Umfrageergebnis anzeigen: Was war der Angriff auf die Sowjetunion?

Teilnehmer
111. Du darfst bei dieser Umfrage nicht abstimmen
  • Hitlers Kampf um neuen Lebensraum

    44 39,64%
  • Hitlers Krieg zur Vernichtung des jüdischen Bolschewismus

    29 26,13%
  • Hitlers entscheidender Schritt zur Weltherrschaft

    17 15,32%
  • Der unvermeidliche Entscheidungskampf zwischen Nationalsozialismus und Bolschewismus

    39 35,14%
  • Direkter Präventivschlag gegen die angriffsbereite Sowjetunion

    41 36,94%
  • Präventivschlag gegen eine langfristige Gefahr

    39 35,14%
  • Der Krieg des Monopolkapitals gegen das Zentrum der Arbeiterbewegung

    11 9,91%
  • Ökonomischer Raubkrieg des Monopolkapitals

    12 10,81%
  • Lösung einer strategischen Zwangslage durch Einkreisung von SU, GB und USA

    19 17,12%
  • Hitlers Versuch England im Osten zu schlagen

    15 13,51%
  • Was ganz anderes (Bitte nennen)

    9 8,11%
  • Keine Ahnung

    2 1,80%
Multiple-Choice-Umfrage.
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Thema: Was war der Angriff auf die Sowjetunion?

  1. #171
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    Standard AW: Was war der Angriff auf die Sowjetunion?

    Zitat Zitat von Tschuikow Beitrag anzeigen
    Unsinn. Wenn du dich mit den Grundlagen der kommunistischen Bewegung auskennen würdest, dann wüßtest du das der Kampf für den Frieden die Grundforderung der Kommunisten ist.
    Ganz abgesehen davon, das die kommunistische Führung, die mit ihrer Forderung nach Frieden, die Oktoberrevolution gewann, den Massen kaum hätte einen zu einem Angriffskrieg motivieren können.


    Es reicht, wenn man sich mit den Grundlagen der stalinistischen Bewegung auskennt.

    Und das damalige unterentwickelte Russische Volk voll von Analphabeten hätte eh jede Kröte geschluckt, die haben nie gemuckt bzw. die Angst vorm roten Zaren war zu groß; gab nie Anschläge auf Stalin, Proteste gegen den fingierten Raubkrieg gegen Finnland sind mir auch nicht bekannt. Ausser ein paar tapfere Steppenvölker, die nachher auch wacker auf deutscher Seite fochten, hatte es da zunächst mal reichlich wenig.

    Dem gemeinen sowj. Bauern hätte die komm. Führung gar nichts erklären müssen, man hätte nicht mal was erfinden brauchen. Da wäre der Befehl zum Angriff gekommen und Dimitri aus Omsk wäre losmarschiert, so einfach ist das. :rolleyes:

  2. #172
    Entarthet Benutzerbild von EinDachs
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    Standard AW: Was war der Angriff auf die Sowjetunion?

    Zitat Zitat von GermanSoldier Beitrag anzeigen
    Na was ist es wohl gewesen,es war ein astreiner Präventivschlag unserer ruhmreichen Deutschen Wehrmacht.Stalin stand ja schon in den Startlöchern.Das diese Bedrohung aus dem Osten den Amerikanern gleichgültig war hatte ja Kalkül nur so,in dem man den Krieg gegen Deutschland gewann,hat man den Vorwand gehabt vierzig Jahre kalten Krieg gegen die UdSSR zu führen.
    Das hat nicht mal Hitler behauptet.
    Irgendwie drollig, wie man es von "patriotischer" Seite immer besser weiß, als die jeweils Beteiligten.
    Und das die Amerikaner (oder die Russen?) den 2 Weltkrieg führten um einen Vorwand für den kalten Krieg zu haben, ist eine der erheiterndsten Thesen seit langem. Weiter so.
    Geändert von EinDachs (10.08.2007 um 15:12 Uhr)
    Es kennzeichnet die Deutschen, dass bei ihnen die Frage »was ist deutsch?« niemals ausstirbt.
    Friedrich Nietzsche

  3. #173
    Lügenpressegegner Benutzerbild von Quo vadis
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    Standard AW: Was war der Angriff auf die Sowjetunion?

    Zitat Zitat von leuchtender Phönix Beitrag anzeigen
    Wenn Stalin Eroberungsabsichten gehabt hätte, hätte er schon 1940 zum Angriff geblasen. Hitler war längst in West- und Nordeuropa beschäftigt und die deutsche Ostgrenze nahezu ungeschützt.
    Hätte Stalin zuerst angegriffen--wer weiß wie sich seine westalliierten Verbündeten verhalten hätten? Könnte mir gut vorstellen, dass ein Churchill über einen Stalin, statt Hitler in Dünkirchen "not amused" gewesen wäre.
    Während die deutsche Aufklärung im inneren der SU reiner Müll war, hatten die Sowjets im Gegenzug einen besseren Überblick über das Reich.Mir kann keiner erzählen, dass ein Stalin nicht über die Truppenmassenverlegung der Deutschen an die östliche Reichsgrenze, nicht im Bilde gewesen wären.Stalin hatte bei einem deutschen Angriff folgende Vorteile:

    1. Er wäre für die Westalliierten auch weiterhin ein Opfer und könnte zusätzlich zu seinen eigenen Menschen & Kriegsmaterialmassen, mit zusätzlichen Rüstungslieferungen rechnen, was ja auch der Fall war.

    2. Stalin war meiner Meinung nach nicht von der Disziplin,Motivation Kampfkraft der eigenen Truppen überzeugt--für einen Offensivkrieg schon gar nicht.Die Zarenzeit hat da eindeutig einen Schuß vor den Bug gesetzt.Ein Abwehrkrieg, resp. "Großer Vaterländischer Krieg" hingegen, würde aber den Fanatismus und Kampfeswillen der Russen bis auf´s äußerste anstacheln--so ist es auch gekommen.

    3. Stalin wußte, dass Hitler bei einem Angriff-- diesen mit a, weniger Truppen, b, weniger Panzern, c, weniger Flugzeugen d, weniger anderem mittleren bis schwerem Kriegsgerät, als ihm selber zur Verfügung stehen, führen würde.An der Westgrenze des Reiches hatte Hitler auch noch England im Nacken.
    "Um zu lernen, wer über dich herrscht, finde einfach heraus, wen du nicht kritisieren darfst."Voltaire (1694-1778

  4. #174
    Mitglied Benutzerbild von herberger
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    Standard AW: Was war der Angriff auf die Sowjetunion?

    Zitat Zitat von leuchtender Phönix Beitrag anzeigen
    Wenn Stalin Eroberungsabsichten gehabt hätte, hätte er schon 1940 zum Angriff geblasen. Hitler war längst in West- und Nordeuropa beschäftigt und die deutsche Ostgrenze nahezu ungeschützt.

    Längerfristig hatte er bestimmt Absichten aber erst Jahre später.

    Aber er hatte abgewartet und sich bis zu Hitlers Angriff (leider) brav an die Vereinbarungen vom Hitler-Stalin-Pakt gehalten.
    Nun der sovj.Aufmarsch an der Deutsch-Sovjetischen Demarkationslinie war in der Tat überstürzt denn der schnelle Sieg der Deutschen im Westen brachte den sovjetischen Zeitplan durcheinander denn Stalin hatte seinen Krieg erst für 1942 geplant,das war denn auch der Grund das die Deutsche Wehrmacht die Russen auf den falschen Fuß erwischte,die Rote Armee war weder in der Lage anzugreifen noch sich zu verteidigen.Etwa 5 Wochen später hätte es anders ausgesehen denn etwa im Juli 1941 hätte man mit einem Angrif der Sovjets rechnen können.

  5. #175
    Patriotischer Kritiker
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    Standard AW: Was war der Angriff auf die Sowjetunion?

    Das ist mir schon klar, aber ich debattier ja sonst ganz gern mit verbohrten Nazis.
    Mich stört nur die unübersichtliche Länge.
    So, dann bin ich also ein "verbohrter Nazi". Wenn du auf diesem Niveau weiter diskutieren willst freue ich mich, da du dich dadurch selbst diskreditierst.

    Stimmt schon. Aber recht lange und bei sehr hohen gegnerischen Verlusten. Und so überlegen waren die Sowjets einfach nicht, dass sie überall mit 5facher Überlegenheit angreifen konnten.
    Nachdem die Sowjetunion bis 1945 nahezu 27 Millionen Menschen konnte man allein in Berlin 2,5 Millionen Soldaten, 6250 Panzer und 7500 Flugzeuge zusammenziehen. Allein in Berlin! Das dürfte reichen, um dein "Argument" zu entkräftgen.

    Schon gar nicht, wenn im Osten Japan lauert.
    Japan lauerte nicht mehr, da es 1939 vernichtend geschlagen wurde.

