschmidt) zwischen konservativen und braunen Eliten und ein wiederbelebtes Einkreisungstrauma mit der alleinigen Möglichkeit der Flucht nach vorn für den Krieg verantwortlich.

3.9.
Kriegserklärung Englands und Frankreichs. Damit war Hitlers Versuch gescheitert, von England gegen die Zusicherung, die globalen See- und Handelsinteressen des britischen Weltreiches zu respektieren, freie Hand zur Aufrichtung der Vorherrschaft Deutschlands auf dem europäischen Kontinent zu erhalten. Bromberger Blutsonntag.

17.9.
Einmarsch der sowjetischen Armee in Ostpolen um vorgeblich ukrainische und weißrussische Minderheiten zu schützen, nachdem der polnische Staat nicht mehr existierte.

25.9.
Waffenstillstand zwischen Japan und Sowjetunion in Fernost. Japan hatte eine schwere Niederlage erlitten. Seine Entscheidung außerhalb des europäischen Krieges zu bleiben wurde weiterhin durch den Bruch des Antikominternpaktes durch das deutsch-sowjetische Abkommen legitimiert.

28.9.
Deutsch-Sowjetischer Grenzvertrag. Kapitulation von Warschau

7.10.
Himmler wird Reichskommisar für die Festigung des deutschen Volkstums

6.10.
Friedensapell Hitlers an die Westmächte im Reichstag: Ende der Expansion. Wird aber zurückgewiesen.

9.10.
Führerweisung: Angriff im Westen. Es bildet sich eine wehemente militärische Opposition wegen militärischer Probleme (Putschpläne Halders werden aber bald aufgegeben). U.a. wg. des Wetters wird der Angriff dann 29 Mal verschoben bis im Mail 1940 die Wehrmacht deutlich besser gerüstet ist.

3.11.
US-Hilfe für England Cash & Carry

5.11.
Staatsstreichplanung (Halder u.a.) wird abgeblasen, nachdem Halder sich durch eine Bemerkung Hitler ertappt fühlt.

8.11.
Attentat auf Hitler in München

30.11.
Beginn des sowjetisch-finnischen Winterkrieges. Finnland war bis 1917 Teil des russischen Reiches und war seit dem deutsch-sowjetischen Geheimabkommen Teil der sowjetischen Interessenssphäre. Westmächte erwägen eine Intervention zugunsten Finnlands, aber auch einen Luftangriff gegen die rumänischen und kaukasischen Ölfelder um Deutschland und die Sowjetunion beide zu treffen.

Wichtig
Nachdem die Westmächte im September 1939 die Chance, im Westen anzugreifen und die militärische Initiative zugewinnen verfehlt hatten, verpaßten sie diese Chance im Winter 1939/40 erneut, weil sie - angetreten im Namen des Völkerrechts - auf die Rechte Dritter Rücksicht nehmen mußten und das Risiko scheuten, das die Planspiele ergaben.

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 12:21
[I]1940

11.2.
Deutsch-Sowjetischer Wirtschaftsvertrag.

1.3.
Weisung: Weserübung zur Besetzung Dänemarks und Norwegens. Idee kam von der Marineleitung zur Gewinnung von Stützpunkten zur Seekriegführung im Atlantik Letztlich spielte jedoch auch die Erzzufuhr aus Schweden eine wichtige Rolle. Außerdem bestand die Gefahr einer englischen Besetzung, vor der Quisling warnte.

17.3.
Tod wird Rüstungsminister und organisiert die Rüstung auf der Basis unternehmerischen Spielraums.

9.4.
Deutscher Angriff auf Dänemark und Norwegen.(Fall Weserübung) Damit kommt Deutschland nur wenige Stunden einem gleichartigen Plan GBs zuvor. Ein Drittel der dt. Flotte wird vernichtet, England besetzt Island und die Faröer Inseln. Somit wird Norwegen als Basis für den Atlantikkrieg zweitrangig.

10.5.
Deutscher Angriff im Westen (Fall Gelb, dann Rot). Sichelschnitt Mansteins und Guderians. Drei Ziele:

Frankreich militärisch aus dem Feld zu schlagen, zugleich aber mit der französischen Regierung zu einem Arrangement zu gelangen, so daß die Flotte und das Kolonialreich aus dem Krieg ausscheiden.

Frühzeitig, schon während des Feldzuges mit GB Kontakt aufzunehmen, um mit diesem unter dem Eindruck der französischen Niederlage einen Ausgleich unter Hitlers Bedingungen zu erreichen, wobei aber Empire und Seereich unangetastet bleiben sollten.

Durch die Art der Niederwerfung und des (gemäßigten) Waffenstillstandes einen Ausgleich mit GB auch durch propagandistische Beeinflussung der amerikanischen Öffentlichkeit in den USA (Isolationismus; Europa den Europäern) zu erreichen. Alle drei Einzelziele sollten jene politisch-strategische Ausganssituation in Europa herbeiführen, die Hitler bisher immer für seinen Eroberungszug im Osten als Voraussetzung angesehen hatte.

22.6.
Deutsch-Französischer Waffenstillstand fällt durch Hitler relativ maßvoll aus, um zu verhindern, daß die französische Flotte zu GB überläuft und die Kolonien an der Seite von GB weiterkämpfen. Japan interessiert sich für Indochina.

Juli
Asien: Seit 1937 hatten die Japaner fünf chinesische Provinzen und die chinesische Küste mit ihren Haupthäfen erobert, in Nanking eine chinesische Marionettenregierung eingerichtet und von der Vichy-Regierung im September 1940 die Zustimmung der Besetzung Nord-Indochinas abgepreßt, um die gegnerische Regierung Tschiang Kai-schek von der überseeischen Waffenzufuhr abzuschneiden. Im Juli sprach Ministerpräsident Fürst Konoye von einer göttlichen Mission Japans, die Neue Ordnung Ostasiens auch auf Indochina und die Südsee auszudehnen. Die französischen und niederländischen Besitzungen gerieten ins Visier des japanischen Imperialismus. Die USA und GB sahen sich herausgefordert, vertraten besonders die USA eine Open-Door-Policy. Man erkannte die Regierung in Nanking nicht an und es folgte zwischen Herbst 1940 und Sommer 1941 eine Mischung aus öffentlichen Sanktionen und geheimen Verhandlungen. Auf Drängen der Generale wurden im Juli die bestehenden Parteien aufgelöst und durch eine politische Einheitsfront, die Bewegung zur Unterstützung des Kaiserthrons, ersetzt. Europa: Laut Hillgruber ist der Juli 1940 die eigentliche Wendemarke des Krieges, da sich Hitler endgültig in eine Sackgasse manövriert hatte. Resignative Kräfte in USA und GB konnten sich nicht durchsetzen. In Deutschland war Hitler jetzt endgültig als Führer anerkannt. Das strategische Dreieck Frankreich-Polen-Tschechoslowakei, in dem sich alle Planungen der deutschen militärischen Führung seit 1919 bewegt hatten, war endgültig zerbrochen. Hitler steckte so frei wie nie die kommenden Ziele ab.

16.7.
Führerweisung: Seelöwe

17.7.
Fürst Konoye, der schon von 1937 bis Anfang 1939 japanischer Premierminister gewesen war (verantwortlich für den Chinakrieg) übernahm am 17.7. wieder das Amt. Außenminister wurde der stark nach Deutschland (machtpolitisch) orientierte Matsuoka, Kriegsminister General Tojo. Mit der Kapitulation von Frankreich eröffnete sich eine neue Möglichkeit. Französisch-Indochina besaß über seine wirtschaftliche Bedeutung hinaus für Japan in strategischer Sicht eine Schlüsselrolle > zur weiteren Absperrung. Die Kapitulation der Niederlande weckt Japans Interesse an einem Bündnis mit Deutschland wegen der Aussicht auf Niederländisch-Indien. Deutschland unterstützt dies mit einer ausdrücklichen Verzichtserklärung. Chinas wie als Ausgangsbasis für ein späteres Vorgehen gegen Niederländisch-Indien und Singapur. Zur politischen Absicherung solcher Möglichkeiten war eine Wiederannäherung an Deutschland sinnvoll, das ja die Niederlande und Frankreich geschlagen hatte.

19.7.
USA verabschieden ein Gesetz zum Bau einer Zwei-Ozeane-Flotte

31.7.
Hitler-Entschluß zu Angriff auf die UdSSR dem OKW und dem OKH unterbreitet. Grundziele waren

Ausrottung der jüdisch-bolschewistischen Führungsschicht der Sowjetunion einschließlich der Juden in Ostmitteleuropa

Gewinnung von Kolonialraum für deutsche Siedler

Dezimierung der slawischen Massen und ihre Unterwerfung

Autarkie eines blockadefesten Großraumes mit unerschöpflichen Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Vorstoß bis zu einer Linie Archangelsk-Astrachan.

Dabei schien 1941 als strategisches Fenster, das sich mit der Konsolidierung der Sowjetunion und der Aufrüstung der USA bald zu schließen schien. Weiterhin gab es direkte Gründe, weshalb die UdSSR ausgeschaltet werden mußte, nämlich um:

Erpressungsversuche Stalins abzuwehren, solange die Wehrmacht im Westen gebunden war
GB seinen Festlandsdegen und letzte Hoffnung für ein Weiterkämpfen zu nehmen

Die wehrwirtschaftliche und machtpolitische Basis für den Kampf gegen die USA zu verbreitern

Japan im Rücken zu entlasten, damit es seine ganze Kraft gegen USA und GB in Südostasien und im Pazifik einsetzen und so die USA zwingen könnte, von Europa und einer Hilfe für GB abzulassen.

Laut Hillgruber gab es weiterhin drei Alternativmöglichkeiten zur indirekten Ausschaltung der USA, die jedoch alle Hitlers ideologische Ostkonzeption vernachlässigten.

Ribbentrops politisches Konzept der Schaffung eines europäisch-asiatischen Kontinentalblocks von Madrid bis Yokohama unter Einschluß der Sowjetunion mit Spitze gegen GBs Empire und USA.

Raeders strategische Grundvorstellung einer Schwerpunktverlagerung der deutschen Kriegführung in den Mittelmeerraum und in den Nahen Osten sowie Nordwestafrika, um eine breite strategische und Rohstoffbasis für einen erfolgreichen See- und Luftkrieg gegen GB und die USA im Atlantik zu gewinnen.

Dönitz Forderung nach Konzentration aller Kriegsanstrengungen auf die Unterbrechung der Seeverbindungen zwischen GB und den USA durch einen totalen Ubootkrieg, um die Fernhaltung der USA durch Beherrschung der Seewege zu garantieren.

13.8.
Deutsche Luftoffensive gegen England. In der besonders kritischen Situation für GB ändert jedoch Deutschland die Taktik der Luftüberlegenheit und geht zur Bombardierung von London und anderen Industriestädten über. Damit war die Luftschlacht nicht mehr zu gewinnen. Sie ging verloren, weil die deutsche Führung nicht den festen Willen besaß, die militärische Kraft GBs zu vernichten, wie dies in Frankreich gelang. Hitlers Vernichtungswille konzentrierte sich vielmehr bereits seit Juli 1940 in schnell wachsendem Maße auf die Sowjetunion, so daß unabhängig vom Ausgang der Luftschlacht über England der zweite Schritt - die Landung -, ohne den der erste wenig Sinn ergab, ohnehin nicht mehr getan werden sollte.

2.9.
Destroyer-Base-Deal zwischen USA und GB (50 Zerstörer gegen britische Stützpunkte)

26.9.
Exportembargo für Stahl aus der USA für Japan.

27.9.
Dreimächtepakt Deutschland-Italien-Japan um ein Eingreifen der USA in den europäischen oder ostasiatischen Krieg durch die Drohung eines Zwei-Ozeane-Kriegs zu verhindern. Nach MARTIN eine zufällige Kongruenz beiderseitiger Ziele und letztlich eine Kraftlose Deklamation aufgrund der zahlreichen Einschränkungen. In Japan versuchten Konoye und Matsuoka die proklamierte Großasiatische Wohlstandssphäre abzusichern und innenpolitische Reformen nach faschistischen Vorbildern einzuleiten. Aus Hitlers Sicht war es ein zufällige Allianz ohne Substanz. Mangels eines Automatismus zur Hilfestellung wurde der Pakt niemals zur Grundlage einer engen strategischen Konzeption. Bald darauf kommt es auch zur Besetzung Französisch-Nordindochinas durch Japan mit erzwungener Billigung von Vichy-Frankreich.

22.10.
Treffen Hitlers mit Franco und Pétain Ribbentrops Bemühen um eine weltumspannende Bündnisfront von Madrid bis Yokohama unter Einschluß Franco-Spaniens, Vichy-Frankreichs und Japans, England in die Knie zu zwingen und die USA aus dem Krieg zu halten. Scheitern der Verhandlungen an der Weigerung Hitlers Pétain irgendwelche Zugeständnisse zu machen. Spanien blieb nicht-kriegführend.

28.10
Angriff Italiens auf Griechenland aus Prestigegründen endet in einem Fiasko und führt dort zur Landung von GB.

12.11.
Molotow in Berlin formuliert offen die konkreten Ziele Moskaus: Finnland, Rumänien, Bulgarien und die Türkische Meerenge, sowie einige weitere Gebiete. Wichtig war, daß Stalin offenbar bereits an Kriegsziele dachte, die nach einer Niederlage Deutschlands verwirklicht werden sollten.

13.12.
Führerweisung Nr. 20 (Marita) mit dem vierfachen Ziel,

die arg bedrängten Italiener in Griechenland zu entlasten,

eine Bedrohung der rumänischen Ölfelder durch britische Fernbomber auszuschalten,

den Aufbau einer britischen Front auf dem Kontinent zu verhindern und

die Südflanke beim Angriff auf die Sowjetunion zu sichern.

18.12.
Führerweisung Nr. 21 Barbarossa als Reaktion auf den Molotow-Besuch. (Dazu später mehr)

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 12:30
1941

6.1.
Roosevelt verkündet 4 Freiheiten

19.1.
Treffen Hitler-Mussolini auf dem Berghof

11.2.
Deutsche Truppen in Afrika (Rommel) auf Bitte der Italiener um die verwundbare südliche Flanke Europas nicht in den Aktionsradius britischer Luft- und Seestreitkräfte geraten zu lassen.

11.3.
US Pacht- und Leihgesetz zur Überlassung von Waffen- und Kriegsmaterial für jeden Staat, dessen Verteidigung der Präsident für die Verteidigung der USA für lebenswichtig erachtet. Das Gesetz bekam im Kongreß eine überzeugende Mehrheit, da die Amerikaner gerade durch eine wirksame Hilfe an England hofften, dem Krieg fernbleiben zu können. Notwendig wurde es, weil GB finanziell am Ende war.

6.4.
Deutscher Angriff auf Griechenland und Jugoslawien.(Fall Marita) Letzteres war in den Kriegsplan geraten, als in dem eigentlich dem Dreimächtepakt beigetretenen Land der prowestliche Luftwaffengeneral Simovic mit Hilfe Londons putschte. Dieser schloß zudem einen Freundschafts- und Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion. Staatliche Neuordnungen und deutsch-italienische Besatzungsherrschaft auf dem Balkan provozierten sofort die Bildung von Wiederstandsbewegungen in den besetzen Gebieten.

13.4.
Nichtangriffspakt Japan-UdSSR. Der Pakt schützte die Sowjetunion vor einem Zweifrontenkrieg nach dem Angriff Deutschlands. Konzentration der japanischen Expansion auf eine Stoßrichtung weg von Rußland, hin auf den Süden, nach Singapur (Rückenfreiheit). Am 16. April einigte sich das Oberkommando von Marine und Heer, die Südpolitik energisch zu intensivieren. Dazu sollte es aber vorerst weitere Geheimverhandlungen mit den USA geben. Ein Krieg wurde für den Fall der Ablehnung der friedlichen Expansion in Verbindung mit einem Embargo einkalkuliert, dann wurde auch die Kriegserklärung Deutschlands an die USA erwartet. Im Falle einer Akzeptanz de Expansion hätte man Deutschland sich allein überlassen.

6.5.
Übernahme der sowjetischen Regierung durch Stalin

10.5.
Heß fliegt nach England

13.5.
Barbarossa Gerichtsbarkeitserlaß

6.6.
Kommisarbefehl

20.5.
Landung deutscher Truppen auf Kreta (Merkur) um jegliches Risiko eines britischen Bombenangriffs auf die rumänischen Ölfelder auszuschalten und gegen Vorstöße der britischen Flotte in die Ägäis einen natürlichen Sperriegel zu gewinnen. Damit verfügten Deutschland und Italien über hervorragende Voraussetzungen für eine militärische Offensive im Mittelmeerraum, die bei nur mäßiger Konzentration deutscher Land- und Luftstreitkräfte auf diesem Kriegsschauplatz rasch zu einem Zusammenbruch der britischen Mittelmeerposition hätte führen können. Doch davor sollte Rußland erobert werden.

22.6.
Deutscher Angriff auf die Sowjetunion (Operation Barbarossa). Einziger wirklicher Blitzkrieg, den das NS-Regime als solchen geplant und dann bereits im Herbst 1941 verloren hat. Die erfolgreiche Beendigung des Ostfeldzuges wurde für den Herbst 1941 angenommen. Das Unternehmen scheiterte jedoch am überraschend hartnäckigen Widerstand und an den überall sichtbaren personellen und materiellen Engpässen und Verschleißerscheinungen. Damit war auch das Konzept der Errichtung eines autarken, blockadefesten Kontinentaleuropas unter Deutschlands Vorherrschaft als Plattform zur Erringung einer Weltmachtstellung gescheitert.

2.7.
Japanische Geheimkonferenz. Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetuntion war das japanische Konzept einer deutsch-japanisch-italienisch-sowjetischen Allianz gegen die angelsächsischen Mächte gescheitert. Premier Konoye entscheidet sich gegen Außenminister Matsuoka, der für einen gemeinsamen Kampf mit Deutschland gegen die Sowjetunion plädiert. Man wollte sich nur noch an den eigenen Interessen orientieren und möglichst bald Süd-Indochina und Thailand besetzen, um dadurch die Ausgangsstellung für ein späteres Vorgehen gegen Singapur und Niederländisch-Indien zu gewinnen.

9.7.
Amerikanisches Victory-Programm zur Ausrüstung eines Massenheeres von 215 Divisionen (9 Mio. Mann). Während Roosevelt, womöglich auch im Hinblick auf die unklare Lage im Osten Europas, Deutschland zum Angriff provozieren wollte, weil er fürchtete, daß der Kongreß nach einer Niederlage der Sowjetunion, von der er ausging, einer Kriegserklärung an Deutschland nicht mehr zustimmen werde, wollte Hitler erst den Rußlandfeldzug beenden, ehe er den Konflikt mit den USA riskierte, den er für unvermeidlich hielt.

12.7.
Britisch-Sowjetischer Militärpakt. Gegenseitige Hilfe und Ausschluß eines Separatfriedens. Einerseits wegen der von GB unterstellten Kapitulationsbereitschaft Stalins, andererseits zur Beruhigung wegen eines befürchteten Frontenwechsels von GB (Fall Hess)

14.7.
Umstellung der Rüstung angesichts des erwarteten Sieges auf Marine- und Luftrüstung. Vorschlag an den japanischen Botschafter Oshima für ein umfassendes Waffenbündnis zur Vernichtung der USA sowie den sofortigen Kriegseintritt gegen die Sowjetunion.

26.7.
Als Antwort auf den japanischen Einmarsch in Südchina am 24. Juli erfolgt die Einfrierung der japanischen Guthaben in USA, GB, und Niederländisch-Indien, was ein Exportembargo für Erdöl und Kautschuk bedeutete. Japan blieb nur der Verzicht auf die Hegemonie und Rückzug aus China oder die Flucht nach vorn.

14.8.
Atlantikkonferenz zwischen Roosevelt und Churchill. Die Sowjetunion hielt man für geschlagen und richtete sich auf einen alleinigen Kampf gegen die Achsenmächte ein. Ergebnisse: Atlantik-Charta mit folgenden Punkten:

Verzicht auf Gebietsgewinne

Territoriale Veränderungen nur im Einverständnis mit den Betroffenen

Selbstbestimmungsrecht für alle Völker

Beteiligung sämtlicher Staaten am Welthandel

Internationale Zusammenarbeit

Freiheit von Furcht und Not

Freiheit der Meere

Verzicht auf Waffengewalt Diese Vergünstigungen kommen Deutschland nicht zugute. Wie vieles.

11.9.
Shoot-on-sight-order Roosevelts.

18.10.
Der um Ausgleich mit den USA bemühte Konoye tritt zurück und ein zum Krieg entschlossenes Militärkabinett des Kriegsministers General Tojo kommt in Japan an die Macht.

5.11.
Das japanische Kabinett beschließt den Krieg für den Fall, daß die USA nicht die militärische Unterwerfung Chinas anerkennen.

26.11.
Als die deutsche Offensive im Osten Ende November festgefahren war, gab die USA, die zeitweilig mit dem Gedanken eines modus vivendi mit Japan gespielt hatte, diese Alternative Preis. Sie forderten den Rückzug aus China und Indochina sowie den Austritt aus dem Dreimächtepakt. Damit waren die Würfel gefallen.

29.11.
Rüstungsminister Fritz Todt fordert von Hitler ein politisches Ende des Krieges, da er rüstungswirtschaftlich verloren sei !!

Anf. Dez
Scheitern des Angriffs auf Moskau aufgrund der Schlammperiode, des Wintereinbruchs und ca. 10 Millionen aktivierten russischen Reservisten. Damit hatte Stalin die schwerste Krise ohne Hilfe überstanden. Es gelang ihm so, die unabhängige Position der Sowjetunion als Voraussetzung für das Erreichen seiner Kriegsziele und für den machtpolitischen Aufstieg seines Reiches zur Weltmacht im Kriege zu wahren.

6.12.
Deutsch-Italienisch-Japanisches Abkommen über einen Kriegseintritt im Falle einer Auseinandersetzung mit den USA. Der Vertrag wurde von Japan im Hinblick auf den schon beschlossenen Krieg forciert.

7.12.
Japanischer Angriff auf Südostasien und Pearl Harbor und damit Ausschaltung der Schlachtflotte der Amerikaner im Pazifik. Damit war Roosevelt von dem Problem befreit, wie er die USA in den Krieg bringen konnte. Der japanische Kriegsplan stellte einen Kompromiß zwischen den Oberkommandos von Heer und Marine dar. Da das japanische Heer mit seinem Gros im Krieg gegen China gebunden war, konnten nur schwache Kräfte für die Operationen in Südostasien zur Verfügung gestellt werden. Hier war die Marine mit der Masse ihrer See- und Luftstreitkräfte beteiligt.

In der ersten Phase sollten nach der kampflosen Besetzung Thailands von Französisch-Indochina aus die britische Halbinsel Malaya und Singapur sowie die amerikanischen Philippinen, ferner HongKong und die amerikanischen Pazifikinseln Guam und Wake erobert werden.

In Phase II. sollten das für die Wirtschaft wichtigste Gebiet, Niederländisch-Indien, ferner im Westen Burma (Abriegelung des Nachschubs für China/Bedrohung Indiens) sowie im Südosten das Bismarck-Archipel zur Bedrohung Australiens erobert werden.

Der so entstandene Großraum sollte dann defensiv mit einem gestaffelten Verteidigungssystem gegen GB und USA verteidigt werden (Seeschlacht-aus-der-Lauer-Prinzip). Außerdem wären dann alle Voraussetzungen für eine endgültige Unterwerfung Chinas gegeben gewesen. Die Zielsetzung hatte im Gegensatz zu Deutschland nicht das Ziel eine andere Großmacht zu vernichten, oder immer weiter zu expandieren.

8.12.
USA erklären Japan den Krieg

11.12.
Deutschland (und Italien) erklären den USA den Krieg und machten ihn zum eigentlichen Weltkrieg. Hitler tat dies aus mehreren Gründen:

Prestigefrage, daß Hitler und nicht Roosevelt den Krieg erklärt

Er wollte zur Entlastung im Atlantik die USA unbedingt zu einem Zwei-Ozeane-Krieg zwingen.

Damit öffnete sich wieder ein strategisches Fenster für den Krieg gegen die Sowjetunion, da die USA primär mit Japan beschäftigt sein würden. Dies mußte ihren Auftritt mit Landstreitkräften in Europa verzögern.

Eine langfristige Entlastung und Bindung der USA konnte nur gelingen, wenn Japan durch Deutschland entlastet wurde.

Drängen der Marineführung durch eine Kriegserklärung die letzen Restriktionen des Ubootkrieges zu beseitigen. Nicht-Sonderfriedensvertrag zwischen Japan, Deutschland und Italien.

19.12.
Hitler wird Oberbefehlshaber des Heeres nachdem das Ostheer vor Moskau erstmals in die Defensive geriet. Von Brauchitsch nimmt seinen Abschied. Entscheidend für den Verlauf des gesamten Krieges wurde, daß es der Wehrmacht weder gelungen war, die Rote Armee vernichtend zu schlagen, noch das Wirtschaftspotential der Sowjetunion entscheidend zu treffen.

22.12.
Erste alliierte Kriegskonferenz (Arcadia) in Washington bis 14. Januar 1942. Teilnehmer: GB und USA. Ergebnisse:

Germany first

Gemeinsamer Generalstab

Gemeinsamer Oberbefehlshaber für jeden Kriegsschauplatz

Landungsplan für Nordafrika

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 12:38
1942

1.1.
Washington Pakt. Erklärung der Vereinten Nationen durch 26 Staaten unter formeller Bezugnahme auf die Atlantikcharta, keinen separaten Waffenstillstand zu schließen. Keimzelle der UNO.

18.1.
Militärpakt Deutschland-Italien-Japan. Anstelle etwas primär über die Kooperation zwischen ihnen etwas auszusagen, wurde vor allem die Trennung der Operationszonen (70° östl. Länge) vereinbart. Man wollte auf eine Flottenverlagerung von USA und GB durch militärische Hilfe und Entlastungsaktionen reagieren.

20.1.
Wannsee Konferenz

Februar.
Europa: Mittelmeerpläne Raeders, im Zusammenwirken mit Japan die britischen Schlüsselstellungen im Vorderen Orient zu erobern und eine Verklammerung des japanisch und des italianisch-deutsch beherrschten Raumes zu erreichen. Hitler hielt jedoch am Schwerpunkt der Kriegführung im Osten fest, um die Sowjetunion vor einem massiven Eingreifen der USA zu besiegen und dann über den Kaukasus gegen Persien vorzurücken.
Asien: Angesichts der überraschenden Erfolge waren die Expansionspläne auf Drängen von Admiral Yamato ausgeweitet worden, um weiter Faustpfänder für einen Waffenstillstand mit den USA in die Hand zu bekommen. Australien, oder zumindest Stützpunkte sollten erobert werden, ebenso wie Midway und Hawaii.

8.2.
Speer wird Rüstungsminister und führt die von Todt (der unter mysteriösen umgekommen war) begonnene Rationalisierung der Wehrwirtschaft fort. Mit der im April geschaffenen Zentralen Planung lenkte er alle Bereiche der Kriegswirtschaft. Der Rüstungsindex stieg laufend und erreichte im Juli 1944 sein Maximum. Möglich wurde dies durch Rationalisierung, Typenvereinfachung, Spezialisierung, Einschränkung des Zivilen Bedarfs und stärkere Heranziehung der Industrien der besetzten Länder.

14.2
Beschluß des britischen Kabinetts, die Luftangriffe auf die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung, insbesondere die Industriearbeiter zu konzentrieren (de-housing).

21.3.
Fritz Sauckel wird Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz. Aufgabe war die Mobilisierung von Arbeitskräften im Reich und im gesamten deutsch beherrschten Europa. Er bringt 7,5 Millionen Fremdarbeiter nach Deutschland. Im Vergleich zu Deutschland kann man sagen, daß in Japan die Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräfte niedriger blieb als in Deutschland.

Anf. April
Japanische Flottenaktion gegen Cylon wird bald abgebrochen, da ein Treffen mit Deutschland in Indien unmöglich scheint.

18.4.
Überraschender Luftangriff auf Tokyo hat große psychologische Folgen. Die Japaner erkennen die mangelnde Sicherung der Ostflanke. Man faßte den Entschluß Midway zu erobern.

Anf. Mai
See- und Luftschlacht in der Korallensee endet zwar unentschieden, beendet aber den japanischen Versuch, nach Australien zu expandieren.

3.-7.6.
See-Luft-Schlacht bei der Midway-Insel mit der die Überlegenheit der Japaner zu Wasser und in der Luft gebrochen und eine Wende im Pazifikkrieg eingeleitet wurde. Die Initiative im großen ging auf die USA über.

12.6.
Generalplan Ost gebilligt. (Umsiedlung von 31 Millionen Menschen).

28.6.
Beginn der deutschen Sommeroffensive im Osten. Zunächst Vernichtung des Feindes vorwärts des Don, dann Gewinnung der Ölgebiete im kaukasischem Raum und Übergang über den Kaukasus selbst. Ohne die Ölgebiete konnten die deutschen Streitkräfte einen längeren Krieg gegen USA und GB, der große Mengen an Flugbenzin und Dieselöl verschlingen würde, nicht durchhalten. Zudem konnte der sowjetischen Ölversorgung mit der Wegnahme dieser Gebiete ein tödlicher Schlag versetzt werden. Im Norden, Einnahme Leningrads.

3.7.
Rommel vor El Alamein (90km westliche von Alexandria)

23.7.
Führerweisung Nr. 45. Aus dem Nacheinander der Operationen wurden parallele Aktionen, was zur Krise an der Südfront führt. Es folgte eine Führungskrise, da Hitler nicht nur strategische Grundsatzentscheidungen, sondern auch operative Einzelfragen bis zur Divisionsebene hinunter ganz auf seine Person zentrierte. Im Spätsommer 1942 befand sich Hitler auf dem Zenit seiner militärischen Triumphe.

7.8.
Landung der Amerikaner auf der japanisch besetzen Salomoneninsel Guadalcanal. Hier entwickelte sich bis zur Räumung durch die Japaner am 8. Februar 1943 eine gigantische Abnutzungsschlacht, die große amerikanische Kräfte band.

8.8.
Quit-India-Resolution des indischen Kongresses hat schwere Ausschreitungen im Herbst zur Folge.

7./8.11
Alliierte Nordafrikalandung. Landung britischer und amerikanischer Streitkräfte in Marokko und Algerien und Eröffnung einer zweiten Front durch die Alliierten. Als die Franzosen in Nordafrika den Kampf einstellen läßt Hitler am 11. November das bisher unbesetzte Frankreich besetzen.

18.12.
Ciano-Mission, Deutsch-Sowjetische Friedensmöglichkeiten. Italien hofft auf einen gemeinsamen Kampf mit freiem Rücken gegen die Angloamerikaner im Mittelmeer. Hitler lehnt aus ideologischen Gründen ab.

Ende Dezember
Friedensfühler Stalins trotz Höhepunkt der Schlacht um Stalingrad. Grund war das Fehlen einer zweiten Front in Europa, daß ihm das Gefühl gab, die Westalliierten wollten auf die Erschöpfung der Sowjetunion hoffen, um dann die Nachkriegsordnung diktieren zu können.

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 12:51
1942/2

1.1.
Washington Pakt. Erklärung der Vereinten Nationen durch 26 Staaten unter formeller Bezugnahme auf die Atlantikcharta, keinen separaten Waffenstillstand zu schließen. Keimzelle der UNO.

18.1.
Militärpakt Deutschland-Italien-Japan. Anstelle etwas primär über die Kooperation zwischen ihnen etwas auszusagen, wurde vor allem die Trennung der Operationszonen (70° östl. Länge) vereinbart. Man wollte auf eine Flottenverlagerung von USA und GB durch militärische Hilfe und Entlastungsaktionen reagieren.

20.1.
Wannsee Konferenz

Februar.
Europa: Mittelmeerpläne Raeders, im Zusammenwirken mit Japan die britischen Schlüsselstellungen im Vorderen Orient zu erobern und eine Verklammerung des japanisch und des italianisch-deutsch beherrschten Raumes zu erreichen. Hitler hielt jedoch am Schwerpunkt der Kriegführung im Osten fest, um die Sowjetunion vor einem massiven Eingreifen der USA zu besiegen und dann über den Kaukasus gegen Persien vorzurücken.
Asien: Angesichts der überraschenden Erfolge waren die Expansionspläne auf Drängen von Admiral Yamato ausgeweitet worden, um weiter Faustpfänder für einen Waffenstillstand mit den USA in die Hand zu bekommen. Australien, oder zumindest Stützpunkte sollten erobert werden, ebenso wie Midway und Hawaii.

8.2.
Speer wird Rüstungsminister und führt die von Todt (der unter mysteriösen umgekommen war) begonnene Rationalisierung der Wehrwirtschaft fort. Mit der im April geschaffenen Zentralen Planung lenkte er alle Bereiche der Kriegswirtschaft. Der Rüstungsindex stieg laufend und erreichte im Juli 1944 sein Maximum. Möglich wurde dies durch Rationalisierung, Typenvereinfachung, Spezialisierung, Einschränkung des Zivilen Bedarfs und stärkere Heranziehung der Industrien der besetzten Länder.

14.2
Beschluß des britischen Kabinetts, die Luftangriffe auf die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung, insbesondere die Industriearbeiter zu konzentrieren (de-housing).

21.3.
Fritz Sauckel wird Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz. Aufgabe war die Mobilisierung von Arbeitskräften im Reich und im gesamten deutsch beherrschten Europa. Er bringt 7,5 Millionen Fremdarbeiter nach Deutschland. Im Vergleich zu Deutschland kann man sagen, daß in Japan die Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräfte niedriger blieb als in Deutschland.

Anf. April
Japanische Flottenaktion gegen Cylon wird bald abgebrochen, da ein Treffen mit Deutschland in Indien unmöglich scheint.

18.4.
Überraschender Luftangriff auf Tokyo hat große psychologische Folgen. Die Japaner erkennen die mangelnde Sicherung der Ostflanke. Man faßte den Entschluß Midway zu erobern.

Anf. Mai
See- und Luftschlacht in der Korallensee endet zwar unentschieden, beendet aber den japanischen Versuch, nach Australien zu expandieren.

3.-7.6.
See-Luft-Schlacht bei der Midway-Insel mit der die Überlegenheit der Japaner zu Wasser und in der Luft gebrochen und eine Wende im Pazifikkrieg eingeleitet wurde. Die Initiative im großen ging auf die USA über.

12.6.
Generalplan Ost gebilligt. (Umsiedlung von 31 Millionen Menschen).

28.6.
Beginn der deutschen Sommeroffensive im Osten. Zunächst Vernichtung des Feindes vorwärts des Don, dann Gewinnung der Ölgebiete im kaukasischem Raum und Übergang über den Kaukasus selbst. Ohne die Ölgebiete konnten die deutschen Streitkräfte einen längeren Krieg gegen USA und GB, der große Mengen an Flugbenzin und Dieselöl verschlingen würde, nicht durchhalten. Zudem konnte der sowjetischen Ölversorgung mit der Wegnahme dieser Gebiete ein tödlicher Schlag versetzt werden. Im Norden, Einnahme Leningrads.

3.7.
Rommel vor El Alamein (90km westliche von Alexandria)

23.7.
Führerweisung Nr. 45. Aus dem Nacheinander der Operationen wurden parallele Aktionen, was zur Krise an der Südfront führt. Es folgte eine Führungskrise, da Hitler nicht nur strategische Grundsatzentscheidungen, sondern auch operative Einzelfragen bis zur Divisionsebene hinunter ganz auf seine Person zentrierte. Im Spätsommer 1942 befand sich Hitler auf dem Zenit seiner militärischen Triumphe.

7.8.
Landung der Amerikaner auf der japanisch besetzen Salomoneninsel Guadalcanal. Hier entwickelte sich bis zur Räumung durch die Japaner am 8. Februar 1943 eine gigantische Abnutzungsschlacht, die große amerikanische Kräfte band.

8.8.
Quit-India-Resolution des indischen Kongresses hat schwere Ausschreitungen im Herbst zur Folge.

7./8.11
Alliierte Nordafrikalandung. Landung britischer und amerikanischer Streitkräfte in Marokko und Algerien und Eröffnung einer zweiten Front durch die Alliierten. Als die Franzosen in Nordafrika den Kampf einstellen läßt Hitler am 11. November das bisher unbesetzte Frankreich besetzen.

18.12.
Ciano-Mission, Deutsch-Sowjetische Friedensmöglichkeiten. Italien hofft auf einen gemeinsamen Kampf mit freiem Rücken gegen die Angloamerikaner im Mittelmeer. Hitler lehnt aus ideologischen Gründen ab.

Ende Dezember
Friedensfühler Stalins trotz Höhepunkt der Schlacht um Stalingrad. Grund war das Fehlen einer zweiten Front in Europa, daß ihm das Gefühl gab, die Westalliierten wollten auf die Erschöpfung der Sowjetunion hoffen, um dann die Nachkriegsordnung diktieren zu können.

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 12:59
1943


Um die Jahreswende 1942/43 ging die strategische Initiative im Zweiten Weltkrieg an allen Fronten auf die Gegner der Achsenmächte über, mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung errangen sie auch die Luftherrschaft über Europa.

24.1.
Casablanca-Konferenz

Kampf gegen die deutschen Uboote

Bedingungslose Kapitulation der Achsenstaaten (unconditional surrender) --> Absolute Handlungsfreiheit für den Aufbau einer neuen Ordnung. Ausschaltung des Gegner nicht nur als militärischer, sondern auch als politischer Faktor. Damit sollten die Fehler des Ersten Weltkrieges vermieden werden.

Round-the-clock-bombing. Beginn der strategischen Bomberoffensive der USA gegen Deutschland.

Verschiebung der zweiten Front in Frankreich auf 1944. Dafür Aktion gegen Italien, den weichen Unterlaub der Achse. Damit war auch die britische Hauptverkehrsader, das Mittelmeer wieder frei.

Ablehnung von Invasionsplänen in Südosteuropa durch Rooselvelt. Beschränkung auf die Landung in Sizilien.

Reduzierung des Victory-Programmes von 215 auf 89 Divisionen aufgrund der Hauptlastübernahme der Sowjetunion

2.2.
Endgültige Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad. Forderung von Führungskreisen nach einem sofortigem Kriegseintritt Japans gegen die UdSSR werden von Tokio abgelehnt.

18.2.
Goebbels: Totaler Krieg Die Mitglieder der Weißen Rose, Geschwister Scholl und Co. werden verhaftet und am 22.2. hingerichtet.

13.3.
Henning von Tresckow plaziert am eine Bombe in Hitlers Flugzeug, die jedoch nicht explodiert.

21.3.
Gersdorfs Selbstmord-Sprengstoffattentat scheitert als er Hitler bei einer Beutewaffenschau in Berlin töten will, dieser jedoch zu schnell die Besichtigung abbricht.

26.3.
Goerdelers Staatsstreichdenkschrift an die Generale

April
Asien: Shigemitsu wird japanischer Außenminister. Mit dem Schlagwort Asien den Asiaten zielte er darauf hin, den eroberten Ländern ihre Unabhängigkeit im Rahmen einer von Japan geführten, aber nicht beherrschten Staatengruppe zu geben und die bisher gegen die japanische Besatzungspolitik opponierenden politischen Kräfte in diesen Ländern zur Zusammenarbeit zu gewinnen. Letztlich wurde die Propagierung der Gleichberechtigung nur durch die verschlechterte militärische Situation diktiert und hatte keine Auswirkungen auf die brutale Besatzungspolitik der Armee. Die Schlagworte blieben hohle Propagandaparolen. Die japanische Armee als Mikrokosmos der Gesellschaftsordnung im Mutterland war von der Mission der Yamato-Rasse so sehr durchdrungen, daß sie sich mit diesem Superioritätsgedanken Möglichkeiten einer panasiatischen Partnerschaft verbaute. Die Marine und hinter ihr stehenden Kreise lehnten aus macht- und wirtschaftspolitischen Überlegungen eine staatsrechtliche Unabhängigkeit der südostpazifischen Völker ohnehin bis kurz vor der Niederlage prinzipiell ab. Eingeleitet wurde dies durch eine neue Chinapolitik mit der Anerkennung des von Japan etablierten Regimes Wang Tsching-Wei in Nanking, das Anfang 1943 GB und USA den Krieg erklärte. Damit war die Aufhebung aller territorialen Sonderrechte und Konzessionen seit dem Boxeraufstand 1900 und ein Politikum ersten Ranges erreicht. Tschiang Kai-shek mußte sich dieser Entscheidung anschließen, um nicht an Prestige zu verlieren, die Westmächte mußten mitziehen und China erhielt so seine seit über 100 Jahren eingeschränkte Souveränität zurück. Es folgten durch Japan Unabhängigkeitserklärungen für Burma und die Philippinen. Indochina und Niederländisch-Indien folgten 1945. Innerhalb dieser Staaten bildeten sich keine mit Europa vergleichbare Widerstandsbewegungen, man bereitete sich vielmehr auf die Rückkehr der Kolonialherren vor.

13.4
Katyn Massengräber entdeckt. Die Forderung der exilpolnischen Regierung Sikorski nach einer unabhängigen Untersuchung führt zum Abbruch der Kontakte durch die Sowjetunion.

12.5.
Washington-Konferenz zwischen Roosevelt und Churchill. Einigung auf den Invasionstermin in Frankreich im Mai 1944 und bis dahin Konzentration auf die Ausschaltung Italiens, das alle Zeichen der Erschöpfung zeigte. Churchill wollte damit auch die westalliierte Position gegenüber der Sowjetunion auf dem Balkan stärken.

13.5.
Kapitulation der Achsenmächte unter Rommel in Nordafrika. Nordafrika und das Mittelmeer sind verloren, die Südflanke ist für den Angriff auf die Festung Europa geöffnet.

23.5.
Abbruch der Atlantik-Schlacht, da die dramatisch steigenden Ubootverluste in keinem Verhältnis mehr zu den Versenkungserfolgen standen (Luftüberwachung, Geleitzüge, Sonar, Ultra). Mit der Jahreswende 1942/43 überstiegen die alliierten Neubauten die Verluste, die industrielle Kraft der USA hatte gesiegt. Die Vernichtung der Ladung hatte Versorgungsschwierigkeiten in GB und in Nordafrika auslösen sollen, die Vernichtung der Tonnage hatte eine Konzentration der industriellen Kraft der USA und GB auf den Schiffsbau bewirken sollen. Die Niederlage im Seekrieg hatte zwei entscheidende Konsequenzen:

Die USA konnten jetzt konnten ihre gewaltigen Zufuhren an Menschen und Material ungehindert nach Nordafrika, später Europa bringen.

Den alliierten Invasionen in Algerien und Marokko (7.11.42), Sizilien (10.7.43), Normandie (6.6.44) vermochte die deutsche Seite so gut wie keine Seestreitkräfte mehr entgegenzusetzen.

11.6.
Himmler befielt die Liquidierung polnischer und sowjetischer Ghettos

5.7.
Unternehmen Zitadelle gegen den Frontbogen bei Kursk an der Ostfront scheitert.

10.7.
Alliierte Landung auf Sizilien führt zum Abzug von Truppen von der Ostfront.

12.7.
Nationalkomitee Freies Deutschland in Moskau gegründet. Ziel: Anfang einer deutschen Gegenregierung nationalistischer Kräfte. Vielleicht auch eine Druckmöglichkeit gegen die Westmächte durch die Vorbereitung einer Marionettenregierung (Lossagung von der bedingungslosen Kapitulation).

25.7.
Sturz und Verhaftung Mussolinis. Möglich durch König Emanuel III., einen eigenständigen Generalstab und eine eigenständige faschistische Partei sowie die Unterstützung der Bevölkerung. All dies existierte in Deutschland seit der Röhm-Affäre und dem Tode Hindenburgs im Sommer 1934 nicht mehr. Sein Nachfolger wird Pietro Badoglio.

1.8.
Japan entläßt Burma in die Unabhängigkeit

9.8.
Kreisauer Kreis: Grundsätze für Neuordnung

14.8.
Konferenz in Quebec. Rooselvelt setzt sich gegen Churchill mit der 2. Front im Mai 1944 in Frankreich durch.

24.8.
Himmer wird Innenminister

3.9.
Waffenstillstand Italiens führt zur Entwaffnung Italiens und Besetzung durch deutsche Truppen. Der Plan eines glatten Überwechselns auf die Seite der Alliierte durch Badoglio war gescheitert. Die Deutschen konnten den alliierten Vormarsch an der Gustav-Stellung im Herbst 1943 stoppen.

13.10.
Italien erklärt Deutschland den Krieg

21.10.
Der indische Nationalistenführer Subhas Chandra Bose proklamiert in Singapur die Gründung einer Provisorischen Regierung des Freien Indien, die USA und GB den Krieg erklärte.

1.11.
Erklärung der Europäischen Beratenden Kommission, die zur Planung der politischen Kapitulation, der Zonenaufteilung und den Kontrollrat zuständig war.

9.11.
Friedenssondierungen Himmlers über Schweden zu USA

28.11.
Beginn der Konferenz von Teheran, die die wichtigste Zäsur in der Geschichte der Anti-Hitler-Koalition darstellt. Hier wurde das Maß einer möglichen Zusammenarbeit aber auch deren Grenzen sichtbar.

Churchill scheitert mit dem Plan einer Donau-Konföderation

Regelung von Grenzfragen in Osteuropa. Beschluß einer Westverschiebung Polens (Curzon-Linie/Oder)

Stalin lehnt Abstimmungen im Baltikum ab

Entscheidung für eine Landung in Nordfrankreich und nicht in der Poebene

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 13:05
1944

15.1
Londoner Konferenz

Januar
Rote Armee erreicht die polnische Ostgrenze

Feb.
Endgültige alliierte Luftüberlegenheit über Reichsgebiet. Bombardierung der Ölraffinerien und Hydrierwerke legte die Treibstoffversorgung so weit lahm, daß die deutschen Streitkräfte einen Bewegungskrieg zu Lande nicht mehr führen und den Luftraum nirgendwo mehr schützen konnten. Bis zum September brachten die Angriffe die deutsche Kriegswirtschaft zum Erliegen. Die Luftangriffe im Hoch- und Spätsommer 1944 versetzten der Kriegswirtschaft den letzten vernichtenden Schlag.

11.3.
Ein weiteres Attentat im Zuge einer Uniformenvorführung durch Breitenbuch (Pistolenattentat) kam auf dem Berghof nicht zustande, da er als Ordonanz nicht zu der Vorführung vorgelassen wurde

19.3.
Japanische Offensive von Burma aus nach Indien (Imphal) zusammen mit Boses Indischer Nationalarmee endet im Mai in einem Fiasko. Man hatte geglaubt, daß ein begrenzter militärischer Erfolg einen allgemeinen Aufstand auslösen würde.

17.4.
Japanische Offensive in China (Ichigo) wird zu einem leichten Siegeszug gegen die Nationalchinesen. Tschiang Kai-shek streitet sich mit General Stilwell und die Japaner erreichen bis zum 11. November ihre Ziele und stellen die Landverbindung mit Indochina her. Die Krise läßt jedoch starke Zweifel bei den Amerikanern ob der Geeignetheit Tschiang Kai-sheks als Verbündetem. Die wichtige Luftwaffenbasis Henyang in Südschina zur Bombardierung Japans geht verloren. April: Japanischer Vorstoß für einen deutsch-russischen Frieden.

4.6.
Leber und Reichwein werden bei einem Treffen mit den Kommunisten Saefkow und Jacob verhaftet. Ziel des Treffens war die Erweiterung der Volksbasis des Widerstandes durch den Einschluß der Kommunisten.

6.6.
Allierte Invasion in der Normandie

8.7.
Eroberung der Marianneninsel Saipan durch die Amerikaner, wodurch der Verlust der Luftwaffenbasis Henyang ausgeglichen wurde und wieder die Bombardierung Japans einsetzen konnte.

3.7.
Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte als Folge der Sommeroffensive der Roten Armee am 22. Juli 1944. In vier Wochen gingen 28 Divisionen verloren und die Sowjets strömten nach Ostpreußen und zum Weichselbogen.

11.7.
Stauffenberg unterläßt das Berghofattentat, da Himmler und Göring nicht anwesend sind

15.7.
Stauffenberg will am 15. Juli in der Wolfsschanze zwar die Bombe zünden, hat aber gegenteilige Aufträge. Nach zwei Rückfragen ist es zu spät.

18.7.
Premier Tojo zieht aus der sich radikal verschlechternden Gesamtlage die Konsequenz und tritt zurück. Nachfolger wird General a.D. Koiso mit Admiral Yonai als gleichberechtigtem Vizepremier. Ihre erste strategische Entscheidung war die Rückverlegung der japanischen Verteidigungszone. Die japanische Niederlage ist noch nicht so offensichtlich wie die deutsche.

20.7.
Attentatsversuch Stauffenbergs auf Hitler.

27.7.
Abkommen zwischen dem Lubliner Komitee und der Sowjetunion über die polnische Westgrenze an der Lausitzer Neiße und der Oder.

1.8.
Aufstand der polnischen Heimatarmee in Warschau wird niedergeschlagen, da die Sowjetunion ihre Hilfe verweigert.

3.8.
Verlust des kriegswichtigen Erdölgebietes Ploesti in Rumänien.

22.8.
Beginn der Verhandlungen in Dumbarton Oaks über die Gründung der UNO. Sowjetunion setzt ein extensives Vetorecht durch.

2.9.
Morgenthau-Plan wird von Finanzminister Morgenthau Roosevelt vorgelegt, der nach Protesten seine Unterschrift zurückzieht. Die Ideen gehen aber in die Weisung JSC-1067 vom 26. April 1945 ein.

25.9.
Volkssturm

9.10.
Churchill und Stalin verhandeln in Moskau über ihre Einflußsphären in Südosteuropa. (In Prozenten). Dabei handelte es sich bei Churchill um einen Versuch, von den Cordon-Sanitaire-Vorstellungen einen letzten Rest zu retten und einen Totalanschluß der von der Roten Armee besetzten Länder an die Sowjetunion zu verhindern. Dies ist GB ohne die Rückendeckung der USA allerdings nur im Fall Griechenlands gelungen.

20.10
Beginn der Rückeroberung der Philippinen. In der Seeschlacht bei Leyte wird das Gros der japanischen Flotte vernichtet. Erster Einsatz von Kamikaze-Fliegern. Ein Ende des Krieges schien jedoch in weiter ferne, infolge der neugewonnenen breiten Verbindung zwischen China und Indochina. Die USA drängen deshalb auf einen baldigen Kriegseintritt der Sowjetunion und waren bereit einen hohen politischen Preis in Asien, Europa und hinsichtlich der UN zu zahlen.

5./6.11.
Großostasienkonferenz in Tokio mit Teilnahme von Mandschuko, China (Wang Tsching-wei), Philippinen, Burma und Thailand. Höhepunkt der Ausstrahlung der Idee einer von Japan geführten, aber unabhängige Staaten umschließenden Großasiatischen Wohlstandssphäre. Die Wirkung darf nicht unterschätzt werden. Je deutlicher sich die Niederlage Japans im Pazifik abzeichnete, umso fragwürdiger wurde der Anspruch der europäischen Kolonialmächte auf Restauration der Verhältnisse in Südostasien.

2.12.
Aufstand der griechischen Kommunisten wird mit Hilfe von GB niedergeschlagen. Sowjetunion verhält sich entsprechend der Absprachen mit GB still.

16.12
Deutsche Ardennenoffensive (Wacht am Rhein). Ziel war, die nördlich davon stehenden Streitkräfte Mont_gomerys in den südlichen Niederlanden und nördlichen Belgien einzuschließen und zu vernichten, die Anti-Hitler-Koalition zu sprengen und auf diese Weise mit einer neuen Westoffensive die Kriegswende herbeizuführen. Die Offensiven hatten jedoch die Ostfront von den dringend benötigten Kräften entblößt, als die Rote Armee zur Winteroffensive antrat. Sie führte sie bis an die Oder und westliche Neiße.

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 13:09
1945

1.1.
Lubliner Komitee wird provisorische Regierung in Polen

3.1.
USA verweigern Sowjetunion einen langfristigen 6 Milliarden Dollar Kredit. Beginn der Wende zur Konfrontation.

12.1.
Sowjetische Großoffensive aus den Narew- und Weichselbrückenköpfen, die die Ostfront in kürze aufrollt. Die Flucht aus den Ostgebieten beginnt, die 2,8 Mio. Tote fordert. Direkte Eingriffsverordnung Hilters bis zur Divisionsebene.

26.1.
Rote Armee erreicht bei Elbing das Frische Haff und schneidet Ostpreußen ab.

30.1.
Letzte Rundfunkrede Hitlers

4.2.
Beginn der Jalta-Konferenz. Die Konferenz wurde überschattet durch die Tatsache, daß die Sowjetunion schon fast ganz Ost- und Südosteuropa kontrollierte, umgekehrt aber auch durch die Kontrolle der Briten über Griechenland und die britische und amerikanische Vorherrschaft in Italien, Frankreich, Niederlande, Belgien und Luxemburg.

Angriff der Sowjetunion auf Japan binnen drei Monaten nach der Kapitulation Deutschlands gegen Zugeständnisse: UN-Veto auch bei Betroffenheit der Großmacht, jedoch nicht bei Verfahrensfragen. Die UN fielen somit für eine antisowjetische Politik aus. Besitz der Kurilen und Südsachalins, Status Quo in der Äußeren Mongolei, Anrecht auf innere Mongolei und Pazifikhäfen.

Nachkriegspolitik gegenüber Deutschland: Beseitigung des Nationalsozialismus, Aufteilung in Besatzungszonen gemäß dem 1. und 2. Zonenprotokoll der Europäischen beratenden Kommission, Bildung des alliierten Kontrollrates, Demontage von Fabriken, Reparationen, Gebietsabtretungen.

Wiederherstellung der Rechte Rußlands aus der Zeit vor dem russischen-japanischen Krieg.

Bildung von Koalitionskabinetten in Osteuropa, was das Fallenlassen der Exilregierungen durch die Westalliierten bedeutete. Verkündigung des Prinzips der freien Wahlen und der freien Regierungen

Polen: Aufnahme von Vertretern der Exilregierung in das Lubliner Komitee. Die polnische Westgrenze soll in einem Friedensvertrag festgesetzt werden, die Ostgrenze wird die Curzon-Linie

Frankreich wird vierte Macht im Kontrollrat, nachdem seine Zone aus denen der Westalliierten gebildet wird.

14.2.
Alliierter Luftangriff auf Dresden fordert 35.000 Tote. (Falsch: KED)

19.2.
Erneute Friedenssondierungen Himmlers über Schweden. Amerikanische Landung auf Iwojima unter hohen Verlusten.

März
Höhepunkt der alliierten Luftangriffe. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Bomberkrieg bereits von unmittelbaren Kriegszwecken weitgehend gelöst und war zum Selbstzweck geworden.

19.3.
Hitlers Nero-Befehl zur Zerstörung der Existenzgrundlagen der deutschen Nation. Jedoch konnte er von Speer im Zusammenwirken mit verantwortungsbewußten Militärbefehlshabern weitgehend unterlaufen werden. Die Führung in Berlin wie auch später die Regierung Dönitz verkörpert nach wie vor den Volkswillen. Der Führermythos ist ungebrochen.

April
Europa: Churchill fordert ein schnelles Vordringen in die norddeutsche Tiefebene und über die Elbe nach Berlin, um die Sowjets nicht an die strategisch wichtigen Ostseeausgänge und damit zum Atlantik zu lassen und ihnen nicht den psychologischen Triumph zu gönnen, die Reichshauptstadt allein erobert zu haben. Churchill nahm damals in den letzten Wochen des europäischen Krieges, als der Streit zwischen den Westmächten und Moskau über die demokratische Nachkriegsordnung Polens schon voll entbrannt war, bereits in seinem politisch-strategischen Denken den späteren Ost-West-Konflikt vorweg und versuchte Faustpfänder jenseits der in Jalta vereinbarten Besatzungsgrenzen zu bekommen. Roosevelt setzte jedoch die vereinbarte Strategie durch. Im übrigen glaubte er, den Krieg in Ostasien gegen Japan nicht ohne sowjetische Hilfe beenden zu können und deswegen in Europa keinen Konflikt riskieren zu dürfen.

1.4.
Amerikanische Landung auf Okinawa unter großen amerikanischen Verlusten (75000) läßt erahnen, was eine Invasion der Hauptinseln gekostet hätte.

12.4.
Plötzlicher Tod Roosevelts gibt nochmals Anlaß zu Spekulationen über einen möglichen Bruch der Anti-Hitler-Koalition. (fragwürdige Analogie zu 1762: Tod der Zarin Elisabeth und anschließend Frontwechsel Rußlands zu Friedrich dem Großen). Hitler zieht die deutschen Truppen im Norden und Süden zusammen, um USA und Sowjets bewußt aufeinanderprallen zu lassen.

