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Thema: Zersetzen und Zerbrechen

  1. #1
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    Zersetzen und Zerbrechen
    hieß eine Veranstaltung der Birthler-behörde am 11.11.2003 in der Landesvertretung Thüringens in Berlin.
    An dieser Veranstaltung nahmen u.a. Regina Weiß teil, die geschiedene Frau von Wolfgang Templin, die Autorin Sandra Pingel-Schliemann , deren Dissertationsschrift („Zersetzen. Strategie einer Diktatur„ erschienen in der Schriftenreihe des Robert -Havemann Archivs, Berlin 2002) der Anlaß der Veranstaltung war, der Pressesprecher der Bundesbehörde Christian Boos und ein Vertreter aus deren Forschungsabteilung, Jens Gieseke.
    Das Buch von Sandra Pingel-Schliemann wurde in der TAZ als Standartwerk über die
    Opposition der achtziger Jahre in der DDR bezeichnet.
    Zwischen den beiden Wissenschaftlern entwickelte sich ein Streitgespräch über die Charakterisierung der späten DDR. Frau Pingel-Schliemann nannte die späte DDR eine
    totalitäre Diktatur, die ihre Machtanspüche auf die Menschen vor allem . durch heimliche
    Zersetzungsmaßnahmen ausübte, die sehr häufig auch den Beteiligten
    nur als Leiderfahrungen bewusst wurden, nicht als politische Staatsaktion.
    Herr Gieseke vertrat dagegen die Meinung , auch in der späten DDR seien die öffentlich
    erkennbaren Unterdrückungsmethoden wie Verhaftungen und Verurteilungen die Hauptanwendungen der staatlichen Gewalt gewesen.
    Frau Regine Weiß nannte als schlimmste Auswirkung der sehr massiven
    Zersetzungsmaßnahmen das erworbene Unvermögen fremden Menschen vertrauensvoll
    entgegenzutreten. Wie die betroffene Familie Templin später aus ihren Akten erfuhr
    organisierte die Staatssicherheit die Sendung von Nachnahmepaketen, schickte Verkäufer
    mit einem Angebot von vielerlei Waren, die auf unterschobene Anfragen reagierten.
    Die Verkäufer reagierten zum Teil erbost auf das vollkommene Desinteresse der Familie,
    die die Annoncen gar nicht kennen konnten. Der so entstehende Streß hatte die Funktion
    psychische Kräfte abzuschöpfen, die danach nicht mehr für die Friedens- und Widerstandsarbeit in politischen Gruppen zur Verfügung standen, meinte Frau Weiß.
    In ihrem Schlusswort nannte Frau Regine Weiß die Zersetzungen das unglaublich Schlimme,
    dass ihnen im Leben widerfahren sei. Ihr Leben und das ihrer Kinder seien von diesen Erfahrungen mitgestaltet worden und diese würden sie auch weiterhin begleiten.
    Fau Sandra Pingel-Schliemann berichtete von einem Zersetzungsfall aus Schwerin.
    Der Staatssicherheit war eine Ärztin aufgefallen, die sich für die Mitarbeit in selbstbestimmten Frauengruppen interessierte. Der Staatssicherheit war bekannt, dass diese Frau an einer manisch-depressiven Erkrankung litt. Daher führte sie ihre Zersetzungsmaß-
    nahmen in genauer Abstimmung mit den Krankheitsphasen der Frau durch. Der Staatssicherheitsdienst kannte den Krankheitverlauf aus Berichten von IM-Ärzten.
    Das Ziel der operativen Maßnahme bestand darin, der Frau die Lust an der Gründung oder
    Mitarbeit in einer autonomen Frauengruppe in Schwerin zu vertreiben. Sie ging dabei mit einem abgestuften und verschiedene Maßnahmen koordinierenden Plan vor: Die Staatssicherheit öffnete die Wohnung der allein lebenden Frau und verstellte bemerkbar Güter des täglichen Lebensbedarfes.
    Die dadurch sehr verunsicherte Ärztin wurde nun von einem IM-Chefarzt in ihrer beruflichen Tätigkeit angeggriffen. Er nannte ihre Interpretation von Röngtenbildern öffentlich falsch und bezweifelte ihre berufliche Befähigung. Während der Visiten wurden ihre Diagnosen wiederum öffentlich als falsch bezeichnet. Patienten weigerten sich daraufhin, sich von ihr behandeln zu lassen.
    Die Ärztin zog sich in ihre Wohnung zurück und wollte diese nicht mehr verlassen- um
    zumindest noch ihr häusliche Umwelt vor den unbekannten Eindrinlingen zu schützen.
    Ihre beste Freundin verleumdete man ihr gegenüber als Stasimitarbeiterin.
    Die Ärztin beging wenige Monate nach der Wende Selbstmord.


