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Thema: Raumschiff Genderpreis II

  1. #21
    Eine Schand für 'schland Benutzerbild von Sathington Willoughby
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Sein Telefon klingelte. Ein interner Anruf, wie er am Klingelton erkannte, das konnte nichts Gutes heißen, das war sicher. Und genau so war es auch. „Äääh, ja, Hallo, hier nochmal die Bürgermeisterin der Versorgungsbetriebe. Aaaalso, um es gleich auf den Punkt zu bringen. Mein Neffe, der wirklich firm in solchen Dingen ist, hat gemeint, dass sich Tiere nicht gerne auswildern lassen, da sie einen geeigneten Lebensraum benötigen. Wir können ja schwerlich das gesamte Biotop der lieben Tierchen mitnehmen, daher haben wir eine Sondersitzung unseres Bezirksparlamentes abgehalten mit dem Ergebnis, dass wir eine andere Lösung lieber hätten als den Raub der armen Kreaturen.
    Mein Neffe hat auch gleich was vorgeschlagen, und zwar einen EMP, einen elektromagnetischen Puls, welcher die Programme des Phasen- Synchronisators völlig zerstört, was ja auch irgendwie ausreichen würde, die Föderation von einem Besuch in der Möbiuswelt abzuhalten.
    Ich würde daher gerne eine Blitz-Sondersitzung des Parlamentes der Bürgermeister und Abgeordneten des Kampfplaneten einberufen, um den neu entstandenen Diskussionsbedarf der Situation entsprechend schnell und unbürokratisch abzudecken und zwar, wenn möglich, bevor wir im Orbit angekommen sind. Ach, meine Bürgermeisterkollegen sind ebenfalls dafür. Alles schon auf dem kurzen Dienstweg abgeklärt, das Durchwinken ist nur eine reine Formalität. Also, in einer halben Stunde im Sitzungssaal?“
    Was blieb ihm anderes übrig, als seine Beruhigungsmittel zu nehmen und sich zur Sitzung einzufinden? Im Eilverfahren peitschen sie den neuerlichen Beschluss durch. Einen EMP-Generator hatten sie an Bord und es würde wesentlich weniger Energie vergeudet werden als bei den zuvor gefassten Plänen – bei fast gleicher Effizienz. Wenigstens hatte er sich in einer Sache durchsetzen können. Sein Vorschlag, zur Sicherheit wenigstens ein kleines Bömbchen auf den WEDEE zu werfen, wurde angenommen, wenn auch nur, um ihn nicht bis zum Äußersten zu reizen. Zudem würde sich eine Detonation im Abschlussbericht gut lesen, von entschlossenem Handeln künden. Ja, auch an die Vorgesetzten muss gedacht werden.
    Diesmal verzichtete er darauf, die Opfer vorzuwarnen, eine neuerliche Änderung hätte nur für grenzenlosen Hohn und Spott gesorgt. Diese Blöße wollte er sich nicht geben. Das, was er an Bord des Kampfplaneten durchmachen musste, reichte vollkommen aus. Sollten sie doch denken, dass er nur zur Täuschung die Plünderung des Zoos bekanntgegeben hatte, um vom EMP anzulenken. Ja, so könnte man es in der Tat darstellen, um das Gesicht nicht zu verlieren!
    Den Spaß des Auslösens ließ sich Lord Feder natürlich nicht nehmen. Er fuhr zurück auf die Kommandobrücke, lie alles vorbereiten und wartete auf den Countdown, an dessen Ende die Feuerbereitschaft stand. Als diese hergestellt war, erschien auf seinem Kontrollbildschirm ein Fenster, auf dem er verschiedene Optionen wählen konnte.
    1 – EMP auslösen
    2 – Feuerbereitschaft zurücknehmen
    3 – eine 2-Tonnen-Blasterbombe ausklinken
    Er wählte die Optionen ‚eins‘ und ‚drei‘, bestätigte mit seinem Fingerabdruck seine Autorisation und beobachtete, wie eine halbe Sekunde später auf Gliese wie durch Geisterhand alle Lichter ausgingen. Da die Bombe eine etwas längere Laufzeit hatte als der EMP, wurde das Gebäude des Phasen-Molekularumwandlers fünf Sekunden später zerstört. Die Explosion war in diesem Moment das einzige sichtbare Licht, das Gliese noch ausstrahlte. Und auch dieses erlosch nach einiger Zeit langsam flackernd, einem sterbenden Lagerfeuer gleich.
    Nach den Daten, die sie empfingen, hatten EMP und Bömbchen ganze Arbeit geleistet. Sämtliche Systeme waren paralysiert und der Molekularumwandler inklusive WEDEE mitsamt der Halle, in der sie sich befanden, wurden zerstört. Endlich konnten sie umkehren und Vollzug melden. Nein, ein Kurzaufenthalt im Duty-Free-Orbit musste noch eingelegt werden, weil eine Videokonsole, die er dort günstig erstanden hatte, nicht richtig funktionierte.
    Ja. Das war’s. Befehl zur Umkehr.
    Nein, noch nicht ganz. Auf seinem Kontrollschirm ging noch ein Fenster auf. „Vielen Dank, dass Sie soeben unseren modernen EMP und eine unserer Blasterbomben eingesetzt haben. Wir verwenden für unsere Sprengstoffe nur nachwachsendes Material aus garantiert ökologischer Produktion. Um auch weiterhin hochwertige Destruktionsprodukte anbieten zu können, möchten wir Sie bitten, an einer kleinen Umfrage zur Qualitätssicherung teilzunehmen.
    - Wie zufrieden waren Sie auf einer Skala von 1 bis 5 mit der Wirkung unserer Produkte?
    - Würden Sie wieder einen EMP von unserer Produktion verwenden oder weiterempfehlen?
    - Hat die Blasterbombe auch nicht zu viel Schadstoffe emittiert?“
    Da sie alle Ziele erreicht hatten, stellte er in den nächsten zwei Minuten bei insgesamt fünfzehn Punkten seine volle Zufriedenheit fest und gab auch auf seiner Tagebuch-Buch-Seite einen erhobenen Daumen. So, jetzt konnte er Feierabend machen und in seine Kabine gehen.