    Und jetzt nenne einen nennenswerten Vertrag, der vor diesem "Bündnisangebot" gemacht wurde, den Hitler nicht gebrochen hat und du näherst dich dem Kern des Problems.
    Mir fällt da nicht viel ein. Bezüglich der Resttschechei gab es keinen Vertrag im eigentlichen Sinn und der Nichtangriffspakt mit Polen wie der Vertrag zur Flottenbegrenzung mit England wurden aufgrund der polnisch-englischen Annäherung gekündigt. Darum geht es aber weniger angesichts der Tatsache, dass man in London nicht einmal darüber sprechen wollte.

    Mal abgesehen davon dass dieser "großzügige" Vorschlag einem deutschen Sieg ohne Krieg gleichkommt.
    So ein Blödsinn: Laut der offiziellen Geschichtsschreibung wollte England den Frieden und Hitler bot England vor dem Krieg eine friedliche Lösung an, von der England nur zu gewinnen hatte, vorausgesetzt, es wollte keinen Krieg.

    Selbstverständlich. Weil Churchill die Deutschen hasste, gabs den 2. WK.
    Ist dir eigentlich klar, dass vor Hitler Angriff auf Polen der deutschenhassende Churchill ein Hinterbänkler war und er nur dank des Kriegsausbruches in die erste Reihe gespült wurde?
    Wie wäre es zur Abwechslung mal, wenn du beim Thema bleibst. Du hast behauptet, dass ein Bündnis zwischen England und der Sowjetunion vor dem Krieg nur nur insofern utopisch war, weil man in der Sowjetunion keine so große Gefahr für den Weltfrieden sah, sondern eine bizarre Diktatur die alle Hände voll zu tun hat die eigene Bevölkerung unter der Knechtschaft zu halten. Doch es lag in erster Linie daran, dass Churchill und andere (Chamberlain, Halifax, Lord Vansittart etc.) sich teilweise vom Deutschhass, teilweise von der vorgefertigten englischen Kontinentalpolitik leiten ließen, die immer einen Krieg gegen die kontinentalbeherrschende Macht vorsah. Realpolitik hätte da mehr geholfen und womöglich eine Ausweitung des Krieges verhindert.

    Diplomatie ist wohl das falsche Wort. Hitlers Kriegstreiberei war's.
    Und Stalins Kriegstreiberei, die Kriegsinteressen Frankreichs, Englands und Polens.

    Er wollte den Kampf, weil er in seiner Weltanschauung die einzige Alternative zu einer Verminderung der Volkszahl und einem kampflosen Untergang der eigenen Rasse war. Daran ließ er keinen Zweifel. Soll ich die Zitate raussuchen?
    Jemand, der den Kampf will schickt nicht sechs Vermittlungsangebote an die Polen, einen Bündnispakt an England und macht erst dann ganz konkrete Angriffspläne, als alle Vermittlungsangebote abgelehnt wurden. Von daher kann ich auf "Mein Kampf" Propaganda verzichten und schaue mir lieber die Fakten an.

    Was Hitler nicht von dem Angriff abhielt, oder ?
    Er hatte keine andere Wahl. Das hier keine weiteren Kommentare von dir kamen wundert mich nicht.

    Ich hab mir mal den Punkt rausgesucht, weil er der interessanteste ist: Von den T-34 waren zu Kriegbeginn erst eine handvoll im Einsatz (und die waren im übrigen nicht an der Westgrenze stationiert) und das Ding hatte anfangs noch einige Kinderkrankheiten, etwa vermehrte Getriebeschäden. Zweifelsohne war es ein formidabler Panzer, aber seine Existenz hat der Wehrmacht vor Kriegsbeginn kaum Kopfzerbrechen bereitet.
    Auch diese mehr als nur peinliche Antwort hättest du dir leicht ersparen können, indem du einfach meine Texte gelesen hättest: Man verfügte über 1475 T-34, KW I und KW II, die allesamt im Westen standen. Wegen Kinderkrankheiten fielen die wenigsten T-34 aus. Auch nicht wegen Getriebeschäden. Du meinst wahrscheinlich die überschweren KW Panzer, die damit große Probleme hatte. Desweiteren konnte die Sowjetunion diese Panzer in Massen produzieren, die Deutschen dagegen hatten mit ihren ca.1600 kampfkräftigen mittleren Panzer III und IV enorme Nachschubprobleme was neue Modelle betraf. Desweiteren waren diese Panzer den schweren sowjetischen Panzer an vielem deutlich unterlegen. Nur der kombinierte Einsatz von Geschützen, Panzern und Flugzeuge konnte das ausgleichen.

    Auf lange Sicht wohl vor allem Rüstungskapazitäten, auf kurze Sicht der Trainingsstand. Ersterer war auf deutscher Seite zweifelsohne besser, letzterer ergab einen leichten russischen Vorteil, der durch etwaige Verbündete (die es im Falle sowjetischer Aggression unter Garantie gegeben hätte) ausgeglichen hätte werden können.
    Du hast wohl noch immer nicht verstanden, wie stark die sowjetische Rüstungsindustrie war. Als Deutschland nichts mehr hatte standen 1945 allein vor Berlin 6250 Panzer, 7500 Flugzeuge und zehntausende moderner Geschütze und Stalinorgeln. Und das abwohl Deutschland die Rüstungskapazität von halb Europa absorbiert hat und von zahlreichen neutralen Ländern (Spanien, Schweden, Türkei) mit Rohstoffen beliefert wurde.

    Das wäre auch kaum notwendig gewesen, mehr zu produzieren.
    Es hätte gereicht, die vorhandenen Mittel ausschließlich in den Osten zu verlegen.
    Das hätte auch nichts genützt. Zwischen 1941 und 1944 hatte man praktisch alle kampfkräftigen Einheiten im Osten und die anderen Fronten bekamen nur zweit-und drittrangige Kräfte. Das änderte sich erst im Sommer 1944, als die Angloamerikaner in der Normandie landeten. Bis dahin waren die Russen allein mit den Deutschen fertig geworden.

    'türlich kann man das so vergleichen. Die russischen Waffen waren ihr Geld wert, die teureren deutschen das ihre aber eben auch. Und als die HGR Mitte zerschlagen wurde, stand auch die Hälfte der deutschen Panzerwaffe im Westen um die Invasion zu bekämpfen.
    Selbst mit diesen Panzern hätte man die HGR Mitte nicht retten, die Front halten oder den Krieg gewinnen können. Man hätte das Ende nur noch herauszögern können und den Russen noch schlimmere Verluste beibringen können. Das ist das Entscheidende, das du nicht erkennen willst.

    Der springende Punkt ist, dass Deutschland einer sowjetischen Invasion gewachsen gewesen wäre, hätte man sich nicht auch noch den Rest der Welt zum Feind gemacht. Da ändern die beeindruckenden russischen Zahlen gar nicht so viel daran. Die Russen haben die Hauptlast des Kampfes geduldig ertragen, aber die unglaubliche Verzettelung der deutschen Kräfte an einer Vielzahl von Fronten machte den russischen Sieg überhaupt erst möglich.
    Deutschland und Russland standen sich zwischen 1941 und 1944 allein Gegenüber. Frankreich war geschlagen, die USA griffen erst ab 1943 verstärkt in den Krieg an und führte erst 1944 einen entscheidenden Angriff auf Europa und England führte einen wenig erfolgreichen Wüstenkrieg, der erst 1943 siegreich zu Ende ging. Deutschlands Hauptmacht war in Russland und wurde auch dort vernichtet. Bis zum März 1942 war jeder dritter deutscher Soldat, der 1941 in Russland einmarschierte entweder tot, verwundet oder Kriegsgefangener.
    Wie dem auch sei: England und Frankreich waren seit dem Ersten Weltkrieg deutschfeindlich und England lockerte diese Haltung nur, weil Frankreich und UdSSR 1935 einen Militärpakt schlossen, der diese zur Kontinentalbeherrschenden Macht werden ließ. Von daher ist ein Pakt zwischen die Mächten reine Utopie.

    Weil Deutschland ja auch der Aggressor war. Aber ein unprovozierter russischer Angriff 1943 oder wann auch immer, hätte wohl unzweifelhaft zu einer Reaktion dieser Staaten geführt. Es ist zu bezweifeln, dass sie zugesehen hätten wie ganz Europa überrannt wird.
    Und wieder kommen bereits widerlegte Spekulationen anstatt von Fakten. Bevor Deutschland überhaupt ein Staat angegriffen hatte verhandelten England und Frankreich mit der Sowjetunion 1939 über einen Beistandspakt gegen Deutschland. Das zeigt sehr gut, dass man einen russischen Angriff auf Deutschland so oder so begrüßt hätte, egal ob dieser 1939, 1941 oder 1943 gekommen wäre. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen!

    Aber auch eine Massenarmee muss mit Funkgeräten koordiniert werden.
    Wer sagt denn, dass die Russen keine hatten?

