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Thema: Zinsen

  1. #1
    Eine Schand für 'schland Benutzerbild von Sathington Willoughby
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    Standard Zinsen

    Zaphods großer, bunter Zinsstrang:
    was ist Zins? teuflische Höllenerfindung oder Segensbringer?
    Eure Meinung ist gefragt:

    Hier ein paar Anregungen:[Links nur für registrierte Nutzer]
    Begründung des Zinses nach Eugen von Böhm-Bawerk

    Der österreichische Ökonom Eugen von Böhm-Bawerk (1851-1914) untersuchte als einer der ersten das Zinsphänomen systematisch. Bei der Untersuchung der Frage, weswegen man überhaupt Zinsen verlangt, stellte er fest, dass das Einkommen im Lauf des Lebens ansteigt und man daher für heute verliehenes Geld in Zukunft auch mehr zurück erwartet, da man sonst nicht bereit wäre, durch das Verleihen von Geld sparsamer sein zu müssen.
    Zweitens beobachtete Böhm-Bawerk, dass Menschen ihre zukünftigen Bedürfnisse meist unterschätzen und Geld lieber sofort ausgeben („Gegenwartspräferenz“). Um sie dennoch zum Verleihen zu bewegen, müsse man ihnen als Ausgleich Zinsen anbieten.
    Der dritte Grund für das Verlangen von Zinsen ist nach Böhm-Bawerk darin zu sehen, dass Arbeit bei der Herstellung von Maschinen sehr nützlich eingesetzt wird, indem sie gewissermaßen in einen Produktionsumweg geleitet werden kann. Wenn Arbeiter eine Maschine produzieren, kann hinterher mehr damit hergestellt werden, als die Arbeiter vorher leisten konnten. Es entsteht eine „zusätzliche Ergiebigkeit“, ein Produktivitätszuwachs, und ein Gläubiger kann vom Schuldner erwarten, ihn „angemessen“ daran zu beteiligen. Zinsen lassen sich danach aus der zusätzlichen Ergiebigkeit der auf einen Produktionsumweg geleiteten Arbeit erklären. Um die Arbeiter im Voraus zu entlohnen, benötigt der Unternehmer Kapital, wofür er Zinsen zahlen muss und aus der zusätzlichen Ergiebigkeit der Arbeit auch zahlen kann. Böhm-Bawerk wollte so mit einer eigenen Erklärung des Zinses ein bedeutendes Argument des Marxismus entkräften, wonach der Zins Teil des Mehrwerts ist, der wiederum durch Ausbeutung der Arbeiter durch die Kapitalisten gewonnen wird.
    Der Zins ist - nach Böhm-Bawerk - nicht der Preis des Geldes, sondern der Preis für die Zeit und belohnt den Verleiher für eine hypothetische Verschiebung seines Konsums.


    Begründung des Zinses nach Ludwig von Mises
    Der österreichische Nationalökonom Ludwig von Mises erklärte den Zins aus den subjektiven Wertungen der Menschen. Sie ziehen die Behebung eines unmittelbaren Unbefriedigtseins (etwa Hunger) der Behebung eines künftigen Unbefriedigtseins vor, daher wird eine bestimmte Menge heutiger Güter einer größeren Menge künftiger gleichartiger Güter vorgezogen. Da man demnach eine Menge heutiger Güter mit einer größeren Menge künftiger Güter wertmäßig gleichsetzen kann, ergibt sich ein Mengenunterschied zwischen diesen Gütern, der Zins.
    Zins ist nach von Mises kein Phänomen, das zwingend mit Geld in Zusammenhang steht, er kann vielmehr auf alle anderen Güter angewandt werden.


