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Thema: Berliner Schulen: Abhängen auf dem Kuschelkissen

  1. #1
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    Augenzwinkern Berliner Schulen: Abhängen auf dem Kuschelkissen

    Große Pause für immer!

    06.12.2012

    In Berliner Schulen lernen Kinder vor allem eins: Sich nicht anzustrengen.

    Ein paar Kinder aus meinem Bekanntenkreis haben jetzt in der Schule Entspannungsunterricht. Die Kinder machen es sich gemütlich, hören beruhigende Musik und üben autogenes Training.


    Wenn man einer aktuellen Umfrage glaubt, haben Kinder Entspannung heute dringend nötig. Offenbar sind schon Grundschulkinder dem Burn-out so nahe wie Topmanager. Laut einer Studie des deutschen Kinderschutzbundes fühlt sich jedes dritte Kind in der zweiten und dritten Klasse von Hausaufgaben und Schule gestresst. Die Hälfte der Kinder wünscht sich mehr Erholung. Und in fast allen Bundesländern ist Schule bei Kindern der Stressfaktor Nummer eins. In Berlin natürlich nicht.

    Als ich auf der Suche nach der richtigen Schule für meine Tochter war, schaute ich mir die Schule in der Nachbarschaft an. Eine Lehrerin führte am Tag der offenen Tür einen Pulk von aufmerksamen Eltern durch das Gebäude. Statt Tischen und Stühlen befanden sich in den Schulräumen dicke Teppiche, Kuschelecken und Kletterwände. Die Kinder lümmelten herum, betrachteten Bücher oder malten. Die Schule, erfuhr ich, orientiere sich an Montessori-Regeln. Hier bestimmten die Kinder ihr Lerntempo selbst.

    Die Eltern stellten beim Rundgang allerlei Fragen. Welchen Gender-Ansatz man auf der Schule verfolge. Ob es Vollwertkost gebe und auch ein laktosefreies Menü. Auf alles wusste die Lehrerin eine Antwort. Nur als ich fragte, wie viele Kinder denn nach der vierten Klasse ein Gymnasium besuchten, gab es peinliches Schweigen. Die Lehrerin meinte, es komme immer wieder mal vor, dass ein Kind nach der vierten Klasse auf einem Gymnasium angemeldet würde. »Aber auf der Schule kommt es nicht in erster Linie auf Leistung an, sondern darauf, dass das Kind gut durch die wichtigen Phasen des Lebens begleitet wird«, fügte sie hinzu. Dieser Satz hat mich erstaunt. Ist es nicht Aufgabe der Schule, den Kindern etwas beizubringen? Während es meine Aufgabe ist, sie durch das Leben zu begleiten?

    Zweimal lebenslänglich Schule

    Zugegeben, als Kind hätte ich eine Schule mit Lümmelkissen geliebt. Die Schule, die ich besuchte, hatte Tische und Stühle. Und ich habe sie gehasst. Nach meinem zweiten Schultag wollte ich wissen, wie lange ich noch zur Schule gehen muss. Höchstens 13 Jahre, sagte meine Mutter. Für einen Sechsjährigen heißt das: zweimal lebenslänglich. Die Schule war voller Lehrer, die mir das Gefühl gaben, ich sollte mich mehr anstrengen. Am besten so wie die Strebermädchen in der ersten Reihe. Ständig wurde man verglichen, keiner interessierte sich für meine wahren Interessen. Und dazu noch dieser Stress mit den Noten.

    In Berlin wollte man es besser machen. Dank einer Schulreform gibt es jetzt nicht nur an den von Montessori-Pädagogik beseelten Grundschulen entschleunigten Unterricht. Die Grundschule dauert sechs Jahre, wobei einige Gymnasien sehr gute Schüler bereits in der fünften Klasse aufnehmen. Und es gilt das jahrgangsübergreifende Lernen: Die erste und zweite, manchmal auch die dritte Klasse, werden zusammen unterrichtet. Es gibt keinen frontalen Unterricht mehr, in dem der Lehrer den Stoff an der Tafel vorträgt und abfragt. Stattdessen korrigieren die Kinder gegenseitig ihre Arbeitshefte, arbeiten projektbezogen und in Gruppen. Der Lehrer tritt eher als Lernberater auf.

