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Thema: freiheit

  1. #1
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    Standard freiheit

    hat die freiheit seit dem kaiserreich in deutschland zu- oder abgenommen?
    in den weltkriegen verloren die menschen an freiheiten-auch in den diktaturen.
    die weimarer zeit leuchtet als eine kreative zeit, also war sie auch frei, meine ich.
    doch währte deren freiheiten nur kurz.
    in den besatzungszeiten entwickelten die westmächte schon die freiheiten von weimar wieder- doch unterdrückten sie deren gegner, so taten es auch die demokratischen parteien. wie stark waren denn die gegner?
    in der sbz galt die forderung nach freiheit als hochverrat und wurde als solcher bestraft, glaube ich.
    was, diskutanten, ist heute diesbezüglich?
    was gilt, bezüglich der freiheit?
    gelten die maßstäbe der frühen sbz: alles muß demokratisch aussehen, aber wir, die kommunisten ergo die russen, müssen die kontrolle haben?
    diesbezüglich wurden ja seit 1945 einige kontrolltechniken entwickelt, mit den sich ein solcher ansatz heute fruchtbar, furchtbar gestalten läßt.
    wie verhalten sich dazu die weimarer freiheiten?
    wie frei sind wir?
    müssen wir uns für einen weg entscheiden und dann dementsprechend leben,
    also frei?
    werden wir durch die eigene entscheidung frei?
    trotz posttotalitärer zumutungen, rechtsradikaler gewalt, fremdenfeindlicher ausbrüche, stagnierender wirtschaft, alternder mitmenschen, verlorener leitbilder des kalten krieges?
    wenn man also in freiheit leben wollte, müßte man einfach frei leben-
    und die risiken tragen, so wie menschen stets noch ihre selbstverantwortung trugen.

  2. #2
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    Standard AW: freiheit

    Ich habe mal einen alten Strang aus der Versenkung geholt und versuche ihn mal zu recyclen.

    Was ist Feiheit?

    Ganz gewiss ist es immer eine andere wenn der Begriff fällt. Was dem Einen die Feiheit ist kann dem Anderen seine Unterdrückung sein.

    Bei Wikipedia steht dazu einiges Interessantes. Aber dennoch ist Freiheit eines der Dinge, die man für sich in Anspruch nimmt oder dahin strebt. Man kann Freiheit fordern, verteidigen oder verlieren. Freiheit ist also in erster Linie etwas persönliches. Selbst bei der kollektiven Freiheit geht es immer zuerst um die eigene.

    Freiheit ist also immer etwas persönlich erfahrbares und man kann nie wissen was für den Anderen Freiheit bedeutet.
    Darum meine Frage:
    Was ist für euch Freiheit?

  3. #3
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    Standard AW: freiheit

    Im folgenden ein paar Definitionsversuche:

    Ein Mensch ist unfrei, wenn er nicht über sein Leben (seine Zukunft), seine Handlungen (seine Gegenwart) und die Resultate seiner Handlungen (seine Vergangenheit) verfügen kann. Freiheit bedeutet daher - in den Worten von John Locke - individuelles Verfügen über life, liberty, and estate: Leben, Handlungsfreiheit, und Eigentum, das durch Produktion oder freiwillige Zustimmung erworben wurde. Freiheit bedeutet nicht, tun und lassen zu können was man will. Die Freiheit wird letzlich von einem Faktor begrenzt und zwar der Freiheit anderer Menschen.

    * Hayekscher Freiheitsbegriff: "Freiheit als Unabhängigkeit von Willkür anderer"

    Das Problem liegt in der Bestimmung des Merkmals der fehlenden freiwilligen Zustimmung; wenn man Freiheit als Abwesenheit eines nicht freiwillig geduldeten Eingriffs in eine fremde Privatsphäre bestimmt, gelangt man zu einer unbrauchbaren zirkulären Definition - ein Begriff kann nicht durch sich selbst definiert werden.

    * Spencer-Rothbardscher Freiheitsbegriff: "Ein Mensch ist frei, wenn er nicht angegriffen ist"

    Mit dem gleichen Problem sieht sich auch der Spencersche (von Rothbard übernommene) Freiheitsbegriff konfrontiert. Demzufolge bin ich solange frei, wie ich den Eingriffen in meine Freiheit frei zustimme (denn stimme ich Eingriffen in meine Freiheit zu, kann von Zwang ja keine Rede sein).