    Was jetzt? Stalins Angriff stand 1941 nachweißlich bevor, Barbarossa war aber nur ein Präventivkrieg gegen eine langfristige Bedrohung? Erklär, wie man das unter einen Hut bringt.
    Siehs ein, du widersprichst dir selber.
    Als Unternehmen Barbarossa unterzeichnet wurde war Stalin noch eine langfristige Bedrohung. Aber die Weisung Nr. 21 war wie bereits gesagt keine endgültige Entscheidung. Wie bereits dargelegt vertraten zahlreiche Militärführer die Meinung, Hitler hätte sich erst im April 1941 endgültig für Barbarossa entschieden als die sowjetischen Angriffsabsichten immer deutlicher wurden.

    Dir ist doch sicher der Kommissarbefehl bekannt?
    Dieser hat mir dem Entscheidungsprozess zum Russlandfeldzug überhaupt nichts zu tun.

    Die "Tischgespräche" (etwa die Besprechung am 16. 07. 1941 mit Gauleiter Rosenberg, Keitel und dem schriftführenden Bormann) sind allesamt authentisch und es gibt wenig Grund, an der Ernsthaftigkeit der dortigen Erwägungen zu zweifeln. Der Aktenvermerk über die Besprechung am 16. ist mehr als ausführlich und beschreibt wie der russische Kuchen aufgeteilt werden soll : Krim wird deutsches Siedlungsgebiet, Baku ebenfalls eine Kolonie, es wird festgelegt welcher Gauleiter welches Gebiet ausbeutet (O-Ton), etc.
    Zu diesem Zeitpunkt war der Entscheidungsprozess längst abgeschlossen. Daher stimmt die Behauptung "deologische Motive spielen in den Dokumenten kaum einen Rolle, auch wenn Hitler gelegentlich vom „Weltanschauungskrieg“ sprach". Außerdem habe ich bereits mehrfach deutlich gemacht, dass nicht nur präventive Motive entscheidend waren, sondern auch realpolitische wie die Eroberung von kriegswichtigen Rohstoffen. Ideologische Motive waren nicht entscheidend für das Jahr 1941 als Feldzugsbeginn. Wenn man nur ideologische Motive erkennen will dann hätte Hitler auch erst 1942 oder 1943 angreifen können. Das er 1941 angegriffen hat macht deutlich, dass eben nicht ideologische Motive entscheidend waren:
    Hitler in einem an Mussolini am 21.Juni 1941
    Der Aufmarsch der russischen Kräfte - ich habe die letzte Karte durch General Jodl ihrem hiesigen Attaché, dem General Maras, vorlegen lassen - ist ungeheuer. Es sind eigentlich alle verfügbaren russischen Kräfte an unseren Grenzen... Ich bin daher nach einem ewigen Grübeln doch zu dem Entschluss gekommen, die Schlinge lieber vorzeitig zu durchhauen, ehe sie zugezogen werden kann.“
    Zit. n. Post, Unternehmen Barbarossa, S. 300

    Schreib ruhig weiter. Nach der von dir zitierten Passage steht auch, dass mit 4 Wochen Grenzschlachten zu rechnen ist und danach kein Widerstand mehr zu erwarten ist. Bei der Beurteilung der Stärkeverhältnisse spricht selbiges Dokument von starker deutscher Überlegenheit im Mittelabschnitt und Parität im Norden. Lediglich im Südabschnitt wird eine russische Überlegenheit konstatiert.
    Laut dem Barbarossaplan rechnete man mit 3-5 Sommermonaten um die Sowjetunion zu vernichten. In den vier Wochen nach dem Beginn des Unternehmen Barbarossa waren zahlreiche Verbände der Sowjets auch zerschlagen, es gab Millionen Tote, Gefangene und Tote, aber Sowjetrussland stellte einfach neue Truppen auf. Generalstabschef Halder fasste am 11.August 1941 zusammen:
    „In der gesamten Lage hebt sich immer deutlicher ab, dass der Koloss Russland, der sich bewusst auf den totalen Krieg vorbereitet hat, mit der ganzen Hemmungslosigkeit, die totalitären Staaten eigen ist, von uns unterschätzt worden ist. Diese Feststellung bezieht sich ebenso auf die organisatorischen wie auf die wirtschaftlichen Kräfte. Wir haben bei Kriegsbeginn mit etwa 200 feindlichen Divisionen gerechnet. Jetzt zählen wird bereits 360. Diese Div. sind sicherlich nicht in unserem Sinne bewaffnet und ausgerüstet, sie sind taktisch vielfach ungenügend geführt. Aber sie sind da. Und wenn ein Dutzend davon zerschlagen wird, dann stellt der Russe ein neues Dutzend hin. Die Zeit dazu gewinnt er dadurch, dass er nah an seinen Kraftquellen sitzt, wir immer weiter von ihnen abrücken.
    So ist unsere auf größte Breite auseinander gezerrte Truppe ohne jede Tiefe immer wieder den Angriffen des Feindes ausgesetzt. Diese haben teilweise Erfolg, weil eben auf den ungeheueren Räumen viel zu viele Lücken gelassen werden müssen.“

    Von möglichen russischen Offensivabsichten ist weder hier, noch in irgendeinem anderen Dokument im Vorfeld von Barbarossa die Rede.
    Mochten die Aufklärungsergebnisse auf deutscher Seite auch noch mangelhaft sein, in den Lagemitteilungen des OKW fügten sie sich dennoch zu einem Gesamtbild von schon bedrohlichem Ausmaß zusammen.

    Nach Erkenntnissen des OKW hatte "die sowjetische Heeresleitung alle ihr zur Verfügung stehenden Aufklärungsmittel systematisch"in den Dienst der Offensivplanung gestellt. Dazu gehörte auch der "planmäßige Einsatz der Luftwaffe der UdSSR über dem Hoheitsgebiet des Reiches", die "fast täglich einlaufenden Meldungen über weitere Grenzverletzungen sowjetische Flugzeuge","bewusste Provokationen" und ebenso gehörte dazu die planmäßige Terrainaufnahme und Ausspähung des deutschen Gebietes durch sowjetische Militärkommissionen,"teilweise durch höchste Offiziere mit großen Stäben", auf die auch Viktor Suworov als untrügliches Kennzeichen der bevorstehenden Offensive aufmerksam machte.

    Das immer nähere Heranschieben der sowjetischen Verbände, und zwar auf der ganzen Frontlinie vom Baltikum bis Südbessarbien, wurde vom OKW als "schwere Bedrohung" empfunden und dennoch in seinem tatsächlichen Ausmaß noch weit unterschätzt.Beunruhigend - und dies, wie wir heute wissen, zu vollem Recht, wirkte zugleich der vom OKW konstatierte rasche Fortgang des Ausbaues der Bodenorganisationen und der Belegung "grenznaher Flugplätze mit starken Verbänden der Luftwaffe", wurden diese Maßnahmen doch richtig als "Vorbereitung weitreichender Bombenangriffe starker Kampffliegerverbände auf das Deutsche Reich"gedeutet, und dies um so mehr, als zahlreiche Äußerungen führender sowjetischer Offiziere bekannt geworden waren, die "offen von einer baldigen russischen Offensive sprachen".

    Anders als das OKH hatte das OKW im Rahmen seiner begrenzten Möglichkeiten also durchaus zutreffende Folgerungen gezogen. An kaum einer Stelle der Schreiben Keitels oder Jodls lässt sich eine sachliche Übertreibung finden, eher wird die Gefahr aus Unkenntnis noch verkleinert. Denn in Wahrheit standen die Offensivvorbereitungen des Generalstabes der Roten Armee, wie wir heute wissen, nicht mehr allzu weit vor der Vollendung.

    Ein Brief von OKW Chef Keitel an Ribbentrop vom 11.Mai 1941:
    "Das Oberkommando der Wehrmacht ist durch diese Tatsachen mit dem Auswärtigen Amt laufend mitgeteilter Grenzverletzungen sowjetrussischer Flugzeuge und Soldaten zu der Überzeugung gekommen, dass dieses, einer Mobilmachung praktisch gleichkommende Maß des sowjetrussischen Aufmarsches an der deutschen Ostgrenze nur noch als Vorbereitung für sowjetische Offensivmaßnahmen größten Umfanges gedeutet werden kann. Die Gefahr eines bewaffneten Konflikts rückt daher in bedrohliche Nähe. Der annähernd abgeschlossene Aufmarsch ihrer Wehrmacht ermöglicht der sowjetischen Staatsführung dabei die freie Wahl des Angriffsbeginns. Entsprechende deutsche Gegenmaßnahmen werden nunmehr unumgänglich."

    Zit. n. Hoffmann, Stalins Vernichtungskrieg, S.66-68

    Waren solche Warnungen nun Teil des Unterfangens, das ja beschlossenen und im Anlauf begriffene Angriffsunternehmen „Barbarossa“ propagandistisch abzusichern, indem man es als Antwort auf eine von seiten der Sowjetunion ausgehende Bedrohung ausgab, oder verbarg sich dahinter echte Besorgnis? Nach der gängigen Interpretation des stalinistisch geprägten „Antifaschismus“, besonders in Deutschland, kann es sich hierbei selbstredend um ein vorbeugendes Propagandamanöver zur Rechtfertigung eines Angriffs handeln, der von diesen Kreisen stereotyp als „heimtückischer faschistischer Überfall auf eine nichtsahnende, friedliebende Sowjetunion“ ausgegeben wird. Zieht man demgegenüber jedoch die heute offenliegenden Tatsachen der Vorbereitung des sowjetischen Eroberungskrieges in Betracht, so erscheinen die Warnungen in einem anderen Licht, zumal wenn man den noch unvollständigen Wissensstand des OKW berücksichtigt.

