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Thema: "Die Masken des Bösen" - was ist Totalitarismus?

  1. #1
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    Achtung "Die Masken des Bösen" - was ist Totalitarismus?

    Hier geht es mir darum, Apekte des Totalitarismus zu diskutieren und Missverständnisse auszuräumen. Weil beim Totalitarismus die "Erscheinung" - zum Beispiel das Dritte Reich - immer für das "Wesen" der Sache genommen wird. Während es in Wirklichkeit eine gigantische Kluft zwischen "Erscheinung" und "Wesen" gibt.

    Aspekte des Totalitarismus sind:

    Die Ideologie
    "Eine Ideologie ist für Totalitarismus unverzichtbar" schreibt Kiesewetter sinngemäß in "Von Hegel zu Hitler". Aber mit der Ideologie beginnt das erste und größte Missverständnis beim Totalitarismus. Die getäuschten Anhänger totalitärer Systeme und ihre erbitterten Gegner sehen in der Ideologie gleichermaßen die "Blaupause" für ein rücksichtslos mit aller verfügbaren Macht und Gewalt durzusetzendes Modell von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Das totalitäre System verstärkt diesen Eindruck noch, indem es alle marginalisiert oder verfolgt, die sich seiner Ideologie wiedersetzen. So glauben schließlich Freund und Feind, dass es um die Ideologie gehe. Den Sozialismus. Den Faschismus. Die Freiheit.

    Dabei spielt die Ideologie an sich keine Rolle
    Sie ist keine Vorlage für ein Gesellschaftskonzept, sondern dient der Durchsetzung konkreter Interessen der Nutznießer des Totalitarismus und der Bemäntelung der wahren Herrschaftsmechanismen.

    Die Nazis waren Antisemiten, weil sie auf die Güter und Positionen der Juden scharf waren. Die DDR frönte dem Enteignungswahn, weil die SED-Kader allen Bestiz unter ihre Kontrolle bringen wollten. Und was würde von Drittem Reich und DDR gleichermaßen übrig bleiben, wenn man die Staatsideologie entfernen würde? Richtig, die Herrschaft korrupter und machtgeiler Klüngel - mal auf ganz großer verbrecherischer Stufe (Nazis), bei der DDR dagegen eher "politische Kleinkriminalität".
    Unser heutiges System ist da IMHO nicht besser, allenfalls ehrlicher. Ideologien in der Art von Sozialismus oder Faschismus werden zwar abgekanzelt, dafür haben wir ein "Diskursgebräu" aus Sozialdarwinismus und Hedonismus. Dieser heute "herrschende Diskurs" will im Gegensatz zu seinen Vorgängern keine konkrete Blaupause für ein Gesellschaftsideal sein. Er hat nicht einmal einen richtigen Namen. Auf andere Weise wirkt er aber ebenso wie die totalitären Diskurse alter und veralteter Schule.

    Der Staat
    Totalitäre Systeme werden gerne als "totalitärer Staat" bezeichnet. Womir wir beim nächsten Missverständnis sind. Der Staat ist ein wichtiges, aber nicht das einzige Mittel totalitärer Herrschaft. Er ist aber nicht das totalitäre Sysem selbst. Totalitarismus zeichent sich gerade dadurch aus, dass er alle Lebensbereiche durchdringt. Also auch das Private und Nicht-Staatliche.
    Wenn nur Staatsangestellte Schergen totalitärer Herrschaft wären, müsste man um die einen Bogen machen oder vor ihnen katzbuckeln, hätte aber sonst seine Ruhe. Fehlanzeige! Im totalitären System ist auch das Private politisch Familie und Verein sind gleichermaßen vom Totalitarismus durchdrungen, wie etwa staatliche und öffentliche Instanzen. Es mag sogar sein, dass gesellschaftliche Instanzen beim Weitertragen objektiv totalitärer Diskurse eifriger sind als der Staat.

    Repression und Gewalt
    Gern werden Repression und Gewalt mit Totalitarismus gleich gesetzt. Sie sind aber wie der Staat eher Mittel des Totalitarismus als dieser selbst. Eine Reise durch eine Diktatur hat mich sogar davon überzeugt, dass auch ein überbordender Staat, der vor Gewalt und Unterdrückung nicht zurückschreckt, nicht automatisch totalitär ist. Im Gegenteil: ein repressiver Staat mag sogar daran scheitern, einen Totalitarismus zu errichten. Alle halten zwar die Klappe und durcken sich, aber haben noch immer nicht gleichgeschaltete Refugien. Man sagt zwar nichts gegen das System und seine Herrscher, man sagt aber auch nichts Positives über sie. Jubel wird vom Staat inszeniert und jeder weiß, dass er nicht echt ist.