    Erleichtert nahm er den Helm ab und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er hatte die Mission trotz aller Widrigkeiten zu einem positiven Ende gebracht. Sein Erzfeind, Käppn Vingar, ist ihm zwar durch die Lappen gegangen, jedoch dem Funkverkehr nach, den man aufgeschnappt hatte, ist er bereits zuvor nicht nur aus dem Leben, sondern auch aus der bekannten Dimension verschieden, also konnte er zwei Pluspunkte für den heutigen Tag verbuchen. Drei, wenn er die Spielkonsole umgetaucht bekommen würde, woran er aber nicht zweifelte, denn wer kann schon einem Kunden etwas verweigern, der mit einem ganzen Kampfplaneten und 200.000 Kriegern im Rücken einen Garantieschaden reklamiert?
    .........

  2. #22
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Der Radiowecker tat auch an diesem Morgen sein Bestes, um Roderich nicht nur zu wecken, sondern gleichzeitig in schlechte Laune zu versetzen.
    „Wir veranstalten, wie jeden morgen, eine Charity für die gefallenen Götter in Form einer Challenge für zwei Teams in da house. In unserer Location sind heute morgen ein Team von Stand-up-Comedians, die gegen ein Team aus Entertainern battlen werden! Das Game ist mein Favourite, eine old-fashioned Quizrunde! Ich erkläre es euch: Ich stelle eine Frage, worauf ein Flashlight auf dem Display eines der Teams erscheint. Dieses pusht schnell den Buzzer, wenn es meint, die Antwort zu kennen! Aber Vorsicht, ihr könnt nicht mehr switchen, wenn ihr bereits gevotet habt! Wenn die Antwort stimmt, gibt es einen point für das Team!“ erklärte ein Moderator ein paar offenbar im Studio vorhandenen Kandidaten die Spielregeln.
    Da Roderich weder buzzern noch switchen noch voten wollte, gab er dem Reiz nach, den er die letzten Tage so erfolgreich unterdrückt hatte: Er pfefferte den vorlauten Radiowecker mit Schmackes an die gegenüberliegende Wand, wo er in tausend Teile zerschellte. Komischerweise traf er genau eine Stelle, an der die Tapete fehlte und sich bereits ein kleineres Loch zeigte. Er war offensichtlich nicht der Erste, der seinem Unmut über die Radiosendungen freien Lauf ließ. Aufgestanden, gewaschen, angezogen, und dann war es so weit. Das große Finale konnte beginnen.

    Es lag ein Knistern in der Luft. Die Spannung, die sich über das Stadion legte, war überall spürbar und versorgte die ganze Stadt auf einen Monat mit Ökostrom. Schon früh morgens konnte Roderich verschiedene Grüppchen Akabaranier vom Balkon des Hotels ausmachen, die steif und fest behaupteten, dass ihre Gottheit bestimmt den Sieg davontragen werde und sich ausmalten, was sie als Gläubige, die ein Recht auf eine Belohnung für ihren starken Glauben hatten, dann alles machen würden. Das Meiste drehte sich um profane, biologische und überhaupt nicht heilige Dinge, soviel sei verraten.
    Das Frühstück war gut, zeitlos halt wie die Welt, in der er sich befand. Noch ein paar Stullen eingepackt, falls der Kampf Überlänge haben sollte, und ab ging‘s. Auch vor dem Stadion waren Akabaranier, die im vorzeitigen Siegesrausch die Ungläubigen anpöbelten. Heute war der Tag. Der Tag der Götterdämmerung. Ragnarök!
    In der Arena selbst herrschte eine angespannte Ruhe. Die Endschlacht, die in so vielen Religionen eine zentrale Rolle spielte, sollte heute über die Bühne gehen. Gut, die meisten Götter, die laut ihren Propheten hätten teilnehmen sollen, waren im Staub der Arena untergegangen, aber immerhin, das personifizierte Gute – laut Eigendarstellung und für seine Gläubigen zumindest - trat gegen das personifizierte Böse an. Schwarz gegen weiß, ehrlich gegen fies, Licht gegen Schatten, Sieger gegen Verlierer, wobei in allen Fragen unklar war, wer welchen Part übernahm.
    Der Ansager rief mit einer schon provokativen Nonchalance in seiner Stimme den ersten Finalisten aus:
    “Er stammt direkt aus der großen Wüste, erfunden und vertrieben von Mr. Mojo. Sein Weg ins Finale führte über die mächtige Pallas Athene, den großmäuligen Froschgott Quokofontis, den Großen Alten, im Viertelfinale Zampano und im Halbfinale einen Mitfavoriten, den Kistengott. Hier ist der alte Sandfresser, allmächtiger, zentraler und einziger Gott seiner Religion, Schreiber des großen Ala-Akbareions, mit einer Größe von zehn Metern und einem Gewicht von 40 Tonnen. – Heeeeiiinz-Peteeeeerrrr!“
    Ein tosender Jubel erscholl von den Tribünen, als die Einmarschmusik monoton zu dröhnen begann. Der grimmige Riese betrat die Arena. Ein Blick, der auf eine schwere Kindheit und diverse ungelöste seelische Probleme deuten ließ, entsprang aus seinen Augen, die halb unter seinem großen Kopfwickel verborgen waren. Siegestrunken blökte er: “Wo ist der Feigling? Wer reißt hier wem den Arsch auf? Na? Ich bin Heinz-Peter, der Einzige, der Wahre! Wer nicht an mich glaubt, der fährt zur Hölle!“. Er blickte sich um, griff sich in den Schritt und skandierte sehr zur Freude seiner Gläubigen, die in Ekstase gerieten: „Ich habe den Längsten!“
    „Götter“, bemerkte Roderichs Nachbar Schmittchen zur Rechten abfällig. „hätte man am Besten nie erfunden. Zu nichts sind sie gut, missbrauchen ihre Macht, halten die Leute von der Arbeit und vom Denken ab und langeweilen nur. Wär besser gewesen, einen Tisch im Milliways zu reservieren, aber ich wolte Pastafari einen Gefallen tun.“
    Mitten in seine Bemerkung platzte laute Musik. Rockmusik. Schrill, aggressiv, belebend. Lotvik johlte begeistert mit und spielte Luftgitarre, als der Sprecher den Finalgegner vorstellte.
    “Und sein Gegner kommt aus den Abgründen der tiefsten Höhöhöööllle (dieses Wort wurde von einer kleineren, schwarz gekleideten Gruppe auf der Tribüne schräg rechts von ihnen johlend wiederholt), er leistet sich keinen Propheten. Sein Weg ins Finale führte über Anubis, die australische Götterschlange, Hermes, Bastet und Baron Samedi. Im Viertelfinale schaltete er den einäugigen Odin aus, im Halbfinale osmotisierte er den Geheimfavoriten Chtulhu.