    Die Verursacher und ihre Absichten solcher Zersetzungsmaßnahmen blieben für die Betroffenen im Verborgenen. Sie mussten die Ergebnissen ihrer Zersetzung erleiden. Die operativen Zersetzungen wurden vor allem von informellen Mitarbeitern (IM's) ausgeführt,
    ebenfalls von Partnern des „politisch.operativen Zusammenwirkens. Dabei konnte es sich
    um Nachbarn handeln, oder Polizisten oder Lehrer oder Ärzte. Die Zersetzung war eine auf die Persönlichkeit orientierte Gewalt. Sie wurde auf den schwächsten Punkt, die empfindlichste Stelle des zu bekämpfenden Menschen eingesetzt, soweit er der Staatssicherheit bekannt waren. Das MfS kombinierte verschiedene Maßnahmen, bis die Betroffenen allmählich psychisch zermürbten.
    Diese zermürbten Menschen waren oft nicht mehr in der Lage ihre Bedürfnisse in das berufliche und politische Leben einzubringen. Sie waren mit sich und ihren Nöten beschäftigt. Die Bearbeitung, das Aushalten der persönlichen Konflikte erzwang die Abkehr von der politischen Arbeit.

    Zersetzungsmaßnahmen gab es erst unter der Herrschaft von Erich Honneker .
    Unter Walter Ulbricht gab es noch Hinweise auf staatlicher Gewalt in den Medien.
    Unter Honnecker geschah der Übergang vom offenen Terror zum verdeckten Terror
    gegen die Gegner der herrschenden Partei. Gegenüber der entspannungsbereiten westlichen Öffentlichkeit sollten die heimlichen Zersetzugsmaßnahmen eine gebesserte , gar positive menschenrechtliche Situation darstellen. Manch einer sprach und schrieb von einer nachlassenden Gewaltherrschaft- und fand damit Anerkennung in der westlichen- deutschen Öffentlichkeit. Die flächendeckende , allumfassende Kontroll- und Zersetzungsoptionen
    des MfS waren ebenfalls totalitär. Diese Herrschaft ist als subtile, totalitäre Diktatur zu bezeichnen, meinte Frau Sandra Pingel-Schliemann.
    Für die gegenwärtige rot-grüne Regierung schien es noch im Jahre 2001 ohne Sinn
    Haftopfer und Zersetzungsopfer bei der Entschädigung gleichzusetzen. Unter anderem auch deshalb weil die Zersetzungsmaßnahmen in der Regel sich unterhalb der strafrechtlichen Ebene bewegten. Den nachweisbaren Tätern sind in der Regel keine strafrechtlich nachweisbaren Vorwürfe zu machen.

    Hartmut Holz (Berlin)

  2. #2
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    Schlimm schlimm. Ja - wirklich schlimm.
    Aber das ist doch nichts Neues.

    Warum kopierst du das hier rein?

  3. #3
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    hallo benny,
    weil die tatsachen für mich neu waren und sind.
    diese tatsachen halte ich für wissenswert.
    die beschriebenen methoden haben sich mit der auflösung
    des staatssicherheitsdienstes nicht in luft aufgelöst.
    jede mensch sollte diese methoden kennen, um sich besser vor ihnen schützen zu können.
    mfg
    h.holz

  4. #4
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    Original von hartmut
    hallo benny,
    weil die tatsachen für mich neu waren und sind.
    diese tatsachen halte ich für wissenswert.
    die beschriebenen methoden haben sich mit der auflösung
    des staatssicherheitsdienstes nicht in luft aufgelöst.
    jede mensch sollte diese methoden kennen, um sich besser vor ihnen schützen zu können.
    mfg
    h.holz
    Ja da hast du natürlich völlig recht. Genauso wie nach dem 2.Weltkrieg noch überzeugte Nazis in hohen politischen Ämtern und auch in den kommunalen Verwaltungen ihr Unwesen treiben konnten, so ist es auch mit Ex-Stasi-Leuten und anderen "Hardlinern". Das Problem ist es sie zu erkennen.
    Und genauso wie in den 50ern und 60ern ist auch heute unmöglich alle und jeden vor den Kadi zu zerren.
    Schlimmer finde ich da die Gefahr die von Scientology ausgeht.

  5. #5
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    hallo benny,
    was hat es denn mit scientology in meinem zusammenhang ,
    den ich versuchte zu umkreisen, auf sich?
    mfg
    hartmut

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