User in diesem Thread gebannt : Schlummifix and cornjung


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Thema: Während wir nach Geschenken hetzen, größer, schwerer, teurer........

  1. #1
    „Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setze mich doch dafür ein.“ Benutzerbild von Bolle
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    Standard Während wir nach Geschenken hetzen, größer, schwerer, teurer........

    Ich dachte, ich kenne das Gefühl von Einsamkeit

    Im Supermarkt trifft unsere Autorin eine alte Dame und trägt ihr die Einkäufe nach Hause. Als sie gerade wieder gehen will, nimmt die Begegnung eine erschütternde Wendung.


    • Von [Links nur für registrierte Nutzer]


    Den ganze Tag alleine, und alles wir immer schwieriger – Einsamkeit im Alter kann zum Verzweifeln sein.


    Edeka am Kollwitzplatz. Am Ausgang steht eine alte Frau nach vorne gebeugt, eine Krücke in der einen und eine Einkaufstüte in der anderen Hand. Ein Mitarbeiter ist bei ihr, sagt: »Ich kann sie nicht begleiten, aber vielleicht finden Sie ja jemanden, der Ihnen hilft.«
    Ich drehe mich um: »Wo müssen Sie denn hin?«
    »In die Knaackstraße. Wissen Sie, ich dachte, heute würde es gehen, aber dann ist es mir reingefahren.«
    »Ich trag Ihre Tüte und bring Sie schnell. Soll ich Sie stützen?«
    »Danke, es geht.«
    Wir laufen los. Nicht schnell, nein, sehr langsam, Schritt für Schritt.
    Sie erzählt mir von ihrer Krankheit, dass man sie in ihrem Alter nicht mehr operieren wollte. Dass sie damit jetzt leben müsse.
    »Wie alt sind Sie?«
    »92.«

    Sie erzählt von ihrer Tochter, die ja selber krank ist, weil sie sich im Altenheim kaputtgearbeitet hat. Von ihrem Rollator, den sie normalerweise dabei hat, den sie aber heute zu Hause gelassen hat, weil sie mit dem Taxi zum Arzt gefahren ist.
    »Kann man den nicht zusammenklappen?«
    »Doch, doch, das geht, aber das wollte ich dem Taxifahrer nicht zumuten.«
    »Hm, vielleicht muss man den Menschen manchmal einfach mehr zumuten.«
    »Ja, das sagt meine Ärztin auch immer.«
    Was für eine schöne Frau sie mal gewesen sein muss: ihre feine Nase, ihre vollen Lippen, ihre Augen
    Wir laufen weiter, langsam, sie erzählt mir von der DDR, von dem Essen und der Kleidung, die sie sehr wohl hatten, auch wenn immer etwas anderes behauptet wurde.
    »Wie lange leben Sie schon hier?«
    »Seit 40 Jahren. Ich bin geboren in Berlin, dann wurden wir evakuiert. Da war ich elf. Wissen Sie, was eine Evakuierung ist?«
    Ich sage »Ja«, obwohl ich weiß, dass sie mich nicht nach der Definition, sondern nach der Bedeutung gefragt hat.
    »Ich habe geheiratet und Kinder bekommen, aber wollte immer zurück nach Hause, nach Berlin.«
    Wir laufen an einem Restaurant vorbei, vor dem ein Mann versucht, Würstchen zu verkaufen.
    »Mir tun die alle leid, haben sich in Schulden gestürzt und jetzt das. Mir tun auch die alleinerziehenden Mütter leid und die, die Hartz IV bekommen. Noch nie gab es so viel Armut in Deutschland«, sagt die Frau, die den Krieg und all seine Folgen erlebt hat.
    »Laufe ich zu schnell?«
    »Nein, nein. Da vorne, nur noch drei Häuser, dann sind wir da.«
    Als wir vor ihrer Haustür stehen, holt sie ihren Schlüssel aus der Tasche und fängt an, das Schlüsselloch zu ertasten. Ich mache mein Handylicht an. Sie seufzt.
    »Kommen Sie mit hoch? Ich wohne nur im ersten Stock.«
    »Ja, natürlich!«
    Dann nimmt sie eine Stufe nach der anderen, zieht sich am Geländer hoch, bleibt am Briefkasten stehen, holt die Briefe raus, murmelt: »Krankenkasse, Krankenkasse, Krankenkasse«, fragt: »Und Sie? Studieren Sie?«
    Ich lächele.
    »Nein, schon lange nicht mehr.«
    In der Wohnung zieht sie ihre Mütze ab. Ich denke, was für eine schöne Frau sie mal gewesen sein muss: ihre feine Nase, ihre vollen Lippen, ihre Augen. Sie fasst sich in die Haare, sagt: »Die fallen mir alle aus. Das kommt von den Tabletten.«
    »Rizinusöl, das hilft.«
    »Ja, und wissen Sie, was noch? Urin. Einfach pullern und druff.«
    Ich lächele, sie auch und fasst sich wieder in die Haare.
    »Wissen Sie, die Schmerzen sieht man nicht, aber die Haare. Das ist wirklich schlimm für mich.«
    »Sie sehen sehr schön aus.«
    »Ach … Sie! Sie werden lange schön aussehen. Sie haben schöne Haut und bestimmt gute Gene.«
    »Haben mir meine Eltern geschenkt.«
    »Was kann ich Ihnen geben? Einen Apfel? Oder wollen Sie einen Kaffee?«
    »Nein, danke. Ich muss leider los. Ich schreib Ihnen meine Nummer auf, falls Sie mal Hilfe brauchen.«
    »Ja, und ich geb Ihnen meine. Und wenn ich nicht sofort dran gehe, ich hab ja einen Anrufbeantworter.«
    Als ich zur Tür gehe, sagt sie: »Wissen Sie, irgendwann werde ich nicht mal mehr ins Bad laufen können.« Dann setzt sie sich auf einen Stuhl, der im Flur steht, und fängt an zu weinen. »Was hab ich nur verbrochen?«
    Ich schaue sie an. Nicht auch noch weinen!
    »Nichts. Das Leben ist oft unfair«, antworte ich und versuche, aufrecht zu bleiben.
    »Ich bin hier den ganzen Tag alleine, und dann fall ich auch noch meiner Tochter zur Last, die selber krank ist. Schauen Sie mich an, wie asozial ich aussehe.«
    »Das tun Sie nicht.«
    »Meine Haare.«
    »Ich sehe nur Ihre Augen.«
    Wir schauen einander an.
    »Rufen Sie an, wenn Sie ihre Tochter nicht fragen wollen, ja? Ich wohne ja um die Ecke.«
    »Ja. Das mach ich.«
    Dann gehe ich die Treppen runter. Stufe für Stufe, ohne Krücke, ohne Geländer, und fühle mich, als würde ich sie im Stich lassen.
    Ich dachte immer, ich kenne das Gefühl von Einsamkeit.
    Aber in Wirklichkeit habe ich keine Ahnung.

