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Thema: Raumschiff Genderpreis II

  1. #11
    Eine Schand für 'schland Benutzerbild von Sathington Willoughby
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Eine halbe Stunde später kamen sie auf der Genderpreis an und wurden nochmals, diesmal von Geweron Jütiker, dem zweiten Offizier, begrüßt. Danach ging es in die Kabinen. Roth-Grün, welche die ganze Zeit über Lotvik angewidert beobachtet hatte, ging mit Tschillpie in seinen Kabuff. Offenbar hatten beide einiges zu besprechen, doch das war dem Präsidenten erst mal egal. Er packte aus und ließ sich im Anschluss von Roderich höchstpersönlich das Schiff zeigen, eine kleine Whiskyprobe im Maschinentrakt inklusive.
    Bei dieser Gelegenheit erzählte Roderich von Person Roth-Grün und lästerte ein wenig über das Ministerium für Gleichstellung und Unterschiedlichkeit ab. Lotvik, der seine Abneigung gegen besagte Institution kaum verbergen konnte, merkte an, dass die Roth-Grüne hervorragend zu Person Horvath passen würde, womit die vorhin geäußerte These grandios bestätigt worden ist.
    „Was genau machen Sie denn auf Gliese?“ wollte Roderich wissen.
    „Es geht um die Vorstellung eines Phasendingensantriebes oder Beamgerätes, halt was technisches, ich soll nur die Eröffnungsrede halten, weil es eine so kolossal umwerfende Technik ist, die unser aller Leben verändern wird. Wurde mir jedenfalls erzählt. Ist auch wurscht, ich wollte sowieso schon immer mal den Senkrechttunnel ausprobieren, jetzt, als Präsident, kann ich mir das ja leisten und muss zudem nicht stundenlang um Karten anstehen. Meine Rollschuhe habe ich schon geölt. Wie lange wird der Flug dauern?“
    -„Wir sind bald am Sprungpunkt des Schlaraffensystems und werden in etwa zwei Tagen auf Gliese 832 III landen. Was ist das denn für ein Butlervogel, den Sie da im Schlepptau mit führen?“
    -„Ach der, Tschillpie, der ist mir von der Föderation abgestellt worden, meine Gouvernante sozusagen. Er soll aufpassen, dass ich nicht zu sehr über die Stränge schlage und gut funktioniere. Ein wenig steif ist er ja, aber das kriegen wir schon noch hin, er hat Potential. Eigentlich ein ganz nettes Kerlchen. Ach“, streckte er sich, „ich geh man wieder in meine Stube und versuche, die Rede zu lesen, die ich halten soll. So long, Käppn“ sprachs und verabschiedete sich.

    Der Senkrechttunnel? Was hat Lotvik da erzählt?
    Ja, dieser Tunnel ist eine DER Attraktionen in unserer Galaxis. Eigentlich war er gar nicht geplant, sondern ist, wie so vieles, durch einen ungewollten Zwischenfall entstanden. Und das kam so:
    Gliese 832 III war ein nur sehr dünn besiedelter Planet mit wenigen endemischen Lebewesen. Dieser Umstand sowie seine recht zentrale Lage und ein günstiges Klima machten ihn schnell zu einem beliebten Ort für Forscher, die in Ruhe an ihren Projekten basteln wollten.
    Der größte Teil der Bewohner bestand somit aus Wissenschaftlern, die aus der ganzen Galaxis für verschiedene Projekte angereist kamen und unter sich bleiben wollten.
    Ein Teil dieser Kapazitäten beschäftigte sich mit der Katalogisierung der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt, streng nach einer altbewährten Prioritätenfolge:
    1. Welche und wie viele Lebewesen gibt es?
    2. Wie sind sie physionomisch aufgebaut?
    3. Was fressen sie, wie verhalten sie sich?
    4. Wie leben sie zusammen? Wie sind die Biotope aufgebaut?
    5. Sind diese Tiere und Pflanzen für uns essbar?
    6. Welcher Gerichte kann man aus ihnen bereiten und welcher Wein passt am besten dazu?
    Normalerweise lassen sich die ersten fünf Fragen relativ schnell an ein paar begabte Praktikanten delegieren, so dass die renomierten Wissenschaftler sich voll und ganz der letzten Frage widmen können.

    Ein anderer – großer - Teil der Forscher beschäftigte sich mit den Dimensionsreisen, deren Mittelpunkt der Phasen-Molekularumwandler war, der einen wirklich echt dichten Energiestrahl (WEDE), der in dem sogenannten Wirklich-Echt-Dichter-Energiestrahl-Erzeuger (WEDEE) erzeugt wurde, auf eine Materieansammlung richten und diese in eine Paralleldimension pusten sollte. Leider wurden diese Wissenschaftler relativ häufig von ihren Biologie-Kollegen zur Klärung von Frage Nummer sechs eingeladen, so dass sie bei der Einrichtung des ersten Versuches mit dem Umwandler ein wenig neben der Spur gewesen waren und verschiedene Dinge nicht berücksichtigt hatten, die alle mit der Absicherung des WEDEEs zusammenhingen.
    Zwar waren sowohl dieser WEDEE als auch die Konstruktion, auf der selbiger ruhen sollte, solide ausgeführt, nur wurden aufgrund einer besonders langen, nächtlichen Testreihe bei den Biologen ein kleines Detail übersehen, nämlich dass beide Komponenten für eine einwandfreie Funktion auch korrekt miteinander verschraubt sein sollten. Das ist zunächst überhaupt nicht wichtig gewesen, solange die Apparatur nicht in Betrieb genommen wurde.
    Als man jedoch den ersten Versuch startete, wurde dieses Manko offenbar, denn der WEDEE ruckelte aufgrund der hohen Energien, welche die Raum-Zeit und Energie-Materie nicht nur ineinander verhedderten, sondern phasenweise zerrissen, ziemlich herum, was zur Folge hatte, dass sich die Vorrichtung beim Anfahren vom Sockel löste und auf die Seite kippte.
    Dadurch wurde der Wirklich-Echt-Dichte-Energiestrahl, der normalerweise die Bestandteile der Materie auf das nächste Energielevel heben sollte, nicht auf das eigentliche Ziel, sondern mitten durch den Planeten gelenkt, was den Strahl selber erstmal überhaupt nicht juckte.
    Gleiches konnte man leider nicht vom Planeten behaupten, denn der WEDE verrichtete seine Arbeit ganz hervorragend und pustete einfach sämtliche Materie des Planeten, die er erreichen konnte, in die nächsthöhere Dimension, was zur Folge hatte, dass in Nullkommanichts ein Tunnel von ca. 50 Metern Durchmesser entstand, der genau durch die Planetenmitte verlief und auf der anderen Seite wieder an die Oberfläche trat.
    Jetzt hatte man ein Problem. Zuschütten konnte man das Loch nicht mehr, einfach einen Teppich drüberlegen und so tun, als wäre nichts passiert, war auch nicht drin, denn die Vorgesetzten erwarteten eine Rechtfertigung für die horrenden Energiekosten sowie einen detaillierten Bericht zum Monatsabschluss. Man musste sich also etwas einfallen lassen.
    Nach ein paar Tagen verzweifelter Grübelei kamen die Verantwortlichen auf die rettende Idee. Sie ließen die Wandung des entstandenen Loches einfach mit temperaturbeständigem Beton ausgekleiden, nannten den Unfall ‚Senkrechttunnel‘ und taten so, als ob sie ihn absichtlich geschaffen hätten, um Touristen anzulocken und mit deren Geld die Forschungen zu finanzieren.