    Dauerhaftigkeit
    Die Nazis prahlten damit, dass ihr Reich tausend Jahre dauern würde. Die 1000 Jahre waren schon nach 12 Jahren um. Über die stalinistischen Tyranneien schrieb zu Zeiten des Kalten Krieges jemand verzweifelt, dass die Völker da unter das Joch von Tyranneien kämen, die sie nicht wieder loswerden würden. Nun ja, die Sowjetunion bestand 74 Jahre, die DDR gab es 40 Jahre und Rotchina machte es als sozialistischer Staat auch nicht viel länger.
    Verglichen mit den Jahrhunderte oder gar Jahrtausende währenden Gemeinwesen früherer Epochen sind gerade die "harten", etatistischen und repressiven Totalitarismen erstaunlich kurzlebig. Wer ihren Schergen entkommt, hat gute Chancen, sie doch noch zu überleben. Was ein weiteres Indiz dafür ist, dass ihre Ideologien keine Vorlagen für auf Dauer angelegte Gemeinwesen sind.

    Ein konkretes totalitäres System - Drittes Reich, Sowjetunion - mag kurzlebig sein, totalitäre Struktuen an sich sind es nicht! "Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das einst kroch!" hieß es nach dem Zusammenbruch des Nazi-Reiches. Weil die "Erscheinung" zugrunde geht, aber das Wesen bleibt. Zum Wesen des Totalitarismus gehören

    Die Herrschaft verbrecherischer Cliquen
    Hitler und seine Paladine, Honecker und die WG von Wandlitz, "Saddam und seine Bande", Skulls & Bones und die [Links nur für registrierte Nutzer] - immer sind da an der Spitze und den unteren Rängen, im Licht der Öffentlichkeit und im Verborgenen irgendwelche Kleingruppen, Klüngel, Netzwerke und Banden am Werk. Manchmal haben sie einen alles beherrschenden Bandenchef - einen "Führer" oder "Großen Vorsitzenden" -, aber der ist nicht zwingend notwendig. Er kann sogar lästig werden, wenn er wie Stalin beim Morden nicht einmal vor seinen Spießgesellen Halt macht. Wer wirklich im totalitärem System herrscht und wem seine Herrschaft nützt, sorgt stets für Kopfzerbrechen.

    Zwiedenk und Entenquak
    Bei dem Versuch, die totalitären Diskurse unserer Zeit zu verstehen und ihnen z. T. sogar gerecht zu werden, habe ich mir nur Kopfschmerzen und Frustrationen eingehandelt. Egal ob Christentum oder Liberalismus, Nationalismus oder Sozialismus durch den Fleischwolf des Totalitarismus gedreht werden - es kommt immer Unsinn heraus. Besondere Merkmale:
    - Den Normen totalitärer Ideoligien kann kein Mensch gerecht werden. So fordern Liberale, man solle aus eigener Kraft sein Leben meistern und sie fördern zugleich ein System, in dem das den meisten Menschen nicht möglich ist. Im Christentum ist man durch die Erbsünde schuldig, im Liberalismus ist man schuldig, weil man stets arbeitslos und pleite ist.
    - Totalitäre Diskurse ergeben letztendlich keinen Sinn. Es ist eine Qual, "Mein Kampf" zu lesen und ebenso sollen zu DDR-Zeiten die Leitartikel des Neuen Deutschlands eine Qual gewesen sein. Bei "Testing Monetarism" habe ich nichts verstanden, weil es da nichts zu verstehen gibt Wer Kader eines totalitären Systems sein will, sollte tunlichst vorher sein Gehirn entsorgen. Denken stört nur

