User in diesem Thread gebannt : Pythia


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Thema: Die vergessene Architectura Navalis

  1. #41
    Bürgerrechtler >ß´( Benutzerbild von Heifüsch
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    Standard AW: Die vergessene Architectura Navalis

    So, jetzt fehlt noch der Holk oder Hulk, dann ist die Einleitung abgeschlossen.
    Das Bisherige waren eben die wichtigsten schiffbauhistorischen Eckdaten, dokumentiert anhand original erhaltener Schiffe. Mangels eines Holkfundes muss ich hier aber etwas improvisieren und die typische Holk-Beplankung anhand dieses formschönen Manufactum-Angebots demonstrieren :-)

    Voilà! Ein sogenannter Sussex-trug:



    Man muß sich den Henkel einmal wegdenken und sich ganz auf die "Planken" konzentrieren. Diese enden hier nicht wie üblich in den Steven sondern verlaufen fast parallel zu diesen (bzw. einer zum Steven ausgeformten massiven Kielplanke) nach oben, wo sie stumpf abgeschnitten durch ein "Dollbord" zusammengehalten werden. Diese spezielle Konstruktionsweise erlaubt eine fast beliebige Schiffsbreite, was besonders bei Lastschiffen von Vorteil ist. Es ist wohl anzunehmen, daß Fahrzeuge dieser Konstruktion anfangs primär in der Binnenschiffahrt eingesetzt wurden, denn besonders hochseetauglich wirkt dieser Korb nicht gerade :-)

    Komisch, wenn ich bei Google die Stadt Hulkesmouth eingebe, erscheint das hier:



    Diese Grünen sind doch wirklich überall :-( Ich versuch´s nochmal...


    Das ist jetzt ein sogenannter Rosenoble aus der Regierungszeit Edwards IV. Die Planken sind genau wie bei diesem Korb stumpf abgeschnitten und enden nicht im Steven, sondern streben parallel zu diesem nach oben, wo dann die Kastelle den nötigen Zusammenhalt garantieren >&-)


    Das Stadtsiegel New Shorehams von 1295 mit typischem Hulk.
    Geändert von Heifüsch (14.04.2013 um 00:45 Uhr)
    „Ich finde es nicht richtig, dass man immer die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ernst nehmen muss. Was haben die denn für Sorgen und Nöte? Ich kann das nicht verstehen!“
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  2. #42
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    Standard AW: Die vergessene Architectura Navalis

    Was ist denn mit diesen runden Booten mit Lederbespannung? Wohl aus Irland oder Schottland. Angeblich sind damit die ersten Missionare über die Nordsee gekommen. Diese verdammten Penner.
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  3. #43
    Bürgerrechtler >ß´( Benutzerbild von Heifüsch
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    Standard AW: Die vergessene Architectura Navalis

    Zitat Zitat von Geronimo Beitrag anzeigen
    Was ist denn mit diesen runden Booten mit Lederbespannung? Wohl aus Irland oder Schottland. Angeblich sind damit die ersten Missionare über die Nordsee gekommen. Diese verdammten Penner.
    Das waren Curraghs oder Coracles und dieser Missionar hieß St Brendan oder so. Die Dinger gibt´s heute noch für Angler, aber aus dem Bootsstadium sind die nie herausgekommen, weshalb ich sie hier unterschlage :-)

    Ach nee, du meinst diesen Missionar, der unsere schöne Donars-Eiche gefällt hat? Ja, dieser Mistkerl hat hier viel durcheinandergebracht :-(
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  4. #44
    Ridiculist Benutzerbild von Cetric
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    Standard AW: Die vergessene Architectura Navalis

    Eine englische Kogge namens 'Mary Fortuna' des Jahres 1300. Man sieht im Vergleich zu dem venezianischen Schiff 100 Jahre früher, daß die Kampfplattformen oder Kastelle mehr in den Schiffskörper integriert sind, 'verwachsen', statt wie behelfsmäßig auf Pfosten draufgestellt worden zu sein.
    Diese frühen Schiffe wurden nicht nach Plänen gebaut, sondern frei schnauze nach den Erfahrungen der Baumeister, daher auch die uneinheitliche Gestaltgebung und die Schwierigkeit, im nachhinein Kategorien oder Gattungsnamen wie 'Kogge', 'Hulk', 'Karacke', 'Karavelle' dafür zu finden. Der portugiesische Nao - der auch wieder eine Art hochseefähige Karavelle oder Karacke ist, heißt auf deutsch einfach nur 'Schiff'.
    Länge 26m
    Breite 6,67m
    Tiefgang 2,95m
    Verdrängung 132 to