    Und sie kamen wirklich damit durch, denn dieser Tunnel ist bis heute einer der Kassenschlager für verwöhnte Reisende, die eine besondere Attraktion erleben wollen. Sie können sich entweder in den Senkrechttunnel hineinstürzen und nach ein paar Stunden auf der anderen Seite des Planeten wieder auftauchen, oder sie lassen sich im Zentrum abbremsen und verharren dort in Schwerelosigkeit. Andere wiederum ziehen es vor, mit skateboardartigen Konstruktionen oder Rollschuhen hinunterzurasen und dabei waghalsige Tricks zu vollführen. Zudem findet dort einmal im Jahr ein Kegelturnier statt, das mit Fug und Recht von sich behaupten kann, auf der längsten Bahn der Galaxis ausgetragen zu werden.
    Unterm Strich wurde also aus dem Unfall ein Glücksfall, denn durch das Geld, das die vielen Besucher daließen, konnten die Forschungen weiterhin finanziert werden.
    ....

  2. #12
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    So waren sie in der Reaktionskammer des Wirklich-Echt-Dichter-Energiestrahl-Erzeugers gefangen.
    „Was hat den denn gebissen?“ wollte Roderich wissen.
    „Keine Ahnung, dieser Drecksack, so karrieregeil, ich könnte ihn... baah! Eigentlich kenne ich ihn nur flüchtig von der Präsidentenwahl. Ich dachte, dass er die Niederlage gut verkraftet hätte, es scheint aber ein ehrgeiziges Bürschchen zu sein.“
    -„Und wen hat er mit SIE gemeint?“
    -„Das ist eine längere Geschichte und wir haben im Moment größere Probleme, denke ich. Was issn das Ding auf der anderen Seite der Panzerglasscheibe?“ fragte Lotvik den Käppn.
    -„Die Phasen-Synchronisationskammer. Da müssen wir rein, wenn wir das hier überleben wollen.“
    -„Und was macht diese Kammer so den langen Tag lang?“
    -„Entweder wandelt sie Moleküle phasenmäßig um, oder sie wandelt Phasen molekular um oder so was. Halt was mit Molekülen und Phasen, denke ich.“
    -„Wie ist das denn so?“
    -„Weißichnich. Ist ja eine ganz neue Technik.“
    -„Hört sich an, als könne das unangenehm werden. Aber wohl nicht so unangenehm, wie ohne Synchronisation durch die vierte Dimension jetten.

    Der Präsident der Föderation hatte hier absolut Recht. Die ersten Dimensionauten, welche die Parallelwelt besuchen wollten, brauchten, so dachte man, vor allen Dingen großen Mut für diese Pionierleistung, da sie in völlig unbekanntes Terrain reisten. Rückblickend betrachtet war dieser aber lange nicht so nötig gewesen wie eine gute Lebensversicherung, denn die Reise in die Parallelwelt an sich ist zwar völlig ungefährlich, es ist nur der kurze Aufenthalt in der vierten Dimension, die einen allgemein als sehr negativ empfundenen Effekt auf unsere Physionomie hat.
    Dieser Effekt erklärt sich dadurch, dass die schwache Kernkraft sowie die elektromagnetische Kraft unserer Körper in einer dreidimensionalen Welt mit Hochzahl 3 abnimmt, in der vierten Dimension aber mit Hochzahl 4, also viel schneller als üblich, wodurch die Anziehungskräfte deutlich geringer ausfallen als in drei Dimensionen.
    Das gibt den Elektronen endlich einmal die Gelegenheit, einen Spaziergang aus dem Einflussbereich ihres Atomkerns zu unternehmen und da Elektronen kleine, aber neugierige Kerlchen sind, nutzten sie diese auch sofort. So wurden die Atome der Dimensionauten mit geschätzten 200.000 km/sek. auseinandergetrieben und die Föderation musste einen kolossalen Versicherungsschaden anmelden.
    Mittlerweile hat man diese Nebenwirkungen des WEDE‘s aber mit Hilfe der Phasen-Synchronisationskammer, in welcher die Dimensionauten die Reise antreten, ganz gut in den Griff bekommen – jedenfalls laut der zuvor zitierten Hochglanzbroschüre, die zu der Präsentation des neuen Umwandlers eingeladen hatte.

    Jetzt blendete sich eine angenehme Stimme ein, die eigentlich Zahnpasta hätte verkaufen sollen, so warmherzig sympathisch war sie. Ein spezielles Computerprogramm modulierte die Stimmlage dergestalt, dass sie für fast alle Wesen von Welten mit einer Schwerkraft zwischen 0,7g und 1,3g wahnsinnig angenehm und sympathisch rüberkam und die Kaufhemmschwelle um über 40 Prozent senkte. Doch hier las sie nur langeweilige Zahlen in einem enthusiastischen Tonfall runter: „Dreißig, neunundzwanzig, achtundzwanzig......“.
    An dieser Stelle brechen wir den Countdown ab, da jeder Leser sicher schon mal einen gehört hat und sich ausrechnen kann, wie es weitergeht. Kleiner Tipp: bei Null passiert irgendwas dramatisches.
    Lotvik fragte: “Ein Countdown, ist das gut?“
    -„Nein, nicht gut, gar nicht gut.“ entgegnete Roderich.
    -„Nicht gut? Auch gut.“ meinte Lotvik schulterzuckend. Roderich sah sich um, konnte aber keine Möglichkeit entdecken, wie sie aus der Klemme gelangen konnten. Resigniert steckte er seine Hände in die Taschen seiner weiten Hose und stellte zu seiner großen Überraschung fest, dass sich dort aus irgend einem Grund sein Laserschwert befand, das er doch eigentlich an Bord der Genderpreis hatte lassen müssen.
    Fünfundzwanzig.
    Ohne sich zu fragen, wie es denn jetzt in seinen Besitz gekommen war, zog er es, betätigte die Klinge und schnitt ein kreisförmiges Loch in das Panzerglas, da due Außenwände einen Laser-resistenten Überzug hatten.
    -„Bitte, nach Ihnen, Herr Präsident!“
    Einundzwanzig.
    -„Eieiei, unser Käppn hat eine Waffe reingeschmuggelt. Wenn das man nicht gegen irgend eine Richtlinie verstößt!“ ließ Lotvik beim Durchqueren vernehmen.
    Roderich glitt nicht so elegant durch das Loch, aber bei fünfzehn war auch er auf der anderen, der sicheren Seite.
    „Sehr schön, das ist die Phasen-Synchronisationskammer. Sie synchronisiert unsere Materie mit den Gegebenheiten in der vierten Dimension, so dass wir erhalten bleiben, wie wir sind, halt nur wesentlich energiereicher.“ dozierte Roderich.
    Neun.
    Die kleine Kabine, in die sie gerade eingedrungen waren, war ebenso nüchtern gebaut worden wie die Reaktionskammer des Wirklich-Echt-Dichter-Energiestrahl-Erzeugers und bot gerade mal Platz für zehn Personen, die in spartanisch anmutenden Sitzen Platz nehmen mussten. Ein Schild hing an der gegenüberliegenden Wand und kommunizierte den potentiellen Dimensionauten: ‚Während des Transfers durch die vierte Dimension ist es verboten,
    - zu rauchen oder trinken
    - zu telefonieren
    - sich abzuschnallen und den Sitz zu verlassen
    - sich um eine Achse zu drehen‘
    Vier.
    -“Respekt, was so ein Käppn alles weiß!“
    -„Naja, ich habe Genrogan zugehört und kann Schilder lesen.“ entgegnete der Bewunderte und deutete auf einen Aufkleber oberhalb der Ausgangstür, der nochmal eine grobe Funktionsbeschreibung wiedergab.
    - „Und was jetzt?“ fragte der Präsident erneut.
    Zwei.
    -„Einfach abwarten, eigentlich kann so viel hierrin nicht passieren!“ meinte der Käppn.
    Eins.
    Und behielt Recht.
    Null.