    Damit sind wir bei

    Ja-Sagern und Wendehälsen
    Der opportunistische Intellektuelle und der hinterlistige Spießer sind die Quellen, aus denen jeder Totalitarismus schöpft. "Überzeugungstäter" spielen nicht die Rolle, wie Apologeten und Gegner totalitärer Systeme gleichermaßen glauben. Irgendwann bleibt entweder die Überzeugung auf der Strecke oder man wendet sich vom System ab.
    Angesichts der Unbeständigkeit einer konkreten totalitären Formation sind für seine Kader zwei Dinge wichtig:
    1. So lange das System besteht, es unermüdlich schön zu reden und zu rechtfertigen.
    2. Wenn das System zusammengebrochen ist, die damals vertretene Ideologie sofort vergessen und eifrig die neue Ordnung rechtfertigen. So wurden aus "überzeugten" Nazis der NSDAP und überzeugten Sozialisten der SED mit gleicher Schnelligkeit "überzeugte" Demokraten der BRD
    So wie sie in ihrer Erscheinungsform als Nazis und Stalinisten Drittes Reich und DDR gegen die Wand gefahren haben, werden die Wendehälse auch die BRD kaputt kriegen :rolleyes:
    Der uferlosen Menschenverachtung der Nazis und dem Unfug der DDR mit Stilblüten wie "Jetzt, wo wir mit der Mauer unser Volk eingesperrt haben können wir endlich den Sozialismus aufbauen" folgt ein weichgespülter Sozialdarwinismus und das Abfeiern der Globalisierung. Bis auch da Ende im Gelände ist und unsere stets willigen Neubekehrten das Neugroßdeutsche Reich, das Kalifat Absurdistan oder den zehnten Kreuzzug rechtfertigen.

    Denn

    Es gibt keine Alternative
    Das "Andere" als Gegenpol, Wahlmöglichkeit oder positive Kraft ist in totalitären Diskursen völlig ausgeblendet. Ein totalitäres System ist Zeit seines Bestehens immer alternativlos und erlaubt den von ihnen Unterjochten auf keiner Stufe, sich für etwas anderes zu entscheiden. Der Ostblock musste seine Opfer noch einmauern, um ihnen die Wahl für den Westen fast unmöglich zu machen. Der siegreiche Westen hat dafür gesorgt, dass es auf dem ganzen Planeten keine Alternative zu ihm gibt.
    Das Andere gibt es nur als

    Feindbild
    Die Stalinisten wollten dem Menschen glauben machen, sie seien die Zukunft und der Kapitalismus werde untergehen. Die Kapitalismus-Apologeten unserer Tage reagieren mit nicht mehr zu überbietender Borniertheit auf sozialistische Bestrebungen in Lateinamerika. Das Andere ist stets das Schlechte, das jüdischbolschewistischliberalkapitalistische Böse. Die Verblendung totatlitärer Diskurse zeigt sich darin, dass Andere nie mit zu denken. Dabei erzeugen sie es nur zu oft selbst in Gestalt diverser Anti-Bewegungen: einst Anikommunismus und Antifaschismus, heute Sozialismus in Lateinamrika.

    Ideologie des Kampfes
    Die Nazis vertraten offen einen brutalen und menschenverachtenden Sozialdarwinismus. Der Film "Napola - eine Elite für den Führer" legt nahe, dass sie sogar bei der Ausbildung ihrer Kader Todesfälle bewusst in Kauf nahmen. Auch in den eigenen Reihen sollten die Schwachen aussortiert werden.
    Frage mal einen Liberalen, wie es mit einem Leben ohne materielle Not und unnützen Zwang aussieht und dir werden bei der Antwort die Augen übergehen. Weil es das auch im Liberalismus nicht gibt X( ! Der liberale Sozialdarwinismus mag feinsinnger sein als grobschlächtige braune Variante - es ist aber auch eine Ideologie des Kampfes. Sogar der Sozialismus verherrlicht als "Klassenkampf" den Kampf, anstatt seinen Sinn zu hinterfragen.

    Keine äußeren Feinde
    Der Totalitarismus braucht Feindbilder und den Kampf, aber er braucht eines nicht: ernsthafte und gleichwertige äußere Feinde! Schließlich währte das Tausendjährige Reich vor allem deshalb so kurz, weil die Nazi-Führung ihre Feinde nicht ernst genommen und fälschlicherweise als minderwertig betrachtet hat. Der Stalinismus ging daran zugrunde, dass er den Kapitalismus als das ältere und schlechtere System angesehen hat, alldiweil viele im Osten den Lebensstil des Westens ihrer eigenen Tristesse vorzogen. Der Kapitalismus widerum hat aus diesen Fehlern gelernt - er hat seine Feinde eliminiert und dafür gesorgt, dass es nach 1990 auf der Welt fast ausschließlich kapitalistische Länder gibt.
    Witzfiguren mit langen Bärten dienen derweil als Feindbild und für den gehobenen Anspruch gibt es noch den Sozialismus in Lateinamerika zum Aufregen. Nichts, was eine Bedrohung für das System ist.