    .............................



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    "Politiker und Journalisten. Das sind beides Kategorien von Menschen, denen gegenüber größte Vorsicht geboten ist: Denn beide reichen vom Beinahe-Staatsmann zu Beinahe-Verbrechern. Und der Durchschnitt bleibt Durchschnitt."

    Helmut Schmidt In einer Rede vor Studenten in Freiburg, 1995

  2. #2
    unausgeschlafen Benutzerbild von MorganLeFay
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    Standard AW: Während wir nach Geschenken hetzen, größer, schwerer, teurer........

    Das tut einigermaßen weh zu lesen.
    Hat den Roten Knopf.
    "I cannot live without books." Thomas Jefferson

  3. #3
    Durchimpfen ! Benutzerbild von Schlummifix
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    Standard AW: Während wir nach Geschenken hetzen, größer, schwerer, teurer........

    Unsinn, uns geht es gut.
    Außerdem hat Deutschland Geld wie Dreck. Hier ist niemand arm dran.

    (Sie muss nur aufpassen, wegen Enkeltrick und so. Die BRD ist ja das Land der Kinderlosen.)

  4. #4
    ein feiner Mensch Benutzerbild von konfutse
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    Standard AW: Während wir nach Geschenken hetzen, größer, schwerer, teurer........

    Das Altern ist für viel schlimm, erst recht in Gesellschaften wie unserer, wo Familie und nachbarschaftliche Nähe wenig zählt. Es berührt unbeschreiblich.
    Kennt ihr diesen Moment, in dem plötzlich alles Sinn ergibt und man merkt,
    dass der ganze Scheiß sich wirklich lohnt? Ich auch nicht.

  5. #5
    „Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setze mich doch dafür ein.“ Benutzerbild von Bolle
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    Standard AW: Während wir nach Geschenken hetzen, größer, schwerer, teurer........

    Zitat Zitat von konfutse Beitrag anzeigen
    Das Altern ist für viel schlimm, erst recht in Gesellschaften wie unserer, wo Familie und nachbarschaftliche Nähe wenig zählt. Es berührt unbeschreiblich.
    Besonders in Zeiten in denen man Corona und "Social Distancing" gern als Ausrede nimmt, sich nicht um andere kümmern zu müssen! Abstand halten.......
    "Politiker und Journalisten. Das sind beides Kategorien von Menschen, denen gegenüber größte Vorsicht geboten ist: Denn beide reichen vom Beinahe-Staatsmann zu Beinahe-Verbrechern. Und der Durchschnitt bleibt Durchschnitt."