    Der WEDEE katapultierte sie in die vierte Dimension, doch wurden ihre Bestandteile durch die Synchronisation, die in der Kammer vollzogen wurde, automatisch mit dem hiesigen Universum verschränkt und mit ausreichend Energie vollgepumpt. Da ihre Körper jetzt für eine kurze Zeit in ein anderes Energieniveau gehoben wurden, konnten sie unbeschadet durch die vierte Dimension fliegen, ohne Schaden zu nehmen.
    Das war aber nur der erste Teil, den sie überleben mussten, der zweite war der Austritt aus dieder Zusatzdimension und der Eintritt in die Parallelwelt, die sogenannte Möbiuswelt. Hierzu wurden ihre Bausteine natürlich wieder restrukturiert, was etwas lästig war, denn eine gehörige Portion Energie musste entzogen werden, was ein ziemliches Kribbeln in den Gelenken erzeugte und einen erstmal gehörig frieren ließ. Doch sie hatten den Kurzaufenthalt in der vierten Dimension heil überstanden und wurden erfolgreich in der anderen Welt materialisiert.
    .............

  3. #13
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Zunächst passierte gar nichts. Roderich hörte nur ein puslierendes Wummern und tippte richtigerweise auf seinen eigenen Herzschlag. Langsam stellte sich wieder ein Gefühl der Schwere ein. Puls? Check. Schwerkraft? Check. Ja. Atmung? (Ein..., aus...) Check. Sehvermögen? Mal schaun.
    Langsam versuchte er, die Augen zu öffnen. Es funktionierte, doch sah er nicht viel beziehungsweise er sah viel, aber viel zu verschwommen, um sich ein genaueres Bild machen zu können, aber es besserte sich langsam. Also: Sehvermögen Check. Was noch?
    Tastsinn. Er lag wohl auf festem Boden und konnten eine wärmende Sonne sowie ein laues Lüftchen spüren. Die wärmende Sonne hatte er auch bitter nötig, da es ihn gewaltig, durch und durch fröstelte. Check.
    „Herr Käppn, sind Sie noch heile?“ fragte eine Stimme aus dem Nirwana. Gehörsinn: Check.
    -„Ja, Herr Präsident. Nur kann ich noch nicht viel sehen.“erwiderte Roderich zähneklappernd.
    Dafür vernahmen sie in der Ferne eine Stimme, die aus einer großen Lautsprecheranlage zu kommen schien. „...und so einer hat es gewagt, bis heute als Gottheit durchzugehen. Zuerst hatte er die Nase vorn, dann hatte er sie voll und eins draufbekommen. Welch eine Schande! Naja, seine Zeit ist vorbei, war wohl nix mit Allmacht und so. Begrüßen wir als nächsten Gast in unserem Stadion Kalunga-Ngombes, einen der Götter der Toten von Terra III, in der blauen Ecke. Und sein Gegner in der roten Ecke ist niemand Anderes als der groooße Wen Chang, irgend so ein Gott des Schriftentuuuuums!!!!!!!!!, natürlich ebenso von Terra III“ Donnernder Applaus von etwa dreißig Millionen Zuschauern erklang. So langsam konnten sie wieder rudimentär etwas erkennen. Zunächst nur Schatten und Bewegungen, doch das genügte, um sich ein ungefähres Bild ihrer Lage zu machen.
    Die Gegend zur Linken bestand aus karger Steppenlandschaft, spärlich bewachsen, mit einer heißen Sonne, der von Terra oder Wega sehr ähnlich. Sie blickten nach rechts in Richtung der Lärmquelle und bemerkten, dass sie am Rand einer kleineren Stadt gelandet waren. Die Gebäude waren nicht höher als drei Stockwerke, das einzige, das über alles Andere herausragte, war ein überdimensionales Stadion, keine fünfhundert Meter von ihnen entfernt, welches von außen betrachtet so viel Platz zu bieten schien, dass man den ganzen Rest der Kleinstadt dort zehnmal bequem hätte unterbringen können. Es war von Baustil her avantgarde-konservativ ausgelegt, mit einem Hauch von neo-klassizismus gewürzt, von runder Form und beigefarben, so dass es sich harmonisch in die Steppenlandschaft und das umgebenden Häusermeer einfügte wie ein großer Fels in der Brandung.
    Als sie sich aklimatisiert hatten und wieder normal sehen konnten, standen sie auf und machten sich auf den Weg in die Stadt. Nichts Besonderes fiel ihnen ins Auge, Straßen, Bürgersteige, Passanten von allen möglichen Welten, Geschäfte, alles erschien überraschend vertraut. Aus einer Seitenstraße kam jetzt ein Passant direkt auf sie zu und tönte überschwänglich. „Herr Vingar? Herr Ankradenk? Einen guten Tag wünsche ich!“
    Roderich fragte ihn: „Auch einen Guten. Entschuldigen Sie bitte, aber wo sind wir, wann sind wir, wer sind wir und was ist das für ein Spektakel im Stadion?“ Sein Gegenüber sah aus wie ein menschliches Wesen, untersetzt und schelmisch grinsend. Ein restlicher Haarkranz aus braunen Locken hatte sich noch auf seinem Haupt behaupten können, der Rest war spiegelblank. Um die vierzig mochte er sein, was aber aufgrund seiner Leibesfülle schwer zu schätzen war. Er fuhr in der Universalsprache der Galaxis fort.
    „Wo Sie sind? Na, hier in der Möbiuswelt und auf Pungadeus. Wann Sie sind? Heute. Mehr kann ich nicht sagen, da hier die Zeit keine Rolle spielt. Hier ist immer heute und gestern war es das auch. Und morgen ist ebenso heute, oder war’s gestern? Egal.
    Damit haben Neuankömmlinge immer ein Problem. Hier passiert alles auf einmal beziehungsweise ist bereits passiert oder wird noch passieren. Sie können sich das nicht vorstellen, da Sie aus dem anderen Kosmos gekommen sind, wie wir alle hier. Macht nichts, daran gewöhnen Sie sich noch. Sonst ist eigentlich alles ziemlich gleich wie drüben, außer, dass sich hier ein paar Ideen manifestiert haben, die über die sechste Dimension hierher gelangten. Was auch das Sujet des heutigen Tages ist, denn diese Ideen sind gerade dabei, sich im Stadion nach Herzenslust zu fetzen.
    Ich soll Ihnen eigentlich nur sagen, dass Sie im Café ‚Merbaner‘ bereits erwartet werden. Die Hauptstraße hoch und direkt gegenüber vom Stadion, Sie können es nicht verfehlen.“
    -„Wer erwartet uns denn? Und wer weiß überhaupt, dass wir hier sind?“
    -„Das werden Sie noch erleben – oder haben es schon erlebt, hahaha!“
    -„Und das Spektakel?“
    -„Ja, haben Sie noch nichts davon gehört? Es hat gerade angefangen, das müssen Sie sehen, die ultimative Herausforderung. Sie haben nur ein paar unwichtige Vorkämpfe verpasst.“
    -„Welche Vorkämpfe denn?“ wollte Roderich wissen.
    -„Die zur Weltmeisterschaft der Götter! Es kann nur einen geben! “ antwortete der Angesprochene und verschwand, enthusiastisch lachend, in der Nebenstraße, aus der er so plötzlich erschienen war.
    ...............

  4. #14
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    Er hatte wieder diesen Traum. Diesen speziellen Traum, der ihn mit monotoner Regelmäßigkeit plagte, ihn niederschmetterte, doch hier, in der Möbiuswelt, schien er ungleich realistischer. Dieser Traum lief immer wir folgt ab:
    Roderich lag als alter Mann schwach und gebrechlich im Bett. Dann bemerkte er eine graue Gestalt am Fußende. Es war aber nicht der Tod, sondern die Evolution, wenn man der Vorstellung des seltsamen Wesens Glauben schenkte, was Roderich auch tat. Es war ohne jegliche Konturen, ein wabernder Schatten, das einzig Konstante war die stetige Veränderung. Mal war es rund, mal länglich, mal schwebte es, mal war es mit Fangzähnen und Klauen ausgerüstet, dann wieder mit Tentakeln oder anderen Extremitäten.
