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Thema: Wilhelm der Zweite - Kaiser oder Dämon?

  1. #1
    Preuße aus Vernunft Benutzerbild von Stechlin
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    Standard Wilhelm der Zweite - Kaiser oder Dämon?

    Kerls!

    Wenn vom Bismarckschen Kaiserreich die Rede ist, verbinden viele Zeitgenossen jene Epoche immer mit Wilhelm II. und dem "Glanz" seiner Regentschaft. Unbestritten ist, dass das Reich damals vor allem industrieell und infrastrukturell einen großen Schritt nach vorne gemacht hat.


    Aber gesellschaftlich erstarrte das Land zu einer Karrikatur dessen, was Bismarck einst mit Eisen und Blut zusammenschweißte. Und genau hier soll die Diskussion ansetzen.

    Wie beurteilt Ihr die Regentschaft Wilhelms II. und seine Politik?

    NITUP.
    "Wir sind nicht in die Welt gekommen, um glücklich zu sein,
    sondern um unsere Pflicht zu tun."

    Otto von Bismarck. Schmied des Deutschen Reiches

  2. #2
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    Standard AW: Wilhelm der Zweite - Kaiser oder Dämon?

    ich kann an dieser flasche nichts dämonisches finden, kaiser war er allerdings. der strangtitel ist m.e. ziemlich albern.

    eine "grandiose fehlbesetzung" hat irgendwer mal gesagt.



    nebenbei:
    der begnadete aussenpolitiker bismarck war innenpolitisch ürigens ne niete.

  3. #3
    Mitglied Benutzerbild von Cinnamon
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    Standard AW: Wilhelm der Zweite - Kaiser oder Dämon?

    Wilhelm II. hat ja zunächst mal Bismarck aus dem Amt geekelt, womit er seinen Untergang eigentlich besiegelt hat. Bismarck führte eine kluge Außen- und Bündnispolitik, die Frankreich isolierte und einen Krieg in Europa eigentlich verunmöglichte. Unter Bismarck hatte Deutschland hervorragende Beziehungen nach London. Wilhelm hat innerhalb weniger Jahre Bismarcks Vermächtnis komplett ruiniert, hat durch den massiven Ausbau der Kriegsflotte und seine Kolonialpolitik die Briten gegen Deutschland aufgebracht, hat das Bündnissystem kaputtgekriegt und Deutschland anschließend durch seine unnachgiebige Haltung in wirklich jeder Frage so isoliert, das am Ende nur noch Österreich-Ungarn mit Deutschland verbündet war, was wiederrum wegen Wilhelms unnachgiebiger Haltung in der Julikrise zum 1. Weltkrieg führte.

    Wer Wilhelm II. angesichts dieses massiven Versagens noch für einen guten Staatsmann hält, kann nicht alle beisammen haben.
    Jesus Christus spricht: Es ist kein Weg zu Gott denn durch mich!

  4. #4
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    Standard AW: Wilhelm der Zweite - Kaiser oder Dämon?

    Wilhelm der II zeigt uns eindeutig, dass die Erbmonarchie einen schlimmen Fehler hat. Ich präferiere eher eine Wahlmonarchie.

  5. #5
    Re-Re-Educated Benutzerbild von derRevisor
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    Standard AW: Wilhelm der Zweite - Kaiser oder Dämon?

    Unerträglich wie hier gegen seine Majestät gehetzt und verleumdnet wird.

    Schweigt nun und huldigt demütig unserem unfehlbaren Kaiser

    [Links nur für registrierte Nutzer]

    Heil Wilhelm II



    § 95 Abs.1 des Reichsstrafgesetzbuchs:
    „Wer den Kaiser, seinen Landesherrn oder während seines Aufenthalts in einem Bundesstaate dessen Landesherrn beleidigt, wird mit Gefängniß nicht unter zwei Monaten oder mit Festungshaft bis zu fünf Jahren bestraft.“
    Geändert von derRevisor (09.09.2010 um 21:07 Uhr)

  6. #6
    Mitglied Benutzerbild von Cinnamon
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    Standard AW: Wilhelm der Zweite - Kaiser oder Dämon?

    Zitat Zitat von derRevisor Beitrag anzeigen
    Unerträglich wie hier gegen seine Majestät gehetzt und verleumdnet wird.