    Begründung des Zinses nach John Maynard Keynes
    Nach der Liquiditätspräferenztheorie von J. M. Keynes beruht Zins auf der besonderen Begehrtheit des Geldes. Nach ihm ist Zins die Belohnung für die Aufgabe von Liquidität über einen bestimmten Zeitraum oder – was das Gleiche ist – für die Nichthortung von Geld.
    Der Vorteil des Geldbesitzes wird von Keynes Liquiditätsprämie des Geldes genannt. Sie besteht darin, dass man mit Geld überall und jederzeit problemlos zahlen kann, nicht aber mit anderen Dingen, beispielsweise mit einem Schuldschein aus einem Kreditvertrag. Außerdem hat ein Geldbesitzer Wahlfreiheit im Angebot von Waren und Dienstleistungen, die er für sein Geld erwerben kann.
    Naturgemäß haben alle Wirtschaftsteilnehmer eine Vorliebe für den Besitz von Geld, eine Liquiditätspräferenz („liquidity-preference“), wie J. M. Keynes sich ausdrückt. Sie wollen zahlungsfähig sein und unter dem Marktangebot frei wählen können. Die Liquiditätspräferenz hängt nach Keynes ab von vier Beweggründen („Motiven“) zum Halten von Geld:

    1. Einkommensmotiv („income-motive“) für die Überbrückung der Zeit zwischen Einnahme und Ausgabe des Einkommens,
    2. Geschäftsmotiv („business-motive“) für die Überbrückung der Zeit zwischen Einkauf und Verkauf einer Ware,
    3. Vorsorge- oder Vorsichtsmotiv („precautionary-motive“) aus Vorsorge für bevorstehende und unvorhersehbare Ausgaben,
    4. Spekulationsmotiv („speculative-motive“) aus der Erwartung günstigerer Gelegenheiten zur Verwendung des Geldes.
    Einkommensmotiv und Geschäftsmotiv zusammen nennt Keynes auch Umsatzmotiv („transactions-motive“).
    Wer Geld weggibt, gibt – nach Keynes – die Verfügung über Geld als Universalzahlungsmittel auf. Der Vorteil des Geldbesitzes, die Liquiditätsprämie des Geldes, wird beim Kreditgeschäft vom Kreditgeber an den Kreditnehmer verliehen. Für den dabei entgangenen Vorteil lässt sich der Kreditgeber einen Zins bezahlen, welcher die Höhe der Liquiditätsprämie verkörpert. Dieser Zins ist der Preis dafür, dass er über das verliehene Geld während der Laufzeit des Kredits nicht verfügen kann. Umgekehrt ist der Kreditnehmer bereit, für den erworbenen Vorteil des Geldbesitzes diesen Zins zu bezahlen.
    Die Tatsache, dass Geld beim Behalten praktisch keine Nachteile (Durchhaltekosten) verursacht, macht es Kreditanbietern risikolos, ihr Geld vom Angebot zurückzuhalten, zu horten, solange ihnen der Zins für Kredite nicht hoch genug erscheint oder sie sein Steigen erwarten. Damit wird dem Wirtschaftskreislauf Geld in spekulativer Absicht entzogen und in der Spekulationskasse gehalten. Es verschwindet in der so genannten Liquiditätsfalle („liquidity trap“), wie Keynes sagt. Diese Zurückhaltung verhindert, dass der entsprechende Zinssatz gegen null sinkt. Keynes bemängelte, dass dadurch die Wirtschaft massiv gestört werden kann. Als Gegenmaßnahme schlug er eine ständige maßvolle Geldentwertung (Inflation) vor, welche gehortetes Geld entwertet und somit Geldhortung kostspielig macht. Dieser Idee entspricht sein Ausspruch Lieber ein Prozent mehr Inflation als ein Prozent mehr Arbeitslosigkeit.
    Der Zins und sein moralischer Schatten
    Bis heute ist der Preis des Kredits mit dem Stigma des Anstößigen behaftet
