Umfrageergebnis anzeigen: Wie werden wir mit einer "kranken Gesellschaft" fertig?

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  • weiterlaufen lassen, weil sie am besten funktioniert

    1 11,11%
  • endgültig kaputt gehen lassen "was fällt, soll man stoßen!"

    4 44,44%
  • sich von ihr isolieren, Separatismus, autarke Gemeinwesen

    2 22,22%
  • die globale Gesellschaft durch einen starken Weltstaat "in Zucht" nehmen!

    0 0%
  • die globale Gesellschaft durch eine sozialistische Weltrepublik liquidieren

    0 0%
  • eine Kombination aus mehreren Möglichkeiten

    1 11,11%
  • keine oder andere Meinung

    1 11,11%
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Thema: "Alles Mörder und Verbrecher!" - der Tod der Zivilgesellschaft!

  1. #1
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    Standard "Alles Mörder und Verbrecher!" - der Tod der Zivilgesellschaft!

    Vor einem Vielteljahrhundert habe ich anlässlich der nicht enden wollenden Kriege und des Staatsterrors in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens den Spruch "Alles Mörder und Verbrecher" geprägt - sogar auf Arabisch: kulluhum quttal wa mujrimûn :rolleyes: Es war in der Dritten Welt, dem Ostblock und dem Wesen eine Zeit der (noch) starken Staaten. Egal in welcher ideologischen Färbung - der Staat war immer präsent. Nur zu oft auch negativ. Ein Autor brachte es mit den Worten "the state as a terrorist" auf den Punkt.
    War nicht auch die Geschichte Deutschlands seit 1871 von starken Staaten und ihrem nur zu oft verbrecherischen Handeln geprägt worden? Ist Staat deswegen nicht ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko und sollte sich die Gesellschaft ohne ihn oder nur mit einem schwachen Staat organisieren?

    Schließlich ist die Liste derjenigen lang, die staatliche Macht für grauenhafte Verbrechen "nutzten":

    - Adolf Hitler
    - Saddam Hussein
    - der Ayatollah Chomeini
    - Josef Stalin
    - Mao Tse Tung
    - Pol Pot
    - Pinochet und seine rechten Diktatoren-Kollegen der 1960er bis 1980er Jahre in Lateinamerika
    - Ulbricht & Honecker und ihre Diktatoren-Kollegen im Ostblock
    - Enver Pascha (Völkermord an den Armeniern)
    - Idi Amin, der "Irre von Kampala" (Uganda)
    - Robert Mugabe, Neostalisnismus reloaded
    - die Kim-Dynastie in Nordkorea

    Angesichts des Terrors hypertropher Staatsapparate und Staatsideologien kam um 1990 das Konzept der Zivilgesellschaft auf. Es war eine Reaktion auf den Staatssozialismus, wo der Staat dem Bürger unmittelbar und absolut entgegentrat. Der Staat hatte alle gesellschaftlichen Instanzen - Unternehmen und Wirtschaft, Vereine, Vereinigungen und Parteien, Medien - an sich gerissen. So war es in der DDR nicht möglich, einen Verein zu gründen, wenn der Staat das nicht wollte. Schon der Besitz eines Eigenheims konnte als Hochverrat ausgelegt werden und man hatte es dem Staat zu übergeben :rolleyes:
    Ich selbst habe neben der DDR und einer Woche Leningrad solche etatistischen Systeme im Nahen Osten kennengelernt. Wo die Menschen teils verdeckt, teils auch offen sagten, dass diese Systeme Scheiße sind und sie sie satt haben. Damals gab es halt noch die Hoffnung auf Verbesserung durch Niederreißen despotischen Etatismus.

    Heute haben wir die Hoffnungslosigkeit germane

    In allen Welten hat der Einfluss des Staates und etatistischer Ideologien nachgelassen - im Westen durch den Neoliberalismus, der Staatssozialismus im Ostblock ist zusammengebrochen, China und Vietnam sind kapitalistisch, der Kommunismus in Afghanistan brach 1990 zusammen, das ideologisch dem Stalinimus nahestehende Baath-Regime im Irak 2003. Der ehemals die ganze Gesellschaft erfassende starke Staat in Israel hat sich aus Wirtschaft und Gesellschaft zurückgezogen und konzentriert sich ganz auf die Außenbeziehungen, Militär und Krieg.