    Schweigt nun und huldigt demütig unserem unfehlbaren Kaiser

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    Heil Wilhelm II
    Es lebe die Republik!
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  7. #7
    Mitglied Benutzerbild von Mu'min
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    Standard AW: Wilhelm der Zweite - Kaiser oder Dämon?

    Ein Thema, das in der Schule viel zu kurz kommt :gesetz:
    "Gegner glauben uns zu widerlegen, wenn sie ihre Meinung wiederholen und auf die unsrige nicht achten."

    Johann Wolfgang von Goethe

  8. #8
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    Standard AW: Wilhelm der Zweite - Kaiser oder Dämon?

    Zitat Zitat von Cinnamon Beitrag anzeigen
    Wilhelm II. hat ja zunächst mal Bismarck aus dem Amt geekelt, womit er seinen Untergang eigentlich besiegelt hat. Bismarck führte eine kluge Außen- und Bündnispolitik, die Frankreich isolierte und einen Krieg in Europa eigentlich verunmöglichte. Unter Bismarck hatte Deutschland hervorragende Beziehungen nach London. Wilhelm hat innerhalb weniger Jahre Bismarcks Vermächtnis komplett ruiniert, hat durch den massiven Ausbau der Kriegsflotte und seine Kolonialpolitik die Briten gegen Deutschland aufgebracht, hat das Bündnissystem kaputtgekriegt und Deutschland anschließend durch seine unnachgiebige Haltung in wirklich jeder Frage so isoliert, das am Ende nur noch Österreich-Ungarn mit Deutschland verbündet war, was wiederrum wegen Wilhelms unnachgiebiger Haltung in der Julikrise zum 1. Weltkrieg führte.

    Wer Wilhelm II. angesichts dieses massiven Versagens noch für einen guten Staatsmann hält, kann nicht alle beisammen haben.
    Warum sollte Deutschland keine Flotte und keine Kolonien haben dürfen? Ist das ein Vorrecht Englands? Warum sollten wir klein beigeben als bevölkerungsreichster, wirtschaftlich stärkster, kulturell hochstehender und aufstrebender Staat? Hätte Wilhelm II. anders gehandelt, wäre er als schwächlicher Kaiser abgestempelt worden; in Europa hätte man ihn nur belächelt.

    Außerdem hat der Kaiser nicht allein regiert. Er hatte ein Kabinett, einen Kanzler, es gab ein Parlament und allerlei Agitationsvereine, die Ansprüche stellten und die Politik in nicht unerheblichem Maße beeinflussten.

    Wenn auch jetzt in den bezwungnen Hallen
    Tyrannei der Freiheit Tempel bricht:
    Deutsches Volk, du konntest fallen,
    Aber sinken kannst du nicht!

    Theodor Körner

  9. #9
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    Standard AW: Wilhelm der Zweite - Kaiser oder Dämon?

    Zitat Zitat von NITUP Beitrag anzeigen
    Aber gesellschaftlich erstarrte das Land zu einer Karrikatur dessen, was Bismarck einst mit Eisen und Blut zusammenschweißte.
    Diesen Satz verstehe ich nicht wirklich. Gewiss nahm die Aussenpolitik unter Wilhelm II ziemlich mindersinnige Züge an - aber gesellschaftlich?
    Zitat Zitat von NITUP Beitrag anzeigen
    Wie beurteilt Ihr die Regentschaft Wilhelms II. und seine Politik?
    Dämonisches kann ich an ihm nicht erkennen. In meinen Augen war er vor allem eines: Mit dieser Verantwortung deutlich überfordert. Das hat mehrere Gründe. Zum einen war in meinen Augen nicht der Hellsten einer. Nicht unbedingt dumm, aber eindeutig nicht in der Spitzenkategorie, die der Machtfülle seiner Position entsprochen hätte. Er war auch politisch mitunter ziemlich instinktlos.
    Weiterhin ist anzumerken: Er war noch vergleichsweise sehr jung, als er den Thron bestieg. In vielerlei Hinsicht hatte er sich noch nicht wirklich die Hörner abgestoßen, war noch nicht charakterlich gefestigt. Mitunter hatte er kindskopfartige Züge, ließ sich leicht von Stimmungen beherrschen. (Letzteres ist in der Politik tendenziell tödlich)
    Allerdings muss man dazu sagen: Bedingung dafür, dass er in späteren Jahren Kaiser geworden wäre, wäre es gewesen, dass Friedrich III zumindest eine Weile lang hätte regieren können, statt so kurz nach seinem Vater zu sterben. Und menschlich gehört es sich zwar nicht, in einem solch tragischen Ende (Und es war ja wirklich tragisch. Man stelle ihn sich vor, wie er da, selber todkrank, vermutlich elend schmerzgeplagt, sich nur mühsam aufrecht haltend die Parade zum Tode seines Vaters abnahm) etwas Positives zu sehen, aber politisch bin ich froh, dass der Mann uns erspart blieb. Er hätte ein zweites England aus Deutschland gemacht, liberal und mit einer Witzmonarchie. Bismarck wusste, warum er Friedrichs Gattin...GANZ vorsichtig formuliert...nicht leiden konnte.