    Helmut Schmidt In einer Rede vor Studenten in Freiburg, 1995

  6. #6
    Official Benutzerbild von Merkelraute
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    Standard AW: Während wir nach Geschenken hetzen, größer, schwerer, teurer........

    Zitat Zitat von Bolle Beitrag anzeigen
    .............................



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    Dafür gibt es sicher einen Relotiusorden 2. Klasse im Fachgebiet Tränendüse Fake.
    Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören - in ihre Löcher. Franz Josef Strauß


  7. #7
    Ehemals Kaltduscher Benutzerbild von Esreicht!
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    Standard AW: Während wir nach Geschenken hetzen, größer, schwerer, teurer........

    Hallo,

    Die SZ ist eine der Hauptvertreterin der Zerstörung von Volkssolidarität. Für Habeck gibts nicht einmal mehr ein deutsches Volk.Die Ellenbogengesellschaft ist hausgemacht, und zwar ganz bewußt! Frau gegen Mann/Jung gegen Alt/ Ost gegen West, hierzuforum Jung gegen Baby-Boomer usw.usw.usw.

    Der worst case wäre für Prantl &friends, wenn Deutsche in Deutschland eine Solidargemeinschft würden wie z.B. die Invasoren-Musels! Wer deutsche Interessen einfordert ist Nazi. Aktuell werden zur Bekämpfung deutscher Interessen, weil Nazi,1 Mrd. Euro extra zu den Standards bereitgestellt!

    Und ja, es ist wirklich traurig schmerzhaft, wie manch alte Menschen in dieser entwurzelten Gesellschaft ohne Werte dahinvegetieren müssen!


    kd
    Zu willkürlichen Inzidenzen(untauglicher PCR-Test) und Horror-Mutanten:

    Es rettet uns kein höh’res Wesen,kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
    Uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun!

  8. #8
    Mitglied Benutzerbild von kiwi
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    Standard AW: Während wir nach Geschenken hetzen, größer, schwerer, teurer........

    Zitat Zitat von konfutse Beitrag anzeigen
    Das Altern ist für viel schlimm, erst recht in Gesellschaften wie unserer, wo Familie und nachbarschaftliche Nähe wenig zählt. Es berührt unbeschreiblich.
    Hallo konfutse einen schönen Tag oder besser ein schönes Wochenende.
    Glaube mir bitte- ich bin nicht alt auf die Welt gekommen und in meinen vielen Jahren habe ich die Erfahrung gemacht – wenn (Nachbarschafts-) Hilfe zur Gewohnheit wird ist es ein winzig kleiner Schritt zur Pflicht.
    Viele Beispiele könnte ich hier schreiben würde aber zu weit führen.
    Gruß Kiwi
    Einige kennen mich - viele können mich.

  9. #9
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    Standard AW: Während wir nach Geschenken hetzen, größer, schwerer, teurer........

    Zitat Zitat von Merkelraute Beitrag anzeigen
    Dafür gibt es sicher einen Relotiusorden 2. Klasse im Fachgebiet Tränendüse Fake.
    Dann wäre die Helferin eine Migrantin...........
    "Politiker und Journalisten. Das sind beides Kategorien von Menschen, denen gegenüber größte Vorsicht geboten ist: Denn beide reichen vom Beinahe-Staatsmann zu Beinahe-Verbrechern. Und der Durchschnitt bleibt Durchschnitt."

    Helmut Schmidt In einer Rede vor Studenten in Freiburg, 1995

  10. #10
    Durchimpfen ! Benutzerbild von Schlummifix
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    Standard AW: Während wir nach Geschenken hetzen, größer, schwerer, teurer........

    Zitat Zitat von konfutse Beitrag anzeigen
    Das Altern ist für viel schlimm, erst recht in Gesellschaften wie unserer, wo Familie und nachbarschaftliche Nähe wenig zählt. Es berührt unbeschreiblich.
    Im Alter bist du ohne funktionierende Kinder völlig aufgeschmissen.

    Merke ich bei meinen Eltern, für die ich inzwischen alles verwalten muss. Bei den Kinderlosen kommen dann die "Enkeltrickbetrüger" und rauben sie aus. Das ist Sozialdarwinismus pur.

    Die Oma stammt wahrscheinlich aus der rumfickenden aber kinderlosen 68er-Generation. Da kommt noch einiges auf die Deutschen zu.
    Wer kümmert sich denn um die ganzen kinderlosen, alten Omas und Opas ?
    Wer kümmert sich mal um Merkel ?

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