    Meine Damen und Herren, Gläubige und Ungläubige, mit einer Größe von drei Metern und einem Gewicht von 720kg, der ewige Widersacher vieler Götter: Hier ist Satan, Iblis, Scheitan...!“ Kaum Jubel der Massen, nur von den eben erwähnten Freaks, dafür flogen Steine, faule Eier, ranzige Würstchen und andere unappetitliche oder gefährliche Dinge. Das Monstrum mit den großen Hörnern und dem stechenden Blick, welches die Arena betrat, schien das völlig kalt zu lassen.
    Beide Kontrahenten dehnten sich und legten ihre Zaubersprüche griffbereit. Als der Gong ertönte, gingen sie sofort aufeinander los. Heinz-Peter bekam gleich ein Horn in den Unterschenkel gerammt und schrie, von göttlichem Schmerz ergriffen, konnte sich aber mit einem deftigen Fußtritt befreien. In der Folge schienen es beide nicht sonderlich auf eine physische Auseinandersetzung ankommen zu lassen und warfen sich gegenseitig Flüche und Zaubersprüche an den Hut.
    ........

  3. #23
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Satan löste sich aufgrund einer Attacke seines Kontrahenten fast in ein Rauchwölkchen auf, konnte sich aber gerade noch so mit einem Gegenzauber retten. Zur Revanche ließ er Heinz-Peter Höllensteine auf den Kopf donnern, was dessen Kopfwickel in Flammen aufgehen ließ. Zum Vorschein kam neben einer faden Glatze ein paar Hörner, zwar nicht so groß wie die von Iblis, aber der Versuch zählt.
    Seine Fans auf der Tribüne stießen einen entsetzten Laut wie aus tausend Kehlen aus. So hatten sie sich ihr oberstes Wesen nun wirklich nicht vorgestellt!
    Dieses oberste Wesen ließ einen unbeherrschten Kampfschrei verlauten und ging nun mit noch mehr Vehemenz und Aggressivität in die Auseinandersetzung. Diese Blöße musste unbedingt gerächt werden! Aber sein Gegner war nicht von Pappe.
    Hin und her wogte der Kampf, bis Satan seinen ultimativen Trick mit dem schwarzen Loch anwandte. Er ließ dieses direkt über Heinz-Peter entstehen und es machte sich gleich daran, den Göttlichen einzusaugen. Der bettelte und flehte bei Satan um Gnade und Hilfe, aber es war zu spät für ihn. Das Letzte, was er noch tun konnte, war, sich an einem Teufelshorn festzuhalten und den Träger dieses Gehörns mit ins Verderben zu reißen, um mit seinem Gegner ins Nichts zu verschwinden.
    Beide waren abgetreten, hinfort gespült im Ereignishorizont einer Beinahe-Singularität. Das schwarze Loch seinerseits verschluckte sich selber und hinterließ – nichts. Absolut nichts. Nicht einmal nichts, weniger als nichts.
    Die Bühne hatte sich geleert, kein Gott mehr, nicht mal ein kleiner Götze, tot, alle waren weg, die beiden Mächtigsten hatten sich soeben pulverisiert. Kein Widersacher, kein absolut Böses oder Gutes, nur noch gähnende Leere. Kein Gewinner – außer den Menschen auf der Tribüne. Doch niemand jubelte oder trauerte, denn alle waren noch gebannt von dem Umbruch, dessen Zeuge sie gerade geworden sind.
    Besorgt gingen die Blicke der Zuschauer umher. Sie ahnten, dass es jetzt an ihnen war, diese Leere auszufüllen. Mit eigenen Visionen und Vorstellungen. Sie mussten jetzt selber denken, planen und Fehler riskieren. Keine ewigen Vorschriften mehr, die einem die Verantwortung und das schlechte Gewissen abnahmen, wenn mal was danebenging. Keine göttlichen Instruktionen mehr, die selbst grausamste Missetaten deckten und Absolution für schlimmste Verbrechen erteilten.
    Wie sollte es jetzt weitergehen? Niemand hatte eine schnelle, leichte Antwort, so wie sie es gewohnt waren. Viele trennten sich hier endgültig von ihrem Glauben, einige aber blieben aufrechte Verehrer der alten Rituale. Die meisten versammelten sich um Mr. Mojo, der sogleich loslegte:
    “Heinz-Peter hat das Böse besiegt – für uns! Er ist und bleibt der Größte, da er alle anderen plattgemacht hat! Betet, winselt ihn an! Er ist nicht tot, er ist nicht weg, er ist nur nicht mehr hier, aber er kommt wieder, und bis dahin will er Gebete hören. Haltet euch weiterhin an seine Vorschriften, sonst gibts kein Paradies auf Houri VII, und das ist mein Ernst! Ich werde ihn bis zu seiner Rückkehr vertreten!“
    „Der alte Knabe kanns einfach nicht lassen“, seufzte Schmittchen herablassend. „War ja klar. Wer eine einfache Welt haben will, die er vollständig durchschaut, bleibt weiterhin bei seinen Götzenwesen. Was solls, solange wir die kleinhalten können, ist’s Recht. Aber diesen Houri VII gibts wirklich, das ist so ziemlich das Einzige, was stimmt. Ich habe sogar eine Reklamebroschüre, wenn es Sie interessiert..:“. Er gab Roderich einen schon leicht abgewetzten, bunten Flyer, der vollkommen vollmundig mit vollbusigen, vollschlanken Mädchen auf die voll paradiesischen Zustände auf Houri VII wies.
    „Was sollen wir denn dort? Wir würden lieber zurück in unsere Dimension, da wartet noch ein Haufen Arbeit auf uns!“ entgegnete Roderich, doch Schmittchen ließ sich nicht beirren.
    „Fliegen-Sie-hin, in Pastafaris Namen, sonst war alles umsonst. Ach, dort IST auch alles umsonst, wenn es das ist, was Sie abschreckt!“
    Man musste nur in Lotviks begeistertes Gesicht mit der heraushängenden, sabbernden Zunge blicken, um zu wissen, dass die Würfel für ihn bereits gefallen waren.