    Und die Evolution sprach mit einem höhnischen Unterton zu ihm: “Du bist alt, deine Gräten sind steif, deine Kraft lässt nach und deine Sinne stumpfen ab. Du hast bis hierhin überlebt und dich vermehrt, du solltest jetzt eigentlich so langsam abtreten, denn du wirst nicht mehr gebraucht, bist nicht mehr lebensfähig. Du kannst nur noch den Anderen als Futter dienen und Platz für die Nächsten machen. Ich kann dir einen meiner Mitarbeiter vorbeischicken, der regelt das ganz schnell für dich. Einverstanden?“
    Für einen kurzen Moment gab er dem seltsamen Wesen Recht. Wie leicht wäre es, einfach zu gehen, nochmal zu winken und sich dann fallen zu lassen. Doch jedesmal rappelte er sich aus dem kurzen Anfall von Lethargie auf. Er nahm seinen Autoschlüssel und seine Kreditkarte und hielt sie dem Wesen unter die Nase:
    -“Hey altes Haus, weißt du, was das hier ist? Wenn ich nicht mehr jagen kann, dann fahre ich mit dem Auto zum Supermarkt und kaufe mir das, worauf ich Lust habe! Und wenn das auch mal nicht mehr klappen sollte“ hier holte er sein Mobilfon, „dann bestelle ich mir enfach eine Pizza. Willst du auch eine? Mit extra Käse? Na?“
    Und, wie immer, wenn sie an diesem Punkt angelangt waren, blickte die Evolution kleinlaut zu Boden und Roderich fühlte sich überlegen. Doch murmelte sie noch im Davontrollen: „Na gut, wenn ihr meint, aber ihr werdet schon sehen ,was ihr davon habt!“ und verschwand. Der verschmitzte, hinterhältige Gesichtsausdruck, denn hier hatte die Evolution immer ein humanes Gesicht, hinterließ bei Roderich ein sehr beunruhigendes Gefühl des auf-der falschen-Fährte-seins, eine Vorahnung, gleich mit Höchstgeschwindigkeit an einen Brückenpfeiler zu donnern. Das war üblicherweise der Moment, an dem der Wecker klingelte oder er sonstwie aus dem Schlaf gerissen wurde. So auch jetzt. Diesmal war es eine nervige Stimme aus dem Radiowecker, die in hektischer Reportermanier versuchte, die Ereignisse des Vortages spannend zusammenzufassen.
    „...und auch in diesem Duell gab es keine Überraschung. Tja, ziemlich öde, was die Göttlichen da hinlegen, sehr berechenbar, aber mit jeder Runde schreiten wir voran. Stellen wir die Favoriten vor, die bis jetzt durchgekommen sind und von denen ein Teil heute antreten wird - so wie Zeus zum Beispiel, der unangefochtene Chef der alten Griechen, der mit Hephaistos und Helios schon zwei Kollegen aus seinem eigenen Pantheon ausgelöscht hat und als Gruppenerster in die Hauptrunde eingezogen ist. Ja, der versteht keinen Spaß, der alte Knabe!
    Oder Odin. Endlich hat er Surt bezwungen, Glückwunsch, mien Jung, halt das Auge weiterhin offen! Diverse Naturreligionen haben letzte Woche ihre Götter aufeinandergehetzt, dass die Bude nur so rauchte. Aber gegen die Gottmonster werden sie wohl kaum eine Chance haben.“
    Sieben Uhr. Langsam stand er auf, machte sich fertig und ging in den Speisesaal zum Frühstücken.
    -„Morgen Lotvik! Wie schauts aus?“
    -„Moin Roddi, ganz gut. Bin mal gespannt, was uns hier geboten wird. Ich hab mal nachgedacht. Der Nudelknabe möchte offenbar, dass wir uns hier das Ereignis reinpfeifen und unserer Welt davon berichten, also machen wir das einfach. Ich denke, dass er uns danach wieder zurückbringt, wenn in der Zwischenzeit unsere Kollegen auf der anderen Seite das nicht gebacken bekommen.“
    -„Möglich. Da ich auch nicht weiß, wie wir wieder von hier verschwinden können, gehen wir erstmal davon aus. Zur Not können wir ein paar Leute fragen, ob sie noch ein paar Plätze freihaben und uns mitnehmen würden. Dann wären wir wenigstens im richtigen Kosmos und müssten uns nur noch in die richtige Zeit durchschlagen.“
    Da sich das Hotel in unmittelbarer Nähe eines Haupteinganges befand und die Nudelgottheit ihnen VIP-Karten überrreicht hatte, waren sie rechtzeitig auf der Tribüne und konnten das ganze Spektakel von Anfang an mitverfolgen.
    Die Arena war von innen genau so imposant wie von außen. Man konnte kaum das andere Ende ausmachen, so groß gestaltete sich der Kampfplatz. Kein Wunder, der größte der Kontrahenten, Ctulhu, war immerhin acht Meilen hoch und fast genau so breit. Ganz zu schweigen von den Kosten alleine für seine Umkleidekabine.
    Der VIP-Bereich war sehr gut gelegen, dicht am eigentlichen Geschehen, keine 50 Meter vom Rand entfernt und so platziert, dass kein Wesen vor einem die Sicht hätte blockieren können. Die Sitze waren gepolstert und mit ausklappbaren Tabletts und Getränkehalterungen versehen.
    „Als Erstes“ intonierte eine Stimme, die von überall und nirgends zu kommen schien, „begrüßen wir NbeleNbele, der sich mit Chixublonx misst! Applaus für die beiden Angebeteten bitte, auch von den Ungläubigen!“
    Eine schwarze Gottheit, etwa 18 Meter groß, betrat die Arena, fuchtelte wie wild mit einem Speer, aus dessen Ende eine Feuergarbe schoss, in der Luft herum und versuchte damit Chixublonx, eine offenbar südamerikanische Gottheit, die im Anschluss zum gegenüberliegenden Tor eintrat, zu beeindrucken. Dieser hatte aber Ähnliches drauf und konnte seine Anhänger mit einem Funkensturm, den er geschickt aus einem seiner drei Münder spie, in Ekstase und einen Teil der Dekoration in Flammen versetzen. Beide gingen in ihre Ecke, um sich ein letztes Mal mit ihren Propheten und ausgewählten Priestern zu besprechen. Dann ertönte ein Gongschlag, der, genau wie die Stimme, von überall und nirgendwoher zu ertönen schien. Das Startsignal, es konnte beginnen!
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  5. #15
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    Die beiden Götter gingen direkt aufeinander los. Ihre Anhänger auf den Tribünen gröhlten, riefen Beschwörungen, vollführten magische Handbewegungen und Rituale, um ihren Gott zum Sieg zu verhelfen. Der Kampf wogte hin und her und, kurz gesagt, am Schluss meinte Chixublonx, eine Siesta einlegen zu müssen und endete in diesem kurzen Moment Unaufmerksamkeit als Grillhuhn am Spieß von NbeleNbele, der gleich mit einem wilden Tanz keinen Zweifel am Ausgang des Kampfes ließ und ein Zeichen für die anderen Gottheiten setzte.
    „Und der Gewinner iiiiiist----NbeleNbeleeeeeeee!“ blökte die Stimme von irgendwoher.
    Eine Gruppe enttäuschter Gläubiger zerriss konsterniert ihre Wettscheine und brach eine Diskussion vom Zaun, an wen man sich denn jetzt halten sollte. Leider gab es keine Götter mehr aus ihrem Pantheon, die allermeisten wurden ja in den Vorkämpfen durch Chixublonx eliminiert.
    Nachdem die Überreste des Verlierers von zwei sehr starken Raupenfahrzeugen aus der Arena geschleift worden waren, konnte der zweite Kampf beginnen.