    Bürokratie
    Kein totalitäres System ohne Aktenberge, unsinnige Gesetze, Heerscharen von Beamten und Sachbearbeitern? Bei den etatistischen Varianten nervt die staatliche Bürokratie, aber es geht ebenso mit Abmahn-Anwälten. In der DDR enteignete man Kleinunternehmen, in der BRD laufen sie Gerüchten zufolge Gefahr, in Rechtsstreitigkeitigkeiten mit nicht mehr zu tragenden Kosten verwickelt zu werden. Für alles gibt es Gesetze und Vorschriften und immer wieder sind Gebühren zu entrichten. Die in der - staatlichen und privatwirtschaftlichen - Bürokratie Tätigen sind eine wichtige Basis des Totalitarismus und sie selbst ein wichtiges Herrschaftsmittel.

    Angst!
    Angst vor dem Zorn Gottes
    Angst vor der Gestapo
    Angst vor der Stasi
    Angst vor der Kündigung
    Hegel soll die Angst als wichtige Triebkraft gesellschaftlicher Prozesse angesehen haben und im Totalitarismus ist sie das. Weil Angst dumm macht. Weil Angst lähmt. Weil Angst manipulierbar macht.

    Hoffnungslosigkeit
    "Ein anderes System wird es nicht geben!" Das ist die zentrale Maxime aller Protagonisten totalitärer Diskurse. Sie wird ergänzt durch: "Auch nach einem Umsturz gibt es keine Verbesserung."

    Verzweiflung
    Nun sind in der Tat viele Umstürze keine Verbesserungen gewesen. Manchmal sogar drastische Verschlechterungen. Aber die Protagonisten des Totalitarismus treiben die Menschen so lange zur Verzweiflung, bis sie doch zum x-ten Mal den Umsturz wagen. Vielleicht hat man bei den 198776 Umstürzen vorher in der Menschheitsgeschichte immer etwas falsch gemacht. Man hätte die Wendehälse nicht in die neue Ordnung integrieren, sondern aufhängen sollen :rolleyes: Man hätte das Konzept von "neuer Ordnung" grundlegend überdenken sollen. Man hätte das Heil nicht in einem neuen System, sondern keinem System mehr suchen sollen. Vielleicht war die Menschheit bei den 198776 vorherigen Versuchen noch nicht weit genug entwickelt und der 198777. Versuch bringt den Durchbruch.
    Oder vielleicht begehren die Menschen irgendwann nur auf, weil sie ohne Hoffnung auf Besseres ihre bisherigen Peiniger tot sehen wollen Denn irgendwann kommt für alle Verbrecher der [Links nur für registrierte Nutzer]
    Geändert von Beverly (16.03.2009 um 12:19 Uhr)

  2. #2
    Mitglied Benutzerbild von Humer
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    Standard AW: "Die Masken des Bösen" - was ist Totalitarismus?

    Es sitmmt schon, auch der Kapitalismus ist totalitär. Äußere Gewalt ist zu seiner Aufrechterhaltung nicht nötig. Bist jetzt sind die meisten Bürger mit diesem System einverstanden, es grummelt zwar im Volk angesichts der Krise, aber was anderes will es nicht. Das mag daran liegen, dass wie in einer verabredeten Medien-Aktion seit Jahrzehnten jede Diskussion über das Wirtschaftsystem unterdrückt wird. Das ist totalitär zu nennen, es fehlt aber die Steuerzentrale für den Vorgang. Ich kann nicht erklären wie das funktioniert. Die DDR hätte erfunden werden müssen, hätte es sie nicht gegeben, denn sie dient bis heute als abschreckendes Beispiel. Wollt ihr wie in der DDR leben ? Nein, dann weiter so wie gehabt ! Das Totale ist der Anspruch auf Alternativlosigkeit, Du sagst es ja.

    Die Frage, wie wollen wir in 10 , 20, 30 Jahren leben, erscheint heute sinnlos, weil wir nicht wissen wie ES sich entwickelt. Es wäre aber eine Frage, die in jeder Hinsicht berechtigt ist. Wir haben uns ausgeliefert und halten das für Realismus.
    Parole: Reich ins Heim- Mitglied der Linksfraktion

  3. #3
    Autonomer Consul Benutzerbild von Gawen
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    Standard AW: "Die Masken des Bösen" - was ist Totalitarismus?