    Wenn die Befürworter der Zivilgesellschaft Recht gehabt hätten, dann müssten wir heute alle herrlich und in Freuden leben. In einer Art anarchokapitalistischem Utopia

    Das Gegenteil ist der Fall! Gewalt und Repression sind nicht weniger geworden. Nur sind anstelle von Pinochet bis Assad senior an der Spizte ihrer Staaten greifbarer Urheber - "eine Bombe unter den Arsch!", sagte ein SPDler über Pinochet - viele nicht-staatliche und anonyme Urheber getreten. Im Irak musste 2003 ein Großverbrecher letztendlich nur Platz für viele kleine Verbrecher machen. Ist das vielleicht das "Bauprinzip" der liberalistischen Gesellschaft? Herrschaft und Repression ebenso brutal auszuüben wie Rote und Braune oder rotbraune (Baathisten) Verbrecher. Aber auf viele Instanzen verteilt und von daher für die Opfer nicht einmal mit einer "Bombe unter dem Arsch" greifbar.

    Anno 2008 spricht die ach so tolle Zivilgesellschaft jedenfalls vor allem so zu mir:

    - nicht enden wollende Hetzdiskurse in den mehrheitlich privaten Medien
    - Beleidigungen auf der Straße
    - Intrigen und abartiger Bürokratismus
    - pseudo-konservative Diskurse, wo verlogene Gemeinschaftlichkeit und falsche Bescheidenheit gepredigt wird
    - kaum verhüllter Zynismus ihrer ideologischen Schergen, die zum Beispiel ganz offen sagen, dass sie die Linkspartei als letzte Hoffnugn vieler Menschen korrumpieren wollen
    - sie verlangt das begeisterte Mitmachen und hält einen zugleich "draußen"
    - Totalitarismus jeder noch so abartigen und rückständigen Art ist eine feine Sache und seine Protagonisten vom Neonazi bis zum Macho-Schläger sind willkommen, solange sie sich an die Regeln des Systems halten und von ihm instrumentalisieren lassen
    - das hin- und herschieben oder Leugnen von Verantwortung dafür, dass alles so scheiße läuft, dass der nächste etatistische Ausbruchsversuch nur eine Frage der Zeit ist (siehe Renaissance der Linken in Lateinamerika)
    - das Abfeiern eines völlig recht- und einflusslosen Individuums als Ausgangs- und Endpunkt der Vergesellschaftung. Man ist allein für alles selbst verantwortlich und kann gerade dadurch nichts bewirken
    - Klassengesellschaft pur mit einer gut durchorganisierten Herrschenden Klasse an der Spitze, der eine Masse vereinzelter oder hilfloser Individuen gegenüber steht
    - dabei sind die Individuen ganz oben ebenso austauschbar wie die Masse. Es gibt in keinster Weise mehr eine bei einer Person festzumachende Verantwortlichkeit. Im Etatismus wurden Politiker gehasst, weil sie ihre Macht verbrecherisch nutzten, jetzt werden sie gehasst, weil sie die Hände in den Schoß legen und Verbrechern freie Bahn lassen
    - vor zwanzig Jahren hat mal jemand über eine arabische Despotie zu mir gesagt: "Das einzige was hier funktioniert, ist der Geheimdienst. Aber der tut es mit erschreckender Effizienz". Der Wechsel vom Etatismus zur "Zivilgesellschaft" hat dazu geführt, dass vieles heute schlechter funktioniert als vor zwanzig Jahren. Nur der Selbsterhalt des Systems und das so perfekte Neutralisieren von Gegenbewegungen funktionieren mit einer mittlerweile erschreckenden Effizienz.
    - Basis des Ganzen ist eine Kombination aus Überlebenskünstler und hinterlistigem Spießer. Spießer, weil er sein Umfeld autoritär kontrolliert und darauf achtet, dass sich alle so verhalten, wie sie sollen. Hinterlistig, weil es ihm da nicht um "Werte" geht, sondern darum, selbst gut da zu stehen, sogar gegenüber Menschen aus dem eigenen Umfeld einen Vorteil zu haben. Überlebenskünstler, weil selbst die Zeiten vorbei scheinen, wo der Spießer noch irgendwelche Werte vortäuschte. Jetzt geht es nur um das Überleben :rolleyes:
    - Last but not least hat ein arabisches Sprichwort den Schwindel der Zivilgesellschaft entlarvt. Da heißt es: "Ich gegen meinen Bruder. Ich und mein Bruder gegen meinen Cousin. Ich, mein Bruder und mein Cousin gegen den Rest der Welt."