13.4.
Sowjetunion kündigt den Neutralitätsvertrag mit Japan, was zum Rücktritt der Regierung Koiso und zur Regierungsneubildung unter Admiral Suzuki führt.

23.4.
Hitler setzt Göring ab, nachdem dieser Verhandlungsvollmachten erbat und mit den Alliierten in Verbindung tre_ten wollte um einen Separatfrieden im Westen auszuhandeln. Himmlers Kapitulationsangebot an die Westmächte über Schweden (Bernadotte). Mögliche Motivation: Die Überführung des SS-Imperiums in die Nachkriegszeit im Kampf mit den Westmächten gegen den Bolschewismus.

29.4.
Teilkapitulation der deutschen Truppen in Italien.

30.4.
Selbstmord Hitlers. Kurzzeitiges Kapitulationsangebot Goebbels an die Sowjetunion wird abgelehnt. Nachfolger Hitlers wird Dönitz, der eine neue Regierung in Mürwik bei Flensburg führt. Er verfolgt eine Strategie der Teilkapitulationen, mit der es gelingt von den 3,34 Mio. Ostheer noch 1,85 Mio. Soldaten in westalliierte Gefangenschaft zu überführen. Es gelang die geordnete Demobilisierung von über 3 Millionen Soldaten. Eine Nachfolgeregierung, die Hitler desavouiert hätte, wäre 1945 ohne Halt gewesen. 23 Tage Hoffnung auf die Fortführung eines anständigen Nationalsozialismus. Gruppe Ulbricht trifft in Berlin ein und beginnt zielstrebig mit dem Aufbau eines Verwaltungsapparates.

2.5.
Kapitulation Berlins, das von 45000 Soldaten, 40000 Volkssturmmännern und 4000 Hitlerjungen verteidigt wurde. Dazu kam noch die freiwillige SS-Division Charlemagne

5.5.
Bildung einer geschäftsführenden Regierung unter Schwerin von Krosigk

8.5.
Kapitulation in Reims, einen Tag später in Berlin Karlshorst. Drastische Einschränkungen der amerikanischen Leih-und-Pacht Leistungen für die Sowjetunion.

23.5.
Verhaftung der Regierung Dönitz auf Drängen der Sowjetunion.

5.6.
Alliierte übernehmen die oberste Regierungsgewalt in Deutschland in den Grenzen von 1937.

28.6.
Der frühere Exilministerpräsident Polens Mikolajczyk wird stellvertretender Ministerpräsident. Die USA lassen damit die Exilregierung fallen.

16.7
Beginn der Postdamer-Konferenz a) Ordnungsgemäße Überführung deutscher Bevölkerungsteile aus Polen, Tschechoslowakei und Ungarn (5,6 Mio).

Forderung an Japan nach bedingungsloser Kapitulation

Fallenlassen der Zerstückelungspläne

Deutschland bleibt wirtschaftliche Einheit ohne Regierung, aber mit einigen wichtigen zentralen Verwaltungsstellen.

Reparationskompromiß. Zwei ökonomische Sphären, wobei die Sowjetunion aus der westlichen 10% der industriellen Ausrüstung erhält

Festlegung der polnischen Westgrenze wurde offiziell vertagt, faktisch aber beschlossene Sache.

Abblockung der sowjetischen Forderungen nach Stützpunkten am Bosporus

6.8.
Atombombe auf Hiroshima

8.8.
Kriegserklärung der Sowjetunion an Japan und sofortiger Angriff auf die Mandschurei.

9.8.
Atombombe auf Nagasaki. Abwurf beider Bomben mit dem Ziel, Japan zur schnellen Kapitulation zu zwingen. Jedoch sollten sie auch die neue Überlegenheit der USA demonstrieren. Die vorgesehenen Landungen auf den japanischen Inseln hatten eine prognostitziert hohe Opferzahl Einmarsch der Roten Armee in der Mandschurei, Korea und den Kurilen.

14.8.
Vertrag zwischen Sowjetunion und Nationalchina unter Druck der USA, inklusive der Zugeständnisse. Das Bündnis sollte auch eine totale Bindung Tschiang Kai-sheks an die USA verhindern, was bei einer einseitigen Festlegung der Sowjetunion zugunsten der chinesischen Kommunisten die Folge sein mußte.

15.8.
Der amerikanische Oberbefehlshaber MacArthur deklariert die Besatzungszonen. Mandschurei, Innere Mongolei, Nordkorea und Südsachalin für die Sowjetunion. Am 16. August legte sich Truman auf eine uneingeschränkte Kontrolle der japanischen Hauptinseln allein durch die USA fest und schloß damit die Sowjetunion aus.

2.9.
Kapitulation Japans. Bestimmend für die japanische Entscheidung zur Kapitulation waren weder die amerikanischen Atombomben noch die sowjetische Kriegserklärung, sondern allein die Worte des Kaisers. Die Ämter des zurückgetretenen Ministerpräsidenten Suzuki und des durch Selbstmord ausgeschiedenen Kriegsministers Anami hatte zuvor ein Verwandter des Kaiser, Prinz Higashikuni übernommen. Ein Putschversuch fanatischer Offiziere war zuvor gescheitert. Die gesamte Kapitulation unter maßgeblichem Einfluß der kaiserlichen Autorität hatte ca. einen Monat gedauert, wobei entfernte Außenposten noch länger nicht geräumt wurden. Das bestehende Regierungssystem wurde gleichzeitig beibehalten und erneuert, die Personen teils ausgetauscht, teils im Amt belassen. Es erfolgten viele Reformen, von denen viele auch nach Abzug der Amerikaner beibehalten wurden. Eine Aufteilung in Besatzungszonen erfolgte nicht (nur kleiner britischer Teil), die Verwaltung zentral durch die USA. Unabhängigkeitserklärung Ho Tschi Mihs in Indochina und Sukarnos in Indonesien. Die Briten, die kurz darauf mit wenigen Truppen, stellvertretend für die Franzosen und Niederländer, in Saigon und Batavia einrückten, sahen sich vor die unlösbare Aufgabe gestellt, die Restauration der Kolonialregieme vorzubereiten.

10.10.
Stillhalteabkommen zwischen Tschiang Kai-shek und Mao Tse-tung auf Druck von USA und Sowjetunion. Kurzfristig stationnierte Marineinfantierie der USA zog wieder ab. Ziel der Sowjetunion war, daß die USA über Japan und Südkorea hinaus nicht auch auf dem chinesischen Festland Fuß faßten; denn das hätte neben der Front in Mitteleuropa in einem zweiten ausgedehnten Bereich eine direkte Konfrontation mit den USA - und im Konfliktfall die Gefahr einer Ausschöpfung des chinesischen Potentials durch diese - bedeutet. In China wie Südostasien stellte Japans Kapitulation nur den Abschluß einer Etappe, nicht das Ende des Ringens um Befreiung von der kolonialen Herrschaft und zugleich um die Führung der ost- und südostasiatischen Staatengruppe dar.


Bilanz des Krieges: ca. 60 Millionen Tote, davon Sowjetunion 25 Mio., DR 4 Mio.(umstritten), Japan 2 Mio., China 10 Mio. ca. 7 Mio. Japaner kehrten aus ihrem Imperium nach Japan zurück, zehntausende von koreanischen Zwangsarbeitern in die ihre. 50 Millionen Menschen wurden in Europa zumindest zeitweilig vertrieben.

Das war nun ersteimal das Gerüst des 2. Weltkrieg mit Vorschichte !

Einzelartikel folgen.

Klaus E. Daniel

PS: gelegentliche Tippfehler bitte entschuldigen.

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 13:19
Alltagsleben im Zeiten Weltkrieg
Quelle: LeMO: Lebendiges virtuelles Museum Online

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs veränderte sich das Leben der Zivilbevölkerung entgegen weitgehenden Befürchtungen zunächst nicht grundlegend. Das NS-Regime scheute sich, der Bevölkerung allzu große Opfer abzuverlangen, und es bemühte sich auch durch Aufrechterhaltung eines ausgedehnten Kulturbetriebs um Alltagsnormalität. Nahezu jede deutsche Familie hatte im Verlauf des Kriegs einen Sohn, Bruder, Vater, Ehemann oder Verlobten an der Front. Eine auch unter moralischen Aspekten ständig propagierte "Heimatfront" sollte Verbundenheit, Zuversicht und vor allem Treue der deutschen Bevölkerung - besonders auch der weiblichen - gegenüber den Frontsoldaten dokumentieren, von deren Kriegsalltag sie zumeist in Feldpostbriefen und während des Heimaturlaubs erfuhren. Galt die alltägliche Sorge der Deutschen zunächst nur dem Leben des Familienmitglieds an der Front, so wurde der Tod durch Ausweitung der alliierten Luftangriffe ab 1942 auch für die Großstadtbewohner zu einem ständigen Begleiter.

Von einer Kriegsbegeisterung konnte nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 in Deutschland keine Rede sein. Zu frisch war die traumatische Erinnerung an den Ersten Weltkrieg ein Vierteljahrhundert zuvor mitsamt seinen katastrophalen Folgen. Die miserable Lebensmittelversorgung und die Hungerjahre 1916 bis 1919 waren im Bewußtsein vieler Erwachsener vor allem in den Städten noch präsent. Ähnlich bedrückt war die Stimmung auf dem Land, wo der Entzug von Arbeitskräften und Pferden Probleme aufwarf. Das NS-Regime war sich der mangelnden Kriegsbegeisterung in der Bevölkerung durchaus bewußt, und es hatte aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs frühzeitig seine Lehren gezogen. Seit 1937 war die Rationierung von Lebensmitteln, Treibstoff, Kohle und anderen Versorgungsgütern im Reichsverteidigungsrat minutiös vorbereitet worden. Durch gute Ernten 1938 und 1939 waren die Vorratslager zudem reichhaltig gefüllt. Bei Getreide, Kartoffeln, Zucker und Fleisch war ein Selbstversorgungsgrad von 100 Prozent erreicht worden.

Stufenweise wurde bei Kriegsbeginn die Zwangsrationierung eingeführt. Fett, Fleisch, Butter, Milch, Käse, Zucker und Marmelade waren ab dem 1. September 1939 nur noch gegen Lebensmittelkarten erhältlich; Brot und Eier folgten ab dem 25. September. Mitte Oktober 1939 wurde für die nicht Uniform tragende Bevölkerung die Rationierung von Textilien mittels einer ein Jahr gültigen "Reichskleiderkarte" eingeführt. Der Bezugsschein bestand aus 100 Punkten, die beim Kauf von Textilien abgerechnet wurden. Ein Paar Strümpfe "kostete" 4 Punkte, ein Pullover 25 Punkte, ein Damenkostüm 45 Punkte.

Trotz der von den Nationalsozialisten propagierten agrarischen "Erzeugerschlacht" verlagerte sich der Ernährungsschwerpunkt während des Kriegs auf Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Mehl und Zucker. Muckefuck, ein dünner Ersatzkaffee aus Gerste oder Eicheln, ersetzte zumeist den Bohnenkaffee. Ersatzkuchen wurden aus Mohrrüben oder Kartoffeln gebacken und die Ersatzmarmelade aus Steckrüben hergestellt. Brot war nahezu im vorherigen Umfang erhältlich, wenn auch mit abnehmender Qualität. Ein "Normalverbraucher" erhielt in den ersten beiden Kriegsjahren pro Woche u.a. 2.250 Gramm Brot, 500 Gramm Fleisch und rund 270 Gramm Fett. Schwerarbeiter erhielten im Bezugssystem ebenso Sonderzulagen wie werdende Mütter oder Kinder. Nur sie kamen in den Genuß von Vollmilch, die übrigen Verbraucher erhielten Magermilch. Trotz Nahrungsmittelentbehrungen und eines kritischen Versorgungsjahrs 1942 mit einer verschärften Rationierung und einem allmählich einsetzenden Mangel an Fett gab es im Deutschen Reich während des Kriegs keine ernsthaften Ernährungsprobleme. Zur Versorgung der deutschen Bevölkerung wurden die besetzten Gebiete rücksichtslos ausgebeutet und der "Tod durch Verhungern" in Osteuropa gezielt herbeigeführt.

Juden hingegen erfuhren im Bezugssystem von Nahrungsmitteln und Textilien starke Diskriminierungen und öffentliche Demütigungen; gegenüber der nichtjüdischen Bevölkerung erhielten Juden für ihre Lebensmittelkarten in den für sie bestimmten Läden deutlich weniger Kalorien zugeteilt. Verfolgung und Entrechtung von Juden hatten mit Kriegsbeginn in Deutschland an Schärfe deutlich zugenommen. Eine medizinische Versorgung existierte für Juden nur noch in Ansätzen. Schrittweise verboten wurde ihnen der Besitz von Radio- und Telefongeräten, Kraftwagen oder das Halten von Haustieren. Um sich als jüdischer "Reichsfeind" öffentlich zu erkennen zu geben, mußte ab dem 19. September 1941 jeder Jude ab dem sechsten Lebensjahr einen gelben Stern deutlich sichtbar auf der Kleidung tragen. Der Krieg führte nicht nur zu einer Verschärfung des innenpolitischen Terrors, sondern er diente schließlich auch als "Deckmantel" für die Ermordung von Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen oder Behinderten.

Aus Sorge vor sozialen Unruhen und sinkender Kriegsmoral sollten den "arischen" Deutschen hingegen bewußt nur mäßige Opfer abverlangt und so lange wie möglich eine "Normalität" des Alltagslebens aufrecht erhalten werden. Zur Befriedigung materieller Bedürfnisse wurde die Produktion der Konsumgüterindustrie kaum gedrosselt. Die vorbereitete wirtschaftliche Mobilmachung und generelle weibliche Dienstverpflichtungen unterblieben in den ersten Kriegsjahren. Das Arbeitspotential der Frauen blieb im Gegensatz zu Großbritannien und den USA relativ ungenutzt. Mit 14,9 Millionen erwerbstätigen Frauen im September 1944 wurde der Vorkriegsstand vom Sommer 1939 nur um 300.000 Frauen übertroffen. Der Arbeitskräftebedarf deckte sich vor allem durch allgegenwärtige Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, jedoch auch durch Umschichtungen weiblicher Arbeiterinnen von stillgelegten oder kriegsunwichtigen Betrieben in die Land- und Kriegswirtschaft sowie junger Berufsanfängerinnen in den Verwaltungssektor. Für weibliche Jugendliche ab 18 Jahren wurde 1939 der sechsmonatige Reichsarbeitsdienst (RAD) verpflichtend. Ab August 1941 verlängerte sich der RAD um ein halbes Jahr "Kriegshilfsdienst" im Luftschutz, in sozialen Einrichtungen, Krankenhäusern, kinderreichen Familien oder Verkehrsbetrieben. "Auf allen Lebensgebieten, wo es an Männern fehlt, hat die Frau den Mann zu vertreten", wie es offiziell hieß und propagandistisch dokumentiert wurde. Im öffentlichen Dienst beschäftigte Frauen waren dabei ab Oktober 1939 ihren männlichen Kollegen im Lohnniveau ebenso gleichgestellt wie Akkordarbeiterinnen in den Rüstungsbetrieben ab 1940. Höhere Löhne, verbesserte Arbeiter- und Mutterschutzgesetze oder massive staatliche Wohlfahrtsleistungen sollten die Stabilität der "Heimatfront" trotz stufenweiser Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit von 48 auf 50 oder mehr Stunden und verschlechterter Lebensbedingungen aufrechterhalten.

Im Zweiten Weltkrieg verstärkte sich der Zugriff auf die Jugendlichen, deren Alltag immer weniger von der Schule bestimmt wurde. Zu ihrem Alltag gehörten nunmehr Ernteeinsätze, das Auflesen von Kartoffelkäfern - die es vor dem Krieg in Deutschland nicht gegeben hat - oder von den von alliierten Flugzeugen abgeworfenen Brandplättchen sowie Verladedienste und Verteilung von nationalsozialistischem Propagandamaterial ebenso wie die zahlreichen Sammlungen, welche die Opferbereitschaft der Deutschen und den Geist einer solidarischen Volksgemeinschaft beschwören sollten. Alltägliche Erscheinungen im Straßenbild waren die Sammlungen für das Kriegswinterhilfswerk oder die "Schulaltstoffsammlungen", bei denen Pimpfe der Hitler-Jugend (HJ) Altpapier, Spinnstoffe oder Metalle sammelten. Ab April 1940 riefen die Behörden regelmäßig zur "Metallspende" für die Rüstungsbetriebe auf, im Winter 1941/42 galt es, Wollsachen für die Soldaten an der Ostfront zu sammeln, die für einen Winterkrieg in der Sowjetunion nicht ausgerüstet waren.

Radio hören und Lesen gehörten zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen von Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen. Eine Flut von kriegsverherrlichender Literatur erstreckte sich für sie in den Buchhandlungen. Über die Volksempfänger hörten die Deutschen neben den einseitigen Siegesmeldungen der Wehrmachtsberichte bekannte Schlager wie "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern" und vor allem "Lili Marleen", das wie kein zweites Lied Emotionen weckte und in den Wunschkonzerten, bei denen zur Stärkung der Verbindungen Grüße und Wunschmusik zwischen der Heimat und der Front ausgetauscht werden konnten, gespielt wurde.

Obwohl vollbesetzte Stadien geradezu ideale Ziele alliierter Bomber gewesen wären, gingen wöchentlich hunderttausende Menschen auf der Suche nach Freizeitvergnügen und Zerstreuung zu Fußballspielen, auch wenn diese wegen der Gefahr von Luftangriffen häufig verlegt und recht kurzfristig angesetzt wurden. Zu Zwecken der Propaganda diente der Fußball allerdings wenig, wie Propagandaminister Joseph Goebbels nach einer 2:3 Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden im Berliner Olympiastadion am 20. September 1942 in seinem Tagebuch festhielt: Da 100.000 Zuschauer, denen das Spiel "mehr am Herzen lag als die Einnahme irgendeiner Stadt im Osten", das Stadion deprimiert verließen, "müßte man für die Stimmung im Inneren eine derartige Veranstaltung ablehnen".

Stattdessen sollten beliebte Filmstars der Zeit wie Hans Albers, Heinz Rühmann, Willy Birgel (1891-1973), Rudolf Prack, Hans Moser (1880-1964), Kristina Söderbaum (1912-2001) oder Marika Rökk (geb. 1913) die Menschen von ihren Alltagssorgen ablenken. Schauspielerinnen wie Zarah Leander, Anna Dammann (1912-1993) und vor allem Ilse Werner - die "Traumfrau" in der ersten Hälfte der 40er Jahre - genossen Vorbildcharakter, denen viele Frauen trotz Rationierung von Textilien und Mangel an Kosmetikartikeln im Aussehen nachzueifern trachteten. In den Kinos liefen zumeist bewußt unpolitische Komödien und Unterhaltungsfilme, und im ersten Kriegsjahr - in der Saison 1939/40 - wurde im Deutschen Reich erstmals die Grenze von einer Milliarde Kinobesucher überschritten. Klassiker wie "Münchhausen" (1943) oder "Die Feuerzangenbowle" (1944) dienten in den letzten Kriegsjahren, als die vor dem Hauptfilm gezeigte "Wochenschau" für die Deutschen wenig Erfreuliches von den Fronten zu berichten hatte, immer häufiger der Zerstreuung.

Die Luftsirenen in den Großstädten ertönten ab 1942 häufiger, Verdunklungen waren an der Tagesordnung, und immer öfter mußten Menschen in drangvoller Enge zermürbende Nächte in Luftschutzräumen oder Hauskellern verbringen. Der nach den Luftangriffen anschließend tagelang über der Stadt liegende Geruch von Feuer, verbranntem menschlichem Fleisch und Fäulnis war ihnen auch Jahre nach Kriegsende noch präsent. Die Kinderlandverschickung (KLV) und Evakuierungsmaßnahmen ganzer Familien nahmen ebenfalls an Ausmaß zu, allein 1943 verließen über 700.000 Berliner die Reichshauptstadt. Zehntausende von Ausgebombten mußten in Notquartieren untergebracht und von der NS-Volkswohlfahrt (NSV) unterstützt werden. Um Papier zu sparen, erschienen zahlreiche Zeitungen und Illustrierte mit Durchhalteparolen im Reich nur noch in Sonderausgaben, oder ihr Erscheinen wurde vollständig eingestellt. Verschiedene Waren konnten allein auf dem Schwarzmarkt erworben werden, der als "Kriegswirtschaftsverbrechen" drastisch bestraft wurde, aber dennoch blühte. Mißstimmungen gegen die als privilegiert geltenden "Parteibonzen" der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) nahmen zu, und auch Adolf Hitler wurde davon nun nicht mehr ausgenommen. Den Weg in den aktiven Widerstand fanden allerdings nur wenige.
Zweiter Teil folgt.

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 13:25
2. Teil

Wurden Hitler nach dem deutschen Sieg über "Erbfeind" Frankreich im Sommer 1940 von den meisten Deutschen geradezu abgöttische Sympathien zuteil, so zweifelten im weiteren Kriegsverlauf - als die Gefallenenlisten bisher unbekannte Ausmaße annahmen - immer mehr "Volksgenossen" am "Geschick des Führers". Nach der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad im Februar 1943 und der sich unmittelbar anschließenden deutsch-italienischen Niederlage im Afrikafeldzug veränderte sich die Stimmungslage im Deutschen Reich dramatisch. Die Moral in der Bevölkerung sank rapide, und Zweifel am "Endsieg" wurden laut, die - wenn sie in der Öffentlichkeit fielen - mit drakonischen Strafen belegt wurden. Kriegsmüdigkeit und Defätismus nahmen spürbar zu, zugleich aber auch die Angst, dafür denunziert und drastisch bestraft zu werden.

Die Ausrufung des "Totalen Kriegs" durch Goebbels wenige Tage nach der Niederlage in Stalingrad im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943 sollte die Mobilisierung sämtlicher materiellen und personellen Ressourcen zur Folge haben. Die Sorgen der Deutschen galten nun nicht mehr allein dem Wohlergehen des erwachsenen Familienmitglieds an der Front, sondern im zunehmenden Maße auch dem noch halbwüchsigen Sohn oder Bruder. Immer häufiger stellten Schulen das am 8. September 1939 eingeführte Notabitur aus, ein Abgangszeugnis, das bei Einberufung zum Militär als Reifezeugnis diente. 14- bis 18jährige Hitlerjungen wurden in Wehrertüchtigungslagern in Militärtaktik unterrichtet und an Waffen ausgebildet. Mit der Erweiterung der Wehrpflicht ab August 1943 wurden auch Jungen unter 18 Jahren direkt aus den Lagern in die Wehrmacht eingezogen. Bereits 15jährige mußten ab 1943 die zur Front abkommandierten Flaksoldaten als "Luftwaffenhelfer" ersetzen, häufig mit tödlichem Ausgang. Mit Einberufung des Volkssturms im Herbst 1944 standen die Halbwüchsigen schließlich mit der Waffe in der Hand dem Feind auch unmittelbar gegenüber.

Angst bestimmte in den letzten Kriegsmonaten den Alltag von Millionen Deutschen, die einer ungewissen Zukunft entgegenblickten. Die jahrelange Propaganda gegen die "Bolschewisten" wirkte, und die Verbrechen schlugen zurück auf die Deutschen. Aus Angst vor der Roten Armee setzten sich ab Oktober 1944 aus Ostpreußen und Schlesien gewaltige Flüchtlingstrecks nach Westen in Bewegung, nachdem von Rotarmisten an der deutschen Zivilbevölkerung begangene Grausamkeiten bekannt geworden waren. Wer von den Sowjets eingeholt wurde, dem drohten Ermordung, Verschleppung und Vergewaltigung. Im Westen des Reichs hingegen wurden Briten und Amerikaner zumeist freundlich begrüßt, weniger als "Befreier" vom NS-Regime, sondern aus Erleichterung darüber, daß sie vor den Sowjets als Besatzer einrückten und daß der verlustreiche Krieg, der rund 3,8 Millionen deutschen Soldaten und 1,65 Millionen Zivilisten den Tod brachte, nun bald ein Ende haben würde. Angst aber hatten auch die Menschen im Westen, vor einem Frieden, der Deutschland diktiert werden könnte, und vor Strafen für begangene Verbrechen der Deutschen in Europa. "Genießt den Krieg, denn der Friede wird schrecklich", dieser in den letzten Kriegsmonaten vor allem unter NS-Funktionären kursierende Spruch brachte die Stimmung bei zahlreichen Deutschen zynisch zum Ausdruck. Nicht selten herrschte im Frühjahr 1945 eine sonderbar bizarre Weltuntergangsstimmung, und jene bis dahin auch materiell Privilegierten wie Funktionäre oder Offiziere zelebrierten sie mit Alkoholorgien, während ein Großteil der Bevölkerung vor allem in den Städten und Flüchtlinge Mühe hatten, satt zu werden oder ein Dach über den Kopf zu finden.

Die deutsche Kapitulation am 8. Mai 1945 verringerte die tägliche Not der Bevölkerung schließlich nur unwesentlich. Unter gewaltigen Kriegszerstörungen und Hunger hatte sie zum Teil noch Jahre zu leiden.
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Quelle und Copyright: LeMO: Lebendiges virtuelles Museum Online. Ein Projekt des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin und dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (HdG) in Bonn.



Literatur
Alltag im Krieg. Bombenstimmung und Götterdämmerung 1939-1945. Hans Veigl, Sabine Derman. Wien 1998.

Das Dritte Reich. Alltag in Deutschland von 1933 bis 1945. Werner Maser. Beltheim 1997.

Taschenlexikon Zweiter Weltkrieg. Reinhard Barth, Friedemann Bedürftig , Müchen 2000

A World at Arms : A Global History of World War II. Gerhard L. Weinberg. Taschenbuch (August 1995)

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 13:32
I]Deutschland 1945

Flüchtlinge - Vertriebene - Displaced Persons - Die Dimension der Wanderungsbewegungen und demographischen Verschiebungen
von Stefan Mannes



1. Einleitung

Eine der wohl gravierendsten Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges in Deutschland, die zweifelsohne die politische und wirtschaftliche Entwicklung in der Nachkriegszeit nachhaltig beeinflusst haben, waren die enormen demographischen Verschiebungen durch Flüchtlinge, Evakuierte, Vertriebene und Kriegsgefangene. Diese Arbeit ist der Versuch einer Darstellung der wichtigsten Bevölkerungsverschiebungen, ihrer Ursachen und ihres Ablaufs, aber vor allem ihrer demographischen Dimension sein. Dabei soll weniger das tragische Schicksal all jener Menschen thematisiert werden, die von den genannten Ereignissen betroffen wurden, vielmehr interessiert hier ein Eindruck der Größenordnung vermittelt werden, um die es bei der vorübergehenden oder endgültigen Wanderung vieler Deutschen bei Kriegsende ging.
Schließlich soll versucht werden, einen Ausblick auf die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der demographischen Verschiebungen zu geben. Aufgrund der Komplexität dieses Themas können die Geschehnisse allerdings nur grob in die Zusammenhänge der deutschen Nachkriegsgeschichte eingereiht werden.
Es bleibt zu erwähnen, dass die Literaturlage bei den größten Wanderungsgruppen, den Flüchtlingen und Vertriebenen, weitgehend unüberschaubare Formen angenommen hat. Die Fülle von guten wissenschaftlichen Arbeiten, jedoch auch vieler tendenziöser Literatur, wurde jedoch von Gertrud Krallert-Sattler in ihrer kommentierten Bibliographie vorbildlich geordnet. Sie gibt viele hilfreiche Einstiegsinformationen in das Thema sowie Literaturhilfen zu jedem nur denkbarem Vertiefungsgebiet.

2. Die Zwangsrücksiedlung von Volksdeutschen ins Reich ab 1939

Die gewaltigen demographischen Verschiebungen, die mit der Flucht und Vertreibung von Millionen von Ostdeutschen ihren Höhepunkt erreichten, deuteten sich schon Jahre zuvor mit Hitlers „Heim ins Reich" Politik an. Die Entwurzelung und Zerstreuung der Deutschen in den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas begann schon während des Krieges und stellte für viele Menschen nur den Anfang einer Wanderung dar, die sie 1945 noch weiter nach Westen führen sollte.
Seit dem elften Jahrhundert hatte eine intensive Siedlungstätigkeit für das Entstehen von großen deutschen Minderheiten in den Ländern Ost- und Südosteuropas gesorgt. Nach Ende des Ersten Weltkrieges befanden sich 1,5 Millionen Deutsche in der Sowjetunion, 1,2 Millionen in Polen, 3,5 Millionen in der Tschechoslowakei, 120.000 in Litauen, 550.000 in Ungarn, 800.000 in Rumänien, 700.000 in Jugoslawien, 70.000 in Litauen und 30.000 in Estland. Das politische Interesse an diesen fast 8,5 Millionen Deutschen wuchs aber erst mit der Machtergreifung Hitlers. Die pangermanischen Theorien der Nationalsozialisten zielten darauf ab, alle Deutschen in einem großen Reich zu vereinen. Der Anschluss Österreichs und die Übernahme des Sudetenlandes stellten hierbei die ersten großen politischen Aktionen dar. Nach dem raschen Sieg über Polen im Herbst 1939 befand sich das Deutsche Reich in einer politischen und militärischen Situation, die es ihm erlaubte, konkrete Forderungen über die Rückführung von Deutschen auch an andere ost- und südosteuropäische Länder zu stellen. Die Umsiedlung ganzer deutscher Volksgruppen sollte mit dem Ziel durchgeführt werden, die östliche Grenze des deutschen Sprachraums zu festigen und zu erweitern. Vor allem die eingegliederten Gebiete Polens sollten nach dem Willen des „Reichskommissars für die Festigung des deutschen Volkstums", Heinrich Himmler, eingedeutscht werden. Mit der brutalen Ausweisung von Millionen von Polen aus diesen Gebieten wurde ausreichend Platz geschaffen, die aus dem Osten eintreffenden Deutschen in diesen Gebieten anzusiedeln. Die in den eingegliederten Gebieten eintreffenden deutschen Siedler erhielten dabei meist völlig ausgestattete Höfe, von denen die polnischen Besitzer z.T. nur Stunden zuvor vertrieben worden waren. Das Fernziel dieser Siedlungsaktion, wie sie 1941 schließlich im „Generalplan Ost" formuliert wurde, war die Errichtung eines einheitlich deutschen Siedlungsgebietes, das im Osten von einer Linie Krim-Leningrad begrenzt werden sollte. Die slawische Bevölkerung sollte dabei, sofern sie nicht als Arbeitsheloten gebraucht würde, jenseits der deutschen Wehrgrenze entlang dem Ural abgeschoben werden.
Um die „Volksdeutschen", die nur in den wenigsten Fällen die deutsche Staatsangehörigkeit hatten, umzusiedeln, kam es zu einer Reihe von Verträgen mit den einzelnen Ländern, in deren Machtbereich die Siedlungen der Volksdeutschen lagen. Mit Estland und Litauen einigte man sich noch im Oktober 1939 über die Umsiedelung von insgesamt 60.000 Volksdeutschen, mit Kroatien wurde im Oktober 1942 die Überführung von 30.000 Deutschen vereinbart und schließlich gab es seit 1939 vier Verträge, welche mit der Sowjetunion die Umsiedlung von ca. 350.000 Menschen regelten. Auf diese Weise gelang es, die erste Welle der Umsiedler in humanitärer und friedlicher Weise zu transferieren. Diese Praxis sollte sich erst mit dem Fortschreiten des Krieges ändern. Da mehr und mehr Gebiete, in denen deutsche Minderheiten beheimatet waren, unter direkte deutsche Verwaltung fielen, wurden Umsiedlungsaktionen bald nur noch als rein deutsche Verwaltungsmaßnahmen zwangsweise durchgeführt. Von 1940 bis 1944 wurden aufgrund bilateraler Verträge oder administrativer Maßnahmen des Deutschen Reiches 166.000 Deutsche aus Polen, 127.000 aus den Baltischen Staaten, 370.000 aus der Sowjetunion, 212.000 aus Rumänien und 35.000 aus Jugoslawien umgesiedelt. Diese insgesamt 910.000 Deutschen fanden in den eingegliederten Ostgebieten, dem „Generalgouvernement" oder im Altreich Aufnahme. Vor allem für diejenigen Menschen, die in den zwei erstgenannten Gebieten eine neue Heimat bekamen, stand eine unsichere Zukunft und ein erneuter Heimatverlust durch Flucht und Vertreibung bevor.

3. Die Evakuierung der Bevölkerung aus den Städten

Die Evakuierung der deutschen Bevölkerung aus den Ballungsgebieten und Städten stellte ein klares Eingeständnis der deutschen Führung dar, über kein weiteres Mittel zur Minderung der Auswirkungen des schweren Luftkrieges mehr zu verfügen. Die ersten Betroffenen dieser Geschehnisse waren Kinder im Alter bis zu 14 Jahren, die ab September 1940 auf einen Vorschlag des „Hauptamtes für Volkswohlfahrt" aus Hamburg und Berlin in die Mark Brandenburg, nach Oberösterreich, Sachsen, Thüringen und den Warthegau verschickt wurden. Ab 1941 wurde die jetzt „erweiterte Kinderlandverschickung " genannte Aktion ausgedehnt und mit Anstrich einer reinen Wohlfahrtsaktion versehen, so dass Begriffe wie „Ausquartierung" oder „Evakuierung" vermieden werden konnten. Der Kreis der zu evakuierenden Kinder umfasste allein in Berlin und Hamburg etwa 935.000 Kinder. Die „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt" übernahm die Betreuung der Kinder bis zu zehn Jahren in Familienpflegestellen oder in Heimen. Die Unterbringung der Älteren, welche der Verantwortung der Hitlerjugend unterlagen, fand in Hotels, eigens eingerichteten Heimen oder schlichtweg in Lagern statt. Das Leben gestaltete sich nach einem festen Tagesplan, der sowohl Unterricht wie auch Sport und Spiele einschloss. Obwohl der große Widerstand meist katholischer Eltern aus der Befürchtung resultierte, der Staat werde die KVL-Lager zu intensiver politischer Indoktrination nutzen, gingen solche Bestrebungen meist nie über das Maß bisheriger HJ-Aktivitäten hinaus. Gegen Ende des Krieges wurde aber auch die Situation in den KLV-Lagern aufgrund von Versorgungs- und Unterbringungsproblemen deutlich schlechter und es erfolgten auch Einziehungen zum RAD, Volkssturm oder in SS-Ausbildungslager. Bis zum 8. Mai 1945 wurden rund 2,5 Millionen Mädchen und Jungen in fast 9.000 KLV-Lager evakuiert. Die ordnungsgemäße Rückführung dieser Kinder wurde jedoch durch den Zusammenbruch des Deutschen Reiches jäh unterbrochen, so dass viele KLV-Lager im In- und Ausland noch bis weit ins Jahr 1946 bestanden.
Mit der Verschärfung des britischen Nachtbombardements ab Frühjahr 1943 und der massenhaften Vernichtung von Wohnraum erreichte die Evakuierungsproblematik eine neue Dimension. Oberstes Ziel wurde nun, den in der Rüstungsindustrie Tätigen auch bei der Zerstörung ihrer Wohnungen eine Unterkunft am Betriebsort zu sichern. Dazu schien es unausweichlich die Großstädte von „überflüssigen" Menschen frei zu machen. Gemeint waren damit außer Kindern vor allem Mütter und alte Menschen, die nicht in kriegswichtigen Betrieben arbeiteten. Am 19. April 1943 gab der Reichsminister für Propaganda, Joseph Goebbels, schließlich den Erlass über die „Umquartierung wegen Luftgefährdung und Bombenschäden" an alle Reichsstatthalter, Regierungspräsidenten und Polizeipräsidenten heraus. In diesem Erlass waren drei Formen der Umqartierungen vorgesehen: zunächst die Umsetzung im Wohnort selbst, die in Sammelunterkünften oder in Privatquartieren erfolgen sollte; dann die Unterbringung in der Nähe von Industriestädten und schließlich die zusätzlichen Wohnraum erebende Evakuierung „nicht kriegswichtiger" Personen, die entweder auf der Basis von Verwandtenhilfe oder auf Vermittlung der Partei in bestimmte Gebiete gelenkt werden sollten. Die Aufnahmegebiete erstreckten sich dabei auf alle Reichsgebiete, aber auch auf besetzte und befreundete Staaten, von Italien bis in die eingegliederten polnischen Gebiete und Ostpreußen. Die Widerstände großer Teile der deutschen Bevölkerung gegen ihre Evakuierung lösten sich jedoch erst Anfang Juni 1943 durch massierte Bombardements der RAF weitgehend auf. Bis zum 21.1.1945 wurden im Deutschen Reich insgesamt 8.944.976 Menschen evakuiert. Man muss jedoch hierbei bedenken, dass davon 2,1 Millionen im Zuge der Kampfhandlungen an der West- und Ostfront aus den Gefechtsgebieten evakuiert worden waren, sowie 841.105 Personen im Zuge von Betriebsverlagerungen ihren Heimatort verlassen hatten. So hatten alleine aufgrund des Luftkrieges rund sechs Millionen Menschen, also fast ein Fünftel der großstädtischen Gesamtbevölkerung des Jahres 1939 ihre Heimat verlassen müssen. Jeder sechste Evakuierte stammte aus Berlin, das den größten Exodus erfahren hatte. Die im Januar 1945 als evakuiert registrierten 1.017.337 Berliner wurden in nicht weniger als zehn verschiedene Gaue verteilt. An dieser Verteilung zeigte sich auch, wie willkürlich die Verteilung der Flüchtlinge meist erfolgt war.
Die Evakuierungsprogramme erhöhten jedoch im Laufe der Zeit immer stärker die sozialen Spannungen im Dritten Reich und belasteten darüber hinaus das Wirtschafts-, Versorgungs- und Verkehrssystem in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. Die Flüchtlinge mussten untergebracht und versorgt werden, fanden jedoch in ihren Aufnahmegebieten nur selten Arbeit. Auch die psychologische Stresssituation der teilweise von den Einheimischen angefeindeten Evakuierten kann nicht vernachlässigt werden. Vielen dieser Flüchtlinge wurde nach Beendigung des Krieges die Rückkehr in ihre Heimatstadt aufgrund von Zonengrenzen oder einfach durch die Überfüllung der Städte versagt.[/I]

Fortsetzung folgt

KED

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 13:36
4. Die Flucht der deutschen Bevölkerung vor der Roten Armee

Die Fluchtbewegung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten leitete die größte Bevölkerungswanderung des Zweiten Weltkrieges ein. Bis zum Zusammenbruch der Heeresgruppe „Mitte" im Sommer 1944, der die Rote Armee schlagartig in die Nähe der Reichsgrenzen brachte, schien der deutsche Osten fern ab von jeglichem Kriegsgeschehen. Die Seltenheit von Luftangriffen und die bislang große Entfernung zum Frontverlauf hatten die dortige Bevölkerung in trügerischer Ruhe gelassen. Als im Oktober 1944 Rotarmisten zum ersten Mal deutschen Boden betraten, hatten sie vor allem die menschenverachtende Besatzungsherrschaft der Deutschen in der Sowjetunion in Erinnerung. Aufgestauter Hass über Plünderungen, Vergewaltigungen und willkürliche Erschießungen entlud sich nun an der deutschen Zivilbevölkerung. Die barbarischen Ausschreitungen der sowjetischen Soldaten auf deutschem Boden erreichten entsetzliche Ausmaße und nahmen der Zivilbevölkerung jede Hoffnung, ihr Leben auf eine andere Weise als durch Flucht retten zu können. Aufgrund des Widerstandes fanatischer NSDAP Funktionäre wurde jede Vorbereitung zur Flucht unter Todesstrafe verboten. Es war für die Partei unvorstellbar, das Land kampflos vor dem Feind zu räumen. Da den Gauleitern als „Reichsverteidigungskommissaren" die oberste Weisungsbefugnis in Verteidigungsfragen zukam, häuften sich ebenso militärische Fehlentscheidungen, welche die Rettungsmaßnahmen der Wehrmacht zusätzlich behinderten. Infolgedessen verliefen die mit der sowjetischen Winteroffensive 1945 einsetzenden Fluchtbewegungen meist völlig chaotisch und panikartig. Viele Orte wurden von den Bewohnern erst verlassen, als die Rote Armee in unmittelbarer Nähe war. Es kam dabei oft zu erschütternden Szenen, wenn Flüchtlingstrecks in Kämpfe gerieten oder einfach von vorrückenden sowjetischen Einheiten überrollt wurden. Sofern die winterliche Flucht gelang, verlief sie unter erbärmlichen Umständen und unter großen Entbehrungen. Bis zum Jahresanfang 1945 flohen vier bis fünf Millionen deutsche Zivilisten aus dem Warthegau, Ostpreußen, Danzig, Pommern, Schlesien und Ostbrandenburg nach Westen.
Am 26. Januar 1945 wurde Ostpreußen durch einen Vorstoß der Roten Armee ans Frische Haff abgeschnitten, und der Bevölkerung blieb als einziger Ausweg die Flucht über das zugefrorene Haff zu den noch erreichbaren Ostseehäfen. Viele Menschen starben in der klirrenden Kälte durch die fortlaufenden sowjetischen Tieffliegerangriffe oder wenn ihr Wagen ins Eis einbrach. Auf der Ostsee wurde indessen eine gewaltige Rettungsaktion, an der fast 800 Militär-, Handels- und Passagierschiffe teilnahmen, organisiert. Bis zum Mai 1945 konnten so über den Seeweg zwei bis drei Millionen Menschen evakuiert werden, wobei nur ein Prozent von ihnen ums Leben kam. Um einen Eindruck der Ereignisse zu geben, sei hier die Flucht einer Frau mit ihrer Mutter und zwei Söhnen aus der pommerschen Stadt Bütow beschrieben:
Die Flucht am Morgen des 3. März 1945 geschah erst bei unmittelbarer Nähe der Front. Mangels eines Fahrzeuges konnte nur das Nötigste mitgenommen werden. Aufgrund des mittlerweile erfolgten Räumungsbefehles wurden schließlich jedoch offene Lastwagen bereitgestellt, welche die Flüchtlinge dicht zusammengedrängt in eisiger Kälte nach Osten fuhren. Erst am Abend des selben Tages erreichte die Lastwagenkolonne über die überfüllten Straßen die 60 km entfernte Stadt Stolp. Obwohl mittlerweile bekannt war, dass der Fluchtweg nach Westen von sowjetischen Streitkräften abgeschnitten war, wurde den Menschen das Ziel ihrer Flucht nach Osten nicht bekannt gegeben. In den nächsten Tagen gelangten sie teils zu Fuß, teils auf Wehrmachtswagen dem allgemeinen Flüchtlingsstrom im nördlichen Pommern folgend, am 10. März nach Gotenhafen. In der mit Flüchtlingen überfüllten Stadt schien es zunächst nicht möglich, Schiffskarten für eine Überfahrt nach Westen zu erhalten. Glücklicherweise bot sich der Leiter eines Heimes der Kinderlandverschickung an, die zwei Frauen und Kinder zusammen mit seiner Kindergruppe mitzunehmen. Nach tumultartigen Zuständen, die entstanden, weil nur der kleinste Teil der Flüchtlinge Karten durch das Rote Kreuz erhalten hatte, gelangten sie schließlich an Bord der Goya. Die Überfahrt zusammen mit 3.000 anderen Flüchtlingen auf dem überfüllten Schiff verlief glatt, so dass sie nach wenigen Tagen in Swinemünde eintrafen. Im Juni 1945 gelangten die zwei Frauen mit den zwei Kindern schließlich nach neuen Strapazen nach Hamburg.

5. Die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten

Die von dem Deutschen Reich so brutal betriebene Politik der nationalen Flurbereinigung schlug nun um ein Vielfaches zurück. Parallel zur Repatriierung, der von der Expansionspolitik Hitlers produzierten Flüchtlinge und „Displaced Persons", begann die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten und Osteuropa. Schon auf der Konferenz von Teheran 1943 hatten die Alliierten sich auf eine Westverschiebung Polens und einen Transfer aller Deutschen grundsätzlich geeinigt. Für die Durchführung dieses Bevölkerungstransfers verwies Churchill auf einen griechisch-türkischen Präzedenzfall nach dem ersten Weltkrieg. Es sollten die Konflikte von zukünftigen Minderheiten in besetzten Gebieten, sowie Revisionsforderungen einzelner Staaten von vorneherein verhindert werden. Indessen hatte Stalin bereits gehandelt und eine polnische Marionettenregierung am 5. Februar 1945 eingesetzt, die die deutschen Ostgebiete unter polnische Verwaltung nahm.
Da die Westalliierten sich zu diesem Zeitpunkt noch zu keiner klaren Stellungnahme zu diesen Ereignissen bewegen ließen, verkündete die polnische Regierung im März 1945 die formelle Eingliederung von Pommern, Ostbrandenburg, Westpreußen, Schlesien und südliches Ostpreußen als die neuen polnischen Woiwodschaften Masuren, Pommern, Ober- und Niederschlesien sowie Danzig. Die sowjetisch-polnische Politik der vollendeten Tatsachen hatte sich ausgezahlt. Obwohl Stalin diese Vorgänge mit der Aussage, es seien alle Deutschen bereits vor der Roten Armee geflohen, verteidigte, lebten zu diesem Zeitpunkt noch ca. fünf Millionen Deutsche in diesen Gebieten. Bis die polnische Regierung die Oderübergänge im Juni 1945 für rückkehrende deutsche Flüchtlinge schloss, war es außerdem bereits über einer Million Menschen gelungen, wieder in ihre Heimatorte zurückzukehren, wie sie es schon nach dem Ersten Weltkrieg getan hatten. Ihr Aufenthalt dort sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein. Die ansässige deutsche Bevölkerung in Polen und der Tschechoslowakei wurde in den Monaten April bis August 1945 Opfer der sogenannten „wilden" Vertreibungen, die zusammen mit Raub, Plünderungen, Vergewaltigungen und Mordtaten über die Menschen hereinbrachen. Über 300.000 Menschen aus den Oder-Neiße-Gebieten und 800.000 im Sudetenland wurden unter solchen Bedingungen vertrieben, bis sich die Alliierten auf der Potsdamer Konferenz überhaupt mit der Frage des Bevölkerungstransfers auseinander setzten. Die Empörung der Westalliierten, die sich auf der Konferenz zeigte, hatte ihren Grund jedoch weniger darin, dass die Sowjetunion die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße faktisch aus ihrer Besatzungszone ausgegliedert und den Polen übereignet hatte, sondern weil das in einem einseitigen polnisch-sowjetischen Akt geschehen war. Die Lösung der Konflikte um die deutschen Ostgebiete hatte zu diesem Zeitpunkt ohnehin nur untergeordnete Bedeutung für die Westalliierten. Die westliche Sanktionierung der polnischen Verwaltung der „früher deutschen" Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie und der Zustimmung Washingtons und Londons zur Massenausweisung der deutschen Bevölkerung aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn wurde nur als Mittel gesehen, wiederum sowjetische Zugeständnisse bei der Regelung der Reparationsfrage zu erhalten. Die Westalliierten erreichten so ihr primäres Ziel, die Sowjetunion dazu zu bringen, ihre Reparationsforderungen aus der eigenen Zone zu befriedigen. Der Artikel XIII des Potsdamer Abkommens sollte schließlich die ordnungsgemäße Überführung deutscher Bevölkerungsteile aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn regeln. Die Betonung dieser Formulierung lag dabei auf „ordnungsgemäß", da man die bisherigen Bedingungen der Vertreibung etwas bessern wollte. Der Einfluss der Westmächte auf den Ablauf der Aussiedlungen war in der Praxis jedoch sehr begrenzt. Trotz kleinerer moralischer Skrupel, vor allem auf Seiten der USA, schien es nicht opportun, sich zum Anwalt eines Volkes zu machen, das kurz zuvor einen Kontinent mit Krieg überzogen hatte. Die Verständigung innerhalb der Anti-Hitler-Koalition wurde somit nicht mit, sondern nur auf Kosten Deutschlands erreicht. Die Vertreibungen in allen betroffenen Ländern liefen mit nur wenig verminderter Härte weiter. Ein US-Korrespondent berichtete im Oktober 1945 über den Ablauf der Vertreibungen im Sudetenland:

„Eine andere Frau mit Narben von Peitschenhieben quer über dem Gesicht sagte, als die Gruppe, mit der sie in Oberschlesien zur Eisenbahn marschierte, durch Sagan kam, standen polnische Zivilisten links und rechts der Straße, und die Flüchtlinge wurden systematisch beraubt und geschlagen, als sie vorübergingen [...] Sie schloss ihre Aussagen mit der Vermutung, sie sei schwanger. Auf der Reise nach Berlin war sie dreißigmal vergewaltigt worden."

Fortsetzung folgt

Klaus E. Daniel
10.10.2003, 13:42
Von den 16,558 Millionen deutscher Ostbevölkerung, die bei Kriegsende noch in den Oder-Neiße-Gebieten (9,575 Millionen), der Tschechoslowakei (3,477 Millionen), den Baltischen Staaten (250.000), Danzig (380.000), Polen (1,371 Millionen), Ungarn (623.000), Jugoslawien (537.000) und Rumänien (786.000) lebten, kamen in wenigen Monaten nach Kriegsende insgesamt 11,73 Millionen durch Flucht und Vertreibung in den Westen. 2,111 Millionen Menschen kamen dabei ums Leben, während 2,645 Millionen in ihrer Heimat verblieben. In den folgenden Jahren begann aber, nicht zuletzt aufgrund der politischen Zustände in den ost- und südosteuropäischen Staaten, ein fortlaufender Abwanderungsprozess deutschstämmiger Menschen, der bis heute anhält.

6. Das Problem der „Displaced Persons"

Auch nichtdeutsche Staatsbürger waren in großem Maße von Bevölkerungsverschiebungen in Deutschland betroffen. Eine Gruppe, deren Einfluss auf die Entwicklung in Nachkriegsdeutschland weniger prägend war, in den ersten Nachkriegsjahren für die Alliierten und die deutsche Verwaltung aber ein gravierendes Problem darstellte, waren die „Displaced Persons". Laut Definition der Alliierten waren dies Personen, die als Zwangsarbeiter oder aus rassischen, religiösen oder politischen Gründen ihr Land verlassen mussten und jetzt in den vier Besatzungszonen festsaßen. Bei Kriegsende befanden sich ca. acht bis zehn Millionen DPs aus Polen, der Sowjetunion, der Ukraine, Jugoslawien, der Tschechoslowakei und Frankreich in Deutschland. Die meisten von ihnen waren als Zwangsarbeiter nach Deutschland gekommen, doch es befanden sich auch Kriegsgefangene und befreite Internierte aus den zahlreichen Konzentrationslagern darunter. Da es den meisten dieser Menschen nicht möglich war, mit eigenen Mitteln in ihr Heimatland zurückzukehren und ihre Versorgung erhebliche Probleme hervorrief, begannen ab Mai 1945 ausgedehnte Repatriierungsaktionen durch die Alliierten. Bis zum September desselben Jahres wurden so in regulären Transporten 4,622 Millionen DPs aus den Westzonen in ihre jeweilige Heimat gebracht. Diese Bemühungen erwiesen sich jedoch besonders im Fall der osteuropäischen Staaten als außerordentlich schwierig, da viele Menschen wegen der dort herrschenden politischen Verhältnisse zögerten oder es ganz ablehnten, zurückzukehren. Um einen Eindruck der Schicksale dieser Menschen zu geben, sei das Beispiel eines polnischen DP genannt:

„Ein polnischer Gymnasiallehrer, 1908 geboren, seit 1937 verheiratet (1 Kind), am 14. Februar 1940 bei einer sogenannten Fangaktion aus der Straßenbahn in Warschau heraus verhaftet und nach Deutschland verbracht; dort Zwangsarbeiter beim Bau der großen Schleuse in Wilhelmshaven; bei mangelhafter Verpflegung und Unterbringung 12 Stunden Arbeit täglich (in wechselnden Tag- und Nachtschichten); nach der Befreiung notdürftig in einer Bremer Kaserne untergebracht, 1947 Verweigerung der Rückkehr nach Polen wegen der dort entstandenen politischen Lage; Lagerleben bis 1949, dann Ausreisebewilligung nach Kanada; seit 1950 Industriearbeiter in Toronto, erfährt erst dort vom Tode seiner Familie im Warschauer Aufstand 1944; Wiederaufnahme akademischer Tätigkeit an Sprachschwierigkeiten und Alter gescheitert, 1956 Frühinvalide wegen schlecht verheilter TB"

Für die sowjetischen Kriegsgefangenen ergab sich dabei eine besondere Zwangslage. Die ehemaligen Mitglieder der Wlassow-Armee, die an der Seite der Deutschen gekämpft hatten, erwartete der sichere Tod in ihrer Heimat, aber auch den Soldaten, die in deutscher Gefangenschaft verblieben waren, drohte ein nur wenig besseres Schicksal, da Stalin 1942 per Dekret alle von den Feinden gefangenen Sowjetsoldaten zu Vaterlandsverrätern erklärt hatte. Da ein in Jalta unterzeichnetes Geheimabkommen die wechselseitige Repatriierung der Kriegsgefangenen vorsah, begingen viele Sowjetsoldaten, die Deportation vor Augen, Selbstmord.
Trotz der Fortschritte der Repatriierung befanden sich im Frühjahr 1947 noch etwa eine Million Ausländer in den vier Besatzungszonen, davon allein 575.000 in der britischen und 275.000 in der amerikanischen Zone. Im März 1949 befanden sich in den drei Westzonen noch 411.654 DPs, die meist in Lagern oder geschlossenen Siedlungen lebten. Die deutsche Bevölkerung hatte die oft umherziehenden Ausländer aufgrund maßlos übertriebener Berichte über Gewalttaten, meist nur als Gefahr wahrgenommen. Das Fehlen beiderseitiger Kommunikation und ein schlechtes politisches Gewissen der Deutschen hatte ein Übriges dazu beigetragen, dass Integrationsversuche dieser Menschen beinahe erfolglos waren. So sollte es bis zum April 1951 dauern, bis auf Druck der Alliierten die Bundesregierung den „heimatlosen Ausländern" ein besonderes Aufenthalts- und Niederlassungsrecht zugestand. Der endgültige Verlauf und die Probleme ihrer Eingliederung ist bis heute jedoch weitgehend unerforscht.