    Zitat Zitat von Beverly Beitrag anzeigen
    Hier geht es mir darum, Apekte des Totalitarismus zu diskutieren und Missverständnisse auszuräumen. Weil beim Totalitarismus die "Erscheinung" - zum Beispiel das Dritte Reich - immer für das "Wesen" der Sache genommen wird. Während es in Wirklichkeit eine gigantische Kluft zwischen "Erscheinung" und "Wesen" gibt.

    Aspekte des Totalitarismus sind:

    Die Ideologie
    "Eine Ideologie ist für Totalitarismus unverzichtbar" ...

    Der Staat
    Totalitäre Systeme werden gerne als "totalitärer Staat" bezeichnet. ...

    Repression und Gewalt

    Dauerhaftigkeit
    Die Nazis prahlten damit, dass ihr Reich tausend Jahre dauern würde. ...

    Die Herrschaft verbrecherischer Cliquen
    Hitler und seine Paladine, Honecker und die WG von Wandlitz, "Saddam und seine Bande", Skulls & Bones ...

    Zwiedenk und Entenquak
    Bei dem Versuch, die totalitären Diskurse unserer Zeit zu verstehen ...

    Ja-Sagern und Wendehälsen
    Der opportunistische Intellektuelle und der hinterlistige Spießer sind die Quellen, aus denen jeder Totalitarismus schöpft. ...

    Es gibt keine Alternative
    Das "Andere" als Gegenpol, Wahlmöglichkeit oder positive Kraft ist in totalitären Diskursen völlig ausgeblendet. ...

    Feindbild

    Ideologie des Kampfes
    Die Nazis vertraten offen einen brutalen und menschenverachtenden Sozialdarwinismus. ...

    Keine äußeren Feinde
    Der Totalitarismus braucht Feindbilder und den Kampf, aber er braucht eines nicht: ernsthafte und gleichwertige äußere Feinde! ...

    Bürokratie
    Kein totalitäres System ohne Aktenberge ...

    Angst!
    Angst vor dem Zorn Gottes
    Angst vor der Gestapo ...

    Hoffnungslosigkeit
    "Ein anderes System wird es nicht geben!"...

    Verzweiflung
    Trifft doch voll auf unseren real existierenden Demokratismus zu...

    Die Ideologie: Multikulti macht alle froh!

    Der Staat: Wir sind eine "wehrhafte Demokratie", die sich zur Verteidigung ihrer Selbst abschafft...

    Repression und Gewalt: Alles rechts der Global-Multikulti-Blockparteien ist böse und muß verfolgt werden im "Krampf gegen rechts"...

    Dauerhaftigkeit: Fukuyamas "Ende der Geschichte"

    Die Herrschaft verbrecherischer Cliquen: Kinderfickende 68er als Vordenker

    Zwiedenk und Entenquak: Überwachung ist Freiheit

    Ja-Sagern und Wendehälsen: Rote (möchtegern Anti-)Faschisten jagen straflos Anderdenkende, die Demokratte schweigt...

    Es gibt keine Alternative: Ohne Multikulti ist alles böser Rassismus

    Feindbild: Jeder der Darwin lesen kann und das Modell der allopatrischen Evolution versteht und befürwortet

    Ideologie des Kampfes: Die Demokratur muß sich um jeden Preis an Freiheitsverlust gegen ihre Feinde verteidigen

    Keine äußeren Feinde: Die Atomwaffen der NATO stabilisieren das System

    Bürokratie: Aktenberge und sinnbefreite Regelungen allüberall

    Angst!: Ohne unsere Blutsauger geht uns das Blut-Geld aus

    Hoffnungslosigkeit: "Ein anderes System darf es nicht geben!"...

    Verzweiflung: Führt zu Kinderlosigkeit


    Zur Theorie der totalitären Demokratur siehe Jakoc Leib [Links nur für registrierte Nutzer], The Origins of Totalitarian Democracy und Political Messianism: The Romantic Phase.
    Geändert von Gawen (16.03.2009 um 21:40 Uhr)

  4. #4
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    Standard AW: "Die Masken des Bösen" - was ist Totalitarismus?