    Geheime Kommandosache
    Oberkommando der Wehrmacht Berlin, d. 11. Juni 1941
    Ausl. Nr. 212/41 g. Kdos. Chefs.
    An die
    Reichsregierung
    über den Herrn Außenminister des Auswärtigen

    Um die Jahreswende 1939/40 bestanden noch keine Besorgnisse für die Sicherheit der deutschen Ostgrenze. Die Sowjetunion hatte bei der Liquidierung Polens eine äußerlich freundschaftliche Haltung gezeigt. Bereits Anfang 1940 mußte jedoch mit Befremden festgestellt werden, daß die Sowjetunion nicht nur ihre Westgrenze stark zu befestigen begann..., sondern daß sie in immer beunruhigendem Maße eine Verstärkung der Grenztruppen vornahm.
    Am 1. September 1939 hatten im Gebiet westlich der Linie Archangelsk-Kalinin-Poltawa-Westspitze Krim gestanden:
    44 Schützendivisionen,
    20 Kavalleriedivisionen
    3 motorisierte Panzerbrigaden.
    Aus Anlaß des Polenfeldzuges hat die Sowjetunion bis zum 28. November1939 diese Truppen um 47 Divisionen verstärkt... auf:
    76 Schützendivisionen
    21 Kavalleriedivisionen
    17 motorisierte und Panzerbrigaden.
    Trotz der Beendigung des Polenfeldzuges wurden die Verstärkungen im großen Umfange fortgesetzt. So kamen bis zum 12. März 1940 mindestens 16 weitere, wahrscheinlich sogar 25 neue Divisionen neu hinzu. Die Gesamtstärke der sowjetischen Truppen im westlichen Grenzgebiet betrug danach Mitte März 1940:
    86 - 95 Schützendivisionen
    22 Kavalleriedivisionen
    22 motorisierte und Panzerbrigaden.
    Ein eindringliches Bild der außerordentlichen sowjetischen Truppenzusammenziehungen an der Westgrenze gibt die nachstehende Aufstellung aus der Anlage 2:
    1. September 1939: 65 Divisionen
    28.November 1939: 106 Divisionen
    1. Mai 1940:
    116 Schützendivisionen
    20 Kavalleriedivisionen
    40 motorisierte und Panzerbrigaden
    (zusammen ca. 158 Divisionen).
    All diese Tatsachen zwingen zu dem Schluß, daß die Sowjetunion sich bereit macht, in jedem ihr geeignet erscheinenden Augenblick zum Angriff gegen das Großdeutsche Reich anzutreten.

    Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht gez. Keitel

    Der Chef der OKW, Keitel, schrieb, bei Kriegsausbruch Anfang September 1939 habe man 77 sowjetische Schützendivisionen im europäischen Russland festgestellt, davon nur wenig mehr als die Hälfte im westrussischen Grenzraum. Nach Beendigung des Polenfeldzuges hätte sich die Zahl der erfassten russischen Divisionen auf 114 erhöht; trotz der Einstellung der Kämpfe stieg in den folgenden Monaten die Zahl auf 121. „Seit Beginn dieses Jahres [1941] aber liefen beim Oberkommando der Wehrmacht von allen Teilen der Grenze Meldungen ein, die in ihrer Gesamtauswertung das Bild einer umfassenden russischen Truppenkonzentration an der westdeutschen Ostgrenze ergaben. Unter rücksichtslosem Abtransport von Schützen-, mot.- und Pz.-Divisionen aus dem asiatischen Raum und Kaukasien – besonders nach dem russisch-japanischen Nichtangriffspakt – erhöhte sich die Zahl allein der festgestellten Schützendivisionen im europäischen Russland auf 143. Davon befanden sich 119 Divisionen im deutsch-russischen Grenzraum. Bei den Pz.-Brigaden und Pz.-Divisionen ist diese wachsende Schwerpunktbildung noch erheblich ausgesprochener. Seit Jahresbeginn befinden sich sämtliche überhaupt festgestellten mot.- und Pz.-Einheiten in Westrussland. Hinzu kommen weitere Kav.-Divisionen und mehrere Fallschirm-Bataillone! Eine gleiche Entwicklung ist auch bei der russischen Luftwaffe zu erkennen. Mit der ständig zunehmenden Anhäufung leichter Fliegerverbände zur Unterstützung des Heeres lässt der rasche Fortgang des Ausbaues der Bodenorganisation in Grenznähe die Vorbereitung weitreichender Bombenangriffe starker Kampffliegereinheiten in das Deutsche Reich hinein erkennen. Weiterhin weist das Oberkommando der Wehrmacht erneut auf die wiederholten Äußerungen höherer sowjetrussischer Offiziere hin, die bei Planspielen und Truppenübungen offen von einer baldigen russischen Offensive sprachen. Das Oberkommando der Wehrmacht ist durch diese Tatsachen… zu der Überzeugung gekommen, dass dieses, einer Mobilmachung praktisch gleichkommende Maß des russischen Aufmarsches an der deutschen Ostgrenze nur noch als Vorbereitung für russische Offensivmaßnahmen größten Umfangs gedeutet werden kann. Die Gefahr eines bewaffneten Konflikts rückt daher in bedrohliche Nähe.“
    [Hans-Günther Seraphim, Die deutsch-russischen Beziehungen 1939- 1941, S. 55 f.]

    Am 13. Juni 1941 meldet das Kriegstagebuch des OKW den Fortgang dieser russischen Truppenstationierungen: "Moskau: Umfangreiche Eisenbahntransporte von Rußland nach Baltikum. Russischer Marine-Attache Berlin bestätigt, dass Lieferungen für Kreuzer L in nächster Zeit in Rückstand bleiben würden. In Russland wachsende Unruhe." (Zit. n.Schramm, OKW, II, S. 404)

    9. Juni 1941 im Kriegstagebuch des OKW: "Vortrag LIL über Aufmarsch russischer Luftwaffe auf Grund von Bildern und Funkerkundung. In Grenzbezirken ca. 4000 Flieger, weiter rückwärts noch 1100 Flieger." (Zit. n. Schramm, OKW, II, S. 402)

    Hitler am 18. Juni 1941 an Rumäniens Staatschef Antonescu: "Das Verhalten Russlands, vor allem seine täglich zunehmenden Angriffsvorbereitungen, zwingen mich, in Kürze die Wehrmacht zur endgültigen Beseitigung dieser Bedrohung Europas einzusetzen."

    Was Hitler hier an einen fremden Staatschef schrieb, trieb ihn auch intern um, so am 19. Juni 1941: "Interne Besprechung: Botschafter Ritter 10.00 Uhr. Führer hat gestern Reichsaußenminister beauftragt, zu der Meldung OKW an Ausw. Amt letzten Appell zu liefern bis heute Abend. (Bedrohlichkeit des russischen Aufmarsches lässt weiteres Zögern nicht zu.)" (Zit. n. Schramm, OKW, II, S. 406)

    Am 14. Juni 1941 folgte dann die politische Rede Hitlers vor der Generalität, mit der er den Angriff begründete. Nach Erinnerung von Kesselring sagte er folgendes, wobei er besonders die gerade gemeldete Stationierung der großen Zahl russischer Flieger an der Grenze betonte:
    "Hitler erklärte ... dass der Ostfeldzug unvermeidlich sei, dass jetzt angegriffen werden müsse, wenn man sich einem russischen Angriff zur Unzeit entziehen wolle. Dabei wurden nochmals die Punkte in Erinnerung gebracht, die eine Freundschaft zwischen Russland und Deutschland auf die Dauer unwahrscheinlich erscheinen ließen, die nicht wegzuleugnenden ideologischen Gegensätze, die auf beiden Seiten beiseite geschoben, aber nicht beseitigt waren, die mobilmachungsartigen Maßnahmen an der Ostseeküste und der russischen Westgrenze, zunehmend aggressives Verhalten russischer Soldaten gegen die Bevölkerung in den Randgebieten, Kräfteverschiebungen in den grenznahen Raum, verstärkter und beschleunigter Aufbau der russischen Rüstungsindustrie usw. ... Die Dislokation der russischen Truppen mit starken Massierungen in der Mitte - davon allein im vorspringenden Bogen von Bialystok rund 50 Großverbände - ließ sowohl auf Angriffs- wie auf Verteidigungsabsichten schließen. Die im grenznahen Raum festgestellte Flieger-Bodenorganisation und ihre Belegung hatte dagegen einen ausgesprochen offensiven Charakter, sie enttarnte damit auch die russischen Heeresabsichten. Die These Hitlers, dass der Russe uns im ersten, ihm günstig erscheinenden Augenblick angreifen würde, hielt ich für indiskutabel richtig." (zit. n. Kesselring, Soldat, S. 113)