    * Bouillonscher Lösungsversuch:

    Hardy Bouillon kommt in seiner Habilitationsschrift "Freiheit, Liberalismus und Wohlfahrtsstaat" zu dem Schluss: "Eine Person genießt individuelle Freiheit, solange sie – in eine Doppelwahlsituation gestellt – eine negative Metawahl treffen darf, ohne dabei künstliche Folgekosten Dritter, die sich auf ihren privaten Handlungsspielraum auswirkten, erwarten zu müssen." Veranschaulichen lässt sich das am besten anhand eines Wahl-Beispieles, durch das die notwendige Unterscheidung zwischen Meta- und Objektwahl deutlich wird. Die Metawahl besteht hier in den Möglichkeiten "Teilnahme" oder "Nichtteilnahme" an den Wahlen, die Objektwahl beinhaltet die Entscheidung für eine konkrete Partei. Da in Belgien Wahlpflicht herrscht, ist die Metawahl bei sonstigem Zwang verpflichtend, in Österreich hingegen in Ermangelung einer Wahlpflicht kostenlos. Die Kosten, die dem Wähler in Belgien bei Ignorieren der Metawahl(pflicht) drohen, sind die "Option" (das, was er sont mit dem Geld - bei Annahme einer Geldstrafe - hätte machen können). Ein Mensch ist daher nach Bouillon frei, solange er ein Angebot kostenlos ablehnen kann. Er rekonstruiert somit Zwang "als Sonderform eines eine Doppelwahlsituation initiierenden Angebotes in Gestalt der künstlichen Kosten, die im Falle einer negativen Metawahl entstehen".

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  4. #4
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    Standard AW: freiheit

    Ein interessanter Geedanke. Ein Mensch ist daher nach Bouillon frei, solange er ein Angebot kostenlos ablehnen kann. Das sagt schon viel. Kostenlos ist hier vermutlich so gemeint, dass es weniger um Geld geht sondern um "Kosten" die enstehen wenn mir etwas genommen wird oder ich etwas dafür weggeben muss. Das können ideelle aber auch konkrete erfassbare wie Einschränkung der Bewegungsfreiheit sein- sprich: Knast.

  5. #5
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    Standard AW: freiheit

    Zitat Zitat von Luzifers Friend
    Ein interessanter Geedanke. Ein Mensch ist daher nach Bouillon frei, solange er ein Angebot kostenlos ablehnen kann. Das sagt schon viel. Kostenlos ist hier vermutlich so gemeint, dass es weniger um Geld geht sondern um "Kosten" die enstehen wenn mir etwas genommen wird oder ich etwas dafür weggeben muss. Das können ideelle aber auch konkrete erfassbare wie Einschränkung der Bewegungsfreiheit sein- sprich: Knast.
    Ja, Geld ist ja nur die Einheit, in der wir Kosten bewerten und vergleichen können, wenn wir das für zweckmäßig erachten.

    Ein Brot zu backen, kostet uns Mehl, das dann für andere Zwecke (etwa Nudeln) nicht mehr zur Verfügung steht. Um das zu erkennen, muss man über Geld nicht nachdenken.

  6. #6
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    Standard AW: freiheit

    Wären wir freier wenn es kein Geld gäbe? Oder ist das sekundär?

  7. #7
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    Standard AW: freiheit

    Zitat Zitat von Luzifers Friend
    Wären wir freier wenn es kein Geld gäbe? Oder ist das sekundär?
    Eher im Gegenteil.
    Es wäre doch recht schwierig, Waren und Dienstleistungen zu tauschen, ohne ein Tauschmittel.

    Manch einer hat Geld schon als "geronnene Freiheit" bezeichnet, weil es (im besten Fall) universelles Tauschmittel ist.

    Bei absoluter Freiheit (ein Leben ohne andere Menschen) ist Geld freilich nutzlos.

  8. #8
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    Standard AW: freiheit

    Zitat Zitat von Freedy
    Eher im Gegenteil.
    Es wäre doch recht schwierig, Waren und Dienstleistungen zu tauschen, ohne ein Tauschmittel.

    Manch einer hat Geld schon als "geronnene Freiheit" bezeichnet, weil es (im besten Fall) universelles Tauschmittel ist.

    Bei absoluter Freiheit (ein Leben ohne andere Menschen) ist Geld freilich nutzlos.
    Absolute Freiheit ist demnach nur ohne Menschen zu erlangen? Das wäre aber ein ärmliches Leben.

  9. #9
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    Standard AW: freiheit

    Zitat Zitat von Luzifers Friend
    Absolute Freiheit ist demnach nur ohne Menschen zu erlangen? Das wäre aber ein ärmliches Leben.
    Sicher.
    Solange aber Menschen miteinander leben, geht ihre Freiheit eben immer nur so weit, wie sie den anderen Menschen keinen Schaden zufügen.

    Zum strikten Liberalismus ein Aufsatz.

  10. #10
    Mitglied Benutzerbild von Maistre
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    Standard AW: freiheit

    Freedy hat ein Zitat gefunden, der Mann heißt Bouillon. Mehr sage ich nicht.

    "Eine Person genießt individuelle Freiheit, solange sie – in eine Doppelwahlsituation gestellt – eine negative Metawahl treffen darf, ohne dabei künstliche Folgekosten Dritter, die sich auf ihren privaten Handlungsspielraum auswirkten, erwarten zu müssen."

    Sehe ich ganz genau so. Aber darf er auch eine positive Miniwahl treffen?
    Eine heiße Frage für Bouillon.
    Kein Desaster der Geschichte kann das Verlangen nach einer weltlichen Verheißungsideologie stillen. (Golo Mann)

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