    Nun ein Bild, wie man sich eine spanische Karacke des späten 15. Jahrhunderts vorstellt. Genauer gesagt handelt es sich hier um die berühmte 'Santa Maria', gebaut 1480 in Santander, das Flaggschiff von Cristobal Colon (=Kolumbus) auf seiner ersten Atlantik-Durchsegelung, Landung auf Hispanola (Haiti/Dom.Rep.).
    Dieses Schiff wird auch zu den Karavellen gezählt, wie auch die Begleitschiffe Pinta und Nina, obwohl sie äußerlich äußerst verschieden sind, auch von der Größe und Besegelung her.
    Länge 23,6m
    Breite 7,92m
    Tiefgang 2,10m
    Verdrängung 51,3 to
    Bewaffnung 4 Bombardellen 90mm, Kolubrinen unbekannter Zahl 50mm.

    [IMG][Links nur für registrierte Nutzer][/IMG]


    Eurasischer Faschismus wird gestoppt von Wachsamkeit, Widerstand, Einigkeit der Demokratien.

  5. #45
    Ridiculist Benutzerbild von Cetric
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    Standard AW: Die vergessene Architectura Navalis

    Aus Chapmans Buch eine Algerische Schebecke, ein äußerst schnittiges Schiff, das in den Nordafrikanischen Barbaresken-Ländern entwickelt worden ist zum Schrecken der christlichen Seefahrt (denn die Musels an der algerischen-marokkanischen Küste waren berüchtigte Piraten und Sklavenhändler über Jahrhunderte hinweg):
    Länge über Steven 130 1/3 Fuß
    Breite auf Spant 25 1/4 Fuß
    Tiefgang 9 2/3 Fuß
    28 Kanonen: 16x 6-Pfünder auf dem Hauptdeck, 4x 12-Pfünder auf der Back, 8x 3-Pfünder auf der Schanze. Dazu 30 Donnerbüchsen. Konnte auch bei Windstille mit 9 Riemenpaaren vorangetrieben werden.
    A = Querschnitt im Bereich der Kajüte
    B = Querschnitt hinter dem Fockmast
    C = Querschnitt im Hauptspant

    [IMG][Links nur für registrierte Nutzer][/IMG]

    Das Schiff auf der unteren Bildhälfte ist eine Maltesische Galeere (Der Malteser Ritterorden war gewissermaßen der Gegenspieler der Barbaresken und unterhielt dazu eine eigene Flotte),
    Länge über Steven 184 Fuß
    Breite auf Spant 24 5/6 Fuß
    Tiefgang 8 1/2 Fuß
    5 Kanonen, davon 2x 8-Pfünder auf dem Deck, 2x 6-Pfünder auf dem Deck, 1x 36-Pfünder auf der Back (sicher als Jagdgeschütz nach vorn gerichtet wie bei Galeeren üblich). ordentlich Wumms, wenn man damit trifft...


    Eurasischer Faschismus wird gestoppt von Wachsamkeit, Widerstand, Einigkeit der Demokratien.

  6. #46
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    Standard AW: Die vergessene Architectura Navalis

    Zitat Zitat von Cetric Beitrag anzeigen
    Eine englische Kogge namens 'Mary Fortuna' des Jahres 1300. Man sieht im Vergleich zu dem venezianischen Schiff 100 Jahre früher, daß die Kampfplattformen oder Kastelle mehr in den Schiffskörper integriert sind, 'verwachsen', statt wie behelfsmäßig auf Pfosten draufgestellt worden zu sein.
    Diese frühen Schiffe wurden nicht nach Plänen gebaut, sondern frei schnauze nach den Erfahrungen der Baumeister, daher auch die uneinheitliche Gestaltgebung und die Schwierigkeit, im nachhinein Kategorien oder Gattungsnamen wie 'Kogge', 'Hulk', 'Karacke', 'Karavelle' dafür zu finden. Der portugiesische Nao - der auch wieder eine Art hochseefähige Karavelle oder Karacke ist, heißt auf deutsch einfach nur 'Schiff'.
    Länge 26m
    Breite 6,67m
    Tiefgang 2,95m
    Verdrängung 132 to
    Gibt es zu dieser "englischen Kogge" irgendeine Quellenangabe? Ich bin ja der Meinung, daß es englische Koggen nie gegeben hat. Entweder waren das Nefs, Keels (undefinierbarer Schiffstyp) oder aber Hulks, die um 1300 und auch später englische Gewässer befuhren. Zudem zeigt dein Bildbeispiel einige Unstimmigkeiten. Vor allem das Vorschiff ähnelt eher einem späteren Holk, wenngleich der Plankenverlauf untypisch ist.
    „Ich finde es nicht richtig, dass man immer die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ernst nehmen muss. Was haben die denn für Sorgen und Nöte? Ich kann das nicht verstehen!“
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  7. #47
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    Standard AW: Die vergessene Architectura Navalis