    „Anuket, eine Göttin von Terra III, wie üblich, sie ist die Göttin für – äähh, ich kann das hier nicht lesen. Egal. Jedenfalls tritt Anuket an gegen den einzigen nichtterrestischen Gott, der noch im Rennen ist. Rennixbrat, Beschützer der Devisenhändler und Patron der Aktienspekulanten vom Zirrus I, er will hier die Kurse nach oben korrigieren. Junge, pass auf, wenn du verlierst, gibt das einen schwarzen Freitag!“
    Diesen gab es wohl wirklich, denn der Börsengott hatte sich wohl verspekuliert und wurde in ziemlich kurzer Zeit von einer ziemlich aggressiv auftretenden nubischen Gottheit in ziemlich kleine Happen zerteilt. Glück für diejenigen, die seine Aktien rechtzeitig haben abstoßen können.
    Die Raupenfahrzeuge hatten für so kleingeheckselte Überreste natürlich eine eigens konstruierte Apparatur, mit der sie den Sand aufsaugten, die göttlichen Partikel herausfilterten und die gereinigten Körner wieder in die Arena pusteten. Nach einer Minute lag die Kampfbahn wieder wie neu vor den nächsten Kandidaten des größten Sportspektakels aller Zeiten.
    Das nächste Zusammentreffen sollte spannender verlaufen. Rastafari, ein Geheimfavorit der netten Götter, bekam es mit Heinz-Peter, einem der Top-Gesetzten und einzigen Gott der Akabaranier, zu tun. Dieser hatte aufgrund der Tatsache, einziger Götze seiner Religion zu sein, keinen der Vorkämpfe, in denen kleinere Götter ausgesiebt wurden, absolvieren müssen und ging als gesetztes Gottmonster als Favorit in den Kampf.
    Die geschätzten fünfzehn Millionen Akabaranier auf der Tribüne waren außer sich. Es war der erste Auftritt ihres Gottes, das erste Mal, dass sie ihn persönlich, live, erleben durften! Von Schalmeien und unterwürfigen Gesängen begleitet zog das Gottmonster in die Arena. Viele seiner Getreuen versanken in religiöse Ekstase, andere fielen in entsetzte Ohnmacht, weil dieser Gott so überhaupt nicht ihren Erwartungen entsprach.
    Seine Erscheinung war die eines alten, zehn Meter großen Mannes in einem dreckig-weißen Gewand und mit einem primitiven Kopfwickel auf dem vermutlich haarlosen Schädel. Seine Haut war aschfahl und mit kränklichen Plusteln übersät, die blasslila leuchteten und von denen einige bereits aufgeplatzt waren.
    So krank, wie er aussah, gebahr er sich auch. Wie ein rachsüchtiger Psychopath verfluchte er alle Zuschauer, die nicht an ihn glaubten, drohte damit, sie schon bei kleinsten Vergehen in die Hölle zu werfen und meinte, er habe schon mal ein Weltensterben verursacht und hätte kein Problem damit, wieder alles Leben auszuradieren. Dann ging er in seine Ecke, während der Ansager den Gegner ankündigte.
    Der Prophet, Mr. Mojo, der sich Heinz-Peter ausgedacht hatte, stand in seiner Ecke und wurde von seiner eigenen Erfindung, die über die sechste Dimension in die Möbiuswelt gelangt ist, zusammengestampft. Einzelne Geprächsfetzen konnte man aufschnappen, so laut blökte der Gott herum.
    „Sag mal, was hast du für einen Mist weitergegeben? SO habe ich das nicht gesagt! Und die Verse aus Kapitel 17, aus den Fingern gesaugt oder was? Dir haben sie wohl ins Gehirn geschissen! Das ist alles auf deinem Mist gewachsen, nicht auf meinem! Warte nur, wenn ich gewonnen habe, dann fliegst du aus dem Paradies, aber Hallo hier. Und jetzt zur Seite, ich muss einen ungläubigen Götzen eliminieren!“
    Beschämt ging der große Prophet zur Seite.
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    -„Und sein Gegenüber, mit einer Größe von sieben Metern und einem Gewicht von zwei Tonnen, ist der Gott der Kiffer, guten Laune und Reggaemusik, Rrrrrrrrastafari in Person, Applaus!“
    Unter lauter Urlaubsmusik zog ein gechillt wirkender, großer Schwarzer mit langen Locken in die Arena. Er lächelte, winkte nicht nur seinen Gläubigen freundlich zu, sondern auch seinem Kontrahenten, was dieser aber geflissentlich ignorierte.
    Der Gong ertönte. Rastafari wollte zunächst das Tempo aus dem Kampf nehmen und bot seinem Kontrahenten zur Beruhigung eine dampfende Tüte an, welche dieser aber mit einem Blitz aus seinen Augen zu einer Dampfwolke vaporisierte. Gleiches machte er auch zwei Sekunden später mit Rastafari höchstselbst, sehr zum Unbill der gläubigen Fangemeinde, die mitgereist war.
    Dieser Ärger verrauchte aber sprichwörtlich kurz darauf, da die Fangemeinde günstig im Wind saß und die Rauchwolke des verdampften Gottes gierig inhalierte. Die folgenden Kämpfe waren den frischgebackenen Atheisten nun völlig egal. Den Akabaraniern ebenso, da sie ekstasisch den Sieg ihres einzigen Götzen und Lebensmittelpunktes feierten. Bewaffnete Ordner, die rings um den Fanblock standen, hinderten sie daran, im Überschwang der Gefühle Angehörige anderer Religionen anzugreifen.
    Nach dem fünften – oder war es der sechte oder siebte? Kampf hatte Lotvik so langsam die Nase voll. Ihm war schon vorhin ein ziemlich scharfes Schneckchen ein paar Meter weiter rechts aufgefallen, das ihm das ein oder andere Mal zurückgezwinkert hatte.
    -„Ich hab da was im Auge, Roddi, bin nachher wieder da. Halt mir bitte den Platz frei, ja?“
    -„Geht klar!“
    Schnell hatte er sich durch die Menge gedrängelt und ein Gespräch begonnen, in dem er ihren Namen, Religion und Hotel in Erfahrung gebracht hatte. „Ich heiße Maria“, sagte sie dem Präsidenten der Föderation, „komme von der Erde und hielt Jehova die Stange – naja, bis er von Odin zerschmettert wurde. Schade, er war eigentlich Favorit und wir haben durch seine Niederlage all unser Hab und Gut verloren. Mein Mann musste nämlich wieder mal alles verzocken. Zocken oder Saufen, mehr kann er nicht. Pah!“ Entgegnete sie und, da Religion auch in ihrem Leben eine herausragende Rolle spielte, fuhr sie fort:
    „Schon komisch, zu der Zeit, in der ich lebe, gibt es diesen Heinz-Peter noch gar nicht, ich habe nur gehört, dass er eine Weiterentwicklung unseres Jehovas sein soll. Ach ja: Jehova, Jehova, Jehova. Jetzt darf man diesen Namen wieder sagen! Als er noch lebte, war es unter Todesstrafe verboten, warum auch immer.“
    -„Tja, es gibt halt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als wir wissen wollen oder müssen. Was macht denn dein Mann so?“ meinte ein bereits voll aklimatisierter Präsident.
    -„Josef heißt der ungehobelte Bauer. Dumm wie Brot, aber treu und gläubig. Der merkt nicht, wenn ich mal ein paar Stunden weg bin. Seit dem Ende von Jehova ist er nur noch am Beten, abgesehen vom Saufen und Zocken natürlich. Von morgens bis abends spielen, beten, zocken, beten, saufen, beten. Schrecklich.“
    ............

  7. #17
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    In der Zwischenzeit hatte sich Roderich bei einem fliegenden Händler mit einer Tüte undefinierbarer, aber dennoch köstlicher Scheiben, die in ein geheimnisvolles Pulver eingetaucht waren, versorgt und bot Lotvik, als dieser mit Maria wieder im VIP-Bereich erschien, ein paar an.