    - „Hey, das machen wir. Wenn Pastl es so will, dann können wir nicht einfach so nein sagen! Auf gehts! Wir sind unterwegs – im Auftrag des Herren! Wir – ööhhh, wir kommen wir denn da hin?“
    -„Ach ich kann Sie ein Stückchen mitnehmen. Ist gerade um die Ecke. Das heißt eigentlich ja nicht, aber wenn Zeit keine Rolle spielt, liegt irgendwie alles um die Ecke, gelle?“
    ............

  4. #24
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Während der kurzen Reise studierte Lotvik den Prospekt, den ihr Gastgeber ihnen gelassen hatte, etwas eingehender. Es war ein älteres Exemplar, schon ziemlich abgewetzt und offenbar öfters in unterschiedliche Formate gefaltet und geknittert worden. Dennoch konnte man ihn noch gut lesen. Vor allem die Attribute der spärlich bekleideten Fotomodelle (die, entgegen jeglichen Gleichberechtigungsvorschriften allesamt jung, hübsch, irdisch und weiblich waren) wurden in Kunst-3D hervorgehoben, was wiederum eklatant den Gendervorschriften des MGU widersprach – nach heutigem Stand.
    Lotvik fand es jedoch prima und kam eine halbe Stunde später auch dazu, den Text zu lesen.

    „Kommen Sie auf Houri VII und lassen Sie sich wie ein Gott behandeln!
    Unsere Hostessen sind nach allen Regeln der Kunst von Eccentrica Gallumbits, der dreibrüstigen Hure von Erotikon VI, geklont worden, unsere Weine sind die Erlesensten der Galaxis – sämtlicher Galaxien aus sämtlichen Zeiten sogar! Zudem fließt aus den reichlich vorhandenen Brunnen Milch und Honig im Überfluss.
    Was immer Sie sich wünschen, es wird in Erfüllung gehen (im Rahmen der Raum-Zeit- und Wahrscheinlichkeitsvereinbarungen des MGU, Stand Raumzeit 4-99 RED3, Wunscherfüllung stets nur auf eigenes Risiko).
    Es gibt drei Möglichkeiten, in den Genuss eines Aufenthaltes auf Houri VII zu kommen:
    - Sie sind stinkreich und überlassen uns einen größeren Teil Ihres Vermögens
    - Sie sind ein gläubiger Akabaranier und haben sich mit diversen Missetaten Eintritt ins Paradies erkämpft. Hier haben Sie allerdings nur Zutritt zu Heinz-Peters Spielwiese
    - Sie haben beim Preisausschreiben von Gringkoj-Marmelade den Hauptpreis gewonnen
    P.S.: wir haben auch in der Nähe der Polkappen Unterkünfte für Touristen und Reisende der Economic-Klassen!

    „Wenn ich das richtig interpretiere, treffen wir auf einen Planeten, der völlig überbevölkert ist. Im Laufe der Geschichte sind sicher so viele Leute ins Paradies eingekehrt, dass man die Heiligen schon stapeln muss, um überhaupt noch die Milch-und-Honig-Flüsse sehen zu können. Schmittchen, Sie bleiben ja noch etwas im Raumhafen mit Ihrem schnittigen Schlitten, falls es doch nicht so paradiesisch ist, oder?“ wollte Lotvik wissen.
    -„Natürlich, Herr Präsident. Das ist so vorgesehen.“
    Wie viel Zeit verging auf dem Anflug auf Houri VII? Niemand weiß es. Es war jedenfalls mehr als ein Tag, aber weniger als eine Woche, wenn man die Mahlzeiten und Schlafpausen als Maßstab heranzog. Eines Morgens (?) gab die sanfte Stimme des Bordcomputers bekannt, dass sie das Ziel erreicht hätten und zum Landeanflug ins Paradies übergehen könnten.
    Seltsamerweise wurden sie nicht von den zuständigen Funktionären des Raumhafens angefunkt, wer sie denn seien, was sie vorhätten und wo sie überhaupt zu landen gedachten, offenbar war es den Bewohnern des Paradieses völlig egal, wer mal eben so vorbeischneite, was er im Schilde führte und wie lange er zu bleiben gedachte. Also ging der kleine Dicke dran, die Landung einzuleiten, sprich den Startvorgang des Programmes zur automatischen Landung per Knopfdruck zu bestätigen. Schon schlitterte Schmittchens schickes, schnuckeliges Schiff sportlich-schnell in Schräglage schonungslos im schummerigen Schein der schönen Morgensonne nach unten und setzte zur Landung an.
    ...........

  5. #25
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    iese ging auch glatt vonstatten, der Rechner hatte eine raumhafenähnliche Einrichtung gefunden, auf der er sie auch gleich automatisch einparkte. Noch immer war nichts von Sicherheitsleuten oder überhaupt jemandem, der sich um ihre Ankunft kümmerte, zu sehen.
    Komisch.
    -„Ich lasse sie denn mal losziehen. Auf das Paradies habe ich keine Lust, ich bleibe lieber an Bord. Mir geht es auch ganz und gar nicht paradiesisch. Buoah, das müssen die göttlichen Leberknödel gewesen sein. Ich hätte doch nicht so viel Gips dazu mischen sollen - meine armen Innereien. Entschuldigen Sie bitte!“ sprach Schmittchen und stürzte an den Beiden, die es sich nach Bekanntwerden der Zutaten anders überlegt und keine Knödel gegessen hatten, vorbei auf die Bordtoilette.
    „Sie kommen dann wieder vorbei, wenn Sie alles gesehen haben. Aber bitte lassen Sie mich – oooooohhhhjessesneh – nicht zu lange warten.“ meinte er noch.
    -„Gemacht, bis später!“ erwiderte ein freudestrahlender Lotvik, der leichten Fußes den Paradiesplaneten betrat.
    Der Weg führte sie durch das Terminal des Raumhafens, das einen erbärmlichen Eindruck machte. Kaum eine Lampe brannte noch, der Müll stapelte sich in allen Ecken und ein Geruch nach Fäulnis und Moder machte sich überall breit. Manche Sachen, beispielsweise einige Reklametafeln, waren nicht montiert worden und standen noch in der Originalverpackung am Ort ihrer Bestimmung, so dass der Eindruck entstand, der Raumhafen sei noch nie gereinigt, gewartet oder überhaupt fertiggestellt worden. Schnell machten sie sich durch den einst vermutlich imposanten Haupteingang nach draußen, wo sie zum ersten Mal auf Bewohner, auf Einheimische trafen. Humanoide natürlich.