    Zitat Zitat von Gawen Beitrag anzeigen
    Zur Theorie der totalitären Demokratur siehe Jakoc Leib [Links nur für registrierte Nutzer], The Origins of Totalitarian Democracy und Political Messianism: The Romantic Phase.
    Das legt nahe, dass Totalitarismus nicht erst mit Bolschewismus und Faschismus begann. Aber ist nicht letztendlich "totalitäre Demokratie" ein Widerspruch in sich selbst? Weil eine wirkliche Demokratie die gesamte Bevölkerung in das System integriert und damit hat man immer Widerspruch, konträre Meinungen und Vielfalt - also dem Totalitarismus entgegen stehende Dinge.
    Daraus schließe ich, dass totalitäre Demokratie Teile der Bevölkerung aussperrt oder vielleicht sogar einsperrt :rolleyes: - Parteien, Wahlen und Parlamente sind also nur Sache eines Teils der Bevölkerung, vielleicht sogar nur einer Minderheit. Nun ja, die Geschichte bürgerlicher Systeme in 19. Jahrhundert legt so etwas nahe, aber ich kann mir für die damalige Zeit beim besten Willen nicht jene Durchdringung der Gesellschaft und der Hirne vorstellen, wie es sie heute gibt.

  5. #5
    Autonomer Consul Benutzerbild von Gawen
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    Standard AW: "Die Masken des Bösen" - was ist Totalitarismus?

    Zitat Zitat von Beverly Beitrag anzeigen
    Aber ist nicht letztendlich "totalitäre Demokratie" ein Widerspruch in sich selbst? [...] Daraus schließe ich, dass totalitäre Demokratie Teile der Bevölkerung aussperrt oder vielleicht sogar einsperrt :rolleyes:
    Sperrt unsere "wehrhafte" Demokratur der "Kämpfer gegen Rechts" ihre Feinde weg?

    Ja, das tut sie, verbotene Meinungsäußerungen genügen, denn bekanntlich ist ja der "Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen"...


    Die alte Rosa Luxemburg müßte inzwischen so etwa auf 10.000 Umdrehungen pro Minute in ihrem Grab sein.


    Freiheit ist immer Freiheit der anders Denkenden, sich zu äußern
    (Rosa Luxemburg)


    Diese elementare Freiheit ist bei uns schon unter die Räder gekommen.

  6. #6
    GOTT MIT UNS Benutzerbild von McDuff
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    Standard AW: "Die Masken des Bösen" - was ist Totalitarismus?

    Das was Angie in ihrer leisen und geduldigen Art webt wie eine Spinne ihr Netz, daß ist Totalitarismus.
    "Bund der Kaisertreuen"

  7. #7
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    Standard AW: "Die Masken des Bösen" - was ist Totalitarismus?

    Zitat Zitat von Beverly Beitrag anzeigen
    Das legt nahe, dass Totalitarismus nicht erst mit Bolschewismus und Faschismus begann. Aber ist nicht letztendlich "totalitäre Demokratie" ein Widerspruch in sich selbst? Weil eine wirkliche Demokratie die gesamte Bevölkerung in das System integriert und damit hat man immer Widerspruch, konträre Meinungen und Vielfalt - also dem Totalitarismus entgegen stehende Dinge.
    In diesem strengen Sinne gibt es gar keine Demokratie, denn faktisch-quantitätsbezogen herrschen ja NIE alle gemeinsam, finden ja NIE Entscheidungen einstimmig statt, sondern herrschen IMMER nur (wechselnde) Teile, selbst bei noch so partizipativer Ausgestaltung.
    Eine wirklich Demokratie wäre eine identitäre, eine, in der eine wirkliche Deckungsgleichheit zwischen Herrscher und Beherrschtem bestünde.
    Damit das möglich ist, kommt man gar nicht darum herum, das Volk anders zu verstehen als als Summe seiner Einzelteile.
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  8. #8
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    Standard AW: "Die Masken des Bösen" - was ist Totalitarismus?

    Zitat Zitat von McDuff Beitrag anzeigen
    Das was Angie in ihrer leisen und geduldigen Art webt wie eine Spinne ihr Netz, daß ist Totalitarismus.