    Zur Rolle des Zinses in der modernen Wirtschaft
    Von Prof. Dr. Otmar Issing (Chefvolkswirt und Mitglied des Direktoriums der Deutschen Bundesbank
    Die Seite, von der ich diesen Beitrag habe ,existiert leider nicht mehr.
    Wohin eine Gesellschaft kommt, wenn sie den Prozeß, die marktgerechte Höhe des Zinses zu bestimmen, beschränkt oder wenn sie gar die Notwendigkeit des Zinses schlechtweg ignoriert, läßt sich an zahlreichen Fallbeispielen demonstrieren. So liegt hier eine wesentliche Ursache für die Mängel und schließlich das Scheitern der Planwirtschaften sowjetischen Typs. Nach der Marxschen Lehre stellt das Privateigentum an Produktionsmitteln die Quelle der Ausbeutung des Arbeiters dar, im Zins als Bestandteil des Mehrwertes wird diesem ein Teil seines Arbeitsertrages vorenthalten.
    Getreu dieser Auffassung haben die Nationen, die dieser theoretisch längst vorher widerlegten These gefolgt sind, nicht nur die Produktionsmittel sozialisiert, sondern zunächst auch den Zins quasi per Dekret abgeschafft. Schon bald wurden freilich die Defekte dieses Versuchs der Wirtschaftslenkung ohne Zins so offenkundig, daß nach in bis ans Groteske grenzenden Bemühungen, den Begriff selbst zu vermeiden, das Phänomen als solches aber in der Planung zu berücksichtigen, schließlich ganz offen die Notwendigkeit des Rechnens mit dem Zins von der Realität gegen das Dogma erzwungen wurde.
    Ohne die Institution des Privateigentums an Produktionsmitteln und die Lenkung durch den Markt waren freilich auch diese Anstrengungen zum Scheitern verurteilt.
    Kommt es von ungefähr, daß auch die andere totalitäre Weltanschauung, die in diesem Jahrhundert ihre furchtbare Spur hinterlassen hat, zum Zins grundsätzlich eine ähnlich feindliche Einstellung vertreten hat? Die "Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes" war Bestandteil des Parteiprogrammes der NSDAP von 1920, das bis 1930 galt. Für Gottfried Feder, den Urheber dieses Programmpunktes, ist die "goldene Internationale" aus dem "durch und durch unsittlichen Leihzinsgedanken geboren". "Der Leihzins ist die teuflische Erfindung des Großleihkapitals, der Leihzins ermöglicht allein das träge Drohnenleben einer Minderzahl von Geldmächtigen auf Kosten der schaffenden Völker und ihrer Arbeitskraft, er hat zu den tiefen unüberbrückbaren Gegensätzen, zum Klassenhaß geführt, aus dem der Bürgerkrieg und Bruderkrieg geboren ist ... Die Brechung der Zinsknechtschaft des Geldes bedeutet die einzig mögliche und endgültige Befreiung der schaffenden Arbeit von den geheimen überstaatlichen Geldmächten".
    Die Dimensionen sind größer geworden, knüpfen aber nicht Inhalt und Sprache aus diesem Jahrhundert nahtlos an das Mittelalter an?
    Die moralische Verdammung des Zinses ist keine Antwort auf die Frage, warum es den Zins gibt. Solange freilich die wichtigste und auffälligste Form des Kredites im Konsumdarlehen - oft für existentielle Notsituationen - bestand, war es fast unvermeidlich, daß Zins und Wucher gleichgesetzt und als Verbrechen eingestuft wurden. Den Kreditbedürftigen war damit freilich nicht geholfen. Eine solche Entschuldigung mag man für einen Aristoteles und das Mittelalter ins Felde führen, dieses Jahrhundert kann den Freispruch nicht beanspruchen.