    Es handelte sich um drei finster dreinblickende Gestalten mit Vollbart und stechenden, braunen Augen, die unter einem Turban hervorlugten. Ihre hageren Gesichter und schmutzigen Kaftane ließen sie nicht sympathischer erscheinen, aber die Zwei wollten hier sowieso keine Freundschaften schließen. Da keine anderen Bewohner anwesend waren, musste man mit ihnen Vorlieb nehmen, um nähere Informationen zu erlangen.
    Roderich sprach sie vorsichtig in der Universalsprache der Galaxis an: „Hallo, wir sind zwei Touristen und wollen uns hier ein wenig umsehen. Müssen wir irgendwelche Papiere ausfüllen? Gibt es hier sowas wie eine Stadt, ein Hotel, in dem wir unterkommen können?“
    Der Hagerste und Längste von ihnen antwortete: „Hall-la alahla, willkommen im Paradies. Schön, dass Heinz-Peter euch hergeführt hat! Ihr habt euch auch um unsere Religion verdient gemacht, sonst wäret ihr nicht hier gelandet. Früher gab es noch ein paar Ungläubige, die mit einem – wie nannten sie es – Preisausschreiben hergekommen sind oder die zu viel Geld hatten, doch seitdem wir den Laden hier übernommen, lassen wir nur noch Unseresgleichen rein.“
    Er ging anscheinend davon aus, dass es ein wohl früher bestehendes Kontrollsystem immer noch gab.
    Ein vierter Mann erschien mit einem goldenen Tablett, auf dem sich zwei Gläser und eine edle Flasche Wein befanden, bester Houriwein, wie er versicherte. Ein Willkommenstrunk, na, wer sagts denn!
    Sie setzten an und tranken einen Schluck, mussten aber feststellen, dass offenbar kein Winzer ins Paradies eingegangen war, denn der Trunk schmeckte einfach schauderhaft sauer.
    „Schöne Etiketten haben Sie für ihren Essig!“, meinte Lotvik, die Flasche betrachtend, mit geringschätziger Ironie. „Was geht hier sonst noch ab?“
    -„Nun, Heinz-Peter schenkte und natürlich Jungfrauen in allen Größen, Gewichten und Formen, genau, wie es im heiligen Ala-Akbareion steht. Den Wein kennt ihr schon, zudem hat uns Heinz-Peter Ströme aus Milch und Honig, die nie versiegen, geschenkt. Und edle Gärten, durch die ihr lustwandeln könnt. Ja, und das Essen gibt es am Buffet, es wird immer wieder nachgefüllt. Friede und Ehre sei mit Heinz-Peter!“
    -„Hall-la alahla, jaja, Friede und Ehre auch über Mr. Mojo, seinen sanftmütigen Propheten!“ meinte Roderich im Weggehen, der sich ein wenig mit der akabaranischen Religion beschäftigt hatte und daher in etwa wusste, was er sagen musste, damit es so aussah, als ob sie gläubige Akabaranier seien. Er verdonnerte daher den Präsidenten mit einem leisen Zischen zum Schweigen, da dieser mit seinem losen Mundwerk jederzeit beide gefährden konnte. Und Roderich beherrschte die akabaranische Art zu reden sehr gut! Unterwegs wurden sie ab und an angesprochen.
    -„Hallo, schöner Tag wieder mal, nicht wahr?“
    Roderich: „Hall-la alahla, Heinz-Peter will es so, die Sonne scheint nur über wahre Gläubige.“
    -„Seid ihr schon lange hier?“
    -„ Hall-la alahla, nein, Heinz-Peter hat uns erst jetzt hierhergeführt.“
    So wandelten sie eine Weile durch illustre Gärten, die rund um den Raumhafen angelegt worden waren, und wunderten sich immer mehr, denn seltsamerweise platzte Houri VII nicht aus allen Nähten vor lauter Gläubigen, wie man es eigentlich erwartet hätte.
    Zudem waren die Houri, also die Jungfern, die einem so großmundig versprochen wurden, nicht unbedingt hübsch anzusehen. Recht dicklich, schon etwas älter und von einem sehr trägen und drögen Gemüt, nur darauf programmiert, den Akt der Vermehrung durchzuführen, mehr nicht. Jegliche Art von Arbeit war ihnen völlig fremd. Nicht, dass ihnen der Wille dazu fehlte, sie waren einfach nur zu blöde, um mehr als einfachste Tätigkeiten zu erledigen, wie man zuvor beim Wein hatte feststellen können.
    Das war natürlich nicht gut durchdacht, denn die Dauergäste wähnten sich im Paradies und weigerten sich durchweg, auch nur einen Handschlag zu machen, damit es ein wenig runder lief, da sie einhellig der Meinung waren, zu Lebzeiten mehr als genug geleistet zu haben. Das erklärte denn auch die schmutzige Kleidung, den schlechten Wein, die dreckigen Straßen und viele andere Details.
    Es dauerte geschlagene zehn Minuten, bis sie wieder einem Turbankopf begegneten. Dieses Exemplar machte einen niedergeschlagenen Eindruck und stiefelte schweren Schrittes mit einem längeren Seil in der Hand planlos in der Gegend herum. Roderich sprach ihn auf die Leere im Paradies an.
    -„Heinz-Peter schenke dir einen schönen Tag, oh Glaubensbruder. Warum hat er es so eingerichtet, dass hier kaum Brüder sind?“
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  6. #26
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    Die Antwort des Angesprochenen war ernüchternd.
    -„Hall-la alahla, meine Brüder. Zuerst war alles schön, paradiesisch, Heinz-Peter hat ja auch alles wunderbar für uns eingerichtet. Als ich noch auf Terra III lebte, war ich ein sehr gläubiger Mensch. Dann bin ich für die heilige Religion gestorben und jetzt seit knapp dreißig Jahren hier im Himmel.“ Er tuschelte leiser, so als ob er Angst hätte, dass jemand ihn belauschen könnte.
    „Mal unter uns: Es geht mir mittlerweile auf den Sack. Jeden Tag schönes Wetter, Houris, Wein und Glaubensbrüder. Mehr nicht. Ab und an gibt es einen Rezitierwettbewerb, wer denn das Ala-Akbareion am besten kennt, aber auch das macht auf Dauer keinen Spaß mehr. Alles so langweilig. Ich weiß morgens schon, wie der Wein schmeckt, was es zu Essen gibt, einfach alles. Es wiederholt sich. Immer wieder. Wie ein Fluch!