7. Deutsche Kriegsgefangene in alliierter Gefangenschaft

Mit der Einziehung von Millionen von deutschen Männern zur Wehrmacht begann ein weiteres Kapitel des Bevölkerungswandels, das erst Jahre nach Kriegsende mit der Rückkehr der deutschen Kriegsgefangenen abgeschlossen sein sollte. Seit Beginn des Krieges machten die immer größer werdenden Besatzungsgebiete, schließlich aber auch die großen Verluste an Menschen, die Einberufung immer mehr Männer zum Kriegsdienst notwendig. Alleine bis zum Mai 1944 wurden im Gebiet des Deutschen Reiches rund 10,7 Millionen Menschen zum Kriegsdienst einberufen. Zählt man zu dieser Zahl noch die Verbände der SS, SA, des RAD, der OT sowie den Volkssturm dazu, so kommt man auf fast 20 Millionen Deutsche, die bis 1945 mittelbar oder unmittelbar am Kriegsgeschehen beteiligt waren. Ihr Ausscheiden aus dem Zivilleben und aus der Wirtschaft wurde meist durch den Einsatz von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern ausgeglichen. Ebenso übernahmen auch die Frauen zahlreiche Funktionen, die durch das Fehlen der Männer vakant geworden waren. Gerade die Rolle der Frauen sollte noch an Bedeutung gewinnen, als mit dem Ende des Krieges die Unterstützung durch Zwangsarbeiter wegfiel, sich die Männer jedoch immer noch in Kriegsgefangenschaft befanden.
Bis zum Frühsommer 1945 waren über 11 Millionen Deutsche zu Gefangenen der Alliierten geworden, ca. 7,745 Millionen auf Seiten der Westmächte und 3,349 Millionen bei den Sowjets. Noch kurz vor der Kapitulation hatte der Nachfolger Hitlers, Großadmiral Dönitz, versucht, durch Verhandlungen mit den Westalliierten und mittels Teilkapitulationen von Wehrmachtteilen, das Groß der deutschen Soldaten dem sowjetischen Zugriff zu entziehen. Die unerbittliche Härte des im Osten geführten Krieges ließ die Bedingungen für deutsche Soldaten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft äußerst schlecht erscheinen. Obwohl der alliierte Oberkommandierende, General Eisenhower, die Bemühungen Dönitz weitgehend ablehnte, gelang es noch, von den 3,34 Millionen an der Ostfront stehenden deutschen Soldaten ca. 1,85 in westliche Gefangenschaft zu überführen.
Unter dem Codenamen „ECLIPSE" begannen die Amerikaner schon ab Mitte Mai 1945 mit der Entlassung von Männern, die Erfahrung in Bergbau, Landwirtschaft und Transportwesen hatten. Der hohe Arbeitskräftebedarf der übrigen Alliierten verhinderte derartige Schritte. England, Frankreich und die Sowjetunion waren aufgrund der hohen Zerstörungen in ihren Ländern auf zusätzliche Arbeitskräfte dringend angewiesen. Schließlich setzen die Amerikaner ihr Repatriierungsprogramm aus und überstellten 740.000 Mann an Frankreich, 123.000 an Großbritannien, 14.000 an Holland, 30.000 Belgien und 5.000 an Luxemburg. Die Arbeitsbedingungen variierten dabei je nach Land. Während Deutsche in amerikanischer Gefangenschaft ausgezeichnet untergebracht und ernährt wurden, waren die Verhältnisse in britischer Gefangenschaft gut und in Frankreich schon deutlich schlechter. In der Sowjetunion herrschten schließlich meist so unerträgliche Zustände in den abgelegenen Arbeitslagern, dass viele der Gefangenen an Erschöpfung oder Krankheiten starben. Trotz dieser Heranziehung zum Wiederaufbau wurde bis 1946 vor allem von den Westalliierten eine große Anzahl von Deutschen entlassen. Obwohl über die genaue Anzahl keine Zahlen vorliegen, kann sie jedoch im Bereich einiger Millionen angesiedelt werden. Die ersten offiziellen Zahlen der Alliierten, die deutschen Kriegsgefangenen betreffend, wurden auf der Moskauer Konferenz im März und April 1947 bekannt gegeben. Großbritannien besaß nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt noch 435.295, Frankreich 641.483 und die USA nur noch 14.000 Gefangene. Die von sowjetischer Seite genannte Zahl von 890.432 Internierten schien jedoch unglaubwürdig, da Stalin sich noch 1945 gebrüstet hatte, über drei Millionen Deutsche gefangengenommen zu haben. Auf amerikanisches Betreiben hin einigte man sich auf der Konferenz schließlich darauf, die deutschen Kriegsgefangenen, die sich noch in der Hand der Alliierten befanden, bis zum 31. Dezember 1948 nach Deutschland zu entlassen. Während die Westalliierten diesem Plan weitgehend entsprachen, zeigte sich die Sowjetunion aufgrund des beginnenden Kalten Krieges unkooperativ und an der Einhaltung von Abkommen mit den Westmächten nicht mehr interessiert. Während die Westalliierten 1950 gemäß dem Abkommen keinerlei Kriegsgefangene mehr besaßen, kam ein Untersuchungsausschuss des amerikanischen Senats über die kommunistische Behandlung der Kriegsgefangenen zu dem Schluss, dass in diesem Jahr die Sowjetunion noch ca. 1,952 Millionen Deutsche interniert oder ihr Schicksal nicht anderweitig aufgeklärt hatte. Die letzte größere Entlassung von Kriegsgefangenen erfolgte erst im September 1955. Das Schicksal von fast einer Million deutscher Soldaten, von denen man die meisten in sowjetischer Gefangenschaft glaubte ist heute noch weitgehend ungeklärt.
Der überwiegende Teil der deutschen Soldaten kehrte zwischen 1945 und 1949 ins Zivilleben zurück. Meist aus europäischen, aber auch aus überseeischen Lagern entlassen, fanden sie sich bald im Konkurrenzkampf mit Flüchtlingen, Vertriebenen, Evakuierten und „Displaced Persons" wieder, die alle versuchten, ihren Lebensunterhalt so gut wie möglich zu sichern. Der frustrierende Kampf um Nahrung, Wohnung und Arbeit führt oft zu einer zusätzlichen starken Belastung der Veteranen und zu Konflikten mit Familie und Freunden. Gefangene aus sowjetischer Gefangenschaft kehrten zu fast 90 Prozent arbeitsunfähig zurück und bedurften intensiver Betreuung. Die deutschen Behörden und viele Hilfsorganisationen sowie das Rote Kreuz, der CVJM und die Caritas nahmen sich ihrer an so gut es ihre ebenfalls sehr beschränkten Möglichkeiten zuließen, jedoch stellten die Veteranen zumindestens in der Zeit unmittelbar nach ihrer Rückkehr eine deutliche Belastung dar.

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Klaus E. Daniel
10.10.2003, 13:49
8. Soziale und politische Auswirkungen der demographischen Verschiebungen

Die riesenhafte Fluchtbewegung der ostdeutschen Bevölkerung vor der Roten Armee, die Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa, die Evakuierungen aus den Städten und die Gefangenschaft des größten Teiles der männlichen Bevölkerung lösten einen tiefgreifenden demographischen Wandel in Deutschland aus. In den ersten Jahren der Nachkriegszeit bewirkten die ungeheuren Menschenmassen, die vorübergehend oder endgültig heimatlos waren, eine ungeheure Verschärfung der ökonomischen, sozialen und politischen Probleme. Die hohe Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen glich die hohen Kriegsverluste aber mehr als aus. Die Gesamtbevölkerung in den vier Besatzungszonen einschließlich Berlins war bis 1946 von 59,794 Millionen (1939) auf 65,93 Millionen gestiegen. Auch wenn die kriegsbedingten Bevölkerungsverluste nominal ausgeglichen waren, so hatte sich jedoch eine starke Verzerrung der Alterspyramide und ein hoher Frauenüberschuss ergeben. Die männliche Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter war entweder im Krieg gefallen oder kehrte erst allmählich aus der Kriegsgefangenschaft zurück. 1946 kamen in allen vier Zonen einschließlich Berlins auf 29,316 Millionen Männer 36,595 Millionen Frauen. Der Anteil der leistungsfähigsten Altersgruppen zwischen 25 und 40 Jahren sank im amerikanisch-britischen Besatzungsgebiet von 26,7 Prozent (1939) auf 20,5 Prozent (1946). Betrachtet man dabei nur die männliche Bevölkerung, so kommt man sogar auf ein Absinken von 27,3 auf 17,6 Prozent.
Im Hinblick auf den Wiederaufbau bedeuteten die vielen Zuwanderer ein starkes Hemmnis bei der Ernährungs- und Wohnungssituation, auf die sich die Alliierten, die deutschen Behörden und schließlich auch die junge Bundesrepublik ausrichten mussten. Leider war die regionale Verteilung der Heimatlosen durch die Alliierten nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgt, so dass meist dort Arbeitskräfte konzentriert waren, wo es keine Arbeitsplätze gab, sie andererseits aber in Regionen fehlten, in denen man sie dringend brauchte. Es kann aber keinesfalls übersehen werden, dass diese Menschen für den industriellen Wiederaufbau Deutschlands als sofort verfügbares Arbeitskräftepotential ein bedeutsamer Faktor waren.
Durch die Tatsache, dass Millionen von Menschen aufgrund von Luftkriegsevakuierung oder Vertreibung aus dem Osten sich eine neue Heimat irgendwo in Deutschland suchen mussten, erfolgte eine starke Durchmischung der Bevölkerung, die eine Fülle von sozialen und politischen Folgen hatte. Die Aufnahme von Flüchtlingen, die im Extremfall schließlich über 50 Prozent der Bevölkerung eines Ortes stellen konnten, hatte bei vielen Anwohnern gravierende Auswirkungen. Vielerorts sahen sich vertriebene Ostpreußen, Pommern oder Schlesier in bayrische, niedersächsische oder holsteinische Ortschaften versetzt, die seit dem Dreißigjährigen Krieg keine gravierenden Veränderungen in Konfession und Sozialstruktur erfahren hatten. Die Eingliederungsbemühungen in der Nachkriegszeit, die somit immer von zwei Seiten, die der Einzugliedernden und die der Eingliedernden, gesehen werden müssen, hatte jedoch überwiegend positive Auswirkungen. Tradierte Verhaltensweisen und Mentalitäten wurden aufgelockert, die soziale Mobilität erhöht. Man kann ebenso davon ausgehen, dass die neuen regionalen und konfessionellen Strukturen zum Aufbrechen alter festgefügter Traditionen z.B. im Bereich der politischen Parteien mit bestimmten regionalen und konfessionellen Zentren führten und damit letztendlich auch eine größere Flexibilität des parlamentarischen Systems bewirkten.
Nicht in allen Bereichen bewirkten diese ungeheuren sozialen Erschütterungen jedoch solch positive Auswirkungen. In einigen Fällen führten die gravierenden Umstellungen der Lebensgewohnheiten bei den Einzugliedernden oder den Einheimischen zu einer Abgrenzung und Rückbesinnung auf alte vertraute Werte. So sind Tendenzen zur Restabilisierung überkommener Wertvorstellungen und Verhaltensmuster vor allem im Bereich der Familie und in der Einstellung zu Öffentlichkeit und Politik erkennbar. Vor allem Ostvertriebene lebten noch bis in die 50'er Jahre oft in festgefügten landsmannschaftlichen Gruppen, in denen man die eigenkulturellen Werte betonte und nach Möglichkeit die eigene Lebensweise bewahrte. Es waren auch meist diese Gruppen, die noch nach Jahrzehnten die Zugehörigkeit ihrer ehemaligen Heimat zu Deutschland propagierten.

9. Schlussbetrachtung

Wie in keinem anderem Industriestaat der Welt wurden in diesem Jahrhundert Bevölkerung, Wirtschaft und Gesellschaft Deutschlands durch demographische Verschiebungen größten Ausmaßes geprägt. Die Auswirkungen dieser Ereignisse, die ihre Ursachen im Zweiten Weltkrieg haben, lassen sich aber nur verstehen, wenn man sich die Dimension der Bevölkerungswanderungen vor Augen führt. Die demographischen Verschiebungen während und am Ende des Krieges setzten sich aus einer Vielzahl von Einzelströmen und Faktoren zusammen, die sich teilweise wechselseitig beeinflussten. So wurden die während des Krieges aus dem Ausland heimgeführten fast eine Million Volksdeutschen fast ausschließlich in Gebieten angesiedelt, wo sie gegen Ende des Krieges zusammen mit etwa 12 Millionen anderen Deutschen schließlich Opfer von Flucht und Vertreibung aus den Ostgebieten und Osteuropa wurden. Ebenfalls gerieten viele der sechs Millionen Luftkriegsevakuierten und der 2,5 Millionen verschickten Kinder in den Strudel dieser Ereignisse, sofern sie sich in den vermeintlich sicheren Ostgebieten aufgehalten hatten. Doch auch wenn sie sich in den übrigen Gebieten des geschlagenen Reiches befanden, blieb ihr Schicksal oft ungewiss. 11 Millionen Deutsche, die als Kriegsgefangene in alliierter Gefangenschaft waren und erst langsam nach Kriegsende zurückkehrten sowie etwa 10 Millionen „Displaced Persons", die heimatlos durch Deutschland streiften, vergrößerten das Chaos. Zwei von fünf Deutschen befanden sich bei Kriegsende nicht in ihrem Heimatort oder waren irgendwo unterwegs in den Ruinen des zerstörten Deutschland. Und doch wurden die anfangs riesigen Versorgungs- Unterbringungs- und Eingliederungsprobleme gemeistert. Obwohl diese gewaltsame Heterogenisierung der Bevölkerung den Wiederaufbau in den ersten Jahren nach dem Krieg behinderte, so hat sie sich doch, nach Abwägung aller positiven und negativen Auswirkungen, als förderlich für den wirtschaftlichen, sozialen und vor allem demokratischen Aufbau der Bundesrepublik Deutschland erwiesen.


Literatur
Dabel, Gerhard, Die erweiterte Kinderlandverschickung . KLV-Lager 1940-1945, Freiburg 1981.

Groehler, Olaf, Bombenkrieg gegen Deutschland, Berlin 1990.

GRUCHMANN, LOTHAR, Totaler Krieg. Vom Blitzkrieg zur bedingungslosen Kapitulation, München 1991.

Henke, Klaus-Dietmar, Der Weg nach Potsdam - Die Alliierten und die Vertreibung, in: Benz, Wolfgang (Hrsg.), Die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. Ursachen, Ereignisse, Folgen, Frankfurt 1985.

Kleßmann, Christoph, Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945 - 1955, Bonn 1991.

Krallert-Sattler, Gertrud, Kommentierte Bibliographie zum Flüchtlings- und Vertriebenenproblem in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich und in der Schweiz, Wien 1989.

Reichling, Gerhard, Die deutschen Vertriebenen in Zahlen, Teil I: Umsiedler, Verschleppte, Vertriebene, Aussiedler 1940-1985. 4

Schechtmann, Joseph B., European Population Transfers 1939-1945, New York 1946.

Smirth, Arthuer, Heimkehr aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Entlassung der deutschen Kriegsgefangenen, Stuttgart 1985.

Tolksdorf, Ulrich, Phasen der kulturellen Integration bei Flüchtlingen und Aussiedlern, in: Bade, Klaus, Neue Heimat im Westen. Vertriebene - Flüchtlinge - Aussiedler, Münster 1990.

das ist erst einmal genug, ich setze morgen fort.

Klaus E. Daniel

Klaus E. Daniel
11.10.2003, 11:22
"Unternehmen Barbarossa"
Der Angriff gegen die Sowjetunion und der Holocaust
von Wigbert Benz


"1. Der Krieg ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Rußland ernährt wird.



"2. Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird."




Dieses Ergebnis einer Arbeitsbesprechung des Generalrats der Vierjahresplanbehörde vom 2.Mai 1941, der die militärischen und wirtschaftlichen Aspekte der Angriffsplanung koordinierte und dem die Staatssekretäre aller wirtschafts- und sozialpolitisch wichtigen Ressorts sowie der Wehrwirtschaftsgeneral des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) Georg Thomas angehörten, bildete eine wesentliche Grundlage für die deutsche Besatzungspolitik in der Sowjetunion. Initiiert wurde der Plan, "zig Millionen Menschen verhungern" zu lassen, von Göring und Führungsstellen der Wehrmacht, ausgearbeitet in erster Linie von Experten des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, unter dessen Staatssekretär Herbert Backe. Er sollte zum einen die negative Ernährungsbilanz im Reich ausgleichen, dessen Getreidevorräte eineinhalb Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges entscheidend zusammengeschmolzen waren. Zum anderen sollten die Nachschubwege der Wehrmacht bei ihren geplanten gigantischen Vorstößen von allem entlastet werden, was nicht absolut notwendig erschien; d.h. die drei Millionen Soldaten sollten "aus dem Lande" ernährt werden. Eine wesentliche Einschränkung des Nahrungsmittelverbrauchs in Deutschland galt als Tabu. Eine Situation wie im Ersten Weltkrieg, bei dem der Hunger eine Destabilisierung der "Heimatfront" bewirkte, sollte unter allen Umständen vermieden werden. Zum Zwecke der "Abschöpfung der für Deutschland nötigen Lebensmittel" wurde die militärische Abriegelung der Industriezonen von den landwirtschaftlichen Überschußgebieten geplant - mit der in den "Wirtschaftspolitischen Richtlinien für die Wirtschaftsorganisation Ost" vom 23.Mai 1941 klar ausgesprochenen Konsequenz: "Viele 10 Millionen von Menschen werden in diesem Gebiet überflüssig und werden sterben oder nach Sibirien auswandern müssen."

Die im Generalrat der Vierjahresplanbehörde zusammengeschlossenen Staatssekretäre rechneten mit etwa 30 Millionen Hungertoten. Diese Zahl nannte nicht nur der Höhere SS- und Polizeiführer von dem Bach-Zelewski in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen, sondern Göring selbst schon im November 1941 gegenüber dem italienischen Außenminister Graf Ciano. Sie wurde durch den konkreten Kriegsverlauf nach dem 22. Juni nicht erreicht. Aber auf dieser Hungerstrategie basierten Befehle, sowjetische Großstädte nicht auf klassischem militärischen Wege zu erobern, sondern mit minimalen eigenen Verlusten und ohne die dortige Zivilbevölkerung ernähren zu müssen, einzuschließen und auszuhungern - eine Vorgehensweise, die allein in Leningrad während der 900 Tage währenden Blockade ca. eine Million Menschen das Leben kostete. Die Gewinnung von Nahrungsmitteln für das Reich und seine Soldaten mit den Folgen der Entstädterung und Entindustrialisierung im Okkupationsbereich, dessen Preis die Menschen in der Sowjetunion - nicht selten mit Hunger und Tod - zu bezahlen hatten, blieb bis 1944 ein wesentliches Ziel der deutschen Besatzungspolitik. Die heutige Forschung, z.B. Hans-Heinrich Nolte, Osteuropa-Historiker an der Universität Hannover, beziffert unter Einbeziehung neuerer russischen Forschungen die sowjetischen Menschenopfer im "Unternehmen Barbarossa" auf ca. 27 Millionen - darunter allein sieben Millionen Hungertote hinter der Front.

Nicht verkannt werden sollte, daß Hitlers "Ostprogramm" ein Amalgam von strategischen, ökonomischen und rassenideologischen Elementen darstellt. Dessen rassenideologische Basis hatte auch eine praktische, sozusagen für den intendierten Eroberungskrieg funktional günstige Seite. Der Kampf um "Lebensraum im Osten" rechtfertigte den Krieg als Recht des Stärkeren zur Durchsetzung machtpolitischer und wirtschaftlicher Interessen in einer nach der vermeintlichen rassischen Wertigkeit ihrer Völker eingeteilten Welt. Für die geplante Unterwerfung der Sowjetunion war es von Vorteil, die slawischen Völker als "Untermenschen" anzusehen. Deren entmenschlichter Status ermöglichte den Abbau moralischer Barrieren für die notwendige Entgrenzung von Gewalt im "totalen Krieg", der zwecks Optimierung seiner Erfolgsaussichten auch mit inhumansten Mitteln geführt werden sollte. Die "Endlösung der Judenfrage" steht in engem Kausalzusammenhang mit dieser vernichtenden Kriegführung. Der weltweit bedeutendste Hitler-Forscher Ian Kershaw faßt diesen Zusammenhang von Russlandfeldzug und Holocaust in seiner neuen jüngst erschienenen Biographie "Hitler 1936 - 1945" wie folgt zusammen: "Es war kein Zufall, daß der Krieg im Osten zu einem Genozid führte. Das ideologische Ziel der Auslöschung des ‚jüdischen Bolschewismus' stand im Mittelpunkt, nicht am Rande dessen, was man bewußt als einen Vernichtungskrieg angelegt hatte. Er war mit dem militärischen Feldzug untrennbar verbunden. Mit dem Anrücken der Einsatzgruppen (der SS), das in den ersten Tagen des Angriffs einsetzte und durch die Wehrmacht unterstützt wurde, war die völkermordende Natur dieser Auseinandersetzung bereits eingeleitet. Die deutsche Kriegführung im Russlandfeldzug sollte sich schnell zu einem umfassenden Völkermordprogramm entwickeln, wie es die Welt noch nie gesehen hatte. Hitler sprach während des Sommers und Herbstes 1941 zu seinem engeren Gefolge häufig in den brutalsten Ausdrücken über die ideologischen Ziele des Nationalsozialismus bei der Zerschlagung der Sowjetunion. Während derselben Monate äußerte er sich bei zahllosen Gelegenheiten in seinen Monologen immer wieder mit barbarischen Verallgemeinerungen über die Juden. Das war genau die Phase, da aus den Widersprüchen und dem Mangel an Klarheit in der antijüdischen Politik ein Programm zur Ermordung aller Juden im von den Deutschen eroberten Europa konkrete Gestalt anzunehmen begann."

Ohne hier die Entschlußbildung zur "Endlösung der Judenfrage" nachzeichnen zu können, muss festgestellt werden, daß der historische Rahmen für die "Endlösung" durch die Planungen des "Unternehmens Barbarossa" als Vernichtungskrieg gesetzt wird. In diesem Zusammenhang sollte die Tatsache mehr Beachtung finden, daß dem Entschluß, die europäischen Juden zu ermorden, die Entscheidung darüber vorausgegangen war, aus ökonomischen Gründen viele Millionen Russen verhungern zu lassen. Diese Entscheidung "erleichterte" die Vernichtung der - zunächst sowjetischen, dann europäischen - Juden ungemein, standen sie in der Rassenhierarchie doch noch unter den Millionen dem Hungertod preisgegebenen "slawischen Untermenschen".

Um den für die Eroberung und dessen wirtschaftliche Ausbeutung vorgesehenen "Lebensraum" von den als überflüssig angesehenen Teilen der sowjetischen Bevölkerung freizumachen, wurden die Aufgaben von Wehrmacht, SS, Vierjahresplanbehörde bzw. deren Wirtschaftsorganisation Ost und Verwaltung nicht etwa klar getrennt, sondern eng miteinander verzahnt. Die "Richtlinien auf Sondergebieten zur Weisung Barbarossa" vom 13. März 1941 übertrugen Himmler besondere Vollmachten für "Sonderaufgaben im Auftrag des Führers, die sich aus dem endgültig auszutragenden Kampf zweier entgegengesetzter politischer Systeme ergeben". Zur Erledigung dieses Auftrages wurden vom Reichssicherheitshauptamt vier besondere "Einsatzgruppen" aus Angehörigen des SD, des Polizeiapparats und der Waffen-SS - insgesamt etwa 3000 Mann -aufgestellt. Sie hatten die Aufgabe, unmittelbar hinter der vorrückenden Wehrmacht alle tatsächlichen oder vermeintlichen "jüdisch-bolschewistischen" Gegner zu liquidieren. Das Oberkommando des Heeres interessierte in diesem Zusammenhang vor allem die "Vermeidung von Störungen der eigenen militärischen Operationen". Durch die SS-Einsatzgruppen wurden allein zwischen Ende Juni 1941 und April 1942 mehr als 500000 Menschen getötet - mit den Juden als weitaus größter Opfergruppe. Nach neueren, auf umfassender Quellenbasis vorgenommenen, seriösen Schätzungen der Forschung sind von den ca. fünf Millionen am 22. Juni 1941 im sowjetischen Herrschaftsbereich befindlichen Menschen jüdischer Herkunft durch den NS-Terror und die vom ihm entfesselten Verfolgungsmaßnahmen ca. 2,8 Millionen umgekommen. Aufgrund ihrer schon zahlenmäßig begrenzten Stärke konnten die Einsatzgruppen ihre Aufgaben nur mit Wehrmachtsunterstützung durchführen. Dabei gestaltete sich die praktische Zusammenarbeit von Heer und SS hinsichtlich der Aktionen gegen die Juden so, daß die Armeeoberbefehlshaber unmittelbar nach dem Einmarsch in den besetzten Orten die Kennzeichnung und Registrierung der jüdischen Bevölkerung an ihrem Wohnsitz anordneten, so daß den Kommandos der Einsatzgruppen der Zugriff bequem möglich war. Beispielsweise wurde die größte Einzelaktion der Judenvernichtung in der UdSSR, die Erschießung von über 33000 Menschen in der Schlucht von Babi Yar Ende September 1941, bei einer Besprechung des Befehlshabers der Einsatzgruppe C, Emil Otto Rasch, und des Befehlshabers des Sonderkommandos 4a, Paul Blobel, mit dem Stadtkommandanten von Kiew, Generalmajor Eberhardt, organisiert. Die Propagandakompanie der 6. Armee druckte 2000 Plakate, mit denen die Juden zur "Umsiedlung" aufgerufen wurden. Heerespioniere der 6. Armee besorgten die Absperrung der Schlucht und sprengten - nachdem die Kiewer Juden dann innerhalb von zwei Tagen von Paul Blobels Sonderkommando 4a erschossen worden waren - die Wände der Schlucht ab, um die Leichenberge zu verdecken. Daß es bei dieser Wehrmachtshilfe für die SS, einer Art Beihilfe zum Holocaust, nicht blieb, sondern Wehrmachtseinheiten die "Säuberung" des flachen Landes von Juden, getarnt als "Partisanenbekämpfung", in eigener Regie übernahmen, hat die jüngere Forschung insbesondere für Weißrußland nachgewiesen. Wie sehr im ersten Kriegsjahr der angebliche Partisanenkampf als Rechtfertigungsfloskel zur Ermordung von Juden und sonst irgendwie "verdächtiger" Zivilisten diente, zeigen die Liquidierungszahlen. Alleine die 707. Infanteriedivision, die dem Wehrmachtsbefehlshaber Ostland unterstand, erschoß innerhalb eines Monats von 10940 gefangenen "Partisanen" 10431, hatte aber selbst bei Kampfhandlungen mit "Partisanen" lediglich zwei Tote und fünf Verwundete zu beklagen.

>Fortsetzung

Klaus E. Daniel
11.10.2003, 11:29
Wurden Hitler nach dem deutschen Sieg über "Erbfeind" Frankreich im Sommer 1940 von den meisten Deutschen geradezu abgöttische Sympathien zuteil, so zweifelten im weiteren Kriegsverlauf - als die Gefallenenlisten bisher unbekannte Ausmaße annahmen - immer mehr "Volksgenossen" am "Geschick des Führers". Nach der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad im Februar 1943 und der sich unmittelbar anschließenden deutsch-italienischen Niederlage im Afrikafeldzug veränderte sich die Stimmungslage im Deutschen Reich dramatisch. Die Moral in der Bevölkerung sank rapide, und Zweifel am "Endsieg" wurden laut, die - wenn sie in der Öffentlichkeit fielen - mit drakonischen Strafen belegt wurden. Kriegsmüdigkeit und Defätismus nahmen spürbar zu, zugleich aber auch die Angst, dafür denunziert und drastisch bestraft zu werden.

Die Ausrufung des "Totalen Kriegs" durch Goebbels wenige Tage nach der Niederlage in Stalingrad im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943 sollte die Mobilisierung sämtlicher materiellen und personellen Ressourcen zur Folge haben. Die Sorgen der Deutschen galten nun nicht mehr allein dem Wohlergehen des erwachsenen Familienmitglieds an der Front, sondern im zunehmenden Maße auch dem noch halbwüchsigen Sohn oder Bruder. Immer häufiger stellten Schulen das am 8. September 1939 eingeführte Notabitur aus, ein Abgangszeugnis, das bei Einberufung zum Militär als Reifezeugnis diente. 14- bis 18jährige Hitlerjungen wurden in Wehrertüchtigungslagern in Militärtaktik unterrichtet und an Waffen ausgebildet. Mit der Erweiterung der Wehrpflicht ab August 1943 wurden auch Jungen unter 18 Jahren direkt aus den Lagern in die Wehrmacht eingezogen. Bereits 15jährige mußten ab 1943 die zur Front abkommandierten Flaksoldaten als "Luftwaffenhelfer" ersetzen, häufig mit tödlichem Ausgang. Mit Einberufung des Volkssturms im Herbst 1944 standen die Halbwüchsigen schließlich mit der Waffe in der Hand dem Feind auch unmittelbar gegenüber.

Angst bestimmte in den letzten Kriegsmonaten den Alltag von Millionen Deutschen, die einer ungewissen Zukunft entgegenblickten. Die jahrelange Propaganda gegen die "Bolschewisten" wirkte, und die Verbrechen schlugen zurück auf die Deutschen. Aus Angst vor der Roten Armee setzten sich ab Oktober 1944 aus Ostpreußen und Schlesien gewaltige Flüchtlingstrecks nach Westen in Bewegung, nachdem von Rotarmisten an der deutschen Zivilbevölkerung begangene Grausamkeiten bekannt geworden waren. Wer von den Sowjets eingeholt wurde, dem drohten Ermordung, Verschleppung und Vergewaltigung. Im Westen des Reichs hingegen wurden Briten und Amerikaner zumeist freundlich begrüßt, weniger als "Befreier" vom NS-Regime, sondern aus Erleichterung darüber, daß sie vor den Sowjets als Besatzer einrückten und daß der verlustreiche Krieg, der rund 3,8 Millionen deutschen Soldaten und 1,65 Millionen Zivilisten den Tod brachte, nun bald ein Ende haben würde. Angst aber hatten auch die Menschen im Westen, vor einem Frieden, der Deutschland diktiert werden könnte, und vor Strafen für begangene Verbrechen der Deutschen in Europa. "Genießt den Krieg, denn der Friede wird schrecklich", dieser in den letzten Kriegsmonaten vor allem unter NS-Funktionären kursierende Spruch brachte die Stimmung bei zahlreichen Deutschen zynisch zum Ausdruck. Nicht selten herrschte im Frühjahr 1945 eine sonderbar bizarre Weltuntergangsstimmung, und jene bis dahin auch materiell Privilegierten wie Funktionäre oder Offiziere zelebrierten sie mit Alkoholorgien, während ein Großteil der Bevölkerung vor allem in den Städten und Flüchtlinge Mühe hatten, satt zu werden oder ein Dach über den Kopf zu finden.

Die deutsche Kapitulation am 8. Mai 1945 verringerte die tägliche Not der Bevölkerung schließlich nur unwesentlich. Unter gewaltigen Kriegszerstörungen und Hunger hatte sie zum Teil noch Jahre zu leiden.
___________________

Quelle und Copyright: LeMO: Lebendiges virtuelles Museum Online. Ein Projekt des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin und dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (HdG) in Bonn.



Literatur
Alltag im Krieg. Bombenstimmung und Götterdämmerung 1939-1945. Hans Veigl, Sabine Derman. Wien 1998.

Das Dritte Reich. Alltag in Deutschland von 1933 bis 1945. Werner Maser. Beltheim 1997.

Taschenlexikon Zweiter Weltkrieg. Reinhard Barth, Friedemann Bedürftig , Müchen 2000

A World at Arms : A Global History of World War II. Gerhard L. Weinberg. Taschenbuch (August 1995)

l_osservatore_uno
11.10.2003, 11:31
... Wigbert Benz!

Da könnt' man ja gleich Jupp Stalin aus der Gruft kratzen und als Zeuge benennen.

Und natürlich hätt' Jupp, wär' 'Addi Selig' ihm nicht zuvorgekommen, fette Schweine, Rinder, Hühner und Gänse zur Fütterung der Deutschen im Troß geführt - in Rußland hatte man ja alles im Überfluß und war pappensatt!

Achchottachchotachott ... tut das weh!

:lachanfall:

Enzo

Klaus E. Daniel
11.10.2003, 11:36
Deutschland 1945

Flüchtlinge - Vertriebene - Displaced Persons - Die Dimension der Wanderungsbewegungen und demographischen Verschiebungen
von Stefan Mannes



1. Einleitung

Eine der wohl gravierendsten Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges in Deutschland, die zweifelsohne die politische und wirtschaftliche Entwicklung in der Nachkriegszeit nachhaltig beeinflusst haben, waren die enormen demographischen Verschiebungen durch Flüchtlinge, Evakuierte, Vertriebene und Kriegsgefangene. Diese Arbeit ist der Versuch einer Darstellung der wichtigsten Bevölkerungsverschiebungen, ihrer Ursachen und ihres Ablaufs, aber vor allem ihrer demographischen Dimension sein. Dabei soll weniger das tragische Schicksal all jener Menschen thematisiert werden, die von den genannten Ereignissen betroffen wurden, vielmehr interessiert hier ein Eindruck der Größenordnung vermittelt werden, um die es bei der vorübergehenden oder endgültigen Wanderung vieler Deutschen bei Kriegsende ging.
Schließlich soll versucht werden, einen Ausblick auf die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der demographischen Verschiebungen zu geben. Aufgrund der Komplexität dieses Themas können die Geschehnisse allerdings nur grob in die Zusammenhänge der deutschen Nachkriegsgeschichte eingereiht werden.
Es bleibt zu erwähnen, dass die Literaturlage bei den größten Wanderungsgruppen, den Flüchtlingen und Vertriebenen, weitgehend unüberschaubare Formen angenommen hat. Die Fülle von guten wissenschaftlichen Arbeiten, jedoch auch vieler tendenziöser Literatur, wurde jedoch von Gertrud Krallert-Sattler in ihrer kommentierten Bibliographie vorbildlich geordnet. Sie gibt viele hilfreiche Einstiegsinformationen in das Thema sowie Literaturhilfen zu jedem nur denkbarem Vertiefungsgebiet.

2. Die Zwangsrücksiedlung von Volksdeutschen ins Reich ab 1939

Die gewaltigen demographischen Verschiebungen, die mit der Flucht und Vertreibung von Millionen von Ostdeutschen ihren Höhepunkt erreichten, deuteten sich schon Jahre zuvor mit Hitlers „Heim ins Reich" Politik an. Die Entwurzelung und Zerstreuung der Deutschen in den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas begann schon während des Krieges und stellte für viele Menschen nur den Anfang einer Wanderung dar, die sie 1945 noch weiter nach Westen führen sollte.
Seit dem elften Jahrhundert hatte eine intensive Siedlungstätigkeit für das Entstehen von großen deutschen Minderheiten in den Ländern Ost- und Südosteuropas gesorgt. Nach Ende des Ersten Weltkrieges befanden sich 1,5 Millionen Deutsche in der Sowjetunion, 1,2 Millionen in Polen, 3,5 Millionen in der Tschechoslowakei, 120.000 in Litauen, 550.000 in Ungarn, 800.000 in Rumänien, 700.000 in Jugoslawien, 70.000 in Litauen und 30.000 in Estland. Das politische Interesse an diesen fast 8,5 Millionen Deutschen wuchs aber erst mit der Machtergreifung Hitlers. Die pangermanischen Theorien der Nationalsozialisten zielten darauf ab, alle Deutschen in einem großen Reich zu vereinen. Der Anschluss Österreichs und die Übernahme des Sudetenlandes stellten hierbei die ersten großen politischen Aktionen dar. Nach dem raschen Sieg über Polen im Herbst 1939 befand sich das Deutsche Reich in einer politischen und militärischen Situation, die es ihm erlaubte, konkrete Forderungen über die Rückführung von Deutschen auch an andere ost- und südosteuropäische Länder zu stellen. Die Umsiedlung ganzer deutscher Volksgruppen sollte mit dem Ziel durchgeführt werden, die östliche Grenze des deutschen Sprachraums zu festigen und zu erweitern. Vor allem die eingegliederten Gebiete Polens sollten nach dem Willen des „Reichskommissars für die Festigung des deutschen Volkstums", Heinrich Himmler, eingedeutscht werden. Mit der brutalen Ausweisung von Millionen von Polen aus diesen Gebieten wurde ausreichend Platz geschaffen, die aus dem Osten eintreffenden Deutschen in diesen Gebieten anzusiedeln. Die in den eingegliederten Gebieten eintreffenden deutschen Siedler erhielten dabei meist völlig ausgestattete Höfe, von denen die polnischen Besitzer z.T. nur Stunden zuvor vertrieben worden waren. Das Fernziel dieser Siedlungsaktion, wie sie 1941 schließlich im „Generalplan Ost" formuliert wurde, war die Errichtung eines einheitlich deutschen Siedlungsgebietes, das im Osten von einer Linie Krim-Leningrad begrenzt werden sollte. Die slawische Bevölkerung sollte dabei, sofern sie nicht als Arbeitsheloten gebraucht würde, jenseits der deutschen Wehrgrenze entlang dem Ural abgeschoben werden.
Um die „Volksdeutschen", die nur in den wenigsten Fällen die deutsche Staatsangehörigkeit hatten, umzusiedeln, kam es zu einer Reihe von Verträgen mit den einzelnen Ländern, in deren Machtbereich die Siedlungen der Volksdeutschen lagen. Mit Estland und Litauen einigte man sich noch im Oktober 1939 über die Umsiedelung von insgesamt 60.000 Volksdeutschen, mit Kroatien wurde im Oktober 1942 die Überführung von 30.000 Deutschen vereinbart und schließlich gab es seit 1939 vier Verträge, welche mit der Sowjetunion die Umsiedlung von ca. 350.000 Menschen regelten. Auf diese Weise gelang es, die erste Welle der Umsiedler in humanitärer und friedlicher Weise zu transferieren. Diese Praxis sollte sich erst mit dem Fortschreiten des Krieges ändern. Da mehr und mehr Gebiete, in denen deutsche Minderheiten beheimatet waren, unter direkte deutsche Verwaltung fielen, wurden Umsiedlungsaktionen bald nur noch als rein deutsche Verwaltungsmaßnahmen zwangsweise durchgeführt. Von 1940 bis 1944 wurden aufgrund bilateraler Verträge oder administrativer Maßnahmen des Deutschen Reiches 166.000 Deutsche aus Polen, 127.000 aus den Baltischen Staaten, 370.000 aus der Sowjetunion, 212.000 aus Rumänien und 35.000 aus Jugoslawien umgesiedelt. Diese insgesamt 910.000 Deutschen fanden in den eingegliederten Ostgebieten, dem „Generalgouvernement" oder im Altreich Aufnahme. Vor allem für diejenigen Menschen, die in den zwei erstgenannten Gebieten eine neue Heimat bekamen, stand eine unsichere Zukunft und ein erneuter Heimatverlust durch Flucht und Vertreibung bevor.

3. Die Evakuierung der Bevölkerung aus den Städten

Die Evakuierung der deutschen Bevölkerung aus den Ballungsgebieten und Städten stellte ein klares Eingeständnis der deutschen Führung dar, über kein weiteres Mittel zur Minderung der Auswirkungen des schweren Luftkrieges mehr zu verfügen. Die ersten Betroffenen dieser Geschehnisse waren Kinder im Alter bis zu 14 Jahren, die ab September 1940 auf einen Vorschlag des „Hauptamtes für Volkswohlfahrt" aus Hamburg und Berlin in die Mark Brandenburg, nach Oberösterreich, Sachsen, Thüringen und den Warthegau verschickt wurden. Ab 1941 wurde die jetzt „erweiterte Kinderlandverschickung " genannte Aktion ausgedehnt und mit Anstrich einer reinen Wohlfahrtsaktion versehen, so dass Begriffe wie „Ausquartierung" oder „Evakuierung" vermieden werden konnten. Der Kreis der zu evakuierenden Kinder umfasste allein in Berlin und Hamburg etwa 935.000 Kinder. Die „Nationalsozialistische Volkswohlfahrt" übernahm die Betreuung der Kinder bis zu zehn Jahren in Familienpflegestellen oder in Heimen. Die Unterbringung der Älteren, welche der Verantwortung der Hitlerjugend unterlagen, fand in Hotels, eigens eingerichteten Heimen oder schlichtweg in Lagern statt. Das Leben gestaltete sich nach einem festen Tagesplan, der sowohl Unterricht wie auch Sport und Spiele einschloss. Obwohl der große Widerstand meist katholischer Eltern aus der Befürchtung resultierte, der Staat werde die KVL-Lager zu intensiver politischer Indoktrination nutzen, gingen solche Bestrebungen meist nie über das Maß bisheriger HJ-Aktivitäten hinaus. Gegen Ende des Krieges wurde aber auch die Situation in den KLV-Lagern aufgrund von Versorgungs- und Unterbringungsproblemen deutlich schlechter und es erfolgten auch Einziehungen zum RAD, Volkssturm oder in SS-Ausbildungslager. Bis zum 8. Mai 1945 wurden rund 2,5 Millionen Mädchen und Jungen in fast 9.000 KLV-Lager evakuiert. Die ordnungsgemäße Rückführung dieser Kinder wurde jedoch durch den Zusammenbruch des Deutschen Reiches jäh unterbrochen, so dass viele KLV-Lager im In- und Ausland noch bis weit ins Jahr 1946 bestanden.
Mit der Verschärfung des britischen Nachtbombardements ab Frühjahr 1943 und der massenhaften Vernichtung von Wohnraum erreichte die Evakuierungsproblematik eine neue Dimension. Oberstes Ziel wurde nun, den in der Rüstungsindustrie Tätigen auch bei der Zerstörung ihrer Wohnungen eine Unterkunft am Betriebsort zu sichern. Dazu schien es unausweichlich die Großstädte von „überflüssigen" Menschen frei zu machen. Gemeint waren damit außer Kindern vor allem Mütter und alte Menschen, die nicht in kriegswichtigen Betrieben arbeiteten. Am 19. April 1943 gab der Reichsminister für Propaganda, Joseph Goebbels, schließlich den Erlass über die „Umquartierung wegen Luftgefährdung und Bombenschäden" an alle Reichsstatthalter, Regierungspräsidenten und Polizeipräsidenten heraus. In diesem Erlass waren drei Formen der Umqartierungen vorgesehen: zunächst die Umsetzung im Wohnort selbst, die in Sammelunterkünften oder in Privatquartieren erfolgen sollte; dann die Unterbringung in der Nähe von Industriestädten und schließlich die zusätzlichen Wohnraum erebende Evakuierung „nicht kriegswichtiger" Personen, die entweder auf der Basis von Verwandtenhilfe oder auf Vermittlung der Partei in bestimmte Gebiete gelenkt werden sollten. Die Aufnahmegebiete erstreckten sich dabei auf alle Reichsgebiete, aber auch auf besetzte und befreundete Staaten, von Italien bis in die eingegliederten polnischen Gebiete und Ostpreußen. Die Widerstände großer Teile der deutschen Bevölkerung gegen ihre Evakuierung lösten sich jedoch erst Anfang Juni 1943 durch massierte Bombardements der RAF weitgehend auf. Bis zum 21.1.1945 wurden im Deutschen Reich insgesamt 8.944.976 Menschen evakuiert. Man muss jedoch hierbei bedenken, dass davon 2,1 Millionen im Zuge der Kampfhandlungen an der West- und Ostfront aus den Gefechtsgebieten evakuiert worden waren, sowie 841.105 Personen im Zuge von Betriebsverlagerungen ihren Heimatort verlassen hatten. So hatten alleine aufgrund des Luftkrieges rund sechs Millionen Menschen, also fast ein Fünftel der großstädtischen Gesamtbevölkerung des Jahres 1939 ihre Heimat verlassen müssen. Jeder sechste Evakuierte stammte aus Berlin, das den größten Exodus erfahren hatte. Die im Januar 1945 als evakuiert registrierten 1.017.337 Berliner wurden in nicht weniger als zehn verschiedene Gaue verteilt. An dieser Verteilung zeigte sich auch, wie willkürlich die Verteilung der Flüchtlinge meist erfolgt war.
Die Evakuierungsprogramme erhöhten jedoch im Laufe der Zeit immer stärker die sozialen Spannungen im Dritten Reich und belasteten darüber hinaus das Wirtschafts-, Versorgungs- und Verkehrssystem in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. Die Flüchtlinge mussten untergebracht und versorgt werden, fanden jedoch in ihren Aufnahmegebieten nur selten Arbeit. Auch die psychologische Stresssituation der teilweise von den Einheimischen angefeindeten Evakuierten kann nicht vernachlässigt werden. Vielen dieser Flüchtlinge wurde nach Beendigung des Krieges die Rückkehr in ihre Heimatstadt aufgrund von Zonengrenzen oder einfach durch die Überfüllung der Städte versagt.

Fortsetzung folgt KED

Klaus E. Daniel
11.10.2003, 11:41
4. Die Flucht der deutschen Bevölkerung vor der Roten Armee

Die Fluchtbewegung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten leitete die größte Bevölkerungswanderung des Zweiten Weltkrieges ein. Bis zum Zusammenbruch der Heeresgruppe „Mitte" im Sommer 1944, der die Rote Armee schlagartig in die Nähe der Reichsgrenzen brachte, schien der deutsche Osten fern ab von jeglichem Kriegsgeschehen. Die Seltenheit von Luftangriffen und die bislang große Entfernung zum Frontverlauf hatten die dortige Bevölkerung in trügerischer Ruhe gelassen. Als im Oktober 1944 Rotarmisten zum ersten Mal deutschen Boden betraten, hatten sie vor allem die menschenverachtende Besatzungsherrschaft der Deutschen in der Sowjetunion in Erinnerung. Aufgestauter Hass über Plünderungen, Vergewaltigungen und willkürliche Erschießungen entlud sich nun an der deutschen Zivilbevölkerung. Die barbarischen Ausschreitungen der sowjetischen Soldaten auf deutschem Boden erreichten entsetzliche Ausmaße und nahmen der Zivilbevölkerung jede Hoffnung, ihr Leben auf eine andere Weise als durch Flucht retten zu können. Aufgrund des Widerstandes fanatischer NSDAP Funktionäre wurde jede Vorbereitung zur Flucht unter Todesstrafe verboten. Es war für die Partei unvorstellbar, das Land kampflos vor dem Feind zu räumen. Da den Gauleitern als „Reichsverteidigungskommissaren" die oberste Weisungsbefugnis in Verteidigungsfragen zukam, häuften sich ebenso militärische Fehlentscheidungen, welche die Rettungsmaßnahmen der Wehrmacht zusätzlich behinderten. Infolgedessen verliefen die mit der sowjetischen Winteroffensive 1945 einsetzenden Fluchtbewegungen meist völlig chaotisch und panikartig. Viele Orte wurden von den Bewohnern erst verlassen, als die Rote Armee in unmittelbarer Nähe war. Es kam dabei oft zu erschütternden Szenen, wenn Flüchtlingstrecks in Kämpfe gerieten oder einfach von vorrückenden sowjetischen Einheiten überrollt wurden. Sofern die winterliche Flucht gelang, verlief sie unter erbärmlichen Umständen und unter großen Entbehrungen. Bis zum Jahresanfang 1945 flohen vier bis fünf Millionen deutsche Zivilisten aus dem Warthegau, Ostpreußen, Danzig, Pommern, Schlesien und Ostbrandenburg nach Westen.
Am 26. Januar 1945 wurde Ostpreußen durch einen Vorstoß der Roten Armee ans Frische Haff abgeschnitten, und der Bevölkerung blieb als einziger Ausweg die Flucht über das zugefrorene Haff zu den noch erreichbaren Ostseehäfen. Viele Menschen starben in der klirrenden Kälte durch die fortlaufenden sowjetischen Tieffliegerangriffe oder wenn ihr Wagen ins Eis einbrach. Auf der Ostsee wurde indessen eine gewaltige Rettungsaktion, an der fast 800 Militär-, Handels- und Passagierschiffe teilnahmen, organisiert. Bis zum Mai 1945 konnten so über den Seeweg zwei bis drei Millionen Menschen evakuiert werden, wobei nur ein Prozent von ihnen ums Leben kam. Um einen Eindruck der Ereignisse zu geben, sei hier die Flucht einer Frau mit ihrer Mutter und zwei Söhnen aus der pommerschen Stadt Bütow beschrieben:
Die Flucht am Morgen des 3. März 1945 geschah erst bei unmittelbarer Nähe der Front. Mangels eines Fahrzeuges konnte nur das Nötigste mitgenommen werden. Aufgrund des mittlerweile erfolgten Räumungsbefehles wurden schließlich jedoch offene Lastwagen bereitgestellt, welche die Flüchtlinge dicht zusammengedrängt in eisiger Kälte nach Osten fuhren. Erst am Abend des selben Tages erreichte die Lastwagenkolonne über die überfüllten Straßen die 60 km entfernte Stadt Stolp. Obwohl mittlerweile bekannt war, dass der Fluchtweg nach Westen von sowjetischen Streitkräften abgeschnitten war, wurde den Menschen das Ziel ihrer Flucht nach Osten nicht bekannt gegeben. In den nächsten Tagen gelangten sie teils zu Fuß, teils auf Wehrmachtswagen dem allgemeinen Flüchtlingsstrom im nördlichen Pommern folgend, am 10. März nach Gotenhafen. In der mit Flüchtlingen überfüllten Stadt schien es zunächst nicht möglich, Schiffskarten für eine Überfahrt nach Westen zu erhalten. Glücklicherweise bot sich der Leiter eines Heimes der Kinderlandverschickung an, die zwei Frauen und Kinder zusammen mit seiner Kindergruppe mitzunehmen. Nach tumultartigen Zuständen, die entstanden, weil nur der kleinste Teil der Flüchtlinge Karten durch das Rote Kreuz erhalten hatte, gelangten sie schließlich an Bord der Goya. Die Überfahrt zusammen mit 3.000 anderen Flüchtlingen auf dem überfüllten Schiff verlief glatt, so dass sie nach wenigen Tagen in Swinemünde eintrafen. Im Juni 1945 gelangten die zwei Frauen mit den zwei Kindern schließlich nach neuen Strapazen nach Hamburg.

5. Die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten

Die von dem Deutschen Reich so brutal betriebene Politik der nationalen Flurbereinigung schlug nun um ein Vielfaches zurück. Parallel zur Repatriierung, der von der Expansionspolitik Hitlers produzierten Flüchtlinge und „Displaced Persons", begann die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten und Osteuropa. Schon auf der Konferenz von Teheran 1943 hatten die Alliierten sich auf eine Westverschiebung Polens und einen Transfer aller Deutschen grundsätzlich geeinigt. Für die Durchführung dieses Bevölkerungstransfers verwies Churchill auf einen griechisch-türkischen Präzedenzfall nach dem ersten Weltkrieg. Es sollten die Konflikte von zukünftigen Minderheiten in besetzten Gebieten, sowie Revisionsforderungen einzelner Staaten von vorneherein verhindert werden. Indessen hatte Stalin bereits gehandelt und eine polnische Marionettenregierung am 5. Februar 1945 eingesetzt, die die deutschen Ostgebiete unter polnische Verwaltung nahm.
Da die Westalliierten sich zu diesem Zeitpunkt noch zu keiner klaren Stellungnahme zu diesen Ereignissen bewegen ließen, verkündete die polnische Regierung im März 1945 die formelle Eingliederung von Pommern, Ostbrandenburg, Westpreußen, Schlesien und südliches Ostpreußen als die neuen polnischen Woiwodschaften Masuren, Pommern, Ober- und Niederschlesien sowie Danzig. Die sowjetisch-polnische Politik der vollendeten Tatsachen hatte sich ausgezahlt. Obwohl Stalin diese Vorgänge mit der Aussage, es seien alle Deutschen bereits vor der Roten Armee geflohen, verteidigte, lebten zu diesem Zeitpunkt noch ca. fünf Millionen Deutsche in diesen Gebieten. Bis die polnische Regierung die Oderübergänge im Juni 1945 für rückkehrende deutsche Flüchtlinge schloss, war es außerdem bereits über einer Million Menschen gelungen, wieder in ihre Heimatorte zurückzukehren, wie sie es schon nach dem Ersten Weltkrieg getan hatten. Ihr Aufenthalt dort sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein. Die ansässige deutsche Bevölkerung in Polen und der Tschechoslowakei wurde in den Monaten April bis August 1945 Opfer der sogenannten „wilden" Vertreibungen, die zusammen mit Raub, Plünderungen, Vergewaltigungen und Mordtaten über die Menschen hereinbrachen. Über 300.000 Menschen aus den Oder-Neiße-Gebieten und 800.000 im Sudetenland wurden unter solchen Bedingungen vertrieben, bis sich die Alliierten auf der Potsdamer Konferenz überhaupt mit der Frage des Bevölkerungstransfers auseinander setzten. Die Empörung der Westalliierten, die sich auf der Konferenz zeigte, hatte ihren Grund jedoch weniger darin, dass die Sowjetunion die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße faktisch aus ihrer Besatzungszone ausgegliedert und den Polen übereignet hatte, sondern weil das in einem einseitigen polnisch-sowjetischen Akt geschehen war. Die Lösung der Konflikte um die deutschen Ostgebiete hatte zu diesem Zeitpunkt ohnehin nur untergeordnete Bedeutung für die Westalliierten. Die westliche Sanktionierung der polnischen Verwaltung der „früher deutschen" Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie und der Zustimmung Washingtons und Londons zur Massenausweisung der deutschen Bevölkerung aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn wurde nur als Mittel gesehen, wiederum sowjetische Zugeständnisse bei der Regelung der Reparationsfrage zu erhalten. Die Westalliierten erreichten so ihr primäres Ziel, die Sowjetunion dazu zu bringen, ihre Reparationsforderungen aus der eigenen Zone zu befriedigen. Der Artikel XIII des Potsdamer Abkommens sollte schließlich die ordnungsgemäße Überführung deutscher Bevölkerungsteile aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn regeln. Die Betonung dieser Formulierung lag dabei auf „ordnungsgemäß", da man die bisherigen Bedingungen der Vertreibung etwas bessern wollte. Der Einfluss der Westmächte auf den Ablauf der Aussiedlungen war in der Praxis jedoch sehr begrenzt. Trotz kleinerer moralischer Skrupel, vor allem auf Seiten der USA, schien es nicht opportun, sich zum Anwalt eines Volkes zu machen, das kurz zuvor einen Kontinent mit Krieg überzogen hatte. Die Verständigung innerhalb der Anti-Hitler-Koalition wurde somit nicht mit, sondern nur auf Kosten Deutschlands erreicht. Die Vertreibungen in allen betroffenen Ländern liefen mit nur wenig verminderter Härte weiter. Ein US-Korrespondent berichtete im Oktober 1945 über den Ablauf der Vertreibungen im Sudetenland:

„Eine andere Frau mit Narben von Peitschenhieben quer über dem Gesicht sagte, als die Gruppe, mit der sie in Oberschlesien zur Eisenbahn marschierte, durch Sagan kam, standen polnische Zivilisten links und rechts der Straße, und die Flüchtlinge wurden systematisch beraubt und geschlagen, als sie vorübergingen [...] Sie schloss ihre Aussagen mit der Vermutung, sie sei schwanger. Auf der Reise nach Berlin war sie dreißigmal vergewaltigt worden."

Fortsetzung folgt

Klaus E. Daniel
11.10.2003, 11:46
Von den 16,558 Millionen deutscher Ostbevölkerung, die bei Kriegsende noch in den Oder-Neiße-Gebieten (9,575 Millionen), der Tschechoslowakei (3,477 Millionen), den Baltischen Staaten (250.000), Danzig (380.000), Polen (1,371 Millionen), Ungarn (623.000), Jugoslawien (537.000) und Rumänien (786.000) lebten, kamen in wenigen Monaten nach Kriegsende insgesamt 11,73 Millionen durch Flucht und Vertreibung in den Westen. 2,111 Millionen Menschen kamen dabei ums Leben, während 2,645 Millionen in ihrer Heimat verblieben. In den folgenden Jahren begann aber, nicht zuletzt aufgrund der politischen Zustände in den ost- und südosteuropäischen Staaten, ein fortlaufender Abwanderungsprozess deutschstämmiger Menschen, der bis heute anhält.

6. Das Problem der „Displaced Persons"

Auch nichtdeutsche Staatsbürger waren in großem Maße von Bevölkerungsverschiebungen in Deutschland betroffen. Eine Gruppe, deren Einfluss auf die Entwicklung in Nachkriegsdeutschland weniger prägend war, in den ersten Nachkriegsjahren für die Alliierten und die deutsche Verwaltung aber ein gravierendes Problem darstellte, waren die „Displaced Persons". Laut Definition der Alliierten waren dies Personen, die als Zwangsarbeiter oder aus rassischen, religiösen oder politischen Gründen ihr Land verlassen mussten und jetzt in den vier Besatzungszonen festsaßen. Bei Kriegsende befanden sich ca. acht bis zehn Millionen DPs aus Polen, der Sowjetunion, der Ukraine, Jugoslawien, der Tschechoslowakei und Frankreich in Deutschland. Die meisten von ihnen waren als Zwangsarbeiter nach Deutschland gekommen, doch es befanden sich auch Kriegsgefangene und befreite Internierte aus den zahlreichen Konzentrationslagern darunter. Da es den meisten dieser Menschen nicht möglich war, mit eigenen Mitteln in ihr Heimatland zurückzukehren und ihre Versorgung erhebliche Probleme hervorrief, begannen ab Mai 1945 ausgedehnte Repatriierungsaktionen durch die Alliierten. Bis zum September desselben Jahres wurden so in regulären Transporten 4,622 Millionen DPs aus den Westzonen in ihre jeweilige Heimat gebracht. Diese Bemühungen erwiesen sich jedoch besonders im Fall der osteuropäischen Staaten als außerordentlich schwierig, da viele Menschen wegen der dort herrschenden politischen Verhältnisse zögerten oder es ganz ablehnten, zurückzukehren. Um einen Eindruck der Schicksale dieser Menschen zu geben, sei das Beispiel eines polnischen DP genannt:

„Ein polnischer Gymnasiallehrer, 1908 geboren, seit 1937 verheiratet (1 Kind), am 14. Februar 1940 bei einer sogenannten Fangaktion aus der Straßenbahn in Warschau heraus verhaftet und nach Deutschland verbracht; dort Zwangsarbeiter beim Bau der großen Schleuse in Wilhelmshaven; bei mangelhafter Verpflegung und Unterbringung 12 Stunden Arbeit täglich (in wechselnden Tag- und Nachtschichten); nach der Befreiung notdürftig in einer Bremer Kaserne untergebracht, 1947 Verweigerung der Rückkehr nach Polen wegen der dort entstandenen politischen Lage; Lagerleben bis 1949, dann Ausreisebewilligung nach Kanada; seit 1950 Industriearbeiter in Toronto, erfährt erst dort vom Tode seiner Familie im Warschauer Aufstand 1944; Wiederaufnahme akademischer Tätigkeit an Sprachschwierigkeiten und Alter gescheitert, 1956 Frühinvalide wegen schlecht verheilter TB"

Für die sowjetischen Kriegsgefangenen ergab sich dabei eine besondere Zwangslage. Die ehemaligen Mitglieder der Wlassow-Armee, die an der Seite der Deutschen gekämpft hatten, erwartete der sichere Tod in ihrer Heimat, aber auch den Soldaten, die in deutscher Gefangenschaft verblieben waren, drohte ein nur wenig besseres Schicksal, da Stalin 1942 per Dekret alle von den Feinden gefangenen Sowjetsoldaten zu Vaterlandsverrätern erklärt hatte. Da ein in Jalta unterzeichnetes Geheimabkommen die wechselseitige Repatriierung der Kriegsgefangenen vorsah, begingen viele Sowjetsoldaten, die Deportation vor Augen, Selbstmord.
Trotz der Fortschritte der Repatriierung befanden sich im Frühjahr 1947 noch etwa eine Million Ausländer in den vier Besatzungszonen, davon allein 575.000 in der britischen und 275.000 in der amerikanischen Zone. Im März 1949 befanden sich in den drei Westzonen noch 411.654 DPs, die meist in Lagern oder geschlossenen Siedlungen lebten. Die deutsche Bevölkerung hatte die oft umherziehenden Ausländer aufgrund maßlos übertriebener Berichte über Gewalttaten, meist nur als Gefahr wahrgenommen. Das Fehlen beiderseitiger Kommunikation und ein schlechtes politisches Gewissen der Deutschen hatte ein Übriges dazu beigetragen, dass Integrationsversuche dieser Menschen beinahe erfolglos waren. So sollte es bis zum April 1951 dauern, bis auf Druck der Alliierten die Bundesregierung den „heimatlosen Ausländern" ein besonderes Aufenthalts- und Niederlassungsrecht zugestand. Der endgültige Verlauf und die Probleme ihrer Eingliederung ist bis heute jedoch weitgehend unerforscht.