    Was sollen wir da machen? Kapitulieren? Ach ja, das System nimmt keine Kapitulaition an, es verlangt freudiges und begeistertes Mitmachen, da wir ja alle zu nichts gezwungen werden.
    Die Irakis, die auch Angst vor seinen Killern Saddam Hussein hoch leben ließen, sind nur eine krasse Überzeichnung hiesiger Zustände, wo alle aus verinnerlichter, nicht mehr bewusster Angst oder Vorteilsstreben die Diskurse des Systems nachplappern. Die Klappe halten, nicht auffallen und Befehle ausführen haben als Überlebenstechniken ausgedient. Schließlich ist man nicht mehr einem mordlüsternen Tyrannen unterworfen, sondern frei

    Weil man vor der Freiheit nicht kapitulieren kann, muss man anders mit ihr verfahren. Fragt sich nur, wie.

    Neuauflage etatistischer Systeme wie dem Sozialismus in Lateinamerika?

    Vielleicht gleich einen Diktator für die ganze Welt, der aus der zum Irrenhaus gewordenen Zivilgesellschaft den Stecker zieht?

    Also Herrschaft von der gesellschaftlichen Ebene der KMK - Kleinen und Mittleren Kriminellen - zurück zur staatlichen Ebene der Großverbrecher verlagern?
    Abgesehen davon, dass man da vom Regen in die Traufe kommt, droht dann nach einigen Jahrzehnten wieder eine "Demokratiebewegung", die "Bürgerrechtler" machen mobil und der Zyklus zwischen Autoritarismus und Chaos geht in seine nächste Runde.
    Schließlich fragt sich, warum im 21. Jahrhundert irgendwelche neoroten Schergen - denn auf die würde es hinauslaufen - beim Strafgericht den Spaß alleine haben sollen. Um danach wie in der SU unter Stalin wieder auf die "Zuschauer" loszugehen :rolleyes:

    Läuft es nicht darauf hinaus, nach dysfunktionalen und repressiven etatistischen Systemen ebenso dysfunktionale und repressive Instanzen der Gesellschaft mitsamt ihren Rechtfertigungsideologien auf den Müllhaufen der Geschichte zu schicken. Wenn die Apologeten des status quo Konstruktion mit Zähnen und Klauen bekämpfen und da manches doch wieder nur ein Gefängnis mit Lager- oder Käfighaltung wäre, konzentriert man sich halt auf die Destruktion. Die Subversion um der Subversion willen. Ohne ein Ziel zu proklamieren, dass sich als die Grube erweisen würde, die man sich nicht zum ersten Mal selbst gegraben hat. "Macht kaputt was euch kaputt macht" reicht fürs Erste.

  2. #2
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    Standard AW: "Alles Mörder und Verbrecher!" - der Tod der Zivilgesellschaft!

    Zu den Umfragemöglichkeiten

    weiterlaufen lassen, weil sie am besten funktioniert

    "Keine Experimente", also. Das wäre nachvollziehbar, nur ist die globale Gesellschaft selbst ein Experiment und wir ihre Laborratten, die keinen Einfluss auf dessen Verlauf haben.

    endgültig kaputt gehen lassen "was fällt, soll man stoßen!"

    Es hat den Vorteil, dass man sich um nicht Gedanken zu machen braucht, außer im Formen der Destruktion, die weder amoralisch noch systemstabilisierend sind. Die Bombe im U-Bahnhof etwa ist amoralisch und systemstabilierend, den da rumlungernden Zombies zu sagen, dass sie alle Scheiße sind, mag als Destruktion und Subversion durchgehen

    sich von ihr isolieren, Separatismus, autarke Gemeinwesen

    Verständlich und den neu entdeckten Indianerstamm am Amazonas wollte auch keiner in die globale Gesellschaft aufnehmen :rolleyes: Nur wurde z. B. letztens im Königreich Bhutan im Himalaya, dass sich lange Zeit von der Welt isolierte, Marktwirtschaft und Demokratie eingeführt. Wie das kranke "Imperium" des Simon R. Green duldet auch die globale Gesellschaft keine Systemalternativen. Nur geht sie beim Exterminieren sehr viel geschickter und lautloser vor.

    die globale Gesellschaft durch einen starken Weltstaat "in Zucht" nehmen!