    Und daher gibt es auch kaum noch Leute hier. Die meisten bringen sich nach spätestens fünfzig Jahren um, damit sie als völlig neue Wesen wiedergeboren werden oder in die neunte Dimension, das Nirwana, einfahren. Das Nichts wäre sogar noch besser als das ewige Paradies, wo sich immer wieder alles wiederholt, von morgens bis abends dieselben Orgien, derselbe Sex, dieselben Ausschweifungen. Ha, und dafür bin ich gestorben...“
    -„Ist denn alles hier so wie – diese Gegend hier? Der ganze Planet so öde wie das hier?“
    -„Nein, es gibt noch einen kleinen Komplex mit Häusern, in denen spezielle Gäste einkehren, etwas außerhalb, aber noch in der Nähe des Raumhafens. Es sind Ungläubige, wir müssen sie aber dennoch in Ruhe lassen, meint jedenfalls Mr. Mojo, Friede und Ehre sei mit ihm und möge sich sein juckendes Ekzem am Hinterteil endlich bessern. Gleich hinter dem Hügel liegt das Viertel, es ist aber genauso langweilig wie der Rest hier, halt nur mit anderen Leuten.“ sprachs und trottete gesenkten Hauptes weiter, einen Platz für seinen Selbstmord suchend.
    „Interessant, sehr interessant. Ja, Menschen sind nicht für das Paradies geschaffen. Sie brauchen Input, Abwechslung, müssen sich behaupten, sonst werden sie dröge und langeweilen sich.“ merkte Roderich altklug an.
    -„Das mit dem Gebäudekomplex sollten wir uns mal genauer ansehen. Zeit haben wir, es gibt ja hier sonst keine Attraktionen. Und wie sich Schmittchen angehört hatte, braucht der noch ein wenig Zeit.“
    So gingen sie über den leichten Hügel. Ein sanfter Wind wehte, gerade so, dass er angenehm kühlte, aber nicht störend war. Vögel zwitscherten in einer genau berechneten Lautstärke. Bei näherem Betrachten konnte man sehen, dass sie keine spitzen Schnäbel oder scharfe Krallen hatten. Nichts hier konnte einem Gast im Paradies gefährlich werden. Es war wie in der Kinderabteilung eines Kaufhauses: alles entschärft, mit Kantenschutz versehen. Nicht mal spitze Steine lagen herum, an denen man sich die Zehen hätte stoßen können. Sogar das Sonnenlicht wurde gefiltert, damit sich bloß niemand einen Sonnenbrand holen konnte.
    Nach einer halben Stunde hatten sie eine kleinere Siedlung weißgekalkter, prächtiger Häuser hinter einem kleinen Wäldchen im Blickfeld. Die Dächer waren mit goldenen Ziegeln gedeckt, die man aber genauso gut hätte weglassen können, denn es regnete hier nie. Jedes luxuriöse Haus hatte einen großen, separaten Garten mit einem geschwungenen Schwimmbecken, Dienerinnen versorgten ganz in blütenweiß gekleidete Herrschaften.
    Als Lotvik zufällig in einen Garten blickte, sah er am Pool eine bekannte Gestalt liegen: „Ja, da brat mir doch einer einen Storch! Die Visage kennen wir doch! Der Genrogan! Wie kommt der denn so schnell hierher?“
    -„Wer weiß, aus welcher Zeit er ist, du weißt doch, wir sind hier in der Möbiuswelt. Wir gehen hin und begrüßen ihn richtig!“ sagte Roderich, schob seinen Unterkiefer um ein paar Zentimeter weiter nach vorne und schlug munter mit seiner rechten Faust in die linke Hand.
    -„Nein, besser nicht, vielleicht ist es besser, wenn...-ach, was solls!“ brach Lotvik sein erfolgloses Unterfangen, den Käppn aufzuhalten, ab und heftete sich stattdessen an seine Fersen.
    „Hey, Herr gescheiter Kan– äh gescheiterter Kandidat! Man sieht sich immer zweimal!“ rief Roderich auf dem Weg.
    Der Angegrölte blickte überrascht und entsetzt auf, ließ sein Glas fallen, hob beschwichtigend die Hände und setzte ein nonchalantes Gesicht auf, um möglichst glaubhaft eine Entschuldigung vorzubringen. Gleich darauf nahm er die Hände aber wieder runter, da der Käppn anscheinend sein stundenlang vor dem Spiegel eingeübtes wildes, entschlossenes Gesicht aufgesetzt hatte, und floh Hals über Kopf in das Gebäude hinein.
    ...........

  7. #27
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    Dort düste er schnurstracks in eine Kammer, die der Überschrift nach ein Phasen-Molekularumwandler war, nur wesentlich moderner und kleiner. Sie schien aus einer weit entfernten Zukunft zu stammen. Die Tür verschlossen, ein Armband mit Koordinaten einscannen und ein triumphierendes Gesicht machen dauerte keine drei Sekunden, so dass Roderich gerade noch beobachten konnte, wie sich Genrogan beim Zerstrahlungsvorgang ein ganzes Mal vor Freude, entkommen zu sein, um die eigene Achse drehte.
    Jetzt war auch Lotvik angekommen. „Wo ist er denn hin?“
    -„Weg.“
    -„Ach?“
    -„Ja.“
    -„Und wohin?“
    -„Weißichnich. Weg halt.“
    Hinter ihnen bauten sich drei Diener auf, finster dreinblickend, aber unbewaffnet. Sanft, ohne physischen Druck, komplimentierten sie die Beiden vor die Tür. Keine Gefahren durften im Paradies die Gläubigen bedrohen, erinnern wir uns. Da sie hier nichts mehr verloren hatten, verließen sie das Anwesen, und sich noch ein wenig umzuschauen.
    So schlichen sie um den ganzen Block. Lotvik entdeckte circa ein halbes Dutzend Mitglieder des Hohen Rates nebst einigen hohen Funktionären des MGU, die es sich alle gut gehen ließen. Mit seinem Universalkommunikator machte der Präsident einige Beweisfotos und Filme.
    „So, mir reicht es hier. Da ist ja jede Dorfdisco auf einem abgelegenen Planeten paradiesischer und abwechslungsreicher als dieses Mittelmaß hier. Pack mas?“
    -„Jepp, mehr gibts hier wohl nicht, machen wir uns aus dem Staub.“, stimmte Roderich zu.