    Wer etwas weiter im Stoff ist, soll nicht durch die schwächeren Kinder in der Klasse gebremst werden. Und wer etwas länger braucht, kann sich die Zeit nehmen, die er benötigt. Während manche schon fünf Arbeitshefte durchgearbeitet haben, sind andere erst beim zweiten. In der Theorie klingt das vernünftig. Ein Bekannter erzählte jedoch, sein Sohn habe von der Lehrerin Anweisungen bekommen, mal eine Woche nichts zu lernen, damit die Schwächeren den Rückstand aufholten. Er solle lieber spielen. Auf die Art lernt man nicht viel. Erst neulich wurde in einer Studie dokumentiert, dass Berliner Kinder im vierten Schuljahr über ungefähr so viel Wissen verfügen wie bayerische Kinder im dritten. Sie haben eben ihr eigenes Tempo, die Berliner Kinder, könnte man sagen. Sie lernen erst dann lesen, wenn die Münchner Streber schon auf das Gymnasium gehen. Bei anderen länderübergreifenden Tests hatten einige Berliner Schulleiter zum Boykott aufgerufen: Die Kinder würden schon die Aufgabenstellung nicht verstehen, so ein Test könnte sie zusätzlich frustrieren.

    An Berliner Schulen haben die Kinder eine entspannte Zeit – und verlassen sie als Bildungsgeschädigte. Ein Viertel der Kinder kann in der vierten Klasse keinen Text lesen oder verstehen und nur ansatzweise schreiben. Ist das Chancengleichheit?

    Als ich die Schule verließ, stellte ich fest, dass die Welt kein bisschen freundlicher ist. Wer einen Arbeitsplatz sucht, wird gnadenlos mit anderen verglichen. Es wird vorausgesetzt, dass man schreiben und rechnen kann. Ich habe die Schule gehasst, aber sie hatte recht.

    Wir haben uns bei der Schule für unsere Tochter dann doch lieber für eine mit Tischen und Stühlen im Klassenzimmer entschieden. Und einmal in der Woche lernen wir zu Hause Mathe. Meine Tochter sagt, ich soll mich mal entspannen.
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    Wenn's um den eigenen Nachwuchs geht dann erweisen sich die Gutmenschen regelmäßig als die bürgerlichen Spießer, die sie doch so sehr verachten. Verblödung und Leistungsverweigerung sind nämlich immer nur dann gut, wenn es andere auslöffeln müssen.

    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

  2. #2
    Labor omnia vincit! Benutzerbild von willy
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    Standard AW: Berliner Schulen: Abhängen auf dem Kuschelkissen

    Zitat Zitat von Felix Krull Beitrag anzeigen
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    Wenn's um den eigenen Nachwuchs geht dann erweisen sich die Gutmenschen regelmäßig als die bürgerlichen Spießer, die sie doch so sehr verachten. Verblödung und Leistungsverweigerung sind nämlich immer nur dann gut, wenn es andere auslöffeln müssen.

    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
    Für Zeitverhältnisse klingt das doch recht rational und vernünftig.
    Lieblingsgericht: Thunfischgrütze.

  3. #3
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    Standard AW: Berliner Schulen: Abhängen auf dem Kuschelkissen

    Zitat Zitat von willy Beitrag anzeigen
    Für Zeitverhältnisse klingt das doch recht rational und vernünftig.
    Und heuchlerisch und verlogen, wenn man den größeren Rest der "ZEIT" berücksichtigt.

    Dazu passend:

    Wir verblöden

    6.12.2012


    In den letzten Wochen gingen gleich zwei Nachrichten zum heiklen Thema der Gruppenintelligenz durch die Medien, ohne daß es zum üblichen Geschrei kam. Vielleicht liegt es am „rein wissenschaftlichen“ (nicht „rechtspopulistischen“) Hintergrund der Studien; vielleicht kann aber auch eine gewisse Normalisierung bemerkt werden. Im einen Fall ging es um die Frage nach den „klügsten Ländern“, im anderen um die These, daß die durchschnittliche Intelligenz während der Menschheitsgeschichte nicht zu-, sondern abgenommen habe.

    Zwar erscheint der aktuelle Vergleich der verschiedenen „Bildungsstandorte“ durch die Economist Intelligence Unit auf den ersten Blick unspektakulär, aber die – wenig überraschenden – Ergebnisse wären anders aufgenommen worden, hätte man die Rangliste der Länder nicht nach schulischen Leistungen und Bildungsangeboten, sondern im Hinblick auf die Intelligenz ihrer Einwohner aufgestellt. Auch dann hätten südeuropäische Länder schlechter als nordeuropäische abgeschnitten und Asiaten Spitzenplätze belegt (diesmal Südkorea, Hongkong, Japan und Singapur auf den Plätzen 2 bis 5), während es kein muslimisches oder afrikanisches Land auf einen durchschnittlichen Platz gebracht hätte – allerdings wäre der Urheber der Studie des „Rassismus“ geziehen worden.