    Auch die Seekriegsleitung, die sich bisher gegen einen Russlandfeldzug ausgesprochen hatte, war nun von der Notwendigkeit eines Präventivkrieges überzeugt; Großadmiral Raeder hielt 1943 in einer Notiz fest:
    Zu diesem Zeitpunkt war es auch die Überzeugung der Skl, dass der Russlandfeldzug durchaus unvermeidlich sei, nachdem Stalin sich durch sein Verhalten (Baltenstaaten, Bessarabien, Jugoslawien, Bulgarien) als Erpresser erwiesen hatte. Etwa am 15.6 (sic!) legte der Führer in Anwesenheit aller höheren Wehrmachtsführer für die beabsichtigte Ostoperation bei einer etwa 1 ½ stündigen Tischrede in umfassenden, überzeugenden Ausführungen dar, dass der Ostfeldzug unvermeidlich sei und wir ihn deswegen vorbeugend und offensiv führen müssten, um zu vermeiden, dass der Russe uns zu einem späteren Zeitpunkt nach entsprechend längeren Vorbereitungen bei Bindung unserer Kräfte in anderen Räumen von hinten überrollen könnte.[Assmann, Die Seekriegsleitung und die Vorgeschichte des Feldzuges gegen Russland, IMT Bd. XXXIV, S.707.]

    Stattdessen liest man etwa im Bericht der Abteilung "Fremde Heere Ost" vom 25. Mai 1941 folgendes: "Die Tatsache, dass bisher weit günstigere Gelegenheiten eines Präventivkrieges (schwache Kräfte im Osten, Balkankrieg) von der UdSSR nicht ausgenutzt wurden, ferner das gerade in letzter Zeit fühlbare politische Entgegenkommen und festzustellende Bestreben der Vermeidung möglicher Reibungspunkte lassen eine Angriffsabsicht unwahrscheinlich erscheinen"
    Etwas früher am 15. März meinte man: "Teilmobilmachung und Aufschließen russischer Truppen zur Grenze ist Defensiv-Maßnahme und dient lediglich zur Verstärkung der Grenzsicherung"
    Aus den Lageberichte des Fremde Heere Ost (FHO) konnte man besorgniserregende Maßnahmen zur Kriegsvorbereitungen in der UdSSR erkennen. Diese Erkenntnisse kamen jedoch zu dem Schluss, dass kein Angriff der UdSSR zu befürchten sei. Das OKH (Oberkommando des Heeres) hat sich davon beeinflussen lassen und die gleiche Meinung vertreten. Das OKW (Oberkommando der Wehrmacht) hat im Gegensatz zum OKH diese Maßnahmen richtig gedeutet und kam aufgrund weiträumigerer Informationen zum Schluss, dass ein Präventivkrieg nun nötig sei.

    Lagebericht Nr.1 vom 15.3.1941 (Lagebericht der Abteilung "Fremde Heere Ost“):
    "Seit der erkennbaren Verstärkung unserer Kräfte im Osten wurden folgende russische Maßnahmen festgestellt und bestätigt:
    1. Durchführung einer Teil-Mobilmachung, im Zuge derer wahrscheinlich 4 Jahrgänge einberufen werden. Die Maßnahme ist zahlenmäßig nicht zu übersehen, da die Rote Armee seit 1 1/2 Jahren teilmobil ist...
    2. Truppenverlegungen aller Waffen aus dem Mil.Bezirk Moskau in Richtung Minsk-Smolensk sowie Marschbewegungen im Baltikum und in Richtung auf die deutsche Grenzen zeigen, dass die russischen Truppen z.Zt an die Westgrenze aufschließen.
    3. In größeren Städten finden Probe-Fliegeralarme und Verdunkelungsübungen statt; darüber hinaus ist für einzelne Städte völlige Verdunklung angeordnet.
    4. Die "Kriegspsychose" wächst. Die öffentliche Meinung spricht häufig, teils überheblich, teils sorgenvoll, vom bevorstehenden Kriege.
    Offiziersfamilien der grenznahen Gebiete wurden ins Landesinnere abgeschoben.
    Bewertung: Teilmobilmachung und Aufschließen russischer Truppen zur Grenze ist Defensiv-Maßnahme und dient lediglich zur Verstärkung der Grenzsicherung."

    Während der Lagebericht die sowjetischen Maßnahmen noch als „defensiv“ bewertet wird im Lagebericht Nr. 2 vom 20.März 1941 deutlicher von einem baldigen Ausbruch eines Krieges gesprochen:

    Lagebericht Nr.2 vom 20.März 1941 (Lagebericht der Abteilung "Fremde Heere Ost“):
    1. Im Baltikum laufen seit dem 10.3 allnächtlich Bahntransporte (8 bis 12 Züge)mit Infanterie und Panzern in Richtung Litauen, meist über Riga...
    2. Vor der Mitte der Ostfront (zwischen Grodno und Wlodawa)sind nach unbestätigten ersten Nachrichten neu aufgetreten(bis zu einer Tiefe von 250 km):
    4 Gen.Kdos.
    5 Div.
    1 mot.mech Brig. Bestätigung fehlt.
    3. Vor der Südfront (zwischen Wlodawa und Schwarzem Meer) sind nach unbestätigten ersten Nachrichten neu aufgetreten (bis zu einer Tiefe von 250 km):
    4 Gen.Kdos. { Masse davon zwischen Lemberg und Czernotwitz}
    7 Div.
    5.mot. mech. Brig...

    4. Nach unbestätigten Nachrichten hat sich Marschall Timoschenko am 15.3 zu Besprechung beim Stabe des Besonderen Baltischen Mil.Bezirks aufgehalten.
    Am 14. und 15.3 sollen bei Rigaer Truppenteilen Belehrungen stattgefunden haben, in deren Verlauf die Politischen Leiter wiederum offen geäußert haben sollen, dass es zu einem Krieg gegen Deutschland kommen wird.

    Lagebericht Nr.5 vom 13.6.1941 (Lagebericht der Abteilung „Fremde Heere Ost“):
    2."Seit 20.5. sind im Wesentlichen folgende Veränderungen eingetreten: Die Gesamtstärke der Roten Armee im europäischen Teil der UdSSR hat sich(...)auf 150 Schützendivisionen - 25 1/2 Kavalleriedivisionen - 7 Panzerdivisionen - 38 mot.-mech. Panzerbrigaden erhöht!(…)
    5. Stimmung. Beim Unterricht und bei Vorträgen innerhalb der Truppe wird diese auf die Möglichkeit eines Krieges gegen Deutschland vorbereitet. Die Stimmung der Truppe in den baltischen Ländern hat angeblich trotz erhöhter Propaganda außerordentlich nachgelassen…
    8.Starke bewegliche Gruppen in Südbessarabien und um Czernowitz unmittelbar an der Grenze in Verbindung mit Meldungen über weiteres Aufschließen an der unteren Pruth und Bereitstellung von Übersetzmaterial lassen örtliche Offensivvorstöße der Russen nicht unmöglich erscheinen(...)Im übrigen ist jedoch nach wie vor im großen gesehen, defensives Verhalten zu erwarten."

    Das AOK 18 hatte bereits am 13.März an Fremde Heere Ost gemeldet, es lägen Berichte von Rückwanderern aus Lettland über große Manöver im Baltischen Militärbezirk vor; diese Manöver, so die Berichte weiter, dienten zur Tarnung eines Aufmarsches gegen Deutschland, nach dessen Vollendung der Krieg ausbrechen würde.

    Am 4.April musste Fremde Heere Ost gegenüber Generaloberst Halder zugeben, die Stärke des russischen Heeres im europäischen Teil der Sowjetunion unterschätzt zu haben(Was bis zum 22.6.1941 mehrmals zugegeben wurde);Halder bemerkte dazu, dass die Japaner und Finnen dies schon immer behauptet hätten. Die Gesamtzahl der Verbände wurde jetzt auf 171 Schützendivisionen, 36 Kavalleriedivisionen und 40 mot. mech. Brigaden geschätzt.

    Die sowjetischen Truppenkonzentrationen fingen an, dem Generalstabschef des Heeres Kopfzerbrechen zu bereiten; am 6. April notierte er:" Russisch Gliederung: Auffallend die Zusammendrängung, in der Ukraine. Ein Angriff gegen Ungarn und die Bukowina wäre nicht unmöglich. Ich halte sie aber für völlig unwahrscheinlich".

    Halder war sich aber mit seinem Urteil keineswegs sicher, denn am folgenden Tag schrieb er: "Die russische Gliederung gibt zu Gedanken Anlass: Wenn man sich von dem Schlagwort freimacht, der Russe will Frieden und wird nicht von sich aus angreifen, dann muss man zugeben, dass die russische Gliederung sehr wohl einen raschen Übergang zum Angriff ermöglicht, der uns außerordentlich unbequem werden könnte."