    Die "Zucht und Ordnung", welche die Instanzen der globalen Gesellschaft unablässig ihren Opfern - pardon Bürgern, Gläubigen, Marktteilnehmern - predigen wäre für sie selbst dringend nötig. Ein starker Staat und das kann nur ein Weltstaat sein, der all die Spekulationsbillionen des globalen Kapitalismus sinnvollen Projekten zuführt, Berufsmigranten die Hammelbeine langzieht und all den nutzlosen Apparatschiks von 200 nutzlosen Territorialstaaten ihre Macht nimmt. Wohlgemerkt, ohne sie allesamt zu enteignen oder abzuschlachten (darauf kommen wir später), sondern sie ins System zu integrieren und ihre "Gier" auf Felder zu lenken, wo sie anderen nicht mehr Leid zufügen können. Vielleicht sogar nützlich sind.

    die globale Gesellschaft durch eine sozialistische Weltrepublik liquidieren

    Kurz und Knapp: Rotchina von Pol zu Pol, vielleicht sogar mit föderalen Komponenten. Je nach Gemengelage warten dann die führenden Protagonisten der globalen Gesellschaft auf ihre Hinrichtung oder kein Hahn kräht mehr nach ihnen.
    Nur haben wir dann selbst bei "aus Fehlern lernen" der Roten wieder einen starken Staat und ein schwache Gesellschaft. Wird aus Fehlern nicht gelernt, haben wir dazu bei der ersten schweren Krise wieder Millionen Tote :rolleyes:

    eine Kombination aus mehreren Möglichkeiten

    das scheint mir verführerisch, aber entweder setzt man bei Kompromissen Prioritäten oder sie werden faul und wirkungslos

  3. #3
    INFOKRIEGER Benutzerbild von scanners
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    Standard AW: "Alles Mörder und Verbrecher!" - der Tod der Zivilgesellschaft!

    da wir nicht wirklich Einfluss haben, können wir es nur kaputgehen lassen.
    Der Egoismuß in den Menschen nimmt mit Höherem Einkommen und Macht proportional zu.

    Ein Einsehen haben Menschen die viel haben sehr selten.
    noch weniger wiedersprechen dem System, aufgrund der Angst vor Ausgrenzung oder liquidation.

    Ein nicht zu durchbrechender Kreislauf.

    Eine Weltregierung halte ich für die größte denkbahre Katastrophe.
    Egal welcher Außprägung.

    Die Kapital-Zins-Elite arbeitet ja gerade an dem Projekt weltregierung (sprich weltherrschaft.
    Mit einer Weltregierung hätten die Herren der Kapital-Zins-Elite endlich geschafft wovon sie geträumt haben. Unbegrenzte Macht.

    Soziale Nationalstaaten die friedlich koexistieren sollte das ziel sein.
    Das es dabei immer mal wieder Bösewichte gibt, halte ich für wahrscheinlich , ist für mich aber die bessere Alternative.
    denn der Mensch hat die Wahl und kann dern Standort ändern um seine Situation zu verbessern.
    www.wahrheitskrieg.de

    -------------------------------------------------------------
    Ignor: PeterH, pV

  4. #4
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    Standard AW: "Alles Mörder und Verbrecher!" - der Tod der Zivilgesellschaft!

    Bev, das war aber ein guter Stoff, den Du da geraucht hast!

    Sag mal, gehst Du eigentlich auch mal arbeiten?

  5. #5
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    Standard AW: "Alles Mörder und Verbrecher!" - der Tod der Zivilgesellschaft!

    Zitat Zitat von scanners Beitrag anzeigen
    da wir nicht wirklich Einfluss haben, können wir es nur kaputgehen lassen.
    Der Egoismuß in den Menschen nimmt mit Höherem Einkommen und Macht proportional zu.