    Der Kredit verleiht dem Kreditnehmer Verfügungsmacht am Markt, auf die der Kreditgeber für die Zeitspanne des Kreditkontrakts verzichtet. Kredit verkörpert insofern einen Tausch von Gütern in der Zeit - er stellt ein intertemporales Phänomen dar. Erst die Kreditaufnahme versetzt viele Unternehmen in die Lage, Investitionen in der gewünschten Höhe zu realisieren, also Kapitalgüter (beispielsweise Maschinen oder Gebäude) zu kaufen und im Produktionsprozeß einzusetzen. Dem Haushalt ermöglicht der (Konsumenten-)Kredit, über die durch das laufende Einkommen und gegebenenfalls den Rückgriff auf Vermögen gesetzte Beschränkung hinaus Güter zu kaufen. Der Zins ist somit der Preis für zeitlich vorgezogenes Verfügungsrecht über Güter beziehungsweise die entsprechende Nutzung von Kapital.
    Die den in der Investition eingesetzten Betrag übertreffende Wertschöpfung erlaubt es dem Kreditnehmer, mehr als die Amortisation zurückzuzahlen - das heißt eben, einen Zins zu erwirtschaften. Hier liegt die Antwort auf die Frage, die Aristoteles nicht lösen konnte: Der nicht investierte Geldbetrag bleibt "unfruchtbar" - erst über die Investition in Realkapital wird es möglich, einen die ursprüngliche Summe übersteigenden Wert zu erzielen; was dem Unternehmen darüber hinaus nach Abzug aller Aufwendungen verbleibt, ist der Gewinn. Als Ausdruck der Netto-Produktivität des Kapital ist der Zins eine Erscheinung der realen Wirtschaftssphäre; der Kreditgeber nutzt nicht eine Notsituation des Kreditnehmers aus, sondern erhält als Gegenleistung für den vorübergehenden Verzicht auf Kaufkraft den Zins, der wiederum im realen Produktionsprozeß erwirtschaftet wird. In der Definition von Gustav Cassel ist der Zins der Preis für das Warten oder für die Nutzung von Kapital.
    Der Sparer verzichtet (vorübergehend) auf Konsum, die in den verschiedenen Anlageformen bereitgestellten Mittel werden von den Institutionen des Finanzsektors - Banken, Investmentgesellschaften, Versicherungen - in Kredite an Unternehmen transformiert, aus "Kredit wird Kapital". Der Zins als Marktpreis fungiert daher auch als Gradmesser für die Knappheit des Kapitals.
    Gleichzeitig stellt der Zins das Verbindungsglied zwischen zukünftigem Einkommen und gegenwärtigem Vermögen dar. In diesem Sinne gibt der Zins an, was eine zukünftig zu erwartende Zahlung heute wert ist. Je höher der Zins, desto stärker muß man den Wert einer künftigen Zahlung abdiskontieren, desto niedriger ist auch der Gegenwartswert des Vermögens, aus dem bestimmte zukünftige Zahlungen zu erwarten sind.
    Der Zins fungiert jedoch nicht nur als Brücke zwischen künftigem Einkommen und dem Kapital, dem Gegenwartswert der künftigen Einkommensströme, er stellt ganz allgemein die ökonomische Verbindung zwischen Gegenwart und Zukunft, zwischen heute und morgen her. Auf diese Weise wirkt der Zins in alle Lebensbereiche hinein, in denen es um Entscheidungen mit Zukunftsbezug geht. Erst der Zins ermöglicht eine generell vergleichende Bewertung von Ereignissen, die zu verschiedenen Zeitpunkten stattfinden. Über diesen Zusammenhang beeinflußt der Zins zukunftsgerichtete Handlungen und damit insoweit das Erscheinungsbild der Welt von morgen. Hier liegt im Kern die umfassende intertemporale Bedeutung dieses Preises.