    Bericht derselben Stelle von Mitte Mai (Lagebericht der Abteilung „Fremde Heere Ost“):

    2.(...) Vor der Südfont, besonders in Bessarabien ... einzelne Truppenteile näher an die Grenze herangeschoben, bei Czernowitz und Lemberg Fallschirmeinheiten festgestellt. An der Karparthenfront Funktätigkeit zugenommen. Vor der Mitte der Ostfront weitere Verstärkung westlich der Linie Grodno-Bialystok. Vor der Nordfront Heranschieben von Kräften ... in den Memelbogen.
    Ferner Osten: nach japanischen Nachrichten Mitte März -Ende April 20-30 Züge mit Material ( Panzer , Kampfwagen , Kfz. , Geschütze ) nach Westen .
    3. Einberufungen: Vorzeitige Einziehung des Rekrutenjahrgangs 1941. Gesamtzahl der schon mehrere Wochen andauernden Einberufungen wird z.zt. auf mindestens 500.000 Mann geschätzt. Durch dieses Verfahren ist u.U. eine öffentliche Gesamtmobilmachung nicht erforderlich.
    4. Umfangreiche Materialtransporte von Innerrußland nach dem Westen .
    5. Grenzschutz: Die Grenzüberwachung ist an vielen Stellen verstärkt und verschärft worden.
    6. Räumungsvorbereitungen: Die Räumung der 800m-Zone v.d. Zivilbevölkerung ist überall erfolgt. An der Ungarischen Grenze soll eine Zone von 15Km geräumt und um Bialystok die Bevölkerung dt.Abstammung nach Innerrußland gebracht werden. Aus Bessarabien und Nordbukowina Vorbereitungen zur Verlegung von Fabriken und Getreidevorräten nach Osten gemeldet.
    7. Stimmung: Im gesamten Grenzgebiet laufen Gerüchte um, untere Parteidienststellen und politische Kommissare reden selbstüberheblich vom bevorstehenden Krieg mit Deutschland.
    (…)

    Schon im März 1941, als sich die Nachrichten über eine starke Truppenverdichtung im Baltikum mehrten und von lettischen Offizieren, so von Oberst Pitis und Oberst Carlson, Äußerungen vorlagen, es würden große Manöver in der Nähe der deutschen Grenze stattfinden und der Krieg mit Deutschland würde anschließend beginnen, wurde erstmals ein "Überfall auf das Memelgebiet" nicht mehr "völlig für ausgeschlossen" sondern "für möglich gehalten". Der Chef der Generalstabes der 18.Armee gab vorbeugend befehl zum "Halten des Brückenkopfes von Tilsit", und er ließ dem 26 Armeekorps eine entsprechende Warnung zukommen. "Es ist möglich, dass der Russe wenigstens in begrenztem Ausmaße den Kampf durch Angriffe erörtert", so auch das Oberkommando der 16.Armee am 1.Mai und ähnlich das Kommando der Panzergruppe 3 am 30.Mai 1941: "Die schnellen russischen Verbände in unmittelbarer Grenznähe lassen es nicht unmöglich erscheinen, dass der Russe in eine deutsche Bereitstellung hineinstoßen will"

    Feindbeurteilung vom 20.5.1941 (Lagebericht der Abteilung „Fremde Heere Ost“):
    "Die Rote Armee steht mit der Masse der Verbände des europäischen Teils der UdSSR, d.h. mit rund 130 Schützendivisionen - 21 Kavalleriedivisionen - 5 Panzerdivisionen - 36 mot.-mech. Panzerbrigaden entlang der Westgrenze von Czernowitz bis Murmansk...Die Tatsache, dass bisher weit günstigere Gelegenheiten eines Präventivkrieges (schwache Kräfte im Osten, Balkankrieg) von der UdSSR nicht ausgenutzt wurden, ferner das gerade in letzter Zeit fühlbare politische Entgegenkommen und festzustellende Bestreben der Vermeidung möglicher Reibungspunkte lassen eine Angriffsabsicht unwahrscheinlich erscheinen... Grenznahe, zähe Verteidigung, verbunden mit Teilangriffen zu Beginn des Krieges und während der Operationen als Gegenangriffe gegen den durchgebrochenen Feind...erscheint aufgrund der politischen Verhältnisse und des bisher erkennbaren Aufmarsches am wahrscheinlichsten."

    Das Oberkommando des Heeres hat den Aufmarsch und die Stärke der Roten Armee unterschätzt. Diese Fehleinschätzung kam aufgrund mangelhafter Vorbereitung und der fehlenden Möglichkeiten, tief in das Sowjetreich Einblick zu bekommen von Fremde Heere Ost zustande, die nur anfangs nur spärliche Informationen zur Verfügung stellen konnten! Das erhebliche Fehleinschätzungen gemacht wurden, sieht man daran, dass dem Verfasser wohl die Spannungen zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion wegen des Jugoslawien-Konfliktes scheinbar unbekannt waren. Weiter ist zu bemerken, dass der Verfasser scheinbar keine Ahnung hatte, seit wann der sowjetische Aufmarsch schon ablief und wie lange er noch andauern würde. Das erklärt nämlich, wieso die Sowjets die „weit günstigere Gelegenheiten eines Präventivkrieges“ nicht genutzt haben: Sie waren dazu nicht in der Lage, weil ihr Aufmarsch noch nicht abgeschlossen war!

    Das Oberkommando der Wehrmacht hingegen - und dies vielleicht auch bedingt durch seinen weiteren Gesichtskreis - hatte aus den Aufklärungsergebnissen im Frühjahr wesentlich ernstere Schlüsse gezogen als das konkurrierende Oberkommando des Heeres. So richteten der Chef des Wehrmachtsführungsstabes des OKW, General der Artillerie Jodl, und der Chef des OKW, Generalfeldmarschall Keitel, zwischen April und Juni mehrere Schreiben an das Auswärtige Amt und an die Reichsregierung, in denen sie mit wachsender Besorgnis, endlich in fast beschwörendem Ton und mit "stärkstem Nachdruck"darauf aufmerksam, dass Sowjetrussland "den gewaltigsten militärischen Aufmarsch seiner Geschichte gegen Deutschland" vollziehe und "jeden Augenblick eine ungeheure sowjetische Truppenmacht"nach Westen in Bewegung setzten könne. (Siehe oben)

    Ich gehe aber davon aus, dass du es natürlich besser weißt als die Wehrmacht.
    Zunächst einmal ist Fremde Heere Ost nicht die Wehrmacht. Fremde Heere Ost war der Nachrichtendienst des Heeres, der mit unzureichenden Mitteln versuchte, irgendwelche Erkenntnisse in Russland zu gewinnen. Das OKW hat im Gegensatz dazu bessere Möglichkeiten gehabt und entsprechende Rückschlüsse gezogen. Siehe dazu oben.

    Galchin Gol und Nomonhan sind dasselbe. Das eine ist der russische, dass andere der japanische Name. Wir meinten schon dasselbe.
    Gut, dann wäre das ja geklärt.

    Der japanische Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion wurde nicht wegen der sowjetischen Stärke, geschweige den der Vernichtung der japanischen Streitkräfte unterzeichnet, sondern weil sich die Marinefraktion der eine Expansion nach SO vorschwebte, durchgesetzt hatte (im übrigen weil die Fraktion des kaiserlichen Weges durch den deutsch-russischen Nichtangriffspakt einen üblen Gesichtsverlust hinnehmen mußte).
    Du siehst offensichtlich nicht ein, dass das eine das andere bedingte. Nach zwei großen Niederlagen gegen die Sowjets wurde ein Kurswechsel durchgeführt, der im Frühjahr 1941 mit einem Neutralitätspakt mit der Sowjetunion endete. Von Japan drohte keine Gefahr mehr, daher konnte Stalin beruhigt seine Hauptmasse nach Westen verlegen.

    Stalin selbst nahm die Bedrohung eines 2Frontenkrieges recht ernst und hätte sich nicht auf irgendwelche Abenteuer eingelassen.
    Auch hier kommt deine Unwissenheit wieder hervor. Im Schukowplan steht über Japan kein Wort mehr und in den Plänen davor wird nicht mit einem japanischen Angriff gerechnet. Man stellte dort nur zweitrangige Truppen zum Schutz hin, während alle verfügbaren kampfkräftigen Truppen im Westen konzentriert wurden.
    Geändert von Neutraler (22.08.2007 um 20:11 Uhr)

  6. #176
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    Standard AW: Was war der Angriff auf die Sowjetunion?

    - Am 18. Dezember 1940 erteilte Hitler mit seiner Weisung Nr. 21 (Fall Barbarossa) den Befehl zum Angriff auf die Sowjetunion.
    Das ist korrekt, aber Weisung Nr. 21 war keine endgültige Entscheidung!