    Ein Einsehen haben Menschen die viel haben sehr selten.
    noch weniger wiedersprechen dem System, aufgrund der Angst vor Ausgrenzung oder liquidation.

    Ein nicht zu durchbrechender Kreislauf.
    Er ist auch deshalb nicht zu durchbrechen, weil die Eliten viel Macht und Geld mit so gut wie keiner wirklichen, selbstreflektierenden Intellektualität verbinden. Dem Wahn der in ihre eigenen Gedankengebäuden verliebten "Führer" von Lenin über Mussolini bis zum Ayatollah Chomeini ist nicht die Vernunft, sondern die Bauerschläue prinzipienloser Opportunisten gefolgt.

    Zitat Zitat von scanners Beitrag anzeigen
    Eine Weltregierung halte ich für die größte denkbahre Katastrophe.
    Egal welcher Außprägung.

    Die Kapital-Zins-Elite arbeitet ja gerade an dem Projekt weltregierung (sprich weltherrschaft.
    Mit einer Weltregierung hätten die Herren der Kapital-Zins-Elite endlich geschafft wovon sie geträumt haben. Unbegrenzte Macht.
    Diese Art von Weltregierung haben wir schon längst. Letztens hat Helmut Schmidt in einem Interview gesagt, wenn Großbritannien und die USA (wohl eigentlich die Unternehmen dort, nicht die Staaten) als die Finanzplätze der Welt eine bestimmte Politik fahren, sind alle anderen dagegen machtlos.

    Es geht schon seit recht langer Zeit immer irgendwie um Weltordnung. Vielleicht haben wir (West-)Deutschen als deren größte Nutznießer so von 1950 - 1990 uns darum lange Zeit herumgelogen. Jetzt werden wir von der Wirklichkeit eingeholt, die etwa seit 500 Jahren über so schöne Dinge wie Sklavenhandel in die Weltordnung integrierten Afrikanern schon lange bekannt ist.

    Zitat Zitat von scanners Beitrag anzeigen
    Soziale Nationalstaaten die friedlich koexistieren sollte das ziel sein.
    Das es dabei immer mal wieder Bösewichte gibt, halte ich für wahrscheinlich , ist für mich aber die bessere Alternative.
    denn der Mensch hat die Wahl und kann dern Standort ändern um seine Situation zu verbessern.
    Die friedliche Koexistenz und das Eindämmen von Bösewichtern ist auch eine Art Weltordnung. Auf die ich einmal gehofft hatte - Reform des interntionalen Systems mit Nationalstaaten und Völkern als seinen Trägern. Nur wandern die Nationalstaaten durch den Fleischwolf der Globalisierung und können oder wollen gar nicht Ausgangspunkt eine besseren Welt sein.
    Geändert von Beverly (30.06.2008 um 09:30 Uhr)

  6. #6
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    Standard AW: "Alles Mörder und Verbrecher!" - der Tod der Zivilgesellschaft!

    Ich habe mich in der Umfrage für "eine Kombination aus mehreren Möglichkeiten" entschieden und das hauptsächlich aus der oft ernüchternden historischen Erfahrung heraus.

    "weiter laufen lassen, weil sie am besten funktioniert" ginge nur, wenn man im Rahmen des Systems noch Einfluss auf das Gesamtsystem - politische Partizipation - nehmen und sein eigenes Leben gestalten kann. Beides sehe ich so nicht mehr. Blinde Zufälle, entfremdete Eigendynamiken der Masse und die Intrigen irgendwelcher Klüngel bestimmen, was aus den Menschen und ihren Gesellschaften wird.
    Alle nicht-umstürzlerischen Veränderungsbestrebungen werden abgeblockt. Als Zonendödel durfte man noch einen hypertrophen Staat namens "DDR" stürzen, den ihr folgenden Krebs namens "Gesellschaft" soll man still leidend hinnehmen. Weil man ja selbst Teil dieses Krebsgeschwürs ist.
    Und man ist mal wieder beim Stoßseufzer einer Frau in der DDR in den 1980er Jahren angelangt: "Wenn sie uns nur ein bisschen mehr Freiraum geben würden." Wobei die Herrschenden in der DDR ihr System lieber gegen die Wand fuhren als diesen Freiraum zu schaffen. Weil wir heute alle frei sind, besteht von Seiten des Systems keine Notwendigkeit, uns irgendwelche Freiräume zu geben. Somit hat es sich für seinen eigenen Untergang entschieden. Und das ganz in der von ihm selbst propagierten Freiheit, denn es wurde ja von niemanden dazu gezwungen