7. Deutsche Kriegsgefangene in alliierter Gefangenschaft

Mit der Einziehung von Millionen von deutschen Männern zur Wehrmacht begann ein weiteres Kapitel des Bevölkerungswandels, das erst Jahre nach Kriegsende mit der Rückkehr der deutschen Kriegsgefangenen abgeschlossen sein sollte. Seit Beginn des Krieges machten die immer größer werdenden Besatzungsgebiete, schließlich aber auch die großen Verluste an Menschen, die Einberufung immer mehr Männer zum Kriegsdienst notwendig. Alleine bis zum Mai 1944 wurden im Gebiet des Deutschen Reiches rund 10,7 Millionen Menschen zum Kriegsdienst einberufen. Zählt man zu dieser Zahl noch die Verbände der SS, SA, des RAD, der OT sowie den Volkssturm dazu, so kommt man auf fast 20 Millionen Deutsche, die bis 1945 mittelbar oder unmittelbar am Kriegsgeschehen beteiligt waren. Ihr Ausscheiden aus dem Zivilleben und aus der Wirtschaft wurde meist durch den Einsatz von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern ausgeglichen. Ebenso übernahmen auch die Frauen zahlreiche Funktionen, die durch das Fehlen der Männer vakant geworden waren. Gerade die Rolle der Frauen sollte noch an Bedeutung gewinnen, als mit dem Ende des Krieges die Unterstützung durch Zwangsarbeiter wegfiel, sich die Männer jedoch immer noch in Kriegsgefangenschaft befanden.
Bis zum Frühsommer 1945 waren über 11 Millionen Deutsche zu Gefangenen der Alliierten geworden, ca. 7,745 Millionen auf Seiten der Westmächte und 3,349 Millionen bei den Sowjets. Noch kurz vor der Kapitulation hatte der Nachfolger Hitlers, Großadmiral Dönitz, versucht, durch Verhandlungen mit den Westalliierten und mittels Teilkapitulationen von Wehrmachtteilen, das Groß der deutschen Soldaten dem sowjetischen Zugriff zu entziehen. Die unerbittliche Härte des im Osten geführten Krieges ließ die Bedingungen für deutsche Soldaten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft äußerst schlecht erscheinen. Obwohl der alliierte Oberkommandierende, General Eisenhower, die Bemühungen Dönitz weitgehend ablehnte, gelang es noch, von den 3,34 Millionen an der Ostfront stehenden deutschen Soldaten ca. 1,85 in westliche Gefangenschaft zu überführen.
Unter dem Codenamen „ECLIPSE" begannen die Amerikaner schon ab Mitte Mai 1945 mit der Entlassung von Männern, die Erfahrung in Bergbau, Landwirtschaft und Transportwesen hatten. Der hohe Arbeitskräftebedarf der übrigen Alliierten verhinderte derartige Schritte. England, Frankreich und die Sowjetunion waren aufgrund der hohen Zerstörungen in ihren Ländern auf zusätzliche Arbeitskräfte dringend angewiesen. Schließlich setzen die Amerikaner ihr Repatriierungsprogramm aus und überstellten 740.000 Mann an Frankreich, 123.000 an Großbritannien, 14.000 an Holland, 30.000 Belgien und 5.000 an Luxemburg. Die Arbeitsbedingungen variierten dabei je nach Land. Während Deutsche in amerikanischer Gefangenschaft ausgezeichnet untergebracht und ernährt wurden, waren die Verhältnisse in britischer Gefangenschaft gut und in Frankreich schon deutlich schlechter. In der Sowjetunion herrschten schließlich meist so unerträgliche Zustände in den abgelegenen Arbeitslagern, dass viele der Gefangenen an Erschöpfung oder Krankheiten starben. Trotz dieser Heranziehung zum Wiederaufbau wurde bis 1946 vor allem von den Westalliierten eine große Anzahl von Deutschen entlassen. Obwohl über die genaue Anzahl keine Zahlen vorliegen, kann sie jedoch im Bereich einiger Millionen angesiedelt werden. Die ersten offiziellen Zahlen der Alliierten, die deutschen Kriegsgefangenen betreffend, wurden auf der Moskauer Konferenz im März und April 1947 bekannt gegeben. Großbritannien besaß nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt noch 435.295, Frankreich 641.483 und die USA nur noch 14.000 Gefangene. Die von sowjetischer Seite genannte Zahl von 890.432 Internierten schien jedoch unglaubwürdig, da Stalin sich noch 1945 gebrüstet hatte, über drei Millionen Deutsche gefangengenommen zu haben. Auf amerikanisches Betreiben hin einigte man sich auf der Konferenz schließlich darauf, die deutschen Kriegsgefangenen, die sich noch in der Hand der Alliierten befanden, bis zum 31. Dezember 1948 nach Deutschland zu entlassen. Während die Westalliierten diesem Plan weitgehend entsprachen, zeigte sich die Sowjetunion aufgrund des beginnenden Kalten Krieges unkooperativ und an der Einhaltung von Abkommen mit den Westmächten nicht mehr interessiert. Während die Westalliierten 1950 gemäß dem Abkommen keinerlei Kriegsgefangene mehr besaßen, kam ein Untersuchungsausschuss des amerikanischen Senats über die kommunistische Behandlung der Kriegsgefangenen zu dem Schluss, dass in diesem Jahr die Sowjetunion noch ca. 1,952 Millionen Deutsche interniert oder ihr Schicksal nicht anderweitig aufgeklärt hatte. Die letzte größere Entlassung von Kriegsgefangenen erfolgte erst im September 1955. Das Schicksal von fast einer Million deutscher Soldaten, von denen man die meisten in sowjetischer Gefangenschaft glaubte ist heute noch weitgehend ungeklärt.
Der überwiegende Teil der deutschen Soldaten kehrte zwischen 1945 und 1949 ins Zivilleben zurück. Meist aus europäischen, aber auch aus überseeischen Lagern entlassen, fanden sie sich bald im Konkurrenzkampf mit Flüchtlingen, Vertriebenen, Evakuierten und „Displaced Persons" wieder, die alle versuchten, ihren Lebensunterhalt so gut wie möglich zu sichern. Der frustrierende Kampf um Nahrung, Wohnung und Arbeit führt oft zu einer zusätzlichen starken Belastung der Veteranen und zu Konflikten mit Familie und Freunden. Gefangene aus sowjetischer Gefangenschaft kehrten zu fast 90 Prozent arbeitsunfähig zurück und bedurften intensiver Betreuung. Die deutschen Behörden und viele Hilfsorganisationen sowie das Rote Kreuz, der CVJM und die Caritas nahmen sich ihrer an so gut es ihre ebenfalls sehr beschränkten Möglichkeiten zuließen, jedoch stellten die Veteranen zumindestens in der Zeit unmittelbar nach ihrer Rückkehr eine deutliche Belastung dar.

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Klaus E. Daniel
11.10.2003, 11:51
Ich probiere es mal mit einer Kurzfassung:

Schlacht um Stalingrad (August 1942 - Februar 1943)

Im Verlauf der deutschen Sommeroffensive von 1942 erreichte die 6. Armee unter Generalmajor Friedrich Paulus Ende August Stalingrad (heute: Wolgograd). Bis Mitte November eroberte sie rund 90 Prozent der Stadt. Während sich deutsche Stoßtrupps in erbittert geführten Häuser- und Straßenkämpfen verschlissen, führte die sowjetische Südwest-Front frische Kräfte um Stalingrad heran. Am 19. November 1942 begann sie im Nordwesten und im Süden eine zangenförmige Großoffensive. Bereits drei Tage später führte der Angriff zur Einschließung der gesamten 6. Armee sowie von Teilen der 4. Panzerarmee und Überresten der rumänischen 3. und 4. Armee, zusammen rund 250.000 Deutsche und über 30.000 rumänische und russische Hilfssoldaten.

Adolf Hitler erklärte Stalingrad daraufhin zum Symbol von deutschem Siegeswillen. Zugleich verband er mit der Eroberung des strategisch bedeutenden Rüstungs- und Verkehrszentrums an der Wolga einen persönlichen Prestigeerfolg über seinen schärfsten Gegner Josef W. Stalin, dessen Namen die Stadt trug.

Ein Gesuch von Paulus, im Westen aus dem rund 40 mal 50 Kilometer großen Kessel ausbrechen zu dürfen, lehnte Hitler daher strikt ab. Vielmehr vertraute er den inhaltslosen Ankündigungen des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Hermann Göring, die Eingeschlossenen bis zum geplanten Entsatz hinreichend aus der Luft versorgen zu können. Für Entsatz und Luftversorgung fehlten der Wehrmacht jedoch im Winter 1942/43 die erforderlichen Kapazitäten. Die von der 6. Armee täglich benötigten 300-400 Tonnen Nachschub konnten zu keinem Zeitpunkt geliefert werden.

Ein am 12. Dezember begonnener Entsatzversuch der eilig unter dem Befehl von Erich von Manstein zusammengestellten Heeresgruppe Don - bei dem sich Panzerverbände von Generaloberst Hermann Hoth (1885-1971) Stalingrad auf 48 Kilometer näherten - wurde aufgrund des sowjetischen Widerstands nach neun Tagen abgebrochen. Mit seinem am 23. Dezember erneuerten Durchhaltebefehl überließ Hitler die 6. Armee schließlich ihrem Schicksal.

Die tägliche Lebensmittelration der ausgehungerten Eingeschlossenen betrug zu diesem Zeitpunkt zwei Schnitten Brot und ein wenig Tee, gelegentlich eine dünne Suppe. Erste Todesfälle wegen Erschöpfung und Unterernährung traten ab Mitte Dezember auf. Der russische Winter mit über 40 Grad minus forderte ebenfalls Tausende Opfer unter den nur unzulänglich gegen die eisigen Temperaturen ausgerüsteten Wehrmachtssoldaten. Bis zum 18. Januar 1943 mußten die deutschen Truppen sämtliche Verteidigungslinien aufgeben und sich vollständig in das Stadtgebiet von Stalingrad zurückziehen, wo sie in zwei Teilkessel gespalten wurden. Am 30. Januar ernannte Hitler Paulus demonstrativ zum Generalfeldmarschall. Da noch nie zuvor ein deutscher Feldmarschall kapituliert hatte, sollte die Beförderung Paulus motivieren, mit der 6. Armee bis zum "Heldentod" weiterzukämpfen. Paulus kapitulierte allerdings am 31. Januar mit seinen ihm verbliebenen Einheiten im südlichen Kessel. Zwei Tage später ergaben sich auch die ausgezehrten Truppen im Nordkessel.

Stalingrad glich einem Trümmerfeld.

Etwa 150.000 deutsche Soldaten waren im Kessel den Kämpfen, der Kälte oder dem Hunger zum Opfer gefallen. Rund 91.000 Mann gerieten in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der nur 6.000 Überlebende bis 1956 nach Deutschland zurückkehrten.

Die erste für die Wehrmacht vernichtende Niederlage im Krieg gegen die Sowjetunion veränderte die Kriegssituation nachhaltig. Das Gesetz des Handelns ging nunmehr auf die Rote Armee über. Weitreichender als die militärischen Folgen waren die Auswirkungen auf die Moral der deutschen Bevölkerung. Ein Großteil der von der Dimension dieser Niederlage erschütterten Deutschen erkannte den Wendepunkt des Kriegs an der Ostfront. Auch der Versuch der deutschen Führung, den Untergang der 6. Armee als grandioses Heldenepos darzustellen sowie die Ausrufung des "Totalen Kriegs" durch Joseph Goebbels am 18. Februar 1943 beseitigten die aufkommenden Zweifel am deutschen Endsieg nicht. Vielmehr war unmittelbar nach Ende der Kämpfe in Stalingrad in deutschen Großstädten die Jahreszahl "1918" zu lesen - unter Lebensgefahr auf Hauswände gepinselt, als Mahnung an die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg.

Mein Vater ist unter großer Gefahr noch rausgekommen. Mit "Geheimmaterial". Eine sagenhafte Geschichte.

K.E.D.

Klaus E. Daniel
11.10.2003, 11:57
Ein Nachzügler aus der Rheinischen Post, soeben endeckt zum Thema STALINGRAD:
Die Hoffnung stirbt zuletzt - Stalingrad vor 60 Jahren

Hamburg (rpo). Zusammen mit El Alamein in Afrika gehörte Stalingrad zu den Schlachten im zweiten Weltkrieg, die für eine Wende zugunsten der Alliierten sorgten. Vor 60 Jahren waren tausende Soldaten bei Stalingrad eingekesselt. Über Weihnachten müssen sie in eisiger Kälte ausharren.
Über der Steppe im Kessel von Stalingrad heult ein eisiger Wind.

Kurt Reuber, Pastor und Arzt in der 16. Panzerdivision der eingeschlossenen 6. Armee, sitzt in seinem Unterstand. Vor sich hat er die Rückseite einer russischen Generalsstabskarte - das größte Stück Papier, das er finden konnte. Es ist kurz vor Weihnachten 1942, und er zeichnet eine Maria mit dem Christuskind. Darunter schreibt er die Worte: "Licht, Leben, Liebe". *) In wenigen Tagen wird der Unterstand zu einer Art Wallfahrtsort, wie der britische Historiker Antony Beevor in seinem Stalingrad-Buch schreibt. Die Soldaten kommen und beten vor dem Bild. Das Papier mit der Madonna von Stalingrad wurde mit einem der letzten Flugzeuge ausgeflogen. Heute hängt es in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.

60 Jahre danach wird in diesen Tagen in Deutschland vielfach an den Untergang von Hitlers größter Armeeformation gedacht. Damals konnten nur wenige tausend deutsche Verwundete aus dem von der Roten Armee eingeschlossenen Gebiet evakuiert werden. Von den ursprünglich rund 250 000 eingeschlossenen Soldaten blieben schließlich nur 91 000 übrig, die den Weg in die sowjetische Kriegsgefangenschaft antreten. Von ihnen sahen nur rund 5000 die Heimat wieder.

Die Verluste der Sieger sind aber wesentlich höher. Nach vorsichtigen Zählungen fielen bei Stalingrad 479 000 Sowjetsoldaten und 651 000 wurden verwundet. Der Militärhistoriker Boris Usik, Direktor des Kriegsmuseums im heutigen Wolgograd, geht sogar von 2,65 Millionen Todesopfern unter Soldaten und Zivilisten in der Region aus.

Zu Weihnachten 1942 sind es noch fast sechs grausame Wochen bis zum bitteren Ende der Schlacht an der Wolga. Die Landser versuchen, etwas Feststimmung aufkommen zu lassen. Beevor schildert das so: Aus dem Steppengras flechten sie Kränze, Bäume gibt es hier nicht. Seit einiger Zeit haben sie von ihren Hungerrationen etwas für Weihnachten zurückgelegt. Von der von Luftwaffenchef Hermann Göring versprochenen Versorgung aus der Luft mit täglich 350 Tonnen Lebensmitteln und Kriegsmaterial kam nur ein Bruchteil durch. Am 1. Weihnachtstag hieß es im Tagebuch der 6. Armee: "Kein Versorgungsflug in den letzten 48 Stunden."

Am Heiligabend sitzen die Kämpfer bei Außentemperaturen von minus 25 Grad bei Kerzenlicht zusammen und singen Weihnachtslieder. Einige Einheiten liefern sich auch in der Heiligen Nacht mit Rotarmisten Kämpfe. In Originalaufnahmen ist dieses Szene vom 1. Weihnachtstag festgehalten: Soldaten versammeln sich vor den wenigen Radiogeräten und hören den Großdeutschen Rundfunk. Die Stimme des Ansagers sagt: "Wir rufen Stalingrad". Zum Erstaunen der Landser antwortet eine Stimme: "Hier ist Stalingrad". Dann singt ein deutscher Soldatenchor "Stille Nacht" - nicht etwa von der Wolga, wie die deutsche Propaganda glauben machen will, sondern aufgenommen in Berlin.

Die nationalsozialistische Führung versuchte, die aussichtslose Lage und das sich anbahnende Debakel der 6. Armee so lange wie möglich vor der deutschen Öffentlichkeit zu verschleiern. Von dem Fall Stalingrads wurde der Großteil der Bevölkerung überrascht. Auch wenn viele Stalingradkämpfer es selbst nicht wahrhaben wollten, war Weihnachten für die Soldaten der 6. Armee die letzte Hoffnung geschwunden. Der Versuch der 4. Panzerarmee unter General Hermann Hoth **), in der "Operation Wintergewitter" den Kessel von Süden her aufzubrechen, war am 21. Dezember gescheitert.

Der Chef der 6. Armee, General Friedrich Paulus, schrieb an seine Frau: "Diese Weihnacht ist natürlich nicht sehr fröhlich gewesen. In diesen Augenblicken ist es besser, auf Festlichkeiten zu verzichten."

Paulus konnte sich nicht durchringen, gegen Hitler zu rebellieren und auf eigene Faust einen Ausbruch aus dem Kessel zu versuchen oder vor dem absoluten Ende zu kapitulieren.
Am 2. Februar brach der letzte Widerstand zusammen.

Stalingrad gilt unter Historikern zusammen mit El Alamein, wo die Briten im Sommer 1942 die Offensive des deutschen Afrikakorps und seiner italienischen Verbündeten zum Stehen brachten, als Wendepunkt des Krieges zu Lande. Hitlers Eroberungen hatten von Nordafrika bis zum Kaukasus ihre größte Ausdehnung erreicht. Jetzt wurde der Angriffskrieg zu einem Verteidigungskrieg. Der deutsche Rückzug endete zwei Jahre und drei Monate später vor dem "Führerbunker" in Berlin.

* Über Reuber, der ein sehr politischer Arzt war und seinen freiwiligen Absprung über Stalingrad, habe ich mal einen Weihnachtsbrief geschrieben. Einfach erschütternd - er wußte, daß er in den Tod ging.

** Stimmt so nicht: das Zeitfenster war im November.

Klaus E. Daniel

PS: so, für's erste bin ich fertig

Ex-Admin
11.10.2003, 12:01
Sehr schöner Beitrag Herr Daniel.
Gefällt mir wirklich sehr gut!

Klaus E. Daniel
11.10.2003, 12:04
Danke. es war auch eine "Hunde"arbeit.

Sie beläuft sich ausgedruckt auf ca. 50 Seiten und hat schon einigen eine 1 gebracht.

WICHTIG: Zur Benutzung ausdrucken !

KED

Klaus E. Daniel
12.10.2003, 12:29
Eigentlich hatte ich erwartet, daß sich zu diesem Thema eine muntere Diskussion ergibt. Diese rein historische Darstellung hat schonmal 20 Seiten ergeben.

Deswegen keine Scheu ... Manns und Madels.

Gruß :-:

KED

flumer
14.10.2003, 20:02
Da hast du das Selbe problem wie Aufklärer

Man meint es gut aber keiner liest es.

Keine Angst ich werde gleich damit anfangen.

Frank
14.10.2003, 20:06
@KED
Sehr interessant (wie die meisten Ihrer Beiträge). Aber meiner Meinung nach gibt es da nicht viel zu diskutieren.

@flumer
Aufklärer hat ein ganz anderes Problem.

John Donne
14.10.2003, 20:11
Ich habe begonnen, den Beitrag zu lesen. Und werde die Lektüre fortsetzen, wenn ich Zeit und Muße habe. Danke für den Beitrag, Herr Daniel.

Grüße
John

Großadmiral
14.10.2003, 20:11
das er mir immer mein Alter vorwirft, oder ein anderes?

Siran
14.10.2003, 20:19
Ich glaube, er meint ein anderes, Chandler.

Wirklich sehr interessant der Beitrag, allerdings glaube ich nicht, dass ich heute noch fertig werde.

flumer
14.10.2003, 20:22
Habe alles mal durchgelesen.

Aber irgendwie kommt mir das bekannt vor.

Siran
14.10.2003, 20:25
Er hat doch gesagt, dass er nur offizielle Quellen benutzen würde. Dementsprechend ist es nicht wirklich verwunderlich, wenn du vorher schon mal über manches gestolpert bist.

Aufklärer
14.10.2003, 22:58
Aufklärer hat ein ganz anderes Problem.

Und das wäre du kleiner .....:vader: ?

pavement
15.10.2003, 01:43
Da hast du das Selbe problem wie Aufklärer

Man meint es gut aber keiner liest es.

Keine Angst ich werde gleich damit anfangen.

ich habs mir durchgelesen; teilweise noch, als ked noch unterm schreiben war. das ist voll ein enormer unterschied zu den beiträge von aufklärer.

wollo
17.10.2003, 23:44
Ich wage es mal mich als Neuling etwas aus dem Fenster zu hängen, will aber doch etwas zu dem Thema "Das kenn ich doch irgendwie" beisteuern.
Ein wenig googeln hilft manchmal immens.

Zu einigen Beiträgen dieses Threads nur einige Links:

http://www.wk-2.de/wk2_1.html

http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/alltagsleben/

http://www.mannheim.de/gsg/Zeitung/stalingrad/Verlauf.htm

flumer
17.10.2003, 23:47
wollo

Und was willst du uns jetzt damit sagen???

Aufklärer
17.10.2003, 23:48
Was sollen uns die links sagen?

Aufklärer
17.10.2003, 23:49
das ist voll ein enormer unterschied zu den beiträge von aufklärer.

Warum? Er kopierts doch auch nur rein... :rolleyes:

flumer
17.10.2003, 23:55
Original von Klaus E. Daniel
Danke. es war auch eine "Hunde"arbeit.

Sie beläuft sich ausgedruckt auf ca. 50 Seiten und hat schon einigen eine 1 gebracht.

WICHTIG: Zur Benutzung ausdrucken !

KED

Sag mal KED

Kannst du auch mal etwas selber schreiben.

Wie ich schon geschrieben habe nächste mal kannst du auch einfach links schreiben woher du das hast.

Und deine eigene meinung dazu schreiben.

Und Hunde Arbeit HAHAHAHAHHAHAHHHAHAHHAHAHHHAHAAHAHAHHAHHAHHHHHHHHA AAHAHAHAHAHA :baby: :baby: :baby: :baby: :baby: :baby:

Klaus E. Daniel
18.10.2003, 11:41
Das mache ich fortwährend, noch nicht gemerkt?

Ansonsten: no comment, weil es nicht die Sache trifft.

KED

Ex-Admin
18.10.2003, 12:14
flumer, eine ordentliche Formatierung der Texte und die Einarbeitung kann auch eine große Arbeit sein.

flumer
18.10.2003, 12:28
flumer, eine ordentliche Formatierung der Texte und die Einarbeitung kann auch eine große Arbeit sein.

Die Texte wurden grössten teil 1zu1 kopiert sie in 2 teile zu bringen ist keine arbeit.

Lesen tue ich auch viel deswegen kannte ich grössten teils die Texte die der Herr KED hier reingestellt hat.

Bei mir ist es ja so ich lese die Öffentliche Geschichte und die Inoffiziele, dewegen bin ich auch ein etwas anderer schreiber geworden und sage teilweise meine meinung zu den Offizielen Texten was da falsch ist und wiso usw..

Ich lese viel im Weltnetz, aber Bücher kaufe ich mir kaum den da steht meistens nicht alles drin.

Zb. als ich noch in der Schule war habe ich mir die Geschichts Bücher immer kommplet durchgelesen obwohl vieles gar nicht durch genohmen wurde.

pavement
18.10.2003, 12:41
Ich lese viel im Weltnetz, aber Bücher kaufe ich mir kaum den da steht meistens nicht alles drin.

schon mal dran gedacht, dass viele im internet gelieferten informationen nicht seriös sind? jeder depp kann was ins inet reinstellen.

flumer
19.10.2003, 09:34
schon mal dran gedacht, dass viele im internet gelieferten informationen nicht seriös sind? jeder depp kann was ins inet reinstellen.

Natürlich schreiben viele Deppen etwas ins Weltnetz rein man sieht es hier :D

Deswegen geben gute Schreiber auch immer die Quellen mit an.

Und Artikel wo die Quelle oder wo er das wissen her hat bewerte ich vorsichtig.

Klaus E. Daniel
19.10.2003, 10:26
Die Qellen sind abgeprüft und in Ordnung.
Seien Sie, Flumer, beruhigt.

KED

PS: zur Quellenangabe werde ich noch schreiben.


Edit: Tippfehler

flumer
19.10.2003, 10:45
Hallo KED

Gegen ihr Quellen sage ich nichts da ich die meisten Texte ja kenne.
Ich behaupte nur das teilweise gewollt oder ungewollt etwas vergessen wird oder übertrieben wird.

Gegen ihr texte werde ich nichts sagen da sie die Geschichte nicht anders kennen das einzigste was ich machen kann ist darauf hin zuweisen das dort etwas nicht stimmt.

Ich hoffe natürlich das sie weiterhin Texte hier herein stellen werden ich kenne ja auch nicht alles. Wenn mir etwas komisch vorkommt suche ich selber zur not die Quelle.

Klaus E. Daniel
19.10.2003, 11:12
Wenn sie denn von einem seriösen Historiker abgesegnet sind, flummer ....

KED

Edit: R. Fehler

flumer
20.10.2003, 19:03
Manchmal frage ich mich wie jemand seriös wird.
Die Zeit belehrt uns ja auch eines bessern.

pavement
20.10.2003, 19:06
Manchmal frage ich mich wie jemand seriös wird.
Die Zeit belehrt uns ja auch eines bessern

wenn dir sein text nicht gefällt, dann fang doch an, ihn zu widerlegen - so wies wir mit euren texten machen.

flumer
21.10.2003, 06:46
Wiso sollte ich KED sein Text wiederlegen soweit alles in ordnung.

opus111
21.10.2003, 15:34
Original von flumer
Manchmal frage ich mich wie jemand seriös wird.
Die Zeit belehrt uns ja auch eines bessern.

Ja, wir müssen alle permanent umdenken, bisher glaubte ich ja nicht an Außerirdische, aber wenn ich da tiefer nachdenke ...

Es gibt sie. Däniken hat sicher Recht. Denn wenn es keine Außerirdischen geben würde, dann müsste erstmal gezeigt werden, dass es sie nicht geben kann (typisch revisionistische Logik). An Kopernikus hat ja auch zunächst niemand geglaubt. Und Galilei hat man bekanntlich ja auch den Prozess gemacht!

Außerdem lebt meine Großmutter noch, obwohl sie gestorben ist. Wer etwas anderes behauptet, ist einfach unflexibel im Denken. Die Lehrmeinung, Tote könnten nicht auferstehen, ist gewiss eines Tages widerlegbar.

Hitler hat auch nicht gelebt, und Himmler hat es nicht gegeben. Bismarck wurde ermordet, und die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki waren Bömbchen. Die Japaner haben sich kamikazehaft selbst in die Luft gejagt, weil bei ihnen Karneval war. - Dies wird die Wissenschaft in der Zukunft erweisen. Weil sie es beweisen wird, ist es ja schon so gut wie bewiesen. Oder nicht?

Es hat zu allen Zeiten raffinierte Techniken gegeben, menschliche Hirne zu manipulieren. In Zusammenhang mit dem Ultramontanisteneid mussten katholische Würdenträger schwören, dass sie an die Möglichkeit eines "rationalen Beweises der Existenz Gottes" glauben (zumal sie einen solchen Beweis nicht führen konnten, denn der aquinatische Stufenbeweis galt nicht mehr als zeitgemäß)!

Der Glaube ist der Beweis.

DIES IST DIE ART, wie Revisionisten die historischen Wissenschaften verstehen!!!

flumer
23.10.2003, 18:55
opus111

Was möchtest du mir damit beweisen?

pavement
23.10.2003, 19:04
ich denke mal, er will dir gar nichts beweisen, er hat einfach die arbeitsmethoden von revisionisten anhand einiger sehr schöner vergleiche und beispiele beschrieben.

opus111
24.10.2003, 12:36
Mein letzter Beitrag in dem Thread „2. Weltkrieg“ bemüht sich vor dem Hintergrund des Missbrauchs dieses Forums zum Zweck revisionistischer Propaganda leider auch nicht mehr um Sachlichkeit, sondern hat nur noch etwas mit Ironie und Sarkasmus zu tun. Dabei hielte ich es für wichtig, dass der Thread in einem objektivierenden Stil weitergeführt wird: Sehr schwierig, wenn man es hier auch mit Leuten zu tun hat, welche sogenannte „Fakten“ für ultrarechte, wenn nicht sogar nazistische Ziele missbrauchen. Dabei würde mich die längst beantwortete Frage nach der deutschen „Kriegsschuld“ am allerwenigsten interessieren. Leider wird sich wohl wieder alles auf dieses Thema beziehen.

Dabei gibt es eine Menge anderer interessanter Gesichtspunkte:

Z.B. ist meines Erachtens die Haltung Polens immer noch partiell unerforscht. Welche strategischen Optionen wurden von polnischer Seite überhaupt in Erwägung gezogen? Dass der polnische Außenminister Beck angeblich ein Alkoholiker war und den Ernst der Lage nicht mehr überblicken konnte (wie nach meiner Erinnerung Joachim Fest in seiner Hitlerbiographie andeutete), kann die Antwort wohl nicht sein.

Entsprechende Fragestellungen werden wohl leider nur dazu führen, dass Revisionisten die Verantwortung Polen zuschieben. Insbesondere werden unter Vernachlässigung des Kontextes polnische Übergriffe gegen die Volksdeutschen ins Zentrum der Diskussion rücken. Wenn ich Zyniker wäre, würde ich nach gut revisionistischer Machart reagieren und schreiben: „Zeigt mir nur einen einzigen Volksdeutschen, nur einen einzigen, dem etwas zugefügt wurde.“ Dies verbieten aber Anstand und Ehrfurcht gegenüber den Leiden der Opfer (aller Nationalitäten). Dass kurz vor Ausbruch des Krieges die Situation der Volksdeutschen – gelinde gesprochen – alles andere als komfortabel war, wird auch von polnischen Historikern nicht bestritten. Aus den einschlägigen Quellen geht aber ebenfalls hervor, dass die volksdeutsche Seite mit Unterstützung des Reiches und in Erwartung der sich anbahnenden Ereignisse ihre rudimentäre Bindung an den polnischen Staat nicht nur in Frage stellte, sondern sich spätestens ab 1939 einem militanten Widerstand zuwandte. Es gibt hier zweifellos ein „Für und Wider“. Während es sich bei den Sudetendeutschen in der tschechischen Republik meines Wissens um eine geradezu privilegierte Minorität handelte, kann davon im polnischen Vorkriegs-Staat bei weitem nicht die Rede sein. – Die Revisionisten werden diese Erkenntnis wie stets zu einem Paradigmenwechsel in der Kriegsschuldbetrachtung missbrauchen, obwohl unzweifelhaft feststeht, dass sich Hitler nur propagandistisch für Sudeten- und Volksdeutsche und für den Danziger Korridor interessierte.

Daher wäre es für mich wichtig, das Thema strikt auf die Optionen und strategischen Intentionen Polens abzustellen. Es mag sein, dass Polen nur die Wahl zwischen Skylla und Charybdis hatte. Theoretisch bleiben meines Erachtens nur a.) Anbindung an das Deutsche Reich, b.) an die Sowjetunion, c.) an die Westmächte (als politisch konsequente, jedoch militärstrategisch schlechteste Option).

Siran
24.10.2003, 12:39
Militärstrategisch ist das sicherlich die schlechteste Variante, allerdings musste Polen ja bei a) und b) damit rechnen, relativ schnell nur noch eine Erinnerung zu sein.

opus111
24.10.2003, 13:58
Original von Siran
Militärstrategisch ist das sicherlich die schlechteste Variante, allerdings musste Polen ja bei a) und b) damit rechnen, relativ schnell nur noch eine Erinnerung zu sein.

Völlige Übereinstimmung.

Ich erinnere mich an einen Thread, in welchem von irgendjemand die Behauptung aufgestellt wurde, Rydz-Smygly habe den Krieg gegen Deutschland gewollt und forciert. Ich habe vor kurzem Dokumente des militärgeschichtlichen Archivs gelesen, aus denen die desaströse Situation der polnischen Armee in den 30er Jahren hervorgeht. Die Polen haben in keinem Augenblick damit rechnen können, gegen Deutschland bestehen zu können, und sie haben es wohl auch gewusst. Um so erstaunlicher, dass Rydz-Smygly für den Krieg gegen Deutschland optiert haben soll. Daher stellt sich eher die Frage, wie sie tatsächlich optiert und womit sie bestenfalls gerechnet haben. Es mag historische Situationen geben, in denen vielleicht nur noch das Prinzip Hoffnung hilft, aber diese Antwort erscheint mir etwas zu leicht.

Sobald ich verschiedene Quellen studiert habe, werde ich dazu weitere Beiträge leisten. Leider bin ich kommende Woche beruflich unterwegs, es wird also etwas dauern.

opus111
27.10.2003, 19:23
Teil 1: Militärstrategische Lage

Da ich mich ungern wiederhole (was auch den Speicherplatz in diesem Forum unnötig beanspruchen würde), verweise ich auf den Thread "Der Fall Weiß", dort Seite 6.

Da ich diese Woche beruflich sehr eingespannt bin (auch zeitweise nicht zu Hause), wird es etwas Zeit benötigen, bis ich das Thema "politische Optionen Polens" in Angriff nehmen kann.

Nebukadnezar
09.11.2003, 11:39
Französisch-Britische Garantieerklärung für Polen wird von Hitler nur als demonstrative Geste gesehen. Dabei hatte man ihm signalisiert, daß eine weitere Expansion auf friedlichem Wege nicht mehr möglich sei.

Wie sie ja schrieben ,der Text ist einfach nur historisch ,Hintergründe und Ursachen werden völlig außer Acht gelassen,dies ist aber bei einem solch komplexen Thema unumgänglich.

Die Garantieerklärung war der sicherste und schnellste Weg einen Weltkrieg herbeizuführen,darüber kann kein Zweifel bestehen.

Sie ignorieren auch die Friedensbemühungen des Reiches ,wie z.B. der Heß Flug.

Die These der deutschen Alleinschuld ist absurd.

http://www.politikforen.de/thread.php?sid=&postid=31545#post31545

Siran
09.11.2003, 12:57
Hm, wenn Heß' Friedensbemühungen vom deutschen Reich sanktioniert waren, warum wurde er von Hitler als geisteskrank erklärt und aller Ämter enthoben?

Nebukadnezar
09.11.2003, 13:04
Hitler und Heß sind blindlings in eine Falle des britischen Geheimdienstes getappt. Der Trick war ebenso perfide wie genial. Hitler und der deutschen Diplomatie wurde vorgetäuscht, es gäbe in England eine Friedenspartei, die nur darauf warte, Churchill zu stürzen, um dann mit Deutschland Frieden zu schließen. Die letzte verzweifelte Möglichkeit den Weltkrieg 1941 zu verhindern, sahen Hitler und Heß in direkten Verhandlungen mit der »britischen Friedensfraktion«. Aber als Heß in Schottland eintraf, brach die Aktion »Herren HHHH« wie ein Kartenhaus zusammen.

warum sind noch tausende Dokumente unter Verschluß wenn die Sache so klar ist ;Siran?

Siran
09.11.2003, 13:06
Ich wiederhole meine Frage, denn du antwortest in keinster Weise darauf: Warum hat Hitler Hess zum Geisteskranken erklären lassen und ihn aller Ämter enthoben, wenn er in seinem Auftrag unterwegs war?

Nebukadnezar
09.11.2003, 13:13
Weil die Aktion schief gelaufen ist? Weil Churchill sie in eine Falle lockte?

Siran
09.11.2003, 13:15
Weil die Aktion schiefgelaufen ist? Aber dafür kann doch Heß nichts, oder?

Klaus E. Daniel
09.11.2003, 13:17
Siran,

es ist ja schon bezeichnend, daß er diesen Sektvertreter zum Außenminister machte, der ausgespochen dumm war und die diplomatischen Umgangsformen nicht kannte. Das war keine Perfidie, der Mann flog gegen Hitlers Willen nach England.

KED

Nebukadnezar
09.11.2003, 13:20
Weil die Aktion schiefgelaufen ist? Aber dafür kann doch Heß nichts, oder?

Was weiß ich ? Keiner weiß genau was die Hintergründe waren. Unter Bücherempfehlungen habe ich einiges dazu rein gestellt. Ausserdem hält die britische Regierung noch sehr viele Dokumente unter Verschluss,wovor haben die Ratten Angst?

Klaus E. Daniel
09.11.2003, 13:27
Sie wiederholen sich.

Außerdem möchte ich wissen. wen Sie mit "Ratten" meinen? Reden Sie Sie sich nicht raus.

Klaus E. Daniel

Siran
09.11.2003, 13:31
@Nebukadnezer

Interessant, du gibst also zu, dass du keine Ahnung hast, was 1941 wirklich vorgefallen ist. Trotzdem gibst du Hess' Flug als einen Beweis dafür an, dass Hitler gar keinen Krieg wollte...
Sehr überzeugend.

Nebukadnezar
09.11.2003, 13:33
Hitler hat die Hoffnung auf Frieden mit England nie aufgegeben.Siehe Dünnkirchen! X(

Mit Ratten sind natürlich die englischen Kriegstreiber und Völkermörder gemeint.

Klaus E. Daniel
09.11.2003, 13:41
Danke, Nebukadnezar,

das dürfte die englischen Lordrichter interessieren.
Genau wie seinerzeit Irving.

KED

Nebukadnezar
09.11.2003, 14:01
Habe ich ihre Helden beleidigt???

:lachanfall:

pavement
09.11.2003, 16:01
Hitler hat die Hoffnung auf Frieden mit England nie aufgegeben.Siehe Dünnkirchen!

das ist richtig - hitler hoffte ziemlich lange, dass sich die englischen "germanen" den deutschen anschließen.

Klaus E. Daniel
09.11.2003, 22:19
Original von Nebukadnezar
Habe ich ihre Helden beleidigt???

:lachanfall:

Meine Helden bestimmt nicht, sondern die Wahrheit.

KED

Nebukadnezar
10.11.2003, 11:30
Wenn ihre Wahrheit besagt,Harris, Churchill und Konsorten wären keine Kriegsverbrecher dann Gute Nacht... :rolleyes:

http://www.das-gibts-doch-nicht.de/bilder/globalfire/b17_bomchll.jpg

Klaus E. Daniel
10.11.2003, 13:48
Lesen Sie meinen "Dresdenthread".

KED.

opus111
11.11.2003, 12:52
Original von Klaus E. Daniel
Lesen Sie meinen "Dresdenthread".

KED.

Herrn Daniels "Dresdenthread" ist ein Verdienst in diesem Forum.

Denn er zeigt beeindruckend:

Niemand benötigt Extremisten, Revisionisten und Neonazis, um über das Schicksal Dresdens - in historisch unverfälschtem Zusammenhang! - zu diskutieren und die Einstellungen/Handlungen Churchills, Harris u.a. anzuprangern!

Danke, Herr Daniel

Nebukadnezar
11.11.2003, 13:02
Niemand benötigt Extremisten, Revisionisten und Neonazis, um über das Schicksal Dresdens - in historisch unverfälschtem Zusammenhang! - zu diskutieren und die Einstellungen/Handlungen Churchills, Harris u.a. anzuprangern!

Na dann bin ich ja beruhigt! :drink:

Großadmiral
11.11.2003, 15:43
Lies ihn einfach.

Nebukadnezar
11.11.2003, 15:45
Was soll ich lesen Chandler?

Was bist du so aggressiv?

Ex-Admin
11.11.2003, 15:47
Original von Nebukadnezar
Was soll ich lesen Chandler?

Was bist du so aggressiv?


Du sollst Klaus E. Daniels Thema "Dresden" (http://www.politikforen.de/beitrag_798.htm) lesen, bevor du über Aussagen aus diesem urteilst.

Nebukadnezar
11.11.2003, 15:53
Hab ich doch schon längst... :rolleyes:

Ich hab nicht drüber geurteilt :(

Großadmiral
11.11.2003, 16:07
Bin nicht aggressiv.Egal,..

Bethmann
23.11.2003, 17:00
Ich muss in diesem fall nebuk. zustimmen die bombardierung deutschlands war und ist ein Kriegsverbrechen (und sogar noch ein offizeilles : Auf einer konferenz beschloss man Deutschland kapitulationsreif zu bomben ) . dennoch stellt sich die frage ob es einen anderen weg gegeben hätte um deutschland vom krieg und vom NS-regime zu befrein.

Heiligt der Zweck die Mittel ?

ich glaube wenn die alliierten diesen bombenteppich nicht über deutschland gelegt hätten,hätte der krieg sicher noch ein paar jahre länger gedauert.Und es ist schwer zu sagen ob in dieser zeit die opfer an menschenleben genauso hoch gewesen wären , wie die zahl die durch die bombardments entstanden sind.

Siran
23.11.2003, 17:04
Hier hatte doch gar niemand geleugnet, dass auch die Bombardierung der Zivilbevölkerung im 2. Weltkrieg ein Kriegsverbrechen war? ?(

Großadmiral
23.11.2003, 17:12
Und das der Krieg dann mehrere Jahre länger gedauert hätte, ist fragwürdig.

Bethmann
23.11.2003, 17:13
ich hab ja auch nicht gesagt das dies jemand tun würde. :D

mich würde eine stellungnahme zu meiner these mit der zahl der opfer sehr interessiern.Heiligt der zweck die mittel ?
ich sehe im bombenkrieg über deutschland auch paralleln zu der atombombe auf japan.

Großadmiral
23.11.2003, 17:15
Dresden-Hiroshima
Lübeck-Nagasaki

Bethmann
23.11.2003, 17:29
ja sehe ich ja auch so. aber der punkt ist doch der ob es gerecht ist eine bestimmte zahl von menschen zu opfern um damit anderen das leben zu retten und einen krieg zu beenden.

ich sehe mich in meinem studium eben gerade mit dieser frage konfrontiert.bin aber noch unentschlossen.ich frage mich ob es nicht andere möglichkeiten gegeben hätte um diesen verbrecherische system abzusetzen.aber soweit wie ich diese zeitspanne überblicke war der staatsapparat und die volksgemeinschaft in der ns-zeit schlecht oder eigtl. gar nich zu umgehen um alternative lösungen zuzulassen.

gruß
hollweg

pavement
23.11.2003, 17:43
in den buch "how the allies won the war" wird nachgewiesen, dass die bombardements ihren zweck (demoralisierung der deutschen bevölkerung) erfüllten.
(leider hab ich das buch bis dato noch nicht selbst gelesen, kann also nichts genaueres dazusagen)

ja sehe ich ja auch so. aber der punkt ist doch der ob es gerecht ist eine bestimmte zahl von menschen zu opfern um damit anderen das leben zu retten und einen krieg zu beenden.

sehr schwierige frage - da kann man wohl nur abwägen.

fakt ist, dass unschuldige starben - die bomben machten eben keinen unterschied zwischen nazi und nicht-nazi.

Großadmiral
23.11.2003, 17:46
Wenn die West Alliierten keine solchen Luftangriffe geführt hätten, hätte der Krieg wohl etwas länger gedauert.

Amida Temudschin
23.11.2003, 18:13
Und das der Krieg dann mehrere Jahre länger gedauert hätte, ist fragwürdig.
Wenn die West Alliierten keine solchen Luftangriffe geführt hätten, hätte der Krieg wohl etwas länger gedauert.
Was genau ist nun deine Meinung, Chandler?

Großadmiral
23.11.2003, 19:15
Er sprach von Jahren.
Er hätte länger gedauert, vielleicht paar Monate. Höchstens ein Jahr.

Kommissär
23.11.2003, 19:35
Was denkt Ihr, hat die damalige Schweiz und ihre Politik einen Einfluss auf den 2. Weltkrieg gehabt?
Es gibt einige Leute, vorallem Anwälte aus den USA, die behaupten, dass die schweizer Politik und Wirtschaft, insbesondere die Banken den Krieg um Monate, wenn nicht um Jahre verlängert haben.

Amida Temudschin
23.11.2003, 19:35
Okay, bin aber anderer Meinung. Die Demoralisierung der Deutschen kann meiner Meinung nach nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ohne sie hätte es wahrscheinlich in Deutschland den selben Partisanenkrieg wie in der UdSSR gegeben.

Großadmiral
23.11.2003, 19:37
Ich weis nur, dass die Schweiz Flüchtlinge (hauptsächl. Juden) abgewiesen hat.
Amida: War dein Beitrag auf meinen bezogen? Wenn ja, weis ich nicht, was du meinst.

Amida Temudschin
23.11.2003, 19:45
@Chandler: Ja, war an dich gerichtet. Deine ersten Aussagen klangen etwas widersprüchlich, jetzt weiß ich aber, wie es gemeint war und eben dieser Aussage habe ich widersprochen.

Großadmiral
23.11.2003, 19:48
Das ist ja okay, war nur ein Gedanke von mir, muss nicht stimmen.
Was meinst du genauer mit "Partisanenkrieg"?

Amida Temudschin
23.11.2003, 19:51
Entschlossener Widerstand einer fanatischen Bevölkerung mittels unorthodoxer Kriegsführung.

Kommissär
23.11.2003, 19:52
Ich habe die Frage mit dem Einfluss der Schweiz auch im Zusammenhang der Verlängerung ins Spiel gebracht.
Also soviel ich weiss, hat die Schweizer Rünstungsindustrie Geschäfte mit der Wehrmacht gemacht. Und die Schweizerische Nationalbank hat bzw. soll, ich nenne es "Judengold", darunter gehören Zahngold usw., von der Reichsbank entgegen genommen haben, eingeschmolzen und dann in den Welthandel gebracht.
Ob das den Krieg beinflusst hat, wäre eben eine interessante Frage.

Großadmiral
23.11.2003, 19:54
Das ist eine schwere Frage, ich bin überfragt. Frag Amida, der weis es vielleicht.

Amida Temudschin
23.11.2003, 20:04
@baerlach: Tut mir leid, hab' die Frage vorher überlesen. Daß schweizer Banken Geschäfte mit Hitler gemacht haben, ist inzwischen bewiesen, aber soweit ich weiß wurde die Schweiz nicht genutzt, um zu importieren, weshalb man weiterhin auf die Autarkie angewiesen war. Der Handel mit der Schweiz brachte Deutschland zwar Devisen, aber dieses Kapital konnte man nicht nutzen, da man ansonsten vom Welthandel ausgeschlossen war, weshalb ich nicht glaube, daß die Schweiz den Krieg sonderlich verlängert hat.

Großadmiral
23.11.2003, 20:06
Mir leuchtet es jedenfalls ein. Sehen sie, auf Amida ist verlass.

Amida Temudschin
23.11.2003, 20:18
Vielen Dank für die Blumen. :)

pavement
23.11.2003, 20:19
Okay, bin aber anderer Meinung. Die Demoralisierung der Deutschen kann meiner Meinung nach nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ohne sie hätte es wahrscheinlich in Deutschland den selben Partisanenkrieg wie in der UdSSR gegeben.

ist auch plausibel - die frage ist nur, ob diese partisanenbewegung auch wirklich enstanden wäre. die führenden köpfe des widerstandes waren ja allesamt inhaftiert.

Kommissär
23.11.2003, 20:20
Da bin ich ja als Schweizer beruhigt; nicht das wir den Krieg noch "mitverlängert" haben.

@ChandlerMuriel
Du hast mir ja im Schewardnadse Thread das Du angeboten.
Original von ChandlerMuriel
@baerlach: Hallo, ich bin Chandler.
Fakt ist, die Opposition ist amerikafreundlich. Ob sie ihnen das Land öffnet, weis ich nicht. Kommt darauf an, was die USA wollen. Wie hoch ihre Forderungen oder Wünsche ausfallen werden. Das denk ich mal.

Amida Temudschin
23.11.2003, 20:27
ist auch plausibel - die frage ist nur, ob diese partisanenbewegung auch wirklich enstanden wäre. die führenden köpfe des widerstandes waren ja allesamt inhaftiert. Das schöne an Partisanen ist, daß sie keine führenden Köpfe brauchen. Es gab in Deutschland vereinzelte Widerstandsgruppen aus verblendeten Jugendlichen, sogenannte Wolfsrudel.

Großadmiral
23.11.2003, 20:28
Ja, habe ich. Doch bevor ich keine Antwort von dir bekommen habe, habe ich dich weiterhin gesietzt.

Kommissär
23.11.2003, 20:41
Hallo Chandler, ich bin Bärlach aus "Der Henker und sein Richter" von Dürrenmatt.
Ja, sorry, habe das einfach stillschweigend angenommen ohne es zu erwidern.

Großadmiral
23.11.2003, 20:43
Aus welchem Kanton kommst du?

Kommissär
23.11.2003, 21:12
Ich bin Berner bzw. "Bärner" komme aus der Stadt Bern, somit aus dem Kanton Bern.

Bethmann
23.11.2003, 22:53
@pavement
ich glaub der partisanenkrieg bezieht sich nicht auf den widerstand.ich denk des war so gemeint:wenn man die deutschen nicht vorher demoralisiert hätte,hätten die nazis einen partisanenkrieg gegen die besatzungsmächte begonnen.wenn ich ihr statement richtig ausgelegt habe, meinen sie aber die widerständler gegen die nazis (von denen ja wirklich die führenden köpfe in kz`s waren).so weiß ich jetzt nicht wie das zu verstehen ist !?!

Amida Temudschin
23.11.2003, 23:07
@Bethmann: Stimmt, ich meinte einen Partisanenkrieg der Nazis gegen die Alliierten. Ist mir erst jetzt aufgefallen, daß Pavement anscheinend etwas anderes meinte.

pavement
24.11.2003, 20:49
ja, ich meinte genau das gegenteil: einen partisanenkrieg des deutschen widerstandes gegen die nazis.

AxelFoley
08.12.2003, 20:50
Man darf auch nicht vergessen, dass der Krieg 1939 begonnen werden musste aus wirtschaftlicher Sicht.
Den die jahrelangen Kredite und "Wechsel" mit den Banken, die zahlreichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Aufrüstung und der Wohlstand Deutschlands hatten das 3.Reich in eine wirtschaftliche Sackgasse manövriert.
1939 gab es nur noch 2 Alternativen :

1.Staatsbankrott
2.Krieg

Da fiel Hitler die Entscheidung natürlich nicht schwer, denn er hatte ja jahrelang auf den Krieg hingearbeitetet. Nun hatte er keine andere Wahl.

Großadmiral
08.12.2003, 20:51
Genau. Er hatte aufgerüstet. Er wusste also schon Jahre vorher seine Entscheidung.

AxelFoley
08.12.2003, 20:52
Wenn wir schon von Partisanenkriegen sprechen,. sollten wir den bedeutensten nicht vergessen :

Der jugoslawische Widerstnad unter Führer "Tito" war der grausamste und brutalste, er forderte ca. 1 Mio Opfer.

Kommissär
08.12.2003, 20:53
Heisst das, Hitler hat den Krieg angezettelt, weil ihm sonst die Kohle ausging?
Interessante Sichtweise....

Siran
08.12.2003, 20:55
Jein. Es ist ein Fakt, dass Deutschland 1939 vor dem Staatsbankrott stand. Wäre kein Krieg gekommen, dann wäre Deutschland ohne Frage in Zahlungsschwierigkeiten gekommen. Die finanzielle Lage Deutschlands war auch ein Grund dafür, warum bereits vor dem 2. Weltkrieg Löhne und Preise eingefroren wurden, um eine Inflation zu verhindern.

Allerdings erklärt sich der Staatsbankrott dadurch, dass Hitler auf einen Krieg hingearbeitet hat. Ein nicht geringer Teil der Staatsfinanzen floss ja direkt in die Rüstung.

Großadmiral
08.12.2003, 20:57
Dafür hat er ganz schön viel aufgerüstet! Marine, Luftwaffe..

Kommissär
08.12.2003, 21:02
Original von Siran
Jein. Es ist ein Fakt, dass Deutschland 1939 vor dem Staatsbankrott stand. Wäre kein Krieg gekommen, dann wäre Deutschland ohne Frage in Zahlungsschwierigkeiten gekommen. Die finanzielle Lage Deutschlands war auch ein Grund dafür, warum bereits vor dem 2. Weltkrieg Löhne und Preise eingefroren wurden, um eine Inflation zu verhindern.

Allerdings erklärt sich der Staatsbankrott dadurch, dass Hitler auf einen Krieg hingearbeitet hat. Ein nicht geringer Teil der Staatsfinanzen floss ja direkt in die Rüstung.
Dann befand er sich im einem Teufelskreis, in den er sich selber manövrriert hat:
Er wollte einen Krieg, hat deswegen aufgerüstet und kam in Zahlungsschwierigkeiten. Weil er in Zahlungsschwierigkeiten durch die Aufrüstung kam, musste er einen Krieg machen. Toll?!

Großadmiral
08.12.2003, 21:03
Größenwahn, nennt man das

Siran
08.12.2003, 21:35
Original von baerlach
Dann befand er sich im einem Teufelskreis, in den er sich selber manövrriert hat:
Er wollte einen Krieg, hat deswegen aufgerüstet und kam in Zahlungsschwierigkeiten. Weil er in Zahlungsschwierigkeiten durch die Aufrüstung kam, musste er einen Krieg machen. Toll?!

Mehr oder weniger. Für ihn war es ja eigentlich kein Teufelskreis, weil er den Lebensraum im Osten und damit den Krieg ja wollte.

Klaus E. Daniel
09.12.2003, 10:45
Endlich kommt die Diskussion (wenn auch auf Umwegen) in die Gänge. Der Eingangsthread war wohl zu lang.

Ich finde deinen Partisenkrieg interessant. Wenigistens kann man darüber reden.

KED

Edit R- fehler

Großadmiral
09.12.2003, 13:45
Original von Siran


Mehr oder weniger. Für ihn war es ja eigentlich kein Teufelskreis, weil er den Lebensraum im Osten und damit den Krieg ja wollte.

Da muss ich dir zustimmen.
Er hatte schon immer etwas gegen die Bolschwisten gehabt, er wollte sie auslöschen.

AxelFoley
10.12.2003, 21:04
Sagen wir es mal so:

Hitler wollte diesen Krieg.
Ihm war jedes Mittel recht.
ER hat solange gewirtschaftet, bis die Kohle alle war und dann ging es dagegen.

DAs hatte er von ANfang an einkalkuliert.

Er hat solange gerüstet, bis das Geld alle ist und dann gibt es Krieg.

Ekki-R
10.12.2003, 21:08
Hitler wollte diesen Krieg.

Damit stehst du im Wiederspruch zu etlichen deutschen und ausländischen Historikern und Politikern.

Es gibt Bücher....

Ekki-R
10.12.2003, 21:11
Im übrigen

Hitler hat die oft zitierte" Lebensraum Ost " Politik in Mein Kampf ,nämlich im nächsten Kapitel ,selbst ausdrücklich relaitiviert.

Eine gute Aussenpolitik sollte sich seiner Meinung nach nicht an festgelegten Dogmen sondern an Realpolitischen Entwicklungen festmachen.


Erschreckende Wissenlücken.

Der Gelehrte
11.12.2003, 01:15
Original von Ekki-R

Hitler wollte diesen Krieg.

Damit stehst du im Wiederspruch zu etlichen deutschen und ausländischen Historikern und Politikern.
Da wüßte ich aber mal gerne, wer das sein soll. Und ein germanisch-raunendes "Es gibt Bücher..." ist dann doch etwas mager.

pavement
11.12.2003, 01:21
Da wüßte ich aber mal gerne, wer das sein soll. Und ein germanisch-raunendes "Es gibt Bücher..." ist dann doch etwas mager.

wie wärs denn mit germar rudolf, viktor suworow, ernst zündel, usw...die alten bekannten halt...