    Auch in der naturalen Tauschwirtschaft kommen Kredit und Zins vor, beide Phänomene sind also nicht an das Vorhandensein von Geld gebunden. So war etwa der Pachtzins für den Acker häufig in Form eines Teils der Ernte zu erbringen; "Zehnthöfe" zeugen noch heute an vielen Orten von der Einträglichkeit dieser Leistungen. Im übrigen gibt es in den modernen Geldwirtschaften eine ganze Reihe von Zahlungsvorgängen mit mehr oder minder ausgeprägtem Zinscharakter. Dies gilt für die Miete - gelegentlich trifft man noch auf den Ausdruck "Mietzins" -, die grundsätzlich eine Mischung aus Zinsanteil für das investierte (und im Mietobjekt quasi verliehene) Kapital und Entgelt für die Abnutzung beziehungsweise Abschreibung der Wohnung verkörpert.
    Dividenden und Aktienkursgewinne lassen sich auffassen als Verzinsung des Eigenkapitals zusätzlich einer stark schwankenden Risikokomponente. Rein ökonomisch betrachtet ist die Ausbildung einer Person als Investition ins sogenannte Humankapital zu betrachten, von dem im Erwerbsleben Erträge erhofft werden. Das entsprechend höhere Arbeitsentgelt enthält in dieser Sicht also auch ein Element für die Verzinsung des eingesetzten Kapitals; bleibt diese aus, hat sich - rein ökonomisch gesehen - die Ausbildung nicht gelohnt.
    Obgleich es "den" Zins nicht gibt, ist im Sprachgebrauch des täglichen Lebens und selbst im Fachjargon laufend schlechtweg die Rede vom Zins, der einmal als (zu) hoch, dann wieder als (zu) niedrig eingestuft wird. Wie so oft führt auch hier die nachlässige Ausdrucksweise leicht zu inhaltlichen Mißverständnissen, so wenn es etwa heißt, die Bundesbank habe "die" Zinsen gesenkt. Diese Ausdrucksweise erweckt fast zwangsläufig nicht nur den Eindruck, die Notenbank könne tatsächlich das Zinsniveau, also die Höhe der Zinsen in der Wirtschaft ganz generell senken, sondern sie vermittelt der Öffentlickeit darüber hinaus die Vorstellung, die Zinshöhe liege im Ermessen des Zentralbankrates, der quasi nach Gutdünken der Wirtschaft per Beschluß hohe oder niedrige Zinsen verordnen könne. Von da bis zur Suggestion, die Bundesbank verweigere der Volkswirtschaft die Wohltat niedriger Zinsen, ist es dann nur ein kleiner Schritt.
    Für die Geldmarktzinsen, insbesondere den Tagesgeldsatz, trifft die enge Verknüpfung mit den Notenbankzinsen grundsätzlich zu. Allgemein gilt jedoch, daß sich die Verbindung mit den Notenbankzinsen um so mehr lockert, je länger die Bindungsdauer der Kreditbeziehungen ist.
    Für den Anleger, der vor der Entscheidung steht, etwa eine soeben angekündigte neue Anleihe des Bundes mit festem Nominalzins für die Dauer von zehn Jahren, dem Zeitpunkt der Fälligkeit, zu kaufen, spielt vor allem die Einschätzung der Entwicklung der Kaufkraft des Geldes, seine Inflationserwartung eine Rolle. Mit der Globalisierung der Finanzmärkte haben ferner Wechselkurserwartungen eine immer größere Bedeutung erlangt. Wer etwa zwischen einer Anlage in D-Mark- oder Dollarwerten schwankt, hat die von ihm erwartete Entwicklung des D-Mark/Dollar-Wechselkurses zu berücksichtigen. Neben anderen Kriterien geht in diese Erwartung vor allem die Entwicklung der relativen Kaufkraft der beiden Währungen, also des Unterschiedes in der Inflation ein.
    Schon nach derart einfachen Überlegungen kann die empirische Beobachtung nicht mehr überraschen, daß in längerer Perspektive die Länder mit stabilem Geldwert niedrige und die mit starker Geldentwertung hohe Zinsen aufweisen. Am Extrem der Hyperinflation wird dieser Zusammenhang besonders deutlich. Als etwa die Reichsbank Mitte September 1923 den Diskontsatz auf 90 Prozent (pro Jahr) erhöhte, belief sich die monatliche Inflationsrate bereits auf mehr als 2400 Prozent. Als Realzins berechnet, das heißt nach Abzug der Geldentwertung (umgerechnet auf Monatsbasis), erreichte der Diskontsatz einen negativen Wert von (minus) 95,89 Prozent. Der rein nominell scheinbar hohe Diskontsatz war folglich eine Aufforderung zur Kreditaufnahme bei der Notenbank und damit zur Vermehrung des Geldumlaufs. Diese Erfahrung hoher negativer Notenbank-Realzinsen wird im übrigen in vielen anderen Fällen bestätigt, man nehme nur die Situation in Rußland im vergangenen Jahr.