    Sie hat schließlich ihre Lehrjahre in der DDR absolviert und liefert zusammen mit ihren Spießgesellen von der SPD mit dem Neuen Deutschland ihr Meisterstück ab. Sozusagen von DDR I (klein) zu DDR II (groß) mit verblüffenden strukturellen Parallelen:

    1. Nazis - in der DDR I im Verborgenen, in der DDR II ganz offen.
    2. Die große Gruppe der bürgerlichen Spießer - in der DDR I dominierten sie die Gesellschaft sehr stark, aber nicht die offiziellen Diskurse. In der DDR II sind sie in der Gesellschaft weniger dominierend, aber dafür beherrschen sie die Diskurse.
    3. Eine korrupte, opportunistische und verlogene Linke, deren "Schulen" objektiv die Schule für kleine und mittlere Verbrecher war. In der DDR I stellte sie die Herrscherkaste, in der DDR II dienen sie als Büttel und Schergen gegen die kleinen Leute.

  9. #9
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    Standard AW: "Die Masken des Bösen" - was ist Totalitarismus?

    Zitat Zitat von Sauerländer Beitrag anzeigen
    In diesem strengen Sinne gibt es gar keine Demokratie, denn faktisch-quantitätsbezogen herrschen ja NIE alle gemeinsam, finden ja NIE Entscheidungen einstimmig statt, sondern herrschen IMMER nur (wechselnde) Teile, selbst bei noch so partizipativer Ausgestaltung.
    Eine wirklich Demokratie wäre eine identitäre, eine, in der eine wirkliche Deckungsgleichheit zwischen Herrscher und Beherrschtem bestünde.
    Damit das möglich ist, kommt man gar nicht darum herum, das Volk anders zu verstehen als als Summe seiner Einzelteile.
    Realistischerweise tröstet man sich damit, dass man bei 10 Streitfrage 3mal seine Meinung durchsetzen kann, 5 Entscheidungen egal sind und nur 2 als falsch, aber nicht lebensbedrohlich empfindet.
    So könnte Demokratie auch dann funktionieren, wenn nicht alle immer die gleiche Meinung haben. Zudem ließe sie sich im Sinne der alten Grünen mit "dezentral" und "basisdemokratisch" noch verfeinern. So dass auf den oberen Ebenen, weil immer Konsens gefunden wird, die Chance zwar gering ist, die eigenen Ansichten durchzusetzen, dass man sich aber "vor Ort" mit im wesentlichen Gleichgesinnten organisieren kann. Oder Projekte, für die die Allgemeinheit keine Ressourcen aufwenden will, auf Basis einer Vereinigung Gleichgesinnter macht.

    So verstandene Demokratie setzt aber Dezentralität und relativ gleiche Verteilung von Einfluss und Ressourcen voraus. Wie Demokratie in einer Welt noch funktionieren soll, wo z. B. die Kommunen kaputt gespart wird oder etwa in Berlin mit der "Bezirksreform" massiv zentralisiert wird und wo die sozialen Gegensätze immer größer werden, ist mir ein Rätsel. Welchen Sinn haben Wahlen und Parlamente noch, wenn "die weltweite Verflechtung" ihren Spielraum gegen Null reduziert. Übrigens finde ich persönlich es richtig geil, wenn die weltweite Verflechtung eine soziale Grundsicherung angeblich unmöglich macht, es aber Ausbeutern erlaubt, Menschen 90 Stunden die Woche arbeiten zu lassen und die Umwelt zu versauen.

  10. #10
    Mitglied Benutzerbild von Humer
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    Standard AW: "Die Masken des Bösen" - was ist Totalitarismus?

    Zitat Zitat von Beverly Beitrag anzeigen
    Welchen Sinn haben Wahlen und Parlamente noch, wenn "die weltweite Verflechtung" ihren Spielraum gegen Null reduziert. Übrigens finde ich persönlich es richtig geil, wenn die weltweite Verflechtung eine soziale Grundsicherung angeblich unmöglich macht, es aber Ausbeutern erlaubt, Menschen 90 Stunden die Woche arbeiten zu lassen und die Umwelt zu versauen.
    Wir haben einen globalen Neo-Kapitalismus. Vielleicht ist es deshalb auch nicht so zielführend, wenn totalitäre Strukturen in einzelnen Ländern kritisiert werden, obwohl das natürlich in Bezug auf Menschenrechte wichtig ist. Das Totalitäre, das wir erleben, legt sich wie ein Netz um die Welt und hat keine Steuerzentrale, die man besetzen könnte. Analog zu einem Diktator, den man zum Teufel jagt, ist kein greifbarer Gegener vorhanden. Es ist in den Köpfen und in den Strukturen verankert wie ein Virus, der die Welt befallen hat und nun den befallenen Organismus zerstört.
    Parole: Reich ins Heim- Mitglied der Linksfraktion

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