Hitler hat die oft zitierte" Lebensraum Ost " Politik in Mein Kampf ,nämlich im nächsten Kapitel ,selbst ausdrücklich relaitiviert.

an welcher stelle denn? als er polen angreifen hat lassen? oder als er die su angreifen hat lassen?
ohh entschuldigung, ich hab ja vergessen, dass hitler der friedliebenste mensch der damaligen zeit war, aber nur provoziert wurde.

Ekki-R
11.12.2003, 10:54
wie wärs denn mit germar rudolf, viktor suworow, ernst zündel, usw...die alten bekannten halt...

Unter anderem,ja. Warum auch nicht?

Hier eine kleine Auswahl:

Der erzwungene Krieg. Die Ursachen und Urheber des 2. Weltkriegs. von David L. Hoggan

Das Jahrhundert der Lüge von Hugo Wellems

1939 - Der Krieg, der viele Väter hatte von Gerd Schultze-Rhonhof

Das Ende der Tabus von Rudolf Graf Czernin

Bolko Freiherr von Richthofen:Kriegsschuld 1939-1941. Der Schuldanteil der anderen

Kriegsschuldfrage der beiden Weltkriege, von Georg Franz-Willing.

Die Kriegstreiber: Englands Politik gegen Deutschland 1937 bis 1939, von Max Klüver.

Kriegsursachen und Kriegsschuld des Zweiten Weltkrieges. Zusammenfassung des Wissensstandes, von Helmut Schröcke.

Paul Rassinier:
Die Jahrhundert-
provokation
Wie Deutschland in den
Zweiten Weltkrieg getrieben wurde

Max Klüver:
Es war nicht Hitlers Krieg
Neues aus dem
britischen Staatsarchiv

Gerhard Müller:
Überstaatliche Machtpolitik
im 20. Jahrhundert
Hinter den Kulissen
des Weltgeschehens

Udo Walendy:
Wahrheit für Deutschland
Die Schuldfrage des zweiten Weltkrieges

Peter H. Nicoll:
Englands Krieg
gegen Deutschland
Ursachen, Methoden und Folgen
des Zweiten Weltkriegs


Sefton Delmer, brit. Chefpropagandist während des Zweiten Weltkrieges "Die Deutschen und ich",- Hamburg 1961,

Winston Churchill " Der 2 Weltkrieg"

Generalmajor J.F.C. Fuller, Historiker, England (vgl. "Der Zweite Weltkrieg", Wien 1950)

Gustave Hervé, französischer Politiker, (vgl. Hennig, E. "Zeitgeschichtliche Aufdeckung", München, 1964, )

Herbert Hoover, US-Präsident, 1919 ( Hoover, H., "Memoiren", Mainz, 1951, )

Prof. Dr. Renè Martel "Les frontières orientals de l`Allemagne"

Ward Hermans, flämischer Schriftsteller, bei Lenz, F., Nie wieder München, Heidelberg 1965

Walendy, "Historische Tatsachen"

Barnes "Blasting of the historical Blackout", Oxnard, Kalif., 1962

E. Reichenberger "Wider Willkür und Machtrausch", Graz, 1955

Ludwig Cohn "Die neue heilige Allianz

US-Verteidigungsminister J. Forrestal (The Forrestal Diarie’s, New York, 1951)

G. Franz-Willing Kriegsschuldfrage", Rosenheim 1992

Mahatma Gandhi,"Hier spricht Gandhi." 1954, Barth-Verlag München

Kleist, Peter "Auch du warst dabei", Heidelberg, 1952

Emrys Hughes, Winston Churchill - His Career in War and Peace, S. 145

Der Spiegel, 13, 1992

Basil Liddel Hart "Backdoor to war"

Der Tag M von Viktor Suworow
Stalins verhinderter Erstschlag von Viktor Suworow

Unternehmen Barbarossa und der russische Historikerstreit von Wolfgang Strauss

Marschall Schukow von Viktor Suworow

Unternehmen Barbarossa von Walter Post
Stalins Vernichtungskrieg 1941-1945 von Joachim Hoffmann
Der Wortbruch von Werner Maser




@pavement.

Überhaupt Mein Kampf gelesen?

@Thema

Anstatt auf einzelne Personen oder einzelne Staaten sollte man den Blick auf die Strukturen der damaligen internationalen Politik richten: In Europa hatten die Politiker größte Schwierigkeiten, mit den Problemen fertig zu werden, die der Erste Weltkrieg hinterlassen hatte. In Ostasien trafen der japanische Vormachtanspruch und das chinesische Emanzipationsstreben aufeinander. Und gleichzeitig stellten die beiden künftigen Supermächte, die USA und die UdSSR, jede für sich einen globalen universalistischen Herrschaftsanspruch, der sich im liberal-demokratischen Internationalismus und im Marxismus-Leninismus manifestierte. Der Zweite Weltkrieg war somit das Ergebnis einer komplizierten und konfliktträchtigen weltpolitischen Konstellation, und mit einseitigen Schuldzuweisungen erklärt man herzlich wenig.

pavement
11.12.2003, 23:38
Überhaupt Mein Kampf gelesen?

ja.

Anstatt auf einzelne Personen oder einzelne Staaten sollte man den Blick auf die Strukturen der damaligen internationalen Politik richten: In Europa hatten die Politiker größte Schwierigkeiten, mit den Problemen fertig zu werden, die der Erste Weltkrieg hinterlassen hatte. In Ostasien trafen der japanische Vormachtanspruch und das chinesische Emanzipationsstreben aufeinander. Und gleichzeitig stellten die beiden künftigen Supermächte, die USA und die UdSSR, jede für sich einen globalen universalistischen Herrschaftsanspruch, der sich im liberal-demokratischen Internationalismus und im Marxismus-Leninismus manifestierte. Der Zweite Weltkrieg war somit das Ergebnis einer komplizierten und konfliktträchtigen weltpolitischen Konstellation, und mit einseitigen Schuldzuweisungen erklärt man herzlich wenig.

wie der zweite weltkrieg das ergebnis des konfliktes zwischen usa und su sein kann, hätte ich jetzt doch gern genauer erklärt - schon lang nichts mehr so amüsantes gehört. schade, dass du, aufklärer, gerade eben gesperrt wurdest.

AxelFoley
12.12.2003, 21:56
Es ist schon sehr spekulativ zu behaupten, Hitler wollte keinen Krieg.

Und noch eines:

In festgelegten Dogmen werden nun mal politische Ziele formuliert.
Sie sind der ZAhn der Zeit, Theorie.
Was im realpolitischen passiert, steht auf einem anderen BLatt.
Hitlers theoretische Absicht war der Krieg und nur darum ging es.

Goj
16.12.2003, 19:08
Es ist schon sehr spekulativ zu behaupten, Hitler wollte keinen Krieg.

Warum hätte er Krieg haben wollen? Was hätte ihm das gebracht? Warum sollte jemand ein gerade aufgeblühtes Land in einen kaum zu gewinnenden Weltkrieg treten???

"Ich will den Frieden - und ich werde alles daransetzen, um den Frieden zu schließen. Noch ist es nicht zu spät. Dabei werde ich bis an die Grenzen des Möglichen gehen, soweit es die Opfer und Würde der deutschen Nation zulassen. Ich weiß mir Besseres als Krieg! Allein, wenn ich an den Verlust des deutschen Blutes denke - es fallen ja immer die Besten, die Tapfersten und Opferbereitesten, deren Aufgabe es wäre, die Nation zu verkörpern, zu führen. Ich habe es nicht nötig, mir durch Krieg einen Namen zu machen wie Churchill. Ich will mir einen Namen machen als Ordner des deutschen Volkes seine Einheit und seinen Lebensraum will ich sichern, den nationalen Sozialismus durchsetzen, die Umwelt gestalten."
Adolf Hitler nach Beendigung des Frankreich-Feldzuges in einem Gespräch mit seinem Architekten Prof. Hermann Giesler, Giesler: "Ein anderer Hitler", Seite 395


"Hitler und das deutsche Volk haben den Krieg nicht gewollt.Wir haben auf die verschiedenen Beschwörungen Hitlers um Frieden nicht geantwortet. Nun müssen wir feststellen, daß er recht hatte. An Stelle einer Kooperation Deutschlands, die er uns angeboten hatte, steht die riesige imperialistische Macht der Sowjets. Ich fühle mich beschämt, jetzt sehen zu müssen, wie dieselben Ziele, die wir Hitler unterstellt haben, unter einem anderen Namen verfolgt werden."
Sir Hartley Shawcross,
der britische Generalankläger in Nürnberg(vgl. Shawcross "Stalins Schachzüge gegen Deutschland", Graz, 1963)

Goj
16.12.2003, 19:12
"Wir Deutschen sollten die Wahrheit auch dann ertragen lernen, wenn sie für uns günstig ist."
Heinrich von Brentano

pavement
16.12.2003, 19:19
i say ´hello again´...aufklärer mal wieder...

Ribbentrop
20.12.2003, 02:44
Original von pavement
i say ´hello again´...aufklärer mal wieder...

Deine Gegenargumente werden auch immer dünner.... :))

Siran
20.12.2003, 09:19
Bei deinen Zitate ohne Quellenangabe und Hintergrund sind Gegenargumente ja auch nicht nötig. Schließlich beweisen die gar nichts.

Diplomat
27.12.2003, 10:27
Hallo!

In einem von Philippe Masson geschriebenen Buch " Die deutsche Armee-Geschichte der Wehrmacht" wird von einem Franzosen dargelegt, daß das deutsche Volk den Krieg nicht wollte, aber es sah wohl eine gerechte Sache etwas gegen die Tschecheslowakei und Polen zu tun. Auch die Wiedervereinigung mit Östereich empfand man als gerecht. Denn Tschechien und Polen waren in der Form, wie sie in den 30iger Jahren des 20. Jahrhunderts bestanden, einen Teil des Versailler Diktats. Dies war das deutsche Volk nicht bereit hinzunehmen.

Zitat Francois Mitterrand anläßlich seiner Rede zum 50. Jahrestag des Kriegsendes in Berlin:
" Ich habe erfahren, welche Tugenden, welchen Mut das deutsche Volk besitzt. Bei den deutschen Soldaten, die in so großer Zahl starben, kommt es mir kaum auf die Uniform an, und noch nicht einmal auf die Ideen, die ihren Geist bestimmten. Sie hatten Mut. Sie waren in diesem Sturm losmarschiert unter Einsatz ihres Lebens. Sie haben seinen Verlust für eine schlechte Sache hingenommen, aber wie sie es taten, hat mit dieser Sache nichts zu tun. Es waren Menschen, die ihr Vaterland liebten - dessen muß man sich gewahr werden."

Daraus ist zu ersehen, daß selbst der deutsche Soldat nicht aus national-sozialistischen Gründen in den Krieg zog, sondern aus dem gleichen Grund, warum heute deutsche Soldaten täglich in Afghanistan und anderen Orten auf der Welt ihr Leben aufs Spiel setzen. Ein Spiel, das nicht ihr Spiel ist. Für ihr Vaterland - das gilt für alle. Das sagt auch der Diensteid aus.

Attila
29.12.2003, 01:03
Original von Siran
Bei deinen Zitate ohne Quellenangabe und Hintergrund sind Gegenargumente ja auch nicht nötig. Schließlich beweisen die gar nichts.


Wo habe ich bitte keine Quellen angegeben???

Man Man ....wie kann man sich nur so verbissen an sein Weltbild klammern?


Wenn der Allierte Chefankläger Shawcross in seinem Buch schreibt das Hitler und das deutsche Volk keinen Krieg wollten,dann hat das sehr wohl Gewicht! Und zwar nicht zu wenig!

kenyadan
02.01.2004, 14:14
Original von Klaus E. Daniel

Eigentlich hatte ich erwartet, daß sich zu diesem Thema eine muntere Diskussion ergibt. Diese rein historische Darstellung hat schonmal 20 Seiten ergeben.

Deswegen keine Scheu ... Manns und Madels.

Gruß :-:

KED

Bin neu im Forum und habe , Klaus E. Daniel, Ihre "Basisdokumentation"
zum Thema "II Weltkrieg" entdeckt.
Werde nach Sichtung des Dokuments versuchen etwas aus
Schweizer Sicht zum Thema beizutragen.
Interessant ist dabei, dass der Nachrichtendienst der Eidgenossen und
die Tätigkeit versch. Personen in der Schweiz, meiner Meinung nach den
Kriegsverlauf stark beeinflusst hat, sehr wohl auch die Niederlage
der Wehrmacht in Russland.

Gruss aus der "Alpenfestung"

Klaus E. Daniel
17.01.2004, 14:39
Bei Joachim Fest fand ich folgendes, das Eure Aumerksamkeit nicht entgehen sollte:

Robert Ley, (Minister) mit seinem Jubel über das zerstörte Dresden: "[Wir] atmen fast auf. Nun ist es vorbei." schrieb er. "wir werden jetzt im Blick auf den Kampf und Sieg durch die Sorgen um die um die Denkmäler deutscher Kultur nicht mehr abgelenkt [....]"

Dieser Hundsfott !
Er schrieb es 1945.

KED

Luni
23.01.2004, 09:17
Ob das mal nötig war weiß ich nicht aber kann auf jeden Fall net schaden danke für die Mühe...

Klaus E. Daniel
30.01.2004, 10:43
Ich bedanke mich für jede Antwort, nur nicht für die, die das Geschehen auf den Kopf stellen, Luni.

KED

Klaus E. Daniel
21.03.2004, 16:29
Siehe den großen Thread zum 2. Weltkrieg. den ich geschrieben habe.

________________________________

Könnt ihr denn nicht lesen ??

KED

houndstooth
03.04.2004, 15:41
pavement:
in den buch "how the allies won the war" wird nachgewiesen, dass die bombardements ihren zweck (demoralisierung der deutschen bevölkerung) erfüllten.
(leider hab ich das buch bis dato noch nicht selbst gelesen, kann also nichts genaueres dazusagen).

A) Wie manifestiert sich denn eine Bevoelkerungs- ‘Demoralisierung’ ?
B) Beide Seiten , England sowie Deutschland , bezweckten durch Aufruf an Schreckenserinnerungen an Millionen gefallener Soldaten und die Metzeleien von Verdun, Ypres + Vimy.... .
C) Doch die Zivilbevoelkerung beider Staaten liessen sich nicht einschuechtern :A.H. & Crew versuchte 1940 z.B. durch Bombardierung Coventry zu demonstrieren dass Widerstand den ’ ueberlegenen Herrenmenschen’ gegenueber selbstmoerderisch sei – er erreichte das Gegenteil . Auch vom V1 & V2 Regen ueber London liessen sich die Englaender nicht einschuechtern . Goerings Revanchedrohungen England zu ‘coventrysieren’ , fiel auf taube Ohren dort.
D) Doch auch Bomber Harris’s Plan, die deutsche Zivilbevoelkerung durch Luftterror zu demoralisieren,in die Knie zu zwingen, ging nicht auf: Deutsche waren zu obrigkeitshoerig, zu mesmerisiert von einem charismatischen Scharlatan der Zucker versprach und Peitsche verteilte , darum bewiesen nur relativ wenige Deutsche Zivilcourage. der Rest war zu sehr veraengstigt, eingeschuechtert, resigniert und teilnahmslos . Nach dem Fall Stalingrads war fast jedem Deutschen und den Alliierten klar , dass das Ende des boesen ‘1000 jaehrigem Spuks’ in Reichweite lag.

Es ist mehr als erstaunlich ,es ist gerade zu bewundernswert , wie widerstandsfaehig sich waehrend den Kriegsjahren insb. die weibliche Bevoelkerung des sich aufloesenden Deutschland gezeigt hatte , wie sie dem Bombenterror die Stirn gezeigt hatten , welche immer neue Strapazen auf sie zukamen und die sie auf irgend welche Weise immer zu ueberwinden wussten.Das gleiche gilt auch fuer Feuerwehrmaenner, Krankenhauspersona l etc.

Im Antlitz des Verderbens hatte Deutsche ihre moralische Fiber aufrechterhalten.
Im Antlitz des Wohlstandes haben Deutsche viel ihrer moralischen Fiber aufgegeben.

" we will not submit ; knuckle under and crawl."

Parole der sich in Stalag III aufgehaltenen allierten Kriegsgefangenen - die dann auch en Masse aus dem Lager ausgebrochen sind. 50 wurden auf Anweisung H. ermordet.

" we will not submit ; knuckle under and crawl." ist eine Lektion die an Spaniern vorbeigegangen zu sein scheint.

houndstooth
04.04.2004, 12:53
Siran:
Hier hatte doch gar niemand geleugnet, dass auch die Bombardierung der Zivilbevölkerung im 2. Weltkrieg ein Kriegsverbrechen war?

Strikt gesprochen war es in der Tat kein Kriegsverbrechen !

Diese Taten , greulich wie sie waren , und auf beiden Seiten begangen , verletzten keine zu der Zeit vorhandenen Kriegsgesetze.
'Verbrechen gegen die Menschheit' trifft aus heutiger Sicht natuerlich unbedingt zu.

(Aus diesem Grund, i.e. den Lehren aus beiden Weltkriegen, wurden Kriegsfuehrunggesetze modernisiert - ergo 'surgical precision strikes'.)

Die einzigen Konventionen, intern. ‘Kriegsgestze’ , die sich mit Bombardierungen aus der Luft und von der See beschaeftigten und die z. damaligen Zeit des 2. Weltkrieges in Kraft waren:

Hager Konferenz 1899 ,,Konvention II vom 29 Juli 1899 ; Artikels, 25;26,27 in Kraft 1900 -ausser Kraft 1905, erneuert 1907

Hager Konferenz 1899 , Konvention IV vom Juli 29, 1899 ; Deklarierung 1in Kraft 1900 - ausser Kraft 1905 erneuert 1907

HagerKonferenze 1907, Konvention IV vom October 18, 1907 ; Artikels, 25;26 in Kraft 1907

In keinem der Texte ist das Wort ‘Zivilbevoelkerung ‘, ‘Zivilgebiete’ 'Zivilisten' zu finden – 'Zivilbevoelkerung' war also demnach nicht tabu , obwohl dieser Grundsatz dem Sinne der Konventionen widersprach , wenn man die Praeambel der Hager Konvention liest.

Bezueglich Bombardierungen aus der Luft , damit beschaeftigt sich die Deklaration der Hager Konvention iV von 1899 die aber 5 Jahre spaeter, in 1905’ ausser Kraft war.

Hier verboten sich die Unterzeichnenden , dass sie weder Bomben noch Projektile von Ballonen oder durch eine neuere Methode aehnlicher Art abschmeissen werden.

Selbstverstaendlich haette dieser Artikel Doppeldecker, Flying Fortresses und Raketen mit eingeschlossen , waere er 1939 noch in Kraft gewesen , allerdings verbietet auch diese Erlaerung nicht explizit Zivilistenbombardierung.

In der Hager Konvention IV von 1907 fehlt der 'Ballon '- Passus ganz , von Zivilisten kein Wort. Sie bezieht sich jedoch auf die Konvention von 1899 und erklaert sie rueckwirkend zwischen den Unterzeichneten .wieder gueltig , problematisch, da andere Artikel wiederholt werden ,doch nicht der Ballonpassus.

Die Hager Konvention IV stipuliert, dass Ortschaften und Gebauede die nicht verteidigt werden, nicht bombardiert werden duerfen , ( das schliesst erklaerte 'Nicht Festungen' ein.)

Das Gleiche gilt auch zur Bombardierung von Seiten der Kriegsmarine aus ; auch dass der Kommandierende von Bombardieren die zu Bombardierenden zu warnen hat , ausser waehrend einem Ueberfall, weiterhin dass man doch bei der Bombardierung, so weit es gehe , Rucksicht auf Kulturgueter und Hospitaeler nehmen sollte ,die von den zu Bombardierenden erstmal bitte gekennzeichnet werden sollten...

Also, die Hager Kriegskonventionen waren fuer 1939 ein bisschen kauzig und datumsverfallen.

Doch machen sie Luftbombardierungen ueber zivile Wohngebiete kein Kriegsverbrechen. Das es ein Bruch mit
der christlichen Ethik und dem Moralkodex zivilisierter Voelker widerspricht, ist wieder etwas anderes.

Im damaligen Deutschland hatte es keine ‘Industrieparks’ gegeben. Kriegsmaterialherstellung, also legitime Bombardierungsziele waren oft inmitten einer Wohnstadt eingebettet z.B. : Ein Hersteller fuer Teile des deutschen Bombenzielsuchgeraetes befand sich wenige Minuten von der Frauenkirche in Dresden entfernt….. Wahllos abgeworfene Bombenteppiche widersprechen eigentlich dem Sinn der Konvention von 1907 , doch hatte es den Begriff damals nicht gegeben - und weil nicht ausdruecklich verboten, war es fuer Bomber Harris eine legitime Taktik.


Urspruenglich versuchten sich die Briten ( pre Harris) durch Tagesfluege und Bombardierungen ‘militaerischer’ Ziele ( Rangierbahnhoefe , Haefen) an dieses Prinzip der verteidigten strategischen Ziele zu halten. Hohe Menschen verluste +Materialkosten per deutschen Toten 'zwangen' die Englaender ihre Strategien zu aendern und schnell von moralischen Skrupeln Abstand zu nehmen.

Doch mit der wachsenden Fuerchterlichkeit im Verlauf des Krieges hatten sich alle Seiten weniger bis fast ueberhaupt nicht mehr an Traditionen und Konventionen gehalten.

Major General Curtis LeMay (after the March 9-10 Tokyo bombing)
"There are no innocent civilians. . . .The entire population got into the act and worked to make those airplanes or munitions . . . men, women, and children."

__________________________________________________ __________________________________________________ __________________________________________________ ____________________________________________--CONVENTION WITH RESPECT TO THE LAWS AND CUSTOMS OF WAR ON LAND (HAGUE, II) (29 July 1899)

Article 25
The attack or bombardment of towns, villages, habitations or buildings which are not defended, is prohibited.

Article 26
The Commander of an attacking force, before commencing a bombardment, except in the case of an assault, should do all he can to warn the authorities.

Article 27
In sieges and bombardments all necessary steps should be taken to spare as far as possible edifices devoted to religion, art, science, and charity, hospitals, and places where the sick and wounded are collected, provided they are not used at the same time for military purposes.
The besieged should indicate these buildings or places by some particular and visible signs, which should previously be notified to the assailants.

Prohibiting Launching of Projectiles and Explosives from Balloons (Hague, IV); July 29, 1899

a new declaration on the same subject was signed on October 18, 1907.
The Contracting Powers agree to prohibit, for a term of five years, the launching of projectiles and explosives from balloons, or by other new methods of similar nature.

The present Declaration is only binding on the Contracting Powers in case of war between two or more of them.
It shall cease to be binding from the time when, in a war between the Contracting Powers, one of the belligerents is joined by a non-Contracting Power.
The present Declaration shall be ratified as soon as possible.


Laws and Customs of War on Land (Hague IV); October 18, 1907

Art. 4.
The present Convention, duly ratified, shall as between the Contracting Powers, be substituted for the Convention of 29 July 1899, respecting the laws and customs of war on land.
The Convention of 1899 remains in force as between the Powers which signed it, and which do not also ratify the present Convention.

Art. 25.
The attack or bombardment, by whatever means, of towns, villages, dwellings, or buildings which are undefended is prohibited.

Art. 26.
The officer in command of an attacking force must, before commencing a bombardment, except in cases of assault, do all in his power to warn the authorities.

Art. 27.
In sieges and bombardments all necessary steps must be taken to spare, as far as possible, buildings dedicated to religion, art, science, or charitable purposes, historic monuments, hospitals, and places where the sick and wounded are collected, provided they are not being used at the time for military purposes.
It is the duty of the besieged to indicate the presence of such buildings or places by distinctive and visible signs, which shall be notified to the enemy beforehand.


Bombardment by Naval Forces in Time of War (Hague IX); October 18, 1907

CHAPTER I
The Bombardment of Undefended Ports, Towns,
Villages, Dwellings, or Buildings

Article 1.
The bombardment by naval forces of undefended ports, towns, villages, dwellings, or buildings is forbidden.
A place cannot be bombarded solely because automatic submarine contact mines are anchored off the harbour.

houndstooth
04.04.2004, 13:17
Amida Temudschin
Daß schweizer Banken Geschäfte mit Hitler gemacht haben, ist inzwischen bewiesen, .
Sehr gewiss sogar!!
Amida Temudschin
aber soweit ich weiß wurde die Schweiz nicht genutzt, um zu importieren,.
Das war ihr einziger Zweck: als Golddrehscheibe die die damals einzig internationala Valuta , den SF, zum Kauf von stategisch wichtigen Rohmaterialien wie Chrom aus der Tuerkei und dem Balkan , Oel aus Ploesti, Wolfram aus Portugal und Spanien , Eisenerz und Kugellager aus Schweden verrechnet hatte.

Amida Temudschin
weshalb man weiterhin auf die Autarkie angewiesen war.


Fuer den Innenhandel - auf Pump .,.[/QUOTE]

Amida Temudschin
Der Handel mit der Schweiz brachte Deutschland zwar Devisen, aber dieses Kapital konnte man nicht nutzen, da man ansonsten vom Welthandel ausgeschlossen war, weshalb ich nicht glaube, daß die Schweiz den Krieg sonderlich verlängert hat.

Well, siehe oben. Welthandel ist richtig, jedoch nicht 'neutrale Staaten' . Und auch die standen auf H. Abschussliste : nach Russland waere die Tuerkei dran gewesen...

Bezueglich die mehr als fragwuerdige Rolle der Schweizer National Bank , moegen ein paar Einstellungen spaeter von Interesse sein.

houndstooth
04.04.2004, 13:31
Siran
Jein. Es ist ein Fakt, dass Deutschland 1939 vor dem Staatsbankrott stand. Wäre kein Krieg gekommen, dann wäre Deutschland ohne Frage in Zahlungsschwierigkeiten gekommen. Die finanzielle Lage Deutschlands war auch ein Grund dafür, warum bereits vor dem 2. Weltkrieg Löhne und Preise eingefroren wurden, um eine Inflation zu verhindern.

Allerdings erklärt sich der Staatsbankrott dadurch, dass Hitler auf einen Krieg hingearbeitet hat. Ein nicht geringer Teil der Staatsfinanzen floss ja direkt in die Rüstung.

Total richtig!
Hitler’s Finanzgenie Hjalmer Schacht warnte H in einem Brief, dass die Reichsbank praktisch pleite war. Bis 1938 wurden an die Ruestungsindustrie praktisch wertlose Wechsel in Hoehe von 12 Milliarden Mark geschrieben.

Mit dem ‘Anschluss’ Oesterreichs wurden dann mal wieder einige Regale in Berlin mit Goldbarren gefuellt, Tschechiches Gold blieb in der Tschechoslowakei, wurde aber dem Guthaben der RB zugerechnet.

Der Goldbestand der RB betrug daher am 1. Sept. 1939 :
ausgewiesene Res. $ 31,1 Millio. ,
stille Res. $ 82,7 Milli
Oesterreichiches Raub Gold $ 99 Milli.;
Tschech. Raub Gold $ 33,8 Mill.;
deut. Notenbanken $ 12,1 Millionen.
Total , $ 258,7 Mill.

( Stille Reserven= in 1933 v. Hjalmer Schacht auf verschiedene Konten verteilte Goldreserven als Beitrag zur geheimen Kriegsvorbereitung.)

(Im Juli 1933 gab D. den Goldstandard zur Waehrungsdeckung auf , es wurde die Devisenzwangswirtschaft eingefuehrt . Damals hatte Deutschland nach dem Verlust seiner Kolonien , Versaille Reparationszahlungen in Gold
und Weltwirtschaftskrise im Dez. 33 gerade mal $ 31,1 Milli.( $ 340 Millio. heutiger Goldwert) Gold im Schrank.
Die Summe blieb waehrend der gesamten Kriegsdauer Konstant.
Heute bekommt man fuer $340 Mill. gerade mal das Fahrwerk fuer einen einzigen B-2 Bomber….)

houndstooth
04.04.2004, 13:36
Axel Foley
Man darf auch nicht vergessen, dass der Krieg 1939 begonnen werden musste
“ musste”…..hoert sich an wie : “ Was blieb uns anderes uebrig, wir wollten nicht, doch “ mussten” einen Krieg anzetteln. Ist bestimmt nicht so gemeint , aber man koennte es als revisionistisches Apologiat verstehenn….
Axel Foley
aus wirtschaftlicher Sicht.
Den die jahrelangen Kredite und "Wechsel" mit den Banken, die zahlreichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Aufrüstung und der Wohlstand Deutschlands hatten das 3.Reich in eine wirtschaftliche Sackgasse manövriert.
1939 gab es nur noch 2 Alternativen :

1.Staatsbankrott
2.Krieg


Die Logik dreht sich hier im Kreis, denn haetten die Nazis nicht so irrsinnig aufgeruestet , haetten sie nicht vor dem Staatsbankrott gestanden . Und man ruestet sich nicht mit Angriffswaffen auf ,um bankrott zu werden .
Krieg als Revanche hatte sich in Hitlers Matschbirne seit 1918 eingenistet.

Saratoga
04.04.2004, 13:37
A.H. & Crew versuchte 1940 z.B. durch Bombardierung Coventry zu demonstrieren dass Widerstand den ’ ueberlegenen Herrenmenschen’ gegenueber selbstmoerderisch sei

Wem nützen diese Lügen? Der Angriff auf Coventry hatte nur militärische Ziele zum Ziel ,und ausserdem flog die RAF schon Monate vorher Angriffe auf deutsche Städte!

Deutsche waren zu obrigkeitshoerig, zu mesmerisiert von einem charismatischen Scharlatan der Zucker versprach und Peitsche verteilte , darum bewiesen nur relativ wenige Deutsche Zivilcourage. der Rest war zu sehr veraengstigt, eingeschuechtert, resigniert und teilnahmslos .

Nein ,sie konnten deshalb nicht demoralisiert werden ,weil die deutschen von damals ein tapferes Volk waren!

Hinzu kommt noch das die Menschen erkannten das England ,das Deutschland Zweimal in einer Generation den Krieg erklärte- nicht Hitler ,sondern Deutschland vernichten wollte. Der Bombenterror gegen unbewaffnete Städte zeigte dies besonders deutlich.

Strikt gesprochen war es in der Tat kein Kriegsverbrechen !

Der Vernichtung unverteidigter Städte wie Dresden ist in jedem Fall ein KRIEGVERBRECHEN !

Ganz anderes sieht es bei Angriffen auf verteidigte Festungen ,wie Warschau oder Rotterdam aus .

1.Die Allierten begannen den Bombenkrieg und flogen gezielte Vernichtungsangriffe gegen deutsche Städte wie Dresden ,Hamburg und hunderte andere. X(

irrsinnig aufgeruestet

Billigste Allierte Propagandamärchen die sie uns hier auftischen!

Die deutsche Kriegmarine besaß bei Kriegsausbruch gerade mal 28 -Achtundzwanzig- U Boote!!!

Soviel zur gewaltigen Rüstung....vergessen wird auch gerne das Deutschland nach der Schande von Versailles,im Gegensatz zu den europäischen Großmächten, erst eine Armee aufbauen mußte .

fryfan
04.04.2004, 13:45
Die deutsche Kriegmarine besaß bei Kriegsausbruch gerade mal 28 -Achtundzwanzig- U Boote!!!


trozdem waren sie verdammt erfolgreich...

houndstooth
04.04.2004, 13:46
Angesichts der wichtigen wirtschaftlichen und
politischen Bedeutung des Goldes und der durch die systematische Raub- und Plünderungswirtschaft
des NS-Staates aufgeworfenen moralischen Fragen hat die Kommission beschlossen,
erste Ergebnisse ihrer Untersuchung zu präsentieren.
[….]
Die Schweizer Akteure hatten [….] nicht begriffen, welche
Verbrechen und welche tragischen Schicksale sich hinter ihren Worten, ihren Argumenten,
ihrem Kalkül, ihrer Engherzigkeit und ihrer Überzeugung verbargen.

Jean-François Bergier Präsident
Unabhängige Expertenkommission
Schweiz – Zweiter Weltkrieg



1941 erklärte Walther Funk unverblümt:
«Das hierzu erforderliche Gold werden wir nach Beendigung dieses Krieges besitzen.»
Da allerdings schon in der Ära Schacht mit der Rücklage einer versteckten Goldreserve für den Kriegsfall begonnen worden war, wies dieReichsbank offiziell nur einen Gegenwert von 70,8 Millionen Reichsmark aus.Dieser Wert
blieb trotz umfangreicher Beutezüge des Dritten Reichs auch später konstant.

Der tatsächliche Goldbestand der Reichsbank lag – wie Akten des Vierjahresplanes belegen, die sich im«Sonderarchiv» in Moskau befinden – vor Kriegsausbruch um ein Vielfaches höher .Dass das gelbe Metall infolge seiner
Wandelbarkeit zusätzlich die Möglichkeit bot, die Spuren seiner Herkunft zu verwischen, war ein weiterer wichtiger Aspekt, der für die Machthaber des NS-Staats und für andere Staatenvon nicht zu unterschätzender Bedeutung war.
Unabhängige Expertenkommission
Schweiz – Zweiter Weltkrieg

Saratoga
04.04.2004, 13:49
trozdem waren sie verdammt erfolgreich...

Natürlich ,denn es handelte sich um deutsche Uboote mit deutschen Soldaten an Bord.

Sie kämpften einen heldenhaften aber zuletzt leider aussichtslosen Kampf gegen die Allierten Kriegsflotten.

Das einzige was wir tun können ist ,dafür zu sorgen das das Gedenken an diese tapferen Helden niemals ein Ende findet,und ihr Opfer nicht umsonst war.

fryfan
04.04.2004, 13:59
Natürlich ,denn es handelte sich um deutsche Uboote mit deutschen Soldaten an Bord.

Sie kämpften einen heldenhaften aber zuletzt leider aussichtslosen Kampf gegen die Allierten Kriegsflotten.

Das einzige was wir tun können ist ,dafür zu sorgen das das Gedenken an diese tapferen Helden niemals ein Ende findet,und ihr Opfer nicht umsonst war.

naja, am anfang waren sie sehr erfolgreich und waren dabei england den gar auszumachen, england war schon am existenzrand angekommen, es wurde so gut wie jedes schiff das nach england fuhr oder england verlassen hat von den deutschen versenkt, doch dan haben sie die verschlüselung von den nachrichten entzifern können und so wusten sie wo die deutschen lauerten, und als später das radar erfunden wurde war die zeit der u-boote aus...

houndstooth
04.04.2004, 14:02
Als Umschlagplatz für Gold war die Schweiz für die Reichsbank von zentraler Bedeutung.
So vertrat das deutsche Noteninstitut anlässlich einer Polemik von Joseph Goebbels’ Wochenzeitung «Das Reich» gegen das «Goldland Schweiz» die Auffassung, die Schweiz sei

«praktisch das einzige Land, durch dessen Vermittlung wir heute Devisen durch Gold beschaffen,d. h. noch Gold verkaufen können. – Es geht daher u. E. nicht an, dass man sich in Zeitungsartikeln... über den Goldbestand der Schweiz, der grösstenteils von uns herrührt, mokiert.

Auch machte die Reichsbank 1944 das Argument geltend, dass durch einen allfälligen Wirtschaftskrieg gegen die Schweiz
«unter allen Umständen der Kapitalverkehr in Fortfall [käme]; wir würden dann auch für militärische und andere nicht handelspolitische Belange keine sfrs mehr bekommen; unser Gold würde also für alle uns interessierenden Zwecke wertlos werden.»
Für die schweizerisch-deutschen Finanzbeziehungen spielte Reichsbankvizepräsident Emil Puhl eine Schlüsselrolle.Jahrgang 1889, von 1930 bis 1935 Reichsbankdirektor und Referent für Währungsfragen, war er im Mai 1934 der NSDAP beigetreten. Puhl war kein nationalsozialistischer
Aktivist, aber er engagierte sich für die Zielsetzungen der NS-Goldpolitik.

Dieszeigt seine enge Verbindung mit SS-Obergruppenführer Oswald Pohl,19 der von 1942 bis Kriegsende Chef des SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamtes (WVHA) war. So sorgte der Reichsbankvizepräsident beispielsweise dafür, dass die SS
«ohne Einschaltung der Reichsstelle[für Edelmetalle]» Silber erhielt, das Himmler für Geschenkrahmen benötigte,und er nahm in
der Schweiz persönlich Interessen des WVHA wahr. Puhl schrieb im November 1943 an SSObergruppenführer Pohl:

«In diesen Tagen bin ich gerade von einer Dienstreise nach der Schweiz zurückgekehrt, wo ich unter den heutigen Umständen sehr schwierige Verhandlungen zu führen gehabt habe.Es ist mir eine Freude gewesen, dass bei diesen Verhandlungen auch die von Ihrer Dienststelle herangetragene
Angelegenheit ... erledigt werden konnte. ... Ich freue mich, dass ich auf diese Weise wieder einmal Gelegenheit hatte, eine Ihrer Angelegenheiten zu einem glücklichen Abschluss zu bringen.»

Pohl wiederum bescheinigte Puhl,
«dass Sie mir in jeder Weise bei der Durchführung meiner Aufgabe geholfen haben, und zwar immer gerade in Angelegenheiten, in denen nur Sie allein helfen konnten. Ich weiss auch, dass dies oft für Sie schwierig gewesen ist. Ich würde mich daher freuen, wenn ich meinerseits auch
Ihnen einmal helfend oder beratend zur Seite stehen könnte.»

Unabhängige Expertenkommission
Schweiz – Zweiter Weltkrieg


Al Capohle & Al Capuhle . Puh - was fuer 'Angelegenheiten' moegen das wohl gewesen sein...

Großadmiral
04.04.2004, 14:25
und als später das radar erfunden wurde war die zeit der u-boote aus...

Falsch, das Radar wurde schon vorher erfunden...
Denn als der deutsche Luftkampf gegen England begann, schickte Deutschland tausende Bomber und Stukas nach "Engeland".
Die Briten hatten den Vorteil, an den Küsten Radarstellungen aufgebaut zu haben, um vor einer drohenden Gefahr aus der Luft vorgewarnt zusein.
Dank dieser Stellungen waren die Briten auf den Angriff vorbereitet.

houndstooth
04.04.2004, 14:49
Baerlach:
Was denkt Ihr, hat die damalige Schweiz und ihre Politik einen Einfluss auf den 2. Weltkrieg gehabt?

Die Schweiz nahm eine wichtige Schluesselposition ein : Hitler’s Banker, Trugdrehscheibe, Geldwaescher , Broker , Schieber u.a.

Baerlach:
Es gibt einige Leute, vorallem Anwälte aus den USA, die behaupten,
die haben nur bestaetigt, dass die Banken gelogen, unterstellt, verheimlicht, vertuscht und sich illegal bereichert hatten , ausserdem internationale Bankabkommen gebrochen hatten.

Das allerdings sagte ein vom Schweizer Bundesrat ernanntes Untersuchungsgremium – dem eminente Schweizer Finanzfachmaenner und Juristen angehoerten.

Baerlach:
dass die schweizer Politik und Wirtschaft, insbesondere die Banken den Krieg um Monate, wenn nicht um Jahre verlängert haben.
Um genauer zu sein, die Geldpolitik der Schweizer National Bank ( SNB) in Bern .
Das Statement bezieht sich auf die Rolle die die Direktion der SNB bei der Beschaffung von strategisch wichtigsten Rohmaterialien die zur Waffenherstellung benoetigt wurden , gespielt hatte.

Baerlach:
Ich habe die Frage mit dem Einfluss der Schweiz auch im Zusammenhang der Verlängerung ins Spiel gebracht.
Das Eine istin diesem Zusammenhang synonym mit dem Anderen.

Baerlach:
Also soviel ich weiss, hat die Schweizer Rünstungsindustrie Geschäfte mit der Wehrmacht gemacht.
Stimmt . Garnichts falsch damit.

Baerlach:
Und die Schweizerische Nationalbank hat bzw. soll, ich nenne es "Judengold",
Der offizielle Name ist ‘Opfergold’ , doch auch ‘Raubgold’, ‘Melmergold’ ( nach SS Hauptsturmfuehrer Bruno Melmer ) wird verwendet.
Nicht zu verwechseln mit :
Raubgold ( aus Nationalbanken)
und Pluendergold ( von Privatpersonen).

Baerlach:
darunter gehören Zahngold usw., von der Reichsbank entgegen genommen

haben,
stimmt, kein Problem – wenn es unwissentlich gewesen waere – doch wird's ein grosses Problem wenn wissentlich.
Nachweislich wussten die Direktion der SNB von der kriminellen Goldherkunft, aus diesem Grunde erwaegte sie 1942 das Gold umzuschmelzen um die Herkunft zu verschleiern.

Baerlach:
eingeschmolzen

nein, dass hatten sich die Nazis ihre Pfoten mit dreckig gemacht, auch versehen mit gefaelschtem , zurueckdatiertem Datum auf den Barren.

Baerlach:
und dann in den Welthandel gebracht.
Weil nicht nachweisbar, nicht erwiesen. Allerdings fliess dass konvertierte Gold in die Kassen von 5 neutrale Laender und etwas an diplomatische d. Vertretungen .
Baerlach:
Ob das den Krieg beinflusst hat, wäre eben eine interessante Frage.
Von was redest Du ? “Opfergold? Das an die Reichsbank abgefuehrte Melmergold war damals @ 3 Millionen Dollar wert ( heute @ 33.000.000), @120 KG Feingold , davon wurden zur SNB in Deine Heimatstadt transferiert , der damalige Wert belief sich ‘nur auf SF 600.000 ( heute @ SF 6,600,000 )

Peanuts, verglichen mit dem Gesamtgoldvolumen dass die SNB fuer Hitler in SF , Escudos etc konvertierte = SF 1,700,000,000.

Nun, diese Summe hat den Krieg zweifelsohne ganz gewaltig beeinflusst !
Und auch verlaengert. Beide Behauptungen sind von Albert Speer in seinem Buch gemacht worden. Und der sollte es eigentlich am Besten gewusst haben.

Teile SF 1,700,000,000 durch SF 4869. 80 und Du wirst sehen, wieviel Tonnen geklautes Gold die Nazis in dein Heimatland geschleppt hatten.

Die letzte Sendung war noch kurz vor Kriegsende – um schweizer Hypotheken - und anderen Finanzforderungen nachzukommen…

Baerlach:
Da bin ich ja als Schweizer beruhigt; nicht das wir den Krieg noch "mitverlängert" haben.
Du , sowie eigentlich kein jetzt lebender Schweizer , hast/haben sowieso keinen Grund zur Besorgnis oder Scham - doch umsomehr nur zum Lernen.

Auch Deutsche brauchen sich nicht ueber ihre Vergangenheit schuldig fuehlen - doch sich ueber sie gruendlich informieren ist dringende Pflichtsache.

Ein Grossteil der schweizer Bevoelkerung war schier entsetzt ueber die vergangene Komplizenschaft des schweizer Finanzwesens mit einem der verbrecherischsten Regimes der Menschheit.

Und doch ja, der Krieg wurde leider durch Konvertierungen die ausschliesslich der Waffenherstellung dienten ‘mitverlaengert’ : Mit der konvertierten Valuta konnten sich die Nazis mit Wolfram/Tungsten aus Portugal und Spanien eindecken. Das Metall wird zur Stahlerhaertung bei Waffen wie Kanonenrohre etc. gebraucht. Chromium wurde in der Tuerkei und dem Balkan gekauft , es wird zur Kugellager- und Edelstahlherstellung verwendet , Schweden lieferte Kugellager und sehr viel hochwertiges Eisenerz. .

Alle Angaben basieren auf dem Dollarpreis 1945 von 35 $ pro Feinunze Gold oder $1125 $ pro kgf (kg
Feingold). Der offizielle Ankaufspreis für Gold der SNB waehrend der Naziraubzuege betrug 4869,80 Fr. pro kgf. Daraus ergibt sich ein Wechselkurs von 4,3287 Fr. pro $. 3 Für Reichsmark (RM) wurde ein Wechselkurs von 2,479 RM/$ verwendet.

houndstooth
04.04.2004, 14:57
Wie weit die Kooperationsbereitschaft gegenüber dem militärisch erfolgreichen Deutschland ging, kommt auch in einer Rede von SNB-Generaldirektor Rossy zum Ausdruck, die dieser im Juli 1940 in seiner Funktion als Präsident der
Sektion Bern des Stadtbernischen Handels- und Industrievereins hielt.
Rossy plädierte dafür,sich nicht auf «die passive Anpassung [zu] beschränken», sondern «bewusst seinen Platz in
dieser neuen Welt [zu] suchen».:

«Die Ereignisse dieser letzten Wochen haben die Ordnung der Dinge in Europa vollständig aus dem Gleichgewicht
gebracht und dies, wie mir scheinen will, nicht nur vorübergehend. Die Welt, und mit ihr natürlich auch unser Land,
sehen sich vor neue Verhältnisse gestellt, an die man sich wird gewöhnen müssen. Ich bin zwar der Meinung, dass wir
mit der Gewöhnung und Anpassung allein nicht zum Ziele kommen werden. Unser Land wird vielmehr bewusst seinen
Platz in dieser neuen Welt suchen und bestrebt sein müssen, darin eine aktive Rolle zu spielen. Keinesfalls dürfen wir
uns lediglich auf die passive Anpassung beschränken. Ich glaube kaum, dass wir unserer Aufgabe gerecht werden,
wenn wir versuchen, uns eine neue Ideologie zu schaffen. Nur durch unsere Arbeit werden wir die uns zukommende
Stellung behaupten können. ... Zu diesem Zwecke wird es notwendig sein, rechtzeitig unsere Mitarbeit in dem Kreise
vorzubereiten, in dem wir mitzuwirken berufen sein werden. Diese Vorbereitung scheint um so schwieriger zu sein, als
sie nicht nur von uns allein abhängt, sondern hauptsächlich von der Industrie-, Handels- und Finanzpolitik, die das
Europa von morgen beherrschen wird. Es ist möglich, dass diese Vorbereitung schwerwiegende Umstellungen nach
sich ziehen wird. Vorgängig dieser aktiven Vorbereitung für unseren Eintritt in das Wirtschaftsgebilde des neuen
Europa werden wir jedoch noch eine mit grossen Schwierigkeiten durchsetzte Übergangsperiode durchmachen müssen,
wo es sich darum handeln wird, den Mut nicht zu verlieren. Denn, vergessen wir nicht, dass wir der Schaffung einer
neuen Welt beiwohnen und bekanntlich ist jede Geburt mit Wehen verbunden. Es wird von seiten unserer Behörden
und unserer Wirtschaftsführung eine Initiative erwartet werden müssen, die kühn, aber auch weise abgewogen ist.
Nicht zuletzt wird es einer starken Hand bedürfen, die in der Lage ist, alle diese Anstrengungen zu koordinieren.»
Archiv des Handels- und Industrievereins des Kantons Bern, Protokoll der Hauptversammlung der Sektion Bern,
12.7.1940, S. 2–3. Die Ähnlichkeiten zwischen dieser Rede und der bekannten Radioansprache von Bundesrat Pilet-
Golaz vom 25. Juni 1940 sind auffälllig. Siehe DDS, Band 13, Nr. 318, S. 760–762. Siehe auch Bonjour 1970–1976,
Band IV, S. 115–137.
Unabhängige Expertenkommission
Schweiz – Zweiter Weltkrieg



Allen Goettern im Himmel und wo sie sich sonst noch aufhalten moegen, sei auf beiden Knien fuer immer gedankt dass “ wir der Schaffung einer neuen Welt beiwohnen und bekanntlich ist jede Geburt mit Wehen verbunden ” diese mit starken Wehen verbundene Geburt einer neuen Welt eine Missgeburt war an der sie sich verblutete!

Von Januar 1941
bis Anfang Oktober 1941 rafen bei den privaten Schweizer Geldinstituten gemäss den Berechnungen
der Kommission insgesamt rund 23 Tonnen Gold im Wert von 114 Millionen Franken
ein, während die Nationalbank 12 Tonnen (58 Millionen Franken) erhielt.
Unabhängige Expertenkommission
Schweiz – Zweiter Weltkrieg

Legija
12.04.2004, 16:13
das gehört auch zum zweiten weltkrieg:: :cool:

http://www.us-israel.org/jsource/Holocaust/Jasenovac.html

http://www.pavelicpapers.com/documents/jasenovac/


verzeihen vielleicht,vergessen nie!! :(

houndstooth
27.04.2004, 11:29
das gehört auch zum zweiten weltkrieg:: :cool:

http://www.us-israel.org/jsource/Holocaust/Jasenovac.html

http://www.pavelicpapers.com/documents/jasenovac/(

Und ob es dazugehoert!

Bin dem Inhalt der obigen Webseiten sehr vertraut, mehr noch , die Inhalte der ersten 15 Google Resultate fuer 'Ustasha' fuehren weiter in Geschichtsbereiche wie :

Vatikan Gold
Vatikan Komplizenschaft/Duplizitaet
Rat lines
Vorgaenger der CIA
und Vieles mehr


verzeihen vielleicht,vergessen nie!! : (

Sehr sehr noble Einstellung !!

Legija wird wissen, dass die grosse Mehrheit der kroatischen Bevoelkerung sich nicht mit der ultrafaschistischen-kriminellen Ustasha identifizierte.
Kroaten werden wiederum auf Ueberschreitungen der Chetniks hinweisen.

Das Tragische an der ganzen Situation ist, dass das 'Zerwuerfnis' der beiden Bruedergruppen im dreizehnten Jahrhundert mit der Eroberung Europas durch die Tuerken angefangen hatte ,deren sich die Kroaten mit Erfolg widersetzten ; danach kam der 'Schism' mit der Roemisch Katholischen Kirche und die enge Assoziation Zwischen dem Vatikan und Croatia die den Bruderstreit unnoetig angefacht hatte.

Hoffentlich wurde das letzte Kapitel vor zehn Jahren geschrieben , doch habe ich meine Zweifel darueber. Der Balkan vergisst nicht...

Google Ergebnisse fuer Srdja Trifkovic auch sehr informativ.
Bis dann...Heinz

Nofretete
11.05.2004, 17:56
30.1.
Hitler prophezeit im Reichstag die Vernichtung der jüdischen Rasse.


Wenn es dem internationalen Finanzjudentum inner- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa."

Nofretete
11.05.2004, 17:59
Er hat doch gesagt, dass er nur offizielle Quellen benutzen würde. Dementsprechend ist es nicht wirklich verwunderlich, wenn du vorher schon mal über manches gestolpert bist.



......!

Nofretete
11.05.2004, 18:03
http://schools.4j.lane.edu/twinoaks/cartoon-cow-thumb.jpg

:motz:

http://schools.4j.lane.edu/twinoaks/cartoon-cow-thumb.jpg

Nofretete
11.05.2004, 18:07
http://www.vasectomy-information.com/humour/cartoon.jpg

:lach: :lach: :lach: :lach:


http://www.vasectomy-information.com/humour/cartoon.jpg

Siran
11.05.2004, 18:09
Hast du vor auch noch wirklich was zum Thema zu sagen, oder willst du weiter den Strang vollspammen?

WladimirLenin
11.05.2004, 18:56
@Siran
Wieso löschen sie nicht diese ganzklar sinnlosen Posts von ihr?

luther
13.05.2004, 15:19
Widerkäuer haben ein zähes Leben.
Ich reduziere das Ganze auf die Frage, welche Handlungsalternative die Weimarer Republik, respektive das Reich sagen wir ab 1930 hatte? Eine rein sachliche Untersuchung wirtschaftliche, militärischen, geopolitischen, diplomatischen Situation, die Betrachtung der Gegenheiten in den Nachbarländern, insbesondere die Bewertung der Bestrebungen der Sowjetunion zeigen nur zwei Alternativen, Untergang oder Aufrüstung und Krieg. Es ist sicher einer der Treppenwitze der Weltgeschichte, daß die Wehrmacht und damit letztlich Hitler Europa vor der Bolschewisierung bewahrt hat. Eine Rechtfertigung für die Mittel ist darin nicht enthalten. Wir hätten den Krieg auch ohne die unfaßbaren Untaten verlieren können.

kettnhnd
13.05.2004, 15:28
http://www.vasectomy-information.com/humour/cartoon.jpg

:lach: :lach: :lach: :lach:


http://www.vasectomy-information.com/humour/cartoon.jpg



aaaaaaaaaaaaaaauuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuttttttttt tsssssccchhhh ! :schrei:

Mindernickel
18.05.2004, 22:45
@Topic: Gibts hiervon ne Druckversion? http://zergs4ever.de/smileys/k/60.gif

Wassiliboyd
19.06.2004, 20:35
[QUOTE=houndstooth]A) Wie manifestiert sich denn eine Bevoelkerungs- ‘Demoralisierung’ ?
...Auch vom V1 & V2 Regen ueber London liessen sich die Englaender nicht einschuechtern . Goerings Revanchedrohungen England zu ‘coventrysieren’ , fiel auf taube Ohren dort.
D) Doch auch Bomber Harris’s Plan, die deutsche Zivilbevoelkerung durch Luftterror zu demoralisieren,in die Knie zu zwingen, ging nicht auf:....

______________________


Gegen das "moral bombing" und das Verbrennen der deutschen Städte durch die angloamerikanischen Bomberflotten waren die V1 und V2 doch nur Fliegenschisse, allenfalls sporadische Nadelstiche, die keinerlei Einfluss auf den weiteren Kriegsverlauf hatten.

Wassiliboyd
19.06.2004, 20:41
Warum hätte er Krieg haben wollen? Was hätte ihm das gebracht? Warum sollte jemand ein gerade aufgeblühtes Land in einen kaum zu gewinnenden Weltkrieg treten???

"Ich will den Frieden - und ich werde alles daransetzen, um den Frieden zu schließen. Noch ist es nicht zu spät. Dabei werde ich bis an die Grenzen des Möglichen gehen, soweit es die Opfer und Würde der deutschen Nation zulassen. Ich weiß mir Besseres als Krieg! Allein, wenn ich an den Verlust des deutschen Blutes denke - es fallen ja immer die Besten, die Tapfersten und Opferbereitesten, deren Aufgabe es wäre, die Nation zu verkörpern, zu führen. Ich habe es nicht nötig, mir durch Krieg einen Namen zu machen wie Churchill. Ich will mir einen Namen machen als Ordner des deutschen Volkes seine Einheit und seinen Lebensraum will ich sichern, den nationalen Sozialismus durchsetzen, die Umwelt gestalten."
Adolf Hitler nach Beendigung des Frankreich-Feldzuges in einem Gespräch mit seinem Architekten Prof. Hermann Giesler, Giesler: "Ein anderer Hitler", Seite 395


"Hitler und das deutsche Volk haben den Krieg nicht gewollt.Wir haben auf die verschiedenen Beschwörungen Hitlers um Frieden nicht geantwortet. Nun müssen wir feststellen, daß er recht hatte. An Stelle einer Kooperation Deutschlands, die er uns angeboten hatte, steht die riesige imperialistische Macht der Sowjets. Ich fühle mich beschämt, jetzt sehen zu müssen, wie dieselben Ziele, die wir Hitler unterstellt haben, unter einem anderen Namen verfolgt werden."
Sir Hartley Shawcross,
der britische Generalankläger in Nürnberg(vgl. Shawcross "Stalins Schachzüge gegen Deutschland", Graz, 1963)


Warum schreit er so laut?
Hört ihn sonst niemand?? :wand:

Wassiliboyd
19.06.2004, 21:04
Hitler und Heß sind blindlings in eine Falle des britischen Geheimdienstes getappt. Der Trick war ebenso perfide wie genial. Hitler und der deutschen Diplomatie wurde vorgetäuscht, es gäbe in England eine Friedenspartei, die nur darauf warte, Churchill zu stürzen, um dann mit Deutschland Frieden zu schließen. Die letzte verzweifelte Möglichkeit den Weltkrieg 1941 zu verhindern, sahen Hitler und Heß in direkten Verhandlungen mit der »britischen Friedensfraktion«. Aber als Heß in Schottland eintraf, brach die Aktion »Herren HHHH« wie ein Kartenhaus zusammen.

warum sind noch tausende Dokumente unter Verschluß wenn die Sache so klar ist ;Siran?


In der Tat ist es bedenkenswert, warum noch immer entscheidende Dokumente zu diesem Thema in UK unter Verschluss gehalten werden.
Warum?

Wassiliboyd
19.06.2004, 21:15
...ich sehe im bombenkrieg über deutschland auch paralleln zu der atombombe auf japan.


Das ist aber sehr zweifelhaft.

Der Bombenkrieg gegen Hitler-Deutschland hatte zwei Hauptziele:

1.
die Rüstung des III.Reichs zu zerstören bezw. wenigstens zu stören
2.
die Moral des deutschen Arbeiters/ der deutschen Zivilbevölkerung zu zermürben und damit auch die Kampfkraft der Wehrmacht zu schwächen und/oder (möglicherweise) Widerstandsgruppen gegen Hitler zu ermutigen.