    Zitat Zitat von Cetric Beitrag anzeigen
    Aus Chapmans Buch eine Algerische Schebecke, ein äußerst schnittiges Schiff, das in den Nordafrikanischen Barbaresken-Ländern entwickelt worden ist zum Schrecken der christlichen Seefahrt (denn die Musels an der algerischen-marokkanischen Küste waren berüchtigte Piraten und Sklavenhändler über Jahrhunderte hinweg):
    Länge über Steven 130 1/3 Fuß
    Breite auf Spant 25 1/4 Fuß
    Tiefgang 9 2/3 Fuß
    28 Kanonen: 16x 6-Pfünder auf dem Hauptdeck, 4x 12-Pfünder auf der Back, 8x 3-Pfünder auf der Schanze. Dazu 30 Donnerbüchsen. Konnte auch bei Windstille mit 9 Riemenpaaren vorangetrieben werden.
    A = Querschnitt im Bereich der Kajüte
    B = Querschnitt hinter dem Fockmast
    C = Querschnitt im Hauptspant

    [IMG][Links nur für registrierte Nutzer][/IMG]

    Das Schiff auf der unteren Bildhälfte ist eine Maltesische Galeere (Der Malteser Ritterorden war gewissermaßen der Gegenspieler der Barbaresken und unterhielt dazu eine eigene Flotte),
    Länge über Steven 184 Fuß
    Breite auf Spant 24 5/6 Fuß
    Tiefgang 8 1/2 Fuß
    5 Kanonen, davon 2x 8-Pfünder auf dem Deck, 2x 6-Pfünder auf dem Deck, 1x 36-Pfünder auf der Back (sicher als Jagdgeschütz nach vorn gerichtet wie bei Galeeren üblich). ordentlich Wumms, wenn man damit trifft...
    So ne Art Schebecken gab´s auch in der Ostsee. Hier der Originalplan eines preussischen Küstenwachtschiffes von ca. 1790. Die seltene Zeichnung wurde erst vor wenigen Jahren entdeckt. Sie gilt als der älteste erhaltene Entwurf eines deutschen Seeschiffes überhaupt.

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  8. #48
    Im Ruhestand Benutzerbild von OneDownOne2Go
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    Standard AW: Die vergessene Architectura Navalis

    Na Mensch! Ich hab's zwar mehr mit den stählernen Kriegsschiffen ab dem späten 19. Jahrhundert, aber trotzdem bin ich froh, diesen ebenso interessanten wie unterhaltsamen und sogar lehrreichen Strang doch noch entdeckt zu haben!
    Schwarz Rot Gold Weiss Rot!
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  9. #49
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    Standard AW: Die vergessene Architectura Navalis

    Moin, Heifüsch!

    Ein ganz toller Strang, den ich mir als Enkel zweier Hamburger Schiffbauerfamilien besonders gerne betrachte:

    Weitermachen so; leider habe ich nicht genug grüne Punkte....

    Besten Gruß und Ahoi,

    KuK
    "Gotteslob" # 380, Strophe 9 und aktueller denn je:
    Melodie: "Großer Gott, wir loben Dich!"

    Sieh dein Volk in Gnaden an.
    Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;
    leit es auf der rechten Bahn,
    dass der Feind es nicht verderbe.
    Führe es durch diese Zeit,
    nimm es auf in Ewigkeit.

  10. #50
    Bürgerrechtler >ß´( Benutzerbild von Heifüsch
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    Standard AW: Die vergessene Architectura Navalis

    Zitat Zitat von OneDownOne2Go Beitrag anzeigen
    Na Mensch! Ich hab's zwar mehr mit den stählernen Kriegsschiffen ab dem späten 19. Jahrhundert, aber trotzdem bin ich froh, diesen ebenso interessanten wie unterhaltsamen und sogar lehrreichen Strang doch noch entdeckt zu haben!
    Bis zum Dreadnought kann ich mich in gewisser Weise auch für dein Interessensgebiet begeistern. Nur sind diese ollen Holzkisten immer noch etwas attraktiver für meine unverbesserlich romantische Seele :-)
    Aber so´n nettes Feedback ist doch ein Anreiz, hier weiterzumachen. Thanks for watching >8-)=
    „Ich finde es nicht richtig, dass man immer die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ernst nehmen muss. Was haben die denn für Sorgen und Nöte? Ich kann das nicht verstehen!“
    *
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