    „Nein, Danke. Hey, kennst du schon Maria? Sie ist von Terra III aus Nasarett. Roddi, Maria, Maria, Roddi. Was ging ab bisher? Habe ich viel verpasst?“
    -„Neeh, Rastafari ist perdu, wie du weißt, ein paar andere unbekannte Götter ebenso und jetzt kommt ein weiterer Favorit, der Kistengott gegen irgend so einen Knilch aus dem alten Indien, Schiwa oder sowas, auch ein Hauptgott, bei sich daheim zumindest. Dürfte aber kaum Chancen haben, dieser Kistentyp soll einiges auf dem Kisten – ääh Kasten haben.“
    -„Ach, der Kistengott, ich habe gehört, dass auch der eine Weiterentwicklung von Jehova sein soll. Bin mal gespannt, was das für einer ist. Vielleicht glaube ich dann ja an den, kommt ganz drauf an, wie der sich schlägt.“
    Er schlug sich gut, um es kurz zu machen. Vom Auftreten ähnelte er Heinz-Peter, den er von früher her gut kannte, wie der Prospekt, der auf jedem Sitz des VIP-Bereiches lag, verkündete. Nach einer knappen halben Stunde konnte er Shiva vier seiner sechs Arme sowie den Kopf abtrennen. Damit war der Kampf gewonnen.
    Die kleine Fangemeinde der Gegenseite stand bedrückt da. Es handelte sich der Kleidung nach um hochrangige Priester, die jetzt die schwere Aufgabe hatten, in ihrer Zeit das Ende eines ihrer Götter – nein, aller Götter, denn der Rest des Pantheons ging zuvor perdu – zu verkünden. Das würde automatisch bedeuten, dass sie ihre hohe soziale Stellung, Vermögen und Privilegien aufgeben mussten.
    Um diese Konsequenzen ging es auch in der jetzt stattfindenden Debatte, in der sie abstimmten, ob man zu seinen Leuten ehrlich sein sollte oder ob man dieses Ereignis nicht doch einfach besser verschwieg. Der Kürze der Beratung und dem zufriedenen Gesichtsausdruck danach hatten sie sich wohl für Letzeres entschieden.
    Es folgten noch ein paar unwichtigere Kämpfe, so dass die Drei das Geschehen etwas früher verließen und zu dem Hotel, in dem Maria mit ihrem Ehemann untergebracht waren, gehen konnten. Nachdem Lotvik gecheckt hatte, dass Josef am anderen Ende der Stadt versumpft war, verschwand mit Maria auf ihrem Zimmer, während Roderich sich noch ein wenig in den Gassen umsah. Immerhin, die Händler reagierten sehr schnell. Überall wurden Reggaeplatten, Joints und rot-gelb-grüne Schals für bis zu 80% Preisnachlass feilgeboten. Und auch diverse indische Fetische konnte er im Dutzend zu Ramschpreisen erstehen, wenn er gewollt hätte. Er beobachtete, wie sich die Hohen Priester, die sich vorhin beraten hatten, reichlich davon Gebrauch machten und mit großen, schweren Tüten beladen zufrieden abzogen. Nach der Rückkehr in ihre Zeit und Dimension standen ihnen durch den Verkauf vermutlich sehr lukrative Zeiten bevor.
    ...........

  8. #18
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Der Radiowecker war zwar sehr laut und unangenehm, doch gab er immer die aktuellsten Informationen über die kommenden Kämpfe, so dass Roderich ihn nicht gleich mit einem kräftigen Schlag an die gegenüberliegende Wand pfefferte, sondern nur die Lautstärke runterregelte.
    Der Reporter, der sich als Vince Ling vorstellte, hatte einen der Teilnehmer der heutigen Halbfinales als Gast im Studio. Es handelte sich um den Gott der Kisten, der hier zum ersten Mal überhaupt nicht mit einem Propheten, sondern mit einem Reporter sprach, was dieser aber überhaupt nicht zu würdigen wusste, sondern ihn mit nassforschem und leicht überheblichen Unterton begrüßte.
    „Ja, guten Morgen, Herr Kistengott. Danke, dass Sie zu uns ins Studio kommen konnten. Bisher ist es ja ganz gut für Sie gelaufen, doch heute geht es gegen einen gleichwertigen Gegner, einen Widersacher, der einiges von Ihrer Religion abgekupfert hat. Die Rede ist natürlich von Heinz-Peter. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm und wie stehen Ihre Chancen?“
    -„Ja, Hallo erstmal an alle meine Gläubigen da draußen, Hallo, Herr Winzling. Ich hoffe, dass ihr auch alle meine Gebote einhaltet, die Kollekte füllt und schön oft beten geht, denn...“
    Hier wurde er schroff vom Moderator unterbrochen. „Entschuldigung, aber wir haben nicht den ganzen Tag Zeit...“
    -„Guter Mann, wissen Sie denn nicht wen Sie vor sich haben?“ protestierte Gott mit insistierendem Tonfall. „Ich bin Gott! DER Gott! Ich lasse mir doch nicht von so einem Winzling hier über den Mund fahren! Ich bin allwissend, allmächtig, habe die Welt ersch...“
    -„Und so weiter und so fort. Guter Mann, das behaupten auch all die Anderen, zudem sind viele Lebewesen der Galaxis mittlerweile allmächtiger und allwissender geworden als Sie, was Sie als Allwissender eigentlich wissen sollten. Seien Sie den Menschen lieber für Ihre Schöpfung dankbar, sonst wären Sie jetzt nicht hier. Also halten Sie mal den Ball flach und erzählen mal. Wie bereiten Sie sich vor? Haben Sie noch ein Ass im Ärmel?“
    Mit einem beleidigten und kleinlauten Unterton erwiderte Gott: “Naja, ich mache seit Wochen eine spezielle Diät, wenig Messwein, viel Manna, das gibt Luft in die Pumpe. Und natürlich habe ich noch einige Kniffe in der Hinterhand, die ich aber gerne geheimhalten möchte.“
    -„Und was machen Sie im Falle eines Sieges? Wenn Sie der einzige und letzte Gott sein sollten?“
    -„Naja, ich mache erst mal ein paar Tage Urlaub in Frankreich, dann sehen wir mal weiter. Vielleicht erschaffe ich auch eine neue Welt, mal schaun. Oder ich produziere ein paar Wunder. Ja, ich bin so wunderlich, das werde ich machen. So ein Wunder wie dieses – Dingsda – wie heißt das nochmal...“ er schien auf etwas im Studio zu deuten, was für die Zuhörer an den Radiogeräten aber unergründlich blieb.
    -„Ach, das Fernsehen meinen Sie? Ja, auch wir profane Wesen können Wunder bewirken!“ meinte der Moderator mit einem guten Schuss verachtender Herablassung in der Stimme. „Naja, dann drück ich mal die Daumen für heute, Tschüssi, alter Knabe! Ja, und wir machen weiter mit religiöser Tanzmusik, ganz der heutigen Veranstaltung gewidmet. Hier ist Psalm 24, discohammered!“ Ein ultraschnelles Stakkato von elektrischen Instrumenten, die durch mindestens fünf Verstärker und Verzerrer geschickt worden waren, ertönte und nötigten Roderich, den Wecker endgültig auszuschalten und aufzustehen.
    ...........

  9. #19
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    Endlich konnte es weitergehen! Der eine Tag Wartezeit war vorbei, mit frischem Elan konnte man jetzt die Mission abschließen. Nur noch drei Stunden, und sie hatten den Orbit von Gliese 832 III erreicht. Seine aufgestauten Aggressionen musste er jetzt irgendwie freien Lauf lassen. Da bot es sich an, sie an den auserkorenen Opfern abzureagieren. Er beschloss, endlich auf die Funksprüche zu reageren, die seit ihrer Ankunft am Sprungpunkt eintrafen – auf seine Art natürlich! Da Gliese über keine nennenswerten militärischen Gegenmittel verfügte und auch die Genderpreis gegen einen ganzen Planeten alt aussah, konnte er ruhig ihre Pläne enthüllen.