    So gingen sie denn zurück zum Flughafen und baten Schmittchen durch die Toilettentür, sie endlich wieder zurück in ihren Kosmos zu bringen.
    „Bei mir dauert es noch ein bisschen, aber Sie können schon mal den Start einleiten. Gehen Sie bitte auf die Brücke ans Steuerpult, geben Sie auf dem Touchscreen das Passwort ‚Grossschmitt‘ ein, drei S, zwei T, dann auf das rundliche Icon mit dem Raumschiffsymbol klicken, nicht auf das längliche graue, in dem Menu, das sich dann öffnet, auf das rechteckige, eher rote Icon, das aussieht wie eine zermatschte Fliege, dort öffnet sich ein Menu, dort auf die Frage ‚Wohin solls gehen‘ den Punkt ‚Hauptziel‘ anhaken und bestätigen.
    Dann die Primärdestination ‚Hauptkosmos, drei Dimensionen‘ klicken. Bei Unterpunkt ‚Feinabstimmung‘, der sich dann öffnet, geben Sie ‚Terra III‘ ein, gefolgt von Punkt ‚Tempus‘ ‚2.8.4355 n. Chr.‘, denn da muss ich hin und damit auch Sie zurückkommen, den Punkt ‚Zwischenziel‘ im Unterordner ‚Sonstiges‘ anhaken, den Sie mit einem Klick auf den rechten Knopf des Kontrollhebels erreichen, dann dort den Unterpunkt ‚Gliese 832 III‘, noch das Jahr, in dem Sie dort erscheinen wollen und bestätigen. Ich komme nachher vorbei. Ooooaaaaahhhh! Immer noch nichts, dammich nochmal!“
    .......

  8. #28
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    Standard AW: Raumschiff Genderpreis II

    “Lass uns runtergehen, ich will mich ein wenig feiern lassen, wozu bin ich denn Präsident der Föderation? Wo sind die Außenscheinwerfer? Ah, da. Zack. Mann, ist das hell. Wie ein Komet! Hey, hier sind wir!“ rief Lotvik und winkte etwas dümmlich aus dem Fenster, obwohl er eigentlich wusste, dass ihn garantiert niemand sehen konnte und wenn doch, dass er wohl einen ziemlich peinlichen Anblick abgegeben hätte, wie er so dastand und wie wild mit seinen Armen herumfuchtelte.
    „Rechner, irgendwelche lohnenden Ziele da unten?“ Ein Unterprogramm stellte augenblicklich anhand der Stimme fest, wer die Frage gestellt hatte und ermittelte im selben Moment durch Recherche in diversen sozialen Netzwerken und anderen Einträgen, welche Personen diese Person persönlich kannte, welche nur vom Hörensagen, mit welchen sie irgendwann wohl mal in Kontakt treten würde und mit welchen die Person sicher nichts zu tun haben wollte und spuckte eine Nanosekunde später das Ergebnis aus.
    -„Ja, Herr Präsident, eine gewisse Maria, Mutter eines Ihrer vielen Kinder, befindet sich fünfzig Kilometer nördlich vor uns.“ befand er moralinsauer tadelnd.
    -„Da brat mir doch einer einen Orneer. Hey, lass uns runter, ich will mal vorbeischneien! Mutter eines meiner Kinder...ich wusste gar nicht, dass ich überhaupt welche habe! Na, wenigstens Hallo muss ich ja sagen. Und ein bisserl Alimente vorbeibringen, wo wir schon mal da sind.“ Den letzten Satz druckste er ein wenig entschuldigend gegenüber dem Zentralrechner heraus, der offenbar vorschriftsmäßig mit einem gut funktionierenden Moralkodex ausgestattet war.
    Die Toilettenspülung ertönte und ein sichtlich erleichtertes Schmittchen erschien.
    -„So, jetzt gehts. Komisch“ befand er nach einem Blick aus dem Fenster, „ hier siehts ziemlich öde aus. Sie haben doch alles so gemacht, wie ich es gesagt habe?“
    -„Öhm, ja, mehr oder weniger, ein paar unwesentliche Kleinigkeiten waren wohl nicht ganz so, aber...“
    -„Lassen Sie mal sehen. Ach nee, Käppn, und Sie steuern sonst das modernste Schiff Ihrer Zeit?“ ein tadelnder Blick ließ Roderich zusammensacken.
    -„Naja, steuern, für sowas habe ich meine Navigatoren. Ich sage nur so grob, was Sache ist, wo es hin soll und was wir dann machen, wenn wir angekommen sind. Ach, wer weiß, wofür es gut ist!“
    -„Wissen Sie, was Sie gemacht haben? Sie haben nicht das runde Raumschiffsymbol, sondern das rundliche Teleportericon gewählt. Damit kann man nur in der Möbiuswelt reisen, raus kommt man nicht. Ja, kennen Sie denn den Unterschied nicht? Mannmannmann...
    Also: Nach gegenwärtiger Lage der Koordinaten sind wir noch in der Möbiuswelt, und zwar über einer knapp 3200 Jahre alten Version von Terra III, von Ihrer Zeit aus gesehen.“
    „Und bereits im Landeanflug!“ vermeldete Lotvik. „Fünf Minuten Aufenthalt, dann gehts weiter, in Ordnung?“
    -„In Ordnung, aber machen Sie die Außenscheinwerfer aus, uns folgen ja schon ein paar Beduinen da unten, und bringen sie nicht so viel durcheinander, das kann vielleicht den Lauf der Geschichte verändern. Ach, besser ists, ich komme mit.“ meinte Schmittchen.
    Das Schiff landete einige Minuten später hinter einer Düne in der Nähe der kleinen Ortschaft, der sie einen Besuch abstatten wollten.
    Sie nahmen ein paar wallende Bettbezüge vom Schiff und warfen sich diese, um nicht zu sehr aufzufallen, über ihre Häupter. Roderich fragte Lotvik, was dieser denn seiner kurzen Liebschaft von Pungadeus als Alimentszahlung vorbeizubringen gedachte. „Ja, das restliche Gold, was uns Pastafari als Klimpergeld überlassen hat, hatte ich vorgesehen, und ein paar – ääähh – Muntermacher, die ich mir am Stand von den Rastafari-Leuten gekauft habe, lege ich noch obendrauf, mehr habe ich im Moment leider nicht dabei.“ Roderich legte sein restliches Gold obendrauf, so dass es eine hübsche Summe wurde.