    Private Anleger sind unter solchen Umständen nicht mehr bereit, auf Nominalwerte lautende Kredite zu geben, die Geldwirtschaft in nationaler Währung bricht zusammen und wird durch Wertsicherungen aller Art und durch die Verwendung stabiler fremder Währungen abgelöst.
    Keynes erwartete den sanften Tod den Rentners
    Mit dem Rückfall in die Steinzeit naturalwirtschaftlicher Beziehungen verschwindet freilich der Zins nicht, er wechselt nur die Erscheinungsform. Die Kreditvergabe in Geldform verbirgt den Kern des Zinses als Erscheinung der realen Wirtschaft. Die klassischen Nationalökonomen sprachen vom Geld als einem "Schleier", hinter dem die wirtschaftlich eigentlich relevanten realen Beziehungen verdeckt werden. Der Zins als relativer Preis, als Verbindungsglied zwischen Gegenwart und Zukunft stammt aus der Welt der realen Wirtschaft. Seine Höhe wird durch das Verhältnis von Sparen und Investieren bestimmt. Hohe Sparleistung führt zu sinkenden Zinsen und eröffnet die Möglichkeit kapitalintensiverer Produktion, steigender Arbeitsproduktivität und höheren künftigen Lebensstandards.
    Der Versuch, den Zins durch staatliche Anordnung künstlich unter das im Markt bestimmte Niveau zu senken, reduziert zum einen den Anreiz der Sparer und verleitet zum anderen zur Illusion eines nicht vorhandenen Kapitalreichtums, als deren Folge an einer Stelle der Volkswirtschaft eine hohe Kapitalintensität erreicht wird, während an anderer Stelle wegen Kapitalmangels auf primitive Produktionsformen zurückgegriffen werden muß.
    Nur die marktgerechte Verzinsung macht den Kapitaleinsatz in allen seinen sachlichen Variationen und der unterschiedlichen zeitlichen Bindung vergleichbar, nur unter diesen Bedingungen wandert das Kapital der Tendenz nach zum besten Wirt. Nur im Marktprozeß läßt sich auch die Höhe der jeweils angemessenen Risikoprämie herausfinden.
    Theoretische Ansätze, die Argumente für vermeintlich eklatantes Marktversagen in diesem Bereich ableiten und in Forderungen nach staatlichen Eingriffen ummünzen, treffen sich mit ethischen Vorbehalten gegenüber dem Zinsphänomen, die zu allen Zeiten das Denken selbst von Menschen zu beeinträchtigen scheinen, denen man ansonsten Scharfsinn gewiß nicht absprechen wird. Als für diese Beobachtung in gewisser Weise typisch mag man auf John Maynard Keynes verweisen mit seiner Prognose vom sanften Tod des Rentners, vom Ende "der sich steigernden Unterdrückungsmacht des Kapitalisten, den Knappheitswert des Kapitals auszubeuten". In diesem letzten Kapitel seiner "Allgemeinen Theorie", das er bezeichnenderweise "Schlußbetrachtungen über die Sozialphilosophie, zu der die Allgemeine Theorie führen könnte", überschreibt, bezieht sich Keynes in diesem Zusammenhang gar auf den "zu Unrecht übersehenen Propheten Silvio Gesell", an dessen Gedanken er die "moralische Höhe" des Autors hervorhebt. Nur eine Teilerkenntnis habe Gesell zur vollständigen Erfassung des Problems gefehlt, nämlich die Vorstellung der Vorliebe für die Liquidität.
    Kein Kapitalfluß gegen das Risikogefälle