    „Hier spricht Lord Feder, Vorsitzender des Parlamentes der Bürgermeister und Abgeordneten des Kampfplaneten der Dunklen Seite. Wir werden in drei Stunden in Ihren Orbit eintreten und dann den gesamten Planeten vernichten. Machen Sie schon mal ihr Testament. Ende!“
    Ungeduldig, aber freudigen Erwartens gab die schwarze Gestalt auf der Brücke weitere Anweisungen zum Weiterflug und Abschluss der Mission. Der Lord war auf Krawall gebürstet. Nachdem er die Kommandos gegeben hatte, harrte er noch ein paar Sekunden in der Stille aus, ängstlich, wieder in die Parade gefahren zu bekommen, doch diesmal gab sich Zeugwart Petersen kampfbereit und als er dann kurze Zeit später den Beschleunigungsschub verspürte, der sie in den Orbit um Gliese 832 III bringen würde, war der Frust der vergangenen Tage mit einem Schlag vergessen. ER hatte hier das Sagen!
    ER stand an der Spitze von zweihunderttaudend Mann, allesamt kampferprobte Haudegen und wenn ER den Befehl gab, würde jeder beliebige Planet, der das Pech hatte, zwischen IHN und seinen Zielen zu stehen, zu Staub zerschossen werden. Ha!
    Mitten in seine Euphorie klingelte der Terminkalender. ‚Elf Uhr, die wöchentliche Sitzung des Parlamentes der Bürgermeister und Abgeordneten des Kampfplaneten steht an‘, vermeldete dieser und ließ einen großen Teil seiner eben verspürten Euphorie wieder verdampfen.
    Ach Mann, es half nichts, also ab in den Sitzungssaal in vierzig Kilometern Entfernung, zehn davon in der Tiefe. Wenigstens konnte er auf der Fahrt mit dem Elektroshuttle noch einen guten Kaffee genießen. Den hatte er auch nötig, denn diese Sitzungen zehrten gewaltig an seinen Kräften. Er war es immer noch nicht gewohnt, dass man seine Befehle diskutierte oder gar in Frage stellte, aber genau das passierte in monotoner Regelmäßigkeit bei diesen Zusammenkünften.
    Wie er sie hasste! Am Liebsten würde er den Konferenzraum von seiner Elitegarde umstellen und alle Anwesenden verhaften lassen, doch das würde nur einen Streik von größeren Teilen der Besatzung nach sich ziehen. Also gute Miene zum bösen Spiel machen.
    Am Ziel angekommen atmete er nochmal tief ein, murmelte ein Mantra und stieß die Tür zum Besprechungsraum auf.
    „Guten Morgen, die Damen und Herren!“ begrüßte er die Runde schwungvoll und, nachdem er sich in den Chefsessel am Kopfende des Tisches gesetzt hatte, fuhr er fort. „Ich erkläre die heutige Sitzung des Parlamentes der Bürgermeister und Abgeordneten des Kampfplaneten für eröffnet (Gut, hier schonmal keine Diskussionen. Bring es schnell hinter dich). Ich komme gleich zu Punkt eins. Wir haben Kurs auf unser Ziel, Gliese 832 III, genommen und werden in zirka drei Stunden in den Orbit gehen. Eine Stunde davor werden wir unseren Planet-O-Destruktor hochfahren und das Ziel vollständig terminieren. Wenn dies geschehen ist, können wir von mir aus noch eine gewerkschaftliche Pause einlegen, aber bitte erst dann, und dann wieder umkehren.“ gab er ein wenig sarkastisch hinzu.
    „Ääähhh, nun, das kommt jetzt vielleicht ein wenig überraschend,“ kam ein etwas schüchterner, aber insistierend vorgebachter Einwand einer unscheinbaren Person zu seiner linken, „aber wir, also das Sektionsparlament des Kantinenbetriebes, hat nochmal das Ziel unserer Mission diskutiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass es gar nicht notwendig ist, den gesamten Planeten zu zerstören (hier ertönte zustimmendes Gebrummel der anderen am Tisch versammelten Personen).
    Es würde vollauf ausreichen, eine Verzichtserklärung von Seiten der Föderation unterzeichnen zu lassen, in der sie sich verpflichten, die neue Technologie des WEDE‘s nicht einzusetzen. Sollte sich die Föderation nicht dazu bereit erklären, können wir immer noch den Planeten zerstören. Ich denke, dass dies eher im Einklang mit unseren Zielen und den Personenrechten steht. Vergessen Sie nicht, auch die Herzen erobern!“ gab die Bezirksbürgermeisterin der Kantinenbetriebe zu bedenken und fuhr fort.
    „Ich möchte daher gerne über Folgendes abstimmen lassen:
    - eins: Verzichtserklärung,
    - zwei: Zerstörung des WEDE oder
    - drei: völlige Vernichtung des Planeten.
    Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass hier jemand so barbarisch ist und ganz Gliese vernichten will, oder?“
    -„Wer hat Sie denn gebissen?“ wollte Lord Feder mit verächtlichem Unterton wissen.
    -„Nun,“ fuhr die Bürgermeisterin fort, „vor drei Tagen habe ich im Fernsehen eine Reportage über die Tierwelt von Gliese 832 III gesehen. Es gibt wohl nicht sehr viele Tiere dort, aber in den Seen und Flüssen leben so knuffige, kleine Tierchen, die sogenannten Seenerve. Es wäre doch schade um diese Spezies, wenn der Planet in die Luft gejagt wird. Sie sind erhaltenswert! Rettet die Seenerve!“ forderte sie mit moralinsaurem Blick und zum Schluss kampfbereit erhobener Stimme und erhielt dafür einhelliges Kopfnicken aus der versammelten Runde.
    „Ich habe einen kleinen Informationsfilm zusammengestellt, falls es doch noch den ein oder die andere Rücksichtslosen hier gibt. Film ab!“ mit diesen Worten ließ einer ihrer Komplizen (so sah es jedenfalls Lord Feder) einen kleinen, recht billig und hastig zusammengeschnittenen Film auf der Projektionsleinwand direkt hinter der Wand des Dunklen Lords ablaufen. In den knapp zwei Minuten sah man lediglich ein paar kleine, süße Seenerve, wie sie im klaren Wasser spielten und planschten und sich zum Schluss neugierig der Kamera näherten. Die einheitliche Reaktion auf dieses Filmchen war, zu Lord Feders Leidwesen, ein kollektives „Ooooooooohhhh!“
    Nun ist ein einzelner Buchstabe eigentlich kein Argument oder gar eine Widerrede, auch wenn er noch so langgezogen ist. Jedoch findet knapp 70 % der Kommunikation nonverbal statt und so hat man durch die richtige Betonung auch nur eines einzigen Buchstabens die Möglichkeit, aus diesem Laut eine ganze Botschaft zu machen. Man kann dieses „Ooohh!“ sarkastisch, überrascht, fragend, kritisch oder in anderem Sinne akzentuieren. So auch in diesem Fall.
    Dieses kollektivve „Ooooohhh!“ wurde in einem Ton ausgesprochen, besser gestöhnt, der sich nur einstellt, wenn man zwei kleine Kätzchen sieht, die knuddelig spielen, tapsig einem Bällchen herjagen, knuffig die Pfötchen in die Luft strecken und so zuckersüß sind, dass man sie am liebsten nehmen und bis zum jüngsten Tag durchbobbeln möchte. Gegen so einen Ton hat keine Macht der Welt eine Chance.
    Na, das konnte ja heiter werden!