    ..........

  9. #29
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    Sie traten in eine sternklare Nacht hinaus. Die Luft war angenehm sauber und warm, so dass sie die paar Minuten Fußweg locker hinter sich brachten. Gleich der zweite Bauernhof war ihr Ziel. Genauer gesagt, der Stall des Gehöftes, wo der Rechner das Mädel ausfindig gemacht hatte. Sie klopften an, Lotvik ging voraus und begrüßte seinen One-night-stand von Pungadeus.
    -„Hey, Baby, wie die Zeit doch hier so unterschiedlich vergeht, wir sind gerade vor ein paar Tagen weggeflogen, aber hier...“ er wurde schroff von Maria unterbrochen.
    -„Jaja, erst gar nicht genug kriegen und sich dann nicht mehr blicken lassen, das haben wir gerne. Wer sind denn deine feinen Freunde? Ach, den einen hier kenne ich!“ und deutete auf Roderich, der ein gequältes Lächeln und eine schüchterne Begrüßung erwiderte.
    „Tut mir leid, ich wollte noch was vorbeibringen, hier, Gold und ein paar ‚Kräuter‘ zur Beruhigung. Ich hoffe doch...“ stotterte Lotvik.
    -„Schon gut, schon gut, vielen Dank, uns gehts soweit gut, aber macht euch lieber vom Acker, mein Mann kommt jeden Moment und, wie gesagt, er ist sehr eifersüchtig, besonders seit meiner überraschenden Schwangerschaft. Ich hab zwar eine hanebüchene Geschichte erfunden, die er wohl mehr oder weniger geschluckt hat, aber misstrauisch ist er nach wie vor. Also, auf Wiedersehen, Tschüss Lotvik! Ach, wie soll dein Söhnchen eigentlich heißen?“ fragte sie.
    „Jesses, was weiß ich, gib ihm einfach den Namen deines Großvaters!“ wollte Lotvik sagen, wurde aber von Schmittchen schon nach dem ersten Wort schroff unterbrochen.
    „Da kommt jemand, ich denke, dass wir den Rat deiner Freundin befolgen sollten. Tschüss, Frau Maria!“ Und so verließen sie den Stall etwas überstürzt zur Hintertür und waren keine fünf Minuten später wieder auf ihrem Schiff zurück.
    „Jetzt gebe ich die Koordinaten ein, nicht, dass sie noch was durcheinander bringen!“ mahnte Schmittchen an.
    Wenn er wüsste...
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  10. #30
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    Denn Lotvik war nicht der Einzige, der ungewollt für Veränderungen gesorgt hatte. Auch Schmittchen, genauer gesagt seine Hinterlassenschaft von vorhin, bestehend aus teils verdauten Leberknödeln im Gipsmantel, sorgte für mehr als nur eine Fußnote in der Historie von Terra III. Da sein sonst so schnittiges Raumschiff nur ein kleineres Exemplar für Kurztrips gewesen ist, hatte es aus Platzgründen keine Recyclingaggregate eingebaut bekommen – Bordbar, Sauna und andere unverzichtbare Dinge hätten dafür weichen müssen.
    So war es darauf programmiert, den Toiletteninhalt nicht wieder aufzubereiten, sondern einfach durch eine Klappe nach draußen zu befördern. Dieser Klumpen sauste also aus dem Bauch von Schmittchen in den Bauch des Schiffes und von dort aus in die Wüste unter ihnen, versteinerte durch die Reibungshitze während des Fluges zu einem schwarzen, steinähnlichen Geklumpe und landete in der Nähe eines vor Einsamkeit und Hitze halb irren Beduinen. Dieser war völlig perplex. Jetzt fielen schon Steine vom Himmel, noch dazu aus einem leuchtenden Etwas! Das musste göttlichen Ursprungs sein, eine Botschaft, ein heiliger Monolith, ein Zeichen der Himmlischen!
    Sofort stürmte er zum Landeplatz des versteinerten Schittklumpens und steckte diesen ein, um ihn später seinen Leuten zu präsentieren. Wer wusste schon, was für Kräfte in diesem nicht von der Erde stammenden Stein verborgen waren! Zwei Wochen später, als er wieder in seine Heimatstadt Mekka kam, erzählte er allen die seltsame Geschichte vom fliegenden, leuchtenden Etwas und dem heiligen Steinklumpen. Die Beduinen nahmen ihm die Geschichte sofort ab, fielen in Ehrfurcht auf die Knie und bauten dem himmlischen Stein einen Schrein, in dem er noch heute liegt.

    Schmittchen jedenfalls machte keinen Fehler bei der Navigation im hochkomplexen Menu, so dass sie kurze Zeit später wieder die mittlerweile bekannte Übelkeit, Orientierungslosigkeit und Kälte beim Übergang in unseren Kosmos erleiden mussten. Aber sie waren wieder zurück, raus aus der Möbiuswelt, in bekannten Dimensionen mit einer strukturierten Zeit und weiteren Macken.
    Sie nahmen Kurs auf das Zwischenziel Gliese, wo sie in etwa zwei Tagen ankommen sollten. Seltsamerweise konnten sie Gliese nicht per Funk erreichen – der Kampfplanet blockierte sämtliche Frequenzen, was sie aber nicht wissen konnten. Also mussten sie noch ein wenig warten.
    Oder hätten es müssen, wenn alles ungestört verlaufen wäre. Ohne Vorwarnung, wie aus heiterem Himmel, dematerialisierten sich Roderich und Lotvik auf einmal und wurden an einem völlig unbekannten Ort wieder hergestellt. Sie hatten nicht mal mehr die Zeit, sich von Schmittchen zu verabschieden.
    Zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit machten sie die Übelkeit, Orientierungslosigkeit und so weiter mit. Als sie sich, wieder Herr ihrer Sinne, nach einer Weile umsahen, überkam sie ein großer Schreck. Um sie herum erstreckte sich ein Trümmerfeld! Sehr weit konnten sie allerdings nicht sehen, denn sie schienen in einem eingestürzten, völlig zerstörten Gebäude angekommen zu sein. Was, um alles in der Welt, hatte das zu bedeuten? Wo waren sie, wann waren sie? Und wer, zum Henker nochmal, debattierte da draußen so erregt?
    ........

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