    Keynes hat sich im übrigen dezidiert für Kontrollen der internationalen Kapitalbewegungen ausgesprochen, um die Zinshöhe nach nationalen Vorstellungen regulieren zu können. Forderungen dieser Art haben immer wieder einmal Konjunktur, und sie sind insbesondere bei denen populär, die klare Vorstellungen über die Zukunft ihres Landes oder etwa der Europäischen Gemeinschaft haben, deren Verwirklichung sie nicht durch die anonymen Mächte des Kapitals gefährdet sehen wollen. Das Vorhaben, Kapitalmarkt und Zins quasi durch einen Zaun vor unerwünschten Einflüssen abschotten zu wollen, scheitert indes nicht an fehlendem Willen oder gar besserer Einsicht, sondern schlicht an der offenkundigen Unmöglichkeit, ein so liquides und mobiles Element wie das Kapital nach dem Kriterium übergeordneter politischer Priorität kontrollieren zu können.
    Wer aber meint, die pure Zinsfeindschaft sei als mittelalterliches Phänomen längst überwunden, der möge sich die Bibliotheken füllende Literatur zur Problematik der Dritten Welt ansehen, in der ökonomische Erkenntnis in einer Flut falsch verstandener Ethik und Moral ertränkt wird. Die anhaltende Armut vieler Entwicklungsländer gilt dort vielfach geradezu als Beleg für ein perverses Marktsystem, in dem das Kapital eben nicht an die Stellen höchster Dringlichkeit gelenkt werde, sondern gerade dort akkumuliere, wo es ohnehin reichlich vorhanden sei.
    In völliger Übereinstimmung mit der Theorie liefert die Wirtschaftsgeschichte Beispiele in Hülle und Fülle dafür, wie selbst extremes Risiko durch die Erwartung hinreichender Rendite überwunden werden kann. Unsichere politische Verhältnisse, unklare Eigentumsverhältnisse und andere Gefährdungen errichten freilich hohe Hindernisse für den Investor. Die Ökonomie gibt eine klare Antwort auf die Frage, wie das Problem zu lösen ist: Unter der Bedingung eines glaubwürdigen Abbaus der überwiegend politisch verursachten Risiken und der Bestimmung des Zinses am Markt wird auch das Kapital in die gewünschten Verwendungen fließen.
    Der Versuch, das Kapital ohne den Anreiz angemessener Renditeerwartungen nach Vorstellungen der Gerechtigkeit oder welcher moralischer Kategorien auch immer gegen das Risikogefälle steuern zu wollen, beraubt die Entwicklungsländer letztlich jeder Anbindung an die reiche Quelle der weltwirtschaftlichen Ersparnis und verweist sie auf das im Vergleich dazu dürftige Rinnsal öffentlicher Entwicklungshilfe.
    Die Absicht, den Zins in seiner Rolle zu begrenzen oder gar auszuschalten, verlangt einen hohen Preis, die Motive, die dafür geltend gemacht werden, müssen sich daher dem Test der zu erwartenden beziehungsweise tatsächlich eintretenden Ergebnisse stellen. Dies gilt im Großen, der Weltwirtschaft, wie im Kleinen, bei Regulierungen auf einzelnen nationaler Märkten. So schützt etwa ein unter dem Markt liegender Höchstzins gerade nicht diejenigen, deretwegen solche Bestimmungen erlassen werden. Verbietet man etwa den Banken, jeweils angemessene Risikoprämien zu berechnen, so verschließt dies tendenziell Personen ohne nennenswertes Vermögen den Zugang zum Bankkredit und liefert sie im Notfall grauen und schwarzen Märkten aus.
    Meine These: ohne Zins kein modernes Wirtschaftleben, ohne dies kein Fortschritt, also: es lebe der Zins, aber nicht übertrieben!
    Geändert von Sathington Willoughby (26.07.2010 um 21:22 Uhr) Grund: Quellen, sonst gibts was vom Mod auffe Flossen
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    Immigration nach Deutschland: es kommen nicht die Besten, sondern die Bestien.