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  10. #20
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    Die Mission war auf der Zielgeraden und sollte jetzt nochmal vollständig aufdröselt werden! Das hätte es vor zwanzig Jahren nicht gegeben! Lord Feder fragte sich, wo denn der eigentliche Feind saß. Waren es seine Vorgesetzten, die diesen Mist zugelassen hatten, seine Untergebenen, die fleißig ihre neu gewonnenen Freiheiten bis zur Schmerzgrenze ausnutzten oder der eigentliche Gegner, die Föderation, die einerseits ausgelöscht gehörte, ihm aber andererseits nicht weiter auf den Senkel ging? Er wusste es nicht mehr. Er spürte nur noch den Zorn der Gerechtigkeit in sich aufsteigen.
    Bilder von marschierenden Stiefeln, die sich den Abgeordneten näherten, grobe Hände, die sie aus ihren Sitzen zerrten und in ein enges, zugiges Verlies stießen, stiegen in seinem Kopf hoch. Er meinte, für einen kurzen Moment die panischen Schreie zu hören. „Nein, bitte nicht, wir werden auch nie wieder Eure Befehle anzweifeln!“. Doch er lachte nur herablassend, mit der Arroganz der Macht, schnippte lässig mit den Fingern und gab den Befehl zum....
    Schroff wurde er aus seinen Träumen gerissen.
    „Person Lord Feder! Wie stehen Sie zu der Auslöschung dutzender endemischer Pflanzen- und Tierarten auf Gliese 832 III?“
    Ach, der Mann vom Tierschutzbund, der auch mit einer Stimme vertreten sein musste, hatte wieder mal einen Einwand geäußert. Vielleicht, wenn er den auf seine Seite ziehen konnte, könnte es gelingen! Dann hätte er 51% und somit die Mehrheit. Einen Versuch war es wert. Er atmete ruhig durch und erwiderte:
    „Nun, ich meine, dass wir zwar unbewohnte Planeten zerstören können, aber bei solchen, die Leben tragen, das nirgends sonst vorkommt, besondere Maßnahmen ergreifen müssen. (Ja, das ist gut, mach weiter, komm in Fahrt!) Im Fall von Gliese 832 III sieht es aus, als gäbe es ein paar wenige Arten, dir nur dort vorkommen.
    Ich schlage also vor, dass wir ein Sonderkommando absetzen, um ein paar Vertreter jeder Spezies für unseren galaktischen Zoo einzufangen und genetisch zu katalogisieren. So kann sichergestellt werden, dass die Arten überleben und später ein anderer Planet, auf dem kein Leben existiert, dergestalt umgeformt werden kann, dass wir diese Arten dort auswildern können (Gut gemacht, alter Junge, du hast ihn am Haken!). Antrag angenommen?“
    Der Repräsentant des Tierschutzbundes und zwei weitere Abgeordnete waren auf seiner Seite. Er hatte sich durchgesetzt, wenn auch zum Preis einer weiteren Verzögerung, aber das sollte man noch hinbekommen. Ein Trupp von etwa zwanzig Mann – nein, Männern, Frauen und Wesen, war schnell zusammengestellt, die Daten über die zu rettenden Arten waren im Raumnetz frei verfügbar, so dass man sich leicht einen Überblick verschaffen konnte. Am besten würde man gleich den Zoo auf Gliese überfallen, da waren alle wichtigen Arten an einem Punkt konzentriert. Nein, noch besser, man lässt die Tiere von den um ihr Leben fürchtenden Glieseianern in Boxen sperren und holt sie nur noch ab. Wozu sitzt man denn am längeren Hebel? Und wenn nicht, gibt’s Zunder vom Kampfplaneten! So oder so, was sie natürlich nicht wissen dürfen!
    Außer ein paar weiteren Kleinigkeiten wie eine geringfügige Änderung der Kleiderordnung, Überprüfung der Reinigungszyklen der Start- und Landebahnen sowie Anpassung der Öffnungszeiten der Hallenbäder stand sonst nichts mehr auf der Agenda, so dass der Dunkle Lord ein positives Fazit aus dem wöchentlichen Treffen ziehen und eine Stunde später wieder zur Brücke fahren konnte.
    Der Kaffee auf der Rückfahrt schmeckte wesentlich besser, so schien es ihm jedenfalls. Die Erleichterung, wieder eine Sitzung hinter sich gebracht zu haben, beflügelte offenbar auch seine Geschmacksnerven. Auf der Kommandobrücke angekommen, gab er sofort Anweisungen für die Zusammenstellung des Trupps. Mehr Zeit durfte man jetzt wirklich nicht mehr verlieren.
    Die gendergerechte und qualitative Zusammenstellung wurde von einem Programm ermittelt, das ohne großes Herumgefeilsche in Sekundenbruchteilen die Namen des am besten geeigneten Personals ausspuckte, deren Genderpunkte abglich und einen Teil gleich darauf wieder strich, da diese Leute zu ihrer herausragenden Qualifikation genertechnisch nicht viel brachten, dafür ein paar Personen auf die Liste setzte, die zwar weniger geeignet waren, aber für wesentlich mehr Diversität sorgten. Schon fünf Minuten später standen die Teilnehmer fest und es konnte weitergehen, er war wieder an der Reihe.
    Er musste Gliese über die Änderung des Planes informieren. War das peinlich! Erst große Versprechungen von der totalen Zerstörung machen, und sich jetzt mit ein paar Knuddeltierchen in Boxen begnügen. Aber was soll’s, die Mission zählte, sonst nichts. Also ging er an den Kommunikator und gab leicht beschämt seinen Funkspruch durch. Freilich durfte er sich nicht verplappern und sagen, dass Gliese so oder so pulverisiert werden würde.
    „Hier Lord Feder, Vorsitzender des Parlamentes der Bürgermeister und Abgeordneten des Kampfplaneten der Dunklen Seite. Es gibt eine unbedeutende, kleine Änderung: Anstatt Ihren Planeten zu zerstören, fordern wir von Ihnen jeweils ein Dutzend endemischer Tiere von Gliese aus Ihrem Zoo, eingepackt in Transportboxen. In vierundzwanzig Stunden werden wir sie abholen. Sollten Sie sich weigern, werden wir Gliese doch noch vernichten. Die Zeit läuft!“
    So, die Arbeit war für heute erledigt. Der gesammelte Frust stieg ihm schon seit Stunden gehörig in den Helm und füllte diesen komplett aus. Er musste sich jetzt abreagieren, irgendwelche Wesen dirigieren, töten, Welten erobern und so weiter. Was gab es Besseres, als die Spielkonsole, die er eigentlich für seinen Ältesten im Shopping-Zentrum mit mächtig Nachlass gekauft hatte, auszuprobieren?
    Schnell stakste er in sein Appartement, öffnete vorsichtig die Verpackung, installierte die Komponenten und freute sich beim Hochfahren des ersten Spieles. ‚Shock-Attack of the Alien Killer-Soldiers, Part II‘, hieß das martialische Spiel, auf dessen Front unter diversen abgetrennten Extremitäten und Blutströmen das Gütesigel ‚ab 18 Jahren, Vorsicht, dieses Spiel enthält nur gewalttätige Szenen!‘ prangte.
    „Genau das brauche ich jetzt!“ entfuhr es ihm. Doch Pustekuchen. Bevor er auch nur einem Alien Killer-Soldaten seinen Schlachtruf entgegendonnern konnte, erschien eine Fehlermeldung. Ebenso nach dem zweiten Hochfahren. Und dem dritten und vierten und fünften. Es war zum Haareraufen.
    Er konnte die Konsole nur wieder einpacken und hoffen, dass der Verkäufer den Umtausch verweigerte. Den restlichen Abend malte er sich aus, was ein Alien Killer-Soldat in so einem Fall machen würde und wie er diesen noch übertreffen könnte.
    ...............

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