    Generaloberst Halder vertrat nach dem Krieg die Auffassung, dass erst nach dem Balkanfeldzug, also Ende April 1941, Hitler sich endgültig für den Feldzug gegen die Sowjetunion entschied, nachdem die feindselige Haltung Moskau unzweideutig zu Tag trat. Generaloberst Jodl sagte im Nürnberger Prozess aus, Hitler hat sich am 1.April für die Durchführung von Unternehmen „Barbarossa“ entschlossen. Der „Barbarossabefehl“, die „Weisung Nr. 21“ vom 18.Dezember 1940, stellte ja keine Definitive Entscheidung dar, sondern ordnete nur Vorbereitungsmaßnahmen an. Sehr wahrscheinlich hat Hitler in der Zeit zwischen dem Scheitern der Berliner Gespräche mit Molotow und dem Balkanfeldzug noch geschwankt, so dass es kaum möglich sein dürfte, eingenaues Datum für den definitiven Entschluss zur Durchführung von „Barbarossa“ anzugeben. Auf der Grundlage der vorhandenen Dokumente lässt sich nur sagen, dass die Entscheidung sich zwischen Ende November 1940 und Ende April 1941 herausgebildet hat, Am 29.April setze Hitler jedenfalls das Datum für den Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion vorläufig fest, den 22.Juni 1941. bei der Besprechung dieser Entscheidung beim Chef der Abteilung Landesverteidigung im Wehrmachtsführungsstab, Oberst Warlimont, wurde u.a. festgestellt:
    “Russischer Aufmarsch: Weiterhin starke Truppenverlegungen an die deutsch-russische Grenze.“

    Dokument 6:
    Aussage des Reichsmarschalls Göring vor dem Internationalen Militärgerichtshof am 15.März 1946.

    Wir erfuhren durch die engeren Beziehungen zu Jugoslawien sehr rasch die Hintergründe, die hinter dem Putsch des Generals Simowitsch auftauchten. Die Bestätigung bekamen wir kurze Zeit später, dass diese Unterrichtungen von jugoslawischer Seite richtig waren, nämlich, dass hier ein scharfes Einschalten einmal der russischen Politik als auch eine finanzielle Unterstützung dieses Unternehmens mit außerordentlichen Geldmitteln durch England vorlag ,wofür wir dann die Beweise fanden.
    ...Vor diesem jugoslawischen Simowitsch-Unternehmen wären vielleicht noch, obwohl Vorbereitungen getroffen waren, letzte Zweifel an der Notwendigkeit der Auslöser des Angriffs gegen Sowjetrussland zurückgestellt worden. Die klare Haltung und Zusammenhänge zwischen Belgrad und Moskau nahmen aber dem Führer die allerletzten Zweifel weg.

    Hans Günter-Seraphim, Die deutsch-russischen Beziehungen 1939-1941,Hamburg 1949 S.77

    - Ende 1940 begann der deutsche Aufmarsch für Barbarossa.(1)
    Das ist falsch:
    Mai-Juni 1940:
    UdSSR: 113 Divisionen und 28 mot.-mech. Brigaden
    Davon: 30 Div. gegenüber Rumänien und 18 bis 20 Divisionen, später 30 an der Grenze der baltischen Staaten.
    Deutsches Reich: deutsche Kräfte bis Juli 1940
    6 Sicherungsdivisionen an der ganzen Front (nach: Hillgruber: "Hitlers Strategie" und Halder: Ktb vom 6.6. und 25.6.1940).

    Mitte Juli 1940:
    UdSSR: 113 Divisionen und 28 mot.-mech. Brigaden
    Deutsches Reich: Im Juli 1940 wird die 18.Armee - 26 Divisionen - in den Osten verlegt
    Im Oktober 1940 folgt die 12.Armee. Sie wird zusammen mit der 18.Armee der Heeresgruppe B unterstellt, die nun über 33 Divisionen verfügt

    Januar-Februar 1941:
    UdSSR: 100 Schützendivisionen, 25 Kavalleriedivisionen, 30 mot. mech. Brigaden

    März-April 1941:
    Im März 1941 stehen 47 Divisionen im Osten des Reiches - und erst dann beginnt der Truppenaufmarsch für Barbarossa
    Den mehr als 150 sowjetischen Divisionen und 30 mot. mech. Brigaden standen am 23 April 1941 nur 56 Divisionen gegenüber.

    Mai-Juni 1941:
    Diese Zahl erhöhte sich bis zum 1.Mai auf 60, bis zum 14.Mai auf 72 und bis zum 5.Juni auf 93 Divisionen
    Erst im Juni wird das deutsche Ostheer mit der Zuführung von 12 Panzer- und 12 Motorisierten Infanteriedivisionen angriffsfähig.
    Die meisten Panzer- und mot. Divisionen trafen erst nach dem 14.Juni ein.

    Stichtag 22. Juni 1941:
    Sowjets: Grenznähe: mindestens 170 Divisionen der Ersten Strategischen Staffel, dabei 46 voll motorisierte Verbände. Dahinter marschierte die Zweite Strategische Staffel mit 7 Armeen und zwei mechanisierten Korps, die insgesamt 66 Divisionen umfassten. Dahinter wurden weitere 4 Reservearmeen gebildet.
    Reserven im August: 390 große Verbände, bei weitergehender Verstärkung

    Deutsche Verbände gesamt: 144 kampfkräftige Divisionen

    Nach zusammenfassenden sowjetischen Angaben verfügte Deutschland am 22.6.41 über 152 Divisionen und zwei Brigaden an der Ostfront (70% aller deutschen Kräfte)
    Am 22.6.1941 standen 3.05 Millionen deutsche 4.7 Millionen roten Soldaten gegenüber. Zu den 3.05 Millionen deutscher Soldaten kamen zeitweise bis zu 600.000 zweitklassige Soldaten der Verbündeten hinzu Die Heranführung neuer sowjetischer Kräfte setzt ab Mitte August 1941 mit 160 neu aufgestellten Divisionen ein.
    (Das deutsche Ostheer hat die von Anfang an gegebene zahlenmäßige Überlegenheit der roten Armee nie zu brechen vermocht)

    Quellen der Aufmarschdaten:
    Erich Helmdach: Überfall? Der sowjetisch-deutsche Aufmarsch 1941
    Werner Maser: Der Wortbruch – Hitler, Stalin und der Zweite Weltkrieg
    Walter Post: Unternehmen Barbarossa – Deutsche und sowjetische Angriffspläne 1940/41

    Zwischen Oktober 1940 und März/April 1941 hat sich Stärke des deutschen Ostheeres von 33 auf 47 Divisionen vergrößert, was wohl kaum als Aufmarsch gedeutet werden kann. Erst im April 1941 beginnt der eigentliche Aufmarsch für das Unternehmen Barbarossa.

    Im März 1941 notierte der Generalstabschef Halder in seinem Kriegstagebuch:

    „Die Frage der Sicherung des Ostens gegen ein russisches Prävenire tritt in den Vordergrund. Wir werden uns aber nicht zu voreiligen Maßnahmen verleiten lassen dürfen. Ich glaube nicht an eine russischen Initiative.“ (2)
    Halder war sich aber mit seinem Urteil keineswegs sicher, denn am folgenden Tag schrieb er: "Die russische Gliederung gibt zu Gedanken Anlass: Wenn man sich von dem Schlagwort freimacht, der Russe will Frieden und wird nicht von sich aus angreifen, dann muss man zugeben, dass die russische Gliederung sehr wohl einen raschen Übergang zum Angriff ermöglicht, der uns außerordentlich unbequem werden könnte."

    Die einzige Angst der deutschen Führung bestand also darin, dass Russland einen Präventivschlag führt!
    Wie lange hat das jetzt gedauert bis du das kapiert hast?
    Geändert von Neutraler (22.08.2007 um 20:12 Uhr)

  7. #177
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    Standard AW: Was war der Angriff auf die Sowjetunion?

    Zitat Zitat von Neutraler
    Jemand, der den Kampf will schickt nicht sechs Vermittlungsangebote an die Polen
    Die Verhandlungen um Danzig waren Hitlers Versuchsballon, Polen als Partner für den Feldzug gegen die Sowjetunion zu gewinnen. Als Polen ablehnte überfiel er es.

    Zitat Zitat von Neutraler
    Hitler in einem an Mussolini am 21.Juni 1941
    „Der Aufmarsch der russischen Kräfte - ich habe die letzte Karte durch General Jodl ihrem hiesigen Attaché, dem General Maras, vorlegen lassen - ist ungeheuer. Es sind eigentlich alle verfügbaren russischen Kräfte an unseren Grenzen... Ich bin daher nach einem ewigen Grübeln doch zu dem Entschluss gekommen, die Schlinge lieber vorzeitig zu durchhauen, ehe sie zugezogen werden kann.“
    Zit. n. Post, Unternehmen Barbarossa, S. 300
    Wann kapierst du endlich das Hitler lügt und hier seinen Angriff rechtfertigen will?