    Betrachtet man nur Bildungssysteme und sonstige soziale Voraussetzungen, kann man den Glauben hegen, daß sich diese beliebig optimieren ließen; spricht man von Völkern, wird sofort die Ideologie eines unveränderlichen genetischen Determinismus unterstellt und kritisiert.

    Kultureller Rahmen, der intellektuelle Leistungen fördert

    Beides ist jedoch falsch, und die Ergebnisse dieser und vergleichbarer Untersuchungen lassen sich auch ganz anders interpretieren. Wieso taucht zum Beispiel Frankreich mit seinem „fortschrittlichen“ Schul- und Ganztagsbetreuungswesen nicht einmal unter den ersten 20 Ländern auf, während die Südostasiaten mit ihren autoritären Schulsystemen die vordersten Plätze belegen? Und folgt der erste Platz Finnlands tatsächlich nur aus seiner guten Schulpolitik (die das Schwergewicht nicht auf Ganztagsbetreuung legt) und nicht auch aus seiner homogenen, nordeuropäischen Bevölkerungsstruktur beziehungsweise dem „Verzicht“ auf Einwanderung aus Anatolien oder dem Maghreb?[...]
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  4. #4
    Labor omnia vincit! Benutzerbild von willy
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    Standard AW: Berliner Schulen: Abhängen auf dem Kuschelkissen

    Nichts Neues. Wenn ich mich recht entsinne, praktiziert(e) das eine gewisse fast Ministerpräsidentin Ypsilanti ganz ähnlich mit ihren Bälgern.
    Lieblingsgericht: Thunfischgrütze.

  5. #5
    ein feiner Mensch Benutzerbild von konfutse
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    Standard AW: Berliner Schulen: Abhängen auf dem Kuschelkissen

    Mein Jüngster kam in eine Integrations-Grundschulklasse (wegen eines Schülers mit Glasknochenkrankheit), in der auch alternative Lehrmethoden angewandt wurden. Da gab es Kuschel- und Massagestunden, keine Fibel und schreiben lernen über schreiben wie sprechen. Wir natürlich ohne Vorbehalte und Berührungsängste. Später wurde immer deutlicher, dass Mädchen bevorzugt und Jungen benachteiligt wurden. Weil sie weniger emotional ansprechbar waren und deren Probleme von den ausschließlich Lehrerinnen weniger beachtet wurden. Mädchen mussten nur flennen wenn sie keine Hausaufgaben gemacht hatten (die gab es auch erst in der vierten Klasse) und schon war alles bestens. Als in der dritten Klasse unser Kind keine Bildungsempfehlung fürs Gymnasium bekommen sollte wurde ich beim Direktor deutlich und siehe da: plötzlich waren seine Leistungen ausreichend. Nie wieder so einen Scheiß!
    Kennt ihr diesen Moment, in dem plötzlich alles Sinn ergibt und man merkt,
    dass der ganze Scheiß sich wirklich lohnt? Ich auch nicht.

  6. #6
    MitGlied Benutzerbild von Zinsendorf
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    Standard AW: Berliner Schulen: Abhängen auf dem Kuschelkissen

    Zitat Zitat von Felix Krull Beitrag anzeigen
    Und heuchlerisch und verlogen,
    ...
    Wir verblöden (JF, 6.12.2012)[/url]
    Wenn ich das mit Finnland lese, denke ich unwillkürlich an Margot H.. Noch kann man sie ja fragen und von evt. Antworten den ideologischen Teil streichen. Immerhin hat das soz. Bildungssystem solche Könner wie A. Merkel oder J. Gauck hervorgebracht!

    Es wäre aber schon viel gekonnt, wenn bundeseinheitlich Prüfungskriterien für die einzelnen Abschlüsse aufgestell würden und danach ohne Rücksicht auf Herkunft (Schulart, Milieu usw.) nur nach gezeigter Leistung ausgewählt würde, eben ein klein wenig Preußen überall ...
    Verallgemeinerungen sind Lügen.
    (Gerhard Hauptmann)

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