  2. #2
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    Standard AW: Zinsen

    Zins begründet sich schlicht darin, dass man niemand finden wird, der einem Geld zum Nulltarif leiht. Es ist die Macht des Faktischen. Theorethisches Geschwurbel ist dafür nicht erforderlich.

  3. #3
    oberenglisch Benutzerbild von twoxego
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    Standard AW: Zinsen

    das war mir, so ohne absätze, zu lang.

    tatsächlich ist zins von übel, weil der zugewinn quasi aus dem nichts oder besser gar nicht entsteht.

    neulich sagte ein britischer banker, in seltsamer und vermutlich vorübergehender einsicht, sinngemäss: "wir mussten erkennen, dass unser vorgeblicher reichtum lediglich in den köpfen anderer existierte."

    vergleiche dazu auch den "Josephs Groschen".
    Geändert von twoxego (26.07.2010 um 19:41 Uhr)
    "Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann.."
    S.L.Clemens



  4. #4
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    Standard AW: Zinsen

    Teufelswerk!
    "Wir sind nicht in die Welt gekommen, um glücklich zu sein,
    sondern um unsere Pflicht zu tun."

    Otto von Bismarck. Schmied des Deutschen Reiches

  5. #5
    GESPERRT
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    Standard AW: Zinsen

    Zitat Zitat von Zaphod Beeblebrox Beitrag anzeigen
    Zaphods großer, bunter Zinsstrang:
    was ist Zins? teuflische Höllenerfindung oder Segensbringer?
    Eure Meinung ist gefragt:

    Hier ein paar Anregungen:



    Meine These: ohne Zins kein modernes Wirtschaftleben, ohne dies kein Fortschritt, also: es lebe der Zins, aber nicht übertrieben!
    Zinsen sind Sklaverei, wusstest du das nicht ???

  6. #6
    Exorzist Benutzerbild von Krabat
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    Standard AW: Zinsen

    Jesus hat den Zins gehaßt wie er allen Geldhandel haßte. Deshalb haben wir Christen den Zins abgeschafft. Der Zins dient nur denen, die nicht im Schweiße ihrer Nasen arbeiten, sondern vom Schweiß anderer leben wollen.
    Im Herzen der Glaube, nach außen das Eisen.

  7. #7
    O Tempora O Mores Benutzerbild von Cicero1
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    Standard AW: Zinsen

    Zitat Zitat von twoxego Beitrag anzeigen
    das war mir, so ohne absätze, zu lang.

    tatsächlich ist zins von übel, weil der zugewinn quasi aus dem nichts oder besser gar nicht entsteht.
    Wer Geld verleiht, verzichtet auf Konsum, möchte dafür eine Entschädigung. Der Zugewinn ist die Folge aus dem Verzicht auf Konsum, volkswirtschaftlich gesehen. Du kannst Geld entweder sparen/investieren, dafür bekommst Du Zinsen, Miete oder Dividenden. Oder Du kannst es ausgeben, um zu konsumieren.
    Geändert von Cicero1 (27.07.2010 um 14:32 Uhr)

  8. #8
    oberenglisch Benutzerbild von twoxego
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    Standard AW: Zinsen

    das ändert nichts am wesen den zinses.
    kennst Du die geschichte vom Josephs Groschen?

    für alle, die das nicht tun, die kurzfassung.
    natürlich ist das extrem vereinfacht.

    hätte Joseph von Nazaret zu lebzeiten einen Groschen zu 5% verzinst verliehen und sich nie mehr darum gekümmert, würden ihm heute mehrere klumpen gold gehören, von denen jeder grösser als die erde wäre.

    die frage wäre: wo kam dieses gold her?
    die nebenfrage lautet: gibt es überhaupt soviel?
    "Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann.."
    S.L.Clemens



  9. #9
    O Tempora O Mores Benutzerbild von Cicero1
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    Standard AW: Zinsen

    Zitat Zitat von twoxego Beitrag anzeigen

    die frage wäre: wo kam dieses gold her?
    Von denen, die sich das Geld geliehen haben, weil sie es entweder verkonsumiert haben oder investiert haben. Das es in der Geschichte Missbräuche gegeben hat, lag an der fehlenden Kontrolle, fehlenden Gesetzen und fehlendem Wettbewerb unter den Geldverleihern.
    Geändert von Cicero1 (26.07.2010 um 20:38 Uhr)

  10. #10
    O Tempora O Mores Benutzerbild von Cicero1
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    Standard AW: Zinsen

    Zitat Zitat von twoxego Beitrag anzeigen
    das ändert nichts am wesen den zinses.
    Das Problem ist, wie willst Du in einem Wirtschaftssystem ohne Zins auskommen? Das funktioniert nicht! Auch in islamischen Ländern wird das Verbot durch Tricks umgangen, weil es in einem Wirtschaftssystem nicht anders geht.

    Zitat Zitat von twoxego Beitrag anzeigen
    die nebenfrage lautet: gibt es überhaupt soviel?
    Nein, alles bisher gefördete Gold ist ein Würfel mit etwa 20 Metern Länge der Kanten.

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