Die Atombomben auf Japan hatten zwar auch das Ziel, Japan zur Kapitulation zu zwingen, aber ein weiterer Grund für den Abwurf war m.E. Stalin ein Zeichen zu geben und ihn zu warnen.

Großadmiral
27.06.2004, 10:35
2.die Moral des deutschen Arbeiters/ der deutschen Zivilbevölkerung zu zermürben und damit auch die Kampfkraft der Wehrmacht zu schwächen und/oder (möglicherweise) Widerstandsgruppen gegen Hitler zu ermutigen.

Wobei sich dieser Punkt in den Vordergrund spielt.
Dresden z.B., dort starben in einer Nacht mehr als 300.000 Menschen.
Das Ziel dieser "Aktion" war genau der Grund, welchen Sie hier gebracht haben.
Man wollte gewissermaßen die deutschen Arbeitermoral zermürben, was letztenendlich zu der Kapitulation geführt hatte, unter anderem.
Churchill war absolut dieser Ansicht, man müsse dem Reich einen unheilbaren Schaden hinzufügen.
Das taten sie mit Dresden.
Punkt 1 von Ihnen spielt ebenfalls eine Rolle, doch sehe ich den Punkt 2 als wichtiger an.
Denn manchmal ist die Moral wichtiger als die Kampfmittel...
Ich könnte jetzt einmal ein Beispiel von Panzerkommandant Michael Wittmann äußern, jedoch gehört dies nicht zum Thema.

Siran
27.06.2004, 11:55
Dresden z.B., dort starben in einer Nacht mehr als 300.000 Menschen.


Hast du dafür auch eine ordentliche Quelle? Offizielle Angaben sprechen nämlich von 35.000 identifizierten Opfern und insgesamt, einschließlich der unidentifizierten Opfer, von 60.000 Opfern.

Großadmiral
27.06.2004, 12:31
Na, dann habe ich mich geirrt.
Dann waren es eben nur 60.000 Opfer...:rolleyes:

Rorschach
27.06.2004, 12:36
Na, dann habe ich mich geirrt.
Dann waren es eben nur 60.000 Opfer...:rolleyes:
"Nur" hat doch keiner gesagt.
Aber den Unterschied zwischen 300.000 und 60.000 sollte man doch erkennen. :rolleyes:

Großadmiral
27.06.2004, 12:39
Jaja, die Rolleyes Partie geht weiter...
Naja, ich hatte irgendwie die Zahl 300.000 im Kopf, weis auch nicht..
Kein Grund zur Sorge, alle schön locker bleiben...

derNeue
27.06.2004, 13:11
G.A. hat recht:
Die meisten Untersuchungen gehen heute von ca. 300.000 Opfern aus.
Die Zahl 30.000 war wohl eine bewußte "Verharmlosung" nach dem bekannten Muster.

Siran
27.06.2004, 13:18
G.A. hat recht:
Die meisten Untersuchungen gehen heute von ca. 300.000 Opfern aus.
Die Zahl 30.000 war wohl eine bewußte "Verharmlosung" nach dem bekannten Muster.

Im Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht vom Februar 1945 werden für den internen Gebrauch „circa 60.000 Tote“ genannt.
Die Neue Zürcher Zeitung vermutete am 17. Februar 1945 in einem Bericht ihres Berliner Korrespondenten 50.000 bis 70.000 Tote.
m Oktober 1954 veröffentlicht die Wehrwissenschaftliche Rundschau Nr. 10/53 einen Beitrag vom Generalmajor der Feuerschutzpolizei a. D. Hans Rumpf, der 60.000 Tote schätzt, was er in seinem Buch „Das war der Bombenkrieg“, dem ersten Versuch von deutscher Seite, den Luftkrieg gegen Deutschland darzustellen, wiederholt.
„Referat für Fremdenverkehr beim Rat der Stadt Dresden“ Ausgabe 1960/61 „35.000 identifizierte Leichen“.
Die Brockhaus-Enzyklopädie 17. Auflage nennt Anfang der sechziger Jahre 60.000 Tote.
„Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg“ erschienenen 1963, Herausgegeber Erich Hampe: 60.000 Tote.
Statistische Bundesamt in seiner amtlichen Veröffentlichung „Wirtschaft und Statistik“ Heft 3/März 1962 - 60.000 Tote.

So, und jetzt möchte ich ein paar Quellen für die 300.000 haben...

derNeue
27.06.2004, 13:22
Im Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht vom Februar 1945 werden für den internen Gebrauch „circa 60.000 Tote“ genannt.
Die Neue Zürcher Zeitung vermutete am 17. Februar 1945 in einem Bericht ihres Berliner Korrespondenten 50.000 bis 70.000 Tote.
m Oktober 1954 veröffentlicht die Wehrwissenschaftliche Rundschau Nr. 10/53 einen Beitrag vom Generalmajor der Feuerschutzpolizei a. D. Hans Rumpf, der 60.000 Tote schätzt, was er in seinem Buch „Das war der Bombenkrieg“, dem ersten Versuch von deutscher Seite, den Luftkrieg gegen Deutschland darzustellen, wiederholt.
„Referat für Fremdenverkehr beim Rat der Stadt Dresden“ Ausgabe 1960/61 „35.000 identifizierte Leichen“.
Die Brockhaus-Enzyklopädie 17. Auflage nennt Anfang der sechziger Jahre 60.000 Tote.
„Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg“ erschienenen 1963, Herausgegeber Erich Hampe: 60.000 Tote.
Statistische Bundesamt in seiner amtlichen Veröffentlichung „Wirtschaft und Statistik“ Heft 3/März 1962 - 60.000 Tote.

So, und jetzt möchte ich ein paar Quellen für die 300.000 haben...

Die Zahlen kenne ich alle auch.
Muß jetzt leider arbeiten.
Liefere meine Zahlen aber später nach... :)

l_osservatore_uno
27.06.2004, 17:42
So, und jetzt möchte ich ein paar Quellen für die 300.000 haben...

... die Zahl 60.000 ist wahrscheinlich genauer ermittelt als JENE Zahl, die einem 'anderen Menschheitsverbrechen' - bei Strafandrohung im Falle der Zuwiderhandlung - zugeordnet werden MUSS!

Enzo

Konfuzius_sagt
27.06.2004, 19:07
... die Zahl 60.000 ist wahrscheinlich genauer ermittelt als JENE Zahl, die einem 'anderen Menschheitsverbrechen' - bei Strafandrohung im Falle der Zuwiderhandlung - zugeordnet werden MUSS!

Enzo
jaja, der angriff auf dresden is wohl immer noch die ultimative rechtfertigung für 13 jahre nazi-diktatur, 6 jahre krieg, 55 millionen toten usw.
na klar, der angriff war zu dem zeitpunkt militärtaktisch übertrieben, unnötit und eine humane katastrophe. nur haben die opfer es auch ihrer "führung" zu verdanken, das ihre stadt brennen musste. ersteinmal grundsätzlich, da sie den krieg begonnen hatten und die bevölkerung für den gegenangriff hinhalten musste, und außderdem das sie starköpfig einen längst verlorenen krieg weiter führten, der an sinnlosigkeit durch nichts zu überbieten war.
die opfer waren schuldlos und ein weiters opfer des faschismuswahns!

l_osservatore_uno
27.06.2004, 19:19
jaja, der angriff auf dresden is wohl immer noch die ultimative rechtfertigung für 13 jahre nazi-diktatur, 6 jahre krieg, 55 millionen toten usw.
na klar, der angriff war zu dem zeitpunkt militärtaktisch übertrieben, unnötit und eine humane katastrophe. nur haben die opfer es auch ihrer "führung" zu verdanken, das ihre stadt brennen musste. ersteinmal grundsätzlich, da sie den krieg begonnen hatten und die bevölkerung für den gegenangriff hinhalten musste, und außderdem das sie starköpfig einen längst verlorenen krieg weiter führten, der an sinnlosigkeit durch nichts zu überbieten war.
die opfer waren schuldlos und ein weiters opfer des faschismuswahns!

... ich mal ganz ehrlich sein soll, Herr Konfusionsrat, dann muss ich leider sagen, dass Du vermutlich meinen Beitrag praktisch gar nicht verstanden hast.

Also ... wie immer eigentlich!?

:D

Liegt das nun an mir, oder doch an Dir?

:D

Enzo

Fars
28.06.2004, 10:13
... die Zahl 60.000 ist wahrscheinlich genauer ermittelt als JENE Zahl, die einem 'anderen Menschheitsverbrechen' - bei Strafandrohung im Falle der Zuwiderhandlung - zugeordnet werden MUSS!

Enzo
Hallo, Enzo!

Wo steht diese Zuordnung einer Zahl zu "einem anderen Menschheitsverbrechen"?
Und für was für einer Art von Zuwiderhandlung gibt es Strafandrohung?

Soviel zu deiner klaren Ausdrucksweise! :2faces:

Gruß Fars

l_osservatore_uno
28.06.2004, 10:21
Hallo, Enzo!

Wo steht diese Zuordnung einer Zahl zu "einem anderen Menschheitsverbrechen"?

Und für was für einer Art von Zuwiderhandlung gibt es Strafandrohung?

Soviel zu deiner klaren Ausdrucksweise! :2faces:

Gruß Fars

... "klare Ausdrucksweise" ist - bedauerlicherweise - dem 130er geschuldet, lieber Fars.

:D

Und ich glaube, Du weißt das ganz genau - Du altes Schlitzohr!

:D

Enzo

Fars
28.06.2004, 10:56
Hallo, Enzo! :D

Eine klare Ausdrucksweise - mit Belegen oder zumindest mit Verweis auf Belege - ist über jeden Verdacht erhaben. Insofern ist der Verweis auf § 130 StGB eine Ausrede.
Holocaust-Leugner heißen nicht umsonst so: Sie können den Holocaust nicht widerlegen.

Gruß Fars

l_osservatore_uno
28.06.2004, 11:18
Hallo, Enzo! :D

Eine klare Ausdrucksweise - mit Belegen oder zumindest mit Verweis auf Belege - ist über jeden Verdacht erhaben. Insofern ist der Verweis auf § 130 StGB eine Ausrede.
Holocaust-Leugner heißen nicht umsonst so: Sie können den Holocaust nicht widerlegen.

Gruß Fars

... weiß nun wirklich nicht zu sagen, lieber Fars, wer von uns beiden mit der 'praktischen Anwendung' des 130er mehr Erfahrung hat!

Meine Mutmaßung: Ich? :D

Enzo

houndstooth
28.06.2004, 12:46
Zitat von Siran
Im Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht vom Februar 1945 werden für den internen Gebrauch „circa 60.000 Tote“ genannt.

Siehe Hans Rumpf : „ Das war der Bombenkrieg, Hamburg 1961, s. 109.- Die Zahl 60.000 wurde auch im OKW angenommen : Quelle : KTB/OKW , Band IV ,1. Halbband S. 970, Anhang „Der Luftkrieg“.


Zitat von Siran

Die Neue Zürcher Zeitung vermutete am 17. Februar 1945 in einem Bericht ihres Berliner Korrespondenten 50.000 bis 70.000 Tote.
m Oktober 1954 veröffentlicht die Wehrwissenschaftliche Rundschau Nr. 10/53 einen Beitrag vom Generalmajor der Feuerschutzpolizei a. D. Hans Rumpf, der 60.000 Tote schätzt, was er in seinem Buch „Das war der Bombenkrieg“, dem ersten Versuch von deutscher Seite, den Luftkrieg gegen Deutschland darzustellen, wiederholt.
„Referat für Fremdenverkehr beim Rat der Stadt Dresden“ Ausgabe 1960/61 „35.000 identifizierte Leichen“.
Die Brockhaus-Enzyklopädie 17. Auflage nennt Anfang der sechziger Jahre 60.000 Tote.
„Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg“ erschienenen 1963, Herausgegeber Erich Hampe: 60.000 Tote.
Statistische Bundesamt in seiner amtlichen Veröffentlichung „Wirtschaft und Statistik“ Heft 3/März 1962 - 60.000 Tote.

So, und jetzt möchte ich ein paar Quellen für die 300.000 haben...

Aus dem Kapitel 12 ; Seiten 213- 231 ; Goetz Bergander ; Dresden Im Luftkrieg.



[...]
1939 hatte Dresden 630.000 Einwohner. Im Gegensatz zu den bombengefaehrdeten Staedten , deren Bevoelkerung durch Ausbombung und Evakuierung schrumpfte, wird in Dresden fuer das Jahr 1944 eine Zunahme der Einwohner auf 700.000 festgestellt [*1]
[...]
1941 besass Dresden rund 233.000 Haushaltungen, davon 194.000 Familienhaushaltungen und zwar mit knapp drei Personen je Haushalt [*2]
[...]
16. Feb. 1945 : KTB des OKW „ Im Transportwesen sind durch den Ausfall von Cottbus und Dresden neue Schwierigkeiten zu verzeichnen. Hier sind noch einige hunderttausend Fluechtlinge abzutransportieren.[*3]
[...]
Dazu 200.000 neue Fluechtlinge plus , um alle Eventualitaeten einzubeziehen, 50.000 Menschen , unter denen man sich frueher haengengebliebene Fluechtlinge, die Verwundeten in Sanatorien, Lazaretten, Reserve- und Hilfslazaretten und die Kriegsgefangenen vorzustellen hat, sowie die Soldaten auf der Durchfahrt, die in den Kinos in der Prager Str. gesammelt wurden. Tatsaechlich ergibt das 950.000 Menschen in Dresden fuer den 13.Februar 1945, das sind 320.000 mehr als 1939.
[...]
Im Maerz hat man einen groben Ueberblick, aber die ihn haben, die Verantwortlichen von Polizei, SS und Partei, sind zum Schweigen verpflichtet. Nur in ihren Meldungen sprechen sie im Klartext.
[...]
Aber schon am naechsten Tag { 17.2.1945} veroeffentlichte >.Svenska Morgonbladet<< die oben genannte zahl von 2,5 Millionen Menschen in Dresden . {...} Die Zahl der Todesopfer war bedeutend groesser , als man angenommen hatte. gegenwaertig spricht man von 100.000 Toten.[*4]
[...]
Die Geruechte wuchern weiter. Zehn Tage nach den Angriffen ist in ..Svenska Dagbladet<< zu lesen: „ Wie viele Menschen ihr Leben lassen mussten, weiss niemand mit Sicherheit... aber nach Angaben, die einige Tage nach der Zerstoerung gemacht wurden, liegt die Zahl naeher bei 200.000 als bei 100.000 [*5]
[...]
Die in all den Buechern und Artikeln angestellten Schaetzungen ueber die Toten von Dresden ergeben eine wild gezackte Fieberkurve. Abermals stoesst man auf Rodenberger’s Buch.....dabei einen ominoesen Bericht zitierend: >>Der stellvertretende Leiter des Propagandaamtes diktierte seiner Sekretaerin in einem Bericht nach Berlin woertlich: „ Die Zahl der schaetzungsweise bei den Angriffen ums leben gekommenen Menschen wird mit 350.000 bis 400.000 geschaetzt.....Der ‚’woertlich diktierte Bericht des stellvertretenden leiters des Propagandaamtes Sachsen ist als Quelle in keinem Archiv greifbar; e wurde gleichwohl von anderen Authoren fuer bare Muenzen genommen.
[...]
Zehn Jahre nach den Angriffen werden folgende Verluste zur Diskussion gestellt : „ Die erste Zahl der opfer die um die welt ging , lautete 300.000 bis 400.000... Sie stand im Bericht des Dresdner gaupropagandaamtes
[...]
Auch das soeben in deutscher Sprache erschienene Buch des Englaenders F.J.P. Veale, „ Der Barbarei Entgegen“ , gibt die Toten von Dresden mit 300.000 bis 500.000 an,
[...]
Nach offiziellen deutschen Unterlagen werden in „ Bilanz des Zweiten Weltkrieges“ als vorsichtige schaetzung 80.000 angegeben. in anderen deutschen schilderungen, wie Thorwalds Buch „ Es Begann An Der Weichsel“ werden Zahlen zwischen 40.000 und 50.000 genannt. [*6]
[...]
So zackt sie weiter aus die Fieberkurve des Schreckens: 300.000 Tote in der Zeitschrift ‚Aktuell’ 1962 . [*7]
[...]
Am nachdruecklichsten trat Walter Weidauer 1965 fuer eine Endzahl von 35.000 Toten ein. Ein Jahr spaeter lieferte ihm der Zufall den Beweis , dass seine These der Wirklichkeit am naechsten kommt [*8]
[...]
Am 22. Maerz 1945 erliess der hoehere SS- und Polizeifuehrer Elbe einen Tagesbefehl Er enthielt eine personen- und Sachschadenaufstellung der vier Februar-Luftangriffe:
„“ Tagesbefehl Nr.47 ( D. Hoeh. SS- und Pol- Fhr. Elbe, Befehlsstand der ordnungspolizei ), Dresden, 22.3.1945 ....“ Bis zum 20.3.45 abends wurden 20.204 Ge4fallene, ueberwiegend Frauen und Kinder geborgen. Es ist damit zu rechnen , dass die Gesamtzahl der Gefallenen bis auf 25.000 ansteigen wird.
[...]
...jetzt die Kopie eines elfseitigen ‚Schlussberichtes“... der vom regionalen Polizeichef ( Hoehere SS- und Polizeifuehrer verantwortlich fuer Zivilschutzmassnahmen in dresden) ca. einen monat nach den Angriffen auf Dresden geschrieben wurde. Die Authentizitaet dieses Dokumentes steht ausser Zweifel...Die ausschlaggebende Stelle heisst : >> Bis 10.3. 1945 frueh fstgestellt; 18.375 Gefallene, 2212 Schwerverwundete, 13.718 Leichtverwundete. 350.00 Obdachlose und langfristige Umquartierte<<
35.000 Personen wurden als vermisst gemeldet.
[...]
Der Zufall wollte es, dass im Bundesarchi Koblenz Dr. Boberach das Ergaenzungsstueck unter 25.000 Akten des Reichsfinanzministeriums entdeckte. Es ist die Lagemeldung Nr. 1404 des Chefs der Ordnungspolizei Berlin vom 22. Maerz 1945 . Unwesentlich gekuerzt enthaelt sie den zwoelf tage vorher verfassten und unterzeichneten Text { des SS- und Polizeifuehrer Elbe}.
[...]
Wer noch immer von 200.000 oder 300.000 Opfern spricht, der unterstellt, dass ca. 165.000 oder 265.000 leichen in den kellern liegengebleben sind. was wurde aus ihnen bei der truemmerberaeumung und beim Neuaufbau? Wurden alle ‚eingewalzt’?
[...]




[*1] Der Rat der Stadt Dresden , Dezernat bauwesen, Planungsgrundlagen, Planungsergebnisse. Dresden 1950. S.15
[*2] ebenda
[*3] KTB/OKW Band IV , 2. Halbband, Lagebuch 16 .2. 1945, S. 1100
[*4 ] Svenska Morgonbladet, 17.2. 1945 , aaO.
[*5] Svenska Dagbladet , 25.2.1945; aaO.
[*6] Holm : Dresden. Wie kam es zu dem Bombardment? , aaO.
[*7] „Aktuell“, Muenchen , Heft 6/1962
[*8] Weidauer, aaO., 1. Aufl. 1965; der Beweis in der 2. Aufl. 1966 , S. 114 ff.

Persoenlich nehme ich an , dass insgesamt an den Folgen der 3 grossen Angriffe auf Dresden ~ 50.000 Menschen zum Opfer fielen.

14. Feb. 1945 = 311 angreifende Flugzeuge = 771 Tonnen abgeworfene Bombenlasten
15. Feb. 1945 = 210 angreifende Flugzeuge = 462 Tonnen abgeworfene Bombenlasten
17. April. 1945 = 590 angreifende Flugzeuge = 1.732 Tonnen abgeworfene Bombenlasten .

Als wirklich krasse Obszoenitaet empfinde ich den ‚coup de grace’ am 17. April 1945 fuer den nun wirklich und absolut keine militaerische Logik bestand. Es war schierer Hass. Was konnten 35% mehr abgeworfene Bomben als am ‚Valentinsday’ ueber eine ausgebrannte Stadt mit shell shocked Zivilisten schon bezwecken? Zu dieser Stunde wurde schliesslich schon ueber die bevorstehende Kapitulation 21 Tage spaeter verhandelt. Ein Menschenrechtsverbrechen dass alle seiner Definitionen erfuellt...
Auch das Argument Stalin beeindrucken zu wollen war Rubbish.

houndstooth
28.06.2004, 12:56
Anlaesslich des bald erscheinenden 60. Jahrestages des grossen Attentates auf Hitler ( vier insgesamt/).

Der folgende Artikel erschien erschienen am: 15. 07. 2001

Channel: Politik

Bereich: Zeitgeschehen in der 'Welt'.

Leider kann ich es nicht im Weltarchiv finden, sonst haette ich einfach den Link angegeben.

__________________________________________________ _______________________________________________

Warum wir Hitler töten wollten

Am Freitag jährt sich zum 57. Mal das Attentat auf Hitler. Johann Adolf Graf von Kielmansegg, der letzte noch Lebende aus der Gruppe um Stauffenberg, schildert, wie es scheiterte, und was den Geist des preußischen Widerstands auszeichnete

WELT am SONNTAG:

Wie haben Sie persönlich den 20. Juli 1944 erlebt?

Graf Kielmansegg:
Ich wusste, dass etwas passieren sollte, aber nicht, wann und wie das Attentat auf Hitler ausgeführt werden würde. Das wusste man in Kreisen der Verschwörer in Berlin ja noch nicht einmal einen Tag davor. Ich hatte mit Stauffenberg Anfang Juli '44 ein letztes Gespräch geführt, in dem ich ihn - vor allem wegen der Lage an der Ostfront - drängte, doch bitte bald etwas zu tun. Da sagte er zu mir: "Du kannst dich darauf verlassen, es wird bald etwas geschehen." So war ich nicht überrascht, als der Anschlag gemeldet wurde. Mein Stellvertreter teilte mir mit, es sei ein Attentat auf den Führer erfolgt, ich müsse sofort in den Kommandostab kommen. Ich habe dann gegen vier Uhr die Offiziere der Operationsabteilung zusammengerufen. Als uns die Nachricht erreichte, dass Hitler das Attentat überlebt habe, konnte man auf allen Gesichtern ablesen: ‚Wie schade ...' Einen Tag später erlebte ich Hitlers Reaktion bei der Lagebesprechung. Auf eine Frage Himmlers sagte er: "Diese Kerle gehören erschossen, nicht wegen des Verbrechens, das sie begangen haben, sondern wegen der Dummheit, mit der sie es angestellt haben. Solche Sachen macht man anders!"

WamS:

Wussten Sie sofort, dass damit der Putsch gegen Hitler misslungen war?

Graf Kielmansegg:
Ja, natürlich. Es war mir klar, dass diese Aktion nicht mehr zu wiederholen war. Meine Leute in der Operationsabteilung hielten sich diesbezüglich mit ihrer Meinung nicht zurück, denn wir waren ja mit der Realität des Krieges am unmittelbarsten befasst. Wir erlebten doch täglich Hitlers Eingriffe in die Führung. Die erste Reaktion, die ich von außen erhielt, war ein Anruf vom Chef des Stabes der Heeresgruppe Nord, der berichtete, dass sich ein so genannter ‚Baltikum-Kessel" bilden könnte, eine sehr bedrohliche Entwicklung im Nordabschnitt der Ostfront. Dabei fragte er mich, was denn eigentlich in Berlin los sei. Ich konnte ihm über den Stand der Dinge zu diesem Zeitpunkt aber keine Auskunft geben.

WamS:
Sie waren mit dem Hitler-Attentäter Claus Schenck Graf von Stauffenberg befreundet. Wie haben Sie ihn erlebt und wie war Ihre Beziehung zu ihm?

Graf Kielmansegg:
Wir waren Ende der zwanziger Jahre gemeinsam auf der Infanterieschule der Reichswehr in Dresden und anschließend auf der Kavallerieschule in Hannover. Als Jahrgangskameraden legten wir dort die Fahnenjunkerprüfung ab. Da wir einer gemeinsamen Brigade angehörten, sahen wir uns auch bei Übungen. Dass wir befreundet gewesen seien, ist vielleicht zu viel gesagt, wir verstanden uns sehr gut, ich schätzte Stauffenberg als guten Kameraden, auf den man sich verlassen konnte.

WamS:
Bis 1941, angesichts der militärischen Erfolge in Frankreich und Polen, hat Stauffenberg positiv über Hitler gesprochen, wie wir aus persönlichen Dokumenten wissen. Wie haben Sie seinen Wandel zum Hitler-Kritiker erlebt?

Graf Kielmansegg: Dasselbe können Sie von mir sagen. Am Anfang waren wir alle gegen die Nazis, aber nicht gegen Hitler als Person. Der Tag von Potsdam, als der greise Hindenburg den frisch ernannten Reichskanzler Hitler unter Glockenläuten in die Garnisonkirche geleitete, hat uns sehr beeindruckt. Und vergessen Sie nicht, welche Erfolge Hitler außen- und innenpolitisch vorzuweisen hatte, und wie dies nach den Jahren der Weimarer Republik auch auf kritische Menschen wirken musste. Dass er das Unrecht des Versailler Friedensvertrages am konsequentesten anprangerte, wurde ihm hoch angerechnet. Für uns als Soldaten war natürlich besonders eindrucksvoll, wie zielstrebig er den Heeresaufbau betrieb. Der Beginn von Hitlers Herrschaft wurde damals von den Deutschen als ganz normaler demokratischer Vorgang empfunden. Das schreckliche Ende vorauszusehen waren nur wenige befähigt. Stauffenberg gehörte sicher nicht dazu. Er reagierte erst, als der unsittliche Kern der Nazi-Politik nicht mehr zu übersehen war. Seine zunehmende Distanz zum Regime gab sich in den Gesprächen zu erkennen, abends, wenn man im Casino zusammensaß. Wir waren kurz gemeinsam im Oberkommando des Heeres, dann wurde er nach Afrika versetzt.

Der Weg in den Widerstand war bei jedem anders. Für uns beide gilt, dass unsere Einstellung gegenüber Hitlers militärischer Führung immer kritischer wurde. Mein Widerstand - ich scheue eigentlich das pathetische Wort - begann im Herbst 1943 nach dem Scheitern der Operation "Zitadelle", der großen Offensive im Osten, mit der das Blatt noch einmal gewendet werden sollte. Dass Hitler wegmusste, war mir zu diesem Zeitpunkt klar. Ich saß damals mit zwei Generalstabsoffizieren von Feldmarschall Kluge zusammen, und wir sprachen über die militärische Führung. Das Thema Judenverfolgung beschäftigte uns übrigens kaum, man wusste ja fast nichts davon. Die beiden überraschten mich mit der Mitteilung, dass sich bereits eine aktive Widerstandszelle um Henning von Tresckow gebildet hatte. Ich sagte dann, das ist ja recht und gut, aber ohne Berlin und ohne Staatsstreich geht das doch nicht. Dann erfuhr ich, dass alles vorbereitet sei und man auf den günstigsten Zeitpunkt warte. "Der Feldmarschall braucht nur auf den Knopf zu drücken", meinte einer der beiden. Dass Kluge dann doch nicht gedrückt hat, war einer der tragischen Momente der Aktion.

WamS:
Warum haben so viele preußische Offiziere so lange Hitler die Treue gehalten? Von Erich von Manstein stammt der Satz: "Preußische Generäle putschen nicht."

Graf Kielmansegg:
Manstein führte Krieg, und das von Ihnen zitierte Wort bedeutete natürlich, dass man als Patriot seinem Vaterland nicht in den Rücken fallen darf. Im Vordergrund der Befürchtung stand für uns nicht Hitler, sondern der Bolschewismus. Deutschland sollte den Kommunisten nicht zum Opfer fallen. Das war das oberste Gebot für uns alle. Es war die Idee Stauffenbergs, den Westen aufzumachen und die Ostfront um jeden Preis zu halten. Logischerweise weigerte sich Manstein, am Staatsstreich, den er nicht ablehnte, mitzumachen. Er konnte ja seine Heeresgruppe nicht umdrehen - dann wären die Russen in Berlin gewesen.

WamS:
Was war der sittliche Kern des preußischen Widerstandes, wie ihn Stauffenberg oder von Tresckow verkörperten?

Graf Kielmansegg:
Allein neun der Verschwörer waren Schüler der Klosterschule Roßleben. Ich übrigens auch. Acht dieser Männer wurden nach dem 20. Juli hingerichtet. Vielleicht kann man sagen, dass für uns alle die Maxime galt, sich Gott mehr als den Menschen verpflichtet zu fühlen. Das bedeutete natürlich, auch Hitler, auf den man als Soldat den Treueid abgelegt hatte, gegebenenfalls entgegenzutreten.

WamS:
Sie haben als Generalstabsoffizier Hitler die Lage vorgetragen. Wie wirkte sein Führungsstil auf Sie?

Graf Kielmansegg:
Hitler hatte eine große Intelligenz und ein unglaubliches Gedächtnis, vor allem für Zahlen. Und er hatte die Gabe, sein jeweiliges Gegenüber für sich und seine Argumente einzunehmen. Dass Hitler nicht widersprochen worden wäre, stimmt einfach nicht. Ich habe es oft erlebt, dass Generäle ihn korrigiert oder kritisiert haben. Wenn er allerdings entschlossen war, etwas durchzusetzen, dann war nichts zu machen. Er hatte durchaus strategische Ideen, aber er wollte oft nicht wissen, was dagegenstand. Die Hauptschwäche aber war: er entschied nicht oder nicht rechtzeitig. Bei Kampfhandlungen darf nicht gezögert werden, das hätte er als Oberbefehlshaber wissen und beachten müssen.

WamS:
Wie war Hitler als Mensch?

Graf Kielmansegg:
Ich gehöre nicht zu denen, die ihm erlegen sind. Ich zitiere, wenn es um die Beurteilung von Hitlers Charakter geht, gerne aus einem französischen Aufsatz, den ich nach dem Krieg gelesen hatte. Dort hieß es, er sei ein "Genie des Bösen" gewesen. Er hatte tatsächlich die Gabe, bei jedem eine Lücke oder Schwäche zu entdecken, die er für sich und seine Ziele zu nutzen wusste.

WamS:
Der "Bürger in Uniform" ist laut Soldatengesetz verpflichtet, Widerstand zu leisten, wenn ihm Vorgesetzte unrechtmäßige Befehle erteilen. Auch das Grundgesetz räumt dem Bürger in Artikel 20 ein Widerstandsrecht ein. Kann dieses nicht auch von Feinden unserer Ordnung missbraucht werden?

Graf Kielmansegg:
Dieses Widerstandsrecht gab es übrigens auch schon im preußischen Soldatengesetz von 1912. Was die Situation der Bundesrepublik betrifft, lehne ich die leichtfertige Gleichsetzung des Widerstands gegen politisch unerwünschte, aber keinesfalls verfassungswidrige Entscheidungen mit dem Widerstand im Dritten Reich ab. Der so genannte "Widerstand" gegen Startbahn-West, Kernkraftwerke, Castor-Transporte, Volkszählung oder Globalisierung bedeutet nicht nur eine Verfälschung, sondern geradezu eine Verunglimpfung des Widerstands im Dritten Reich.

WamS:
Hätten sich die im Kosovo-Krieg eingesetzten Bundeswehrpiloten auf das Soldatengesetz berufen können, um einen Einsatz ohne UN-Legitimation zu verweigern?

Graf Kielmansegg:
Ich halte solch ein Verhalten zwar nicht unbedingt für legitim, aber es wäre moralisch durchaus verständlich gewesen. Als NATO-Oberbefehlshaber hätte ich es akzeptiert.

Das Gespräch führte Heimo Schwilk


Zur Person: Johann Graf Adolf von Kielmansegg


geboren am 30. 12. 1906 in Hofgeismar/Hessen
1926 Eintritt in die Reichswehr
1942-44 Dienst im Oberkommendo des Heeres
Herbst 1944 Gestapo-Haft in Berlin, danach 1944/45 Kommandeur des Panzergrenadierregiments 111
1950-55 in der Dienststelle Blank, dem Vorläufer des Bundesverteidigungsministeriums
1955-58 "Nationaler Militärischer Repräsentant" der Bundesrepublik im Obersten Hauptquartier der Alliierten Mächte in Europa (Shape)
1960-63 Kommandeur der Panzergrenadierdivision in Sigmaringen
1963-66 Oberbefehlshaber der Verbündeten Landstreitkräfte "Europa Mitte"
1966-68 Oberbefehlshaber der Verbündeten Streitkräfte der NATO "Europa Mitte"

Der Staatsstreich vom 20. Juli

Der von Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 ausgeführte Anschlag auf Hitler war der Schlusspunkt unter einer Reihe erfolgloser Putschversuche des deutschen Widerstands gegen Hitler. Um 12.42 Uhr explodierte im Führerhauptquartier "Wolfschanze" (Ostpreußen) eine von Stauffenberg unter dem Tisch platzierte Bombe. Zu diesem Zeitpunkt waren neben Hitler 23 Personen in der Baracke, vier starben, Hitler überlebte leicht verletzt. In Berlin und an anderen Orten lief eine Staats-streich-Aktion gegen das NS-Regime an. Bis zum Nachmittag schien es, als könnte der Putsch erfolgreich sein. Dann gab Goebbels bekannt, dass der "Führer" das Attentat überlebt habe. Im Bendlerblock wehrten sich die Generäle Ludwig Beck und Friedrich Olbricht sowie Oberst Stauffenberg bis zum Abend gegen Hitler-treue Einheiten. Schließlich wurden sie überwältigt, Beck beging Selbstmord, Stauffenberg, Olbricht und zwei Mitverschwörer wurden standrechtlich erschossen.

Fars
28.06.2004, 13:27
... weiß nun wirklich nicht zu sagen, lieber Fars, wer von uns beiden mit der 'praktischen Anwendung' des 130er mehr Erfahrung hat!

Meine Mutmaßung: Ich? :D

Enzo
Hallo!

Meine Mutmaßung: Du unternahmst den Versuch, etwas zu widerlegen, mit der Annahme zu wissen, was ein Beleg ist. :2faces:
Nur zu deiner Information: Es sind schon zig Verbrechen jener Zeit in nachweislich fälschlicher Weise dem Holocaust zugeordnet worden sind, ohne dass jemand beim Nachweisen mit dem § 130 StGB in Konflikt geriet.

Gruß Fars

Fenek
04.08.2004, 21:13
zu lang. finde ich.

Siran
05.08.2004, 08:20
Der Strang oder der Eingangsbeitrag? Wobei man den 2. Weltkrieg, wenn man eine gewisse Genauigkeit haben will, halt nicht auf einen Abschnitt reduzieren kann. Dazu sind die Zusammenhänge zu kompliziert.

dbddhkp
04.01.2005, 18:33
[QUOTE=Klaus E. Daniel]Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939

[I]Auf Befehl Adolf Hitlers überfiel am 1.9.die deutsche Wehrmacht ohne Kriegserklärung Polen.[I]

Die deutsche Regierung hatte der polnischen ein Ultimatum gesetzt, damit diese einen mit Vollmacht ausgestatteten Verhandlungspartner bezüglich des Korridores und der Freien Stadt Danzig entsenden würde.

Die Zeit drängte, da Polen unrechtmässig Waffen und Partisanen (Soldaten in Post-Uniformen) nach Danzig schaffte und weiterhin Übergriffe gegen deutschstämmige Polen zuließ oder sogar förderte.

Von einem Überfall kann man also kaum sprechen. Dieser Begriff wäre dann richtig, wenn der ANgriff überraschend erfolgt wäre. Er fand jedoch 4:45 Stunden nach Ablauf des Ultimatums statt.

LuckyLuke
04.01.2005, 18:39
Und vorher überfielen die Polen schnell noch den Sender Gleiwitz, weil die genau wussten, dass sie eingequetscht von den Truppen Nazi-Deutschlands und der SU obsiegen.

Klar.

dbddhkp
04.01.2005, 22:06
What the fuck is Gleiwitz?

Diese Geschichte wurde erst beim IMT aufgewärmt. Kein deutsches Regierungsmitglied und keine Zeitung haben vor 1945 von Gleiwitz gesprochen.

dbddhkp
05.01.2005, 16:12
Die Republik Polen begann ihre Existenz mit einem Angriffskrieg gegen die UdSSR, sie förderte militärische Aufstände gegen Deutschland und fragte "zweimal im Jahr" in London an, ob ein Einmarsch der polnischen Armee in die Weimarer Republik politisch erwünscht sei. Sie okkupierte Teile Litauens inklusive der Hauptstadt Wilna und beteiligte sich 1938 an der Zerschlagung der Tschechoslowakei. Innenpolitisch betrieb das faschistische Sanacja-Regime eine aggressive Polonisierungspolitik gegenüber Ukrainern und Weißrussen, sowie eine Politik der ethnischen Säuberung gegenüber der deutschen Minderheit. Offen forderte die polnische Regierung zudem die Entfernung aller Juden aus Polen und entwickelte zu diesem Zweck den bekannten Madagaskar-Plan, den sie auch auf internationalen Konferenzen durchzusetzen versuchte.

Gleichzeitig, und für das Jahr 1939 besonders wichtig, spekulierte diese Regierung auf eine militärische Katastrophe Deutschlands in einer Auseinandersetzung mit den Westmächten, aus der als Gewinn für Polen nicht weniger als Ostpreußen, Schlesien und Pommern hervorgehen sollten, wie der polnische Außenminister Beck im Sommer 1938 gegenüber Carl J. Burckhardt zugab. So konnte Polen im März 1939 mit der Mobilisierung beginnen und so konnte der polnische Botschafter in Berlin am Morgen des 31. August 1939 davon ausgehen, sich nicht für deutsche Verhandlungsangebote interessieren zu müssen, da die polnischen Truppen bald auf Berlin marschieren würden.

Yaku79
14.02.2005, 12:32
Hi @ all,

ich habe da mal eine Frage und zwar:

könnt ihr mir die genauen Zahlen der Gefallen nennen der Alliierten (Russland,Frankreich, England, CAnada und USA)? habe schon das I-Net durchwühlt und nichts brauchbares gefunden.

Ich bedanke mich schonmal im voraus.

mfg Yaku79

Nationalist
17.03.2005, 01:35
Hi @ all,

ich habe da mal eine Frage und zwar:

könnt ihr mir die genauen Zahlen der Gefallen nennen der Alliierten (Russland,Frankreich, England, CAnada und USA)? habe schon das I-Net durchwühlt und nichts brauchbares gefunden.

Ich bedanke mich schonmal im voraus.

mfg Yaku79



Land Soldaten Verluste Verwundet

Australia 1,000,000 26,976 180,864
Austria 800,000 280,000 350,117
Belgium 625,000 8,460 55,5131
Brazil 40,334 943 4,222
Bulgaria 339,760 6,671 21,878
Canada 1,086,3437 42,0427 53,145
China 17,250,521 1,324,516 1,762,006
Czechoslovakia 6,6834 8,017
Denmark 4,339
Finland 500,000 79,047 50,000
France 201,568 400,000
Germany 20,000,000 3,250,0004 7,250,000
Greece 17,024 47,290
Hungary 147,435 89,313
India 2,393,891 32,121 64,354
Italy 3,100,000 149,4964 66,716
Japan 9,700,000 1,270,000 140,000
Netherlands 280,000 6,500 2,860
New Zealand 194,000 11,6254 17,000
Norway 75,000 2,000 -
Poland 664,000 530,000
Romania 650,0005 350,0006 -
South Africa 410,056 2,473 -
U.S.S.R. 6,115,0004 14,012,000
United Kingdom 5,896,000 357,1164 369,267
United States 16,112,566 291,557 670,846
Yugoslavia 3,741,000 305,000 425,000


Civilians only.
Army and navy figures.
Figures cover period July 7, 1937–Sept. 2, 1945, and concern only
Chinese regular troops. They do not include casualties suffered by
guerrillas and local military corps.
Deaths from all causes.
Against Soviet Russia; 385,847 against Nazi Germany.
Against Soviet Russia; 169,822 against Nazi Germany.
National Defense Ctr., Canadian Forces Hq., Director of History.
NOTE: The figures in this table are unofficial estimates obtained from
various sources.s.


siehe Wikipedia

umananda
17.03.2005, 07:25
Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944

http://www.cologneweb.com/wehrmacht.htm


Servus umananda

Nationalist
17.03.2005, 13:03
Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944

http://www.cologneweb.com/wehrmacht.htm


Servus umananda



Verbrechen? Welche Verbrechen? Habe ich etwas verpasst? ?( :rolleyes:

Ein deutscher Jäger
17.03.2005, 13:18
Verbrechen? Welche Verbrechen? Habe ich etwas verpasst? ?( :rolleyes:

Offensichtlich!

mfG

DetlefA
24.05.2005, 19:51
Die Entstehung des 2 Weltkrieges ist wirklich kompliziert, da an ihm sehr viele Gruppen mitwirkten. Das alles in ein Forum hinein zu bekommen ist kaum möglich. Die Kriegeevchuld lag wohl eindeutig bei Deutschland, nur war der internationale Kapitalismus an dem 2 Weltkrieg auch sehr gut beteiligt. Verlierer der beiden Weltkriege waren nun mal die Europäer, mitsammt Rußland, Die Profiteure dieser Kriege saßen in den USA, die an ihnen gut verdienten und durch sie zur Weltmacht aufstiegen. Man kann wohl selbst als Deutscher froh sein, dass die Nazis den 2 Weltkrieg nicht gewonnen haben, nur eben gehörte auch ganz Europa zu den Verlierern, da sich die USA nach dem Krieg in Europa festsetzte und Europa von sich abhängig machte.

Stahlschmied
29.09.2005, 06:47
Auf Befehl Adolf Hitlers überfiel am 1.9.die deutsche Wehrmacht ohne Kriegserklärung Polen. Bitte nicht stören, Klaus E. Daniel, nachträglich wird der Zusammenhang nun Stück für Stück hergestellt womit sich das von Siegers Gnaden etablierte Geschichtsbild eben so Stück für Stück ändert und die Mär von Deutschlands Schuld am 2.Wk. als Siegerlüge (wie schon beim 1. Wk) entlarvt und vernichtet wird. Ich beginne mit einigen Fakten der, durch die von Roosevelt verursachte englische Garantiegebung (Churchill hält sich für einen neuen Pitt!) vom Größenwahn befallenen Polen, in Bezug auf den deutschen Grenzraum (andere Nachbarstaaten der Militärdiktatur Polens hatten ebenfalls unter polnischen Überfällen zu leiden):

Am 24.08.1939 beschossen polnische Batterien zwei deutsche Verkehrsflugzeuge.

Am 28.08.1939 schoß ein MG-Trupp der deutschen Grenzüberwachung auf polnische Kavallerie, die auf deutschem Gebiet deutsche Bauern jagte.

Am selben Tag zündeten Polen 15 km von der Grenze entfernt im deutschen Haldenburg Häuser an.

Vom März bis August 1939 ereigneten sich mehr als 200 polnische militärische Grenzverletzungen mit Brandlegung, Mord und Verschleppung.

Am 30.08.1939 um 16.30 Uhr ordnete Polen die Generalmobilmachung an und unterbrach den Zugverkehr nach Ostpreußen durch den Korridor.

Am 31.08.1939 gab der Warschauer Rundfunk um Mitternacht bekannt: "Wir sind auf dem siegreichen Vormarsch und werden gegen Ende der Woche in Berlin sein, die deutschen Truppen gehen an der ganzen Front in Unordnung zurück."

Erst dann wurde, nachdem vormittags das Deutsche Auswärtige Amt die Nachricht von der Ermordung des deutschen Konsuls in Krakau erhalten hatte, in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht - am 01.09.1939 zurückgeschossen.

Fakten überprüfbar im Bundesarchiv. (Nach Bundesarchivgesetz hat Jedermann das Recht Archivgut des Bundes, das älter als 30 Jahre ist, zu benutzen).

malnachdenken
29.09.2005, 06:51
Bitte nicht stören, Klaus E. Daniel, nachträglich wird der Zusammenhang nun Stück für Stück hergestellt womit sich das von Siegers Gnaden etablierte Geschichtsbild eben so Stück für Stück ändert und die Mär von Deutschlands Schuld am 2.Wk. als Siegerlüge (wie schon beim 1. Wk) entlarvt und vernichtet wird. Ich beginne mit einigen Fakten der, durch die von Roosevelt verursachte englische Garantiegebung (Churchill hält sich für einen neuen Pitt!), vom Größenwahn befallenen Polen in Bezug auf den deutschen Grenzraum (andere Nachbarstaaten der Militärdiktatur Polens hatten ebenfalls unter polnischen Überfällen zu leiden):

Am 24.08.1939 beschossen polnische Batterien zwei deutsche Verkehrsflugzeuge.

Am 28.08.1939 schoß ein MG-Trupp der deutschen Grenzüberwachung auf polnische Kavallerie, die auf deutschem Gebiet deutsche Bauern jagte.

Am selben Tag zündeten Polen 15 km von der Grenze entfernt im deutschen Haldenburg Häuser an.

Vom März bis August 1939 ereigneten sich mehr als 200 polnische militärische Grenzverletzungen mit Brandlegung, Mord und Verschleppung.

Am 30.08.1939 um 16.30 Uhr ordnete Polen die Generalmobilmachung an und unterbrach den Zugverkehr nach Ostpreußen durch den Korridor.

Am 31.08.1939 gab der Warschauer Rundfunk um Mitternacht bekannt: "Wir sind auf dem siegreichen Vormarsch und werden gegen Ende der Woche in Berlin sein, die deutschen Truppen gehen an der ganzen Front in Unordnung zurück."

Erst dann wurde, nachdem vormittags das Deutsche Auswärtige Amt die Nachricht von der Ermordung des deutschen Konsuls in Krakau erhalten hatte, in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht - am 01.09.1939 zurückgeschossen.

Fakten überprüfbar im Bundesarchiv. (Nach Bundesarchivgesetz hat Jedermann das Recht Archivgut des Bundes, das älter als 30 Jahre ist, zu benutzen).

aha und ein grund gleich polen zu annektieren? und kzs hinzubauen?

warum haben sich die deutschen nicht einfach nur verteidigt, sondern polen danach überrannt?

Stahlschmied
29.09.2005, 07:19
aha und ein grund gleich polen zu annektieren? und kzs hinzubauen?

warum haben sich die deutschen nicht einfach nur verteidigt, sondern polen danach überrannt?Die teilweise Besetzung Danzigs, die Ermordung des deutschen Konsuls, etc., etc., etc., all das scheint gar nicht zu interessieren, wie denn auch, in deiner Welt war Deutschland ja der Wolf unter vielen Schafen, nicht wahr? Die "Re-education" an deutschen Schulen und Hochschulen hat natürlich Spuren hinterlassen, aber die Unkenntnis von erwähnten Tatsachen, d.h. die Außerachtlassung aus Unwissen, dieses unvollkommene Bild von Welt- und Nationalgeschichte, muss nicht Lückenhaft bleiben; kein Mann und keine Frau und kein Jugendlicher ist dazu verdammt dumm und ungebildet zu bleiben.

Die Ursachenforschung setzt sich nun in detaillierterer Form fort mit der britischen Garantierklärung im Fall Polen:

Um die Bedeutung der britisch-französischen "Garantieerklärung" für Polen zu erklären, muß ich etwas weiter ausholen. Denn die Erklärung ist nur im Kontext der damaligen Situation verständlich.

Deutschland hatte am 24. Oktober 1938 Polen einen völkerrechtlich verbindlichen Verzicht auf den von Polen annektierten sog. "Korridor" (Westpreußen, Posen und Ostoberschlesien) angeboten, wenn Polen keine Einwände gegen die Wiedervereinigung der deutschen Stadt Danzig mit dem deutschen Mutterland erheben würde. Es war ein großes innenpolitisches Wagnis von Hitler, auf die damaligen deutschen Ostgebiete zu verzichten und Polen das sog. Ost-Locarno (übrigens wurde der eigentliche Locarno Vertrag von Frankreich gebrochen) anzubieten. Auf die Wiedereingliederung der Stadt Danzig, die ja nicht zu Polen gehörte, konnte aber auch Hitler aus innenpolitischen Gründen nicht verzichten.

Das deutsche Angebot lag also seit Oktober 1938 vor. Der Stand im März 1939 war, daß Hitler in der Zwischenzeit nichts getan hatte, um durch irgendeinen, wie auch immer gearteten Druck auf Polen eine Entscheidung zu erzwingen. Es hatten lediglich einige Gespräche stattgefunden, bei denen der polnische Außenminister Beck und der Botschafter Lipski sinngemäß erklärt hatten, es sei aufgrund der "polnischen Volksmeinung" schwierig in eine Rückkehr Danzigs zum Deutschen Reich einzuwilligen.

Bei diesen Gesprächen betonte die deutsche Seite erneut ihren Willen zu einer endgültigen friedlichen Lösung aller strittigen Fragen zwischen Polen und Deutschland, gab aber in keinster Weise irgendetwas zu verstehen, was die Polen unter Druck gesetzt oder ihre Entscheidungsfreiheit irgendwie in Frage gestellt hätte.

Beispielhaft hierfür ist der Besuch Becks bei Hitler auf dem Obersalzberg am 5. Januar 1939. Nach dem Sitzungsprotokoll des deutschen Chefdolmetschers, Dr. Paul Schmidt, wie in dem Buch "War Deutschland am 2. Weltkrieg allein schuld?" von Willy Glasebock, Ring-Verlag 1964, dargestellt, verlief dieses Gespräch wie folgt:

Der 5. Januar 1939 ist ein Donnertag. Pünktlich treffen die polnischen Gäste, von Hitler und dem Reichsaußenminister sehr herzlich begrüßt, auf dem Obersalzber ein. Man beginnt sofort mit den Beratungen. Oberst Beck unterstreicht einleitend die Tatsache, daß die deutsch-polnischen Beziehungen in der Sudentenkrise ihre Probe voll und ganz bestanden hätten. Neue Schwierigkeiten tauchten nun auf. Als eine dieser Schwierigkeiten erwähnt Herr Beck die Danziger Frage und betont dabei, daß hier nicht nur die deutsche und die polnische Regierung, sondern auch dritte Parteien, wie unter anderem der Völkerbund, in Frage kämen. Auch sonst gäbe es noch weitere Fragen, in denen bestehende Mißverständnisse beseitigt werden sollten, u.a. die Garantierung der tschechoslowakischen Grenze. Besonders sei Polen in diesem Zusammenhang an der karpatho-ukrainischen Frage interessiert. Er erinnerte an das Wort Pilsudskis von der "Balkanisierung Mitteleuropas". Nach wie vor sei der Wunsch Polens, daß die Karpatho-Ukraine an Ungarn komme, damit dieses endlich die ersehnte gemeinsame Grenze mit Polen erhalte.

Beck erklärte also ausdrücklich, daß die Lösung der Sudetenkrise die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deuschland und Polen sehr gefestigt hätte. Man darf annehmen, daß er hierbei besonders die deutsche Duldung des polnischen militärisch-diplomatischen Zugriffs auf das Teschener Gebiet, d.h. des entsprechenden Ultimatums, meinte. Desweiteren erklärte Beck zum wiederholten Mal die polnischen Ambitionen bzgl. der Tschechoslowakei (Karpatho-Ukraine). In diesem Sinne war die Garantierung der tschechoslowakischen Grenze gemeint, also im Sinne einer weiteren Infragestellung dieser Grenze und der erneuten Anmeldung polnischer Interessen.

Ich zitiere weiter:

Auf diese ziemlich nichtssagenden Ausführungen des polnischen Außenministers erwidert Hitler, daß zur Bereinigung aller bestehenden Schwierigkeiten zunächst einmal auf die Grundtendenz des deutsch-polnischen Verhältnisses zurückgegriffen werden müßte. Von deutscher Seite könne er betonen, daß sich im Verhältnis Deutschlands zu Polen, wie es sich auf Grund der Nichtangriffserklärung vom Jahre 1934 darstelle, nicht das Geringste geändert habe. Was die Frage der Karpatho-Ukraine angehe, so habe hieran Deutschland gar kein persönliches Interesse. Der Wiener Schiedsspruch sei nach streng ethnischen Gesichtspunkten gefaßt worden. Ungarn habe von der Karpatho-Ukraien die Gebiete erhalten, die von einer überwiegend ungarischen Bevölkerung bewohnt seien. Mehr zu tun, könne er nicht verantworten, wolle er nicht einen internationalen Konflikt hervorrufen.

(...)

Was das deutsch-polnische Verhältnis im einzelnen angehe, sagt Hitler weiter, so wolle er noch einmal wiederholen, daß sich an der deutschen Einstellung gegenüber Polen seit 1934 nichts geändert habe. Um zu einer endgültigen Bereinigung der zwischen beiden Ländern noch schwebenden Fragen zu gelangen, dürfe man sich nicht auf die mehr negative Abmachung vom Jahre 1934 beschränken, sondern müsse die einzelnen Probleme einer endgültigen vertraglichen Regelung zuzuführen suchen. Von deutscher Seite gebe es außer der Menelfrage, die ihre Regelung im deutschen Sinne finden werde (es habe den Anschein, daß die Litauer an einer vernunftsmäßigen Kösung mitwirken wollten), im direkten deutsch-polnischen Verhältnis das für Deutschland gefühlsmäßig sehr schwierige Problem des Korridors und Danzig zu lösen. Man müsse seiner Ansicht nach, von alten Schablonen abweichend, hier Lösungen auf ganz neuen Wegen suchen. So könne man sich im Falle Danzig z.B. eine Regelung denken, nach der diese Stadt politisch, dem Willen ihrer Bevölkerung entsprechend, der deutschen Gemeinschaft zugeführt würde, wobei selbstverständlich die polnischen Interessen besonders auf wirtschaftlichem Gebiet voll und ganz gewahrt werden müßten, So dächte er an eine Formel, nach der Danzig politisch zur deutschen Gemeinschaft zurückkehre, wirtschafltich aber bei Polen bliebe (...)

Wenn es gelänge, so fährt Hitler mit erhobener Stimme fort, auf dieser vernünftigen Grundlage eine endgültige Bereinigung der Einzelfragen herbeizuführen, wobei selbstverständlich jeder der beiden Partner zu seinem Recht kommen müsse, dann wäre der Zeitpunkt gekommen, auch Polen gegenüber die mehr negative Erklärung von 1934 in einem positiven Sinne ähnlich den Abmachungen mit Frankreich dadurch zu ergänzen, daß nunmehr von deutscher Seite eine klare, vertraglich festgelegte Grenzgarantie an Polen gegeben würde. Polen würde dann den großen Vorteil erhalten, seine Grenze mit Deutschland einschließlich des Korridors – hier unterstreicht Hitler noch einmal die psychologische Schwierigkeit dieses Problems und betont nachdrücklichst, daß allein er in der Lage sei, dem deutschen Volke dieses große Opfer zuzumuten – vertraglich gesichert zu bekommen. Es sei für ihn nicht ganz einfach, eine derartige Garantie des Korridors, eines polnischen Landstreifens mitten durch deutsches Land, zu geben, und er werde deshalb sicherlich, besonders von der bürgerlichen Seite, ziemlich kritisiert werden. Aber als Realpolitiker glaube er doch, daß eine derartige Lösung die beste wäre. Genau so wenig, wie man heute von Südtirol oder Elsaß-Lothringen spreche, würde man dann vom polnischen Korridor hören, wenn Deutschland einmal seine Garantie gegeben hätte.

Hitler trug also zunächst dem polnischen Außenminister vor, daß er im Hinblick auf weitere polnische Ambitionen bezüglich der Tschechoslowakei nicht hilfreich sein könnte, aber daß dies nichts mit deutschen Interessen zu tun hätte, sondern eher eine Frage der politischen Unmöglichkeit sei.
Anschließend wiederholte Hitler praktisch sein extrem großzügiges Anbebot vom 24. Oktober 1938 und versuchte seinen polnischen Gesprächspartner von dessen Vernünftigkeit zu überzeugen. Von einem aggressiven Auftreten oder gar von Drohungen o.ä. kann gar keine Rede sein. Hitler wollte eine Lösung, weil er wußte, daß der derzeitige Status eine große Gefahr bedeutete. Die Deutschen in Danzig beklagten sich ständig über polnische Schikanen und Provokationen und aus dem Korridor kamen wegen der vielen Übergriffe ebenfalls ständige Hilferufe, die sich natürlich darauf beriefen, daß diese Gebiete nach der immer noch formell und im Bewußtsein der Menschen gültigen, offiziellen deutschen Einstellung seit der Weimarer Republik von Deutschland beansprucht würden, und daß nun, wo Deutschland wieder ein großes Gewicht habe, es unverständlich sei, daß "die Reichsregierung nichts unternehme". Von Hitlers Bereitschaft, auf diese Gebiete gänzlich zu verzichten, wußte die deutsche Öffenlichkeit damals kaum etwas, obwohl natürlich die führenden Kreise, insbesondere auch im sog. "Widerstand", und die ausländischen Regierungen Bescheid wußten. Für Hitler war das gerade als nationaler Politiker sehr gefährlich, zumal da gerade seine konservativen Gegner versuchten, daraus Kapital zu schlagen und sogar der kommunistische Propagandist Willy Münzenberg aus Paris gegen die nationalsozialistische Regierung hetzte, sie würde die Deutschen im Korridor verraten. Wäre man nun zu einer völkerrechtlichen Vereinbarung gekommen, bei der als Zuckerl für Deutschland die Wiedervereinigung mit Danzig dabei gewesen wäre, so wäre diese offene Wunde im gewissen Sinne verheilt und könnte Hitler und seine Regierung nicht mehr gefährden.