    Vorher sagt er zu Mussolini die Wahrheit:

    Aus der Aufzeichnung eines Gesprächs Hitlers am 4. Oktober 1940 mit Mussolini:

    "Die zweite Hoffnung Englands gründe sich auf Rußland [...] Er (der Führer) hielte es für ausgeschlossen, daß Rußland irgend etwas unternähme. Der Reichsaußerminster unterstrich diese Ausführungen und wies darauf hin, daß seiner Ansicht nach die Russen Angst vor Deutschland hätten und daß Stalin von sich aus nichts unternehmen würde, was der Duce ohne weiteres zugab."

    Quelle: Andreas Hillgruber, Staatsmänner und Diplomaten bei Hitler, München 1969, S. 108.

    Zitat Zitat von Neutraler
    Mochten die Aufklärungsergebnisse auf deutscher Seite auch noch mangelhaft sein, in den Lagemitteilungen des OKW fügten sie sich dennoch zu einem Gesamtbild von schon bedrohlichem Ausmaß zusammen.
    Quatsch, die Ansicht der deutschen Regierung gibt eine Notiz des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt Ernst von Weizsäcker sehr gut wieder, er notierte am 27. September 1940:

    „Ein Angriff Russlands aus uns ist nicht zu befürchten. Denn militärisch und als Regime ist es nicht stark genug.“

    Quelle: Leonidas Hill (Hrsg.), Die Weizsäcker-Papiere 1933-1950, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1974, S. 219.


    Zitat Zitat von Neutraler
    Auch die Seekriegsleitung, die sich bisher gegen einen Russlandfeldzug ausgesprochen hatte, war nun von der Notwendigkeit eines Präventivkrieges überzeugt;
    Quatsch, am 1. Mai 1941 schrieb die Seekriegsleitung in ihr Kriegstagebuch:

    „Aufruf Stalins und Ansprache Marschall Timoschenkos zum 1.5. lassen erkennen, dass die Sowjetunion mit allen Mitteln bestrebt ist, außerhalb des Krieges zu bleiben“

    Quelle: Andreas Hillgruber, Hitlers Strategie, Bonn 1993, S. 431.
    backward never.

    ignore: Lichtblau

  8. #178
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    Standard AW: Was war der Angriff auf die Sowjetunion?

    Die Verhandlungen um Danzig waren Hitlers Versuchsballon, Polen als Partner für den Feldzug gegen die Sowjetunion zu gewinnen. Als Polen ablehnte überfiel er es.
    Hitler hat zu keiner Zeit versucht, die Polen zu einem Feldzug gegen die Sowjetunion zu gewinnen. Er hat sie ja auch nicht gefragt. Das einzige, was von ihm kam war ein Angebot für den Beitritt zum Antikominternpakt. In den ersten Angeboten wurde noch der Antikominternbeitritt angeboten und als die Polen dies ablehnten wurde kein weiteres Angebot im Bezug auf diesen Pakt mehr abgegeben.

    Wann kapierst du endlich das Hitler lügt und hier seinen Angriff rechtfertigen will?
    Und wann kapierst du endlich, dass Hitler nicht gelogen haben kann, wenn er behauptet, dass die Russen mit allem, was sie haben, aufmarschiert sind? Das ist allein schon aus dem Grund richtig, weil die Russen mit allem, was sie hatten, aufmarschiert sind.

    Vorher sagt er zu Mussolini die Wahrheit:

    Aus der Aufzeichnung eines Gesprächs Hitlers am 4. Oktober 1940 mit Mussolini:

    "Die zweite Hoffnung Englands gründe sich auf Rußland [...] Er (der Führer) hielte es für ausgeschlossen, daß Rußland irgend etwas unternähme. Der Reichsaußerminster unterstrich diese Ausführungen und wies darauf hin, daß seiner Ansicht nach die Russen Angst vor Deutschland hätten und daß Stalin von sich aus nichts unternehmen würde, was der Duce ohne weiteres zugab."

    Quelle: Andreas Hillgruber, Staatsmänner und Diplomaten bei Hitler, München 1969, S. 108.
    Im Oktober 1940 versuchten Hitler und Ribbentrop die Russen zu Beitritt in den Kontinentalblock mit Deutschland, Italien, Japan und Deutschlands Verbündeten in Europa beizutreten. Mussolini, der schon das deutsche Stillhalten bei Stalins Finnlandfeldzug mit Missgunst sah, musste besänftigt werden. Hitler schrieb im März 1940 an Mussolini folgendes: "Wenn aber der Bolschewismus sich zu einer russisch-nationalen Staatsideologie und Wirtschaftsidee entwickelt, dann stellt er eine Realität dar, gegen die zu kämpfen wir weder Interesse noch einen Anlaß besitzen." Dieser Brief ist dem oben zitiert sehr ähnlich.
    Erst nachdem Molotow im November 1940 in Berlin war und die Gespräche scheiterten wurde Weisung Nr.21, die ja bekanntlich keine endgültige Entscheidung darstellte, herausgegeben. Der Aufmarsch zum Unternehmen Barbarossa begann erst im April 1940, einem Zeitpunkt, wo laut Göring und weiteren Militärbefehlshabern die endgültige Entscheidung zum Russlandfeldzug gefallen sein soll.

    Quatsch, die Ansicht der deutschen Regierung gibt eine Notiz des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt Ernst von Weizsäcker sehr gut wieder, er notierte am 27. September 1940:

    „Ein Angriff Russlands aus uns ist nicht zu befürchten. Denn militärisch und als Regime ist es nicht stark genug.“

    Quelle: Leonidas Hill (Hrsg.), Die Weizsäcker-Papiere 1933-1950, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1974, S. 219.
    Eine Notiz des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt Ernst von Weizsäcker vom 27.September 1940 (Siehe zu diesem Datum oben) gibt also die Sicht der deutschen Regierung wieder? Das ist das lächerlichste, was ich je gehört habe. Wie kann denn die Sicht eines Einzelnen von einem Tag im September 1940 die Sicht der deutschen Regierung wiedergeben und das zu einem Zeitpunkt, als bezüglich Russland alle Möglichkeiten noch offen standen, d.h. es wurde nicht mit einem russischen Angriff gerechnet, es gab keinen deutschen oder sowjetischen Aufmarsch sowie keine konkreten deutschen oder sowjetischen Angriffspläne (Stalin unterzeichnete erst am 5.Oktober einen Angriffsplan und Hitler am 18.Dezember 1940.) und stattdessen wurde über den Beitritt Russlands zu einem Kontinentalblock verhandelt. Die Sicht der deutschen Regierung habe ich bereits dargelegt. Als Zusammenfassung dienen diese Zitate aus dem entscheidenden Jahr 1941:

    Hitler ist der Initiator des Angriffsplanes auf die Sowjetunion. Er meint, dass ein Präventivkrieg gegen die UdSSR nötig sei, um nicht in eine Falle des stärkeren Feindes zu geraten.“ [Zit. n. Ueberschär, Angriff, S. 204]

    Adolf Hitler über die letzten Wochen vor dem deutsch-sowjetischen Krieg:
    "Meine Zwangsvorstellung im Lauf der letzten Wochen war, dass Stalin mir zuvorkommen könnte." [Zit.n. Scheil, Eskalation, S. 365]

    Quatsch, am 1. Mai 1941 schrieb die Seekriegsleitung in ihr Kriegstagebuch:

    „Aufruf Stalins und Ansprache Marschall Timoschenkos zum 1.5. lassen erkennen, dass die Sowjetunion mit allen Mitteln bestrebt ist, außerhalb des Krieges zu bleiben“

    Quelle: Andreas Hillgruber, Hitlers Strategie, Bonn 1993, S. 431.
    Die Seekriegsleitung hatte sich bisher aufgrund solcher Reden Stalins täuschen lassen. Diese Notiz ist eine Kurzfassung von Stalins Rede zum 1.Mai 1941 in der dieser wie schon seit dem Frühjahr 1941 versuchte, Friedfertigkeit vorzutäuschen. Kein Mensch, der Ahnung vom sowjetischen Aufmarsch und den sowjetischen Kriegs-und Offensivvorbereitungen hatte nahm ihm das noch ab. Siehe dazu die Warnung von Jodl und Keitel an die "Reichsregierung" und Hitlers Rede vor den Offizieren vom 14.Juni 1941 oder vom 15.Juni 1941, eben jener Rede, die angesprochen wurde.
    Als dann die unten geschilderten Fakten (hervorgehoben) auf dem Tisch lagen kam auch die Seekriegsleitung zu dem Fazit, dass ein Präventivkrieg notwendig sei. Wie üblich ist es dir nicht aufgefallen, dass es in solchen Fällen wichtig ist, auf die Daten zu achten:
    "Etwa am 15.6 (sic!) legte der Führer in Anwesenheit aller höheren Wehrmachtsführer für die beabsichtigte Ostoperation bei einer etwa 1 ½ stündigen Tischrede in umfassenden, überzeugenden Ausführungen dar, dass der Ostfeldzug unvermeidlich sei und wir ihn deswegen vorbeugend und offensiv führen müssten, um zu vermeiden, dass der Russe uns zu einem späteren Zeitpunkt nach entsprechend längeren Vorbereitungen bei Bindung unserer Kräfte in anderen Räumen von hinten überrollen könnte."

    MfG

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