    Da bleibt dem braven Bürger und der Bürgerin, die vielleicht nur Bürgergeld und Bürgerarbeit anstatt Hetze und Hartz IV wollte, eine funktionierende öffentliche Infrastruktur, ausländische Mitbürger anstelle krimineller und verlogener um den Globus vagabundierender Berufsmigranten, Deutschland und Coca Cola anstatt Deutschland gesponsort von Coca Cola und co. als braven und systemtreuen Bürger und Bürgerin nur die Wahl, den Wunsch des Systems nach seinem Untergang gehorsamst zu entsprechen. Und dabei mit zu helfen

    Stellt sich aber die Frage nach dem "danach", selbst wenn das jetzt angesichts der Totalität des Systems so utopisch sein mag wie die Frage nach dem Leben nach dem Tod.
    Da habe ich aus eigener Anschauung und den Berichten anderer das Scheitern von so vielen eindimensionalen Konzepten erlebt, dass ich da mit keinem mehr kommen möchte. Familie, Religion, die engere Heimat - diese konservativen Entitäten sind heute ebenso in die kranke, globale Gesellschaft integriert und Teil von ihr wie die "emanzipatorischen" Entitäten Linker resp. Libertärer. Die Welt ist voll von "Liberalen", die schlimmster Unterjochung das Wort reden und noch voller mit "Konservativen", die übelste Reaktion mit der konsequenten Inanstpruchnahme aller Wohltaten einer oft fragwürdigen Moderne vereinen.
    Da einen Aspekt herauszugreifen und von ihm eine Lösung zu erwarten, führt nur in das nächste zum Scheitern verurteilte holistische Experiment.
    Die Hände in den Schoß zu legen und sogar geistig nichts zu wagen, lässt einen allerdings zur Laborratte im laufenden holistischen Experiment werden.

    Deswegen ungeachtet aller Abstraktheit hier Aspekte eines konkreten Lösungsvorschlages:

    1. es gibt kein für alle Menschen geeignetes Gesellschaftsmodell, daher

    2. müssen verschiedene Modelle und Lebenswelten nebeneinander bestehen können

    3. die Menschen müssen sich im Zweifelsfall selbst aussuchen können, in welcher Gesellschaft sie leben

    4. es ist witzlos, auf ein "Ende der Geschichte" hinzuarbeiten, damit sind von Lenin bis Fukuyama etliche auf den Bauch gefallen. Man sollte sich lieber auf die Zustände in der Geschichte einigen, die beendet werden müssen - Großkriege mit Millionen Toten, hohe Kindersterblichkeit, demographische Expansion ...?

    5. Einheit der Menschheit (Weltstaat) und strikte Trennung in einzelne Gemeinwesen (kompromissloser Nationalismus) sind nur Extremformen ein und desselben Zustandes. Ein vereinheitlichter Weltstaat würde Ausdifferenzierung und Separatismus erleben, sich bis auf das Messer bekämpfende Nationalstaaten würden wider Willen oder bewusst ein ebenso totales, aber krankes, Weltsystem schaffen wie eine Weltregierung.
    Die Menschheit mit Gewalt einen zu wollen, würde Widerstand provozieren.
    Die Menschheit mit Gewalt zum ewigen Bruder- und Schwesterkrieg zu zwingen, provoziert ebenso Widerstand und den Wunsch nach dem Ende so eines Systems. Sollen sich doch China und die USA im Streit um die Taiwan-Frage im Atomkrieg vernichten, der Rest der Welt lässt dann die Champagnerkorken knallen

    6. Ein Projekt zur Menschheitsbeglückung sollte nicht mehr bei -mus - Sozialismus, Kapitalismus, Liberalismus, Faschismus, Fundamentalismus - ansetzen, sondern bei vollem Kühlschrank und "Leben und leben lassen". Und die Gegner von vollem Kühlschrank und "Leben und leben lassen" für einige Zeit wahlweise in Haiti (horrorkapitalistisch) oder Nordkorea (horrorsozialistisch) internieren.

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