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heute vor 30 Jahren, am 7. April 1977 wurde der damalige Generalbundesanwalt Siegfried Buback von den Terroristen der RAF ermordet.

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Buback-Mord
Blutiger Beginn des „Deutschen Herbstes“
Vor 30 Jahren ermordete die RAF Generalbundesanwalt Buback und leitete ein Jahr des Terrors ein. Noch heute ist nicht klar, wer die tödlichen Schüsse abgab.
Von FOCUS-Online-Autor Johannes Eberhorn

Siegfried Buback und seine beiden Begleiter hatten am 7. April 1977 keine Chance. Als der Mercedes des Generalbundesanwalts in Karlsruhe an einer Ampel hält, stoppt neben dem Auto ein Motorrad mit zwei Personen. Der Sozius feuert aus einer Maschinenpistole 15 Schüsse ins Innere des Wagens, danach fliehen die Mörder. Buback und sein Chauffeur sterben sofort. Ein Polizist, der den obersten Strafverfolger des Landes begleitet hatte, erliegt später seinen Verletzungen.

Kurz darauf bekennt sich das Kommando „Ulrike Meinhof“ zu der Tat. „Buback hat die Auseinandersetzung mit uns als Krieg begriffen und geführt“, schreiben die Terroristen der Roten Armee-Fraktion (RAF) in ihrer Erklärung. RAF-Mitbegründerin Meinhof, nach der das Kommando benannt wurde, ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Die einstige Top-Terroristin hatte sich 1976 im Gefängnis Stuttgart-Stammheim erhängt.

„Offensive 77“ soll Baader freipressen

Gegen die übrigen Anführer der ersten RAF-Generation wird 1977 das Urteil erwartet. Buback hatte die Anklageschrift gegen Andreas Baader und dessen Komplizen selbst unterschrieben, die Terroristen müssen mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen. „Baader hat von den Genossen draußen verlangt, ihn zu befreien“, sagt der Publizist und RAF-Experte Butz Peters. Als mehrere Anläufe, die Gefangenen freizupressen, scheitern, startet die Terrororganisation unter der Führung von Brigitte Mohnhaupt die „Offensive 77“.

Das Attentat auf Buback ist die erste Welle dieses Angriffs, mit dem der Staat laut Peters „weichgeklopft“ werden soll. „Es war bis dahin unvorstellbar, dass die RAF mit einer solchen Brutalität vorgehen würde.“ Buback selbst weiß, dass er in Gefahr ist, rechnet aber eher mit einer Entführung. „Wehe, wenn ihr etwas für mich gebt“, sagt er zu seiner Familie. Dass die RAF ihn auf offener Straße hinrichten würde, kann sich Buback ebenso wie der Rest der bürgerlichen Gesellschaft nicht vorstellen. Entsprechend entsetzt reagiert die Bundesrepublik, nicht ahnend, dass es noch weitaus schlimmer kommen wird.

Bevor das Jahr 1977 vorbei ist, sterben unter anderem der Chef der Dresdner Bank, Jürgen Ponto und Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer. Im Oktober kapert ein Terrorkommando die Lufthansa-Maschine „Landshut“ mit 91 Menschen an Bord, um die Regierung weiter unter Druck zu setzen. Als auch dieser Versuch scheitert, werden Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in Stammheim tot aufgefunden. Die blutigen Monate gehen als „Deutscher Herbst“ in die Geschichte ein.

Identität des Todesschützen bis heute nicht geklärt

Den Beteiligten des Buback-Attentats gelingt zunächst die Flucht. Mohnhaupt, Günter Sonnenberg, Christian Klar und Knut Folkerts werden aber schließlich doch gefasst und müssen lange Haftstrafen verbüßen. Klar sitzt noch immer im Gefängnis und hat ein Gnadengesuch an Bundespräsident Horst Köhler gerichtet.

Doch obwohl die Attentäter der Justiz ins Netz gegangen sind, ist der Mord an Siegfried Buback bis heute nicht ganz geklärt. Wer fuhr das Motorrad? Wer gab die tödlichen Schüsse ab? Diese Fragen wurden bisher von Mohnhaupt und Co. nicht beantwortet, was die Hinterbliebenen zusätzlich belastet. „Es bereitet mir wirklich Probleme, dass ich nicht weiß, wer meinen Vater umgebracht hat“, sagt Michael Buback, der Sohn des Opfers. Am Jahrestag des Anschlags wird sich der Göttinger Chemie-Professor mit seiner Familie und den Angehörigen der anderen Ermordeten in Karlsruhe zum Gedenken treffen.

Sollte der Bundespräsident Klar begnadigen, werde er diese Entscheidung akzeptieren, sagt Buback. Doch abschließen kann er das Kapitel RAF nicht. „Wie soll so ein Schlussstrich aussehen?“ fragt er. Für ihn und seine Familie ist die „Offensive 77“ auch 30 Jahre nach ihrem blutigen Beginn nicht vorbei.