Ich zitiere weiter:

Diesen mit großem Nachdruck vorgetragenen Ausführungen des deutschen Kanzlers hat der polnische Außenminister aufmerksam zugehört. Herr Beck dankt seinem deutschen Gastgeber für die Darlegung des deutschen Standpunktes und erklärt, daß auch Polen an seiner bisherigen Einstellung Deutschland gegenüber asbolut festhalte. Polen werde die Linie der unabhängigen Politik weiter verfolgen, die es bereits in früheren Jahren geübt hätte, als man Polen dazu veranlassen wollte, sich auf dem Wege über einen Ostpakt näher mit Rußland zu verbinden. Polen sei zwar in bezug auf die Erhöhung seiner Sicherheit nixht so nervös wie Frankreich und halte nichts von den sogenannten „Sicherheitssystemen“, die nach der Sudetenkrise endgültig abgewirtschaftet hätten, was einen Wndepunkt der Geschichte bedeute. Es wisse aber die in der vom Kanzler soeben angegebenen Erklärung erneut zum Ausdruck gebrachte deutsche Einstellung sehr wohl zu würdigen. Es halte auch seinerseits an der alten Linie Deutschland gegenüber fest. Was das deutsch-polnische Verhältnis angehe, so nehme er von den von Hitler ausgesprochenen Wünschen Kenntnis. Die Danziger Frage erscheine ihm jedoch außerordentlich schwierig. In diesem Zusammenhang müsse man die öffentliche Meinung Polens in Rechnung stellen. Dabei sehe er ganz von der Haltung der „Kaffeehausopposition“ ab. Während seiner siebenjährigen Amtszeit habe er sich nicht im geringsten um die Kaffeehausmeinung gekümmert und sei immer noch im Amt. Er müsse jedoch auf die wirkliche Meinung des Volkes Rücksicht nehmen und sehe hier allerdings Schwierigkeiten für eine Lösung der Danziger Frage. Er wolle jedoch das Problem einmal in Ruhe überlegen. (...)

Der Kommentar Willy Glasebocks (oder Dr. Schmidts; geht nicht so ganz eindeutig aus dem Text hervor): „An dieser Erwiderung Becks fällt besonders auf, wie schwierig es nach seiner Ansicht ist, die öffentliche Meinung Polens für die Rückgliederung Danzigs in das deutsche Mutterland zu gewinnen. Dabei ist Danzig eine rein deutsche Stadt! Worin soll das polnische Opfer bestehen, die Zustimmung zu einer derartig selbstverständlichen Lösung zu geben? Isz es nicht ein ungleich größeres Opfer Deutschlands, den polnischen Korridor weiterhin in seinem Lande zu dulden?“ Diesem Kommentar kann man sich nur anschließen, wenn man sich mit der Thematik objektiv befaßt.
Als eigentliche Quintessenz aus dieser Unterredung, die am nächsten Tag zwischen Beck und Ribbentrop (ohne Hitler) in Berchtesgaden fortgesetzt wurde, bleibt aber festzuhalten, daß es in keinster Weise einen deutschen Druck oder gar Drohnungen gegen Polen gab, sondern, ganz im Gegenteil, trotz der aus früherer Zeit geerbten Probleme in diplomatischer Hinsicht eine freundschaftliche Athmosphäre zwischen den beiden Ländern herrschte.

Zwischen dieser Begegnung und Ende März 1939, also etwa 2 ½ Monate, passierte im bilateralen Verhältnis zwischen Polen Und Deutschland nichts wesentliches mehr, sieht man von forlaufenden polnischen Übergriffen und Schikanen im Korridor und in Danzig ab. Die von Herrn Koszawy angesprochene Wiedereingliederung des deutschen Memellandes in das Reich hatte erstens mit Polen überhaupt nichts zu tun und erfolgte zweitens völlig ohne deutschen Druck, nachdem die Memelländische Landtagswahl am 11. Dezember 1938 eine deutsche Mehrheit von 87,3 Prozent ergeben hatte und ein Beschluß des Landtages, der mit überwältigender Mehrheit die Wiedervereinigung mit dem Reich gefordert hätte, kurz bevorstand. Der litauische Außenminister ist in dieser Situation auf eigene Initiative, ohne jeden deutschen Druck nach Berlin gekommen, um die Wiedervereinigung des Memellandes mit Deutschland in die Wege zu leiten.

Das Memelland war auf Grund von Artikel 99 des Versailler Diktats von Deutschland abgetrennt worden, obwohl die Bevölkerung dieses Gebietes nahezu einmütig die Abtrennung ablehnte. Im April 1919 hatten 98 Prozent der Einwohner des Kreises Heydekrug und 78 Prozent der Einwohner des Kreises Memel bei den Alliierten gegen die Abtrennung vom Reich Einspruch erhoben. Am 20 Februar 1920 übernahm Frankreich die vorläufige Verwaltung des Memellandes. Französische Truppen unter Führung eines französischen Generals rückten in das Memelgebiet ein französischer Hoher Kommissar trat an die Spitze der vorläufigen Verwaltung. Als das Ruhrgebiet von französischen Truppen besetzt wurde, drangen – am 10. Januar 1923 – aus Litauen altlitauische Schützenkorps unter Führung von Budrys in das Memelgebiet ein. Die französischen Truppen setzten den widerrechtlichen Eingedrungenen keinerlei Widerstand entgegen und verließen bald darauf das memelland.
Dieses offensichtliche Unrecht bedeutete, daß das Gebiet unter den völlig veränderten Verhältnissen des Jahres 1939, mit einem wiedererstarkten Deutschland und einer dementsprechend immer penetranteren, massiven Anschlußbewegung unter den Memelländern selbst für die Litauer wesentlich mehr Nachteile und Gefahren als Vorteile brachte.

Soviel zum Memelland Darüber hinaus erfolgte im März die Errichtung des deutschen Protektorats in der Tschechoslowakei – immerhin nach einer Vereinbarung mit dem Staatschef -, nachdem der tschechoslowakische Staat zuvor durch die Unabhängigkeitserklärungen der Slowakei und der Karpatho-Ukraine zerfallen war. Das stellte ebenfalls keine aggressive Handlung gegen Polen dar. Die polnische Führung fühlte sich allenfalls in ihren Großmachtambitionen übergangen, womit sie sicherlich auch recht hatte. Das konnte aber keineswegs eine „Bedrohung“ Polens begründen.

Zwischen Deutschland und Polen gab es Ende März im Vergleich zu Anfang Januar in diplomatischer oder militärischer Hinsicht keinerlei Veränderungen, zumindest nicht von deutscher Seite. Ein etwaiger Druck von deutscher Seite auf Polen existierte nicht, eine militärische Bedrohung schon gar nicht!

In dieser Situation kam am 26. März aus heiterem Himmel die polnische Ablehnung der deutschen Vorschläge vom 24. Oktober 1938, obwohl mehrmals darüber gesprochen worden war und die polnische Führung immer wieder hinhaltend versichert hatte, darüber nachdenken zu wollen. Als der polnische Botschafter Lipski, der persönlich eher die Freundschaft mit Deutschland befürwortete, Ribbentrop das entsprechende „Memorandum“ übergab, ergänzte er auf Anweisung von Beck den Inhalt mit der Bemerkung: „Ich habe die schmerzliche Aufgabe, darauf aufmerksam zu machen, daß jede weitere Verfolgung dieser deutschen Pläne, insbesondere soweit sie die Rückkehr Danzigs zum Reich beträfen, den Krieg mit Polen bedeute.“

Im vollen Bewußtsein der Tatsache, daß einerseits keine deutsche Regierung vor Hitler es gewagt hätte, den deutschen Verzicht auf Westpreußen, Posen und Ostoberschlesien zu erklären, wozu Hitler sich aber bereit erklärte, daß aber andererseits im Binblick auf Danzig nicht einmal Hitler sich ein Fallenlassen der grundsätzlichen deutschen Forderung nach Wiedervereinigung mit dieser deutschen Stadt hätte leisten können, erklärte also diese polnische Führung – gegen jede politische Vernunft, es sei denn sie wünschte den Krieg! - der deutschen Regierung, daß allein schon die „weitere Verfolgung“ entsprechender Pläne zum Krieg mit Polen, also zu einem polnischen Angriff gegen Deutschland führen würde.

Gleichzeitig führte Polen die bereits an anderer Stelle in dieser Diskussion erwähnte Teilmobilisierung durch, die immerhin das stehende polnische Heer verdoppelte, und gab an die Befehlshaber der Streitkräfte Operationspläne aus, deren Kernelement der Marsch auf Berlin war.

In dieser Situation – und selbstverständlich mit den polnischen Maßnahmen abgestimmt! – kam die britisch-französische „Garantieerklärung“ für Polen. Bestand, rein objektiv gesehen, für eine solche Erklärung auch nur der geringste Anlaß? NEIN! Der Zweck war einzig und allein die Erhöhung des Druckes auf die deutsche Regierung und das Erschweren einer Verständigung zwischen Deutschland und Polen, also die endgültige Verhinderung der Politik gegenüber Polen, die Hitler seit 1934 trotz etlicher Rückschläge beharrlich verfolgt hatte. Die Mehtode war ebenso einfach wie infam. Polen wurde einfach die Vormachtstellung in Osteuropa versprochen. Deutschland wurde der polnischen Führung gegenüber zum Papiertiger erklärt, der schon bei einem etwaigen Kriegsausbruch zusammenbrechen würde, weil die führenden Militärs und hohen Würdenträger des Staates putschen würden.

Das Ziel dieser Strategie war ebenfalls einfach. Es läßt sich mit zwei Worten zusammenfassen: Stop Hitler! Deutschland wurde zu mächtig und hatte sich zudem völlig unabhängig vom internationalen Finanzkapital gemacht.

Man behauptet, die Garantieerklärung habe die britisch-französische Kriegserklärung gegen Deutschland von einer etwaigen Entscheidung der betreffenden Regierungen abhängig gemacht, ob die Unabhängigkeit Polens tatsächlich klarerweise bedroht sei. Das ist vor allem aus folgenden Gründen eine verlogene Interpretation:

Erstens hatte Polen kurz vorher, aber in deutlicher Abstimmung mit der „Garantie“ erklärt, daß eine deutsche „Weiterverfolgung“ irgendwelcher Wiedervereinigungsbestrebungen Danzigs mit dem Mutterland zu militärischen Maßnahmen Polens gegen Deuschland führen werde, und zwar gerade weil Polen dann- verlogenerweise! – seine Unabhängigkeit bedroht sehen würde. Es kann also gar keine Rede davon sein, daß die britische Regierung nicht gewußt habe, was die polnische Regierung als eine Bedrohung der Unabhängigkeit Polens verstehen würde, bei der Polen zu den Waffen greifen würde.

Zweitens wimmelt es von Aussagen, nicht zuletzt von Engländern, die ganz klar feststellen, daß die Garantieerklärung zum Krieg führen mußte.
Hier nur ein Beispiel. Duff Cooper, der britische Minister für wirtschaftliche Kriegführung:

In keinem Augenblick der Geschichte haben wir je einer anderen Macht die Entscheidung überlassen, ob Großbritannien in einen Krieg eingreifen solle oder nicht. Jetzt liegt die Entscheidung bei einer Handvoll Männern, deren Namen – vielleicht mit Ausnahme des Obersten Beck – unserem Volke völlig unbekannt sind. Diese Unbekannten können also morgen den Ausbruch des europäischen Krieges befehlen.

Quellen: M. Freund "Weltgeschichte der Gegenwart in Dokumenten" Bd. II S. 103 und A. Buckreis "Politik des 20. Jahrhunderts"

malnachdenken
29.09.2005, 07:38
edit:;doppelt

malnachdenken
29.09.2005, 07:39
du schreibst viel zu viel (oder soll ich eher sagen kopieren)?

eine antwort auf meine frage, hast du mir immer noch nicht gegeben...

frage: wenn dieses hier das DR ist, wie es rechtlich korrekt sein sollte:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Deutsches_Kaiserreich_1893.jpg
bzw, dieses hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Deutsches_Reich_1925_b.png



warum hat sich dann nazi-deutschland (kriegerisch) auf dieses hier ausgedehnt?

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Europa-GDR-1942.png

Stahlschmied
29.09.2005, 08:00
du schreibst viel zu viel (oder soll ich eher sagen kopieren)?

Das Muss ist hart, aber beim Muß allein kann der Mensch zeigen, wie´s inwendig mit ihm steht. Willkührlich leben kann jeder. Johann Wolfgang von Goethe

Du musst meine Ausführungen nicht lesen, verstehe dann aber bitte, dass ich Fragen, auf die bereits Antwort gegeben wurde, nicht erneut in Ausführungen einbeziehen kann.

malnachdenken
29.09.2005, 08:09
Das Muss ist hart, aber beim Muß allein kann der Mensch zeigen, wie´s inwendig mit ihm steht. Willkührlich leben kann jeder. Johann Wolfgang von Goethe

Du musst meine Ausführungen nicht lesen, verstehe dann aber bitte, dass ich Fragen, auf die bereits Antwort gegeben wurde, nicht erneut in Ausführungen einbeziehen kann.

du gehst mir aus dem weg, kann das sein?

du willst mich doch von einer sache überzeugen, oder? dann beantworte mir doch einfach meine frage in zwei,drei sätzen. so schwierig kann das doch nicht sein, hm?

Stahlschmied
29.09.2005, 08:15
Historische Faktenergänzung zu bereits erwähnten Ausführungen, Auszug aus dem Buch "Hundert Jahre Deutsches Schicksal" von Heinrich Dietwart 1981: "Polen ist äußerst nationalistisch, und die Gründung eines neuen polnischen Staates 1916 nach einem Jahrhundert der Unterdrückung und Fremdherrschaft hat, wie der Sieg über Russland und Litauen 1921, eine Welle von nationaler Überheblichkeit erzeugt (…) In völliger Verkennung der eigenen Stärke wie der Vertrauenswürdigkeit der englischen Garantie, provoziert Polen den Angriff Deutschlands, in dem es bereits am "26. März 1939 bei der Antwort auf das deutsche Angebot feststellt, dass ein weiteres verfolgen der deutschen Vorschläge Krieg bedeutet. Vom polnischen Oberbefehlshaber und praktischen Staatschef Rydz-Smigly ist vom Frühsommer 1939 ein Wort vor einer Offizierversammlung überliefert: "Polen will den Krieg mit Deutschland und Deutschland wird es nicht verhindern können, selbst wenn es das wollte!" Und es ist kein Märchen, dass sich der polnische Marschall bereits ein Gemälde hat anfertigen lassen, auf dem er in Siegerpose durch das Brandenburger Tor reitet" Mehrere Aussprüche hoher polnischer Militärs und Diplomaten liegen aus dem Sommer 1939 ebenfalls vor, dass nach wenigen Tagen Krieg, Berlin erobert zu haben hofft. Polen unbeschreitbarer Chauvinismus und seine vollkommene Uneinsichtigkeit darin, dass dauernde Unterdrückung von Minderheiten eines mächtigen Nachbarn auf die Dauer nicht zu halten sind, bilden einen wesentlichen Grund zum Kriege. Über 50 000 Volksdeutsche befinden sich im Sommer 1939 in Polen in Haft, auch in den berüchtigten KZ Chodzen und Bereza Kartuska, und 70 000 fliehen allein im Sommer 1939 aus Polen, so dass im reich Flüchtlingsdurchgangslager eröffnet werden müssen!" (Insgesamt waren nahe zu 1 Million Deutsche aus Polen 1938 /39 bereits geflohen).

Auszug dazu aus dem Buch "Von Versailles nach Nürnberg" von Erich Kern 1971: "Polen zeigte keine Bereitschaft, den deutschen Wünschen entgegenzukommen. Dabei forderte Adolf Hitler von Polen keinen Quadratmeter, sondern nur die Rückkehr der alten deutschen Stadt Danzig und die Genehmigung zu einer Verbindungsstraße durch den Korridor nch Ostpreußen. Keine Stelle des Deutschen Reiches, selbstverständlich auch nicht Adolf Hitler, wünschte damals zur Durchsetzung dieser Vorderung einen Krieg mit Polen. Hitler konnte und wollte nicht daran glauben, daß England so weit gehen würde, tatsächlich Polen eine Garantie zu geben. Der polnische Außenminister Beck, schon vor der britischen Pakterklärung über den Verlauf der Londoner Verhandlungen unterrichtet, hatte die Befehlshaber der polnischen Armee am 23. März zu sich gebeten, um mit ihnen die Teilmobilisierung zu beraten, welche die Stärke des aktiven Heeres verdoppeln sollte. Gleichzeitig erhielten die Oberbefehlshaber aller Waffengattungen den polnischen Aufmarschplan für einen Krieg gegen Deutschland, entworfen von Marschall Rydz-Smigly, General Kasprzycki, dem Kriegsminister und dem Generalstabschef Stachiewicz.

malnachdenken
29.09.2005, 08:21
Historische Faktenergänzung zu bereits erwähnten Ausführungen, Auszug aus dem Buch "Hundert Jahre Deutsches Schicksal" von Heinrich Dietwart 1981: "Polen ist äußerst nationalistisch, und die Gründung eines neuen polnischen Staates 1916 nach einem Jahrhundert der Unterdrückung und Fremdherrschaft hat, wie der Sieg über Russland und Litauen 1921, eine Welle von nationaler Überheblichkeit erzeugt (…) In völliger Verkennung der eigenen Stärke wie der Vertrauenswürdigkeit der englischen Garantie, provoziert Polen den Angriff Deutschlands, in dem es bereits am "26. März 1939 bei der Antwort auf das deutsche Angebot feststellt, dass ein weiteres verfolgen der deutschen Vorschläge Krieg bedeutet. Vom polnischen Oberbefehlshaber und praktischen Staatschef Rydz-Smigly ist vom Frühsommer 1939 ein Wort vor einer Offizierversammlung überliefert: "Polen will den Krieg mit Deutschland und Deutschland wird es nicht verhindern können, selbst wenn es das wollte!" Und es ist kein Märchen, dass sich der polnische Marschall bereits ein Gemälde hat anfertigen lassen, auf dem er in Siegerpose durch das Brandenburger Tor reitet" Mehrere Aussprüche hoher polnischer Militärs und Diplomaten liegen aus dem Sommer 1939 ebenfalls vor, dass nach wenigen Tagen Krieg, Berlin erobert zu haben hofft. Polen unbeschreitbarer Chauvinismus und seine vollkommene Uneinsichtigkeit darin, dass dauernde Unterdrückung von Minderheiten eines mächtigen Nachbarn auf die Dauer nicht zu halten sind, bilden einen wesentlichen Grund zum Kriege. Über 50 000 Volksdeutsche befinden sich im Sommer 1939 in Polen in Haft, auch in den berüchtigten KZ Chodzen und Bereza Kartuska, und 70 000 fliehen allein im Sommer 1939 aus Polen, so dass im reich Flüchtlingsdurchgangslager eröffnet werden müssen!" (Insgesamt waren nahe zu 1 Million Deutsche aus Polen 1938 /39 bereits geflohen).

Auszug dazu aus dem Buch "Von Versailles nach Nürnberg" von Erich Kern 1971: "Polen zeigte keine Bereitschaft, den deutschen Wünschen entgegenzukommen. Dabei forderte Adolf Hitler von Polen keinen Quadratmeter, sondern nur die Rückkehr der alten deutschen Stadt Danzig und die Genehmigung zu einer Verbindungsstraße durch den Korridor nch Ostpreußen. Keine Stelle des Deutschen Reiches, selbstverständlich auch nicht Adolf Hitler, wünschte damals zur Durchsetzung dieser Vorderung einen Krieg mit Polen. Hitler konnte und wollte nicht daran glauben, daß England so weit gehen würde, tatsächlich Polen eine Garantie zu geben. Der polnische Außenminister Beck, schon vor der britischen Pakterklärung über den Verlauf der Londoner Verhandlungen unterrichtet, hatte die Befehlshaber der polnischen Armee am 23. März zu sich gebeten, um mit ihnen die Teilmobilisierung zu beraten, welche die Stärke des aktiven Heeres verdoppeln sollte. Gleichzeitig erhielten die Oberbefehlshaber aller Waffengattungen den polnischen Aufmarschplan für einen Krieg gegen Deutschland, entworfen von Marschall Rydz-Smigly, General Kasprzycki, dem Kriegsminister und dem Generalstabschef Stachiewicz.

die frage ist immernoch nicht beantwortet. warum hat sich nazi-deutschland so weit, weiter als die grenzen vor dem 1.WK, ausgedehnt, obwohl es nach deinen "quellen" sich um reine verteidigung gehandelt haben soll?

kannst du nur kopieren?

Stahlschmied
29.09.2005, 09:36
Weiter wie folgt:

Sven Hedin
Amerika
Im Kampf der Kontinente
F.A. Brockhaus - Leipzig 1944


http://tinypic.com/do426p.jpg

http://tinypic.com/do428l.jpg

http://tinypic.com/do429v.jpg

http://tinypic.com/do42dk.jpg

http://tinypic.com/do42ed.jpg

http://tinypic.com/do42f4.jpg

http://tinypic.com/do42g1.jpg

http://tinypic.com/do42h0.jpg

http://tinypic.com/do42kz.jpg

http://tinypic.com/do42lk.jpg

http://tinypic.com/do42ms.jpg

http://tinypic.com/do42o3.jpg

http://tinypic.com/do42oo.jpg

malnachdenken
29.09.2005, 09:42
Weiter wie folgt:




wieso kannst du mir die frage nicht mit EIGENEN worten geben? mit eigenen worten wiedergeben ist nämlich eine grundessenz des verstehens. wieso beantwortest DU mir nicht die frage?

in deinen bisherigen quellen steht sie auch nicht drin. also?

Stahlschmied
29.09.2005, 09:55
wieso kannst du mir die frage nicht mit EIGENEN worten geben? mit eigenen worten wiedergeben ist nämlich eine grundessenz des verstehens. wieso beantwortest DU mir nicht die frage?

in deinen bisherigen quellen steht sie auch nicht drin. also?Du wirst verstehen, dass Du Dich mit diesen Aussagen in der Bringschuld befindest. Denn die Behauptung aufstellen, man hätte etwas gelesen, das kann jeder. Warum also stellst Du immer die gleiche Fragen obwohl Du die Antworten im Zusammenhang meiner Ausführungen bereits gelesen hast? Das erkläre mir mal.

malnachdenken
29.09.2005, 09:57
Du wirst verstehen, dass Du nun in der Bringschuld bist, denn die Behauptung aufstellen, man hätte etwas gelesen kann jeder. Warum also stellst Du immer die gleiche Frage obwohl Du die Antworten im Zusammenhang meiner Ausführungen bereits gelesen hast? Das erkläre mir mal.


ich bin überhaupt nicht in der bringschuld. DU willst mich doch von einer sache überzeugen bzw. die wahrheit näherbringen.
wieso kannst du mir die frage nicht mit deinen eigenen worten beantworten? was ist daran so schwierig?

Stahlschmied
29.09.2005, 10:00
ich bin überhaupt nicht in der bringschuld. Doch, aus genanntem Grunde.

DU willst mich doch von einer sache überzeugen bzw. die wahrheit näherbringen.Wo habe ich explizit die Behauptung aufgestellt mich mit einen konsequenten Ignoranten wie Dir zu beschäftigen?

malnachdenken
29.09.2005, 10:08
Doch, aus genanntem Grunde.

wie bitte?


Wo habe ich explizit die Behauptung aufgestellt mich mit einen konsequenten Ignoranten wie Dir zu beschäftigen?

wieso gleich so agressiv? ich habe die quellen durchgelesen und es steht NICHT die antwort auf meine frage drin.

und du kannst sie mir offensichtlich auch nicht geben...

[HC]KROPOTKiN
03.11.2005, 18:07
Weiter wie folgt:
[...]

Ähm, du berufst dich auf ein Werk aus dem Jahre 1944? :))

Dazu:

1942
Unter seinem Namen veröffentlicht Hedin eine vom Auswärtigen Amt verfaßte Schrift mit dem Titel "Amerika im Kampf der Kontinente", mit der er den deutschen Nationalsozialismus ein weiteres Mal unterstützt.
[...]
Quelle:
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/HedinSven/

Klaus Weber
29.11.2005, 15:14
Der Verfasser des Einführungstextes hat eine enzyklopädische Fleißarbeit hingelegt. Nur sollte er das Denken nicht nur den von der öffentlichten Hand bezahlten Historikern überlassen, die aufgrund einer völkerrechtlich verbindlichen (erneuten) Zusage der Bundesregierung im 4 + 2 Vertrag von 1990 gegenüber den ehemaligen Hauptkriegsgegnern, gehalten sind, die Geschichte den politischewn Interessen anzupassen. Die Bundesregierung hat 1958 und 199o erneut den Allierten versprochen, daß sie die Ergebnisse der Nürnberger Prozesse weiterhin anerkennen will.

Nein, der mit dem einführunden Fleißartikel vermittelte Hintergrund und Zusammenhang der Geschehnisse war schon etwas anders. Ich empfehle das Buch eines ehem. Bundeswehrgenerals "Der Krieg, der viele Väter hatte". Es gibt einige freiberuflich arbeitende, schriftstellernde Historiker im In- und Ausland - auch in GB, USA, GUS und Can - die der historischen Wahrheit verbunden sind, dann aber nur in sehr kleinen Verlagen veröffentlichen können und das Risiko eingehen, aus dem sog. "Zitierkartell" zu fallen. Das ist für einen Wissenschaftler die soziale Ausgrenzung, Einmauerung.

Mark Mallokent
29.11.2005, 16:06
Der Verfasser des Einführungstextes hat eine enzyklopädische Fleißarbeit hingelegt. Nur sollte er das Denken nicht nur den von der öffentlichten Hand bezahlten Historikern überlassen, die aufgrund einer völkerrechtlich verbindlichen (erneuten) Zusage der Bundesregierung im 4 + 2 Vertrag von 1990 gegenüber den ehemaligen Hauptkriegsgegnern, gehalten sind, die Geschichte den politischewn Interessen anzupassen. Die Bundesregierung hat 1958 und 199o erneut den Allierten versprochen, daß sie die Ergebnisse der Nürnberger Prozesse weiterhin anerkennen will.
Warum sollten sie die Ergebnisse der Nürnberger Prozesse nicht anerkennen?

M. Wittmann
11.12.2005, 00:42
Genfm Alfred Jodl wurde von einem bundesdeutschen Gericht 1953 freigesprochen.

Soviel dazu.

Reichsadler
11.12.2005, 00:55
Genfm Alfred Jodl wurde von einem bundesdeutschen Gericht 1953 freigesprochen.

Soviel dazu.

Du meinst sicher Generaloberst Alfred Jodl ;)

M. Wittmann
11.12.2005, 01:03
Ach stimmt, es ist spät.

Offizier
16.12.2005, 06:59
Ich bewundere sie, dass sie solch ein Text verfasst haben.

Neuschwabenland
17.02.2006, 09:26
Warum sollten sie die Ergebnisse der Nürnberger Prozesse nicht anerkennen?

weil man durch folter erzwungene geständnisse gerichtlich nicht verwenden darf, z.b.

Mark Mallokent
22.02.2006, 09:49
weil man durch folter erzwungene geständnisse gerichtlich nicht verwenden darf, z.b.
Für die Nürnberger Prozesse gibt es hier einen eigenen Strang.

Gegenwart
19.03.2006, 09:58
1939


30.1.
Hitler prophezeit im Reichstag die Vernichtung der jüdischen Rasse.



1.9.
Angriff auf Polen (Fall Weiß). Der Krieg sollte nicht nur einen Unsicherheitsfaktor im Rücken des Reiches ausschalten, sondern zugleich die materiellen Voraussetzungen für den Westkrieg durch die Ausbeutung der polnischen Wirtschaft verbessern. Auch hier ging es schon um die Erweiterung des Lebensraumes, die restlose Zertrümmerung Polens. Der Blitzkrieg gegen Polen verdankte seine Entstehung ebenso der Untätigkeit der Westmächte wie der Vabanque-Spieler-Mentalität Hitlers. Letztlich waren selbstverantwortete rüstungswirtschaftliche und militärpolitische Zwangslagen, eine Teilidentität der Ziele (Messerschmidt) zwischen konservativen und braunen Eliten und ein wiederbelebtes Einkreisungstrauma mit der alleinigen Möglichkeit der Flucht nach vorn für den Krieg verantwortlich.


Ende


Die Lethargie der Westmächte ließ Hitler nach Belieben agieren. Die Interessengemeinschaft zwischen Deutschland und Russland trug auch dazu bei, dass Hitler sich etablieren konnte. Die Volksverdummung in Deutschland wurde mit Patriotismus, Kameradschaft, Angst und Rassenwahn (Herrenmenschen) erfolgreich betrieben. Europa wurde zerstört und auch Deutschland musste bitter für seine Verbrechen Bezahlen.
Hitler hat auf der ganzen Linie Verloren. Durch sein Vorgehen hat er den Kommunismus gestärkt und der Welt die Notwendigkeit eine jüdischen Staates bewiesen.
Feige stahl es sich aus dem Leben, während das Volk für seine und die eigenen Fehler bezahlen musste.
60 Jahre nach dem Zusammenbruch gibt es einige Kritikpunkte, viele ungelöste Aufgaben, aber es gibt es auch den deutschen Wunder der Demokratie, den Willen für die Fehler der Väter und Mütter gerade zu stehen und die Zukunft besser als sie zu gestallten.
Nein, man kann heute, mit allen Vorbehalten des Rechts- und Linksradikalismus, auf Deutschland wieder stolz sein.
Lassen wir uns von der ersten großen Krise nach dem Weltkrieg, unsere Republik nicht kaputt machen. Denn machen wir uns nichts vor, die Ewiggestrigen von Rechts und Links stehen schon in den Startlöchern, bereit sich mit dem Islamismus zu verbinden.

Fritz Fullriede
15.04.2006, 22:17
Die Unwissenheit in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.Der Mann ohne Vergangenheit oder Hoffnung auf ukunft demonstriert mal wieder,das er von der Vorgeschichte des 2.Weltkrieges abseits der üblichen Banalitäten leider gar nichts weiss.Schade eigentlich,lesen ist doch so einfach.

Biskra
16.04.2006, 02:43
Nicht jeder verklärt "Mein Kampf" zur Bibel.

Psyche
16.04.2006, 06:47
Ich habe noch nie so viel Scheiße gesehen und gelesen :))

Gegenwart
16.04.2006, 08:32
ausgezeichnet! das war mal nötig.
Nun, das ist immer wieder nötig, denn manche wollen die Geschichte neu schreiben, nach dem eigenen Geschmack und um sich einige Wünsche zu "erfüllen".

peter
16.06.2006, 11:56
Jüdisches Exil in Griechenland und Zypern 1936-1941
Geschrieben von Niko Ewers

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Wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag ist der aus Baden-Baden stammende Fred R. Wohl in Washington gestorben. Der Bielefelder Journalist und Historiker Dr. Niko Ewers hat vor einigen Jahren die Lebensgeschichte seines jüdischen Großonkels nach langen Gesprächen aufgezeichnet. Ein Stück ´Oral History´, ergänzt mit einigen Schriftstücken aus den Jahren des Exils, das bislang nur im Familienkreis verbreitet worden ist. Die Exilgeschichte dieses Fred R. Wohl soll nun der Fachöffentlichkeit und allen am Schicksal der deutschen Juden in der NS-Zeit Interessierten zugänglich gemacht werden, zumal über die Situation jüdischer Emigranten in Griechenland kaum etwas bekannt ist. Erst recht nichts über Zypern und die Evakuierung der rund 400 jüdischen Emigranten im Juni 1941.

Der vorliegende Bericht beruht auf der Lebensgeschichte Wohls und ist mit einigen für den historischen Kontext wichtigen Fakten versehen.


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Es war um Weihnachten 1935, als das Thema Emigration auf die Tagesordnung der Familie Wohl kam. Sohn Fred, 1914 in Baden-Baden geboren, war arbeitslos geworden und von Hornberg (Schwarzwald), wo er nach seiner Ausbildung zum Kaufmannsgehilfen in der Buchhaltung eines Unternehmens tätig war, nach Frankfurt zu seinen Eltern gezogen. Man könne einen Juden nicht länger beschäftigen, hieß es seitens der Firmenleitung. Aus dem gleichen Grund wurde es ihm verweigert, eine Banklehre anzutreten, die ihm ein Bekannter seines Vaters angeboten hatte. "Andere berufliche Perspektiven sah ich nicht. Ich konnte und wollte meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen, denn deren Taschen waren ziemlich leer", erzählte Fred Wohl in seiner vor einigen Jahren entstandenen Lebensgeschichte.[1] "Es war eine ziemlich deprimie*rende Situation. Viele Juden in Deutschland waren damals in einer ähnlichen Situation."

Mit dem Thema Emigration kam gleich auch Athen ins Spiel. Hier lebte bereits seine Schwester Ilse, die 1933 als Au-pair-Mädchen nach Griechenland gegangen und nach einem Jahr als Haus- und Kindermädchen bei einer reichen Familie auf einer der Ionischen Inseln in die Hauptstadt gezogen war und ihren Lebensunterhalt mit Deutschunterricht bestritt. Ein insofern nahe liegendes Ziel. "Und so ging ich zum Passamt und sagte: Ich will nach Griechen*land, um dort Archäologie zu studieren. Der Grund war natürlich nur vorge*täuscht, und die Beamten des Passamtes haben diesen Vorwand bestimmt auch durchschaut. Aber sie stellten mir einen Reisepass aus." Und dies noch ohne den Vermerk ´Jude´, wie es schon einige Monate später üblich war. Dass die Frankfurter Behörden, vielleicht die Gestapo selber, aber gleich eine Meldung an die Athener Polizei schickte, der in es sinngemäß hieß: "Vorsicht, dieser Fred Wohl ist kein Student, sondern ein jüdischer Flüchtling" - das habe Fred Wohl später dann erfahren, als Griechenland ihn nicht länger dulden mochte.

Im Februar 1936 landete der damals 21-jährige Wohl mit einem Schiff von Marseille aus in Griechenland. Die Einreise war noch kein Problem, und seine Schwester, der er telegraphisch seine Ankunft mitgeteilt hatte, kam nach Piräus und nahm ihren jüngeren Bruder in Empfang. Ein schönes Wiedersehen, bei dem Fred nur "ein wenig befremdet" gewesen sei, dass Ilse sich geschminkt hatte. "So etwas hatte ich vorher nicht bei ihr gekannt." Noch fremder waren ihm die Verhältnisse in der Millionenstadt Athen: der "ungeheure Verkehr", der "maßlose Lärm", die vielen "einachsigen Pferdewagen" und "Esel mit Körben auf den Buckel", die stets heftig gestikulierenden Männer in Geschäften oder Kaffeehäusern - kurzum: das im Vergleich zu Baden-Baden oder Frankfurt so völlig andere öffentliche Leben in Griechenland. "Man glaubt sich tatsächlich manches Mal außerhalb Europas", schrieb Fred Wohl in einem Bericht über dieses ihn doch faszinierende Athen.[2]



Flüchtlingsleben am Rande Europas
Fortan lebte Fred bei seiner Schwester Ilse, in einer 1-Zimmer-Wohnung unter dem Dach. "Etwas wenig für zwei, aber es reichte für uns", erinnerte er sich, aber "wir waren ja noch jung". Erst als die Eltern ebenfalls nach Athen kamen, knapp ein Jahr später, mietete er eine halbwegs passable Wohnung, bestückt mit Hausrat und so manchen Möbeln, die nach Auflösung des Haushalts in Frankfurt mitgenommen werden konnten. Aber während der Vater Julius Wohl, der Apotheker war, kaum Einkünfte als Auslandsvertreter eines deutschen Pharmaunternehmens erzielte, verdiente der junge Fred nicht schlecht und wurde bald Hauptverdiener der Familie. "Ich musste mir ja Arbeit suchen, um etwas Geld zu verdienen", erzählte er von seinen bereits ersten Tagen in Athen. Dabei war es "sehr nützlich", dass Ilse eine Reihe von Leuten in Athen kannte, darunter auch einige Deutsche und andere Ausländer, von denen einer ihm "aus Gefälligkeit" einen ersten Job verschaffte. Zugleich begann Fred Wohl, griechisch zu lernen. "Oft war ich damals mit einem jungen Studenten zusammen, der bei mir Deutsch lernte und mir Griechisch beibrachte. Oft gingen wir zusammen durch die Stadt, vor allem abends und in den Nächten, besuchten Freunde und Bekannte oder wurden irgendwo eingeladen." Und so ergaben sich zunehmend auch Arbeitsmöglichkeiten - mal für einen jüdischen Stoffhändler oder bei einer einheimischen Im- und Exportfirma, mal im Ingenieurbüro eines Herrn Pesnikides, für den Fred Wohl bald regelmäßig tätig war.

"Bei allen Arbeiten, die ich angenommen habe, wurde ich niemals gefragt, ob ich eine Arbeitserlaubnis hatte. Ich hatte keine - die ganzen drei Jahre nicht", so bilanzierte Fred Wohl dieses Kapitels seines Athener Exils. "Das einzige Problem für mich war, dass ich - wenn jemand mal hereinkam und einen gewissen ´Fredericos Wohl´ sprechen wollte - schnell verschwinden musste. Niemand nannte mich damals so, aber bei der Fremdenpolizei war ich unter diesem Namen bekannt. Natürlich wurde ich einige Mal erwischt und musste zur Polizei. Aber die Leute, bei denen ich arbeitete, und auch Freunde haben mich immer wieder recht schnell freibekommen, natürlich immer mit 'Schmieren', also mit Bestechungsgeldern. Glücklicherweise war meine Schwester Ilse mit zwei Rechtsanwälten bekannt. Auch das war hilfreich in solchen Situationen. Dies galt besonders für die Verlängerung meiner Aufenthaltserlaubnis, die immer nur für sechs Monate ausgestellt wurde. Die Verlängerung musste ich immer regel*recht kaufen, denn auch dies lief nur über Schmiergelder."

Laut Wohl gab es damals in Griechenland kein Asylrecht, wie man es heute kennt. Es ging immer nur um das Aufenthaltsrecht für Ausländer - gleichgültig, ob sie aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen verfolgt waren oder aus anderen, etwa beruflichen Gründen nach Griechenland kamen. "Für uns Flüchtlinge war es anfangs noch relativ einfach, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen und diese regelmäßig verlängern zu lassen." Und sei eben mit Hilfe von Bestechung. Wie viele jüdische Flüchtlinge aus Deutschland es waren, die bereits in Griechenland lebten bzw. nach und nach dorthin kamen - das hatte Fred Wohl selber nie genau erfahren. "Sicher gab es viele Ausländer damals in Athen, darunter auch jüdische Flüchtlinge. Aber wie viele es waren? Ich weiß es nicht." Damals sprach er selber mal von "einigen Hundert", und nachdem er Athen verlassen hatte, bezeichnete er selbst die Zahl von 500 - 600 Emigranten noch als "sehr hoch geschätzt". Soweit hatte Griechenland als Ziel ausgewanderter bzw. vertriebener Juden aus dem Machtbereich der Nazis in der Tat keine bedeutende Rolle gespielt, aber völlig "ohne Bedeutung für die Emigration" - so die verbreiteten Einschätzung in der Fachliteratur[3] - war das Land denn doch nicht.

"Dass ich dies nicht genau wusste", so erzählte er weiter, "lag daran, dass ich in Athen immer Arbeit hatte und ziemlich beschäftigt war. Ich lebte nicht so sehr in den Kreisen der Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich. Die meisten Flüchtlinge verkehrten ja nahezu ausschließlich mit anderen Flüchtlingen, da sie kaum griechisch sprachen. Natürlich kannte ich auch viele Deutsche in Athen, zumeist jüdische Flüchtlinge, aber mindestens gleichermaßen kannte ich auch viele Griechen." Vielleicht auch kein Wunder, da Fred Wohl viel jünger als die meisten anderen Emigranten war; und er hatte - ebenfalls ein Unterschied - noch nicht viel zurücklassen müssen, als er seine Heimat verlassen musste: keine lange ausgeübte berufliche Existenz, keinen eigenen Hausstand, kein nennenswertes Vermögen. Hinzu kam, dass er schon von Haus aus, wie er mal sagte, "nicht besonders religiös" war und sich insofern nicht gerade rege am jüdischen Gemeindeleben beteiligte.

Über das Flüchtlingsleben in Athen hatte Fred Wohl im Laufe des Jahres 1938 eine mehr als 100-seitige Erzählung verfasst[4]. Ein anschauliches Panorama verschiedener Schicksale zumeist jüdischer Flüchtlinge - zwar fiktiv, aber authentisch in dem Sinne, dass "ich all dies selber erlebt oder beobachtet oder von anderen gehört habe", wie er später mal sagte. Die einen lebten "in recht guten Verhältnissen", während andere "ohne einen Pfennig aus Deutschland gekommen" waren und "nicht mehr wussten, wie sich helfen sollten". Sie alle seien durchweg "keine bedeutenden Köpfe" gewesen, von denen später nie etwas zu lesen oder zu hören war.[5] Immerhin habe "ein großer Teil" der in Athen gelangten Emigranten Arbeit finden können, "und es war - paradox genug - dem gesteigerten Handel Griechenlands mit Deutschland zu verdanken, wenn sie sich ihren Lebensunterhalt verdienen konnten". Das galt auch für Fred Wohl, als er irgendwann 1937 bei der Firma ´Spyros Tsangaris´ zu arbeiten begann, die ausländische und damit auch deutsche Zeitungen und Zeitschriften in Griechenland vertrieb. Zum Beispiel auch das ´Berliner Tageblatt´ mit täglich 50 Exemplaren.

Über die griechischen Juden in Athen - zu jener Zeit rund 3000[6] - äußerte er sich in seiner Lebensgeschichte wie in seinem auch später nie veröffentlichen Skript von 1938 wenig. Für ihn waren die Athener Juden "alle gesellschaftlich 'assimiliert'" und lebten insofern "nie so separiert, wie dies in anderen Städten der Fall war. Viele waren Geschäftsleute, Anwälte, Ärzte oder in anderen gehobenen Positionen tätig" und "bildeten einen selbstverständlichen Teil des städtischen Bürgertums". Ganz anders in Saloniki, wo mehrere zehntausend Juden lebten - die sog. sephardischen Juden, die vor vielen Generationen aus Spanien vertrieben worden waren. Sie hatten eine eigene Sprache und eine eigene Kultur und bildeten eine Gemeinschaft für sich, geradezu eine Stadt in der Stadt.[7] "Ich hatte von alledem einiges gehört, war selbst aber niemals in Saloniki. Nach meiner Kenntnis gab es keine nennenswerten Beziehungen oder Verbindungen zwischen den Athener Juden und denen in Saloniki."

Noch viel weniger erzählte Fred Wohl etwas von Judenfeindschaft oder Antisemitismus. Davon habe er in den ersten Jahren in Griechenland nie etwas verspürt. Aber das war nur die Sicht aus Athen. In Mazedonien, Thrazien und in Epirus sah das schon anders aus, seitdem im Zuge des griechischen Freiheitskampfes gegen das osmanische Herrschaft - vollendet mit der Rückgewinnung von Saloniki 1912 - und des massenhaften Zustroms griechischstämmiger Menschen aus Kleinasien es zu manchen antijüdischen Pogromen gekommen war. Zwar betrieb der bis 1935 amtierende Regierungschef Venizelos eine Politik des Ausgleichs, zugleich der aktiven Assimilierung der Juden in die Mehrheitsgesellschaft, aber diese Befriedung erfuhr immer wieder dramatische Rückschläge wie zuletzt 1931.[8] Das änderte sich nach der Errichtung der Diktatur Metaxas am 4.8.1936 zunächst nicht. Zwar mit strikt antikommunistischem Feindbild enthielt sie sich, ideologisch wie prak*tisch, irgendwelchen antisemitischen Sentenzen. Der Staat wolle die Juden "wie alle ande*ren Kinder Griechenlands" behandeln, versprach Metaxas.[9] Das wurde in Nazideutschland - trotz des Beifalls für den Diktator und Bündnisgenossen[10] - mit einigem "Befremden" auf*genommen[11], zumal Griechenland nach wie vor auch jüdischen Flüchtlingen Zuflucht gewährte. Es gebe dort "keine Juden*frage", konstatierte 1940 der im Nachkriegsdeutschland viel gelesene Gaitanides; und erleichtert hob er hervor, dass die griechischen Juden "nur in der Türkenzeit eine bedeutsamen Stellung inne(gehabt)" hätten und "ihre Gefährlichkeit weiterhin durch ihre geringe internationale Versippung eingeschränkt" sei.[12]



Von der "relativen Toleranz" bis zum "Damoklesschwert" der Ausweisung
Wenn heute durchweg hervorgehoben wird, dass bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, wenn nicht gar bis 1941, die griechischen Juden "unter der Diktatur Metaxas trotz dessen unverhohlener Bewunderung für NS-Deutschland ein Leben in relativer Toleranz genossen" hätten[13], so gilt dies nicht gleichermaßen für die jüdischen Flüchtlinge, die sich seit 1933 nach Griechenland retteten, ohne es nur als Sprungbrett nach Palästina nutzen zu wollen. Fred Wohl zufolge fingen die Schwierigkeiten im Laufe des Jahres 1938 an und wurden recht schnell existentiell. "Ich kann das nicht genau überprüfen, aber damals hatte ich wirklich den Eindruck, dass die griechischen Behörden immer strenger und restriktiver wurden." Es kam zu ersten Festnahmen von Emigranten, die keine Arbeits*erlaubnis hatten oder denen die Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert worden war, und es machte sich "panische Angst" breit. "Das Damokles-Schwert hing über allen Emigranten in Griechenland, und es musste früher oder später auf jeden von ihnen hinunterfallen."

Diese zunehmend restriktive Politik war nicht so sehr innenpolitisch motiviert, etwa aufgrund der vorrangigen Auf*nahme und Versorgung von griechischen Heimatvertriebenen, zuletzt von jenen, die die Sowjetunion ausgebürgert hatte. Vielmehr folgte es außenpolitischen Erwägungen oder Rücksichtnahmen: nämlich "kein Ausländerproblem zu schaffen und nicht Berlin zu provozieren".[14] Und seit der Diktatur Metaxas war Nazideutschland zunehmend in Griechenland präsent. Dies hatte Fred Wohl, nachdem er schon bei ´Spyros Tsangaris´ mit einem dort angestellten Deutschen mit NSDAP-Abzeichen am Revers konfrontiert war, vielfach beobachten können: angefangen von der Nazi-Propaganda in Athen bis hin zu den "Verbindungen zwischen der Fremdenpolizei und der deutschen Gesandtschaft" und - "in Handelskreisen ein offenes Geheimnis" - jenem Auskunfts*büro, das "nur dem Zweck diene, herauszufinden, in welchen griechischen Unternehmen Juden eine Rolle spielten", um jene dann aufzufordern, die betreffenden Personen zu entlassen, "wenn man einem schädlichen Einfluss auf seine Geschäftsverbindungen vorbeugen will".

So war es auch bei Fred Wohl, der bereits nach den ersten ihm bekannten Ausweisungen jüdischer Emigranten sich vergeblich um eine Einbürgerung bemüht hatte. Jetzt im Herbst 1938 hatte "die deutsche Botschaft in Athen herausgefunden, dass in dem Zeitungsvertrieb, in dem ich arbeitete, ausgerechnet ein Jude die nach Griechenland gelieferten deutschen Zeitungen durchsah und - wenn man so will - kontrollierte."[15] Entsprechend informierte die Botschaft die griechischen Behörden und "forderte die Ausländerpolizei auf, mich auszuweisen, vielleicht sogar - ich weiß es nicht genau - mich nach Deutschland abzuschieben. Jedenfalls kam die Polizei eines Tages in die Firma und verhaftete mich. Ich wurde einige Tage in einem Polizeirevier festgehalten. Es war kein Gefängnis, sondern irgendeine Art von Arrest und man konnte es einigermaßen dort aushalten. Freunde von mir brachten mir regelmäßig Mahlzeiten. Ich selber sagte den Polizeibeamten: Wenn ihr wollt, dass ich aus Griechenland verschwinden soll, dann kann ich das nur, wenn ich hier nicht rumsitze und keine Gelegenheit habe, mir einen Pass zu besorgen. Die Polizisten wussten nicht so recht, was sie mit mir machen sollten, und einige Tage später wurde ich dann freigelassen. Sogleich schalteten wir einige befreundete Rechtsanwälte ein, und auch Anagnostopoulos (der Chef von ´Spyros Tsangaris´) versprach seine Hilfe. Aber alles, was sie erfuhren, war, dass die griechischen Behörden uns jetzt als ´Illegale´ betrachteten und dass sie uns an die deutschen Behörden verwiesen. Und was wir von den deutschen Behörden zu erwarten hatten, war uns natürlich klar."

Von ähnlichen Fällen berichtete Wohl auch in seiner Erzählung "Athener Flüchtlingsleben" sowie in einem Artikel, den er nach der Ankunft in Zypern verfasst hatte.[16] Hier bilanzierte er die Flüchtlingspolitik der Regierung Metaxas mit dem Worten: "Da das kleine Land nichts anderes an die Stelle seines Handels mit Deutschland stellen kann, springt man in Athen mit den paar Emigranten um, wie es Deutschland passt" - und dies sogar manchmal mit einem "deutlichen antisemitischen Anstrich". Auch in der Türkei wurden bei Kriegsanbruch viele der nicht im Staatsdienst tätigen deutschen Emigranten, zumal wenn Juden oder des Kommunismus Verdächtigte, "urplötzlich ausgewiesen" - und dies "nicht ohne ´Nachhilfe´ durch die deutschen amtlichen Vertretungen", wie Fritz Neumark schrieb.[17]

Dementsprechend zufrieden äußerte sich das NS-Regime: "In Nordamerika, in Südamerika, in Frankreich, in Holland, Skandinavien und Griechenland - überall, wohin sich der jüdische Wanderungsstrom ergießt, ist bereits heute eine deutliche Zunahme des Antisemitismus zu verzeichnen. Diese antisemitische Welle zu fördern, muss eine Aufgabe der deutschen Außenpolitik sein", so heißt es in der Denkschrift ´Die Judenfrage als Faktor der Außenpolitik´ vom 25.1.1939.[18] Je größer der Zustrom auswandernder Juden, "desto stärker wird das Gastland reagieren", da man überall zu der "gereiften Erkenntnis" gelangen würde, "welche Gefahr das Judentum für den völkischen Bestand der Nationen bedeutet" - und "desto erwünschter ist die Wirkung im deutschen propagandistischen Interesse." Ein Jahr später schrieb der schon zitierte Gaitanides: "Gegen eine deutsche Emigrantenflut hat sich Griechenland sehr energisch und erfolgreich zur Wehr gesetzt."[19]

Von dieser Politik waren die griechischen Juden zunächst nicht weiter tangiert. Sie "konnten ruhig bleiben", wie Fred Wohl schrieb. "Die Freundschaft des Diktators mit führenden Juden und seine Zusicherungen waren Garantie genug, dass sich in Griechen*land nie das ereignen würde, was in Mitteleuropa geschehen war. Die ausländischen Juden aber fühlten, wie ihnen der Boden unter den Füßen weggerissen wurde. Sie waren vogelfrei. Griechenland schien auf dem besten Wege, ein Staat in der Reihe derer zu werden, die den gehetzten Opfern deutscher Demagogie keine Unter*kunft mehr boten." Da schien es kein Widerspruch, dass die griechische Regierung den 1938 anschwellenden Zustrom jüdischer Flüchtlinge, die von hier aus den rettenden Sprung nach Palästina versuchten, keine Hindernisse in den Weg legte; die waren ja keine Einwanderer. Zwar "Geheimfrachten" auf kleinen, bisweilen nicht ganz seetüchtigen Schiffen quer durch die Ägäis, sei dies allgemein bekannt gewesen. Ebenso der Fahrpreis und die Orte, von wo die Flüchtlingsschiffe ablegten, kleine Häfen auf der Insel Euböa. Selbst dass zionistische Organisationen aktive Fluchthilfe betrieben und damit bewusst den für Palästina damals gültigen Einwan*derungsstopp durchkreuzten, war Fred Wohl zufolge "ein offenes Geheimnis". In Saloniki habe man sogar, wie er damals hörte, "ein Lager zur vorüber*gehenden Unterbringung von Flüchtlingen errichten" wollen, "bis diese Opfer deutscher Kultur nach Palästina weiterbefördert werden könnten".



Wenn nicht Palästina, dann wohin?
Für Fred Wohl kam Palästina allerdings nicht in Frage. Seiner Erinnerung nach galt dies auch für die Mehrheit der jüdischen Flüchtlinge in Athen - sei es, weil man nicht erneut einen illegalen Status riskieren mochte oder weil man "der Kultur Europas nahe blei*ben" wollte und dem orthodoxen Judentum und dem Zionis*mus wenig oder nichts abgewinnen konnte. Aber wohin, wenn "unser weiterer Aufenthalt in Athen nicht möglich sein würde"?

"Angesichts der Gefahr, nach Deutschland deportiert zu werden" - wobei Fred Wohl auch später nie gehört hatte, dass zu jener Zeit jüdische Flüchtlinge an die Gestapo ausgeliefert wurden - "begannen mein Vater, meine Schwester und ich sogleich, die Konsulate verschiedener Länder abzuklappern um Erkundigungen über die jeweiligen Einwanderungsmöglichkeiten einzuholen. Dabei wurde uns mehr und mehr klar, dass jüdische Flüchtlinge nirgendwo willkommen waren. Dies galt jedenfalls für Menschen und Familien, die nicht viel Geld hatten und nichts anderes als ihre Arbeitskraft, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und zu überleben." Nach einigen Absagen zeichnete sich im Konsulat von Paraguay aber ein Ausweg ab. "Der Konsul sagte zu, uns Visa zu beschaffen. Aber wo liegt Paraguay? Wir sammelten alle verfügbaren Informationen über dieses südamerikanische Land und verkauften einen Teil unserer Möbel, um die Visagebühren zu bezahlen und die Reisekosten aufzubringen. Mit großen Hoffnungen gingen wir dann ins Office von American Express, um die Tickets für die Schiffspassage zu kaufen. Dort wurde uns aber gesagt, unsere Pässe müssten erst zum Generalkonsul von Paraguay, der in Italien sitzt. Der müsse unsere Visa unterschreiben, nur mit der Unterschrift des Konsuls in Athen seien die Visa nicht gültig. Wir waren natürlich ziemlich enttäuscht - und der Kerl, der ohnehin nur ein Honorarkonsul war mit begrenzten Kompetenzen, wusste das genau. Nur mit großen Schwierigkeiten und dem Verweis auf das Schicksal, das uns drohte, schafften wir es, wenigstens die Hälfte des an ihn gezahlten Geldbetrages zurückzubekommen."

"Mittlerweile", so erzählte Fred Wohl weiter, "hatten wir nur noch sechs Wochen Zeit, um Griechenland zu verlassen. Die lokalen Behörden behielten uns strikt im Auge. Also setzten wir die Runde durch die ausländischen Vertretungen fort. Da kam uns zuhilfe, dass mein Vater schon seit längerer Zeit einer Freimaurerloge angehörte und dort einen jungen Engländer kennen gelernt hatte, der uns einige Male besucht hatte. Er war Sekretär in der britischen Botschaft und verschaffte meinem Vater einen Termin bei dem britischen Botschafter. Der Termin kam zustande, und der Botschafter schaltete daraufhin den britischen Geheimdienst - Intelligence Service - ein, der uns eingehend befragte und Erkundigungen über uns einholte. Dabei stießen die Briten auf den Umstand, dass meine Mutter einen Vetter hatte, der in der Weimarer Zeit Außenminister Deutschlands gewesen war: Walter Rathenau, der 1923 von Rechtsradikalen ermordet wurde. Dies beeindruckte die Briten und sie stellten uns ein Dokument aus, in dem wir als ´politische Flüchtlinge´ eingestuft wurden und damit die Erlaubnis erhielten, in alle britischen Hoheitsgebiete und Kolonien zu reisen."