    Dann wäre noch anzumerken, dass Wilhelm es auch in jungen Jahren nicht unbedingt leicht hatte. Die Missbildung, zwecks deren nicht gelingender Behebung er sich quälenden Prozeduren unterwerfen musste. Und von der unmittelbaren Pein einmal abgesehen: Ein verkrüppelter Herrscher in einem Land, in dem das Militär derart viel gilt, ein verkrüppelter Herrscher, der selber das Militärische schätzt - diese körperliche Unzulänglichkeit hat ihm unter Garantie mehr zu schaffen gemacht, als mancher auf den ersten Blick ahnt.
    Auch liest man immer wieder von einer ziemlichen Lieblosigkeit seitens seiner bereits erwähnten Mutter, für manche eine Erklärung für seine seltsame Hassliebe zu England. In jedem Fall scheint er in der Hinsicht zu kurz gekommen zu sein. Es gibt da diese Geschichte, bei der er, noch nicht allzu lange auf dem Thron sitzend, von Grubenbesitzern gebeten wird, Truppen zu schicken, die gegen streikende, Ärger machende Arbeiter vorgehen sollen. Woraufhin er sinngemäß ausrichten ließ, die Lohnforderungen der Arbeiter seien gefälligst zu erfüllen, sonst werde er in der Tat Truppen schicken - aber nicht gegen die Arbeiter... Er wollte von seinem Volk geliebt werden, und erst als Teile dieses Volkes sich da sichtlich reserviert zeigten, wurde er denen gegenüber unduldsam. Wie gesagt, Stimmungsmensch, nicht primär kopfgeleitet.

    Und schließlich kommt hinzu, dass er keine guten Berater um sich hatte, die all das wenigstens ein Stück weit hätten kompensieren können, sondern Speichellecker und solche, denen der gedankenlos auftrumpfende Kurs durchaus zusagte, die den gegebenenfalls sogar förderten. Und die Tatsache, dass seine Majestät das offenbar nicht sehen konnte oder wollte.


    Wilhelm II ist für mich kein Dämon. Auch kein schlechter Mensch. Nur einer, der so, wie er war, für diesen Posten reichlich ungeeignet war. In mancherlei Hinsicht tut er mir leid, und gewinnt auf dieser Ebene sogar ein paar Sympathiepunkte. Rein menschlich, nicht politisch.
    Mitglied der nationalbolschewistischen Front
    "Der Prinz fürchtet lediglich, nun habe er eine Revolution am Hals. Lasst uns ihm zeigen, wie furchtbar er uns unterschätzt..."
    -Harald, Brujah Primogen von New York City, zu Beginn der Zweiten Feuernacht

  10. #10
    Mitglied Benutzerbild von Ajax
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    Standard AW: Wilhelm der Zweite - Kaiser oder Dämon?

    Zitat Zitat von JPK Beitrag anzeigen
    Wilhelm der II zeigt uns eindeutig, dass die Erbmonarchie einen schlimmen Fehler hat. Ich präferiere eher eine Wahlmonarchie.
    Es läuft auf's selbe hinaus. "Schlechte" Monarchen sind auch bei einer Wahlmonarchie nicht auszuschließen. Schau dir unsere Demokratie an. Hier wird auch gewählt und nur die größten Deppen und käufliche Opportunisten kommen an die Macht. Eine Wahl birgt mehr als die Erbmonarchie die Gefahr des Lobbyismus und Opportunismus.

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