Da das nächstgelegene britische Hoheitsgebiet Zypern[20] war und die Wohls zu wenig Geld hatten, fernere Länder des Empires anzusteuern, beantragten sie ein Visum für ebendieses Zypern. Aber selbst das war teuer: 1000 Britische Pfund pro Person. Immer noch mehr, als man aktuell hatte. Aber nach einem erneuten Gespräch mit dem britischen Botschafter, der eine erhebliche Reduzierung der verlangten Einreisegebühren veranlasste, und mit finanzieller Hilfe der Inhaber der beiden Firmen in Athen, bei denen Fred Wohl besonders lange tätig war, gelang es das Geld für die Einreise nach Zypern aufzubringen. Und an einem kühlen Februartag des Jahres 1939 bestieg man in Piräus ein Schiff nach Limassol.

Fred Wohl hatte auch später nie einen Überblick bekommen, wohin es die jüdischen Flüchtlinge in Athen verschlagen hatte, die wie er damals Griechenland verlassen mussten. Er kannte oder hörte nur von Einzelnen, die in die Türkei gingen oder ein Visum für eines der lateinamerikanischen Länder ergattern konnten. Doch vielen blieb nichts anderes übrig als der Weg nach Palästina. Die darin liegende "Tragik" hat Wohl für zwei der Hauptpersonen seiner Erzählung beschrieben: "Sich jetzt, angesichts des drohenden Schiffbruches, an ihr Judentum im allgemeinen und an den Zionismus im besonderen als Rettungsring zu hängen, widerstrebte ihrer Aufrichtigkeit, obwohl sie einsahen, dass es eventuell eine Notwendigkeit werden könnte."



Eine zornige Abrechnung mit der Flüchtlingspolitik
In den ersten Wochen in Zypern brachte Fred Wohl, untergebracht in einer billigen Pension in Nikosia, seinen Frust über die erfahrene Behandlung der jüdischen Flüchtlinge aufs Papier[21]. Auch dieses Skript mit dem Titel "Was nützt dem Flüchtling das Mitleid", unterzeichnet mit "F. Richard" (sein zweiter Vorname), ist nie veröffentlicht worden. Wohl erinnerte sich nur, es an eine Adresse nach England geschickt zu haben, es also irgendwo publizieren zu wollen. Deshalb hier nun der Wortlaut dieses bemerkenswerten Dokuments eines unmittelbaren Betroffenen:

"Es mag vielleicht daran liegen, dass man vermeiden will, größeren Schaden anzurichten als bereits gestiftet, und dies ist sicherlich der Hauptgrund, dass über die Auswanderungsbedingungen, die Flüchtlingen in verschiedenen Ländern vorfinden, und über die im Laufe der Zeit wechselnde Haltung der Staaten dazu so wenig zu hören ist. Dazu kommt auch, dass in den meisten Kulturstaaten der Auswanderer von jeher nur als Individuum Aufnahme gefunden hat. Besonders unter den Flüchtlingen fehlt jede Organisation, und sie sie sind deshalb noch mehr als an und für sich schon dem Willen oder Mutwillen der Landesregierungen ausgeliefert, unter deren Oberhoheit das furchtbare Schicksal der Emigration sie verweht hat.

Bedenken wir, dass das Dritte Reich nun bereits sechs Jahre besteht und dass in diesen sechs Jahren nichts geschehen ist, um irgendeines der vielen großzügig auf den Plan gebrachten Projekte auch nur vorzubereiten. Was nutzt dem Flüchtling das Mitleid der ganzen kultivierten Welt, wenn ihm nirgends eine Bleibe geboten wird? Was nutzen die größten und bestgemeinten Geldspenden, wenn der Heimatlose kein neues Betätigungsfeld eröffnet bekommt? Gerade aus diesem negativen Ergebnis der Flüchtlingspolitik geht hervor, wie wenig bemüht die Regierungen fast aller Länder waren, dem anfänglich wirklich vorhandenen Mitgefühl der Völker durch Aufnahme der unverdient so hart betroffenen Men*schen eine positive Folge zu geben.

Hunderttausende leben heute noch in den Grenzen der Diktaturstaaten, denen keine Heimat mehr geboten ist; und für deren Zukunft machen humanitäre Organisationen Pläne, die sogar - wie aus den Verhandlungen in Evian ([22]) hervor*geht - soweit gehen, Deutschland die Freizügigkeit dieser Bedauernswertesten durch wirtschaftliche oder finanzielle Zugeständnisse abzukaufen. Es ist bezeichnend für unsere Zeit, die nur noch für Zahlen mit vielen Nullen ein Auge hat, dass darüber der Flüchtlingspolitik der einzelnen Regierungen keine Auf*merksamkeit geschenkt wird. Und wenn wir deshalb hier die Flüchtlingspolitik in einer einzigen Gegend, im östlichen Mittelmeerbecken, einer Betrachtung unter*ziehen, so um das Gewissen der Welt darauf auf*merksam zu machen, wie wenig doch an praktischer Unterstützung den Heimatsuchenden zuteil geworden ist.

Es ist bekannt, dass bei Beginn der Auswanderungen die Türkei viele bedeu*tende deutsche Juden an ihre Universitäten berufen hat, dass deutsche Tech*niker und Spezialisten in für ein Land wie die Türkei großzügiger Weise sogar in den Staatsdienst aufgenommen wurden. Es ist aber nicht bekannt, wie diese nach Ablauf ihrer Verträge kurzfristig des Landes verwiesen wurden. Die Zeitungen schrieben lediglich von der großzügigen Geste, mit der die türkische Regierung im vergangenen Jahr 2000 Ausländern das türkische Bürgerrecht verliehen hat. Es waren dies aber in erster Linie in der Türkei lebende Griechen und von den Emigranten nur solche, die eben tatsächlich unentbehrlich geworden waren. Von den Zwangsverschiffungen verzweifelter Menschen, die in Istanbul an der Tagesordnung sind, schweigt die Presse.

Es sei hier nur der Fall eines Berliner Juden erwähnt, der von Griechenland aus*gewiesen nach der Türkei kam, und nachdem er ein Jahr in Istanbul lebte, zwangsweise auf einem italienischen Schiff nach Genua transportiert wurde. Mit einer Genehmigung, sich drei Tage lang, aber keine Stunde mehr auf italie*nischem Boden aufhalten zu dürfen, überquerte dieser Mann mit einer Gesell*schaft Leidensgenossen unter größten Strapazen die französische Grenze...

Kann dieser Vorgang in der Türkei immer noch so erklärt werden, dass der Staat eben anfangs Interesse an den Flüchtlingen hatte und sich späterhin nicht mehr interessierte, d.h. sich der Emigranten solange annahm, als das nützlich erschien bzw. erscheint, so ist die Lage in Griechenland noch schlimmer, wo die Qualen der wenigen dorthin verschlagenen Emigranten mehr oder weniger von Berlin aus diktiert werden. Es ist sehr hoch geschätzt, wenn man für ganz Griechenland eine Ziffer von 500 - 600 Emigranten annimmt, die in das Land gelangt sind. Der bescheidene Zustrom von Menschen war für Handel und Industrie in Griechenland äußert nützlich, da der griechische Handel wie auch die Maschineneinfuhr in den letzten Jahren völlig von Deutschland beherrscht werden. Dadurch war es möglich, dass alle diese Emigranten mehr oder weniger rasch von den einzelnen Berufen absorbiert werden konnten, ohne dass irgendjemand auf den Gedanken gekommen wäre, dass Griechen dadurch ihre Arbeitsplätze weg*genommen werden.

Leider verschließt sich die griechische Regierung diesen Tatsachen völlig. Dazu kommt die Furcht vor einer etwaigen Änderung der wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland. Die deutschen Stellen suchen natürlich von jeher zu vermeiden, dass größere Mengen Emigranten nach Griechenland, denn in diesem befreundeten Markt soll keine deutschfeindliche Stimmung aufgebracht werden. Da das kleine Land nichts anderes an die Stelle seines Handels mit Deutschland stellen kann, seit sich England in sein Imperium zurückgezogen hat, springt man in Athen mit den paar Emigranten um, wie es Deutschland passt. Leider ist außerhalb Griechen*lands leider wenig bekannt, wie stark die deutsche Propaganda und der deutsche Einfluss in diesem Lande sind. In Athen existiert sogar eine Handelsauskunftei, deren Spezialität es ist zu prüfen, welche griechischen Firmen in irgendeiner Weise mit Emigranten zusammenarbeiten. Von der Landesleitung der NSDAP ([23]) aus werden diese Firmen dann durch Abgesandte freundlich aufgefordert, diesem Zustand abzuhelfen, wenn man einem schädlichen Einfluss auf seine Geschäftsverbindungen vorbeugen will. Menschen, die nun schon jahrelang im griechischen Wirtschaftsleben stehen, werden so zu kurzfristigem Verlassen des Landes aufgefordert; und wenn es ihnen nicht gelingt, rechtzeitig irgendein Visum zu erhalten, werden sie einige Tage in griechische Gefängnisse gesteckt - denn wer erst einmal diese kennen* gelernt hat, verlässt das Land gerne.

So wurde der leitende Spezialist einer der größten griechischen Webereien, dem seine Firma den Vertrag nicht verlängerte, weil die Polizei die Aufenthalts*genehmigung verwehrte, arrestiert... Von einer anderen 4-köpfigen Familie haben drei die griechischen Arrestlokale kennen lernen müssen. Auch eine Petition an den König hatte keinen Erfolg. Bezeichnend ist auch jener Fall einer jungen Frau, dessen Bruder infolge harter Behandlung in einem deutschen Konzentrations*lager starb und die sich dann veranlasst sah, bei der griechischen Polizei einen Antrag zur Einreisegenehmigung der Mutter zu stellen. Es wurde ihr ganz offen gesagt, dass sie dadurch nur ihre eigene Aufenthaltsgenehmigung so gefährdet habe, dass sie sich besser raschestens einen anderen Aufenthaltsort wählen sollte.

Es beunruhigt in Griechenland selbst, dass die Emigrantenausweisungen dort auch einen sehr deutlichen antisemitischen Anstrich haben, den sich gerade dieses Land mit der starken Bindung an England und aufgrund seiner Tradition nicht leisten dürfte. Es liegen jedoch hierzu Äußerun*gen sogar des verantwort*lichen Ministers vor, die nichts an Deutlichkeit zu wünschen lassen. Es ist bedauerlich, dass etwas derartiges unter einem halbdiktatorischen Regime vor*kommen kann, dem das heutige Griechenland sonst viel Gutes verdankt. Es ist dies aber sehr auf deutschen Druck zurückzuführen. (So hat) einer der Direk*toren der griechischen Fremden*polizei im vergangenen November Deutschland besucht, worauf dann eine außerordentliche Verschärfung der Fremdenpolitik in diesem Land eintrat, die sich fast ausschließlich gegen die Emigranten richtet und der auch der Vertreter des Flüchtlingskommissars des Völkerbundes machtlos gegenübersteht, da Griechen-land an den Verhandlungen in Evian nicht beteiligt war.

Großbritannien hat zwar in Evian eine führende Rolle gespielt, doch dies hinderte nicht, dass Ägypten einer der ersten Staaten war, die alle Türen für eventuelle Einwanderer geschlossen haben. Von Ägypten wurde das Beispiel gegeben, dass heute von jedem Inhaber eines deut*schen Reisepasses im ganzen Orient zum Erhalt eines Visums auch eine amtliche deutsche Bescheinigung der Abstammung erforderlich ist. Auch Palästina kann für jene Emigranten, die auf sich selbst gestellt sind, nicht als Ziel infrage kommen, da die Einwanderungs*quote bekanntlich für viele Jahre im voraus vergeben ist.

Im östlichen Mittelmeer liegt dann noch die Insel Zypern, die tatsächlich etwa 400 Emigranten aufgenommen hat, also im Verhältnis zu den anderen Gebieten den weitaus größten Prozentsatz. Heute ist es allerdings auch nicht mehr mög*lich, dort hin zu kommen, es sei denn mit einem sehr großen Kapital.

Für all diese Menschen, die in jene Gegenden verschlagen wurden und die stets davon bedroht sind, einen neuen Wohnungswechsel vornehmen zu müssen, ist es schrecklich mit ansehen zu müssen, wie Schiffe mit hunderten von Emigranten in mittelländischen Meer herumfahren und wie man diesen Menschen in jedem Hafen die Landung verwehrt (wird). Der Streik, durch den in Tel Aviv die englischen Behörden veranlasst wurden, die Menschenfracht eines dieser Schiffe auf-zunehmen, ist nur ein schwacher Ausdruck dessen, was jeden beseelt, der von dem gleichen Schicksal bedroht ist. Wie furchtbar ist aber das Niveau unserer 'Kultur' gesunken, wenn wir sehen, wie sich heute schon keine Stimmen mehr zugunsten dieser neuartigen 'Pestschiffe' meldet, wie die Welt hiervon gar nicht mehr Notiz nimmt und wie diejenigen Mitmenschen, die glauben unbeteiligt zu sein, sich nur unangenehm berührt fühlen, wenn man sie darauf hinweist.

Wo bleibt hier das Gewissen der Welt? Wo bleiben die so laut angekündigten Hilfsaktionen? Es handelt sich bei all dem ja nur um wenige hunderte Menschen. Aber wie sollen die großzügigen Pläne, von einen wir immer wieder lesen, verwirklicht werden, wenn es nicht einmal gelingt - oder sagen wir besser: wenn man nicht einmal versucht, hier einigen Hunderten, einem kleinen, winzigen Bruchteil des ganzen zu Ruhe und Einordnung zu verhelfen?"



Exil in Zypern, bis der Krieg vor der Haustür zu toben begann
Nun in Zypern fing für Fred Wohl das Spiel von vorne an: Fuß fassen, Kontakte knüpfen und Arbeit finden. Nur war es jetzt etwas leichter als zu Beginn seiner Exilzeit in Athen, da er derweil fast fließend griechisch sprach und ihm der in Nikosia kaum andere Alltag vertraut war. Zugleich aber auch schwieriger, da die Lebensverhältnisse ärmlicher und auch viel weniger international geprägt war als Athen. Das minderte die Chancen selbst für Gelegenheitsarbeiten gebildeter Flüchtlinge wie er, und wenn doch, verdiente man weniger als auf dem griechischen Festland. So war es auch bei Fred Wohl, der dank eines Empfehlungsschreibens von Anagnostopoulos bei einer ganz ähnlichen Firma wie ´Spyros Tsangaris´ Arbeit fand. "Nun gut, es war besser als überhaupt keine Arbeit und kein Einkommen zu haben", erzählte er über dieses 2-monatige ´Gastspiel´. Dann lernte er zwei österreichische Juden kennen, ebenfalls Flüchtlinge, die gerade ein Wurstgeschäft eröffneten und jemanden mit guten Sprachkenntnissen für den Verkauf suchten. Wohl stimmte zu und arbeitete etwa zehn Monate lang eben als Wurstverkäufer in Nikosia.

Sein Vater, inzwischen 58 Jahre alt, blieb - wie schon im letzten Jahr im Athen - ohne Beschäftigung, während seine Schwester Ilse einigen besser verdienenden Zyprioten Deutschunterricht erteilte und damit das Familieneinkommen aufbessern konnte. Die gewisse Nachfrage daran mochte teilweise von den Sympathien für Nazideutschland herrühren, die im Zuge nationalistischer Bestrebungen gegen die britische Fremdherrschaft aufkamen. "Es gab politische Kreise, die die Okkupation durch die Nazis regelrecht herbeiwünschten", so erinnerte sich Fred Wohl an die Stimmung 1941, als die deutsche Wehrmacht Griechenland besetzte. Namentlich den griechischen Bischof Makarios, der später Präsident von Zypern wurde, bezeichnete er als "erklärten Freund der Nazis".

Aber das war noch kein Thema, als die Wohls sich in Zypern einzurichten begannen. Nach gut einem Jahr fand Fred Wohl, selber jetzt 26 Jahre alt, eine relativ gut bezahlte Arbeit in einer großen Asbestmine im Troodos-Gebirge, wo in der Sommerzeit bis zu 3000 Arbeiter - in der Mehrheit türkische Zyprioten und Wanderarbeiter aus Türkei - beschäftigt waren. Dort fing er in der Buchhaltung des Unternehmens an, und in Amiandos, dem nächst gelegenen Dorf, zwei bis drei Stunden Busfahrt von Nikosia entfernt, bezog er ein Zimmer im Haus eines deutschen Juden, der bereits in der Asbestmine arbeitete. Von woher der stammte, hatte Wohl vergessen; er erinnerte sich nur, dass jener mit Frau und Kind zunächst nach Palästina gegangen war, um sich später dann in Zypern niederzulassen.

Hier konnte man ohnehin immer wieder jüdische Flüchtlinge aus dem Machtbereich der Nazis kennen lernen. "Wie klein ist die Welt, überall finden sich gemeinsame Bekannte", hieß es in einem Brief der Mutter an ihren nach Bolivien emigrierten Neffen Gerd Michaelis, den zu kennen "ein gewisser Herr Tetschmar" ihr erzählte. "Er lässt Dich grüssen und Dir gutes wünschen!" Dieser Deutsche hatte sich zunächst nach Turin abgesetzt, im Frühjahr 1939 schließlich nach Zypern, wo er in derselben Pension in Nikosia wohnte wie Freds Eltern.

Bald aber war die Unterkunft nicht mehr zu bezahlen, und die Eltern zogen zu ihrem Sohn, nachdem er durch Vermittlung seines Arbeitgebers ein kleines Haus in der Nähe von Amiandos ergattert hatte - und dies ganz mietfrei. Kein Wunder, denn es handelte sich um eine alte verlassene Polizeistation. Ein Haus mit einen "großen zentralen Raum sowie sechs oder acht winzigen Räumen, die früher als Arrestzellen dienten.., ohne Wasseranschluss", wie Fred Wohl erzählte. Hier zu leben sei "mehr als bescheiden" gewesen. Gerade für seine Eltern, für die derlei Wohnverhältnisse, fernab gesellschaftlichen Lebens, "natürlich ein totaler Abstieg" war. "Schon bei dem Umzug von Athen hatten sie nur einen Teil ihrer Wohnungseinrichtung mitnehmen können; weitere Sachen mussten sie dann in Nikosia lassen und verkaufen, so dass sie nur noch zwei oder drei Möbelstücke mitbrachten, als sie sich in der ehemaligen Polizeistation einquartierten."

Aber so ablegen die Wohls nun lebten, waren sie dennoch nicht abgeschnitten von Welt und der politischen Eskalation auch im Südosten Europas. "Es gab ja Zeitungen und Radio", erzählte Fred Wohl. Und es waren insbesondere die Sendungen des BBC, die "wir regelmäßig hörten. Im Libanon und in Griechenland gab es damals nämlich englische Sender, so dass wir einen recht guten Empfang hatten. So waren wir ziemlich genau über die politische Situation informiert." Also über den deutschen Überfall auf Polen, den ´Blitzkrieg´ im Westen, die Besetzung von Paris, über den Kriegseintritt Italiens und schließlich auch über den im Oktober 1940 begonnenen Feldzug gegen Griechenland. "Eine Eskalation, die sich auch auf Zypern auswirkte", wie er hinzufügte, auch wenn die Insel vor der südöstlichen Küste der Türkei (noch) nicht akut bedroht war. Als dann aber die deutsche Wehrmacht im April 1941 in Griechenland einmarschierte, schellten alle Alarmglocken. Gleichwohl schien Fred Wohl nicht damit gerechnet zu haben, wie ernst es auch für die in Zypern lebenden Flüchtlinge wurde. Jedenfalls tauchten eines Tags - an das genaue Datum erinnerte er sich nicht mehr - britische Soldaten auf, nahmen ihn und seinen Vater fest und brachten sie in ein Internierungslager. "Das kam ziemlich überraschend und plötzlich, von einem Tag zum anderen und völlig ungeachtet, ob jemand eine Arbeit hatte oder nicht."

In dem direkt neben dem Gefängnis von Nikosia aufgeschlagenen Lager, bestückt mit Militärzelten, waren nach seinen Erinnerungen bereits "ungefähr 200 Flüchtlinge, die meisten waren jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich". Und es waren nur die Männer unter den Flüchtlingen, die man dorthin gebracht hatte. "Da saßen wir nun in der Hitze, hatten nichts zu tun und wussten zunächst nicht, was das alles bedeutete und was man mit uns vorhatte. Den Sinn dieser Internierung erfasste Fred Wohl aber schnell: "Es war ja Krieg, Weltkrieg, und deshalb war es nicht verwunderlich, dass die Engländer uns sagten: Wir wissen ja nicht, ob du ein feindlicher Ausländer bist oder nicht, wir müssen das erst überprüfen." Deshalb auch die strenge Bewachung der Internierten, die das Lager einstweilen nicht verlassen konnten. "Trotz allem: Wir wurden von den Engländern gut behandelt, bekamen auch genug Lebensmittel. Wir mussten die Mahlzeiten aber selbst zubereiten. "

Nach etwa drei Wochen wurden alle Lagerinsassen mit Bussen und Lastwagen an einen Ort irgendwo im Troodos-Gebirge gebracht und in ein leer stehendes Hotel untergebracht. Der alte Name lautete "Hotel Berengaria", und es war bewacht wie das Lager in Nikosia. "Aber im Vergleich zu dem staubigen und öden Lager in Nikosia war das die reinste Erholung: kühles, gesundes Klima, wunderschöne Umgebung", erzählte Fred Wohl. "Wir haben einige Wochen hier gelebt, bis die Engländer herausgefunden hatten, dass wir keine Feinde waren. Zunächst wurde mein Vater freigelassen, kurz daraufhin auch ich."

Aber das ´back home´ in Amiandos, wo Fred Wohl gleich wieder im Büro des Asbest-Mine zu arbeiten begann, war indes nur von kurzer Dauer. Anfang Juni 1941 kam ein Telegramm von Britischen Goveneur mit der Mitteilung, dass die auf Zypern lebenden Juden evakuiert werden sollten. Wer dabei sein will, müsse sich binnen drei Tagen bei einer Dienststelle in Nikosia einfinden. Eine Maßnahme, die eindeutig in Zusammenhang mit dem am 20.5. begonnenen deutschen Überfall auf Kreta stand. Da war zu befürchten, dass auch Zypern angegriffen werden könnte, zumal die Alliierten hier eine strategisch wichtige Militärbasis für den gesamten östlichen Mittelmeerraum unterhielten.[24] Deshalb wurden bereits zahlreiche britische Staatsangehörige, vor allem Frauen und Kinder, in Sicherheit gebracht und überwiegend in das Kolonialgebiet im südlichen Afrika gebracht. Laut Wohl auch eine Reihe von Offizieren und Soldaten der polnischen Armee, die sich nach der deutschen Okkupation Polens nach Zypern gerettet hatten. Und jetzt waren eben die jüdischen Flüchtlinge an der Reihe.

Angesichts dieser Eskalation zögerten die Wohls nicht, dem Evakuierungsaufruf der Briten zu folgen. "Meine Eltern verkauften daraufhin kurzfristig alles, was sie noch an Möbeln und Hausrat hatten. Wir wussten ja nicht, wohin mit den Möbeln und dem Hausrat, denn wir durften pro Person nur zwei Koffer mitnehmen - und diese durften nur so schwer sein, dass sie von einer Person getragen werden konnten."

Aus dem Kreis der zu evakuierenden Flüchtlinge hatten die britischen Behörden drei Männer als Sprecher oder Unterhändler bestimmt. "Soweit ich mich erinnere, hießen sie Goldhammer, Kästenbaum und Dessauer", so Fred Wohl. "Da ich gut englisch und griechisch sprach, bot ich mich an, Ihnen bei der Erstellung der Evakuierungslisten zu helfen. Sie nahmen mein Angebot an und so fing ich gleich an, die Listen zusammenzustellen."[25] Es waren etwa 500 Personen: fast alle der einheimischen oder dorthin geflüchteten Juden - nur 10 bis 15 Leute wollten bleiben - sowie ein paar Dutzend Zyprioten. Nach Wohls Erinnerungen waren diese eher wohlhabende Leute, die "sich zur Emigration entschlossen, weil sie nicht auf einem von den Nazis okkupierten Zypern - so die verbreitete Befürchtung - leben wollten". Zumal es unter den Inselgriechen so manche Sympathien für den Nationalsozialismus gab. Das hob ein Naziautor 1940 ausdrücklich hervor: In Zypern habe man "mit traurigen Blicken" miterleben müssen, dass die hier herrschenden Briten überhaupt jüdische Flüchtlinge in das Land gelassen hatten - für griechische Zyprioten "umso unerträglicher", da schon einmal die Juden von dieser Insel vertrieben worden seien.[26]

Nach ein paar Tagen Wartens wurde die ganze Gruppe mit Bussen von Nikosia nach Famagusta gebracht. In der Abenddämmerung bestieg sie dann ein Schiff. "Ein überraschend kleines Schiff" und also "sehr beengt", wie sich Fred Wohl erinnerte. Man habe dicht gedrängt auf dem Deck gestanden oder gesessen. Und noch immer "wussten wir alle nicht, wohin man uns bringen würde und was überhaupt mit uns passieren würde. Wir wurden angewiesen, auf das Schiff zu gehen und ansonsten keine Fragen zu stellen. Fragen, wohin die Reise gehen würde, wurden von den Vertretern der britischen Behörden oder der britischen Armee - aus welchen Gründen auch immer - nicht beantwortet." Deshalb sei die Stimmung unter den Flüchtlingen sehr bedrückt und von großer Unsicherheit geprägt gewesen.

Erst während der Überfahrt wurde den Passagieren das Ziel der Reise mitgeteilt: die Hafenstadt Jaffa in Palästina, die man nach einem nächtlichen "Zick-Zack-Kurs über das Mittelmeer" schon am frühen Morgen erreichte. Aber Palästina war nicht das eigentliche Ziel, konnte auch nicht sein, da zu jener Zeit einen Einwanderungsstopp gab. So stellten die Briten, die das Mandat über dieses Gebiet innehatten, "gleich zu Anfang unmissverständlich klar, dass wir in keinem Fall die Erlaubnis bekommen würden, im Mandatsgebiet zu bleiben. Unser Aufenthalt sei nur vorübergehend; in Kürze würde der Weitertransport der Flüchtlinge in ein anderes Land erfolgen."



Ein Zwischenstopp in Palästina, aus dem fast ein halbes Jahr wurde
Gleich nach dem Anlegen des Schiffes wurden die Flüchtlinge mit Bussen nach Tel Aviv gebracht. "Die Busfahrt erfolgt noch bei Dunkelheit ohne Scheinwerfer und ohne Licht", erzählte Fred Wohl. "Der Grund hierfür war, dass es in Haifa und Tel Aviv gerade Luftangriffe durch Kampfflugzeuge der deutschen und italienischen Luftwaffe gab." Es musste also einige Tage nach diesen Angriffen vom 10. und 12. Juni 1941 gewesen sein. "Wir wurden zunächst in Zelten untergebracht, die auf einem Gelände am Stadtrand von Tel Aviv aufgestellt worden waren. Ich erinnere mich, dass an diesem Lagerplatz Gräben ausgehoben wurden, die Schutz bei Luftangriffen geben sollten. Auch in den nächsten Tagen gab es nachts immer wieder Fliegeralarm. Bis zur Entwarnung mussten wir uns dann in den Gräben aufhalten."

Nach kurzer Zeit wurde man einzeln auf jüdische Familien in Tel Aviv und Umgebung verteilt, aber auch dabei galt: Aufenthalt nur vorübergehend! Es bestünde keine Aussicht, sich in Palästina niederzulassen; man bekäme auch keine Arbeitserlaubnis. Allerdings hatte schon gleich nach Ankunft, wie Fred Wohl sich erinnerte, "ungefähr ein Drittel der Leute" sich abgesetzt hatten, da sie Verwandte oder Bekannte in Tel Aviv oder in anderen Gebieten Palästinas hatten, bei denen sie Unterschlupf finden konnten. Danach habe er diese "nie wieder gesehen:" In den folgenden Wochen und Monaten schrumpfte die Gruppe der Zypern-Flüchtlinge, für die die Jewish Agency einen speziellen Stab eingerichtet hatte, immer weiter, so dass letztendlich, bei Weiterfahrt nach Afrika im November, nur rund 200 Leute - weniger als die Hälfte - übrig blieben.

Bis dahin unterstützte die Jewish Agency mit 2-wöchentlich ausgezahlten Geldbeträgen die Flüchtlinge. Aber es habe nicht gereicht, weshalb die Eltern die fast letzten Mitbringsel aus früheren Baden-Badener Zeiten - eine Briefmarkensammlung und etwas Silberbesteck - verkaufen mussten und Fred Wohl selbst "auch immer nach Gelegenheiten suchte, etwas Geld zu verdienen", aber nur wenig erreichte. Während dieser Monate in Palästina blieben ihnen das orthodoxe Judentum und der Zionismus so fremd wie immer schon. Sie wollten hier nicht leben und warteten Woche für Woche auf den Weitertransport.

Der erfolgte schließlich Mitte November 1941. "Wir erhielten von der Jewish Agency die Instruktion, alle unsere Sachen zu packen. Wir sind dann mit dem Zug nach Kairo gefahren. Die Pläne bezüglich der weiteren Evakuierung besagten: Die eine Hälfte der Flüchtlinge sollte nach Nyassaland - das heutige Malawi - gebracht werden, die andere Hälfte nach Tanganyika. Beides waren britische Protektorate in Ostafrika." Nach einigen Tagen in Kairo ging es nach Port Twefik, an der Einmündung des Suez-Kanals in das Rote Meer, und an Bord des belgischen Schiffes "Leopoldville". "Die Passagiere waren nicht nur jüdische Flüchtlinge, auch zahlreiche Soldaten und Offiziere aus England und aus den britischen Kolonien", erzählte Fred Wohl. "Bei Nacht musste das Schiff vollständig verdunkelt werden, denn man fürchtete Luftangriffe der deutschen oder italienischen Streitkräfte. Als wir dann außerhalb der Reichweite der deutschen und italienischen Kampfflugzeuge waren, konnten die Vorsichtsmaßnahmen aufgehoben werden. Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als der Kapitän dies verkündete. Es war der 7. Dezember 1941. Einen Tag später hörten wir über Radio vom Angriff der Japaner auf die amerikanische Flotte in Pearl Harbour auf Hawaii. Nachdem diese Meldung eintraf, ordnete der Kapitän wieder die Verdunklungsmaßnahmen an. Ich sehe noch vor mir, wie verängstigt alle Passagiere waren. Insbesondere waren wir in Sorge, dass am südlichen Ausgang des Roten Meeres, in der Straße von Aden, ein japanisches Untersee-Boot auf uns warten und unser Schiff versenken könnte."

Es passierte dann doch nichts, so dass man nach einen kurzen Zwischenaufenthalt in Monbasa sicher den Hafen von Dar es Salaam ansteuerte. Am letzten Tag an Bord, am 12. Dezember 1941, überreichten die Sprecher der Flüchtlingsgruppe - unterzeichnet von Dr. Kästenbaum und Dr. Weidmann - einen Brief an die zuständigen britischen Offiziere, in dem jenen die "Grundzüge für die Statuten der zu gründenden Organisation der Evakuierten von Cypern" mitgeteilt wurden. Abschließend hieß es: "Wir benutzen diese Gelegenheit, um Ihnen anlässlich der Beendigung Ihrer Tätigkeit als Executive Officers im Namen der Abteilung, die uns zu ihren Vertretern gewählt haben, unser aller Dank und Anerkennung für alles auszusprechen, was Sie für die Evakuierten von Cypern geleistet haben. Es freut uns besonders feststellen zu können, dass unsere gemeinschaftliche freundliche Aussprache allen Missverständnissen den Boden entzogen hat, und wir bitten Sie um Bestätigung des vorliegenden Schreibens." [27]

Fred Wohl, der nach fünf Jahren Ostafrika in die USA emigrierte und hier heimisch wurde, war zeitlebens dankbar für das Engagement der Briten. "Die haben uns das Überleben ermöglicht." Seine Großmutter Auguste Wohl aus Leobschütz schaffte es nicht. Sie wurde 1941 im KZ Theresienstadt ermordet.

Autor: Dr. Niko Ewers



Literatur
Fleischer, Hagen: "Griechenland: Das bestrittene Phänomen", in: Vorurteile und Rassenhass. Antisemitismus in den faschistischen Bewegungen Europas, hrsg. v. H. Graml u.a., Berlin 2001

Gaitanides, Hans: "Neues Griechenland", Berlin 1940

Lacina, Evelyn: Emigration 1933-1945, Stuttgart 1982

Neumark, Fritz: "Flucht am Bosporus", Frankfurt 1980

Spengler-Axiopoulos, Barbara : ´Wenn ihr den Juden helft, kämpft ihr gegen die Besatzer´. Der Untergang der griechischen Juden", in: Solidarität und Hilfe für die Juden während der NS-Zeit. Regionalstudien 1, hrsg. v. W. Benz / J. Wetzel, Berlin 1996

Stephens, Robert: Cyprus. A place of arms, London 1966

Wohl, Fred R.: Lebensgeschichte eines deutschen Juden in Amerika, Essen / Bielefeld / Washington 2002, 88 S. mit Anhang (unveröff. Ms.)

Wohl, Fred R.: "Athener Flüchtlingsleben". Kopie des Manuskripts im Besitz des Autors.

Ziebarth, Erich: "Zypern. Griechen unter britischer Herrschaft", Berlin 1940

peter
16.06.2006, 11:56
Eine kritische Betrachtung
Die Geschichte der Jüdischen Gemeinde von Saloniki in der Zeit 1941/43 zeigt, bei einer genauen Überprüfung, wie gut das zuständige Wehrmachtskommando mit der SS – Eichmann Referat – und der lokalen Marionettenregierung zusammenarbeitete um die Juden erst auszubeuten und dann in den Tod zu schicken. Diese Tatsache wurde von innerjüdischer Polemik, besonders von den absurden Anschuldigungen gegen den damaligen Oberrabbiner Zwi Koretz, geradezu verschleiert. Diese Jüdische Gemeinde, Ende des XV° Jahrhundert von Sephardischen Juden welche vor der Inquisition fliehen mussten gegründet, hatte ihre Blütezeit unter dem Osmanischen Reich. Die Lage änderte sich nach dem im Jahr 1912 als Saloniki zu Griechenland kam und verschlechterte sich zunehmend nach dem Ersten Weltkrieg und dem Griechisch/Türkischen Krieg von 1923 als über eine Million „Umsiedler“ aus der Türkei in Griechenland Aufnahme suchten. Die nationalistische Propaganda schlug auch antisemitische Töne an und viele Juden zogen es vor zu emigrieren. In April 1941 fand die deutsche Besatzung eine Gemeinde von mehr als 50.000 Juden vor, welche der Aufsicht des Militärkomandos unterstellt wurde. Oberrabbiner Koretz wurde verhaftet und nach Wien verschleppt wo er einige Monate in Haft blieb.

Die Leitung der Gemeinde wurde den Gemeindebeamten Saby Saltiel (zum Präsidenten ernannt) übertragen; das Verzeichnis der Mitglieder und Geldmittel wurden beschlagnahmt. Die jüdische Zeitungen – im altspanisch/jüdischen Dialekt Ladino – wurden verboten. Viele Juden verloren ihre Wohnungen, wurden öffentlich gedemütigt oder als Geisel verschleppt. In Frühjahr 1942 wurde die Religionszugehörigkeit auf den neuen Personalausweisen angegeben.

Eichmann hatte aber „dringendere Prioritäten“: Gauleiter und Oberbürgermeister drängten auf die Deportierungen aus Deutschland, Wien und Protektorat Böhmen und Mähren. Seyss Inquart drängte auf die Deportierung der holländischen Juden. Dazu kamen die Slowakei und die besetzte Zone von Frankreich. Und Saloniki ist bekanntlich auch weit entfernt von Auschwitz.

Am 13 Juli 1942, - in Nord Afrika und Russland war die Wehrmacht im Vormarsch - wurden 10000 Männer zwischen 18 und 48 Jahren für die Verschickung zur Zwangsarbeit in einen Chrombergwerk und in einen sumpfigen Gebiet selektiert. Die harten Bedingungen führten zu vielen Todesfällen und Erkrankungen. Ende Oktober 1942 - nach der Niederlage von El Alamein, Rommel war auf dem Rückzug – nahm das Militärkommando ein Lösegeld von circa R.M. 100000 an und schickte die jüdische Zwangsarbeiter, trotz der Einwände des Bergwerkdirektors, nach Saloniki zurück.

In Dezember 1942 – in Nord Afrika hielten die deutsch/italienische Truppen nur noch Tunesien und auch in Russland waren die Achsen-Truppen in Rückzug – musste das Militärkommando mit der Möglichkeit einer Landung von Allierten Truppen in Griechenland rechnen und eine Jüdische Gemeinde mit vielen Männern in arbeitsfähingen, und wehrfähigen, Alter galt als Risiko.

Am 30 Januar 1943. zum zehnten Jahrestag der Machtergreifung, hatte Eichmann die Vollendung der Deportationen aus Deutschland, Wien und Protektorat Böhmen und Mähren melden können. Angfang Februar trafen Hauptsturmführer Dieter Wisliceny (der in Pressburg die Deportationen organisiert hatte) und Obersturmführer Alois Brunner (der die Deportationen in Wien mit grosser Härte durchgeführt hatte und auch in Berlin zur „Verstärkung“ war) in Saloniki ein um mit Kriegsverwaltungsrat Dr. Merten (der ab April 1941 die Jüdische Gemeinde „beaufsichtigte“ um die Deportationen zu organisieren; Generalkonsul Schönberg und der Befehlshaber von SD und Sicherheitspolizei Paschleben standen zur Mitarbeit bereit.

Dem Trio Merten, Wisliceny, Brunner konnte Oberrabbiner Zwi Koretz – in Dezember 1942 zum Oberhaupt der Jüdischen Gemeinde ernannt – nicht gewachsen sein. Rabbiner Koretz wurde in Polen geboren und hatte in Deutschland studiert, sprach daher das Deutsch der Dichter und der Denker. In 1932 wurde er nach Saloniki berufen um mit seinen Wissen das kulturelle Niveau der Gemeinde zu heben. Die vielen harte Befehle und die wenige nichts sagende „Versprechen“ die Rabbiner Koretz entgegen nehmen und seiner Gemeinde mitteilen musste waren aber im Deutsch der Richter und der Henker ausgedrückt. Die Befehle mussten kurzfristig durchgeführt werden; die Versprechen und Versicherungen galten aber nur wenn sie eingehalten wurden, also nie. Noch im selben Monat Februar führte man erst den Judenstern ein und sofort danach das Ghetto, welches in mehrere, getrennte, Sektoren geteilt wurde. In die verschiedene Sektoren wurden die die Menschen gemäss ihrer sozialer Schicht eingewiesen. Die Ärmsten wurden in den Sektor in der Nähe vom Bahnhof eingewiesen und als erste, am 15 März 1943, deportiert; Wisliceny sprach von kommunistischen Agitatoren welche in diesen Sektor am Werk waren. Als Ziel gab Wisliceny die Zone von Krakau an, wo die Jüdische Gemeinde zu einer freundlichen Aufnahme bereit sein sollte. Auch polnische Geldscheine wurden zu Verfügung. gestellt. Zu jener Zeit waren die Juden der Zone Krakau schon in die Vernichtungslager verschickt worden. Dieser Transport, wie die folgenden, erreichte nach einer langen Fahrt (Belgrad, Maribor Wien ) Auschwitz, nicht so weit von Krakau. Wisliceny, beherrschte ausgezeichnet die Kunst des Täuschens; wie er schon in Pressburg bewiesen hatte.

Aus einem weiteren Sektor wurden die Menschen in neuen Transporten „nach Polen“ geschickt. Merten versicherte dass den Juden kein Leid angetan werde. Oberrabbiner Koretz aber versuchte, verzweifelt, den Ministerpräsidenten der Marionettenregierung zu einer Intervention zu bewegen. Bei einer, dank der Vermittlung des Metropoliten erreichten, Unterredung erklärte aber Johannis Rallis in dieser Angelegenheit nichts machen zu können, wie aus deutschen Berichten hervorgeht, und Oberrabbiner Koretz wurde nach diesen Versuch seine Gemeinde zu retten verhaftet. Der letzte Transport verlies Saloniki am 9. August 1943; aus der deutschen Besatzungszone – Nord Griechenland – sind circa 46.000 Juden deportiert worden, nur sehr wenige haben überlebt.

Neben den Juden die rechtzeitig entweder in die italienische Besatzungszone flüchteten oder sich mit falschen Dokumenten verstecken konnten sind zwei weitere Gruppen zu erwähnen: Der italienische Generalkonsul fühlte sich verpflichtet die Juden welche italienische Staatsbürger waren, oder auf die italienischen Staatsbürgerschaft Anspruch hatten, zu schützen, wobei er die italienischen Rassengesetze in einer menschlichen Weise auslegte. Nach langen Debaten entschloss er sich diese 329 „Schützlinge“ in einen Militärzug in die italienische Besatzungszone – Athen und Süd Griechenland – zu bringen. Ein anderer Sonderfall waren 600 Juden, dessen Ahnen in 1492 Spanien hatten verlassen müssen, und so von einen Gesetz aus den Jahr 1924 Gebrauch machen konnten um unter spanischen Schutz zu stehen. Die spanische Regierung – das Franco Regime (!)– respektierte dieses Gesetz und setzte sich für diese Schützlinge ein. Nach langen Debaten und Notenwechsel wurden diese „spanischen“ Juden nach Bergen Belsen verschickt wo eine besondere Abteilung unter SS Hauptsturmführer Seydl – früher Kommandant in Theresienstadt wo er von SS-Obersturmführer Burger abgelöst wurde – für Juden die man nicht verschwinden lassen konnte eingerichtet wurde. Von diesen 600 „spanischen“ Schützlingen überlebten 365.

Oberrabbiner Koretz und andere „Privilegierte Juden“ kamen nach Bergen Belsen und nicht nach Theresienstadt, obwohl dieses „Musterghetto“ als Ziel von einen der Transporte genannt wurde. Am Ende der Transporte hatte die Militärverwaltung circa 3.5 Million Reichsmark einkassiert und die griechische Marionettenregierung erhielt die jüdische Wohnungen und die Geschäfte, für den „Griechischen Staat“ von einer Bank „treuhänderisch verwaltet“; eine merkwürdig „gerechte“ Verteilung! Aber die Rechnung der griechischen Bahnverwaltung wurde nicht bezahlt.

Oberrabbiner Koretz wurde nach dem Krieg – er war kurz nach der Befreiung gestorben – schwer beschuldigt: Die Beschuldigung durch Übergabe des Verzeichnises der Gemeindemitglieder Verrat begangen zu haben ist absurd. Wie oben ausgefürt wurde Saby Saltiel zur „Übergabe“ gezwungen als Rabbiner Koretz in Wien inhaftiert war. Ferner war, ab 1942, in den Personalaussweisen die Religion des Inhabers angegeben; so war eine Erfassung der Juden mit Hilfe der griechischen Polizei leichter als auf Grund vom Mitgliederverzeichnis.Die Kritik von Hilberg dass Rabbiner Koretz ein ideales Verkzeug der Nazi Bürokratie gewesen sei berücksichtigt nicht den verzweifelten Versuch die griechischen „Marionettenregierung“ um Hilfe zu bitten und seine gleich darauf folgende Verhaftung. Oberrabbiner Koretz war, wie viele Judenräte, eine tragische Gestallt.

Autor: Dr. Wolf Murmelstein. Der Autor ist Sohn des dritten und letzten Judenältesten des Lagers Theresienstadt, Benjamin Murmelstein.

Yasin
15.07.2006, 14:42
omG, und ich werde angemotzt wenn ich nen kleinen text kopier, das ist ja eine copy&paste katastrophe!

kartal
15.07.2006, 14:50
omG, und ich werde angemotzt wenn ich nen kleinen text kopier, das ist ja eine copy&paste katastrophe!

Und meine kopierten kleine beiträge werden einfach gelöscht.
:lach: :lach: :lach: :lach: :lach: :lach: :lach: :lach:

Yasin
15.07.2006, 19:45
lol, aber das liegt halt daran, dass moslems untermenschen sind, ne? witzig

Ali Ria Ashley
15.07.2006, 22:09
lol, aber das liegt halt daran, dass moslems untermenschen sind, ne? witzig

Ein allseits… wie soll ich es sagen: Fröhliches Forum oder nicht?:2faces:

Daf
26.10.2006, 16:33
Vielleicht sollte man das Ganze um ein paar Zitate erweitern:

Winston Churchill, britischer Premierminister:
-"Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast!"
-"Ich möchte keine Vorschläge hören, wie wir die Kriegswirtschaft sowie die Maschinerie ausser Gefecht setzen können, ich möchte Vorschläge haben, wie wir die deutschen Flüchtlinge bei ihrem Entkommen aus Breslau braten können." Zit. in: Juan Maler, Die Unvollendete, S. 27.

-"Sie müssen sich darüber im klaren sein, daß dieser Krieg nicht gegen Hitler oder den Nationalsozialismus geht, sondern gegen die Kraft des deutschen Volkes, die man für immer zerschlagen will, gleichgültig, ob sie in den Händen Hitlers oder eines Jesuitenpaters liegt." Zit. in: Emrys Hughes, Winston Churchill - His Career in War and Peace, S. 145.
-"Deutschland wird zu stark, wir müssen es zerschlagen." Zu US-General Robert E. Wood, November 1936. Zit. in: Peter H. Nicoll, Englands Krieg gegen Deutschland, S. 82.

-1936 im Rundfunk:
"Wir werden Hitler den Krieg aufzwingen, ob er will oder nicht" Walendy, Udo, "Wahrheit für Deutschland", Vlotho, 1965, S. 267
-Herbst 1939 im Rundfunk:
"Dieser Krieg ist ein englischer Krieg, und sein Ziel ist die Vernichtung Deutschlands" H. Grimm,"Antwort eines Deutschen", Göttingen, 1950, S. 350 jüdischer Kommunist, Ilja Ehrenburg:
-"Wenn Du einen Deutschen getötet hast, so töte noch einen Zweiten, für uns gibt es nichts lustigeres
als deutsche Leichen."
-"Fühlst Du dich übel, töte einen Deutschen."
-"Die besten Deutschen sind die toten Deutschen."
-"Die Deutschen sind keine Menschen. Von jetzt ab ist das Wort "Deutscher" für uns der allerschlimmste Fluch.
Von jetzt bringt das Wort "Deutscher" ein Gewehr zum Entladen.Wir werden uns nicht aufregen.
Wir werden töten. Wenn du nicht im Laufe eines Tages wenigstens einen Deutschen getötet hast,
so ist es für dich ein verlorener Tag gewesen. Wenn du glaubst, dass statt deiner der Deutsche
von deinem Nachbarn getötet wird, so hast du die Gefahr nicht erkannt.
Wenn du den Deutschen nicht mit einer Kugel töten kannst, so töte ihn mit deinem Seitengewehr.
Wenn in deinem Abschnitt Ruhe herrscht und kein Kampf stattfindet, so töte den Deutschen vor dem Kampf."
-"Zähle nicht die Tage. Zähle nicht die Kilometer. Zähle nur eins: Die von dir getöteten Deutschen."
-"Schändet die deutschen Frauen und brecht ihren Hochmut, erschlagt ihre Kinder.
Tötet, ihr tapferen russischen Männer."

"Wir sind 1939 nicht in den Krieg gezogen, um Deutschland vor Hitler ...den
Kontinent vor dem Faschismus zu retten. Wie 1914 sind wir für den nicht
weniger edlen Grund in den Krieg eingetreten, daß wir eine deutsche
Vorherrschaft in Europa nicht akzeptieren konnten".
Sunday Correspondent, London, 17.9.1989 (vgl. "Frankfurter Allgemeine",
18.9.1989)

"Das polnische Volk kann das Ergebnis der Volksabstimmung in Masuren nicht als letztes Urteil der Geschichte anerkennen. Der Bestand der Republik wird erst dann dauerhaft gesichert sein, wenn wir in einem unvermeidlichen Kampf mit Deutschland siegen."
Der polnische Staatspräsident Stanislaus Grabski 1923

"Was wir wollen ist die restlose Vernichtung der deutschen Wirtschaft."
Winston Churchill zum deutschen EX-Reichskanzler Brüning 1938

"... wir beabsichtigen, einen Bewegungskrieg zu führen und von Beginn der Operation an in Deutschland einzumarschieren."
Der polnische Kriegsminister Kasprzycki am 18. Mai 1939 in Paris

"Deutschland hätte zerstückelt werden müssen. Die deutsche Einheit muß zerschlagen, das Deutsche Reich in einen Staub von Staaten aufgelöst werden!"
Französische Zeitung “Action Francaise” am 04. März 1920

"Polen will den Krieg mit Deutschland und Deutschland wird ihn nicht vermeiden können, selbst wenn es das wollte."
Der polnische Marschall Rydz-Smigly 1939

Und es gibt noch mehr.
Wenn Interesse besteht....

Fenrir
06.11.2006, 14:21
@Daf
Interesse angemeldet

alliance79
06.11.2006, 16:28
Nun...wieder mal erschreckend wie einfach es ist Menschen zu beindrucken die nichts von Geschichte verstehen.
Ich zitiere mich mal selbst, da Daf ja den Mist den er verzapft ja auch gerne breit tritt....


Wer wollte diesen Menschenverachtenden Krieg?!


Nun, wie du weißt werfe ich dir vor das viele Fakten und Daten in deine Thesen nie eigeflossen sind. Der grund ist einfach. Deine Thesen würden anhand der "Historischen Beweislast" erdrückt werden.


Wir schreiben das Jahr 1938. Die Welt stand kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Ausgelöst durch die "Sudetenfrage". Doch die Welt bekam noch einen kleinen Aufschub. Nicht weil Hitler diesen Frieden wollte. Dieser Frieden wurde Hitler diktiert. Wie Göbbels, Ribbentrop und Göring mehrfach nieder geschrieben haben.

Hitler wurde in diesen Frieden gezwungen. Vorallem Musolini und Göring waren auf der Seite der Achsen Mächte die Motoren für die Lösung der Sudentenfrage.

Deshalb verplichtete Hitler sich, den Rest der Tschechoslowakei anzuerkennen und keine weiteren Teritorialen Forderungen in Europa zu haben. (Münchner Abkommen 30. September 1938)
Man muß dazu noch sagen das bei dieser Konferenz kein Tschechischer Teilnehmer war.


Wir stellen fest. Hitler hat eine Vertragliche zusicherung gegeben das Deutschland keine weiteren Territorialen Ansprüche in Europa hegt.
Die Allierten zeigten Verständnis für den Wunsch der Sudentendeutschen an das Reich angeliedert zu werden


Großbritannien und Frankreich hatten außerdem in München eine Garantieerklärungen für den Bestand des Reststaats Tschechoslowakei abgegeben.
Aber Hitler hielt seine Vertraglichen Zusicherungen nicht.

Er nutze die Intressensgegensätze zwischen Tschechen und Slowaken und drohte eine Menge. So erreichte er, das sich der slowakische Landtag am 14. März 1939 die selbständigkeit der Slowakei erklärte
Noch am gleichen Abende bestellte er den bisherigen Staatspräsidenten der Tschechoslowakei, Emil hacha und seinen Außenminister Chvalkosky nach Berlin.
Vor die Alternative gestellt die Tschechei von der Wehrmacht besetzen zu lassen und Prag in Schutt und Asche bomben zu lassen oder aber das "Schicksal der des tschechischen Volkes und Landes vertrauenvoll in die Hände des Führers des Deutschen Reiches " zu legen unterzeichneten beide (was sollten sie auch anderes tun?) den Protetorarts Vertrag.


Wir stellen fest. Hitler hat das Münchener Abkommen nicht mal nach einem halben Jahr gebrochen. Seinen Worten und Vertraglichen Zusicherungen konnte die Staatengemeinschaft keinen glauben mehr schenken. Obwohl kein Land, außer Italien und ein paar Marionetten Staaten des NS Regimes die anektion anerkannte, blieb sie noch immer ohne Konseqenzen für Hitler!! Die Allierten rührten sich nicht!!



Num kam es zur Polenkriese. Im Vorfeld dazu tätigte Hitler ein paar Bemerkenswerte äußerungen die ich gleich 1:1 wieder geben werden.
Es handelt sich dabei um Zitate einer Person, die das Ruder in der Hand hatte und die nur eine Richtung kannte. Krieg!!


Quelle Hoßbach-Protokoll vom 23. Mai 1939:

»Es darf nicht der Grundsatz gelten, sich durch Anpassung an die Umstände einer Lösung der Probleme zu entziehen. Es heißt vielmehr, die Umstände den Forderungen anzupassen. Ohne Einbruch in fremde Staaten oder Angreifen fremden Eigentums ist dies nicht möglich ... Danzig ist nicht das Objekt, um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten ... Das Problem 'Polen' ist von der Auseinandersetzung mit dem Westen nicht zu trennen ... Es entfällt also die Frage, Polen zu schonen, und bleibt der Entschluß, bei erster passender Gelegenheit Polen anzugreifen ... Es wird zum Kampf kommen. Aufgabe ist es, Polen zu isolieren ... Ist es nicht sicher, daß im Zuge einer deutsch/polnischen Auseinandersetzung ein Krieg mit dem Westen ausgeschlossen bleibt, dann gilt der Kampf in erster Linie England und Frankreich ... England ... ist unser Feind, und die Auseinandersetzung mit England geht auf Leben und Tod ... Die holländischen und belgischen Luftstützpunkte müssen militärisch besetzt werden. Auf Neutralitätserklärungen kann nichts gegeben werden ... Anzustreben bleibt, dem Gegner zu Beginn einen oder den vernichtenden Schlag beizubringen. Hierbei spielen Recht oder Unrecht oder Verträge keine Rolle ... Wichtig ist der rücksichtslose Einsatz aller Mittel...«


Quelle Hoßbach-Protokoll vom 22. August 1939:

»Es war mir klar, daß es früher oder später zu einer Auseinandersetzung mit Polen kommen mußte. Ich faßte den Entschluß bereits im Frühjahr, dachte aber, daß ich mich zunächst in einigen Jahren gegen den Westen wenden würde und dann erst gegen den Osten ... Wesentlich hängt es von mir ab, von meinem Dasein, wegen meiner politischen Fähigkeiten. Dann die Tatsache, daß wohl niemand wieder so wie ich das Vertrauen des ganzen deutschen Volkes hat ... Niemand weiß, wie lange ich noch lebe. Deshalb Auseinandersetzung besser jetzt. Die Gründung Großdeutschlands war politisch eine große Leistung, militärisch war sie bedenklich, da sie erreicht wurde durch einen Bluff der politischen Leitung. Es ist notwendig, das Militär zu erproben ... Ich habe nur Angst, daß mir noch im letzten Moment irgendein Schweinehund einen Vermittlungsplan vorlegt ... Ich werde propagandistischen Anlaß zur Auslösung des Krieges geben, gleichgültig, ob glaubhaft. Der Sieger wird später nicht danach gefragt, ob er die Wahrheit gesagt hat oder nicht. Bei Beginn und Führung des Krieges kommt es nicht auf das Recht an, sondern auf den Sieg.«


Quelle: Treue, Rede Hitlers vor der deutchen Presse S.182

»Die Umstände haben mich gezwungen jahrzentelang fast nur vom Frieden zu reden. Es ist selbstverstädnlich, daß eine solche [...] Friedenspropaganda auch ihre bedenklichen Seiten hat; denn es kann nur zu leicht dahin führen, daß das heuteige Regime an sich identisch sei mit dem entschluß und dem Willen, den Frieden unter allen Umständen zu bewahren. Das würde aber nicht nur zu einer falschen Beurteilung der Zielsetzung diese Regimes führen, sondern es würde vor allem auch dahin führen, daß die deutsche Nation, statt den Ereignissen gegenüber gewappnet zu sein, mit einem Geist erfüllt wird, der auf Dauer als Defaitismus gerade die Erfolge des heutigen Regimes nehmen würde und nehmen müßte. Es sei daher notwendig, die psychische Disposition des deutschen Volkes zu ändern, ihm die Erkenntnis zu vermitteln, daß einige Ziele nur mit Gewalt zu erreichen sein, und außenpolitische Themen so zu präsentieren, daß die innere Stimme des Volkes selbst langsam nach der Gewalt zu schreieb beginnt.«


Wir stellen fest. Hitler hatte nie vor Frieden in Europa zu halten. Sein Ziel lautete Krieg. Noch im Führer Bunker äußerte er oft, das er hätte besser schon 1938 losgeschlagen.


Sowas hast du leider nie erwähnt Daf. Für dich sind die, die den Frieden bis zu letzt halten wollten, die eigentlichen Kriegstreiber.
Die Allierten waren überhaupt nicht mehr in der Lage einem Hitler zu trauen, der sowiso jedes Abkommen brechen würde.
Dann kam es zu den Garantie erklärungen für Polen und der klaren Botschaft, bis hier hin und nicht weiter.
Es war Hitler der diesen Schritt gemacht hat. Kein Chamberlain und kein Polnischer General.

All die Zitate die du gebracht hast, sind nur zeugen der bedrohlichen Stimmung die in Europa herschte, seit Hitler an der Macht war. Einem Mann, dem man nicht trauen konnte.